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Full text of "Geschichte der römischen Litteratur bis zum Gesetzgebungswerk des Kaisers Justinian"

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HANDBUCH 

" DER 

KLASSISCHEN 



ALTEETUMS-WISSENSCHAIT 

in systematischer Darstelliing 

mit besonderer Rücksicht auf Geschichte und Methodik der einzelnen 

Disziplinen. 



In Verbindung mit Gymn.-Rektor Dr. Autenrieth f (Nürnberg), Prof. Dr. Ad. 
Bauer (Graz), Prof. Dr. Erich Bethe (Gießen), Priv.-Doz. Frhr. Dr. Fr. von 
Bissing* (München), Prof. Dr. Blass (Halle), Prof. Dr. Brugmann (Leipzig), 
Prof. Dr. Busolt (Göttingen), Prof. Dr. v. Christ t (München), Prof. Dr. Leop. 
Cohn (Breslau), Prof. Dr. A. Furtwängler (München), Prof. H. Gleditsch 
(Berlin), Prof. Dr. 0. Gruppe (Berlin), Prof. Dr. Günther (München), Gymn.- 
Rektor C- Hammer (Würzbmg), Prof. Dr. Heerdegen (Erlangen), Prof. Dr. 
Hommel (München), Prof. Dr. Hübner f (Berlin), Prof. Dr. Judeich (Er- 
langen), Prof. Dr. Jul. Jung (Prag), Prof. Dr. Krumbacher (München), Prof. 
Dr. Larfeld (Remscheid), Dr. LolUng f (Athen), Dr. H. Hanitius (Radebeul), 
Prof. Dr. K. J. Neumann (Straßburg), Prof. Dr. Niese (Marburg). Prof. Dr. 
Nissen (Bonn), Prof. Dr. Oberhummer (Wien), Priv.-Doz. Dr. öhmlchen 
(München), Prof. Dr. Pöhlmann (München), Gymn.-Dir.Dr. 0. Richter (Berlin), 
Prof. Dr. M. von Schanz (Würzburg), Prof. Dr. Schiller f (Leipzig), Gymn.- 
Dir. Schmalz (Freiburg i. Br.), Prof. Dr. Sittl t (Würzburg), Prof. Dr. F. 
Stengel (Berlin), Prof. Dr. Stolz (Innsbruck), Prof. Dr. Ungrer (Würzburg), 
Prof. Dr. V. ürlichs t (Würzburg), Prof. Dr. Moritz Voigt (Leipzig), Gymn.- 
Dir. Dr. Volkmann f (Jauer), Prof. Dr. Windelband (Heidelberg), Prof. 

Dr. Wissowa (Halle) 

herausgegeben yon 

Dr. Iwan von Hüller, 

ord. Prof. der klusisehen Phüologie in Mflnohen. 



■ '9 



Achter Band. 

Geschichte der römischen Litteratur 

bis zum Gesetzgebungswerk des Kaisers Justinian. 



Dritte ganz umgearbeitete und stark vermehrte Auflage, 

— — »OO^^^ 

HÜNCHEN 1907 
C. H. BECK'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG 

OSKAR BECK. 



GESCHICHTE 



DER 



RÖMISCHEN LITTERATÜR 




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M. 



Von 



Martin Sphanz, 

ord. ProfeMor an der VniTenit&t Wfinbnrg. 



Erster Teil: 



Die römische Litteratnr in der Zeit dei-'Bepnblik. 



• • • 



Erste HUfte: Von den Anfängen der Lltteratur bir-ziim Ausgang 

des Bundesgenossenkriegs. ':*;. 



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Dritte ganz umgearbeitete und stark vermehJ^lAuJ^lage^^^^ 

Mit alphabetischem Register. 



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MÜNCHEN 1907 
C. H. BBCK'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG 

OSKAR BECK. 



Alle Rechte Yorbeh&lten. 

9 859 1- 






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C. H. Beok'sche Buohdruckerei in Nördllngen. 



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Vorrede zur dritten Auflage. 



Als ich an die Bearbeitung der römischen Litteraturgeschichte 
herantrat, steckte ich mir das Ziel, eine quellenmässige, kritisch ge- 
sichtete und doch lesbare Darstellung zu geben. Wenn ich anfäng- 
lich der Kürze grosse Kechnung trug, weil ich meine Arbeit als Teil 
des Handbuchs der klassischen Altertumswissenschaft betrachtete, so 
erkannte ich doch sehr bald, dass dies eine drückende Fessel sei, 
die im Interesse der Sache abgeworfen werden müsse. Der -erste Band 
war freilich auch in der zweiten Auflage noch etwas von der ur- 
sprünglichen Eücksicht beherrscht. Die nunmehr nötig gewordene dritte 
Auflage gab mir willkommene Gelegenheit, jetzt auch diesen Band in 
der Art der Durchführung mit den späteren Bänden, so wie sie in 
ihren derzeitigen Auflagen vorliegen, völlig in Einklang zu bringen. 
Es wurde deshalb das Beweismaterial möglichst vollständig gegeben, 
damit der Leser in den Stand gesetzt werde, sich selbst ein Urteil zu 
bilden. Der Stand der Forschung wurde genau formuliert und, wo 
es notwendig war, historisch entwickelt, sowie stets eine kritische 
Würdigung versucht. Die Litteratur wurde möglichst vollständig ver- 
zeichnet und in den Litteraturangaben die grösste Genauigkeit an- 
gestrebt. Der Aufbau des Ganzen, der sich mir durchaus bewährt 
hatte, blieb erhalten, was aber nicht verhinderte, eine grössere An- 
zahl von Paragraphen einzuschalten und den Stoff auch hie und da 
anders zu gruppieren. Viele Paragraphen, ganze Abschnitte wurden 
neu bearbeitet, fast jeder erhielt mehr oder weniger Verbesserungen. 
Wegen der Fülle des Stoffes kam ich im Laufe der Arbeit zu dem 
Entschlüsse, auch den ersten Band, wie es schon bei dem zweiten 
und vierten geschehen ist, in zwei Abteilungen zu zerlegen. Es ist 



VI Vorrede zur dritten Auflage. 

SO gut wie ein neues Buch, das dem Publikum hiemit vorgelegt wird. 
Den Verfasser würde es freuen, wenn dem Werke auch in der neuen 
Fassung die Gunst der Leser sich zuwenden würde, die in so reichem 
Masse die ersten Bearbeitungen gefunden haben. Für die Biblio- 
graphie wurden mir manche Aufschlüsse von seiten des Herrn Sekre- 
tärs der Staatsbibliothek in München Dr. M. Philipp und ganz be- 
sonders von Seiten des durch seine ausgezeichneten bibliographischen 
Kenntnisse auf unserem Gebiete bekannten Herrn Professors Dr. R. B[luss- 
mann zu teil. In der schwierigen Korrektur wurde ich von Herrn 
Professor C. Hosius in Greifs wald unterstützt; auch andere Herren 
haben mich durch einzelne Bemerkungen oder Uebersendung ihrer 
Druckschriften erfreut. Ihnen allen sei mein wärmster Dank dar- 
gebracht. 

Da der im Dezember 1906 abgeschlossene Druck dieser Ab- 
teilung über ein Jahr in Anspruch nahm, mussten einige Nachträge 
gegeben werden. 



Würzburg, den 6. Dezember 1906. 



Der Verfasser. 



A. 

zum ersten Teil, erste Hälfte. 



ElnleUang. seite 

1. Ziel 1 

2. Umfang und Gliedemng 2 

3. Methode 8 

4. Entwicklung der römisclien litteraturgeschichte 4 

Ente Periode: 
£lenienle der nationalen I^IÜeratnr« 

1. Volk und Sprache. 

5. YerhAltnis des römischen Volkes zur litteratar 11 

6. Die Stellung der lateinischen Sprache; ihre Entwicklung 12 

2. Poesie. 

7. Das Bfttianale Versmass 14 

8. Die heiligen Lieder 17 

9. Die Fescenninen 21 

9 a. Die Triumphlieder 28 

10. Die Totenklagen und die Ahnenlieder 24 

11. Weissagungen und Sprüche 26 

3. Prosaaufzeichnnngen. 

12. Die Schrift 28 

13. Die Amtshflcher 29 

14. Die amtliche Chronik 34 

15. Die Xn Tafeln 40 

16. Das papirische Rechtshnch (Jus Papirianum) 42 

17. Das flavische Rechtsbuch (Jus Flavianum). Ti. Coruncanius .... 44 

18. Verträge und Gesetze 45 

19. Die Leichenrede 47 

19 a. Aufschrift unter dem Ahnenbild 48 

20. Der erste römische Schriftsteller 50 

21. RückbUck 52 

Zweite Periode: 
Die römlsclie Knnsllllteratur. 

A. Die Litteratnr Tom Ende des ersten pnnischen Krieges bis lam 
Aasgang des Bundesgenossenkrlegs (24(^88). 

22. Der Hellenismus in der römischen Litteratnr 54 

a) Die Poesie. 

1. L. Livius Andronicns. 

23. Die lateinisch^ Odyssee 55 



vm 



InhaltBTerzeiohnis zum ersten Teil, erste Hälfte. 



24. Das griecliiBche Drama in Rom 

25. Das Parthemon und die römische Dichterzunffc . 

25 a. Rflckblick 

2. Cn. Naevius. 
25 b. Biographisches 

26. EomOdien des Naevins 

27. Die Tragödien und das historische Schauspiel 

28. Das Epos «Der erste pnnische fjieg" 

29. Charakteristik 

3. T. Maccius Plautus. 

80. Biographisches 

31. Sichtung des plantinischen Corpus durch Varro . 
82. Die Stoffe in den plautinischen EomOdien . 

32 a. Rflckblick 

38. Die plautinischen Prologe 

34. Charakteristik des Plautus 

35. Fortleben des Plautus 

4. Q. Ennius. 

36. Das Leben des Ennius 

37. Ennius' dramatische Dichtungen 

38. Das ennianische Epos .Die Jahrbflcher* 

89. Ennius' flbrige Werke 

39 a. Charakteristik 

39 b. Fortleben des Ennius 



5. Die Schule des Ennius: M. Pacnvius und Statins Caecilius. 

40. Die Tragödien des M. Pacuvius 

40 a. Die EomOdien des Statins Caecilius 



6. P. Terentius Afer und andere Palliatendichter. 

41. Leben des Terenz 

42. Die Chronologie der terenzianischen EomOdien 

42 a. Die Prologe zu den EomOdien des Terenz 

43. Die Stoffe der terenzianischen EomOdien 

44. Charakteristik des Terenz 

45. Fortleben des Terenz im Altertum 

45 a. Fortleben des Terenz im Mittelalter und in der Neuzeit . 

46. Die flbrigen Palliatendichter 



47. Rflckblick. Charakteristik der Palliata 

7. L. AcciuB. 
47 a. Biographisches . 

48. Die Tragödien des Accius 

49. Accius' übrige Werke 

50. Accius' Schriftreformen 
50 a. Charakteristik 



8. C. Titius und C 



Julius Caesar Strabo. 



51. Symptome des Niedergangs der Tragödie 

52. Rflckblick. Charakteristik der römischen Tragödie 

9. Titinius, T. Quinctius Atta, L. Afranius. 

53. Das lateinische Originallustspiel (Fabula togata) 

53 a. Die Dichter der Togata 



54. Das Theaterwesen 



10. C. Lucilius. 

55. Die Satire als Organ der Eritik . 

56. Das Leben des C. Lucilius . 

57. Das Corpus der lucilischen Satiren 

58. Inhalt einzelner Bücher der Satiren 

59. Charakteristik des Lucilius . 
59 a. Fortleben des Lucilius 



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195 

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205 
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210 
211 
214 



InhftltaTeneiohnis siim ersten Teil, erste Hälfte. 



IX 



11. Die flbrigen Dichter. 

60. Die lex Tappula coDvivalis des Valerius aus Valentia 
60 a. Die Palliaten und die Electra des Atilius .... 

61. Das bellum Histricum des Hostius 

61a. Das annalisüsche Gedicht des Furius von Antium 

62. Die Lehrgedichte des Q. Valerius aus Sora und seine 'Enontiöes 
62 a. Das litterarhistorische Gedicht des Porcius Licinus 
62 b. Das Gedicht des Volcacius Sedigitus ,De poetis* und sein Kanon 

63. Die epigrammatische Dichtung 

b) Die Prosa. 

«) Die Historiker. 
1. Q. Fabius Pictor und andere Annalisten. 

64. Kömische Annalistik in griechischer Sprache 

1. Q. Fabins Pietor 230; 2. L. Gindo« AlixnentiiB 234; 3. P. Oomelias Soipio AMcanos 287; 
4. A. PosimniuB Albinus 238; 5. 0. AcilinB 240. 

2. M. Porcina Gate. 

65. Reaktion gegen den fortschreitenden Hellenismus .... 

66. Catos Unterweisungen f&r seinen Sohn, die erste rOmische Encyclopftdie 

66 a. Das carmen de moribus ... 

67. Gates fach wissenschaftliche Spezialschriffcen 

67 a. De agri cultura .... 
67b. De re militari 

68. Gates Origines 

69. Gates Reden, Briefe und sein Florilegium 
69 a. Gharakteristik 

70. Das Fortleben Gates .... 

3. Die lateinischen Annalisten. 

71. Die lateinische Stadtchronik 



1. L. CasBiiu Hemina 267; 2. L. CalpurnioB Piao Frogi 270; 8. 0. SempronioB TadiUniu 272; 
4. Cn. Gellins 273; 5. Yennoiiiaa 275; 6. G. Fannias 275. 

4. L. Goelius Antipater. 

71a. Die historische Monographie 

5. Sempronius Asellio. 

72. Die Zeitgeschichte 

6. M. Aemilius Scaurus, Q. Lutatius Gatulus, P. Rutilius Bufus. 

73. Die Autobiographien und die Denkschriften 

ß) Die Redner. 
73a. Die Beredsamkeit in Rom 
73b. Die Reden in der Litteratur 

74. Die Redner bis zu den Gracchen 

75. Die Redner von den Gracchen bis M. Antonius und L. Crassus 

y) Die Fachgelehrten. 
1. Die Philologen und die Altertumsforscher. 

76. Das Aufkommen der Philologie in Rom 

76 a. Die philologische SchriftsteUerei des L. Aelius Stile Praeconinus 

77. Die Altertumswissenschaft 

2. Die Juristen. 

78. Die erste umfassende Bearbeitung des Rechts 

79. Regularjuiisprudenz 

80. Systematisches Recht 

3. Die landwirtschaftlichen und naturwissenschaftlichen 

Schriftsteller. 

81. Das landwirtschaftliche Werk des Karthagers Mago 

82. Das Werk der Sasemae ,De agri cultura* 

82 a. Das astronomische Werk des G. Sulpicius Gallus 

82 b. Das naturgeschichtliche Werk des Trebius Niger 



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254 
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268 
264 

267 



88. Rflckblick 

Nachträge und Berichtigungen 
Alphabetisches Register 



278 

283 

285 

293 
296 
298 
306 



328 
830 
334 

336 
338 
341 



343 
345 
345 
346 

347 

349 
351 



B. 

Zeittafel. 



509 Erster Handelsvertrag der Römer und Karthager (nach Polybias). 

498 Bandesvertrag des Sp. Cassius mit den Latinem. 

456 Lex Icilia de Aventino publicando. 

451—450 Gesetzgebung der XII Tafeln. 

444 Bundesvertrag mit Ardea. 

428 Der Cos. A. Cornelius Cossus weiht wahrscheinlich in diesem Jahre den linnenen 
Panzer des VeienterkOnigs Tolumnius im Tempel des Jnppiter Ferettius. 

387/6 Brand Roms. 

364 Etruskische Schauspieler führen an den ludi Romani Tftnze unter FlOtenbegleitung auf. 

848 Erster Handelsvertrag der Römer und Karthager (nach Diodor). 
c. 304 Veröffentlichung des ganzen Kalenders, einschliesslich der Gerichtstage und der Pro- 
zessformulare durch flavius. 

296 Appius Claudius Caecus stiftet den Tempel der Bellona und lässt in demselben seine 
Ahnenbilder und Inschriften aufstellen. 

280 Rede des Appius Claudias Caecus gegen den Frieden mit Pyrrhus. Der erste Rechts- 
lehrer Ti. Coruncanius Cos. 

272 Livius Andronicus kommt nach Rom. 

264 — 241 Der erste punische Krieg, -den der Dichter Naevius mitmacht und später besingt. 
c.251 Plautus' Geburt 

249 Seit diesem Jahre werden die Prodigien in der amtlichen Chronik ausfOhrlicher ver^ 
zeichnet. 

240 An den ludi Romani führt Livius Andronicus eine griechische Tragödie und Komödie^ 
in Uebersetzung auf. 

289—169 Q. Ennius. 

284 — 149 M. Porcius Cato. Cn. Gellius, gegen den Cato eine Rede hielt, war wahr- 
scheinlich der Annalist. 

222 Praetexta des Naevius zur Siegesfeier des Marcellus Aber Virdumarus. 

221 Die Leichenrede des Q. Caeciüus Metellus auf seinen Vater. 

220 Geburt des M. Pacuvius, Zeitgenossen des Statins Caecilius. Wahrscheinliche Ein-. 
Setzung der ludi plebei. 

216 Der Historiker Q. Fabius Pictor wird nach Delphi geschickt. 

218 Die umlaufenden Weissagungen werden nach Senatsbeschluss gesammelt. Der vates^ 
Marcius. 

212 Einsetzung der ludi Apollinares. 

210 Der Historiker L. Cincius Alimentus Pr&tor. 

208 Leichenrede auf Marcellus, den Eroberer von Svracus. 

207 Parthenion des Livius Andronicus. Gründung der römischen Dichterzunft 

207 — 208 In dieser Zeit hält Fabius Maximus Cunctator eine Leichenrede auf seinen Sohn. 

204 Ennius kommt durch M. Porcius Cato nach Rom. Einsetzung der ludi Megalenses.. 

198 Sex. Aelius Paetus Catus, der Jurist, der Verfasser der Tripertita Cos. 

197 Der Redner M. Sergius Silus Prätor. 

194 Die ludi Megalenses werden scenisch. 

189 Ennius begleitet den M. Fulvius Nobilior auf seinem Zug nach Aetolien. 

185(oder 1 84) — 1 29 P. Cornelius Scipio Africanus Aemilianus. Zeitgenosse von ihm L. Afranius,^ 



Zeittafel. XI 

184 Tod des Plautus. M. Porcius Cato Censor. 
180—102 C. LnciliuB. 

174 Die Errichhuig einer steiDernen Btthne. 

173 Die Floralia werden seit diesem Jahre regelmässig abgehalten. 
170 Geburt des Dichters L. Accias. 
c. 169 Der pergamenische Grammatiker Grates kommt nach Rom. Entstehung der römi- 
schen Philologie. 
168 Mondfinsternis, welche G. Sulpicius Gallus vorausgesagt hatte. 
167 Rede des L. Aemilius Paulus Macedonicus über seine Eriegstaten. 
167 — 150 Die achftischen Geiseln in Rom, darunter Polybius. 
166 Terentius* erstes StQck, die Andria aufgeführt. 
c. 164 Rede des Ti. Sempronius Gracchus, des Vaters der Gracchen, in griechischer Sprache 

in Rhodos gehalten. Gleichzeitig der Redner L. Papirius aus Fregellae. 
161 Die Erm&chtigung zur Ausweisung der griechischen Rhetoren und Philosophen wird 

gegeben. Rede des Dichters G. Titius fOr das Luxusgesetz des Fannius. 
159 Tod des Dichters Terentius. 
155 Die athenischen Gesandten Gritolaus, Garneades, Diogenes in Rom. Wahrscheinliche 

Vertreibung der Epikureer Alcaeus und Philiskus. 
154 wird auf Betreiben des Scipio Nasica der steinerne Theaterbau der Gensoren Gassius 

Longinus und Valerius Messala demoliert. 
153 Der Redner T. Annius Luscus Gos. 
c. 152 Tod des M. Porcius Cato Licinianus, des Urhebers der regula Gatoniana. 
151 Der Historiker A. Postumius Albinus Gos. 
151/50 Der Naturhistoriker Trebius Niger bei L. LucuUus in Spanien. 
149 Der Volkstribnn L. Scribonins labo zieht Ser. Sulpicius Galba wegen des an den 

Luaitanem begangenen Treubruchs vor Gericht Die erste quaestio perpetna auf 

Grund der lex Galpumia des Historikers L. Calpumius Piso. Der Jurist M'. Manilius 

Gos., sein Zeitgenosse der Jurist M. Junius Brutus. 
148 Der Redner Sp. Postumius Albinus Cos. 
146 Sp. Mummius, Verfasser von witzigen poetischen Briefen, begleitet seinen Bruder 

L. Mummius als Legat nach Achaia. 
144 Der Redner Ser. Sulpicius Galba Gos. 

148—87 Der Redner M. Antonius. Sein Freund der Altertumsforscher Junius Gongus. 
c. 142 G. Acilins schreibt eine römische Geschichte in griechischer Sprache. 
140 — 91 Der Redner L. Licinius Crassus. 
140 Rede des G. Laelius gegen den Vorschlag des Volkstribunen G. Licinius, bei den 

Priesterkollegien statt der Kooptation die Wahl durch das Volk eintreten zu lassen. 
137 Der Redner M. Aemilius Lepidus Porcina Gos. 
134/38 Der Historiker Sempronius Asellio Militärtribun. 
133 Ti. Sempronius Gracchus. Der Jurist P. Mucius Scaevola Gos. 
131 Berühmte Rede des Q. Gaecilius Metellus Macedonicus über die Volksvennehrung. 
129 Der Historiker G. Sempronius Tuditanus Gos. Um diese Zeit besingt Hostius den 

istrischen Krieg. 
126 Der Redner L. Aurelius Orestes Cos. Sein Bruder G. Aureb'us Orestes. 
125 Der Redner M. Fulvius Flaccus Gos. 
124 Brief der Cornelia an ihren Sohn G. Gracchus. 
L*. 123 Aufhören der Amtschronik (Pontifikat des P. Mucius Scaevola). 
122 Der Historiker G. Fannius Gos. 
121 Tod des G. Gracchus, des grössten Redners Roms. M. Junius Gracchanus, Freund 

des G. Gracchus, Altertumsforscher. Der Redner C. Scribonius Gurio Prätor. 
120 Der Redner C. Sulpicius Galba Quästor. Der Redner C. Papirius Garbo Cos. 
115 Gensorische Massregel gegen die ars ludicra. Der Memoirenschriftsteller M. Aemilius 

Scaurus Gos. 
107 Marius zum erstenmal Gos. Zeitgenosse von ihm wahrscheinlich Porcius Licinus. 
105 Die Gladiatorenspiele werden zur staatlichen Feier erhoben. Der Memoirenschrift- 
steller P. Rutilius Rufus Gos. Niederlage des Q. Servilius Caepio im Gimbemkrieg; 

für ihn verfasste Aelius Stilo die Rede, welche er gegen T. Betucius Barrus ans 

Asculum hielt. 
104 Der Redner C. Flavius Fimbria Gos. 

103 T. Albucius wird von G. Julius Caesar Strabo wegen Erpressung angeklagt. 
100 L. Aelius Stilo, dem L. Coelius Antipater sein Geschichtswerk widmete, begleitet 

den Q. Metellus Numidicus ins Exil. 
99 Die künstlerische Dekoration im Theater durch Claudius Pulcher eingeführt. 
95 Der Jurist Q. Mucius Scaevola pontifex Cos. (t 82). 



XII ZeittafeL 

92 Massregelang der lateinischen Rhetoren durch L. lieinius Crassus (L. Plotius Gallns). 
c. 91 Einfttlirang der Masken. 

91 Der Redner L. Marcins Philippns Cos. 

89 Der Redner Cn. Pompeios Strabo Cos. Sein Bruder der Stoiker und Jurist Sex. 
Pompeius. 

88 P. Sulpicius Rufus Volkstnbun; nach seinem Tode werden ihm von P. Cannutius 
Reden untergeschoben. Der Redner Q. Pompeius Rufus Cos. Cassius Dionysius 
widmet seine griechische Uebersetzung des landwirtschaftlichen Werkes des Kar- 
thagers Mago dem Prätor Sextilius. 

87 Tod des Tragödiendichters und Redners C. Julius Caesar Strabo und des Q. Lutatius 
Catulus. 

82 Tod des Redners C. Papirius Carbo Arvina. Q. Valerius aus Sora Volkstribun. 

76 Der Redner C. Scribonius Curio Cos. 

75 Der Redner C. Aurelius Cotta Cos. 

50 Der Redner C. Scribonius Curio Volkstribun. 



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Einleitung. 

1. Ziel. Die römische Litteraturgeschichte hat die Aufgabe, das 
Geistesleben des römischen Volkes, soweit es durch Sprache und Schrift 
zur Erscheinung kommt, darzustellen. Ihr erstes Geschäft ist daher, das 
gesamte Schrifttum, das die Römer hervorgebracht haben, zu verzeichnen. 
Allein bei diesem äusserlichen Registrieren darf sie nicht stehen bleiben, 
sie muss auch darnach trachten, das aufgespeicherte Material nach einer 
Idee zu verarbeiten. Diese Idee kann nur die Idee der Kunst sein; es 
muss untersucht werden, wie sich Stoff und Form durchdringen, es muss, 
mit anderen Worten, die Composition eines Schriftwerks Prüfung und 
Würdigung erfahren. Es gibt Schriften, für welche die äussere Form 
nebensächlich ist, da alles Schwergewicht auf den Inhalt fällt. Hieher 
gehört zum grossen Teil die philosophische und die sich aus ihr ab- 
zweigende fachwissenschaftliche Litteratur. Solche Werke treten in der 
Litteraturgeschichte zurück, ihre volle Geltung erhalten sie in der Ge- 
schichte der Wissenschaft. Doch kann eine scharfe Grenze nicht ge- 
zogen werden; denn auch die philosophische Prosa kann durch die dia- 
logische Form eine kunstvolle Composition empfangen, wie die Meister- 
werke Piatos dartun. Bei anderen Zweigen des litterarischen Schaffens 
dagegen ist, da sie die Phantasie der Leser oder Hörer in Anspruch 
nehmen, die künstlerische Form wesentlich, so bei den verschiedenen 
Gattungen der Poesie, dann bei der historischen und der rhetorischen 
Prosa. Diesen Zweigen wendet daher die Litteraturgeschichte mit Recht 
die grösste Aufmerksamkeit zu. . 

Das Verhältnis der Epigraphik zur Litteraturgeschichte. Da wir der 
Litteraturgeschichte die Registrierung des gesamten Schrifttums zuweisen, gehören zu ihr 
theoretisch betrachtet auch die Inschriften; denn das Schreibmaterial kann keinen we- 
Bentlichen Unterschied begründen; auch sind tatsächlich die verschiedenartigsten litterari- 
sehen Formen auf Inschrtften zutage getreten, wie Gedichte, Reden u. a. Allein da die- 
selben überwiegend rein praktische, keine künstlerischen Zwecke verfolgen, hat die Lit- 
teraturgeschichte nur selten Gelegenheit, sie heranzuziehen, zumal eine eigene Disziplin, 
die Epigraphik, für sie besteht. 

Litteratur. 0. Ribbeck, Aufgaben und Ziele einer antiken Litteraturgeschichte, 
Leipz. 1887 = Reden und Vorträge, Leipz. 1899, p. 81; £. Cocchia, Prelezione ad un corso 
di letteratura latina (Giomale napoletano 1884 ar, 26). Oeber die Litteraturgeschichte im 
allgemeinen handeln 0. Froehde, Der Begriff und die Aufgabe der Litteratur Wissenschaft 
(Fleckeis. Jahrb. 147 (1893) p. 433); Berichtigungen und Ergänzungen dazu 149 (1894) p. 1; 
P. Lacombe, Introduction ä FhiBtoire litt^raire, Paris 1898; A. Biese, Die Aufgaben der 

Htadtniefa der klMi. AltertnniMwiHeiiaohaft. VIII, 1. 8 Aufl. 1 



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2 Einleitimg. (§ 2.) 

Litteratorgesch. (Nene Jahrb. It&r das klaas. Altertum 4 (1899) p. 35); H. et J. Panthier, 
Notiona dliistoire Utt^raire, Paria 1901. 

2. ümfimg und Oliedenmg. Unsere Aufgabe ist die Darstellung 
der Litteratur des römischen Volkes. Da dieses im Jahre 476 vom Schau- 
platz der Geschichte abtrat, könnten wir hier die Grenze unserer Auf- 
gabe setzen. Allein der Verlust der politischen Selbständigkeit eines Volkes 
bedingt nicht notwendigerweise auch den Untergang seiner Litteratur. 
Wir können daher über dieses Jahr hinausgehen^) und müssen es tun, 
wenn sich uns in der nachfolgenden Zeit ein Ereignis darbietet, das sich 
besser zur Grenzmarke eignet. Wir meinen, ein solches Ereignis ist das 
grosse Gesetzgebungswerk des Kaisers Justinian (527 — 565). In dem- 
selben ist das Grösste, was der römische Geist geschaffen, zusammen- 
gefasst worden; keine Schöpfung der römischen Litteratur hat auf alle 
modernen Kulturvölker so tief eingewirkt als diese. Wir gedenken daher, 
unsere Litteraturgeschichte von den Anfängen bis zu dieser Epoche aus- 
zudehnen. 

Der grosse Zeitraum, den wir hiemit abgesteckt haben, fordert eine 
Gliederung. Wenn wir denselben mit kritischem Blick durchmustern, ist es 
zweifellos, dass mit dem Eindringen des Christentums in die römische Lit- 
teratur zur Zeit Hadrians der Wendepunkt derselben gegeben ist; denn 
mit dem Christentum zieht eine ganz neue Welt von Ideen, die mit der 
Nationalität brechen, in das römische Schrifttum ein. Aber auch diese 
beiden grossen Perioden erfordern wiederum eine Teilung. Für die erste 
ergibt sich dieselbe naturgemäss mit der Aenderung der Staatsform durch 
das Aufkommen des Prinzipats; für die zweite mit Constantins Alleinregie- 
rung, von welcher an die christliche Litteratur aus ihrer gedrückten Stellung 
zur dominierenden gelangt. Wir erhalten so im ganzen vier Teile : 
I. Teil. Die römische Litteratur in der Zeit der Bepublik. 
II. Teil. Die Zeit vom Ende der Republik (30 v. Chr.) bis auf Hadrian 

(117 n. Chr.). 
ni. Teil. Die Zeit von Hadrian (117 n. Chr.) bis zur Alleinregierung 

Constantins (324 n. Chr.). 
IV. Teil. Die Zeit von der Alleinregierung Constantins (324 n. Chr.) bis 
auf Justinian. 

Wegen der Fülle des Stoffes haben wir den zweiten und vierten Teil 
in zwei selbständige Hälften zerlegt, indem wir dort die Regierung des 
Tiberius, hier das Auftreten Augustins als Grenzscheide nahmen. Die 
zwei ersten Teile stellen die reine römische Litteratur und zwar in ihrer 
Blütezeit dar; die zwei anderen geben uns zwei Litteraturen, die ab- 
sterbende römische und die aufsteigende christliche. 

Was die Oekonomie des ersten hier vorliegenden Teils betrifft, so 
nehmen wir den Ausgang von den Elementen der nationalen Litteratur; 
darauf folgt die mit dem ersten punischen Krieg beginnende, unter 
hellenischem Einfluss stehende Kunstlitteratur. In dieser zweiten Ab- 
teilung macht einen starken Einschnitt das Ende des Bundesgenossen- 

^) Aach A. ▼. Gatschmid rttckt in einem interessanten Anfsatz (Kl. Sehr. 5 (1894) 
p. 399) die Grenzen der alten Zeit weiter hinaus. 



Einleitung. (§3.) 3 

kriegs, durch welchen die Latinisierung Italiens angebahnt wurde. Auf 
diese Weise stellt sich folgende Gliederung heraus: 

I. Elemente der nationalen Litteratur. 

n. Die unter dem Einfluss des Hellenismus stehende Kunstlitteratur. 

A) Vom ersten punischen Krieg bis zum Ende des Bundesgenossen- 
kriegs. 

B) Vom Ende des Bundesgenossenkriegs bis zum Untergang der 
Republik. 

3. Methode. Nach zwei Methoden kann die Litteraturgeschichte be- 
handelt werden: entweder man legt die einzelnen Fächer der Litteratur 
zu Grunde und verzeichnet chronologisch alles, was in denselben geleistet 
worden (eidographische Methode), oder man geht von einzelnen Schrift- 
stellern aus und führt sie mit ihren Schriften nach der Zeitfolge vor 
(synchronistische Methode). Beide Methoden haben ihre Vorzüge und 
ihre Nachteile. Bei dem eidographischen Verfahren erhalten wir eine 
genaue Einsicht in die Entwicklung der einzelnen Gattungen der Litteratur, 
aber wir erfahren nichts von den Zeitströmungen, unter denen der Schrift- 
steller arbeitete, auch tritt uns das Bild der schriftstellerischen Individuali- 
täten nur unvollkommen entgegen, besonders wenn sich dieselben in meh- 
reren Litteraturzweigen versucht haben. Die zweite Methode zeigt uns 
das Werden der Gesamtlitteratur, das Werden der schriftstellerischen Per- 
sönlichkeiten, nicht aber das Werden der Gattungen. Es ist sonach klar, 
dass beide Methoden miteinander verbunden werden müssen. Diese Ver- 
bindung darf aber nicht in der Weise bewerkstelligt werden, dass man 
zwei Teile unterscheidet und in dem einen Teil diese, in dem andern Teil 
jene Betrachtungsweise zu Grunde legt. Wir werden beide Methoden mit- 
einander verschmelzen. Zu dem Zweck setzen wir nicht allzugrosse Zeit- 
abschnitte fest; innerhalb derselben scheiden wir aber die Schriftsteller, so- 
weit dies nur angeht, nach Gattungen; jedoch werden wir die Schriftstellerei 
der Autoren, falls sie sich auf mehrere Zweige verteilt, nicht zerreissen. 
Dafür hoffen wir noch durch Uebersichten und Rückblicke dem systema- 
tischen Moment vollends gerecht zu werden. Was die Behandlung der 
einzelnen Schriftsteller anlangt, so haben wir eine vierfache Aufgabe zu 
lösen. Die erste ist die Feststellung der Zeit- und Lebensumstände des 
Autors. Hiebei handelt es sich aber nicht um eine vollständige Biographie, 
sondern um Hervorhebung der Momente, welche zum Verständnis der 
Wirksamkeit des Schriftstellers notwendig sind. Die zweite Aufgabe ist, 
die litterarischen Schöpfungen des Autors zu verzeichnen. Nicht selten 
ist derselbe unbekannt und muss erst durch Combination ermittelt werden; 
oder es laufen unechte Werke unter seinem Namen um, es muss daher 
Echtes und Unechtes geschieden werden. Sind diese beiden Aufgaben 
gelöst, so ist damit die Grundlage zur Beurteilung des litterarischen Er- 
zeugnisses gegeben. Wir haben dann zu untersuchen, in welchem Zustand 
der Verfasser das Werk hinterlassen hat, wie weit es Original oder Kopie 
ist, welche Stellung es in der Litteratur einnimmt. Endlich haben wir 
noch das Schicksal des Werkes ins Auge zu fassen, seine Ueberlieferung 
und seine Wirkung auf spätere Zeiten. Es ist klar, dass der Schwerpunkt 



4 Einleitang. (§ 4.) 

in den drei ersten Aufgaben liegt. Der Litterarhistoriker hat, wenn er 
ein richtiges Bild der Litteratur gewinnen will, sowohl die verlorenen als 
die erhaltenen Schriften zu berücksichtigen; selbstverständlich wird er 
länger bei den erhaltenen verweilen. 

4. Entwicklung der römischen Litteraturgeschichte. Bei einer 
naturgemässen Entwicklung der Litteratur tritt die wissenschaftliche Be- 
handlung derselben erst verhältnismässig spät hervor.^) Da aber in der 
römischen Litteratur durch den Zusammenstoss derselben mit der hoch- 
entwickelten griechischen der organische Verlauf unterbrochen ist, finden 
wir sehr früh litterarhistorische Studien. Die griechisch-pergamenische 
Philologie gehörte ja zu den ersten Fächern, welche nach Rom verpflanzt 
wurden. Die erste litterarhistorische Tätigkeit, auf die wir bei den Rö- 
mern stossen, besteht in der Anlegung von Verzeichnissen der litterari- 
schen Schöpfungen (indices); solche waren besonders dann notwendig, wenn 
es sich um Scheidung echten und unechten Gutes handelte. Plautus bot 
hierzu reichliche Gelegenheit. Gleichzeitig finden wir auch das litterar- 
historische Gedicht, für das die Römer eine grosse Vorliebe hatten. Das- 
selbe fand Pflege durch Accius, Porcius Licinus und Volcacius Sedigitus. 
Eine grosse Ausdehnung gewann die litterarhistorische Forschung bei 
Varro. In einer Reihe von Schriften handelte er über die verschieden- 
artigsten Stoffe, über Dichter, im besonderen über Plautus, über die 
Stileigentümlichkeit der Autoren, über das Theaterwesen, über Biblio- 
theken u. a. Auch schuf er ein epochemachendes Werk, Porträte be- 
rühmter Persönlichkeiten mit Epigrammen und einem erläuternden Text. 
In demselben waren natürlich auch die hervorragenden Schriftsteller be- 
rücksichtigt. Ebenso hatte Cornelius Nepos in seinen Biographien die 
Grössen der Litteratur geschildert, mit ihm werden Santra und Hyginus 
erwähnt. Aus den litterarhistorischen Schriften der republikanischen Zeit 
ist nur eine einzige ganz erhalten, nämlich Giceros Brutus, der einen Ab- 
riss der Geschichte der Beredsamkeit bis zum Ende der Republik gibt. 
In der Kaiserzeit war das wichtigste litterarhistorische Werk Suetons De 
viris (in litteris) illustribus. Wäre uns dasselbe erhalten, so würde es für 
die römische Litteratur grundlegend sein. Allein von demselben ist nur 
ein Fragment auf uns gekommen, nämlich der letzte Abschnitt über die 
Grammatiker und Rhetoren, und selbst dieser ist am Schluss verstümmelt. 
Hierzu gesellen sich Ergänzungen aus Hieronymus' Bearbeitung der euse- 
bianischen Chronik und noch einige anderweitig gerettete Bestandteile. 
Vorbild ward Sueton für den Kirchenvater Hieronymus, der die kirch- 
lichen Schriftsteller von Petrus bis 392 behandelte, und für dessen Fort- 
setzer Gennadius. 

Im Mittelalter richtete die Litteraturgeschichte, soweit von einer 
solchen die Rede sein kann, ihre Blicke fast ausschliesslich auf die scrip- 
tores ecclesiastici, nur ausnahmsweise auf die scriptores profani.*) Auch 



^) Hier handelt es sich nur um einen > zwar litterarhistorisches Material enthalten, 

ganz allgemein gehaltenen Ueberblick; denn aber andere Zwecke verfolgen (Velleins, Quin- 

der unten folgenden Darstellung durften wir ' tUian u. a.), müssen übergangen werden, 

nicht vorgreifen. Auch Schriften, welche ') Einen derartigen Versuch, „Conradi 



Binleiiimg. (§4.) 



nach dem Wiederaufleben der Wissenschaften dauerte es noch sehr lange, 
bis sich die Litteraturgeschichte zu einer fest geschlossenen Disziplin ent- 
wickelte. Von Werken, welche litteraturgeschichtlicher Natur waren, nenne 
ich Gyraldus'^) (1478 — 1552) De historia poetarum tarn graecorum quam 
latinorum dialogi (1545). Eine bedeutende und auch noch heutzutage nicht 
ganz entbehrlich gewordene Leistung ist G. J. Vossius' Werk: De historicis 
latinis libri III 1627 (1651). Da der Verfasser auch de historicis graecis 
geschrieben, ist sein Blick für diese Litteraturgattung besonders geschärft 
worden. Es folgt das Repertorium des J. A. Fabricius, die Bibliotheca 
latina, welche über die Aeusserlichkeiten nicht hinauskam. Einen höheren 
Standpunkt gewinnt die gruppierende Darstellung des J. Nie. Funccius aus 
der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der die Namen für die einzelnen 
Phasen den Lebensaltern entnahm. >) Falsters Quaestiones Romanae s. 
idea historiae literarum Romanarum, Leipz. 1718, gehen tiefer auf die 
inneren Kräfte der Litteratur ein. Ziel und Aufbau der ganzen Disziplin 
zeigt F. A. Wolf in seiner Geschichte der römischen Litteratur, ein Leitfaden 
für akademische Vorlesungen, Halle 1787, wozu als Ergänzung kommt: 
Vorlesung über die Geschichte der römischen Litteratur, herausgegeben 
von Gürtler, Leipz. 1839. Auf dem Fundament, das F. A. Wolf gelegt, 
ruhen die neueren wissenschaftlichen Darstellungen der römischen Lit- 
teratur. Unter denselben ragen drei hervor, die vollständigen Litteratur- 
geschichten von Bemhardy und Teuffei und die Geschichte der römischen 
Dichtung von 0. Ribbeck. Die Werke von Bemhardy und Teuffei haben 
miteinander gemein, dass sie den Stoff in einem allgemeinen und in einem 
besonderen Teil darlegen, jedoch mit dem Unterschied, dass Bemhardy 
in dem allgemeinen Teil die litterarische Bewegung schildert (innere Lit- 
teraturgeschichte), in dem besonderen dagegen die einzelnen Fächer des 
litterarischen Schaffens behandelt (äussere Litteraturgeschichte), Teuffei um- 
gekehrt zuerst das in den verschiedenen Gebieten von den Römern Ge- 
leistete in einem summarischen Umriss dem Leser vorführt (sachlicher 
Teil) und dann in dem Hauptteil (besonderer und persönlicher Teil) die 
Schriftsteller chronologisch aufzählt und würdigt. Wir sehen, der eine 
schreitet von der chronologischen Behandlungsweise zur systematischen, 
der andere von der systematischen zur chronologischen. Wir haben uns 
bereits oben gegen diese Teilung ausgesprochen; will man sie aber ein- 
mal vornehmen, so scheint mir der Weg, den Bemhardy eingeschlagen, 
der bessere zu sein. Jeder der beiden Autoren hat seine Vorzüge und 
seine Mängel. Bemhardy ragt hervor durch die Tiefe der Auffassung 
und den Reichtum der Betrachtungen, Teuffei durch klare, mit den Quellen- 



Hirsangiensis (c. 1070—1150) dialogns saper 
auctores sive didascalon", hat der in der 
mittelalterliclien Litteratur sehr bewanderte 
G. Schepss, Wfirzb. 1 888 herausgegeben und 
sachkunoig erläutert; allein die Existenz des 
Conrad von Hirschau wird neuerdings in Ab- 
rede gestellt; vgl. V.Rose, Verzeichnis der 
lateinischen Handschriften der kgl. Biblio- 
thek zu Berlin 1 (Berl. 1893) p. 137; der 
Verfasser des Dialogus gehört nach ihm ins 



13. Jahrhundert. 

^) Einen Abriss seines Lebens gibt Karl 
Wotke in seiner Ausgabe: Lilius Gregorius 
Gyraldus de poetis nostrorum temporum, 
Berl. 1894. 

') De origine et pueritia, de adolescentia, 
de virili aetate, de imminente senectute, de 
yegeta senectnte, de inerti ac decrepita senec- 
tute Unguae latinae 6 Bde , Glossen, Marb. 
und Lemgo 1720-1750. 



6 Sinleitnng. (§4.) 

stellen belegte, kritisch gesichtete Darlegung des Sto£fes. Bei Bemhardy 
liegt der Schwerpunkt in der zusammenhängenden Darstellung des Textes, 
bei Teuffei in den Noten. Als Hand- und Nachschlagebuch ist daher 
Teuffei mehr zu empfehlen, Bemhardy dagegen fQr die Lektüre und das 
Studium geeigneter. In der Beurteilung der litterarischen Produkte ist 
Bemhardy weit origineller und ausführlicher als Teuffei. Die Darstellungs- 
weise Teuffels ist durchsichtig und leicht verständlich, der Stil Bernhardys 
dagegen leidet an Schwerfälligkeit und an Vorliebe fQr philosophische Ab- 
straktionen, wenngleich diese Schattenseite in der römischen Litteratur- 
geschichte weniger hervortritt als in der griechischen. Beide Werke 
wenden sich an das gelehrte Publikum, für alle gebildeten Kreise ist da- 
gegen Ribbecks Geschichte der römischen Dichtung bestimmt. Ist es an 
und für sich erfreulich, wenn die Resultate der gelehrten Forschung all- 
gemein zugängUch gemacht werden, so ist es doppelt erfreulich, wenn ein 
Meister des Faches sich einer solchen Aufgabe unterzieht. Eine seltene 
Vereinigung einer Reihe von Eigenschaften hat Ribbeck in den Stand ge- 
setzt, ein vortreffliches Werk zu liefern. Er beherrscht das Gebiet, das 
er behandelt, nach allen Seiten hin, er besitzt ein scharfes Urteil und 
einen feinen Geschmack, er verfügt über die Gabe der lichtvollen, vom 
Druck der Gelehrsamkeit völlig freien Darstellung. Der Leser spürt den 
Hauch klassischen Denkens und Fühlens in diesem schönen Buch. 

Litteratur. 

GeBamtdarstellungen der röm. Litteraturgeschichte. J. Gh. F. Bahr, Gesch. 
der röm. Litt, Karlsruhe 1828, 4. Ausg. in 2 Bdu. 1868—70. Hiezn kommen drei Supplement- 
bände: I. Die Christi. Dichter und Geschichtschreiber 1836 (2. Aufl. 1872), IL Die christl.- 
röm. Theol. 1837, III. Gesch. der röm. Litt, im karolingischen Zeitalter 1840; Reinh. Klotz, 
Handbuch der lat. Litteraturgesch. 1. Teil, Leipz. 1846 (nicht vollendet); G. Bemhardy, 
Grundriss der röm. Litt., Braunschweig^ 1872; E. Munk, Gesch. der röm. Litt. 2. Aufl. von 
0. Seyffert, 1. Bd. BerL 1875, 2. Bd. BerL 1877 (enthält viele abersetzte Stellen); R. Ni- 
colai, Gesch. der röm. Litt, Magdeb. 1881 (vorsichtig zu benutzen); W. S. Teuf fei, Gesch. 
der röm. Litt, bearbeitet von L. Schwabe, Leipz.^ 1890. 

Compendien der röm. Litteraturgeschichte. E. Horrmann, Leitfaden zur 
Gesch. der röm. Litt., Magdeb. 1851; H. Bender, Grundriss der röm Litteraturgesch., Leipz.' 
1890; M. Zöller, Grundriss der Gesch. der röm. Litt, MOnster 1891; F. Aly, Gesch. der 
röm. Litt., Berl. 1894; H. Joachim, Gesch. der röm. Litt, Leipz.* 1900; W. Kopp, Gesch. 
der röm. Litt. fQr höhere Lehranstalten und zum Selbststudium, 7. Aufl. bes. von 0. Seyf- 
fert, Berl. 1901. Hieran reihen wir auch Th. Birt, Röm. Litteraturgesch. in 5 Stunden 
gesprochen, Marb. 1894. 

Röm. Litteraturgeschichten in fremden Sprachen, ff) Französische: M. S. 
F. Schoell, Histoire de la littärature romaine 4 Bde., Paris 1815; P. Albert, Histoire de la 
litt^rature romaine 2 Bde., Paris^ 1884 (populär); A. Jeanroy et A. Puech, Histoire de lit- 
törature latine, Paris 1891; P. Morlais, Histoire de la Jitt^rature latine, Paris 1892; 
E. Goumy, LesLatins, Paris 1892 (behandelt eine Anzahl röm. Schriftsteller; vgl. H. Bender, 
Berl. philol. Wochenschr. 1893 Sp. 1264); E. Nageotte, Histoire de la litt^rature latine depuis 
ses origines jusqu'au YP si^cle de notce ^re, Paris^ 1894; P. Thomas, La litt^rature latine 
jusqu'aux Antonius, Brüssel 1894; C. Lamarre, Histoire de la litt^rature latine. Premiere 
partie: Depuis la fondation de Rome jusqu'ä la flu du gouvemement r^publicain 2 Bde., 
Paris 1902; R. Pichon, Histoire de la litt^rature latine, Paris* 1903; M. Peilisson, Histoire 
sommaire de la litt^rature romaine, Paris' 1903. /9) Italienische: 0. Occioni, Storia della 
letteratura latina, Rom^* 1896; F. Ramorino, Letteratura romana, Mailand' 1898; G. Vi- 
telli e G. Mazzoni, Manuale deUa letteratura latina, Florenz 1898 (vgl. dazu G. Curcio, 
Rivista di filol. 27 (1899) p. 311); A. Romizi, Gompendio di storia della letteratura latina, 
Rom' 1903; G. Yerdaro, Letteratura latina (Biblioteca degli studenti vol. 80/81), Livomo 
1903. ^) Englische: G. A. Simcox, A history of latin literature from Ennius to Boethius 
2 Bde., London 1883; A. S. Wilkins, Roman literature, London 1890; G. Middleton and 



Umleitung. (§4.) 7 

T. R. Mills, Stadent's companion io latin authors, London 1896 (vgl. dazn BerL philol. 
Wochenflchr. 1897 Sp. 907); J. W. Mackail, Latin litorature, London» 1899; H. N. Powler, 
Hiatory of roman literatur«, London 1908. 

Daratellnngen der rOm. Litteratnrgesch. innerhalb eines grösseren 
Rahmens. F. Passow, Gnmdzttge der grieeh. nnd r5m. Litteratnrgesch., BerL' 1829; 
P. H. Tregder, Handbuch der grieeh. nnd rOm. Litteraturgesch. nach dem Dftnischen von 
Hoffa, Marb. 1847; J. Mfthly, Gesch. der antiken Litt. 2 Bde., Leipz. 1880 (popnlftr); 
M. Blanloeil, L'histoire de la litt^ratore grecqne et latine, Nantes* 1890; A. Baam- 
gartner, Gesch. der Weltlitt 3: Die grieeh. nnd lat Litt des klass. Altertums, Freib. i. Br. 
1902; 4: Die lat und grieeh. Litt der christl. Völker, 1905. Hieran reihen wir F. Leo, 
Die röm. Litt, des Altertums (Die Kultur der Gegenwart Teü 1, Abt. 8 (Leipz. 1905) p. 818). 

Geschichte der christlich-lateinischen Litteratnr. A. Ebert, Allgem. 
Gesch. der Litt, des Mittelalters im Abendlande 1*, Leipz. 1889 (Gesch. der christl.-lat 
Litt von ihren Anfängen bis zum Zeitalter Karls des Grossen); M. Manitius, Gesch. der 
chrisU.-lat Poesie bis zur Mitte des 8. Jahrb., Stuttg. 1891. Die übrige Litteratur ist zu- 
sammengestellt § 658. 

Darstellungen der röm. Litt, nach lokalem Gesichtspunkt und einzelnen 
Zeitabschnitten. P. Monceaax, Les Africains; ^tnde sur la litt^ratare latine d'Afrique. 
Les Palens, Paris 1894; Histoire litt^raire de TAfrique chrötienne depuis les origines jasqu'ä 
rinvasion arabe tom. 1: TertuUien et les origines, Paris 1901; tom. 2: Saint Cyprien et son 
temps, 1902; T. R. Glover, Life and letters in the fourth Century, Cambridge 1901; 
£. Cocchia, Saggi filologici. II: Studi sulla letteratura latina arcaica, Neapel 1901. 

Geschichte der römischen Poesie. W. Y. Sellar, The roman poets of the 
republic, Oxford* 1889; 0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dichtung 1 (Stuttgart 1887); 1* (1894), 
2 (1889), 3 (1892); R. T. Tyrrell, Latin poetry, lectures delivered in 1898 in the Percy 
Tumbull memorial foondation in the Johns Hopkins Uniyersity, London 1895; M. Patin, 
Etudes sur la po^sie latine, 2 Bde., Paris« 1900. 

Darstellungen einzelner Gattungen der Poesie. L. Müller, lieber die Volks- 
dichtung der Römer (Sammlung wissenschafÜ. Vorträge, hrsg. von R. Virchow und W. 
Wattenbach 180, Hamburg 1894); 0. Haube, Die Epen der röm. Litt im Zeitalter der 
Republik 2. Teil, Progr. Schrimm 1897 ; De carminibus epicis saeculi Augusti, Bresl. 1870, 
überarbeitet in: Die Epen der röm. Litt, im augusteischen Zeitalter (Wochenschr. für klass. 
PhiloL 1901 Sp. 749, Sp. 776); J. Clark, History of epic poetry (Post-Virgilian), London 
1900; J. Ziehen, Zur Gesch. der Lehrdichtung in der spfttröm. Litt (Neue Jahrb. für das 
klass. Altertum 1 (1898) p. 404); J. Tolkiehn, Die inschriftl. Poesie der Römer (ebenda 7 
(1901) p. 161); £. Cocchia, Gli epigrammi sepolcrs^ dei piü antichi poeti latini, Neapel 
1893 (Estratto dal vol. XVI degli Atti dell' accademia di archeologia, lettere e belle arti); 
H. Focillon, Poesie fnn^raire ä Rome d*aprto les inscriptions in F. Plessis, Epitaphes, 
Paris 1905; S. Piazza, L' epigramma latino. Parte 1, radua 1898 (Gesch. des lat Epi- 
gramms bis auf CatuU); 0. Ribbeck, Die röm. Tragödie im Zeitalter der Republik, Leipz. 
1875; R. G. Moniten, Ancient classical drama; study in literary evolution, Oxford' 1899; 
L. Heryieux, Les fabulistes latins depuis le sidcle d' Auguste jusqu*ä la fin du moyen- 
ftge 1* (Paris 1898), 2> (1894), 3 (1894), 4 (1896). 

Darstellungen einzelner Gattungen der Prosa. C. Wachsmuth, EinL in 
das Stud. der alten Gesch., Leipz. 1895; H. Peter, Die geschichtl. Litt über die röm. 
Kaiserzeit bis Theodosius I. und mre Quellen 2 Bde., Leipz. 1897; E. Ciaceri, Della storio- 
grafia in Roma nella prima etä imperiide, Catania 1902 (Estratto dalla Rivista di storia e 
di geografia vol. 1 fasc. 4); F. Leo, Die griech.-röm. Biographie nach ihrer litterarischen 
Form, Leipz. 1901; E. Chaignet, La rhötorique et son histoire, Paris 1888; A. Tartara, 

1 precursori di Cicerone, Pisa 1888; A. G. Amatucci, Studi latini. Parte 1: L' eloquenza 
latina nei primi cinque secoli di Roma, Benevento 1898; V. Cucheval, Histoire de l'^lo- 
quence romaine depuis la mort de Cic^ron jusqu'ä Tay^nement de Tempereur Hadrien 

2 Bde., Paris 1894; A. Cima, L' eloquenza latina prima di Cicerone, Rom 1903; (J. Kr ekel - 
berg et £. Remy, Les formes typiques de liaison et d'argumentation dans Teloquence 
hitine, Namur 1896); H. Peter, Der Brief in der röm. Litteratur (Abb. der sächs. Ges. der 
Wissensch. 20 (1901) Nr. 3); De Broc, Le shrle epistolaire. Cic^ron, Pline le jeune etc., 
Paris 1901; J. Babl, De epistularum latinarum formulis, Progr. Bamberg 1893; H. Schiott- 
mann, Ars dialogorum quas vicissitudines apud Graecos et Romanos subierit, Diss. Rostock 
1889; R. Hirzel, Der Dialog 2 Teile, Leipz. 1895; C. Buresch, Consolationum a Graecis 
Romanisque scriptarum bist crit (Leipz. Stud. 9 (1886) p. 1): P. Hartlich, De exhortationum 
a Graecis Romanisque scriptarum historia et indole (ebenda 11 (1889) p. 209); C. Martha, 
Les moralistes sous Tempire romain, Paris 1894. 

Erörterungen über einzelne Erscheinungen der röm. Litteratur (mit 
knapper Auswahl). P. Thomas, Rome et la litt^rature latine, Brüssel 1892; C. 0. Reure, 



8 Einleitiing. (§ 4.) 

Les gens de lettares et lenra protecteurs ä Rome (Thtee), PariB 1891; De sciiptoram ac 
litteratorom hominum cum Romanis imperatoribus inimieitiis (Thtee), Paris 1891 ; £. Bricon, 
De la profeaaion d'homme de lettres chez les anciens, Paris 1889; R. Graefenhain, De 
more libros dedicandi apad seriptores Graecos et Romanos obvio, Marb. 1892; M. Vogt, 
Der Buchtitel in der rOm. Poesie, Diss. München 1900; A. Gudeman, Literary fhiuds among 
the Romans (Transactions of tiie American philological association 1894 p. 140); H. Hagen, 
lieber litterarische Fälschungen, Hamb. 1889 (vgl. bes. p. 25—35); A. F. West, The lost 
parts of latin literature (Tiansactions and Proceedings of the American philol. association 
§3 (1902) p. XXI); J. Ziehen, Echtheitsfragen der röm. Litteraturgesch. (Ber. des Freien 
Deutschen Hochstiftes N. F. 17 (1901) p. 79); G. Michant, Le g^nie latin, Paris 1900 (vgl. 
dazu 0. Weissen f eis, Beri. philol. Wochenschr. 1900 Sp. 199); F. Leo, Die Originalit&t 
in der rOm. latt. (Festsede), Oöttingen 1904; W. Kroll, Unsere Schätzung der röm. Dich- 
tung (Neue Jahrb. ft^ das klass. Altertum 11 (1903) p. 1); H. Peter, Rhetorik und Poesie 
im klass. Altertum (Neue Jahrb. fOr das klass. Altertum 1 (1898) p. 637); £. Martinengo- 
Gesaresco, Nature in the last latin poets (The contemporary Review 76 (1899) p. 239); 
K. Allen, The treatment of nature in the poetr^ of the roman republlc (Bulletin of the 
University of Wisconsin, philol. and literature senes vol. 1 (1900) p. 89); G. Riedner, Ty- 
pische Aeusserungen der röm. Dichter über ihre Begabung, ihren Beruf und ihre Werke, 
Progr. Nürnberg 1903; H. Nettleship, Literary criticism in latin antiquity (Journal of 

fhilol. 18 (1890) p. 225) = Lectures and essays second series, Oxford 1895, p. 44; M. Mor- 
ais, £tudes morales sur les grands ^crivains latins, Lyon 1889; £tudes philosophiques et 
religieuses sur les ^crivains latins, Paris 1896; 0. E. Schmidt, Flugschriften aus der Zeit 
des ersten Triumvirats (Neue Jahrb. fttr das klass. Altertum 7 (1901) p. 620); 0. Hense, 
Die Synkrisis in der antiken Litt., Freib. i. B. 1893; J. Fürst, Die utterarische Porträt- 
manier im Bereich des griech.-röm. Schrifttums, Leipz. 1903 (aus Philol. 61, 1902); B. Lier, 
Topica carminum sepnlcralium latinorum (PhiloL 62 N. F. 16 (1903) p. 445, p. 563; 63 N. F. 
17 (1904) p. 54); A. deGennaro-Ferrigni, SuU' uso dell' apologo nella letteratura latina 
(Atti d. accad. Pontoniana, vol. 29 = ser. 2'^ (1900), vol. 4); G. Giri, Del tradurre presso 
i latini, Mailand 1889; Ph. Fabia, La r^gle annalistique dans rhistoriographie romaine 
(Journal des Savants 1900 p. 433); W. Soltau, Der geschichtl. Wert der Reden bei den 
alten Historikern (Neue Jahrb. für das klass. Altertum 9 (1902) p. 20). Andere Abhandlungen 
werden an geeigneten Orten angeführt 

Sammlungen von Abhandlungen über röm. Litteraturgeschichte. W. S. 
Teuf fei, Studien und Charakteristiken zur griech. und röm. Litteraturgesch., Leipz.' 1889; 
O. Occioni, Scritti di letteratura latina, Turm 1891; H. Nettleship, Lectures and essays 
on subjects connected with latin literature and scholarship 1* (Oxford 1895), 2 (1895); C. Pas- 
cal, Studi sugli Bcrittori latini. Ennio — Plauto — Cicerone — Livio — Orazio — TibuUo, 
Turin 1900; vgL dazu J. Tolkiehn, Wochenschr. für klass. PhiloL 1900 Sp. 1001. 

Hilfsmittel. E.Hübner, Grundriss zu Vorlesungen über die röm. Litteraturgesch., 
BerL^ 1878 (enthält Titel und Litteraturangaben); E. F. M. Benecke, Poetarum latinorum 
index, London 1894; F. L. A. Schweiger, Handbuch der klassischen Bibliographie 2. Teil 
Lateinische Schriftsteller 1. Abt. A— L Leipz. 1832; 2. Abi M-V Leipz. 1834, gibt alpha- 
betisch nach den Schriftstellern die Druckschriften seit Erfindung der Buchdruckerkunst, 
Texte, Uebersetzungen, Erläuterungsschriften; W. Engelmann, Bibliotheca scriptorum 
classicorum, bearbeitet von E. Preuss, Leipz." 1882 (gibt die Litteratur von 1700 — 1878); 
Bibliotheca philologica classica, welche jährlich in 4 Heften erscheint, von 1874 an bis jetzt 
(1905), 32 Bde.; C. J. F. W. Ruprecht, Bibliotheca philologica, geordnete Uebersicht aller 
auf dem Gebiete der klass. Altertumswissenschaft, wie der älteren und neueren Sprachwissen- 
schaft in Deutschland und im Ausland neu erschienenen Bücher, Göttingen, umfasst die 
Litteratur von 1848 — 1897; 0. H. Herrmann, Bibliotheca philologica, fortges. von R. Einss- 
mann, Halle a.S. 1871—73, umfasst die Litteratur von 1858—1873. Hiezu kommen die 
Referate im Philologus, in der Zeitschr. für das Gymnasialw. und in Bursians Jahresber. 
über die Fortschritte der klass. Altertumswissenscnaft, jetzt herausgegeb. von L. Gurlitt 
und W. Kroll; S. Consoli, Note critiche e bibliografiche di letteratiira latina, Catania 1903. 
Für chronologische Zwecke sind zu empfehlen H. F. Clinton, Fasti Romani 2 Bde., Ox- 
ford 1845; E. W. Fischer, Röm. Zeittafeln von Roms Gründung bis auf Augustus' Tod, 
1846; Carl Peter, Zeittafeln der röm. Gesch., Halle« 1882. 

Grammatische und kritische Arbeiten zu verzeichnen, ist nicht eigentliche Aufgabe 
der Litteraturgeschichte. Ich habe daher in diesem Werke in der Regel grammatische Ab- 
handlungen nur dann verzeichnet, wenn sie den Stil und die Composiüonsweise des Autors 
aufzuhellen geeignet sind. Dagegen blieben Arbeiten über eine einzelne grammatische Er- 
scheinung bei einem Autor uuberücksichtigt. Von kritischen Arbeiten habe ich manchmal 
Notiz genommen, wenn sie zur Ergänzung und Erläuterung einer Ausgabe dienen. 



Erster Teil. 



Die römische Litteratur 



in der Zeit der Republik. 



Erste Periode. 

Elemente der nationalen LItteratur. 



1. Volk und Sprache. 

5. Verhältnis des römischen Volkes zur Litteratur. Die natür- 
lichen Lebensbedingungen sind es, welche zumeist die geistige Eigentüm- 
lichkeit eines Volkes bestimmen. Dem römischen Volk war von der Natur 
eine Wohnstätte angewiesen, welche dasselbe zwang, fortwährend auf der 
Hut zu sein und stete Kämpfe mit den Nachbarn zu führen. Ein Volk 
mit solchem Wohnsitz konnte sich daher nicht eines freien ungebundenen 
Daseins erfreuen; um seine Existenz zu wahren, musste es sich in um- 
friedete Orte zusammenschliessen und sich eine Organisation schaffen, 
welche die Unterordnung des individuellen Willens unter den Gesamtwillen 
zur Voraussetzung hatte. Dies führt zur Bildung der politischen Gemeinde 
und zur Heeresorganisation, aber vernichtet jene Freiheit des Geistes, 
welche für das litterarische Schaffen unerlässlich ist. Nach den natür- 
lichen Existenzbedingungen kann also die Grösse des römischen Volkes 
nicht in der Litteratur liegen. Sie liegt auch nicht in der Durchbildung 
religiöser Ideen und in der Schöpfung religiöser Kunstgebilde; denn auch 
die Religion nahm den Charakter der Gebundenheit an, d. h. das religiöse 
Leben stellte sich als strenge, durch Furcht diktierte Beobachtung ge- 
wisser Vorschriften dar. Wie im politischen und im religiösen Leben 
alles zur festen Norm drängte, so auch im Privatleben. Hier musste die 
starre Ordnung, welche das Römertum ausmachte, feste Sitte, festes Recht 
herbeiführen. Damit haben wir die Wurzeln der römischen Grösse auf- 
gedeckt; es ist dies einmal die militärisch-politische Organisation, welche 
zum Weltreich führte, dann die feste Ordnung der privaten Lebensver- 
hältnisse, welche der Welt das vollkommenste Privatrecht lieferte. Wenn 
der Dichter H. Heine die Römer „eine kasuistische Soldateska* nennt, so 
hat er witzig das wahre Wesen des römischen Volkes dargelegt. Sonach 
dürfen wir nicht mit allzuhoch gespannten Erwartungen an die römische 
Litteratur herantreten; sie hat keine originellen Schöpfungen ersten Ranges 
aufzuweisen, ihre Bedeutung ruht vielmehr darin, dass die Ideen, welche 



12 Volk und Spraohe. (% 6.) 

der griechische Geist ausgepr&gt hat, durch sie eine Fortsetzung und uni- 
verselle Verbreitung erhalten. Die römische Litteratur bildet die Brücke, 
die den Hellenismus zur modernen Welt überleitet. 

Zur Charakteristik des römischen Volkes. Ueber die Lage Roms handelt 
einsichtig R. Pöhlmann, Die Anfänge Roms, Erl. 1881; vgl. p. 24: »Es war gewiss von 
grosser Sedeutung, dass Höhen wie der Palatin nnd das Eapitol, die isoliert und rings von 
Senkmigen nmgeben, fttr die ftltesten Befestigungsanlagen vorzüglich geeignet waren, ge- 
rade am Strome lagen, der die natOrUche Grenzwehr Latiums gegen die nördlichen Nach- 
barn war, und zwar gerade an der Stelle, wo die einzige Insel im unterlauf des Stromes 
das üeberschreiten dieser Schutzwehr erleichterte. Der Besitz dieser Position mnss für 
die ganze Ebene von Anfang an eine Lebensfrage gewesen sein und die Sage Iftsst es noch 
deutiQch erkennen, wie viel umstritten dieser inmitten dreier Yölkergebiete an der Landes- 
mark gelegene Punkt seit uralten Zeiten gewesen ist Diese Lage hatte aber auch noch 
eine weitere Bedeutung. Sie hat ohne Zweifel mftchtig dazu mitgewirkt, dass die ursprüng- 
lich isolierten Niederlassungen auf den Tiberhöhen sich zu einem einheitlichen politischen 
und ökonomischen Organismus zusammenschlössen, d. h. dass aus einem Aggregat von 
selbständigen Ortschaften die Stadt Rom entstand.' Aehnlich E. v. Wietersheim, Völker- 
wanderung 1 (Leipz. 1880) p. 874. Den Qriechen gegenüber rühmt Cicero (Tusc. 1, 1, 2) 
an seinem Volke: mores et inatituta vitae resque damesticaa ae familiäres nas profecto ei 
melius tuemur et latUius, rem vero publieam nostri maiores eerte melioribus temperaverunt 
et institutis et legibus, quid loquar de re militari f in qua cum virtute nostri miäium valu- 
erunt, tum plus etiam disciplina. — Zur Stelle Heines (Ges. Werke 3 (Hamb. 1867) p. 171) 
bemerkt J. Bernays, Ges. Abh. 2 (Berl. 1885) p. 255: .Das Ineinander von Gericht und Ge- 
fecht, die Doppelschneide der juristischen Logik und des Eriegsschwertes ist ein wesent- 
licher Zug des Römertums; ja man darf sagen, dass er im Verein mit der nicht minder 
wesentlichen und ebenfalls juristiBch gefftrbten Götterangst das römische Wesen erschöpft* 
Für die Erkenntnis des römischen Volkscharakters vgl. R. Jhering, Geist des römischen 
Rechts 3 Bde., zuletzt Leipz. 1883 — 91; Entwicklungsgesch. des röm. Rechts, Leipz. 1894 
(aus dem Nachlass herausgegeben); H. Nissen, Ital. Landeskunde, Berl. 1883; E. Zell er, 
Religion und Philosophie bei den Römern (Vortr. und Abh. 2 (1877) p. 93); G. Wissowa, 
Religion und Kultus der Römer (Iwan v. Müllers Handbuch der klass. Altertumswissensch. 
5. Bd. 4. Abt., München 1902); vgl. auch dessen Ges. Abh. zur röm. Religions- und Stadt- 
gesch., München 1904. Auch in den Sprichwörtern drückt sich der Charakter eines Volkes 
aus; vgl. A. Otto, Die Sprichwörter und sprichwörtlichen Redensarten der Römer, Leipz. 
1890; Ergänzungen dazu von A. Sonny, Archiv für lat. Lezikogr. 9 (1896) p. 53; G. Wey- 
man, ebenda 13 (1904) p. 253 ; M. G. Sutphen , l*he American Journal of philol. 22 (1901) p. 1 ; 
V. Szelinski, Zu den Sprichwörtern der Römer (Rhein. Mus. 58 (1903) p. 471; 59 (1904) 
p. 149, p. 316, p. 477, p. 635). — G. Lamarre, £tnde sur les peuples anciens de Tltalie et 
sur les cinq premiers si^cles de Rome, pour servir d'introduction ä rhistoire de la litt^rature 
romaine, Paris 1899; G. Michaut, Le gönie latin, Paris 1900, p. 9. üeber das Mittelmeer- 
gebiet vgl. A. Philippson, Das Mittelmeergebiet, seine geograpnische und kulturelle Eigen- 
art, Leipz. 1904. 

6. Die Stellung der lateinischen Sprache; ihre Entwicklung. Die 
lateinische Sprache gehört zu der Gruppe indogermanischer Sprachen, welche 
man die «mitteUtalische'' nennt und deren vorzüglichste Glieder ausser 
dem Lateinischen das Oskische und das ümbrische sind. Das politische 
üebergewicht des römischen Volkes hinderte die Entwicklung jener ver- 
wandten Idiome, sie wurden keine Litteratursprachen und gingen schliess- 
lich zu Grund. Uns sind sie nur durch Inschriften bekannt geworden, 
das Oskische besonders durch die tabula Bantina, ein Verfassungsgesetz 
der Stadt Bantia in Apulien, durch den Cippus Abellanus, einen Bundes- 
vertrag zwischen Nola und Abella wegen eines gemeinsamen Tempels, 
durch die Weihinschrift von Agnone, endlich durch eine Execrationstafel 
von Gapua, das Ümbrische durch die rituelle Normen enthaltenden 7 Tafeln 
von Iguvium. Was nun die Geschicke der lateinischen Sprache anlangt, 
so dringt sie in dem Masse vor, in dem sich die Herrschaft der Römer 
ausbreitet. Sie besiegt nicht nur die mittelitalischen Idiome, sondern auch 



Volk nnd Sprache. (§ 6.) 13 

die übrigen Sprachen Italiens, ja auch Sprachen der ausseritalischen Länder 
werden durch sie dem Untergang geweiht. Ihre Entwicklung zur Schrift- 
sprache spielt sich aber in Rom ab; denn fast die gesamte römische 
Litteratur ist in Rom entstanden, und Rom ist noch weit mehr das Zen- 
trum für die lateinische Litteratur geworden, als heutzutage Paris das 
Zentrum der französischen Litteratur ist. Wie die Verfassung des römi- 
schen Reiches die längste Zeit hindurch im Wesen ein Stadtregiment bleibt, 
so ist die lateinische Litteratur fast nur Stadtlitteratur, d. h. Litteratur 
Roms geblieben. Mit Recht spricht man daher von einer römischen, 
nicht von einer lateinischen Litteraturgeschichte. Erst in den spätesten 
Zeiten bildeten sich andere Zentren für die lateinische Litteratur, z. B. 
in Gallien und in Afrika. Die Ausbildung des Lateinischen zur Litteratur- 
sprache erfolgte in erster Linie durch Fremde, deren Ziel vor allem sein 
musste, Orthographie und Flexion fest zu regeln. Es folgten dann die 
Versuche der Periodisierung; sie führten zu bewunderungswürdigen Re- 
sultaten und fanden ihren Höhepunkt in Cicero. Die kommende Epoche 
strebt das Pikante des Stiles an; es verschieben sich oft die Grenzen der 
Poesie und Prosa; die Periodologie kommt in Verfall. Endlich drang die 
Volkssprache in die Litteratur ein; damit ward das Ende der lateinischen 
Sprache vorbereitet. Die allmählich zu Litteratursprachen sich ausbildenden 
Volksidiome schmälern das Gebiet der lateinischen Sprache und belassen 
sie nur als Verständigungsmittel der gelehrten Welt. Aber auch in dieser 
zurückgedrängten Position hört sie nicht auf, sich weiter zu entwickeln 
und die Bedürfhisse der Sprechenden zu decken, bis sie durch den Humanis- 
mus, der die ungeheuere Eluft zwischen Vergangenheit und Gegenwart 
gewahrend auf die alten Muster verwies und die Nachahmung als das 
leitende Prinzip für die Lateinschreibenden hinstellte, zu einer wirklich 
toten Sprache wurde. Nach der Ausbildung, welche die lateinische Sprache 
erfahren, ist sie wegen des ihr innewohnenden Numerus sehr geeignet 
für die rhetorische Darstellung, die sich leider nur zu oft auch der Poesie 
mitteilte. Dagegen ist sie viel weniger passend für die philosophische 
Rede; denn sie ist verhältnismässig arm an Substantiven, besonders an 
Abstractis, auch in Zusammensetzungen ist sie beschränkt.^) 

Litteratur Aber die italischoD Dialekte, a) Aeltere Sammlungen. 
Th. Aufrecht u. A. Kirchhof f, Die umbrischen Sprachdenkmäler, Leipz. 1849/51; J. Zve- 
taieff, l^lloge inscriptionum Oscarum, Petersb. 1878; Inscriptiones Italiae mediae dialecticae, 
Leipz. 1884; Inacriptiones Italiae inferioris dialecticae, Moskau 1886; M. Bröal, Les tables 
Engubines, Paria 1875. ß) Neuere Sammlungen. R. v. Planta, Grammatik der osk.- 
nmbr. Dialekte 1. Bd. (Einl. und Lautlehre), Strassb. 1893; 2. Bd. (Formenlehre, Syntax, 
Sammlung der Inschriften und Glossen, Aiüiang, Glossar), 1897; dazu Nachträge in Indo- 
german. Forsch. 8 (1898) p. 315; R. C. Gonway, The Italic dialects, ed. with a grammar and 
glossary, Cambridge 1897, part 1 : The records of Oscan, ümbrian and the minor dialects, 
including the Italic glosses in andent writers, and the local and personal names of the dia- 
lectical areas; part 2: An outline of the grammar of the dialects, appendix, indices and glossary; 
derselbe, Dialectorum Italicamm exem^la selecta in usum academicum Latine reddita, 
Cambridge 1899; 0. Nazari, I dialetti itahci; grammatica, iscrizioni, versione, lessico, Mai- 

*) Vielleicht darf auch hier ein pointierter I Feldherren, eine Dekretalsprache fttr Admini- 

Ausspruch H. Heines (Ges. Werke 5 (Hamb. ' stratoren, eine Justizsprache fdr Wucherer, 

1867f p. 144) angeMhrt werden: „Die Sprache * eine Lapidarsprache fOr das steinharte RQmer- 

der kömer kann nie ihren Ursprung ver- volk.* 
leugnen. Sie ist eine Eommandosprache fOr 



14 Der Batamiaehe Veni. (§ 7.) 

land 1900. y) Einseldarstellungen. Th. Mommsen, Unterital. Dialekte, Leipz. 1850; 
F. Buecheler, ümbrica, Bonn 1883; Oakischesaus Pompeji (Rhein. Mos. 53 (1898) p. 205); 
C. D. Bnck, Der YokalismiiB der oskiachen Sprache, Leipz. lo92; The Oacan-Umbrian Verb- 
Syatom, Chicago 1895; A grammar of Oacan and Umbrian, Boston 1904. (f) Berichte. 
F. Skntsch, Tndogerm., altital. and yorhiat lat Forschung (Erit. Jahresber. Aber die Fort- 
schritte der roman. Philol. 1 (1890) p. 26; 2 (1891—94) p. 44); derselbe, Altital. Sprachen 
nnd aUg. lat. Grammaük (ebenda 4 (1895, 1896) 1. Teil p. 71; 5 (1897, 1898) 1. Teü p. 52; 
6 (1899—1901) 1. Teil p. 429); G. Herbig, Bericht aber die Erforschung der altitalischen 
Sprachdenkmäler fOr die J. 1894—1897 (Borsians Jahresber. 106 (1900) p. 1); vgl. aach 
W.Deecke-W.Meyer-LQbke in GrObersGmndriss der roman. PhUol.l'(Strassb.l 904) p. 431. 

Allgemeine Litteratnr Ober die lateinische Sprache. A. Bndinszky, Die 
Aosbreitong der lat Sprache Aber Italien nnd die Provinzen des rOm. Reichs, Berl. 1881 ; 
H. Nettleship, The Ustorical development of classical latin prose (Lectores and essays, 
second series (Oxford 1895) p. 93); 0. Weise, Charakteristik der lat Sprache, Leipz.' 1905; 
F. Skntsch, Die lat Sprache (Die Kultur der Gegenwart Teil 1, Abt 8 (Leipz. 1905) p. 412). 
Wie durch den Humanismus, bes. durch des Laurentius Yalla Buch Elegantiae latmi ser- 
monis die lateinische Sprache eine tote wurde, zeigt sehr schön J. Vahlen, Lorenzo Yalla, 
ein Vortrag (Alnuinach der Wien. Akad. der Wissensch. 1864). 

2. Poesie. 

7. Das nationale Yersmass. Die gebundene Rede stellt sich zu- 
nächst dar in dem Verse. Die Römer hatten hiefQr den Ä^usdruck ^carmen*. 
Allein es gibt noch eine zweite Form der gebundenen Rede, die Formel, 
den Spruch, die zwar nicht dem Metrum unterworfen sind, aber doch eine 
feste unabänderliche Gestalt erhalten und sich dadurch der individuellen 
WillkQr entziehen. Auch von dieser Form der Rede wurde , Carmen' ge- 
braucht. So bezeichnet Livius die Formel für ein Bündnis als .Carmen*, 
ebenso die Formel der Kriegserklärung, Gesetzesworte, die Schwurforme]. 
Beide Formen der gebundenen Rede können durch Allitteration gestützt 
werden. Für die altlateinische nationale Poesie war das regelmässige 
Organ der saturnische Vers. Mit dem Namen „satumisch'' wollte man 
(wie mit dem in Anlehnung anEnnius(p. SSVahlen) gebrauchten „faunisch*) 
auf das hohe Alter des Verses hinweisen. Der satumische Vers ist aber 
nicht bloss den Römern, sondern auch andern Völkern des mittelitalischen 
Sprachstammes eigentümlich. Das Wesen des Satumiers beruht auf der 
Quantität, jedoch so, dass nur die Hebungen als massgebend erscheinen, 
während die Senkungen für den Bau des Verses ziemlich indifferent sind. 
Das Indifferente der Senkungen zeigt sich darin, dass sie einmal lang oder 
kurz sein dürfen, dann dass sie (natürlich mit gewissen Beschränkungen) 
durch zwei kurze Silben ausgefüllt und endlich, dass sie (in der Regel 
nur die sechste, ausnahmsweise auch die dritte) gänzlich unterdrückt 
werden können. Eine andere hervorstechende Eigentümlichkeit des Verses 
ist, dass derselbe in zwei Hälften zerfällt und demnach als zusammen- 
gesetzter Vers erscheint. Das ursprüngliche Element des Verses bilden 
drei Hebungen und vier Senkungen: 

. ^* . ^~ . ^ • 

enoB Loses iuvcUe. 

Dieses Element wird, um den Satumier zu bilden, in der Weise verdoppelt, 
dass entweder in dem zuerst gesetzten die letzte Senkung, oder in dem 
an zweiter Stelle stehenden die erste Senkung in Wegfall kommt. Daraus 
ergeben sich folgende zwei Formen des Satumiers: 



Der saturnuiohe Vers. (§ 7.) 15 



hone oino ploirume cosentiatU Romane 
malum dabunt Metelli Nctevio pclUae. 

Die zweite Form ist die Normalform geworden. 

Wie die Theorie vom Saturnier hier in allgemeinen Zügen entwickelt 
wurde, erklärt sie gewisse Normalformen des Saturniers, allein für eine 
Reihe von Erscheinungen gibt sie doch keinen völlig befriedigenden Auf- 
schluss. Der vielgestaltige Vers kann auf dem gewöhnlichen Wege nicht 
gefasst werden, alles drängt wohl darauf hin, freiere Prinzipien zu statuieren. 

Die Bedeutung von oarmen. Liv. 1, 24, 9 9ua cartnina Alhani auumque iw 
iurandum per suum dietaiarem suoaque aacerdotes peregerunt. 1, 32, 8 haee (Kriegserklllrung) 
cum finea auprMcandit, haee quicumque ei primua pir oMua fuerit, haee portam ingrediens, 
haee forum ingreaaua paueia verhia earminia eoneipiendique iuria iurandi mutatia peragit, 
1, 26, 6 lex horrendi earminia erat, 8, 64, 9 reeitabatgue rogaiionia earmen, 10, 88, 10 
iurare eogehant diro quodam earmine in execrationem eapitia famüiaeque et aHrpia eon- 
poaito. 10, 41, 8 dira execratio ae furiale earmen, deteatandae familiae atirpique eonpoaitum. 
39, 15, 1 eontione advoeata eum aollemne earmen precationia, quod praefari aolent priua- 
quam populum adloquatUur magiatratua, peregiaaet eonaul (vgl. R. Peter, De Romanorum 
wecationum carminibus, Comment. philol. in honorem A. Reifferscheidii, Bresl. 1884, p. 67). 
Cic. pro Murena 12, 26 praetor ne pulehrum ae ac heatum putaret atque aliquid ipae aua 
aponte loqueretur, ei quoque earmen eompoaitum eat, Macrob. Sat. 8, 9, 7 eat earmen huiua 
modi, quo di, evoeantur eum oppugnatione eivitaa eingitur, Seneca consol. ad Marciam 18, 1 
aollemnia pontifiealia earminia verba, Cic. de leg. 2, 23, 59 diaeehamua pueri XII ut earmen 
neeeaaarium; quM iam nemo diaeit; vgl. de or. 1, 57, 245. 

Litteratur Aber earmen. Ueber die Etymologie vgl. H. Nettleship, The earliest 
Italian literature (Lectures and essays, Oxford 1885, p. 47). Zu einer Streitfrage gab earmen 
Anlass, als F. Ritschi (Poesis Satumiae spicilegium, Bonner üniversitätsprogr. 1854 ^ Opusc. 
4 p. 298) die Behauptung aufstellte, dass earmen überall nur die gebundene Rede bezeichne. 
Ihm trat zuerst H. Düntzer (Zeitschr. für das Gymnasialw. 11 (1857) p. 1) entgegen, wäh- 
rend für Ritschi sich 0. Ribbeck (Fleckeis. Jahrb. 77 (1858) p. 201) aussprach. Weiterhin 
¥rurde die Ritsch Ische Auffassung bekttnipft von W. Gorssen, Ueber Aussprache, Vokalis- 
mus und Betonung der lat. Sprache 2' (Leipz. 1870) p. 962 Anm.; H. Jordan, Kritische 
Beitr. zur Gesch. der lat. Sprache, Berl. 1879, p. 17o; L. Müller, Der saturnische Vers, 
Leipz. 1885, p. 76 und £. Baehrens, Fleckeis. Jahrb. 185 (1887) p. 65, so dass sie jetzt 
als beseitigt gelten kann. 

Ueber den italischen Ursprung des Saturniers vgl. F. Buecheler, Rhein. 
Mus. 30 (1875) p. 441; 88 (1878) p. 274; 85 (1880) p. 78, p. 495; vgl. dazu Leos epikritische 
Bemerkungen, aer am Schluss sagt (p. 68): «Das gesamte Wesen des Saturniers als metri- 
scher Form, seine vorlitterarische Existenz in Rom, seine Bestimmung als episches Mass, 
sein Kampf mit dem griechischen herous, alles erweist mit voller Sicherheit seinen latini- 
schen das heisst italischen Ursprung.* 

Zeugnisse der Alten über den Saturnier. Vgl. die Zusammenstellung bei 
L. Müller p. 156. Varro de lingua lat. 7, 36 hoa {faunoa) veraibua, quoa voeant aaturnioa, 
in ailveatribua loeia traditum eat aolitoa fori; vgl. Festus p. 825 0. M. Marius Yictorinus 
Gramm, lat. 6 p. 138, 82 veraua, eui priaea apud Latium aettu tamquam italo et indigenae 
aaturnio aive faunio nomen dedit, Caesius Bassus Gramm, lat. 6 p. 265, 8 de aaturnio 
verau dieendum eat, quem noatri exiatimaverunt proprium eaae Italieae regionia, aed faU 
luntur. a Oraeeia enim varie et multia modia traetatua eat, non aolum a eomieia, aed etiam 
a tragieia. noatri autem antiqui, ut vere dicam quod apparet, uai aunt eo non obaervata 
lege nee uno genere euatodito, ut inter ae eonaentiant veraua, aed praeterquam quod duriaai- 
moa feeerunt, etiam alioa breviorea, alioa longiorea inaeruerunt, ut rix invenerim apud Nae- 
vium, quoa pro exemplo ponerem .... (p. 266) optimua eat quem Metelli propoauefunt de 
Naevio .... „malum dabunt Metelli Naevio poetae,** Hie enim aatumiua eomtat ex hip' 
ponaetei quadrati iambici posteriore eommate et phallico metro. Serv. zu Verg. georg. 2, 385 
teraibus incomptia ludunt: id eat earminibua aaturnio metro eompoaitia, quod ad rhythmum 
aolum vulgares eomponere eonauerunt, Atilius Fortnnatianus Gramm, lat. 6 p. 298, 26 hie 
veraua obacurua quibuadam videtur, quia paaaim et aine eura eo hominea utebantur; vgl. 
den Abschnitt des Charisius „de Satmnio* in Gramm, lat. 1 p. 288. 

Streitfrage über die Auffassung des Saturniers. Zwei Ansichten stehen 
sich hier gegenüber. Eine filtere, welche den Vers als einen quantitierenden betrachtet 



16 Der satnmisohe Vers. (§ 7.) 

(metrische Theorie); eine jttngere, welche dem Verse einen accent^erenden Charakter bei- 
legt (rhythmische Theorie). FOr das accentnierende Prinzip haben sich nach dem Vor- 
gänge R. Westphals, Griech. Metr. 2' p. 36; Gott. gel. Anz. 1884 p. 340; Allgemeine Metrik 
der indogermanischen nnd semitischen Völker auf Grundlage der vergleichenden Sprach- 
wissenschaft, Berl. 1893, p. 228 ausgesprochen: 0. Keller, Der satnmische Vers als rhyth- 
misch erwiesen, Prag 1883; Der satumische Vers, zweite Abhandlung, Prag 1886; £. Misset, 
Le rhythme du vers saturnien (Sonderabdruck aus der Revue «Lettres chr^tiennes*, Lille 
und Brflgge 1881); R. Thurneysen, Der Satumier und sein Verhftltnis zum späteren römi- 
schen Volksverse, Halle 1885; F. Skutsch, Forschungen zur lat. Grammatik und Metrik 
1. Bd.: Plautinisches und Romanisches; Studien zur plautinischen Prosodie, Leipz. 1892. 
Vorsichtiger äusserte sich derselbe aber in Krit. Jahresber. über die Fortschritte der romani- 
schen Philologie hrsg. von E. Vollmöller 6 (Erlangen 1899—1901) 1. Teil n. 460; W. M. 
Linda ay, The satumian metre, Americ. Joum. of philol. 14 (1893) p. 139 u. 305 (vgl. auch 
seine Ausg. der Gapt. des Plautus, London 1900, p. 357); U. Gleditsch, Wochenschr. fttr 
klass. PhiloL 1884 Sp.43 und Handbuch der klass. Altertumsw. 2. Bd. 3. Abt.* (1901) p. 253; 
N. Spiegel, Der numerus satumius, WOrzb. 1895; H. Draheim, Wochenschr. für klass. 
PhiloL 1901 Sp. 1090. Für die quantitierende Messung treten ein E. 0. Müller, Zum 
Festus, Leipz. 1839, p. 396, der, wie schon früher G. Lach mann, die Unterdrückung der 
Senkungen im Saturnius erkannte; F. Ritschi, Opusc. 4 (Leipz. 1878) p.82; F. Buecheler, 
Fleckeis. Jahrb. 87 (1863) p. 328; A. Spengel, Philol. 23 (1866) p. 80; E. Bartsch, Sat. 
Vers und altd. Langzeile, Leipz. 1867, p. 2 und F. Allen, üeber den Ursprung des home- 
rischen Versmasses (Zeitschr. für vergleichende Sprachforsch. 24 (1879) p. 574), beide vom 
vergleichenden Standpunkte aus; Th. Eorsch, De versu satumio, Moskau 1869; nach ihm 
wird eine Cäsur benannt, welche oft nach der zweiten Hebung in den beiden Eola eintritt; 
L. Havet, De satumio latinorum versu, Paris 1880; L. Müller, Der satumische Vers, Leipz. 
1885; E. Baehrens, Fragm. poet. Rom., Leipz. 1886, p. 6; H. Usener, Altgriech. Versbau, 
Bonn 1887, p.76; Rieh. Elotz, Grundzüge altröm. Metrik, Leipz. 1890, p.363; A.Reichardt, 
Der satumische Vers in der röm. Eunstdichtung (Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 19 (1893) 
p. 207). Hiezu kommen noch F. D. Allen, Suspicions about , Satumian*, Harvard studies 
in class. philol. 9 (1898) p. 44 (aus seinem Nachlass); H. Bornecque, Le vers Saturnien 
(Revue de philol. 23 (1899) p. 68), der sehr detaillierte Regeln über den Satumier aufstellt; 
vgl. die Zusammenfassung p. 78. 

Im Anschluss an seine drei Entwicklungsstufen der lateinischen Betonung gibt eine 
neue Theorie des Satumiers J. Vendryes (Recherches sur Thistoire et les effets de Tinten- 
sit^ initiale en Latin (Thöse), Paris 1902, p. 818), welche davon ausgeht, dass der Satumier 
aus einer Zeit stammt, wo neben dem musikalischen Accent ein IntensitAtsaccent in den 
Anfangssilben der Worte sich in der lateinischen Sprache geltend machte. Zum Problem der 
Versbildung in den verschiedenen Epochen der lateinischen Sprache vgl. noch F. Haussen, 
Zur lat. und romanischen Metrik (Separatabdr. aus den Verb, des deutschen wissenschaÜl. 
Vereins in Santiago (Chile) 4 (Valparaiso 1901) p. 345). üeber die (musikalische) Natur des 
lateinischen Accents vgl H. Pedersen, Euhns Zeitschr. 39 (1904) p. 232. 

Die rhythmische Theorie ist schon darum unannehmbar, weil Livius und Naevius in 
ihren Dramen, die doch für das Volk bestimmt waren und daher der Gewohnheit des Volkes 
Rechnung tragen mussten, das quantitierende Prinzip zu Grund legten. Hätten diese Dichter 
ein anderes Prinzip bei dem römischen Volke vorgefunden, so hätten sie gewiss hier das- 
selbe zur Anwendung gebracht. Wären die Epen accentuierend, die Dramen quantitierend 
gemessen worden, so wäre wohl diese Verscniedenheit den gelehrten Grammatikem des 
Altertums, denen wohl auch Varro beizugesellen ist (vgl. Leo p. 9), nicht entgangen; 
allein kein Zeugnis weiss von einer solchen etwas. Auch das völlige Verschwinden der 
accentuierenden Poesie aus der Litteratur — sie tritt ja erst weit später auf (John 
J. Schlicher, The origin of rhythmical verse in late latin, Chicago 1901) — würde sich 
kaum erklären lassen. VgL W. Meyer, Anfang und Ursprung der lat. und griech. rhyth- 
mischen Dichtung (Abb. der Münchner Akad. Bd. 17 Abt. 2 (1886) p. 267 == Ges. Abb. zur 
mitteilst. Rhythmik 2 (Berl. 1905) p. 1). Auch Leo ist mit Entschiedenheit für das quanti- 
tierende Prinzip des Satumiers eingeti'eten und bemerkt richtig (p. 4j: ^Die Rücksicht auf 
die Wortbetonung geht nur so weit, dass sie den durch die Quantität bestimmten Icten 
angeglichen wird*; vgl. p. 7: «Die Betrachtung der dichtenden Personen, der Verskunst, 
der Sprache, alles gleichermassen führt dazu, die Vorstellung abzuweisen, dass der Satur- 
nier ein accentuierendes Mass gewesen sei.* 

Die Theorie Leos. Am eingehendsten hat F. Leo, Der satumische Vers (Abh. 
der Gott. Ges. der Wissensch. N. F. Bd. 8 Nr. 5, Berl. 1905) den Bau des satumischen Verses 
tmtersucht und dabei mit Fug und Recht das Ritschlsche Prinzip, dass von den inschrift- 
lichen Satumiem auszugehen sei, verlassen und die überlieferten Verse des Livius und 
Naevius als Grundlage genommen. Die Hauptresultate, die er gewonnen hat, sind folgende: 



Die heiligen Lieder. (§ 8.) 17 

a)Da8 einzelne Kolon. «Der Baturnisclie Ennvers ist ein aua zwei viersilbigen Ele- 
menten (die durch zweikflrzige Hebungen und Senkungen mehrsilbig werden können) zu- 
sammengesetztes Kolon. Jedes Element hatte zwei Hebungen: es konnte mit der Senkung 

beginnen ^ ^ ^ . , oder die erste weglassen _ w — , oder die zweite ^ , oder 

beide als DoppelkOrze zwischen die Hebungen bringen ~ w w _, auch, wenigstens an 

zweiter Stelle, beide weglassen " (p. 77). Die Kurzverse yeränderten sich «durch Yer- 

kOrzung, richtiger durch Comprimierung, durch ein Zusammendrängen der Elemente, dessen 
Möglichkeit und Anlass gegeben war durch die im Wesen des Metrums liegende Ffthig- 
keit, ohne Hilfe der Senkungen einherzuschreiten. Die dadurch entstehende Reduzierung 
der Silbenzahl reduzierte den numerus d. h. den Rhythmus, und so konnte das eine Ele- 
ment bis suf seine einsilbige Andeutung schwinden. Auf diesem Wege entstanden die Kola 

V-' V-» »^—j V-/ — — W_j V^ — wW_^ KJ \^ jV^_V-/ — V/, 

— - v^ v-r _ , wahrscheinlich auch — w v^ _ ^ - und _ v^ ^ — w ■ (p. 78). ß) Die 
Verbindung der beiden Kola zu einem Langvers. «Livius Andronicus hat den Lang- 
yers als einzige Form für sein Epos gelten lassen. Er hat ihn in allen Gestalten rezipiert, 
aber eine wohlklingende Form, die er als eine von vielen vorfand (virutn mihi Camena 
inseee versutum), zur Hauntform gemacht In allen Gestalten hat er die Kola streng aus- 
einandergehalten, auch nicnt die Fuge durch Svnalöphe verdeckt. Er hat femer das Gesetz 
gegeben oder beibehalten, dass eine das Kolon beginnende Hebung, wenn nicht beide Kürzen 
zwischen die beiden Hebungen treten, reine Senkung im Gefolge hat' (p. 78). Beide Yers- 
h&lften erscheinen prinzipieU voneinander gesondert. «Erstens erscheinen gewisse Formen 
(besonders die mit — n^ w _ beginnenden) nur im ersten, andere und zwar besonders 
die Kurzformen w.w^w, .w^w., ..ww_ nur im zweiten Kolon ; das 
erste ist häufiger steigend, das zweite häufiger fallend; das erste hat häufiger männlichen 
Schluss als das zweite, bei dem er ausser in den Kurzformen (von w _ w ^ w . an) sehr 
selten ist* (p. 78). Zweitens Livius «sondert die zusammengewachsenen Kola von denen, 
die sich in mre beiden Elemente zerlegen lassen. Als erstes Kolon verlangt er fast durch- 
aus ein solches, dessen beide Glieder kenntlich sind, und mit Strenge hat er hier die Diärese 
nach dem ersten Gliede durchgefOhrt. Die einzige Kurzform, die er vielleicht als erstes 
Kolon zugelassen hat, ^ ~ w . w . , ist jedenfalls nur als Ausnahme bei ihm und 
Naevius vorhanden gewesen. Dagegen hat das zweite Kolon zwar meistens die Diärese 
und geniesst die mit ihr verbundene Freiheit, aber in einer grossen Minderzahl von Fällen 
bleibt die Diärese aus; und dies gilt nur für die vollen Formen: in der zweiten Hälfte des 
Verses wohnen die Kurzformen, die die Diärese ausschliessen' (p. 79). Der Technik des 
Livius hat sich Naevius im wesentlichen angeschlossen. 

Litteratur über den Saturnier. F. Buecheler, Anthol. epigr. lat. spec. IH, Bonn 
1876 (Bearbeitung der inschriftlichen Saturnier); vgl. jetzt dessen Anthologia laÜna sive 
poesis latinae supplementum, Pars posterior; Carmina epigraphica, fasc. 1, Leipz. 1895, 
p. 1—11. Die litterariscfaen Saturnier finden sich bei £. B sehr ens, Fingm. poet Rom. p. 29. 
Vgl. nocJi Lucian Müller, Carminum satumiorum reliquiae, im Anhang seines Buches 
p. 124, und die anderen Schriften über den Saturnier, dann Versus italici antiqui, coli. rec. 
rationem metricam explicavit C. Zander, Lund 1890, der im ersten Teil p. 1 eine Theorie 
des Satnmiers entwickelt. 



a) Anftnge der lyrisohen Poesie. 

8. Die heiligen Lieder. Als die älteste Form der Poesie betrachten 
wir diejenige, in der zugleich gesungen und getanzt wurde. ^) Diese 
Verbindung von Tanz und Gesang kam nach ausdrücklichem Zeugnis 
in den heiligen Liedern vor. Wir kennen genauer zwei Arten derselben, 



^) Ueber die Entstehung der Poesie hat 
K. Bacher (Arbeit und Rhythmus, Leipz.* 
1902) eine Theorie aufgestellt, welche in 
dem Satz gipfelt (p. 349), dass die rhyth- 
misch geregelte Arbeit und der sich an- 
schliessende Arbeitsgesang zur Poesie fahrt; 
vgl. p. 378: «In den Arbeitsges&ngen haben 
wir den Niederschlag des Ältesten und ur- 
sprOnglichsten poetischen Schaffens der Völ- 
ker zu erblicken.' Man wird doch den Ur- 



sprung der Poesie in der erhöhten Lebens- 
freude zu suchen haben, welche sich in Ge- 
sang und Tanz äussert und den Rhythmus 
notwendig im Gefolge hat. Mit Recht nennt 
E. Grosse (Die Anf&nge der Kunst, Freib. 
u. Leipz. 1894, p. 198) den Tanz «den un- 
mittelbarsten, vollkommensten und wirkungs- 
mSchtigsten Ausdruck der primitiven ästhe- 
tischen Gefühle". Vgl. auch H. Reich, Der 
Mimus 1 (Berl. 1903) p. 477. 



BABdbuoh dtr klam. AltmiaiiMirlMe&MliAft. vm. 1. 8. Anfl. 2 



18 



Die heiligan Lieder. (§ 8.) 



die Lieder der Salier (Springer) und die Lieder der Fratres arvales (Flar- 
brüder). 

a) Die Lieder der Salier. Die Priesterschaft der Salier^) war in 
zwei Kollegien von je 12 Mann geteilt; das eine bildeten die Salii Palatini 
mit dem Heiligtum auf dem Palatium, das andere die Salii Collini oder 
Agonenses mit dem Heiligtum auf dem Quirinal. Das erste Kollegium 
stand ursprünglich im Dienste des Mars, das andere im Dienste des Qui- 
rinus; als die zwei Kollegien zu einer Priesterschaft zusammengeschlossen 
wurden, wurde dem Mars und Quirinus noch Juppiter beigesellt.^) Die 
Aufgabe der beiden Kollegien war, vereint im Monat März, also zu An- 
fang der Kriegszeit, und im Monat Oktober, also zur Zeit der Beendigung 
des Krieges, in kriegerischer Tracht ') einen Umzug vorzunehmen und einen 
WafFentanz aufzuführen. Für diese Festlichkeit erhielten sie die hl. Schilde 
und Lanzen, die aus ihrem Aufbewahrungsort feierlich hervorgeholt wurden. 
Bei ihrem Waffentanz sangen sie ihre hl. Lieder, welche als das älteste 
Zeugnis der römischen Poesie zu betrachten sind. In denselben wurden 
zwei Teile unterschieden : der eine umf asste die Anrufung der Staatsgötter 
im allgemeinen (man nannte diesen Teil axamenta) ; im zweiten Teil wurden 
die einzelnen Götter angerufen, unter die in der Kaiserzeit auch fürst- 
liche Persönlichkeiten, wie Augustus, Germanicus u. a. eingereiht wurden.^) 
In der späteren Zeit war das Kultlied den Priestern selbst nicht mehr 
verständlich,^) so dass die römische Philologie eingreifen musste, um es 
zu erklären.^) Gleich der erste Philolog L. Aelius Stilo schrieb einen Gom- 
mentar zu demselben (§ 76). Aus dieser Tätigkeit sind uns einzelne Bruch- 
stücke erhalten, die aber dem Verständnis grosse Schwierigkeiten bereiten. 

Zeugnisse Aber die Salier. Liy. 1, 20, 4 Saltos item duodeeim Marti Gradivo 
legit {Nufna) tunicaeqtte pictae insigne dedit et super tunicam aeneutn peetori tegumen 
caelestictque arma, quae ancUia appellantur, ferre ac per urbem ire canentes carmina 
cum tripudiis sollemnique saltatu iussit; vgl. dazu Dionys. antiqu. 2, 70. Oic. de or. 
8, 51, 197 Saliorum versus, Horat. epist. 2, 1, 86 Saliare Numae Carmen. Qnintil. 1, 10, 20 
versus quoque Saliorum habent Carmen, wozu noch kommt Horat. carm. 4, 1, 25 nnd 1, 36, 12. 
Vgl. noch Ovid. fast. 3, 387; Varro de lingua lat 7, 2; Plut. Numa c. 13; Lydns de mens. 
4, 2; Terentius Scaonis Gramm, lat. 7 p. 28; Diomedes Granuu. lat. 1 p. 476; Lucian. de 
sali c. 20. — üeber das EoUegium der Salier vgl. J. Marquardt, Rom. Staatsyerwaltung 3* 
p. 427 und Maurenbrecher p. 315. Was die von Serv. zu Verg. Aen. 8, 285 erwfthnten 
Favorit et Pallorii betrifiPt, welche Tullus Uostilius eingesetzt haben soll, so liegt hier ein 
Missverständnis der Worte Liv. 1, 27, 7 duodeeim vovit Salios fanaque Pallori ac Pavori 
vor; nach den carmina Saliorum hat es nur zwei Salierkollegien gegeben; vgl. Mauren- 
brecher p. 317 u. p. 322, femer G. Thilo zu der Stelle des Servius. 

Zeugnisse über die Lieder der Salier. Festus-Paul. p. 3 0. M. axamenta dice- 
bantur carmina Saiiaria, quae a Saliis siteerdotibus canebantur, in universos homines f 



^) Ueber dieselbe vgl. u. a. G. Wisse wa, 
Religion und Kultus der Römer, München 
1902, p. 480. 

«) Serv. zu Verg. Aen. 8, 663. 

*) M. W. Heibig, Extrait des mömoires 
de Faccad. des inscript. et belles-lettres, tom. 
37, 2 (1905). 

*) Monumentum Ancyr. 2, 21 p. LXXXIV 
Mommsen nomen meum senatus consuUo in- 
clusum est in Saliare carmen, Tacit. annal. 
2, 88 hanores .... reperti deeretique: ut no- 
men eius {Germaniei) ScUiari carmine cane- 
retur, Gapitolin. M. Ant Philos. 21, 5 (1 p. 66 



Peter) iussit, ut statuae tantum modo fUio 
mortuo decemerentur .... et ut Saliari car- 
mini nomen eius insereretur. Spartian. Carac. 
11, 6 (1 p. 190 P.) h<Aet iemplum, habet Salios, 
habet sodales Äntoninianos, qui Faustinae 
templum et divale nomen eripuit, 

B) Vgl. Quintil. 1, 6, 40 Saliorum car- 
mina vix sacerdotibus suis satis intellecta, 
Varro de lingua lat. 7, 2; Horat. epist 2, 1, 
86; Symmach. epist. 3, 43 ; Apollin. Sid. epist. 
8, 16, 4; Isidor. orig. 9, 1, 6. 

^) Ueber die Commentatoren vgl. Mauren- 
brecher p. 323. 



Die heiligen Lieder. (§ 8.) 19 

composita, nam in deos singühs versus facti a naminihus eorum appellabantur, ut Januli, 
Junonii, Minervii, Dass h&mines verdorben und dafür der Begriff , Götter*^ erwartet wird, 
ist nnzweifelliaft. Statt homines liest daher 0. Müller deos, L. Prell er, Rom. MyÜiol. 1* 
(Berl. 1881) p.l41 Anm.3: daemonas, J.A. Härtung semones; vgl. aber dagegen H. Jordan, 
Erit Beitr. p. 204. Ueber axare vgl. die Glosse bei Festos-Paal. p. 6 0. M. „axare, nomi- 
nare**. Die Zweiteilung des Carmen Saliare steht unter allen Umständen fest. 

Litteratur über die Lieder der Salier. Gesammelt sind die Fragmente bei 
W. Corssen, Origines poesis Romanae, Berl. 1846, p. 15; L. Havet, De satumio Latinorum 
versu, Paris 1880, p. 243, p. 405; £. Baehrens, Fragm. poet. Rom., Leipz. 1886, p. 29; 
C. Zander, Carmims Sab'aris reliquiae, Lund 1888; B. Maurenbrecher, Garminum Salia- 
rium reliquiae (Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 21 (1894) p. 815). Erläuterungen bei Th. 
Bergk, Opusc. 1 (Halle 1884) p. 477; H. Jordan, Erit. Beitr. zur Gesch. der lat. Sprache, 
Berl. 1879, p. 211; G. Hempl, Transactions and proeeedings of the American philo!, asso- 
ciation 30 (1899) p. 39; Th. Birt, Zu den Salierliedresten (Rhein. Mus. 52 (1897) Ergänzungsh. 
p. 193); S. Linde, Ueber das Carmen Saliare (Skandinavisches Archiv 1 (Lund 1892) p. 130). 

b) Die Lieder der Arvalbrüder. Wichtiger als die Fragmente 
der Salierlieder ist das alte Lied der Flurbrüder, deren Kult ihren Mittel- 
punkt in einer sonst nicht näher bekannten ländlichen Gottheit, der Dea 
dia, findet. In deren Hain, und zwar im Tempel bei geschlossenen Türen, 
führten die Flurbrüder im Monat Mai einen Tanz mit Oesang auf, um 
Segen für die Fluren zu erflehen. Das dabei gesungene Lied ist uns durch 
ein Steinprotokoll des Jahres 218 n. Chr., in dem die zur Feier vorge- 
nommenen Handlungen verzeichnet wurden, erhalten. Auch dieses Lied 
bietet der Erklärung grosse Schwierigkeiten. Klar ist aber, dass das Gebet 
zuerst von den Lases^) Hilfe erfleht, dann den Mars um Schonung angeht, 
endlich zum Schluss nochmals an diesen Gott sich wendet. 

Die Inschriften der Arvalbrüder. Ueber die Arvalbrüderschaffc belehren uns 
anf das genaueste ihre auf Tafeln eingemeisselten Akten. Dieselben umfassen: 1) einen 
Festkalender, 2) die vom Jahre 2 v. Chr. bis 37 n. Chr. reichenden Magistratstafeln, 3) die 
Protokolle Ober die Amtshandlangen der Arvalen. Die Fragmente reichen bis ins Jahr 241 
n. Chi. Die Auffindung dieser wichtigen Bruchstficke begann mit dem Jahre 1570. Es 
folgten die Entdeckungen des Jahres 1699 und verschiedener Jahre des 18. Jahrhunderts. 
Die bis daJiin zutage getretenen Fragmente wurden erlftutert in dem berühmten Werk G. Ma- 
ri nis, Gli atti e monumenti dei fratelli Arvali, Rom 1795. Einen grossen Zuwachs von 
Fragmenten lieferte das Jahr 1866 und die systematischen Ausgrabungen der Jahre 1867 
bis 1871. Eine Sammlung sämtlicher Fragmente mit ausgezeichnetem Commentar gab 
G. Henzen in dem Werk: Acta fratrum Arvalium quae supersunt, Berl. 1874; den Text 
publizierte derselbe auch CIL 6 p. 459 Nr. 2028—2119 (1876); Ergänzungen dazu lieferte 
Ch. Hülsen, Ephem. epigr. 8. Bd. 2. fasc. (1892) p. 316. Weitere Funde sind verzeichnet 
in den Notizie degli scavi 1894 p. 862; 1897 p. 453; 1898 p. 120; 1899 p. 267; Gh. Hülsen, 
Beitr. zur alten Gesch. 2 (Leipz. 1902) p. 227. Ueber Ergänzung und Anordnung han- 
deln E. Hula, Archaeol. epigr. Mitteilungen aus Oesterreich 17 (1894) p. 67; D. Yaglieri, 
Notizie degli scavi 1892 p. 267, 1897 p. 309. -- Eine Auswahl aus den Akten geben G. Wil- 
manns, Exempla inscriptionum lat. 2 (Berl. 1873) Nr. 2870 ff.; H. Dessau, Inscriptiones 
lat selectae vol. 2 nars 1 (Berl. 1902) Nr. 5026 ff. 

Litterarische Zeugnisse. Varro de Ungua lat. 5, 85 fratres Arvales dieti qui 
saera publica faciunt propterea ut fruges ferant arva a ferenda et arvis fratres arvtUes 
dicti. Sunt qui a Fratria dixerunt etc. Gellius 7, 7, 8 Ea, inquit (Sahinus Masurius), 
midier (Äcca Larentia) ex duodeeim fUiis tnaribus unum morte amisU^ In illius locum 
Romulus Aeeae sese fiiium dedit seque et eeteros eius filios „fratres arvaUs" appeüavU. 
y^. noch Plinius n. h. 18, 6; Fulgent. exp. serm. ant. p. 560 M. 

Ueber den Kult der Arvalen vgl. Th. Mommsen, Ueber die rOm. Ackerbrüder 
(Grenzboten 29 (1870) p. 161 = Reden und Aufsätze, Berl. 1905, p. 270); Oldenberg, De 
sacris fratrum Arvalium quaestiones, Berl. 1875; J. Marquardt, R.Om. Staatsverw. 3' (Leipz.* 
1885) p. 447; Th. Birts Artikel in Roschers Lexikon der Mythologie 1 Sp.970; E. Hula, Zur 
Gesch. des Kollegiums der Arvalbrüder (Archaeol. epigr. Mitteilungen aus Oesterreich 15 
(1892) p. 28); Gh. Hülsen, II posto degli Arvali nel colosseo e la capacitä dei teatri di Roma 



^) Die spätere Form ist Lares. Ueber die 
Anfänge des rOm. Larenkultes vgl. G. Wis- 



se w a , Archiv für Religionswissensch .7(1 904) 
p. 42. 

2* 



20 I>ie heiligen Lieder. (§ 8.) 

oDtica (Bollettiiio deUa commissioDe archeologica comunale diRome 22 (1894) p.312); E. Bor- 
mann, Festschr. fQrO. Benndoif, Wien 1898, p. 283; G. Wissowa in der Paoly- Wissowaschen 
Realencyclopädie 2 (1894) Sp. 1468; Religion nnd KolbiB der Römer, Manchen 1902, p. 485; 
G. de laBerge, Dictionnaire des antiqoit^s par Daremberg et Saglio s. v. arvales. Ganz auf 
Abwegen befinden sich £. Hoff mann, Die Ar?albrüder, Bresl. 1858 (vgl. noch Fleckeis. Jahrb. 
155 (1897) p. 55) und E. Baehrens, Acca Larentia (Fleckeis. Jahrb. 131 (1885) p. 785). 

Das Eultlied der Aryalen. Die Stelle im Protokoll CIL 1, 28; 6 p. 569 Nr. 2104 
lautet: Ibi atteerdotea clusi succincti libellis acceptis Carmen deseindentes tripodaverunt 
in verha haee. Wbr geben den Text getreu nach F. Buecheler, Anthol. lai fasc. 1 (Leips. 
1895) Nr. 1 p. 1: 

Eno8 Loses iuuate, 

e]no8 Loses iuuate, 

enos Loses iuuote, 

neue lue rue Marma sins ineurrere in pleares, 

neue lue rtie Marmor [si]ns ineurrere in pleoris, 

neue lue rue Marmor sers ineurrere in pleoris, 

satur fu, fere Mars, Urnen \saX\iy sto herber. 

satur fu, fere Mars, limen sali, sto herber. 

sotur fu, fere Mars, limen sali, sto herher. 

sem]unis altemei aduoeapit conetos, 

semunis alternei aduoeapit conctos, 

simunis alternei aduoeapit [eonei\os. 

enos Marmor iuuato, 

enos Marmor iuuato, 

enos Mamor iuuato. 

triumpe triumpe triumpe, trium[pe tri]umpe. 

Litteratur Aber das Arvallied. C. Pauli, Altital. Studien 4 (1885) p. 1 und 
Engelbert Schneider, Dialectorum Italicarum aeyi vetustioris exempla selecta 1 (Leipz. 
1886) p. 103 geben ein Litteraturverzeichnis. H. Jordan, Erit. Beiträge zur Gesch. der 
lat. Sprache, Berl. 1879, p. 189; Hermes 14 (1879) p. 633; L. Havet, De yersu satumio, 
Paris 1880, p. 218; M. Bröal, Revue critique 14, 1 (1880) p. 123; ^igraphie italique, 1. Le 
chant des Arvales (M^moires de la sociötö de Ungmstique de Paris 4 (1881) p. 373); Lucian 
Maller, Der saturnische Vers und seine Denkmäler, Leipz. 1885, p. 99; H. Usener, Alt- 
griech. Versbau, Bonn 1887, p. 77; G. Zander, Versus italici antiqui, Lund 1890, p. 25; 
E. Rosenstock, Die Akten der Arvalbradersch., eine Studie zur lat. Rechtschreibung, 
Strassb. 1895. Eine originelle, aber nicht haltbare Erklärung trägt Th. Birt, Das Arval- 
lied (Archiv fOr lat. Lexikographie 11 (1900) p. 149) vor. R. Roselli, ü Carmen fratrum 
Arvalium, Acireale 1901; J. M. Stowasser, Das Gebet der Arvalbrader (Wien. Stud. 25 
(1903) p. 78). — Eine Uebersetzung gibt Th. Mommsen, Rom. Gesch. 1< p. 222. 

Zaubersprache. In Versfoim und mit Gesang verbunden erscheinen auch Zauber- 
sprache; und dass der Gesang hier urspranglich eine Rolle spielte, besagen schon die Namen 
irnfidai und incantomento, Varro (de re rust. 1, 2, 27) führt aus Sasemas Buch folgendes 
gegen die Gicht auf (vgl. auch Th. Mommsen, Rom. Gesch. 1* p. 221): cum hotnini pedes 
dclere coepissent, qui tui meminisset, ei mederi posse. 'ego tui memini, medere meis pedibus, 
terra pestem teneto, salus hie maneto [in meis pedibusV. hoc ter noviens cantare iubet, terram 
tangere, despuere, ieiunum cantare. Hier werden aie Worte terra — maneto als Satumier 
gelesen; ob auch die vorausgehenden ego etc. als Satumier zu lesen sind, ist zweifelhaft; 
in solche bringt sie E. Baehrens, Fragm. poet. Rom. p. 34 Anm. F. Leo, Der satumische 
Vers (Abb. der GOtt. Ges. der Wissensch. N. F. Bd. 8 Nr. 5 (Berl. 1905) p. 63) stellt folgende 
5 Kola her: ego tui memini, \ medere meis pedibus. \ terra pestem teneto, \ salus hie maneto \ 
in meis pedibus. Ueber die Metra der Zaubersprache vgl. Heim p. 544. Die metrische 
Form ist aber bei den Zaubersprüchen nicht absolut notwendig; an ihrer Stelle erscheint 
auch der Parallelißmus der Glieder, durch den Gleichklang gehoben; wir beobachten den- 
selben auch in dem fraglichen Satimiier. Feste Form erfordert aber unter allen umständen 
der Zauberspruch. — Das Material liegt vollständig gesammelt vor in der Abhandlung: 
Incantamenta magica graeca latina collegit disposuit edidit R. Heim (Fleckeis. Jahrb. 
Supplementbd. 19 (1893) p. 465). W. Drexler, Alte Beschwörungsformeln (PhiloL 58 (1899) 
p. 594); L. Gleeve, The magic of Rome, London 1902; P. Huvelin, Les tablettes magi- 
ques et le droit romain (Memoire prösentä au congrto international d'histoire compar^, Paris 
1900), Mäcon 1901 (vgl. dagegen L. Seuffert, Archiv für lat. Lexikographie 12 (1902) 
p. 601). Im allgemeinen vgl. A. Lehmann, Aberglaube und Zauberei, deutsche Ausg. von 
Petersen, Stuttgart 1898 (besprochen von E. Kuhnert, Berl. philol. Wochenschr. 1900 
Sp. 494) und £. Kuhnert, Zauberwesen in Altertum und Gegenwart, Nord und Süd 92 
(1900) p. 327 (bandelt über den Liebeszauber). 



Die FeBoenninen. (§9.) 21 

b) Anfinge der dramatisohen Poesie. 

9. Die Fescenninen. Die Anfänge der dramatischen Poesie knüpfen 
sich, wie bei anderen Völkern, so auch in Born an die Festesfreude. Bereits 
Yarro hatte in seinem Werke über den Ursprung der dramatischen Poesie 
in den verschiedenen Festen, z. B. den Compitalien, Luperealien, Ansätze 
zum Drama gefunden. Bekannt ist die Schilderung des Erntefestes bei 
Horaz (epist. 2, 1, 139); hier erhalten wir für ein dramatisches Element 
einen bestimmten Namen; es ist dies die Fescennina licentia. Sie stellt 
sich" dar in Versen, welche Scherz und Spott zum Inhalt, den Dialog zur 
Form haben. Der Name Fescenninus wird von Fescennium in Etrurien 
abgeleitet; man müsste darnach annehmen, es seien jene Spottverse be- 
sonders dort gepflegt worden ; allein viel wahrscheinlicher ist ein Zusammen- 
hang des Wortes mit fascinum, einem Symbol der Zeugungskraft. Ausser 
dem Erntefest finden diese dialogischen Scherz- und Spottverse noch bei 
Hochzeiten Verwendung. Auch hier heissen sie Fescennini. Dass diese 
sfescennim'sche Ausgelassenheit '^ uns den Anfang des italischen Dramas 
darstellt, kann nicht bezweifelt werden; auch die gelehrte Forschung des 
Altertums verkannte das nicht, wie ein ätiologischer Bericht bei Livius 
zeigt. Hier wird nämlich ausdrücklich eine Weiterentwicklung der Fes- 
cenninen mit der Bühne in Verbindung gebracht. Der Bericht überliefert 
folgendes : Im Jahre 364 v. Chr. wurden an den ludi ßomani zu den Cirkus- 
spielen, die im Wettfahren und Pferderennen bestanden, Bühnenspiele 
hinzugefügt, indem Schauspieler, die aus Etrurien herbeigeholt worden 
waren, Tänze zur Flötenbegleitung aufführten.^) Dieses Beispiel wirkte 
auf die Jugend ; es führte zu einer Reform der Fescennini, dieselben wurden 
jetzt mit Gesang und Tanz zur Flötenbegleitung verbunden. Dieses Ge- 
bilde hiess nach dem Bericht satura. Allein der Bericht fordert Zweifel 
heraus. Es ist unmöglich, dass Gesang und Tanz erst später hinzukamen; 
denn, wie wir bei den hl. Liedern sahen, ist die Verbindung von Tanz und 
Gesang der naturgemässe, daher ursprüngliche Ausdruck der gehobenen 
Stimmung. Auch der Name satura ist höchst wahrscheinlich von dem 
Forscher, dem Livius seinen Bericht verdankt, zur Bezeichnung des im- 
provisierten Spiels, das keinen Namen hatte, gestempelt worden. 

Die Fescenninen. Festas p. 85 0. M. Fescennini vereue, qui eanebantur in nufh 
tiis, ex urbe Fescennina dicuntur alUUi, sive ideo dicti, quia faaeinum putabantur arcere. 
W. Deecke, Die Falisker, Strassb. 1888, p. 46 and 118; E. Hoffmann, Die Fescenninen 
(Rhein. Mos. 51 (1896) p. 320). Das Hochzeitslied wurde auch ein Zweig der Knnstdichtong; 
vgl. Catoll. 61 und 62. 

Die dramatische satura. Der Bericht des Livius 7, 2, 4 lautet: a) sine earmine 
uÜo, sine imitandarum e<Mininum actu ludiones ex Etruria aceiii ad tihieinis modos sal- 
tanies häud indecoros motus more Tusco dabani. ß) imitari deinde eos iutentus, simul in- 
conditis inter se iocularia fundentes versibus, coepere; nee absoni a voce motus erant. y) ac' 
cepta itaque res saepiusque usurpando excitata, vemaculis artifleibus, quia ister Tusco verbo 
ludio vocabatur, nomen histrionibus inditum, qui non, sieut ante, Fescennino versu simUem 
ineompositutn temere ac rudern aUernis iaciebant, sed impfetas modis saturas de- 
scripto iam ad tibicinem cantu motuque congruenti peragebant. (f) Livius post 
aliquot annis, qui ab saturis ausus est primus argumento fahdam serere^ idem scilicet, id 
quod omnes tum erant, suorum carminum actor, dicitur, cum saepius revocatur, vocem 
obtudisse et, venia petita puerum ad canendum ante tibicinem cum statuisset, canticum 

MEinBild von dieser Aufführung können ' M. Hertz, De ludo talario (fnd. lect. Breslau 
wir uns durch den ludus talarius machen; vgl. 1873). 



22 Dio Fesoenninen. (§ 9.) 

egisse aliquanto magis vigente motu, quia nihil vocia uiua impediebat, inde ad tnanum 
eantari histrionibus coeptum diverliaque tantum ipaorum voci relicta. s) poatquam lege 
hae fabularum ab risu ac soltUo ioco res avocabatur et ludua in artem pauhaim verterat, 
iuvenHu histrionibus fabeüarum actu relieto ipsa inter se more antiquo ridieula intexta 
versibus iactitare coepit, quae exodia postea appellata consertaque fabeUis patissitnutn Atel- 
lanis sunt, quod genus ludarum ab Oscis aeeeptum fenuit iuventus nee ab histrionibus 
poüui passa est. eo institutum manet, ut actores Aiellanarum nee tribu moveantur et 
stipendia, tamquam expertes artis ludier€te, faeiant. Die Darstellimg dee Livios zeigt offen- 
sichtlich, daBs uns eine konstruierte Geschichte des römischen Dramas vorliegt. Diese Kon- 
struktion sucht aher einen Zusammenhang herzustellen, der tatsächlich nicht hesteht. So 
wird ganz unrichtig Livius Andronicus, der griechische Komödien ins Lateinische tthersetzte, 
als Fortsetzer einer volksmässigen Posse betrachtet, welche in dem Bericht mit satura be- 
zeichnet wird. Gewiss hat es in Rom vor Einfiihrung der kunstmAssigen griechischen 
Komödie durch Livius Andronicus eine volksmässige Posse gegeben, die wahrscheinlich als 
eine Fortsetzung der Fescenninen anzusehen ist. Allein diese volksmfissige vorlivianische 
Posse dürfte kaum emen Namen gehabt haben. Der konstruierende Gelehrte wollte ihr 
aber einen solchen geben; da er den Fortschritt von der volksmässigen Posse zu der livi- 
anischen Komödie darin fand, dass in der letzteren ein Stoff- planvoll durchgef&hrt war, 
während die volksmässige Posse Planlosigkeit und Durcheinander darbot, stellte sich ihm 
das Wort satura ein, das im Leben gebraucht wurde, um die mannigfachen Graben der 
Opferschale und die heterogenen Bestandteile eines Gesetzes (satura lanx, satura lex) zu 
bezeichnen. Es kam hinzu, dass f&r vermischte oder auch lose componierte Gedichte der 
Name satura, wie Ennius und Lucilius zeigen, in Anwendung gekommen war. Dass der 
konstruierende Forscher in seiner Namengebung nicht gerade unglücklich war, geht daraus 
hervor, dass der Togatendichter Atta, der Atellanendichter Pomponius und vieUeicht auch 
bereits der Dichter Naevins ebenfalls eines ihrer Stücke «satura* nannten. Ausser unserer 
Stelle wird an keiner anderen die volksmässige Posse vor Livius satura benannt. Es dürfte 
daher geraten sein, aus der Litteraturgeschichte die dramatische satura zu verbannen und 
nur von Fescenninen und volksmässiger Posse zu sprechen. Vgl. Über den Namen 0. Keller, 
Philol. 45 (1886) p. 391 = Lat. VolksetTmol., Leipz. 1891, p. 295; A. Funk, Satur und die 
davon abgeleiteten Wörter, Kiel 1888 = Archiv für lat. Lexikographie 5 (1888) p. 33; F. Marx, 
Interpretationum hexas II (Ind. lect. Rostock 1889/90 p. 18); J. Lezius, Zur Bedeutung von 
satura (Wochenschr. für klass. PhiloL 1891 Sp. 1131); H. Nettleship, The original form of 
the Roman satura (Lectnres and essays 2 (Oxford 1895) p. 23); A. Dieterich, Pulcinella p. 75. 
Zur Geschichte der Frage, üeber den ätiologischen Charakter des livianischen 
Berichtes handelte zuerst 0. Jahn, Hermes 2 (1867) p. 225. Th. Mommsen (Rom. Gesch. 1* 
(Berl. 1874) p. 28) erklärt die dramatische satura als , Mummenschanz der Vollen Leute', die 
in Schaf- und Bockfelle gehüllt mit ihren Spässen das Fest beschliessen*. Auch Lucrez 5, 1390 
und TibuU 2, 1, 51 sprechen vom Gesang der vollen Leute; vgl. F. Marx, Lucil. 1 p. XIII. 
Wesentlich auf demselben Standpunkt steht 0. Ribbeck, der (Gesch. der röm. Dichtung 1' 
(Stuttgart 1894) p. 9) schreibt: „Die Hirten in ihren Bocksfellen hiessen saturi wie die 
griechischen ifdrvQoi d. h. Böcke; ihr ausgelassener Scherz satura, Bocksscherz. Eine nahe- 
liegende Volksetymologie hat aber schon sehr früh den lateinischen Ausdruck für den Be- 
griff der Sättigung hiermit in Verbindung gebracht/ Einen anderen Weg schlug A. Kie ss- 
lin g in der Einleitung zu seiner Ausg. der horazischen Satiren, Berl. 1886, p. VII ein, in- 
dem er sich also vernehmen lässt: ,Es ist überhaupt sehr fraglich, ob diese Bezeichnung 
(satura) für die alten kunstlosen Improvisationen der römischen Bühne je anderswo existiert 
hat, als in den Köpfen deijenigen Litterarhistoriker, welche bei der Vergleichnng der römi- 
schen Bühnendichtung mit ihren attischen Mustern, neben der Tragödie und Komödie eine 
der Gattung der laivgoi entsprechende primitive Form römischer scenischer Dichtung ver- 
missten, also im Kopfe Varros oder wer sonst der Gewährsmann von Livius' berühmtem 
Ueberblick über die Anfänge des römischen Dramas ist.' F. Leo, Varro und die Satire 
(Hermes 24 (1889) p. 77) spricht, indem er unsere livianische Stelle einer genauen Analyse 
unterwirft, folgende Sätze aus: „Eine (dramatische) Satura vorhistorischer Zeit (d. h. vor 
Andronicus) erscheint nur an dieser Stelle (denn Valerius Max. II 4, 4 paraphrasiert Livius). 
Man hat daraus eine eigene Gattung gemacht .... Aber einmal ist aus einer so offenbar 
konstruierten Darstellung kein Moment als historische Tatsache anzunehmen ; zum anderen 
hat der Litterarhistoriker augenscheinlich nur nach einem Ausdruck gesucht, der eine noch 
in freier Form sich bewegende Dichtungsart schicklich bezeichnen könnte; er fand den von 
Ennius aus der Sprache des Lebens (per saturam) eingeführten Titel bezeichnend. Mög- 
lich auch, dass er, der Etymologie satura — aaxvqoi folgend, den Namen nach dem aristo- 
telischen dt« To ht, aaxvQixov (jLBxaßaXeiv oipi dneasfjivvydi] (poet, 1149^20) bildete; sicher, 
dass er im Folgenden diese satura in Analogie zum Satyrspiel setzt. Jedesfalls muss die 
vorhistorische satura aus der Geschichte der römischen Poesie in ihre Quellenkunde ver- 
setzt werden. ** (Die Quellenfrage des livianischen Berichtes ist Gegenstand der Abband- 



Die Trinmphlieder. (§ 9 a.) 23 

lang von J. Orendi, M. TerentioB Varro, die Quelle zu LiviuB 7, 2, Biatritz 1891.) An Leo 
achlosB aich G. L. Hendrickaon, The dramatic satnra and the old comedy at Rome 
(American Journal of philol. 15 (1894) p. 1) an, und zwar suchte er zu zeigen (p. 4), daas 
zwischen Aristoteles (Poetik) und Livius ein weit engerer und ausgedehnterer Parallelismus 
besteht, als Leo angenommen zu haben scheint. Den Gegenstand verfolgt weiter eine 
zweite Abhandlung Hendricksons, A pre-vaironian chapter of Roman litorary histoiy, 
American Journal of philol. 19 (1898) p. 285 (vgl. dazu F. Leo, Livius und Horaz aber die 
Vorgesch. des rOm. Dramas, Hermes 89 (1904) p. 68). Hier wird das Kapitel auf eine vor- 
vanronianische (Quelle zurückgeführt, nämlich auf Accius (z. B. p. 811). Das Wort satura 
erklflrt Hendrickson in der Weise, dass er annimmt, die Quelle des Livius habe als Vor- 
stufe der neuen Komödie, die bei den Römern mit Livius begonnen habe, die alte hingestellt 
und diese wegen ihres aggressiven Charakters durch das Wort bezeichnet, mit dem auch 
Lucilius seine ebenfalls mit der alten Komödie in Verbindung gebrachten Schöpfungen be- 
zeichnet habe. Von neueren Gelehrten haben den Gegenstand gestreift J. Vahlen (Ausg. des 
Ennius, Leipz.' 1908, p.GCXIV), der die dramatische satura leugnet, und F. Marx (LnciUi car- 
minum reliquiae 1 (Leipz. 1904) p. XIII), der in der Beurteilung Mommsens sagt: ,Haec 
doctrina nnllo pacto poterit consociari cum Ennii saturis quibus nulla inerat neqne male- 
dictio probosa neque insolentia contumax: hanc primus Luolius intulit huic cannini. Prae- 
terea nusquam traditur ab antiquis veteres Latinos versus fescenninos appeliasse saturam 
vel saturas nominatas fnisse priscorum Latinorum carmina impudica." Zuletzt ist noch ein 
amerikamscher Grelehrter, H. M. Hopkins, Dramatic Satura in relation to Book Satura 
and the Fabula Togata (Transactions and Ptoceedings of the American philol. assodation 81 
(1900) p. L) der Frage nfther getreten. Ueber das Ziel spricht sich der Eingang des Referats 
klar aus: ,The paper defended the traditional view that Book Satura was derived from a 
rüde dramatic protoiype such as Livy describes in VII. 2.' Weiterhin leitet er von dieser 
dramatischen satura ab die geschriebene ('Satura' of Naevius, 'Saturio' of Plautus, *Satura* 
of Atta). Die dramatische satura h&lt aufrecht H. de laVille de Mirmont, £tudes sur 
Tancienne po^ie latine, Paris 1908, p. 858. Die Anschauungen Mommsens und Rib- 
becks, die ich früher vertreten habe, gebe ich jetzt auf. 

9a. Die Triumphlieder. An die Seite der Fescenninen können die 
Triumphlieder gestellt werden. Wenn der siegreiche Feldherr seinen Auf- 
zug hielt, folgte ihm das geschmückte Heer unter dem Jubelgeschrei «io 
triumphe'. Aber auch regelrechter Gesang der Krieger erhöhte die Feier 
des Triumphes. Der Preis des Feldherrn, vielleicht auch Preis der Götter 
war ein sich von selbst darbietendes Thema dieser Soldatenlieder. Aber 
auch der Scherz sollte in der Festesfreude seinen Platz erhalten; man 
sah es daher den Soldaten nach, wenn sie sich in scherzhaften Anspielungen 
selbst auf den Feldherrn ergingen. Bekannt ist der Vers, den beim 
Triumphzuge Caesars das Heer sang: 

Urbani, servaU uxores: moeehum ealvom addueimua. 

Aber auch zu Rede und Gegenrede gaben diese Triumphlieder Anlass, 
indem die Gegensätze zwischen Heer und Volk und zwischen den Führern 
des Krieges sich in der Festlaune Luft machen konnten; dem Schlage 
folgte der Gegenschlag. Auch an dem Feldherm suchte man gern Situa- 
tionen auszuspähen, die eine scharfe Antithese ermöglichten, z. B.: 

Ecee Caesar nunc triumphat qui subegit Oallias, 
Nieomedes non triumphat qui subegit Caesartm, 

Die Triumphlieder mussten, wenn die Feier ohne Störung verlaufen sollte, 
vorbereitet werden ; doch wird auch die Improvisation hie und da wirksam 
gewesen sein. Künstlerische Form hatten diese Gesänge nicht; Livius 
spricht daher von . carmina incondita'*. 

ZeugniBse über die Triumphlieder, n) Vanro de lingua lat 6, 68 sie trium- 
phare app^atum, quod cum imperatore milUes redeuntes clamitant per urbem in Capito- 
Uum eunti: lo triumphe, TibuU. 2, 5, 117 Xauro devinetua agresti \ mUes *i& magna voce 
'triumphe' eanet; vgl. Horat. carm. 4, 2, 49, Ovid. trist. 4, 2, 51. ß) Liv. 4, 20, 2 lange maxi- 
mum triumphi epeciaculum fuit Coeeus epolia opima regit interfecti gerene. in eum milües 



24 Di« ToienUagen und dia Xlmeiilieder. (§ 10.) 

cartnina incondüa aequantes cum Romulo eanere. 45, 88, 12 (müUes) suasque et imperatarü 
laudes canetUes per urhetn incedunt, 45, 43, 8 laetior hunc triumphum est seeutus miles, 
muUüque dux ipse eanninibus eeUhratus. 10, 30, 9 tnilües triutnphanUm seeuU sunt, eeU" 
hraia incondUis carminilma mUUarilms tum magis vietaria Q. Fabii quam mors praeelara 
P. Deei est exeUtUaque memoria parentis aequata eveniu pMieo privatoque fili laudibue. 
Plntareh. Marcell. 8 o «fö <nQax6t eVnsto xaXXurtots onAoK xexoafiijfiäyos ^dmr Sfia nenoii^ 
lAirtt fAikfj xai naUivag imrtxiovg ek toy &sor xai xov irtQorrjyov. y) liy. 7, 38, 3 cum tfi- 
eondito mÜUari ioco haud minus tribuni eeUhre nomen quam eonsulum esset. 89, 7, 3 earminci- 
que a militibus ea in imperatorem dicta, ut faeile adpareret in dueem indulgenUm ambiUo- 
sumque ea diei, triumphum esse müitari ma^is favore quam papuk^ri eeUbrem, Appian. 
Libyka 66 (1 p. 251 Mendelflsohn) xai ttSy aQxovxtoy ovg fiüv ina^yoSmy, ovg &i axmnxovaiy, 
WS di tifiyovciy, — Martial. epigr. 1, 4, 3 consuevere ioeos vestri quoque ferre triumphi \ 
materiam dictis nee pudet esee dueem; ygl. Dionys. 7, 72. d) Liy. 5, 49, 7 {Ckimillus) trium» 
phans in urbem redit, interque ioeos militares, quos ineonditos iaeiunt, Romulus ac parens 
patriae conditorque alter urhis haud vanis laudibus appeüahatur. 8, 29, 5 epulantesque cum 
earmine triumphdli et soUemnibus iocis eomisantium modo eurrum seeuti sunt. 7, 10, 13 inter 
earminum prope modum ineondita quaedam miUtariter ioculantes Torquati cognomen audp- 
tum. 7, 17, 5 Victor es reverterunt, militaribus iocis cum apparatum hostium tum suum in- 
erepantes pavorem. Plntareh. AemO. Paulus 34 ^diav dh td fiiy t^ddg nyag natQiovs aya- 
fASfMyfjiiyai yiXtan, rd di naidyag iniyuelovg xai rtSy diansnQayfAiytoy htaiyovq eis loy 
MjnüHoy nsfflßXentoy oyta. s) Liy. 4, 58, 11 aUemis incondiü versus müitari lieentia iactati. 
Plin. n. h. 19, 144 altemis versibue (die Soldaten CaeBars beim Trinmph) exprobravere lap- 
sanä se vixisse apud Durraehium, praemiorum parsimoniam eaviUantes. Dionys. aniiqn. 
2, 84 17 (T ä^rj woyafjug tevxt^ nagfjxoXov&ei ne^eSy te xai Inniaty xexocfir^fjiiyfj xatd tiXfj 
d'Bovg te ^(Ayovaa natgioif (^date xai toy tjysfAoya xvdaiyowra noMJfAaaw atUoaxsdlois. 
Einzelne Yerse ans den carmina trinmphalia werden citiert yon Sneton. Jnlins 49; 51; 80; 
Yell. Paterc. 2, 67; Vopisc. Anrel. 6, 5 (2 p. 152 Peter). 

Litteratnr. A. Nadal, Snr Torigine de la libert^ qu'ayoient les soldats Romains 
de dire des yers satiriques contre ceuz qui triompboient (Oenyres mdMes 1 (Paris 1738) 
p. 145); G. H. Bernstein, Versus ludicri in Romanomm Caesares priores olim compositi, 
Halle 1810; E. Zell, Ueber die Volkslieder der alten Römer (Ferienschriften 2 (Freib. i. B. 
1829) p. 148); H. J. Guicherit, Quaest. bist., Diss. Leiden 1846 (behandelt die carmina 
Marciana und trinmphalia); £. Stampini, Alcune ossenrazioni sui carmi trionfali Romani 
(Riyista di filol.26 (1898) p.230); J. G. Kempf, Romanorum sermonis castrensis rel. (Fleckeis. 
Jahrb. Supplementbd. 26 (1903) p. 841). — E. Baehrens, Fragm. poet. Rom. p. 330. 

o) Anf&nge der epiaohen Poesie. 

10. Die Totenklagen und die Ahnenlieder. Als zweite Form der 
Poesie betrachten wir die Gedichte, in denen sich der Tanz abgelöst hat 
und nur noch der Gesang vorhanden ist. Es sind dies die Totenklage 
und das Ahnenlied. Die ursprüngliche Form der Totenklage war wohl 
die, dass sie von den Angehörigen selbst gesungen wurde; später erscheint 
sie in einer anderen Form. Eine Frau (praefica) wird gedungen, um vor 
dem Hause des Verstorbenen Zeichen der Trauer zu geben und das Trauer- 
lied unter Instrumentalbegleitung anzustimmen, in das dann die anderen 
miteinstimmten. Dieses Lied, welches den Namen „nenia' führte, war 
ein Lob- und Klagelied auf den Verstorbenen. Das Lied erstarrte später 
und kam dann in Verruf und Verachtung, so dass die litterarische Ent- 
wicklung nicht an dasselbe anknüpfen konnte.^) Ueber das Ahnenlied 
liegen uns zwei Zeugnisse vor, eines, das auf den alten Cato zurückgeht, 
ein anderes, das von dem Antiquar Varro herrührt. Beide Zeugen be- 
richten übereinstimmend, dass beim Gastmahl das Lob berühmter Männer 
gesungen wurde. Sie weichen aber insofern voneinander ab, als nach 
Varro Knaben diese Gesänge aufführten, während nach Cato die Teil- 
nehmer am Gastmahl der Reihe nach jene Lieder sangen, weiterhin als 

^) Eine Parodie der nenia findet sich bei Seneca Apocolocynth. 12. 



Die Totenklagen und die Ahnenlieder. (§ 10.) 25 

• 

Varro die Lieder mit und ohne Fl5tenbegleitung recitieren lässt, während 
Cato Tischlieder ohne Flötenbegleitung nicht erwähnt. Was diese Dif- 
ferenzen anlangt, so ist die letztere einfach dadurch zu lösen, dass man 
die Flötenbegleitung zwar nicht als obligat, aber doch als regelmässig 
ansieht, die erste dadurch, dass man in dem Knabengesang und in dem 
Rundgesang zeitlich getrennte Formen erblickt, und zwar den Knaben- 
gesang für die spätere, den Rundgesang für die frühere Form hält. Diese 
Sitte der Tischlieder war bereits zur Zeit Catos seit längerem ausser Ge- 
brauch gekommen, lieber den Inhalt der Lieder sind uns keine genaueren 
Mitteilungen überliefert. Aber die römische Geschichte bietet uns eine 
Reihe der schönsten Sagen dar; diese Sagen müssen doch einmal von 
Dichtem geschaffen worden sein. Wir werden nicht irren, wenn wir an- 
nehmen, dass dieselben in den Tischliedem ihre Wurzeln haben. Soweit 
ist die Hypothese Niebuhrs im höchsten Grade wahrscheinlich, die über- 
dies auch durch die analogen Erscheinungen bei anderen Völkern gestützt 
wird; dagegen an den Zusammenschluss der Lieder zu einem die ganze 
ältere Geschichte umfassenden Ganzen braucht man nicht zu denken. 

Die nenia. ä) Festiia p. 163 0. M. naenta est carmen, ^od in f untre laudandi 
gratia cantatur ad tiHam. Sunt, qui eo verbo finem signifiean putant Quidam volunt 
naeniam ideo dici, quod voei similicr querimonia flentium sit Quidam aiunt naeniae duetum 
ncmen ab extremi iniestini vocabulo; Graeei enim viaxov extremum dicunt; 9%ve quod ehW' 
darum ultima yijttj didtur, extremam cantionis vocem n4teniam appellarunt. Nonius 1 
p. 210 L. MflUer nenia, inepium et inconditum carmen, quod ä conducta mutiere, quae prae- 
fica dieeretur, is, quibus propinqui non esaent, mortuia exhiberetur. Varro de vUa populi 
Bomani lib, IUI: ibi a mutiere, quae optuma voce esset, [perquam] laudari; dein neniam 
cantari solitam ad tibias et fides. Gic. de leg. 2, 2i, 62 cantus ad tibicinem, cui nomen 
neniae, quo vocabulo etiam apud Graecos cantus lugubres nominantur. Pollux 4, 79 ro ^k 
yfjyiaxoy Itrr» f^iy ^^vyioVf InntSva^ cT avtov fdyrjfjioysvei (ygl. Ribbeck p. 8). Patron. 58 
non didid geometricis, eritica et (Hogias menias, sed lapidaricu litteras scio, Gapitolin. Clod. 
Alb. 12, 12 (1 p. 177 Peter) cum ine neniis quibttsdam anilibus oecupatus inter Müesias 
Funieas Apulei sui et ludicra litteraria consenesceret, ß) Festos p. 223 0. M. praeficae di- 
cuntur mulieres ad lamentandum mortuum conductae, quae dant ceteris modum plangendi, 
qucLsi in hoc ipsum praefeetae, Naevius: „Haec quidem mehercle, opinor, praefica est, quae 
sie mortuum coüaudat" Varro de lingua lat. 7, 70 {praefica) dicta, ut Äurelius scribit, 
mulier, ab lueo quae conduceret, quae ante domum mortui laudis eius canerenU Laciliufl 
Ys. 954 p. 64 Marx mereede quae conductae flent dlieno in funere \ praefic<$e, multo et capiüos 
scindunt et clamant magis; vgl. noch Sery. za Verg. Aen. 6, 215. 

Mit der nenia ist verwandt das metrische elogium; ygl. unten § 19 a. 

Litteratur tlber die nenia. B. G. Niebuhr, Yorti^e über röm. Gesch. hrsg. von 
M. Isler 1 (Berl. 1846) p. 92; J. Wehr, De Romanonun nenia (Propempticon fllr E. Cortias, 
Gottingen 1868, p. 11); 0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dichtung 1* (Stuttgart 1894) p. 8; 
H. de la Ville de Mirmont, La «nenia» (Revue de philol. 26 (1902) p. 263, p. 335 = 
l^des Bur l'ancienne poösie latine, Paris 1903, p. 861). 

Zeugnisse über die Ahnen- (Tisch)lieder. ä) Ahnenlied als Rundgesang. 
Cic. Tusc. 4, 2, 3 in Ortginibus dixit Cato morem apud maiores hunc epularum fuisse, ut 
deinceps, qui aceubarent, canerent ad tibiam clarorum virorum laudes atque virtutes (vgl. 
noch 1, 2, 3). Brutus 19, 75 aique tUinam exstarent illa carmina, quae muUis saeculis ante 
suam aetiUem in epulis esse cantitatä a singulis conmvis de clarorum virorum laudibus in 
Originibus scriptum reliquit Catof Val. Max. 2, 1, 10 maiores natu in conviviis ad tibias 
egregia superiorum opera carmine comprehensa pangebant, quo ad ea imitanda iuventutem 
alaeriorem redderent. Die Einrichtung wird auf Numa zurückgeführt; vgl. Cic. de or. 3, 
51, 197: quorum {numerorum) illa summa vis carminibus est aptior et cantibus, non neg- 
lecta, ut mihi videtur, a Numa rege doctissimo maioribusque nostris, ut epularum sollem- 
nium fides ac tibiae Saliorumque versus indicant; Quintil. 1, 10, 20. Den Rundgesang hat 
auch Horaz (carm. 4, 15, 25) im Auge, wenn er sagt: nosque et profestis lucibus et sacris 
inter iocosi munera Liberi .... virtute functos more patrum duces Lydis remixto carmine 
tibiis Troiamque et Anchisen et almae progeniem Vener is canemus. ß) Das Ahnenlied 
als Enabengesang. Nonius p. 77 M. (1 p. 105 L. M.) Varro de vita populi Romani Üb. 11: 



26 WeiaMgnngen und Sprftohe. (§ 11.) 

in eonviviis pueri modesti ut cantarent earmina antiqua, in quibus laudis erant maiorum, 
et assa voce et cum tibieine. 

ZengnisBe über Lieder auf Personen der Vorzeit Dionys. aniiqu. 1, 79 (og 
iv toTg nat Qtoig v f^y oig vno *PfO(AaLu>v %xh xal vvv (wohl zur Zeit des QaellenautorB) ^^erai 
(in Bezug auf Romulus und Remus). Plutarch. Numa 5 xalroi '?<afAvXov fiäy ovroi natöa 
B^Btäv vfAvovai (prjfAms, xai XQotpmf xiva daifjioy^oy avtov xai cmrtjQlay amaxoy hi yffniov 
Xiyovaty, Dionys. antiqu. 8, 62 (fderat xal vfiyBirm ngos ndyxtay tag evtfeßijg xal dixaiog 
ayiJQ (Coriolan). £. Cocchia, La leggenda di Goriolano e 1' origine deUa poesia in Roma 
(Nuova AntoL vol. 144 (Rom 1895) p. 315, p. 481; voL 146 (1896) p. 525). 

Verhältnis des Rund- und Enabengesanges. Nur die Form des Enabengesanges 
scheint Ribbeck anzuerkennen, wenn er sagt (p. 8): .Eoiaben aus guter Familie pflegten 
der Reihe nach bald mit einfacher Stimme, bald von einem Flötenspieler begleitet, Lieder 
von den Ruhmestaten der Vorfahren zu singen, gewiss nicht improvisierend, sondern aus 
dem Gedächtnis nach bekannten Texten/ Th. Mommsen (Rom. Gesch. 1* p. 222) hält den 
Enabengesang für die ursprüngliche Form; denn er schreibt: ,Dass auch die Männer bei 
dem Gastmahl der Reihe nach sangen, ist wohl erst spätere vermutlich den Griechen ent- 
lehnte Sitte* ; vgl. auch denselben p.452. W. Gorssen (Origines poesis Romanae, BerL 1846, 
p. 118) hält dagegen den Enabengesang für das spätere, und ich glaube, dass er Recht 
hat. Denn der Enabengesang deutet schon darauf hin, dass der Vortrag der Ahnenlieder 
nicht mehr völliges Gemeingut war, dass also schon die Arbeitsteilung begonnen hatte; vgl. 
auch Nitzsch p. 248. 

Die Niebuhrsche Hypothese ist entwickelt Rom. Gesch. 1 p. 268; Vorträge über 
rOm. Gesch. hrsg. von M. Isler 1 (Berl. 1846) p. 12, p.86. Niebuhr behauptet, dass die Ge- 
schichte der römischen EOnige die in Prosa aufgelösten Ahnenlieder seien. Weiterhin meint 
er (p. 269), dass in dieser ganzen Dichtung plebeischer Sinn herrscht, Hass gegen die Unter- 
drücker und sichtbare Spuren, dass, als sie gesungen ward, plebeische Geschlechter schon 
gross und mächtig waren. Bezüglich der Zeit der Gesänge äussert sich Niebuhr (p. 269) 
also: «Ich möchte diese Gedichte, wie wir ihren Inhalt kennen, nicht über die Herstellung 
der Stadt nach dem gallischen Unglück und dieses als den frühesten Zeitpunkt hinauf- 
setzen." Vor Niebuhr hatte auch J. Perizonius (Animadversiones historicae, Amsterdam 
1685, p. 202) denselben Gedanken ausgesprochen. Gegen die Niebuhrsche Hvpothese 
wendet sich in scharfer Eritik A. Schwegler, Rom. Gesch. 1 p. 53; ebenso wird Niebuhr 
von Gorssen p. 162 bekämpft. Dagegen stellt sich mit Entschiedenheit auf Seite Niebuhrs 
Macanlay und macht sogar den Versuch, einige dieser Heldenlieder zu rekonstruieren; 
vgl. Altrömische Heldengesänge (Lays of ancient Rome), deutsch im Versmass der Originale 
von Wilhelm du Nord, Wien 1903. In neuester Zeit mehren sich die Stimmen, welche 
den Eem der Niebuhrschen Hypothese, d. h. eine altrömische Balladenpoesie, festhalten; 
vgl. E. W. Nitzsch, Die röm. Annalistik, Berl. 1873, p. 248; M. A. Erepelka, Philol. 37 
(1877) p. 450: £. Meyer, Gesch. des Altertums 2 (Stuttgart 1898) p. 897; R. Poehlmann, 
Aus Altertum und Gegenwart, München 1895, p. 62; 0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dich- 
tung 1' (Stuttgart 1894) p. 8. Eine Zusammenstellung von Zeugnissen über solche Lieder 
bei anderen Völkern gibt E. Pais, Storia di Roma vol. 1 parte 1 (Turin 1898) p. 9 Anm. 1. 

d) Anf&nge der didaktisohen Poesie. 

11. Weissagungen und Sprttche. Während die von uns bisher be- 
trachteten Formen der Poesie mit Gesang und Tanz oder mit Gesang allein 
verbunden waren, erhalten wir in der Spruchdichtung, diese im weitesten 
Sinne gefasst, eine Form der Poesie, welche lediglich durch das Wort 
zu wirken bestimmt ist. Vor allem gehören hieher die Weissagungen. 
Ausser den griechisch geschriebenen sibyllinischen Büchern, die als offi- 
zielles Wahrsagebuch galten, waren auch viele Privatweissagungen seit 
den ältesten Zeiten in Umlauf. Besonders berühmt waren die Sprüche des 
Sehers Marcius. Livius erzählt, dass 213 v. Chr. ein Senatsbeschluss die 
Sammlung der umlaufenden Weissagungen anordnete. Hiebei kamen auch 
zwei vaticinia des Sehers Marcius zum Vorschein; in dem ersten war die 
Schlacht von Cannä vorausgesagt; in dem zweiten war als Mittel zur Ver- 
treibung der Feinde die Einsetzung von Spielen zu Ehren des Apollo vor- 
geschrieben. Diese ludi ApoUinares wurden in der Tat 212 eingerichtet. 



Weissagnagen und Sprftoh«. (§ 11.) 27 

Das Faktam wird nicht angezweifelt werden können, dass im Jahre 213 
solche Weissagungen unter dem Namen des Marcius in Umlauf waren. 
Dass dieselben seitdem aufbewahrt wurden, berichten nur spätere Quellen. 
Wenn dies aber auch geschah, so werden sie wohl im Jahre 83 mit den 
sibyllinischen Büchern bei dem Brand des Capitols untergegangen sein. 
Die Cütate bei Livius klingen an Hexameter an; es ist selbstverständlich, 
dass diese Form erst späterer Zeit angehört. Auch weltliche Sprüche gab 
es von Marcius; es sind uns drei Fragmente überliefert; das eine lautet: 
„Sprich zuletzt, schweig zuersf Wie Marcius, so werden noch andere 
ihre Erfahrungen in Regeln niedergelegt haben. Eine landwirtschaftliche 
Vorschrift ist uns aus einem alten Oedicht eines Vaters an seinen Sohn 
überliefert. Zur religiösen Spruchdichtung gehörten auch die Lose (sortes). 
Es waren dies Sprüche, die auf Stäbchen geschrieben waren, die von den 
bei der Foi-tuna nach der Zukunft Forschenden gezogen wurden. Eine grosse 
Reihe dieser sortes ist uns erhalten. Es sind Hexameter, die aber noch 
die metrischen Licenzen aufzeigen, wie wir sie z. B. in den plautinischen 
Anapästen haben; das ennianische Prinzip der strengen Silbenmessung im 
Hexameter war also hier noch nicht völlig durchgedrungen. Diese Er- 
scheinung weist sie in eine alte Zeit zurück, wenn auch nicht zu leugnen 
ist, dass die lange Ueberlieferung manches von dem alten Roste hinweg- 
genommen hat. Der Inhalt der Sprüche muss natürlich ganz allgemein 
gehalten werden, damit diejenigen, welche die Lose ziehen, ihn auf ihre 
besonderen Verhältnisse deuten können. So hiess es auf einem Täfelchen: 
„Denke, dass kaum noch gerichtet werden kann, was krumm geraten ist.' 
Ein anderer Spruch war: „Wenn du gescheit bist, so nimm dich in acht, 
dass nicht aus Ungewissem Gewisses werde.' Ein drittes Los besagte: „Es 
ist ein wunderschönes Ross, aber du kannst nicht auf demselben reiten.' 

Die carmina Marciana. a) Die vaticinia. Liv. 25, 12, 2 religio nova dbieeta est 
ex carminibus Mardanis. vcUea hie Marcius inlustria fuerat, et cum conquisitio priore 
anno ex aenattu eonstdto talium librorum fieret, in M, Aemili praetoris urhani, qui eam 
rem agebat, manuM venerant. ie protinus novo praetori SuUae tracliderat, ex huius Mareii 
duobus carminibus c^teriue post rem actam editi cum rato auctorUaa eventu alteri quoque, 
cuius nondum tempus venerat, adferebat fidem. PlinioB n.h. 7, 119 apud Romanos inMareio, 
Cic. de diy. 1, 40, 89 Mar dos quosdam fratres, nobili loco natos. 2, 55, 118 nee Publieio 
nescio cui nee Mareiis vatibus. 1, 50, 115 simüiter Marcius et Publicius vates eeeinisse 
dieuntur. Da Livius nur einen Seher MarciuB kennt, ist es wahrscheinlich, dass die 
zwei Weissagungen zu der Annahme von zwei Brüdern geführt haben. Die carmina werden 
noch dtiert von Festus p. 165 0. M. in carmine Cn. Marci vatis; p. 826 O. M. ex libris 
sibyüinis et vaticinio Marci vatis, Porphyrie, der zu Horat. epist. 2, 1, 26 annosa volumina 
vatum bemerkt: veteres libros Marci vatis Sibyllaeque et similium und Macrob. Sat. 1, 17, 25 
ex vaticinio Mareii vatis. üeber die Aufbewahrung der vaticinia Marciana vgl. Serv. zu 
Yerg. Aen. 6, 70; Symmach. epist. 4, 84 Marciorum vatum divinatio caducis eorticibus in^ 
culcata est, /}) Die praecepta. Isidor. orig. 6, 8, 12 apud Latinos Marcius vates primus 
praecepta composuit, ex quibus est illud „postremus dicas, primus taceas", — W. Corssen, 
Origines poesis Romanae, Berl. 1846, p. 6, p. 162; M. Hertz, Fleckeis. Jahrb. 109 (1874) 

&268; 0. Ribbeck, ebenda 77 (1858) p. 204 (über die hexametrischen Anklänge); J. N. 
advig, Die Verfassung und Verwaltung des rOm. Staates 2 (Leipz. 1882) p. 646; H. Di eis, 
Sibyllinische BlAtter, Berl. 1890, p. 7, p. 12; £. Baehrens, Fragm. poet. Rom. p. 21; Re- 
konstruktion der vaticinia p. 294, der praecepta p. 86. 

Bauernregeln eines unbekannten Autors für seinen Sohn verfasst. 
Festus p. 98 0. M. alii dicunt omnes pueros ab antiquis camillos appeUatos, sicut habetur 
in antiquo carmine, cum pater filio de agricuUura praeciperet: Hiberno 'pulvere, verno 
luto, grandia farra Camille metes. Macrob. Sat. 5, 20, 18 In libro vetustissimorum 
earminum, qui ante omnia quae a Latinis scripta sunt compositus ferebatur, invenitur hoc 



28 Die Sohrift. (§ 12.) 

rusticum vetus eanticum (folgt die Regel wie bei FeBtos); vgl. Scholia DanieÜB za Verg. 
georg. 1, 101 p. 157 Thilo. £. Baehrens (Fragm. poet. Rom. p. 26, p. 58) gestaltet aas 
der Baneniregel Anapftsto: hibimo pulvere, vire lutö | tu grdndia fdrra, eatnÜle, tnetSs; 
F. Marx (Zeitsohr. ftr Osterr. Gymn. 48 (1897) p. 221) iambische Senare: hiberno pulvere \ 
vemö luto, eamttle, farra grdndia \ meUs; F. Leo, Der satumische Vers (Abb. der Gott. Ges. 
der WissenBch. N. F. Bd. 8 Nr. 5 (Berl. 1905) p. 63) konstitoiert die drei Kola: hiberno pul- 
vere vemo I luto grandia farra \ Camiüe meteSy verbindet aber die beiden ersten Kola zu 
einem Vers. £. Norden (Die antike Konstprosa, Leipz. 1898, p. 159) erblickt in der Regel 
rbythmiscbe Prosa; ihm stimmt £. H an 1er, Zar älteren röm. Litteratorgesch. (Festodbr. 
f&r Th. Gomperz, Wien 1902, p. 389) zn und sieht als Älteste Form der Regel an: hibemod 
polverid | vernod lutod \\ grandia fara \ eastnile metes. Gegen die Zateilong der Regel an 
den alten Gate, die Baehrens (1. c. p. 26) vornimmt, spricht sich mit Recht H aal er 
(1. c.) aas. 

Die sortes. üeber die Etymologie sors von aerere vgl. Th. Mommsen, Röm. Gesch. 
1' p. 177 Anm. An sortes besitzen wir die f&lschlich sog. sortes Praenestinae, die aber von 
Mommsen dem Orakel von Padaa zageteilt werden, daher vielleicht besser sortes Pata- 
vinae heissen. Es sind 17 Stücke, von denen iedes einen Hexameter enthält; drei davon 
sind noch in Bronze, die flbrigen nnr handschriftlich erhalten. Sie wurden treffUch be- 
arbeitet von F. Ritschi, Oposc. 4 p. 395. Aosg. in CIL 1 p. 267 Nr. 1438—1454; E. Schnei- 
der, Dialectoram Itelicaram aevi vetastioris exempla selecte 1 (Leipz. 1886) p. 99 and be- 
sonders in Anthol. lat. vol. 2 carmina epigraphica ed. F. Baecheler Nr. 331. Es kommen 
hinzn die bronzenen sortes vom Foram Novom, die sich jetzt in Parma befinden; vgl. CIL 
11, 1129; Ballettino dell' Institute di conispondenza archeoL 1883 p. 101. Gegen die An- 
sicht Buechelers, dass diese Sprüche uns jetzt in Prosa vorliegen und, wenn sie frOher 
ein Metrum hatten, Septenare anzunehmen seien, wendet sich A. Swoboda, üeber die 
metrische Form der sortes von Forum Novum (Wien. Stud. 24 (1902) p. 485) und will auch 
in diesen sortes Hexameter erkennen. Im allgemeinen vgl. 0. Ribbeck, Gesch. der röm. 
Dichtung 1* (Stuttgart 1894) p. 13. 

3. Prosaaufzeichnungen. 

12. Die Schrift. Das Lied bedarf der schriftlichen Fixierung nicht ; 
durch das Metrum gestützt, vermag es sich im Gedächtnis fortzupflanzen. 
Auch der gebundene Satz, das Sprichwort und die Formel (carmen) ist 
nicht auf die schriftliche Fixierung angewiesen. Allein zur Ausbildung der 
Prosa ist die Schrift unbedingt notwendig. Die Italer haben die Schrift- 
zeichen von den Griechen erhalten; von dem chalkidischen Alphabet, 
das bei den campanischen Griechen üblich war, stammen zwei Ginippen 
von Alphabeten, einmal die etruskisch-umbrisch-oskische, andrerseits die 
lateinisch-faliskische Gruppe. Beide Gruppen haben sich unabhängig von- 
einander aus jenem Mutteralphabet entwickelt. Das lateinisch-faliskische 
Alphabet hat die Eigentümlichkeit, dass es für den Laut F das Di- 
gamma nimmt, wodurch die Fähigkeit verloren geht, ü und V in der 
Schrift zu differenzieren und die Notwendigkeit entsteht, das Vokalzeichen 
auch für das Eonsonantenzeichen zu setzen, während die andere Gruppe 
für den Laut F ein eigenes Zeichen geschaffen hat. Die Zahl der über- 
kommenen Lautzeichen blieb nicht intakt. Einmal fielen die Aspiraten 
weg. Dann als die Aussprache nicht mehr scharf zwischen der gutturalen 
Media und Tenuis unterschied, wurde ein Zeichen (E) überflüssig, man 
behielt konform der Aussprache das Zeichen für die Media bei. Ebenso 
fiel, weil Z in der Aussprache mit S nahezu zusammenfiel, das Zeichen Z 
weg. Diese ausgeschiedenen Buchstaben wurden zwar später wieder ein- 
geführt, allein man griff hiebei nicht ganz zu dem Ursprünglichen zurück. 
Das Zeichen der gutturalen Media (G) wurde nämlich für die Tenuis will- 
kürlich festgesetzt und für die gutturale Media ein neues Zeichen durch 



Die Amtabüohor. (§ 13.) 29 

DifFerenzieruDg von G (0) eingeführt. Dieser neue Buchstabe trat an den 
Platz des verdrängten Z. Als daher in späterer Zeit auch dieses Zeichen 
besonders wegen der griechischen «Worte wieder hervorgesucht wurde, 
konnte es seinen ursprünglichen Platz, der besetzt war, nicht mehr er- 
halten, sondern musste an den Schluss des Alphabets gestellt werden. Zu 
gleicher Zeit wurde, da das ü im Laufe der Zeit im Griechischen zu Ü 
geworden war, wegen der Schreibung griechischer Wörter die Form Y im 
Lautwert von Ü aus dem Griechischen herübergenommen und vor Z ge~ 
stellt. Beide Lautzeichen, T und Z, wurden aber immer als fremde em- 
pfunden. Damit war das lateinische Alphabet im wesentlichen abgeschlossen. 

Die weiteren Versuche zur Verbesserung des Alphabets bezogen sich 
auf die Bezeichnung der aspirierten Laute durch die betreffenden Tenues 
in Verbindung mit H, dann auf die Einführung der Doppelzeichen, endlich 
auf den Ausdruck der Vokallänge durch die Schrift. Der Grammatiker 
Verrius Flaccus (Gramm, lat. 7 p. 80) und der Kaiser Claudius (Sueton. 41) 
machten noch einmal den Versuch, das Alphabet durch neue Zeichen zu 
bereichern, allein ohne Erfolg. Dass auch die Schriftzeichen ihren Ent- 
wicklungsgang durchgemacht haben, zeigen die Lischriften. 

Wie alt die Schreibkunst bei den Römern ist, kann nur vermutungs- 
weise bestimmt werden. Schon die Eönigszeit kennt Schriftdenkmäler, 
allein Mommsen nimmt mit Recht an, dass wir noch bedeutend weiter 
zurückgehen müssen. An eineis soU aber hierbei erinnert werden, dass 
das Schriftdenkmal noch kein Litteraturdenkmal ist. Letzteres kann erst 
auftreten, nachdem die Schreibkunst lange Zeit geübt ist und die Schreib- 
materialien sich vervollkommnet haben. 

Litteratar. üeber die Geschichte des lat. Alphabets handeln Th. Mommsen, 
Rom. Gesch. 1* p. 216; A. Kirchhoff, Stad. zum griech. Alphabet, Gtitersloh^ 1887, p. 182; 
F. Stolz, Hist. Grammatik der lat. Sprache I, 1 (Leipz. 1894) p.82; W. M. Lindsay, Die 
lat Sprache, flbersetzt von H. Nohl, Leipz. 1897, p. 1; E. P. Harrington, Was there a 
letter Z in early Latin? (Transactions and Proceedings of the American phüol. association 
29 (1898) p. XXaIV). üeber die Geschichte von C, G, K und Z wurden neue Ansichten vor- 
getragen von G. Hempl, The origin of the latin letters G and Z (Transactions and Procee- 
dings of the American philol. association 30 (1899) p. 24); vgl. dagegen J. P. Postgate, 
Classical Review 1901 p.217; B. Maurenbrecher, Berl. philoL Wochenschr. 1902 Sp. 1269. 
— üeber ABC-DenkmUer vgl. A. Dieterich, Rhein. Mus. 56 (1901) p. 77 (vgl. auch Archiv 
fOr Religionsw. 7 (1904) p. 524); Gh. Huelsen, Mitteilungen des kaiserl. deutschen archaeol. 
Inst. Rom. Abt Bd. 18 (Uom 1903) p. 75. üeber die lat. Buchstabennamen vgl W. Schulze, 
Sitzungsber. der Berl. Akad. der Wissensch. 1904 p. 760. 

Der Lautwert der lateinischen Schriftzeichen. W. Corssen, üeber Aus- 
sprache, Yokaliamus und Betonung der lat. Sprache 1', Leipz. 1868; £. Seelmann, Die Aus- 
n^rache des Latein nach physiologisch-historischen Ghtinds&tzen, Heilbronn 1885; F. Stolz, 
historische Grammatik der lat. Sprache 1. Bd. 1. H&lfte p. 109; W. M. Lindsay, Die lat. 
Sprache, übersetzt von H. Nohl p. 14. 

Geschichte der lateinischen Schriftzeichen. Die Entwicklungsgeschichte 
nnd Formenlehre der lateinischen Buchstaben wird meisterhaft behandelt von F. Ritschi, 
Zur Gesch. des lat Alphabets (Opuscula 4 p. 691); vgl. auch E. Hahn er, R5m. Epigraphik 
(Handb. V (1892) p. 646). 

a) Oeffentliohe Denkmäler. 

13. Die Amtsbücher. Wie der gute Haushalt des Römers seine 
Buchführung erfordert, so muss auch das Amt zur Schrift greifen. Um 
seinem Gedächtnis zu Hilfe zu kommen, wird der sorgfältige Beamte alle 
Amtshandlungen, die er vornimmt, verzeichnen; auch die Weisungen, die 



30 Die AmUMoher. (§ 13.) 

ihm von den höheren Behörden gestellt werden, und fremde AktenstQcke, 
die ihm bei Ausübung des Dienstes in die Hände kommen, wird er regi- 
strieren. Durch diese Niederschriften erleichtert er sich die Führung seines 
Amtes; denn er kann in analogen F&llen auf frühere Entscheidungen 
zurückgreifen. Ursprünglich mag ein solches Amtsjournal in der Regel 
der Magistrat nur für seinen Privatgebrauch angelegt haben; war die 
Amtszeit vorüber, so wanderte dasselbe in das Familienarchiv und konnte 
den späteren Mitgliedern des Oeschlechts, wenn sie das gleiche Amt, wie 
ihr Vorfahre, erlangten, als Leitfaden dienen. Und in der Tat erhalten 
wir Kunde von censorischen Leitfäden, die sich in den Familien forterbten. 
Die Entwicklung der Magistratur, besonders derjenigen, die sich aus 
grösseren KoUegien zusammensetzte, musste dazu führen, dass sich eine 
Registratur bildete, in der das Amtsjoumal seinen Platz fand. Der spezi- 
fische Ausdruck für dasselbe ist commentarius, d. h. eine Niederschrift 
zum ewigen Gedächtnis. Der commentarius erfüllt, wie bereits angedeutet 
wurde, eine doppelte Funktion, indem er nicht nur die Amtshandlungen, 
sondern auch die Weisungen und Beschlüsse, welche die Ausübung des 
Amtes regelten, verzeichnete. Aus den verschiedenen commentarii einer 
Behörde oder eines Kollegiums konnte ein systematisches Handbuch über 
das betreffende Amt herausgearbeitet werden. Aber eine solche Schrift- 
stellerei kann erst in verhältnismässig später Zeit aufkommen. Es war 
ein Irrtum, wenn man von vornherein die Amtsbücher in normierende 
(libri) und in registrierende (commentarii) scheiden wollte. Der gemachte 
Unterschied wird durch Zeugnisse widerlegt und kann überhaupt von An- 
fang an nicht bestanden haben. Erst späterhin wurden durch acta die 
Amtshandlungen schärfer als vollzogene charakterisiert. Für einzelne Teile 
der Registratur finden wir Spezialbezeichnungen. Aus der Pontifikalregi- 
stratur werden die indigitamenta ausgeschieden; es sind dies .Oebets- 
formulare'*, welche die Anweisung enthielten, welche Oötter in bestimmten 
Lagen des Lebens und zu bestimmten Zwecken anzurufen seien und in 
welcher Weise. Bei der grossen Zahl der Gtötter, welche durch Personifi- 
zierung der Begriffe gewonnen wurden, bei dem abergläubischen Sinn der 
Römer, welcher auf die Form den höchsten Wert legte, kam diesen Ge- 
betsformularen sicherlich eine grosse Bedeutung zu. In der Registratur 
der Gensoren führen die Formulare der Bedingungen für Verpachtung und 
Verdingungen einen eigenen Namen; sie heissen leges censoriae.^ Einen 
gesonderten Bestandteil der Amtsregistratur bildeten auch die Verzeich- 
nisse derjenigen Personen, welche das betreffende Amt bekleideten; nament- 
lich bei den Priesterkollegien war das Mitgliederverzeichnis eine Notwendig- 
keit. Wir finden für dasselbe die Namen album oder fasti. Ein Teil 
dieser Magistratsverzeichnisse war auf Linnenrollen, die im Tempel der 
Juno Moneta aufbewahrt wurden, geschrieben und führte daher die Be- 
zeichnung libri lint ei. Sie wurden von den Historikern G. Licinius Macer 
und Q. Aelius Tubero benutzt; allein es ist doch recht fraglich, ob es 
echte Produkte waren. 



^) Th. Mommsen, Rom. Staatsrecht 2* p. 430. 



Die AmUliftoher. (§ IS.) 31 

Die Bezeichnangen für die AmtsBchriften. Es sind folgende Üblich: 

a) Libri. 1. Cic. de or. 1, 43, 193 in pontificum libris, Festus p. 189 0. M. tewti- 

monio esse libras p&fUifieum, Varro de lingua lat. 5, 98 in pontificiis libris videmus, Cic. 

de rep. 2, 31, 54 declarant pontificii libri, Seneca epist 108, 31 in pontifiealibus libris. All- 

fBmem libri sacrarum Festos p. 141 0. M. 2. Varro de lingua lat 5, 21 in augurum libris. 
eetoB p. 253 in libHs auguralibus. 3. Varro de lingua lat. 6, 14 in libHs Saliorum. 4. AU- 
gemein wird auch von libri mttgistratuum gesprochen: Liy. 4, 7, 10 neque in annalibus 
priscis neque in libris magistratuum (9, 18, 12 in annalibus magistratuum fastisque). Grie- 
chische äezeichnungen: Dionys. antiqn. 8, 56 al ttop UQOfpayreSy yQaipaL 1, 78 ir Is^alg 
deXroig. 10, 1 iy leQatf ßvfiXoig. 

ß) Commentarii. 1. Cic. Brutus 14, 55 ex pontificum eommentariis. Liv. 4, 3, 9 
ad commentarios pontificum. Allgemein commentarii sacrorum Festus p. 165 0. M., p. 360, 
aber auch commentarii sacrorum pontificalium p. 286. 2. Scholia Danielis zu Verg. Aen. 
1, 898 auguralüms eommentariis. Festus p. 317 0. M. in commentariis auguralibtis; vgl. 
auch Cic. de div. 2, 18, 42 in nostris eommentariis. 3. Censorin. de die natali 17, 9 eom^ 
mentarii XVvirorum. 4. Varro de lingua lat. 6, 88 in eommentariis eonsularibus scriptum 
sie inveni. 

r) Tabulae publicae. Cic. in Vat 14, 34 tabulae publicae C. Memmi (des Quae- 
stionsvorstehers). Seneca de brey. vitae 13, 4 publicae tabulae codiees dicuntur. Th. Mommsen 
(Rom. Strafrecht, Leipz. 1899, p. 514) bemerkt, dass die Amtstagebficher in der älteren 
Zeit tabulae publicae mit Hinzusetzung des Namens des Beamten, in dessen Auftrag sie 
gef&hrt sind, benannt werden und dass erst unter dem Prinzipat die Bezeichnung commen-^ 
tarium oder commentarii regulftr und offiziell wird. 

cf) Acta. Hierfiber sagt Mommsen, Strafr^cht p. 514 Anm. 5: ,In der filteren 
Sprache sind die acta des Magistrats seine Amtshandlungen ohne Rücksicht auf die Auf- 
zeichnung, die acta publica das hauptstftdiische Journal, das flbrigens offenbar zum guten 
Teil aus den yerschiedenen amtlichen Tagebfichem zusammengestellt worden ist. Bei den 
Rechtsgelehrten der Eaiserzeit sind die acta das Protokoll; so erklftrt in einem solchen 
(Vat fr. 112) der Munizipalbeamte den Parteien, sermo vester in actis erit, er wird zu Proto- 
koll genommen, und Aussage apud acta, unter protokollarischer Aufnahme, findet sich 
hftufig.* Ueber acta senatus und acta urbis vgL unten § 135. 

s) Monuments. Valer. Probus Gramm, lat 4 p. 271, 8 in legibus publicis pontifi- 
cumque monumentis. 

Die censorischen Amtsbficher. a) Tabulae censoriae. Ueber den Inhalt 
derselben ftussert sich Mommsen {Rom. Staatsrecht 2' (Leipz. 1887) p. 361 Anm. 2) also: 
V Unter den censoriae tabulae oder censorii libri (Gellius 2, 10), die oft auch mit dem all- 
gemeinen Namen tabulae publictu genannt werden (so in Caesars Mnnizipalgesetz Z. 155; 
Cic. pro Mil. 27, 73 und sonst; tabellae publicae Liyius 43, 16, 13 ist wohl Schreibfehler), 
werden hauptsächlich die eigentlichen Amtspapiere yerstanden, die Listen (tabulae iuniomm) 
und die fiber das Gemeindeyermögen aufgenommenen Verzeichnisse nebst den dazu ge- 
hörigen Kontrakten. Aber es werden auch die Schemata dazu gerechnet, welche bei den 
froheren Censuren zur Anwendung gekommen sind." Die Bezeichnung censoriae tabulae 
findet sich noch: Cic. de lege agraria 1, 2, 4; de harusp. resp. 14, 30; orator 46, 156; Varro 
de lingua lat 6, 86; Plin. n. h. 18, 3, 11. ß) Libri censorii. Ausser der bereits ange- 
fahrten SteUe Gellius 2, 10, wo der Ausdruck favisae als in denselben vorkommend an- 
gemerkt wird, vgl. noch Dionjs. antiqu. 4, 22: iyivsxo 6 avfinag xtSy xi/Atjaafiäyioy tovs ßiovs 
'Pot/Attiay aQi^uog, tig iy toig riurinxois (f4qsxai ygäfÄf^any, hil f^vQUeüiy oxxoi x^Ui&sg 
niyts XQiaitoaiioy dnodiovca^» Daraus folgt die Identität der tabulae censoriae und der 
libri censorii. y) Commentarii censorii. Dionys. antiqu. 1, 74 cff/Aovro« i^ aXktiy xe 
noXkmy xal XiHy xaXovf^äytoy xififjxMfay vnofiytjfxaxmyy a oiadexexai natg naga naxQos xai 
nsQi noXXov noisixai xoii fis^* iavxoy iaouiyo^ uiansg legd nax^a nagadMyai * nolXol 
<r eialy äno xay xtf4ijxixioy otxiay aydQSg hmpaysts ol diaipvXaxxoyxss avxä. 

Bezeichnungen ffir die Bficher der disciplina Etrusca. Insofern diese 
Bficher in etruskischer Sprache geschrieben waren, gehören sie nicht der lateinischen Lit- 
teratur an; doch werden sie untor verschiedenen lateinischen Benennungen angefahrt: Amm. 
Marc. 17, 10, 2 Tagetiei libH; ebenda Vegonici libri. Amob. 2, 62 Aeherontid libri; vgl. 
auch Serv. zu Verg. Aen. 8, 398. Ueber die libri rituales der Haruspicea vgl. unten § 201. 
Nicht hierher gehören auch die lateinischen Schriften fiber die Haruspicin, die gegen das 
Ende der republikanischen Zeit entstanden sind. 

Litteratur. Ueber die acta vgl. G. Humbert, Dictionnaire des antiquit^ par Darem- 
berg et SagUo 1 p. 46; J. W. Kubitschek, Pauly-Wissowas Realenc^cl. Bd. 1 Sp. 285. 
Ueber die commentarii handeln H. Th^denat, Dictionnaire des antiquit^s par Daremberg 
et Saglio 1 p. 1404; E. de Rnggiero, Dizionario epigrafico di antichitä Romane 2 p. 537; 
A. V. Prem er stein, Pauly-Wissowas RealencycL Bd. 4 Sp. 726; vgl. noch unten § 42. 



32 I>ie Amtabüohor. (§ 13.) 

üeber VeliuB LongnB Gramm, lat. 7 p. 74, 19 oriens eonstd magistrum p(>puli dicat als ein 
Fragment eines commentarios conBularis vgl. A. Rei ff erscheid, Rhein. Mns. 15 (1860) 
p. 627; Th. Mommsen, Rom. Staatsrecht 1' (Leipz. 1887) p. 6 Anm. imd dagegen Premer- 
stein Sp. 732. 

Das Verhältnis der libri und commentarii. Lange Zeit hatte man angenommen, 
dass libri nnd commentarii (der Priesterschaften) sich in der Weise unterscheiden, dass die 
libri die Bücher bezeichnen, welche die Vorschriften fOr die Aosübong des Amtes enthalten, 
commentarii dagegen die Anfzeichnungen über die Amtshandlungen selbst (vgl. z. 6. E. Hüb- 
ner, Fleckeis. Jfdurb. 79 p. 407; H. Peter, Hist. Rom. reliquiae 1 p. IV). Dieser Unter- 
schied wird aber von den Schriftstellern nicht durchg&ngig beobachtet, wie nach dem Vor- 
gange A. Reifferscheids (Bursians Jahresber. 28 (1880) p. 274) P. Prei bisch, Quaest. de 
Sbrie pontificüs p. 4 und P. Reg eil. De aug. publ. libris p. 30 dargelegt haben. So wird 
z. B. Plin. n. h. 18, 14 eine Vorschrift des Auguraldienstes {augurio canario agendo dies con- 
stititantur etc.) ausdrücklich als aus den commentarii der pontifices entnommen dargesteUt. 
Unrichtig ist es aber, wenn Th. Mommsen die commentarii schlechtweg als Schemata 
(Rom. Staatsrecht 2' p. 12 Anm. 3) oder als Amtsinstmktionen auffasst; vgl. dagegen 
Premerstein Sp. 747. In den sog. commentarii isagogici liegen allerdings solche Amts- 
anweisungen vor; y^. Gellius 14, 7, wo erzfthlt wird, dass, ehe Gn. Pompeius das Konsulat 
antrat, er M, Varranem, familiärem suum, rogapU, uti commentarium faeeret eiaaytiyuioy 
— sie enim Varro ipse appeUat — , ex quo disceret, quid facere dieereque deheret, cum 
senatum eonsulerei. Allein diese Commentare sind Privatarbeiten. Festzuhalten ist, dass 
es ursprünglich nur ein Amtsjoumal gab; hfttte es von vornherein normierende und regi- 
strierende Amtsbücher gegeben, so würden das Jus Flavianum und Papirianum keine Be- 
arbeitungen, sondern Kopien sein. 

Das Verhältnis der acta und commentarii. Ueber den Unterschied zwischen 
acta und commentarii vgl. H. Peter, Die geschichtl. Litt, über die röm. Kaiserzeit bis 
Theodosius I. und ihre Quellen 1 (Leipz. 1897) p. 205: „'Acta' bedeutet sowohl die Amts- 
handlungen selbst als auch die Aufzeichnungen von solchen und berührt sich in letzterem 
Sinne mit 'Commentarii', so jedoch, dass jenes mehr die Absicht hervortreten lAsst, das 
Verhandelte rechtlich zu fixieren und gegen Zweifel zu schützen, dies gemfiss seiner Ab- 
leitung die Niederschrift namentlich als Material für die Zukunft erscheinen Ifisst.' Dieser 
Bemerkung muss noch hinzugefügt werden, dass die commentarii auch fremde Aktenstücke 
in sich aufiiehmen können; doch werden bei den Schriftstellern die beiden Ausdrücke unter- 
schiedslos gebraucht, so dassTh. Mommsen den Unterschied ganz leugnet; vgl. Rüm. Staats- 
recht 3 p. 1019 Anm. 1: «Ein sachlicher Unterschied zwischen den commentarii, den »Auf- 
zeichnungen' und den acta, den ,Amt8handlungen' ist nicht zu finden, wie denn auch das 
griechische vnofjkvtjfjiaxa technisch beiden entspricht. In Beziehung auf den Senat braucht 
die erstere Bezeichnung Tacitus (ann. 15, 74 reperio in eommetUariis senatus Cerialem Ani- 
cium eonsulem designatum pro sententia dixisse), die zweite Sueton und die Späteren aus- 
schliesslich In fthnlicher Weise werden die über die hauptstädtischen Vorgftnge in 

Tageblattform in Umlauf gesetzten Berichte in der ciceronischen Zeit bald commentarii 
rerum urbanarum^ bald acta rerum urbanarum genannt, wfthrend spftterhin die letztere 
Benennung allein gebraucht wird.'' 

Das commentarium vetus des Quaestor M. Sergius. Varro de lingua lat. 
6, 90 circum moeros mitti solihim quo modo inliceret populum in tum [locumi\ unde vocare 
posset ad contionem, non solum ad consules et eensores, sed etiam quaestores, commentarium 
indieat vetus anquisUionis M. Sergii Mani fUii quaestoris, qui capitis accusavit Trogum; 
in quo sie est ,. . , in eodem commentario anquisitionis ad extremum scriptum caput tdieti 
hoc est. Aus der Darstellung Varros lernen wir, dass der Quaestor M. Sergius die genauen 
Vorschriften, die ihm von den Konsuln ffSa die Vornahme der Voruntersuchung gegen T. Quin- 
tius Trogus gegeben wurden, in sein commentarium eingetragen hat. 

Commentarien aus der Kaiserzeit. Ueber die Einrichtung der Commentarien, 
welche die Priesterschaften führten, geben uns die Aufzeichnungen über die Saecularfeiem 
vom Jahre 17 v. Chr. unter Augustus und vom Jahre 204 n. Chr. unter Septimius Severus 
deutlichen Aufischluss. Die erste findet sich CIL 6, 32323 = Ephem. epigr. 8 p. 229, abge- 
kürzt auch bei H. Dessau, Inscriptiones lat. selectae vol. 2 pars 1 (Berl. 1902) p. 282, die 
zweite CIL 6, 32327 = Ephem. epigr. 8 p. 278, abgekürzt auch bei Dessau p. 287. Die 
erste Aufzeichnung wird als commentarium ludorum eorum angeführt, die zweite trügt die 
Ueberschrift: commentarium ludorum saecularium septimorum qui facti sunt etc. Sehr 
wichtig für die Beurteilung des antiken Commentars ist der Auszug aus dem Amtsjoumal 
{commentarium cottidianum municipi Caeritum) vom Jahre 113 n. Chr. (CIL 11, 3614), weil 
er uns zeigt, dass auch einlaufende Aktenstücke in dasselbe eingetragen wurden. Sehr 
belehrend ist auch, was U. Wilcken (Philol. 53 (1894) p. 80) über das Tagebuch des Stra- 
tegen für den Gau von Omboi und Elephantine aus dem Jahre 223 n. Chr. in trefflicher 



Bie Amtabfloher. (§ 18.) 33 

Weise aoBeinandergesetzt hat; über die caeritische Inschrift vgl. Wilcken p. 110. Den 
Ck>mmentarien entsprechen die griechischen vno/jiyijfjLaTia/jioi (vgl. Wilcken p. 104). 

Indigitamenta. Censorin. de die nat. 3, 2 eundem esse Genium et Larem m%UH 
veteres memoriae prodiderunt, in quis etiam Granius Flaceua in lihro quem ad Caesarem 
de indigitameniis eeripium reliquii, 3, 4 sunt dei eomplures hominum vitam pro sua quis- 
que portione adminiculantes, quos volentem cognoscere indigitamentorum Hhri satis edoeebunt, 
Serv. zn Verg. georg. 1, 21 n<m%ina haee numinum in indigitameniis inveniuntur, id est in 
libris pontificalibus, qui et nomina deorum et rationes ipsarum nominum continent, quae 
etiam Varro dicit, nam .... nomina numinibus ex officiis constat inposita, verbi causa 
ut ab oceatUme deus Oeeator dicatur, a sarritione Sarritor, a stercoratione Stereulinius, 
a satione Sator, Der Zosammenhang der Worte indigitamentum und indigitare mit den 
dii indigites-ist wohl nnlengbar. Die dii indigites sind aber die ursprünglichen heimischen 
Götter gegenüber den von aussen hinzngekommenen dii novensiles; so heisst es beiLivius 
8, 9, 6: Jane, JuppUer, Mars pattr, Quirine, Bellonay Lares, divi novensiles, di indigetes, 
divi quorum est potestas nostrorum hostiumque, diique manes, vos precor etc.; vgl. J. N. 
Madvig, Verfassung und Verwaltung des röm. Staates 2 p. 588 Anm. **); G. Wissowa, 
Religion und Kultus der Rümer, München 1902, p. 15; Ges. Abb. zur röm. Religions- und 
Stadtgesch., München 1904, p. 176, p. 306. Wie hebetare 'stumpf machen' heisst, so muss 
indigitare heissen 'zu einem Eingeborenen machen'. Die Handlung muss sich sonach auf 
die dii novensiles erstrecken. Diese werden aber zu dii indigetes gemacht, wenn ihnen ihre 
Stelle im Kultus angewiesen wird, d. h. wenn die Formeln bezeichnet werden, unter denen 
sie angerufen werden soUen. Indigitamentum ist aber das Mittel, einen deus novensilis zum 
deus indiges zn machen, d. h. seine Gebets- und Anrufungsformel. Mit der Zeit konnte sich 
der Gegensatz verwischen und indigitamentum allgemein die Anrufungsformel bedeuten. Von 
anderen modernen Etymologien mag dieW. Gorssens hier Platz finden (Krit. Nachträge zur 
lat. Formenlehre, Leipz. 1866, p. 254): «Von dem abgestampften Partizip Pass. indige{t)s ist 
das denominative Verbum indigitare 'anrufen, anbeten' und weiter das Substantivum Neutr. 
Plur. indigitamenta 'Anrufungen' gebildet In diesen Wörtern ist der Bestandteil -ig des 
zweiten Gompositionsgliedes eine Verbalwurzel ag-, die auch in <iü> für agio, nego für neigo, 
in adagium und in den altlateinischen Wörtern axare 'anrufen' {aesare) und axamenta 'An- 
rufungen' der Salierpriesterschaft enthalten ist und der Sanskr.Wz. ah- 'sprechen, sagen' ent- 
S|mcht. Daher bedeutet Indige(t)es dii so viel wie inweati dii,* Allem diese Etymologie 
berücksichtigt nicht den Gegensatz von dii indigetes und dii novensiles. — R. Peter in 
Roschers mytholog. Lexikon 2 Sp. 129; R. Agahd, Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 24 (1898) 
p. 180; G. Moratti, L' iscrizione osca di Agnone e gll indigitamente (Riviste di filol. 27 
(1899) p. 587); vgl. auch fl. üsener, Göttemamen; Versuch einer Lehre von der religiösen 
Begri&bildung, Bonn 1896, p. 75; A. Walde, Etymol. Wörterbuch, Heidelberg 1905, s. v. 

Die libri lintei. AUgemein werden die Magistrato Verzeichnisse Ubri magistratuum 
genannt: Liv. 4, 7, 10 idque monumetUi est, consules eos illo anno fuisse, qui neque in annali' 
bus priscis neque in libris magistratuum inveniuntur. 9, 18, 12 in annalibus magistratuum 
fastisque. Zu diesen Magistratsveneichnissen gehören die libri lintei. Liv. 4, 7, 12 Licinius 
Macer auetor est, et in foedere Ardeatino et in l int eis libris ad Monetae inventa, 4, 13, 7 
nihil eonstat nisi in libros linteos utroque anno relatum inter magistratus praefecti 
nomen, 4, 20, 8 libri quos linteos in aede repositos Monetae Macer lAcinius citat, 4, 23, 2 
in tarn discrepante editione et Tubero et Maeer libros linteos auetor es profUentur .... 
Licinio libros haut dtdne sequi linteos placet et Tubero incertus veri est, Ueber die Glaub- 
wfirdigkeit der Linnenrollen vgl. Th. Mommsen, R. Chronol. p. 90; H. Peter, Eist Rom. 
reliquiae 1 (Leipz. 1870) p. GGGXLV; G. F. Unger, Fleckeis. Jahrb. 148 (1891) p. 650. Be- 
züglich des Materials vgl. Plin. n. h. 13, 69 : postea publica monumenta plunibeis voluminibus, 
mox et privata linteis confid coepta aut ceris. Solche libri lintei bezeugen noch: Liv. 
10, 38, 6 ex libro vetere linteo; Fronte p. 67 Naber multi libri lintei, quod ad sacra attinet. 

Litteratur über die Religionsbücher. «) J. Ambrosch, Ueber die Religions- 
bücher der Römer, Bonn 1848 (grundlegende Abhandlung); A. Schwegler, Röm. Gesch. 1 
(Tübingen 1853) p. 81 (Priesterschriften). ^) £. Lübbert, Comment. pontificales, Berl. 1859, 
p. 79; P. Preibisch, Quaestiones de libris pontificüs, Diss. Breslau 1874; Fragmenta librorum 
pontificiorum, Progr. Tilsit 1878; M. Voigt, Ueber die leges regiae, Leipz. 1876/77 (Abb. der 
sftchs. Ges. der Wissensch. 17 (1879) p. 648). Ueber die ZurückiÜhrung von Vairo de lingua 
lat 5, 45 über die sacra Argeomm auf die libri pontificii vgl. H. Jordan, Topographie der 
Stadt Rom im Altertum 2 (Berl. 1871) p. 237, p. 599. y) Librorum de disciplina augurali 
ante Augusti mortem scriptorum reliquiae ed. F. A. Brause, I, Diss. Leipz. 1875; H. Ga- 
letschkv, Fragmente auguralia, Progr. Ratibor 1875; P. Regell, De augurum publi- 
corum libris part. I, Diss. Breslau 1878; Fragmente auguralia, Progr. Hirschberg 1882; 
Auguralia (Comment. philol. in honorem A. Reifferscheidii, Breslau 1884, p. 61); (%mmen- 
teril in librorum auguralium frag^ente specimen, Progr. Hirschberg 1898. Ueber ein Frag- 

Bandbaoh der klSM. AltertumawlMeiiMhAft. vm, 1. S. Aufl. 8 



34 IHo amtliche Chronik, (§ 14.) 

ment ans den libri augnrales bei Varro de lingaa lat. 7, 8 vgl. H. Jordan, Kritische Beitr. 
zur Gesch. der lat. Sprache, Berl. 1879, p. 89. 

14. Die amtliche Chronik. Wie im Mittelalter die Chronik aus der 
Ostertafel entstanden ist, so bei den Römern aus dem Kalender. £s war 
Sache der Pontifices, die Zeitrechnung festzustellen und zu diesem Zweck 
die Schaltung vorzunehmen. Mit dem Kalender mussten aber zugleich aus 
religiösen Rücksichten die Tage festgestellt werden, an denen es gestattet 
war. Recht zu sprechen (fari) und mit dem Volk zu verhandeln (dies fasti 
im ursprünglichen Sinn), und die Tage, an denen beides nicht gestattet 
war (dies nefasti). Da der dies fasti bedeutend mehr waren als der dies 
nefasti, erhielt der Kalender den Namen fasti. Den Kalender machten 
die Pontifices in Abschnitten bekannt ; Cn. Flavius veröffentlichte den ganzen 
Kalender für ein Jahr (c. 304). Seitdem musste der ganze Kalender jähr- 
lich bekannt gemacht werden. Jedoch ist uns über die Art der Bekannt- 
machung nichts überliefert. Damit eine Jahreszählung durchgeführt werden 
konnte, wurde dem Kalender wohl zugleich ein Verzeichnis der eponymen 
Magistrate beigegeben. Nur aus dieser Verbindung erklärt sich, dass auch 
diese Eponymenliste den Namen fasti erhalten konnte. Auch ist sehr wahr- 
scheinlich, dass dem Kalender von den Pontifices Vermerke über ihre Amts- 
handlungen beigeschrieben wurden. Da diese Amtshandlungen mit dem 
öffentlichen Leben in innigem Zusammenhang standen, erhielten die Ver- 
merke einen historischen Charakter. Diese drei Teile des Kalenders, die 
wir auf diese Weise bekommen, die Tages- oder Monatstafel, die 
Jahres- oder Magistratstafel, die Chronik mussten mit der Zeit 
durch die Fülle des Stoffes ihre Vereinigung lösen. Bei der Chronik scheint 
dies sehr bald eingetreten zu sein. Das Bestreben, die wichtigen Be- 
gebenheiten dem Gedächtnis der Mitlebenden einzuprägen und den späteren 
Generationen zu übermitteln, führte zu folgender Einrichtung: Der Pontifex 
maximus liess in seinem Amtslokal eine weisse Tafel aufstellen, auf der 
oben die Konsuln und die anderen Magistrate verzeichnet waren. Trat 
nun ein wichtiges Ereignis ein, so wurde es mit dem Tagesdatum auf 
die Tafel geschrieben. Die auf der Tafel stehenden Notizen waren kurz 
und dürftig (Gellius 5, 18, 8); es waren nicht bloss politische Ereignisse 
notiert, sondern auch Teuerung, Sonnen- und Mondfinsternisse; der Pro- 
digien war seit 249 v. Chr. ausführlich Erwähnung getan. Selbstverständ- 
lich ist, dass diese Chronik, als von den Pontifices ausgehend, offi- 
ziellen Charakter trug und im Geist des Kollegiums gehalten war. Diese 
Tafeln wurden im Amtslokal der Pontifices aufbewahrt, sie konnten also 
dort eingesehen und abgeschrieben werden. Auf diese Weise mussten 
sich Chroniken in Buchform bilden, welche natürlich durch Weglassungen 
oder auch durch Zusätze verschiedene Fassung erhielten. Diese Annalen, 
welche sich Privatpersonen auf die angedeutete Weise anlegten, traten 
aber in den Hintergrund, als mit dem Abkommen der amtlichen An- 
nalentafel eine Redaktion der Annalen in Buchform und zwar in 80 
Büchern eintrat. Da diese Annalen jetzt die vollständigsten und wegen 
des offiziellen Charakters zugleich die wichtigsten waren, erhielten sie den 
Namen annales maximi und traten dadurch in Gegensatz zu jenen weniger 



Die amtliohe Chronik. (§ 14.) 35 

umfangreichen Privatannalen. Das Abkommen der öffentlichen Annalen 
wird mit dem Pontificat des P. Mucius Scaevola (um 123) in Verbindung 
gebracht. Wahrscheinlich ist aber auch die litterarische Bearbeitung der 
Annalen auf diesen P. Mucius Scaevola zurückzuführen. Die Tafeln waren 
beim gallischen Brand zu Orunde gegangen, es waren also die vor diesem 
Ereignis vorausliegenden rekonstruiert worden; doch konnte naturgemäss 
diese Rekonstruktion nicht weit zurückgehen. So mochte denn die Buch- 
ausgabe der Annalen etwa 280 Jahre umfasst haben. Die Fülle des Stoffes, 
den die Tafeln dieser Jahre darboten, muss, wie die 80 Bücher andeuten, 
gross gewesen sein. Allein das Werk kam zu spät. Das Publikum griff 
lieber zu den Historikern, welche die Chronik und die ausführlicheren Auf- 
zeichnungen der Pontifices verarbeitet hatten; daher findet sich eine direkte 
Benutzung dieser Buchchronik nur in geringen Spuren bei den Autoren. 
Für uns leben die Pontifikaltafeln in der Magistratsliste und im Triumph- 
verzeichnis fort, welche von ihrem jetzigen Aufbewahrungsort den Namen 
„fasti capitolini' führen; denn diese haben ihre Hauptquelle in der amt- 
lichen Chronik. 

Der römische Kalender. Varro de lingaa lat 6, 29 dies fasH, per quos prae- 
torilma amnia verba sine piaculo licet fari, eomitiaUa dicti, quod tum tä esset (0. Müller: 
eoiret) populus constitutum est ad suffragium ferundum, nisi si quae feriae conceptae essent, 
propter quas non liceret, ut Compitalia et Latinae. contrarii harum vocantur dies nefcuti, 
per quos dies nefas fari praetorem *do dico addic&. itaque non potest €tgi, Ana der SteUe 
ersient man, dass anch die dies comitiales, die im Kalender mit C bezeichnet wnrden, dies 
faati, d. h. F-Tage des Kalenders, waren. Es konnte also aach an den dies comitiales, ob- 
wohl ihnen im Kalender kein F beigeschrieben war, Recht gesprochen werden, wenn keine 
Yolksversammlung statthatte (vgl. Macrob. Sat. 1, 16, 14 comitiales sunt, quibus cum populo 
agi licet; et fastis quidem lege agi potest, cum populo non potest, comitialibus utrumque 
potest; J. N. Madvig, Die Verfassung und Verwaltung des rOm. Staates 2 (Leipz. 1882) p. 713 
Anm. **); und ursprUnglich waren wohl beide Handlungen: lege agere und cum populo agere 
an den dies fasti gestattet; vgl. L. Lange, Rom. Altertümer 1* (Berl. 1868) p. 810. Liv. 1, 19, 7 
idem (Numa) nefastos dies fastosque fecit, üeber die Reform des Kalenders durch Caesar 
ygl. Sueton. Jul. 40: fastos eorrexit, iam pridem vitio pontificum per intercalandi licentiam 
adeo turbatos, ut neque messium feriae aestate neque vindemiarum autumno eonpeterent 
August. 81 annum a divo Julio ordinatum, sed postea neglegentia conturbatum atque eon- 
fusum, rursus ad pristinam rationem redegit; in cuius ordinatione Sextilem mensem e suo 
cognomine nuncupavit. Zur Einrichtung des Kalenders Tgl. noch Cic. Phil. 2, 84, 87 : adscribi 
iussit (Antonius) in fastis ad Luperealia: C, Caesari, dictatori perpetuo, M. Äntonium con- 
sulem populi iussu regnum detulisse, Caesarem uti noluisse, Tacit. bist. 4, 40 tum sorte 
ducti .... qui .... fastos adulatione temporum foedatos exonerarent. — Th. Mommsen, 
Rom. Chronologie, Berl.' 1859; J. Marquardt, Rom. Staatsverwaltung 8' (Leipz. 1885) 
p. 567 (römische Festkalender); 0. Seeck, Die Kalendertafel der Pontifices, Berl. 1885; 
G. Wissowa, Rom. Bauemkalender (Apophoreton, Berl. 1908, p. 29). 

Die Steinkalender, a) Macrob. Sat 1, 12, 16 Fulvius Nobilior in fastis quos in 
aede Herculis Musarum posuit (vgl. unten § 76). Sueton. de gramm. 17 statuam habet 
{Verrius Flaccus) Praeneste in inferiore fori parte circa hetniegclium, in qiu) fastos a se 
ordinatos et marmoreo parieti incisos publicarat (vgl. § 840). Petron. sat 30 duae tabulae 
in utroque poste (triclinii) defixäe .... altera lunae cursum stellarumque Septem imagines 
pictas; et qui dies boni quique incommodi essent, distinguente bulla notabantur. Wir be- 
sitzen aus der Zeit vom Ende der Republik bis zur Zeit des Kaisers Claudius die Ueberreste 
von etwa 20 Steinkalendem, die sämtlich auf ein Urezemplar zurflckgehen. Sie sind von 
Th. Mommsen (CIL 1* p. 205; vgl. auch CIL 6 p. 625) publiziert; es sind: I. Fasti Esquilini 
(p. 210), n. Caeretani (p. 212), III. Arvalium (p. 214), IV. Tusculani (p. 216), V. Allifani 
(p. 217), VI. Pindani (p. 219), VU. Sabini (p. 220), VIII. Venusini (p. 220), IX. Maffeiani 
(p. 222), X. Feriale Cnmanum (p. 229; vgl. CIL 10, 8375; Mommsen, Das augustische 
Festveneichnis von Cumae, Hermes 17 (1882) p. 631), XI. Praenestini ^. 230), XII. Val- 
lenses (p. 240), XIII. Paulini (p. 242), XIV. Vaticani (p. 242), XV. Amitenmü (p. 243), 
XVI. Pighiani (p. 246), XVII. Antiates (p. 247), XVIII. Famesiani (n. 250), XIX. Fragmenta 
minora (p. 250), XX. Guidizzolenses (p. 258). Ein neues Fragm. aus Rom in: BuUettino della 

8* 



36 ^ I>ie amtliche Chronik. (§ U.) 

commissione archeol. comimale di Roma 22 (1894) p. 241; 28 (1895) p. 126. üeber die Ad- 
Ordnung der Kalender vgl. G. Wieso wa, Religion und Kultos der Römer, Manchen 1902, p. 2. 
Auf einen bemerkenswerten Umstand macht Mommsen (CIL P p.283) aufmerksam: «SciUcet 
in tabttlis omnibns fastorum, qoas habemus incisas et recte descriptas, maioribus elementis 
exaratas cemimus litteras nnndinales et dierum nomina notasque, cum reliqua omnia tarn 
dierum non nominatorum numeri quam ludi sacra alia adscribantur minoribns; ut vel specie 
externa appareat illa yetustiora esse et qnodammodo contextus locnm obtinere, haec scho- 
liorum instar postea demnm adiecta esse. Nimirum illa maioribus litteris perscripta pars 
tabula est dierum fastorum nefastorumque regis Numae, quam ex penetndibus pontificum 
prolatam XJI tabulis inseruit Ap. Claudius, publice rursus edidit a. n. c. 450 Cn. Flavius; 
neque aetate liberae rei publicae quicqnam in ea consulto mutatum est non magis quam in 
reliquis decemvirnm tabulis alüsve legibus vetustis.* ß) Die Fasti der feriae latinae 
sind in Fragmenten in dem Tempel des Juppiter Latiaris auf dem Mens Albanus zum Vor- 
schein gekommen; sie reichen von 451 v. Chr. bis 109 n. Chr., ediert CIL 6, 2011—2022, 
3874 = 14, 2236—2248; vgl. G. de Rossi, Ephem. epigr. 2 p. 93; Th. Mommsen, Rom. 
Forschungen 2 (Berl. 1879) p. 97; Chr. Werner, De feriis latinis, Diss. Leipz. 1888, p. 57. 
y) Es sind uns auch zwei BauemkiJender erhalten: Das menologium Colotianum und das 
menologium Vallense, ediert CIL 6, 2305, 2306 (vgl. 32503, 32504), V p. 280. Schriftprobe 
bei E. Hübner, Exempla etc., Berl. 1885, Nr. 979. Die beiden Menologien gehen auf ein und 
dasselbe Exemplar zurück. Vgl. jetzt über dieselben auch G. Wisse wa, Apophoreton p. 29. 

Die Buchkalender. Ueber den Kalender des Chronographen vom Jahre 354 vgL 
§ 796. üeber den Kalender des Polemius Silvius werden wir im letzten Bande handeln. 
Beide Kalender sind am besten herausgegeben von Th. Mommsen, CIL 1' p. 256. 

Fasti als Buchtitel. Festus p. 87 0. M. Fastorum libri appellantur, in quibua 
totius anni fU deacriptio. Fasti enim dies festi sunt. Macrob. Sat. 1, 11, 50 spricht von 
Leuten qui rationem anni mensium dierumque et ardinaiionem a C. Caesare digestam plenius 
retulerunt. Die Fastenlitteratnr ist bei den Römern reichlich vertreten; am bekanntesten 
sind die Fasti Ovids. 

Zeugnisse über die amtliche Chronik. Schol. Dan. zu Verg. Aen. 1, 373 ita 
autem annales conficiebantur: tabulam deeUbatam quotannia pontifex maximus habuit, in qua 
praescriptis eanstäum nominibus et aliorum magistratuum digna memoratu notare consue- 
verat domi militiaeque terra marique gesta per singulos dies, euius diligentiae annuos 
cammentarios in octoginta libros veteres retulerunt, eosque a pontificibus maximis a quibus 
fiebant annales maximos appellarunt, (üeber diese unrichtige Etymologie vgl. Hübner 1. c. 
p. 419.) Festus-Paulus p. 126 0. M. maximi annales appeüabantur non magnitudine, sed 
quod eos pontifex maximus confecisset; vgl. auch Macrob. Sat. 3, 2, 17. Cic. de or. 2, 12, 52 
erat historia nihil aliud nisi annalium confectio; cuius rei memoriaeque publicae retinendae 
causa ab initio rerum Romanarum usque ad F. Mudum pontificem maximum res omnes 
singulorum annorum mandabat litteris pontifex maximus referebatque in album et pro- 
ponebat tabulam domi, potestas ut esset populo cognoscendi; itaque etiam nunc annales 
maximi nominantur. hanc similitudinem scribendi muUi secuti sunt, qui sine uUis oma- 
mentis monumenta solum temporum, hominum, locorum gestarumque rerum reliquerunt. 
Dieses Zeugnis Ciceros ist weniger genau als das des Servius; vgl. über die Verschieden- 
heit der beiden Berichte H. Peter, Hist. Rom. reliqn. 1 p. X. Dionys. antiqu. 1, 73 naXaiog 
fiiy ovy ovjs avyygaipsvg ovts XoyoyQatpog iaxl 'PtafJLaiiav ov&k bU ' i* naXauHy (Aiyxoi Xoytav 
iv IsQats diXxoiq atitCofiäyioy ixaüjog n nagaXaßtoy ayiygaipey. 1, 74 int tov naga xor^ 
ttQxiSQ^vai xsifjkiyov nivaxog. Gellins 2, 28, 6 verba Catonis ex originum quarto haec sunt: 
non lubet scribere, quod in tabula apud pontificem maximum est, quotiens annona cara, 
quotiens lunae aut solis lumine ealigo aut quid obstiterit. Cic. de leg. 1, 2, 6 post annalis 
pontificum maximorum, quü>us nihil potest esse ieiunius {so UrBinua statt des überlieferten 
iucundius). De rep. 1, 16, 25 qui (Ennius) ut scribit, anno trecentesimo quinquagesimo fere 
post Romam conditam: Nonis Junis soli luna obstitit et nox. atque hac in re tanta inest 
ratio atque soüertia, ut ex hoc die, quem apud Ennium et in maximis annalibus con- 
signatum videmus, superiores solis defectiones reputatae sint. 

Die Pontifikaltafeln und die annales maximi. a) Tabulae pontificis 
maximi. üeber den Namen vgl. Cato bei Gellius 2, 28, 6; Polybius bei Dionys. antiqu. 
1,74. üeber die Entstehung der Pontifikaltafel haben in neuerer Zeit gehandelt Seeck, 
Cichorius und Soltau. Bei dieser Frage sind zwei Dinge auseinanderzuhalten: 1. wie 
der Pontifex maximus dazu kam, sich historische Notizen zu machen, 2. warum er diese 
Notizen öffentlich ausstellte. Beide Dinge waren nicht von Anfang an miteinander ver- 
bunden; die öffentliche Ausstellung erfolgte erst später. In ersterer Beziehung hat man 
richtig erkannt, dass die Pontifices durch ihre Tätigkeit mit den meisten öffentlichen Be- 
gebenheiten in Berührung kamen. Es lag gewiss nahe, dass im Kollegium der Pontifices 
Vermerke über diese Akte gemacht wurden. Sie werden die Daten ihrem Kalender bei- 



Die amtliohe Chronik. (§ 14.) 37 

geschrieben haben (ygl. Cichorias 8p. 2249). Mit der Zeit erwachte das Bestreben, die 
Notizen, die bisher die Pontifices fOr sicn gemacht hatten, auch dem Pablikom mitzateilen and 
sie dadorch dem (xedächtnis der Mitlebenden einzuprägen. Damit wird sich der Kreis dieser 
Nachrichten erweitert haben. Allein zu einer vollen Chronik haben sich diese Notizen 
nicht fortentwickelt, es waren immer vereinzelte Aufzeichnungen, welche den Charakter 
der aufzeichnenden Persönlichkeiten und das lokale Kolorit niemals ganz erlöschen Hessen. 
Unzulfissig ist die Annahme, dass die Tafel den Zweck hatte, Publikationsorgan, sei es 
der Regierung, sei es des PontifikalkoUegiums, zu sein. So glaubt z. B. Seit au, wenn 
er (p. 264) in der Tafel ein Mittel sieht, «den Verkehr zwischen der geistlichen Oberbehörde 
und dem Publikum zu unterhalten*. Eine solche Annahme erklftrt nicht die Aufbewahrung 
der Tafel, auch flbertrftgt sie Einrichtungen, die kompliziertere Verhältnisse voraussetzen, 
auf Zeiten, für die jene durchaus unpassend sind. Auch die Form der Tafel ist kontrovers. 
Seeck, dem Cichorius beistimmt, hat den Satz aufgestellt, dass die Tafel ein Kalender 
war, dem die zu fixierenden Ereignisse an den betreffenden Tagen beigeschrieben wurden. 
Allein unsere Berichte schweigen von einer solchen Einrichtung. Dieses Schweigen wäre 
aber bei Servius, der die Tafel genau beschreibt, geradezu unfassbar. Wir halten also 
daran fest, dass die Tafel unbeschrieben war, und erklären das per singulos dies bei Ser- 
vius dahin, dass die verzeichneten Ereignisse nach Tagen datiert waren. Der Einwand, 
dass bei langandauemden Ereignissen, wie Hungersnot u. dgl., dies nicht möglich war, fftUt, 
wenn man annimmt, dass ein einzelnes Ereignis, das mit solchen Kalamitäten in Verbindung 
stand, wie z. B. ein SOhnopfer, notiert wurde, ß) Annales maximi. Auch hier liegt ein 
Problem vor, das seinen Ausgangspunkt von der grossen Zahl der Bttcher (80) genommen 
hat. Um hierüber ein Urteil zu gewinnen, muss zunächst untersucht werden, wie weit die 
tabulae zurQckverfolgt werden können. Es liegen hierüber mehrere Ansichten vor. Nie- 
buhr ging von Cic. de rep. 1, 16, 25 aus, wo von einer in den annales maximi erwähnten 
Sonnenfinsternis des Jahres 350 der Stadt (= 404 v. Chr.) die Rede ist und beigefügt wird, 
dass die frttheren Sonnenfinsternisse nach dieser berechnet wurden. Wenn aber die frflheren 
Sonnenfinsternisse berechnet werden mussten, so waren sie, muss man schliessen, in den 
Tafeln nicht verzeichnet und konnten also nicht aus denselben in die annales maximi 
herObergenommen werden. Dies fahrt aber zu der naheliegenden Annahme, dass die Tafeln 
nicht über 404 hinaufgingen, und dies ist auch sehr gut erklärlich, wenn die Tafeln im 
gallischen Brand zu Grunde gingen, da doch nur wenig vorausliegende aus dem Gedächtnis 
hergestellt werden konnten. fVeilich setzen moderne Forscher für die erwähnte Sonnen- 
finsternis andere Jahre an (vgl. über die Frage F. K. Ginzel, Spezieller Kanon der Sonnen- 
und Mondfinstemisse für das Ländergebiet der klass. Altertumswissensch. und den Zeitraum 
von 900 V. Chr. bis 600 n. Chr., Berl. 1899, p. 180, p. 200 Anm.); so hat z. B. H. Matzat (vgl. 
zuletzt: Eine neue Gleichung für die Sonnenfinsternis des Ennius, Feetschr. von Weilburg 
1890 p. 1) die Sonnenfinsternis 21. Juni 400 v. Chr., L. Holzapfel (Berl. philol. Wochenschr. 
1884 Sp. 1027, Sp. 1065; 1890 Sp. 377) 18. Januar 402 v. Chr., G. F. Unger, Die röm. 
Stadtaera (aus den Abb. der Münchner Akad. der Wissensch. 15. Bd. 1. Abt. (1879) p. 17), 
2. Juni 390 v. Chr., W. Soltau (Röm. ChronoL, Freib. i. B. 1889, p. 186) 6. Mai 203 v. Chr. 
angesetzt. Einen anderen Endtermin gewinnt Cantarelli(p. 217). Er bringt die Aufstellung 
der tabulae in einen Kausalzusammenhang mit der Bekanntgabe der Fasti durch Cn. Flavius 
und der öffentlichen Erteilung von responsa durch den ersten plebeischen Pontifex maximus 
Ti. Coruncanius und lässt die Tafeln um 304 v. Chr. beginnen. Wieder einen anderen Aus- 
gangspunkt gewinnt R. Maschke (Philol. 54 (1895) p. 158) aus Liv. 10, 18 und zwar das 
Jahr 296 v. Chr. Auch aus der Beobachtung, die J. Bernaus (Rhein. Mus. 12 (1857) p. 436 
= Ges. Abb. 2 (Berl. 1885) p. 307) aus dem Wunderbfichlem des Obsequens zog, dass die 
Pontifices erst mit dem Jahre 249 v. Chr. anfingen, Prodigien zu verzeichnen, folgerte 
K. W. Nitzsch (Röm. Annalistik, Berl. 1873, p. 237), dass die amtliche Chronik mit diesem 
Jahr überhaupt begann (vgl. dagegen 0. Seeck, Die Kalendertafel der Pontifices, Berl. 
1885, p. 68). Wir erhalten somit das Intervallum von 404—249. Nehmen wir aber das 
am weitesten zurückliegende Jahr 404 an, so hätten die annales maximi, die in Buchform 
80 Bücher umfassten, 280 Jahre behandelt, so dass auf jedes Buch nur 3—4 Jahre ge- 
kommen wären. Dies stimmt nun schlecht zu der Ueberlieferung von den trockenen No- 
tizen in der amtlichen Chronik. Zur Lösung dieser Schwierigkeit hat man drei Wege ein- 
geschlagen: 1. Cichorius (Sp. 2254) statuiert, dass nicht bloss die historischen Notizen, 
sondern der ganze Kalender, dem sie beigeschrieben waren, in der Buchausgabe der Annalen 
publiziert wurden. Allein diese Annahme setzt eine Einrichtung der Tafel voraus, die wir 
oben zurückgewiesen haben. Auch wäre die Publikation der Kalender völlig zwecklos ge- 
wesen. 2. Sehr verbreitet ist die Annahme, dass der Redaktor der Annalen dieselben zu 
einem Geschichtswerk erweiterte (z. B. Soltau p. 67). Man stützt sich hierbei auf Gellius 
4, 5, wo eine längere Erzählung vorgetragen ist, die in dem 11. Buche der annales maximi 
gestanden haben soll. Allein diese Erzählung hat Gellius nicht aus den annales maximi, 
sondern aus einem Anekdotenbuch des Verrius Flaccus entnommen. Dass die annales 



38 IHe amtliohe Chronik. (§ 14.) 

maximi in Buchform keine GeschichtserzÜhlong darstellten, geht ans dem Urteil Ciceros, 
der in ihnen ausserordentliche Nüchternheit findet, klar hervor. 3. Eine nenerdings vor- 
gebrachte Ansicht fusst auf dem Gredanken, dass die annales mazimi nicht aus den ta- 
bulae, sondern aus den AmtsbAchem des Pontifikalkollegs zusammengestellt waren und 
dass auf den Tafeln nur einzelne Notizen aus den AmtsbQchem mitgeteilt wurden. In 
dieser Fassung ist die Hypothese von Gantarelli (p. 227; vgl. auch p. 228, p. 211) auf- 
gestellt worden. Dieselbe Grundanschauung vertrat £. Bormann in einem Vortrage, den 
er in der Bremer Philologenversammlung 1899 hielt (vgl. Verh. der 45. Philol.-Vers. 1899 
n. 105), indem er die Pontifikaltafel von den annales trennt, die Tafel fOr eine unserem 
kirchlichen Anzeiger fthnliche Publikation der Priester hält, die vor der Regia auf dem 
Forum erfolgte und sich nur auf die Geschftfte der Priester bezieht, während die annales 
maximi ein Aufiizng aus den acta des Priesterkollegiums seien. Nur in einem Punkt geht 
Bormann in die Irre, sofern er den Inhalt der tabulae im Widerstreit mit den Worten des 
Servius zu eng fasst. Die Gantarelli sehe Hypothese erklärt drei Erscheinungen der an- 
nales maximi: tt) die grosse Buchzahl; denn in dem Pontifikalarchiv waren bedeutend mehr 
Tatsachen verzeichnet als in den tabulae; ß) die von Cicero gerügte trockene DarsteUung; 
denn wie in den tabulae, so waren auch in den annales maximi nur amtliche Notizen zu- 
sammengestellt; y) die geringe Berücksichtigung von Seiten der Schriftsteller; denn nur 
von drei Autoren Cicero (1. c), Verrius Flaccus (Gellius 4, 5) und wohl auch Atticus kann 
eine selbständige Kenntnis der annales maximi nachgewiesen werden; vgl. Seeck, Die 
Ealendertafel der Pontifices, Berl. 1885, p. 88. Nachdem die Geschichtschreibung der Römer 
sich zu einer Kunst entwickelt hatte, konnte das dürre Chronikenwerk keinen Anklang 
mehr finden; auch ist mit der Möglichkeit zu rechnen, dass das im Archiv der Pontifices 
ruhende reichere Material bereits auf privatem Wege durchforscht und verarbeitet war, als 
die Buchausgabe der annales erschien. 

Litteratur über die annales maximi. A. Schwegler, Rom. Gesch. 1 (Tübingen 
1853) p. 7; J. G. Hulleman, Disputatio critica de annalibus maximis, Progr. Amsterdam 
1855; E. Hübner, Die annales maximi der Römer (Fleckeis. Jahrb. 79 (1859) p. 401); 
H. Nissen, Krit. Untersuchungen über die Quellen des Livius, Berl. 1863, p. 86; H. Peter, 
Hist. Rom. reliqu. 1 (Leipz. 1870) p. III; K. W. Nitzsch, Die röm. Annafistik, Berl. 1873, 
p. 237; C. de la Berge, Dictionnaire des antiquit^s par Daremberg et Saglio s. v. an- 
nales; 0. Seeck, Die Kalendertafel der Pontifices, Berl. 1885; über den nach Gellius 4, 5 
dem 11. Buch der annales maximi entnommenen Vers: malum consüium cansuUori Pessi- 
mum est vgl. F. Buecheler, Rhein. Mus. 46 (1881) p. 2 (vgl. auch Cantarelli p. 226); 
C. Cichorius, Pauly-Wissowas Realencycl. Bd. 1 (1894) Sp. 2248; R. Maschke, Das 
älteste Fragment der röm. Stadtchronik, Philol. 54 (1895) p. 150 (handelt über Plin. n. h. 
33, 6, 17); C. Wachsmuth, Einl. in dasStud. der alten Gesch., Leipz. 1895, p.618; W. Soltau, 
Die Entstehung der annales maximi (Philol. 55 (1896) p. 257); G. Amatucci, Gli annales 
maximi (Rivista dl filol. 24 (1896) p. 208); L. Cantarelli, Origine degli annales maximi 
(ebenda 26 (1898) p. 209); E. Pais, Storia di Roma vol. 1 pars 1 (Turin 1898) p. 28; vgl. 
Cantarelli p. 228; E. Lambert, La question de Tauthenticii^ des XÜ tables et les annales 
maximi (Nouvelle Revue historique du droit fran^ais et ötranger 26 (1902) p. 178, p. 184). 

Fasti als Magistratsverzeichnisse. Cic. in Pis. 13, 30 hos eonsules non dicam 
animi hominum, sed fasti ulli ferre possunt ? Cic. ad Attic. 4, 8 ^, 2 «f ui est^ quod nescio 
an Sit, ut non minus longas tarn in codicillarum fastis futurorum consülum paginulas 
haheant quam factorum, quid etc. 

Fasti capitolini nennt man die Bruchstücke einer Magistratstafel und einer Triumph- 
tafel, welche in eine Wand des Eonservatorenpalastes auf dem Kapitel eingemauert sind. 

a) Magistratstafel, nach ihrem Hauptinhalt fasti consulares benannt, ist ein 
Verzeichnis der Konsuln, Konsulartribunen, Decemvim, der Ersatzkonsuln, der Censoren, 
der Diktatoren und der magistri eqnitum. Hinzugefügt sind hie und da die Anfangsjahre 
der wichtigen Kriege, dann auch Notizen staatsrechtlicher Natur, wie z. B. die Zulassung 
der Plebeier zum Konsulat. Dieses Verzeichnis war ursprünglich auf den Aussenwänden 
des Amtslokals des Oberpontifex, der Regia, eingegraben; vgl. die Abbildung bei Ch. Hülsen, 
Das Forum Romanum, Rom 190'], p. 155. Die Eintragung der Magistratstafel erfolgte nach 
dem Neubau der Regia, den um 36 v. Chr. Domitius Calvinus durchführte, und zwar wegen 
des getilgten Antoniemamens vor 30 v. Chr. Dies hat B. Borghesi (Oeuvres 9. Bd. 1. Abt. 
(Paris 1879) p. 6) nachgewiesen. Der Versuch 0. Hirschfelds (Hermes 9 (1875) p. 93; 11 
(1877) p. 154), diese Datierung umzustossen, ist misslungen; vgl. Th. Mommsen, Rom. 
Forsch. 2 (Berl. 1879) p. 58; Ch. Hülsen, Die Abfassungszeit der kapitolinischen Fasten 
(Hermes 24 (1889) p. 185); CIL 1* p. 10. Die Eintragung der Liste erfolgte in der Weise, dass 
vier Wandfiächen mit je zwei Spalten in Anspruch genommen wurden ; allein die vierte Tafel 
war ursprünglich nicht vollgeschrieben. Ueber die architektonische Anordnung vgl. D. Det- 
lefsen, CIL 1^ p. 417; F. M. Nichols, Some remarks upon the Regia, the Atrium Vestae 



Die amtliohe Chronik. (§ 14.) 39 

and the originAl locality of the faati Capitolini (Archaeologia 50 (London 1887) p. 227); Ch. 
Hfllsen, Jahrb. dea arch/Inat 4 (1888) p. 239 nnd Hermes 24 (1889) p. 185; Beiiarftge zur 
alten Gesch. 2 (1902) p. 253; CIL 1> p. 3; G. Schön, Wien. Btad. 24 (1902) p. 832. Die Tafel 
fand eine Fortsetzung nnd eine Erweiternng. Die Fortsetzung erstreckte sich bis 
zum Jahre 13 n. Chr., es wurde hierzu verwendet der noch freie Raum der vierten Tafel 
und «der Rand zwischen dem sie einrahmenden Pfeiler und dem benachbarten Triumphal- 
parastaten". Die Erweiterung bezog sich auf den Nachtrag der ludi saeculares, wozu 
die anderen entsprechenden ZwischenflAchen verwendet wurden. Diese Zusätze werden bald 
nach der S&kularfeier des Augustns erfolgt sein. Zuletzt wurde noch das Säkularfest unter 
Domitian (des Jahres 88 n. Chr.) nachgetragen. — Die Frage über den Wert der Magistrats- 
tafel hängt von der Frage Über die Quelle derselben ab. Zunächst ergibt sich, daas die 
Tafel eine gelehrte Arbeit ist Diese gelehrte Arbeit weist zwei Seiten auf: eine er- 
weiternde und eine ausgleichende. Die erweiternde Tätigkeit zeigt sich besonders 
in der ZufEkgung der Cognomina und genealogischer Notizen. Die ausgleichende Tätig- 
keit bewegt sich auf dem Gebiete der Chronologie, indem die vier sogenannten Diktatoren- 
iahre hinzugefügt wurden. Diese gelehrte Arbeit wurde aber nicht erst zum Zweck der 
Eingrabung der Liste in die Regia gemacht» sondern lag bereits in Buchform vor. Wir 
schliessen dies daraus, dass uns noch andere Magistratslisten erhalten sind, welche ihren 
Ursprung nicht in unserer Inschriftentafel haben können, sondern vielmehr auf eine ge- 
meinsame Vorlage zurückweisen. Der Forschung ist sonach das Ziel gesteckt, diese 
gemeinsame. Vorlage soweit als möglich zu rekonstruieren. Hiezu werden benutzt ausser 
unserer Magistratstafel der Chronograph vom Jahre 354 (vgl. jetzt auch Schön, Die 
Differenzen etc. p. 59) und die in näherer Beziehung zueinander stehenden fasti Idaciani 
(Hvdatiani) und das Chronicon Paschale. — Wer das Buch, dem unsere Magstrats- 
tatel entnommen ist, verfasst hat, lässt sich nicht mehr eruieren. 0. Hirsch feld ^ermes 
9 (1875) p. 102) hat an den Grammatiker Verrius Flaccus gedacht; Cichorius (De fastis 

S. 258) nmimt den Freund Ciceros, Atticns, an. Trotz der interpoUerenden Tätigkeit bleibt 
och die Arbeit eine sehr wertvolle, weil sie in letzter Lime auf die annales maximi 
zurückgeht; und mit Recht sagt Th. Mommsen (Rom. Forsch. 1 (Berl. 1864) p. 295): 
«Wenn in unserer gesamten Ueberlieferung etwas gut und zuverlässig ist, so ist dies die 
MagistratstafeL* Fftr die Glaubwürdigkeit der Fasti tritt auch Enmann ein, doch gibt er 
zu, dass Cn. Flavius, dem er die Abfassung oder Redaktion der Fasten vom Beginn der 
Republik bis in sein Aedilenjahr (304) und die Abfassung der Königsgeschichte zuschreibt, 
die Tafel interpoUert hat. Neuerdings haben sich wieder Stimmen gegen die Zuverlässigkeit 
der Magistratstafel erhoben; so sagt E. Lambert, La question de rauthenticit^ des Xu tables 
et les annales mazimi (Nouvelle Revue historique de droit fran^ais etc. 26 (1902) p. 180): 
«J'estime que le credit donn^ aux Fastes, pai' Y6co\e de Niebuhr et de Mommsen, est 
immöritä*; vgl. auch Schön, Die Differenzen etc. p. 11, p. 74, der (p. 49) auf Valerius Aiitias 
als eine Quelle hinweist. Der radikale Kritiker Pais will in einer besonderen Schrift gegen 
die Fasti Stellung nehmen. Allein auf alten Ursprung der Fasti weisen zwei Tatsachen an : 
1. dass längst ausgestorbene Geschlechter hier noch erscheinen (Cichorius p. 177); 2. dass 
Eigennamen noch mit intervokalischem S statt mit R bis zu einem gewissen Zeitpunkt zu 
lesen waren; vgl. P. F. Girard, NouveUe Revue bist etc. 1902 p. 403. 

Ausg. vonW. Henzen, CIL 1 p.415; massgebend ist jetzt die Ausg. von W.Henzen 
und Ch. Hülsen, CIL 1' p. 1. üeber ein neu aufgefundenes Fragment vgl. Ch. Hülsen, 
Beitr. zur alten Gesch. 2 (1902) p. 248, der sagt: «Auf der schmalen am oberen Rande stehen 
gebliebenen Leiste sind in zwei Kolumnen von je sechs Zeilen die Eponymen (links) von 
380 V. Chr. und (rechts) 331-330 v. Chr. erhalten." Ein neuester Fund, über den Hülsen 
(Mitteilungen des kaiserl. deutschen archaeol. Instituts, Rom. Abt. 19 (1904) p. 117) be- 
richtet, hat drei neue fVagmente der fasti capitolini geliefert Das erste Fragment bezieht 
sich auf die Triumphe des Tarquinius Priscus und schliesst sich genau an die rechte obere 
Ecke des frg. H (CIL 1' p. 48) an. Das zweite Fragment gibt £e Magistraturen von 320 
nnd 319 V. Chr. Ueber die für die Kritik der Magistratfilisten wichtigen Angaben des 
Jahres 319 vgl. Hülsen p. 120 und Schön p. 56. Es kommt hinzu ein nicht bestimm- 
bares kleines Fkagment. 

Litteratur. Th. Mommsen, Rom. Forsch. 1 p. 48; CIL 1' p. 97; C. Cichorius, 
De fastis consularibus antiquissimis (Leipz. Stud. 9 (1886) p. 247); Chambalu, Philol. 51 
(1892) p. 723; G. F. ünger. Die Glaubwürdigkeit der kapit. Konsulntafeln (Fleckeis. Jahrb. 
143 (1891) p. 289, p. 465, p. 625); C. Wachsmuth, Einl. in das Stud. der alten Gesch., 
Leipz. 1895, p. 632; A. Enmann, Die älteste Redaktion der rOm. Konsularfasten (Zeitschr. 
für alte Gesch. 1. Bd., 2. Heft (Bern 1900) p. 89); G. Schön, Der Anteil des Domitius Cal- 
vinuB an der Regia und an den kapitolinischen Fasten (Wien. Stud. 24 (1902) p. 325); Die 
Differenzen zwischen der kapitolinischen Magistrats- und Triumphliste, Wien u. Leipz. 1905. 
ß) Die Triumphalfasten waren eine liste der Triumphe von Romulus bis zum 
Jahre 19 v. Chr. Sie befanden sich ebenfalls in der Regia, wo sie vier Pfeiler einnahmen; 



40 l>i« Zn Tafeln. (§ 15.) 

doch isi der letacte Pfeiler nur bis sor Hilfte beadmeben. Sie aind rimnlich imd saeh- 
lieh als eine Krgiinnng der MagiBlratotafel anznaeheiL Nach der adiarfeiiiiiigen ErOrtemng 
O. Hirschfelda (Hermea 9 (1875) p. 98) fieas Aogostoa dieae Triomphliate im Jahre 12 
T. Chr., als er nr WOrde einea Ponttfex mazimiia gelangte, eingraben. (Y^. Th. Mommsen, 
Bflm. Forack 2 p. 79; C. Wachamnth, EinL in daa Sind, der alten Gesch., Leipc 1895, 
p. 635.) Auch dieses Verzeichnis hat seine Woneln in den aanales maximi; doch fand 
anch hier eine dordigreifende Ueberarbeitnng atatt, wie G. Schön, Daa kapit. Veneichnis 
der rOm. Triumphe in den Abb. dea arch.-epigr. Semin. in Wien 9 (1893) dargetan hat Der- 



selbe (Düferenxen etc. n. 18) ist der Ansicht, dass die Magiatrats- and Triomphliate ans 
einer einheitlichen BedsJctimi henrorg^angen aind nnd daas sie (p. 73) an Reicher Zeit yon 
demselben Redaktor zasanunengestellt wniden. — Pnbliziert worden die Triomphalfasten 
Yon W. Henzen, CIL 1 p. 458 ond W. Henzen und Ch. Hfllsen, CIL 1* p. 43. 
Die Sacerdotalfaaten der Stadt Rom aind gesammelt CIL 6, 1976 ffl 

15. Die Xn Tafeln. Als das grJVsste Werk, das in Prosa in dieser 
Zeit abgefasst wnrde, sind die Gesetze der auf dem Fomm aufgestellten 
XQ Erztafeln (Liv. 8, 57, 10) zu betrachten, von denen angeblich zehn im 
Jahre 451, zwei im Jahre 450 abgefasst wurden, üeber das Wesen dieser 
Gesetzgebung besteht keine Divergenz der Meinung; im grossen Ganzen 
haben wir in den XQ Tafeln das nationale Gewohnheitsrecht der Römer 
kodifiziert, und zwar ist Kriminal-, Civilrecht, Civilprozess noch nicht ge- 
schieden, ja auch einzelne staatsrechtliche Bestimmungen waren darin auf- 
genommen. Die politische Bedeutung dieser Gesetzgebung besteht darin, 
dass der Willkür im Rechtsprechen ein starker Damm entgegengestellt 
wird. Denn einmal gewinnt der Rechtssatz erst durch schriftliche Fixie- 
rung einen klaren und bestimmten Inhalt, alsdann kann die Recht- 
sprechung jederzeit der öffentlichen Eontrolle unterworfen werden. Neben 
der politischen Bedeutung haben die Tafeln noch eine sehr hoch anzu- 
schlagende litterarische. Sie enthalten den ersten Versuch, die latei- 
nische Sprache für die Schriftprosa gefügig zu machen, d. h. den ersten 
Versuch der Periodologie, durch die ja die geschriebene Rede von der 
gesprochenen sich besonders abhebt. Der harte Periodenbau der Frag- 
mente, der auf den Subjektswechsel gar keine Rücksicht nimmt, zeigt, 
wie schwierig dieser Versuch war. Aber noch in anderer Hinsicht tritt 
die litterarische Bedeutung der XII Tafeln hervor. Sie wurden das Lese- 
nnd Hemorierbuch der römischen Jugend; dadurch wirkten sie nicht bloss 
auf die Charakterbildung mächtig ein, sondern die Jugend lernte die Schrift- 
prosa zuerst aus den XII Tafeln. Wie bei uns Luthers Bibelübersetzung 
unsem Sprachschatz wesentlich beeinflusst, so muss auch die Sprache der 
xn Tafeln den römischen Stil durchtränkt haben. So finden sich denn 
in der Tat in den Autoren genug Stellen, die nur durch die Beziehung 
auf ein XII Tafelgesetz ihr volles Licht erhalten. Weiterhin werden die 
xn Tafeln das Objekt, an dem die römische Philologie ihre Kräfte ver- 
suchte, indem sie ausser Kurs gekommene Wörter erklärte. Doch die 
nachhaltigste Wirkung übten die Tafeln auf die Entwicklung des Rechts 
und der Rechtswissenschaft aus. Die Interpretation suchte das XD Tafel- 
gesetz zu erläutern und fortwährend in Einklang mit den Bedürfiiissen 
des Lebens zu erhalten. Darauf beruhte die stetige Weiterentwicklung 
des Rechts. 

Die historischen Yorgftnge der DecemviralgesetzgelMing. Die Berichte 
darflber sind unklar und wideisprachsvoU; ygl. eine kurze Darlegong bei Kipp p. 30 Anm. 1. 
Die litteratorgeschichte kann eine Kritik der Ueberliefemng nicht Tomehmen; Dir sie ist 



Die Xn Tafeln. (§ 15.) 41 

nur die Angabe von Wichtigkeit, dass eine Gesandtschaft nach Griechenland geschickt wurde, 
um Studien Qber die dortige Gesetzgebung zu machen; so sagt Livius 8, 31, 8: missi Ugati 
Athenaa Spuriua Postumius Albus, A, Manlitis, P. Sulpieius Camerinua iussique inclitw 
leges Solonis deseribere et aliarum Orcteeiae eivUatium inatituta, mores itM^aqtte noseere. 
d| 32, 6 iatn redierant legaii cum Atticis legibus. Dionys. antiqu. 10, 52 ngäaße^g dnedeix- 
^tjcay ol ror^ nagd tioy 'EkXfjv^y rofiovs Ai/V^'/uevo», £n6giog Hoarotuos xai £eQOviot £oX' 
nixiog xai AvXof MdXhog, Verworfen wird dieser Bericht von G. Steinhausen, De legum XII 
tabulamm patria, Diss. Greif sw. 1887 und F. Bosch, De XII tabularum lege a Graecis petita, 
Diss. Gottingen 1893; modifiziert, indem Beziehungen mit den italischen Griechen bei der 
Kodifikation angenommen werden, von M. Voigt, Lehrbegriffe der XII Tafeln Ip. 15; Lenel, 
Encycl. p. 97. Gewiss ist die Möglichkeit nicht zu leugnen, dass die Römer, wie mit an- 
deren Dingen, so auch mit Einrichtungen und Gesetzen Grossgriechenlands bekannt wurden. 
Allein die Abschickung einer Gesandtschaft nach Grossgriechenland oder gar nach dem 
eigentlichen Griechenland zu diesem Zweck ist wenig wahrscheinlich. Ebensowenig wahr- 
scheinlich ist der Einfluss griechischer Gesetze auf die XII Tafeln. Der Inhalt war ge- 
geben in dem Gewohnheitsrecht, die Form zeigt aber nirgends die Einwirkung einer hoch 
entwickelten litteratursprache. Wenn einzelne Ausdrücke, wie z. B. poena, ans dem Grie- 
chischen stammen (vgl. M. Bröal, Mots d'origine grecque dans la loi des XII tables,. Revue 
des ötudes grecques 12 (1899) p. 800), so können diese auch aus dem Verkehr der Römer 
mit den unteritalischen Griechen in die lateinische Sprache eingedrungen sein, üeber den 
angeblichen Anteil des ^ermodorus von Ephesus an der Zwölftafelgesetzgebung (Strabo 
14, 25; Dig. 1, 2, 2, 4; Plin. n. h. 34, 21) vgl. Bosch p. 58. Der Myl^us von der Gesandt- 
schaft nach Griechenland ist wohl dadurch entstanden, dass die römischen Gelehrten eine 
Aehnlichkeit der einen oder der anderen Bestimmung der XII Tafeln mit griechischen Ge- 
setzen erkannten ; vgl. Gic. de leg. 2, 23, 59. 

Die Echtheit der Zwölftafelgesetzgebung. In neuerer Zeit hat sich über 
Alter und Echtheit der XII Tafeln ein Streit entsponnen. Derselbe nahm seinen Ausgangs- 
punkt von den scharfsinnigen, aber sehr destruktiven Untersuchungen, die E. Pais in seinem 
Werke (Storia dl Roma vol. 1 pars 1 : Gritica della tradizione sino alla caduta del decem- 
virato, Turin 1898; pars 2: Gritica della tradizione dalla caduta del decemvirato all' inter- 
vento di Pirro, 1899) der alten Geschichte Roms gewidmet hat. Von der allgemeinen 
Beobachtung ausgehend, dass in der Annalistik nicht wenige Ereignisse verdoppelt werden, 
sucht er zu erweisen, dass auch beztlglich der Decemviralgesetzgebung dieser Fall vorliege 
und dass in Wahrheit Cn. Flavius, der Schreiber des Appius Claudius Caecus, um 300 v. Cht, 
das Zwölffcafelgesetzwerk auf Grund des Gewohnheitsrechtes verfasst habe; die Tatsache, 
dass hier wie dort ein Appius Claudius erscheine, weise auf die richtige Spur. Dieser 
Hypotiiese spendete zuerst Beifall E. Lambert, La tradition Romaine sur la succession des 
formes du testament devant Thistoire comparative, Paris 1901 ; dagegen opponierte derselben 
P. F. Girard, Histoire de Torganisation judiciaire des Romains. I: Les six premiers si^cles 
de Rome, Paris 1901, p. 50 Anm. 2. Nun trat wieder Lambert, La question de Tauthenti- 
cit4 des XII tables et les annales maximi (Nouvelle Revue historique de droit fran^s et 
ätranger 26 (1902) f>. 149) auf den Kampfplatz. Hier ersetzt er die Pais sehe Hypothese 
durch eine andere, indem er den ersten Bearbeiter der XII Tafeln Sex. Aelius Paetus zu- 
gleich als den Verfasser derselben ansieht (p. 175) und sonach das Gesetzgebungswerk um 
weitere 100 Jahre herabdrfickt; vgl. auch seine Abb.: Le probl^me de l'origine des douze 
tables; quelques contributions emprunt^es ä F histoire comparative et ä la Psychologie des 
peuples (Extiuit de la Revue gön^ral du droit, Paris 1902). Auch in dieser neuen Form 
erfnnr die Unechtheitshypothese eingehenden und begründeten Widerspruch von P. F. Girard, 
Histoire des XII tables (Nouvelle Revue historique de droit fran^s et ^tranger 26 (1902) 
p. 381). Er rechtfertigt die üeberlieferung der Decemviralgesetzgebung und sieht in der 
Sprache und in dem Rechtszustand, den die Fragmente der XII Tafeln wiederspiegeln, einen 
ausreichenden Beweis dafür, dass die XU Tafeln in der Zeit entstanden sind, welche die 
Tradition angibt. In übersichtlicher klarer Weise referiert H. Er man, Sind die XII Tafeln 
echt? (S^itschr. der Savignystiftung fEür Rechtsgesch. 23 (1902) Rom. Abt. p. 450) über den 
Streit, wie er sich bis 1902 abgespielt hatte und gibt sein Votum für die traditionelle An- 
sicht ab. Lambert verteidigte seine Hypothese nochmals in dem Werk: La fonction du 
droit civil comparö, tome 1 : Les conceptions Streites et unilaterales, Paris 1903, p. 407, 
p. 593, sowie in der Abhandlung: L'histoire traditionelle des XII tables et les critöres d'in- 
authenticit^ des traditions en usage dans l'^cole de Mommsen (Mölanges Gh. Appleton, 
Lyon 1903, p. 26); vgl. dazu L. Holzapfel, BerL philol. Wochenschr. 1905 Sp. 1500. In 
demselben Jahre erhob G. Appleton, Le testament romain; la mdthode du droit compar^ 
et Tauthenticit^ des douze tables, Paris 1903 Widerspruch. Die bizarre Hvpothese hat in 
Deutschland keine Anhänger gefiinden. Die Juristen stehen ihr ablehnend gegenüber, so 
0. Lenel, Holtzendorffs EncycL der Rechtswissensch. 1908 p. 96 Anm. 1 und Th. Kipp, 
Gesch. der Quellen des röm. Rechts, Leipz.' 1903, p. 32 Anm. 4. 



42 Ju Papiriannm. (§ 16.) 

Fragmente der XII Tafeln. Von den XII Tafeln iat nna keine erhalten; aie 
gingen bei der gallischen Erobenmg (887/6) zn Grand; ob de wieder hergestellt wurden 
oder ein anderweitiger Ersatz eintrat, ist nicht sicher; vgl. 0. Kariowa, Rechtsgesch. 1 
(Leipz. 1885) p. 108. Dass ans Gyprian ad Donatnm 10 {ineisae sint licet lege» XII tabulis 
et publico aere praefixo iura proscripta eint, — inter leges ipeas delinguitur, inter iura 
peccatur) nicht auf den damaligen Bestand der XII Tafeln geschlossen werden kann, ist 
klar. Wir sind daher auf die Angaben bei den SchriftsteUem angewiesen, welche aus 
rechtlichen oder sprachlichen Rücksichten entweder ganze Gesetze oder Teile citieren. Die 
Restauration des Gesetzgebongswerkes ist daher ein sehr schwieriges Ptoblem und kann 
nur in unvollkommener Weise gelöst werden; einmal erscheint der Wortlaut der Gesetze 
vielfach modernisiert, indem sie sich der Sprache der jeweiligen Generation anpassen. Alte 
Formen, die in den XII Tafeln vorhanden sein mussten, sind nicht selten spurlos ver- 
schwunden. Es ist daher sehr fraglich, ob es überhaupt mOglich ist, die Urform der Ge- 
setze herzustellen, und ob wir nicht zufrieden sein müssen, wenn es uns gelingt, die Ge- 
setze in der Fassung, in der sie bei den Schriftstellern einer bestimmten Epoche erscheinen, 
zu geben. Noch weniger als die Form der Gesetze können wir die Reihenfolge der Tafeln 
und der Gesetze ermitteln. Ein um die Geschichte des römischen Rechts hochverdienter 
Gelehrter H. E. Dirksen z. B. hat, nachdem ihm der berühmte Jurist Jac. Gothofredus 
(Quatuor fontes iuris civilis 1658) vorangegangen war, einen derartigen Versuch gemacht, 
allein derselbe hält genauerer Prüfung nicht Stand. Vgl. auch die kritischen Bemerkungen 
0. Leu eis über die Anordnung der Xll Tafehi in seiner Abhandlung: Das Sabinus^stem 
(Festgabe für Bud. v. Jhering, Strassb. 1892, p. 4). 

Bedeutung der XII Tafeln, a) Für den Schulunterricht. Gic. de leg. 2, 23, 59 
discebamus pueri XII ut earmen necessarium, quas iam netno diseit, ß) Für die Juris- 
prudenz. Liv. 3, 34, 6 decem tabularum legea perlatae sunt, quae nunc quoque in hoc 
intnenso aliarum super alias aeervatarum legutn cumulo fons amnis piiblici priwUique est 
iuris. Commentiert wurden die XII Tafeln vielfach von den Juristen, so von Sex. Aelius 
Paetus Catus (§ 78), von M. Antistius Labeo (§ 354) und von Gaius (§ 619). y) Für die 
Philologie. Da die Stäche der XII Tafeln dem Yerstftndnis der späteren Geschlechter 
Schwierigkeiten darbot (Favorinus bei Gellius 20, 1, 4 quaedam istie (in den XII Tafeln) esse 
animadvertuntur aut obscurissima <aut durissima> aut lenia contra nitnis et remissa aut 
nequaquam iia, ut scriptum est. consistentia), musste die Philologie eingreifen und das un- 
verständlich Gewordene verstänolich machen. So beschäftigte sich gleich der erste Philolog 
L. AeUus Stilo Praeconinus mit der Erklärung der XII Tafeln (§ 76). 

Litteratur über die XII Tafeln. H. E. Dirksen, Uebersicht der bisherigen Ver- 
suche zur Kritik und Herstellung des Textes der XII Tafelfragmente, Leipz. 1824; Legis 
XII tabularum reliquiae ed. R. Scholl, Leipz. 1866; M. Voigt, Die XII Tafeln; Gesch. und 
allgem. juristische Lehrbegriffe der XQ Tafeln nebst deren Fragmenten, Leipz. 1883; vgl. 
auch dessen Rom. Rechtsgesch. 1 (Leipz. 1892) p. 27; A. Volkmar, De annaubus Romanis 
quaest.: I. De historia decemviratus, qua aetate confecta dt; II. De T. Livio fönte Dio- 
nysi Halicamassei, Diss. Marb. 1890; C. G. Bruns, Fontes iuris Romani, Freib.' 1893, 
p. 15; P. F. Girard, Textes de droit romain, Paris' 1895; M. Bröal, Sur la langue de 
la loi des XII tables (Journal des savants 1902 p. 599). Ueber die verschiedenen Be- 
zeichnungen der XII Tafeln vgl. Th. Mommsen, JtodsxddsXxoq (M^langes Boissier, Paris 
1903, p. 1). 

16. Das papixische Bechtsbuch (Jus Papirianum). Ausser den 
XII Tafeln begegnet uns noch eine Kodifikation, nämlich die Kodifikation 
der Königsgesetze (leges regiae) im sog. ins Papirianum. Dieselbe ist 
aber eine litterarische, d. h. in Buchform gebrachte. Nach dem Zeugnis 
des Pomponius ist es eine Sammlung der Gesetze, welche die Könige ge- 
geben haben, veranstaltet von einem Sex. Papirius zur Zeit des Tarquinius 
Superbus. Dionysius berichtet noch ausf&hrlicher, dass ein Oberpontifex 
G. Papirius nach der Vertreibung der Könige eine Sammlung sakraler Be- 
stimmungen wieder zur öffentUchen Kenntnis gebracht habe, nachdem eine 
solche Publikation des Ancus Marcius die verheerende Wirkung der Zeit 
erfahren hätte. Allein es ist schwer, sich jene Gesetze des ins Papirianum 
als von den Königen erlassene Gesetze zu denken; es ist unmöglich, in 
jenem Papirius, dessen Vorname schwankend . angegeben wird, den Re- 
daktor der Gesetzessammlung zu erblicken. Die erste schriftliche Gesetz- 



Jim Papirianiim. (§ 16.) 43 

gebung erhalten wir in den Xu Tafeln ; deren Notwendigkeit zeigt, dass 
zuvor eine kodifizierte Gesetzgebung nicht existierte. Sonach haben wir 
die Zeit der Redaktion und* die Person des Redaktors als apokryph an- 
zusehen. Wie steht es nun mit dem Inhalt? Soweit die Fragmente es 
erkennen lassen, sind die Eönigsgesetze Bestimmungen ritueller und sakral- 
rechtlicher Natur, welche fUr das Publikum allgemeines Interesse hatten, 
und zwar solche, die in den Amtsbereich der Pontifices fielen. Sonach 
werden die Eönigsgesetze auf einem Auszug aus den Pontifikalbüchern 
beruhen. Dieser Sammlung, welche auf privatem Weg erfolgte, wurde 
der Name jenes Oberpontifex Papirius vorgesetzt, um ihr mehr Gewicht 
zu verleihen. Gommentiert wurde das Buch von Granius Flaccus, einem 
Zeitgenossen Caesars; also muss die Sammlung schon damals bestanden 
haben; über die caesarische Zeit hinauf lässt sich die Entstehung der 
Sammlung nicht verfolgen. 

Zengniase ttber das ins Papirianum. DionvaiiiB (antiqu. 8, 36) enfthlt» daas 
AncuB MarciuB die Gesetze des Noma auf hölzerne Tafeln schreiben und auf dem Markte 
aufstellen Hess; mit der Zeit hAtten sich aber die Schriftzüge verwischt. Dann fiUirt er 
fort: fiBjd jijv ixßoXtjy Jtay ßa^iXitiv ek ayaygawijy &ijfAoaitty ad^K iJx^V^^^ ^^* äy&gog 
Uqo(pdy%ov (-= pontifez mazimos) Talov naniQiov, j^y dndyjüfy jtSy le^y ^e/jioylay 
exoyjog. Nach dem gallischen Brand sollten die foedera und die leges (d. h. die 12 Tafeln 
und bestimmte leges regiae) wiederhergestellt werden. Das Endergebnis war nach Livios 
6, 1, 10: alia ex eis edita etiam in volgue; quae autefn ad sacra pertind>afU, a pantifieibus 
fnaxime, tU religione ohstrietos haberent muUitudinis atUmoa, suppressa. Nachdem Pom- 
ponins von den Gesetzen der Könige gesprochen, fthrt er fort (Dig. 1, 2, 2, 2): quae (leges) 
omnes eonscriptae exstani in libro Sexti Papirii, qui fuit iÜis iemporibus, quHms Stqterbus 
Demarati CorintMi filius, ex prineipdlibus piris. is liber, ut dianmus, appeUatur ius eivUe 
Papirianum, non quia Papirius de suo quiequam ibi adiecit, sed quod leges sine ordine 
latas in unum eomposuit, Dig. 1, 2, 2, 86 fuit in primis peritus Puhlius Papirius, qui leges 
regias in unum contülü. 50, 16, 144 Oranius Flaecus in lU>ro de iure Papiriano seräit. 
Der hier genannte Granius Flaccus wird derselbe sein, wie der von Gensorinus (de die na- 
tali 8, 2) citierte: Grani%is Flaccus in libro quem ad Caesarem de indigitamentis scrMum 
reliquit. Der verwandte Inhalt seiner beiden Werke legt diese Annahme nahe. Unter 
Caesar werden wir aber den Diktator zu verstehen haben, dem als pontifex maximus 
sehr gut das Werk de indigitamentis gewidmet werden konnte. Das Jus Papirianum war 
bereite 7 v. Chr. vorhanden, da in diesem Jahre die Antiquitates des Dionvsins erschienen 
(vgl. 1, 7). Den terminus post quem gibt der Brief Ciceros (ad fam. 9, 21), in dem nach- 
gewiesen wird, dass die Ansicht» die Papirier seien in den alten Zeiten Pfebeier gewesen, 
falsch ist. Wäre nun damals die Sammlung der Eönigsgesetze unter dem Namen eines 
Pontifex Papirius vorhanden gewesen, so hfttte Cicero doch wohl dieses Papirius gedenken 
müssen; es ist daher mit Hirsch fei d (p. 10) wohl der Schluss zu ziehen, dass die Samm- 
lung zur Zeit, als Cicero den Brief schrieb (etwa 46), noch nicht existierte. Wir hätten 
also f&r die Entstehung der Sammlung das Intervallum 46 — 7 v. Chr. Neuerdings taucht 
die Vermutung auf, dass Granius Flaccus nicht bloss der Commentator, sondern auch der 
Compilator der leges re^ae sei; vgl. Lambert p. 165. Das Verhältnis des Jus Papirianum 
zu den Monumente des M*. Manilius, welche die gleiche Materie behandelten (vgl. § 79), 
kann nicht mehr ermittelt werden; wenn Hirschfeld (p. 12) sagt, dass der Inhalt gewiss 
grossenteils in die Sammlung der Eönigsgesetze übernommen wurde, so behauptet er mehr, 
als sich erweisen lässt Ueber die unhaltbare Hypothese F. P. Bremers (Jurisprud. ante- 
hadr. 1 p. 182) vgl. Hirschfeld p. 7. 

Litteratur. Das Material liefern M. Voigt, Ueber die leges regiae, Leipz. 1876/77 
(Abb. der sächs. Ges. der Wissensch. 17 (1879) p. 557); Cuq s. v. Leges regiae in Diction- 
naire des antiquitös von Daremberg und Saslio; C. G. Bruns, Fontes iuris Romani, Freib.* 
1893, p. 1; F. P. Bremer, Jurisprud. antehadr. 1 (Leipz. 1896) p. 261. Erörterungen bei 
Th. Mommsen, ROm. Staaterecht 2* (Leipz. 1887) p. 41; 0. Kariowa, ROm. Rechte- 
gesch. 1 (Leipz. 1885) p. 105; £. Lambert, Nouvelle Revue historique du droit fran^ais 
et ^tranger 26 (1902) p. 163; 0. Hirschfeld, Die Monumente des Manilius und das Jus 
Papirianum (Siteungsber. der Berl. Akad. der Wissensch. 1903 p. 5); Th. Eipp, Gesch. der 
Quellen des rOm. Rechte, Leipz.' 1908, p. 24. 

Leges regiae und commentarii regii. Neben den leges regiae finden wir auch 



44 Jn» FlÄTianum. (§ 17.) 

commentarii regii citiert; vgl. Liv. 1, 32. üeber den unterschied beider Schriftwerke sagt 
Th. Mommsen, Rom. Staatsrecht 2* p. 42 Anm. 8: «Die sakralen commentarii regil, wie 
sie fflr Numa z. B. Livins 1, 19. 20 beschreibt, oder wie Cicero (de leg. 2, 10, 23) sie nennt, 
die constitutio religionmn Nnmas sind von den sogenannten leges regiae verschieden. Die 
Gommentarien sind die pontifikale Sakralordnung überhaupt, die leges regiae eine daraus 
für das Publikum ausgezogene Anweisung hauptsächlich zur Vermeidung des piaculum.* 

Die Bücher Numas. Mehrfach werden von Autoren unter verschiedenen Namen 
schriftliche Erzeugnisse Numas citiert, z. B. Liv. 1, 31, 8 commentarios Numae; 1, 32, 2 er 
commentarüs regis (Numae); Flin. n.h.28, 14 ex Numae libris (Gewährsmann L. Piso); Serv. 
zu Verg. Aen. 6, 859 will den Vers secundum legem Numae deuten; Festus p. 189 0. M. 
esse etiam compelH reges (0. Müller: Pompili regis) legem. Auf Schwindeleien, die auch 
E. V. Lasaulx, üeber die Bücher des Königs Numa (Abb. der Münchner Akad. der 
Wissensch. Bd. 5 (1847) p. 83 = Studien des klass. Altertums, Regensb. 1854, p. 92) nicht 
beseitigen kann, beruhen die Bücher Numas, die angeblich 181 v. Chr. ausgegraben worden 
sind. Plinius (n. h. 13, 84) nennt als ftlteste Gewährsmänner für diese Geschichte die An- 
nalisten Hemina und Piso (vgl. H. Peter, Hist. Rom. fragm. p. 73, p. 80); vgl. noch Varro 
bei Augustin. de civ. dei 7, 34; Liv. 40, 29. Diese , Ausgrabung*^ ist ein litterarisches Kunst- 
mittel, um der Fälschung mehr Eingang zu verschaffen; vgl. E. Rohde, Der giiech. Roman, 
Leipz.* 1900, p.292; A. Schwegler, Rom. Gesch. 1 (Tübingen 1853) p. 564. Im vorliegenden 
Fall handelt es sich wohl (vgl. den Bericht Heminas) um ein Werk, das Numa zum Schüler 
des Pythagoras machen sollte. 

17. Das flavische Bechtsbuch (Jus Flavianum). Ti. Gonmcanius. 
Das Landrecht war kodifiziert, man wusste, was Rechtens war, allein es 
fehlte noch die allgemeine Kenntnis der Mittel und Wege, sein Recht 
geltend zu machen. Zu diesem Zwecke war es notwendig, einmal zu 
wissen, welches die Tage waren, an denen Recht gesprochen werden durfte, 
dann welches die Prozessformen waren, um einen Rechtsstreit gültig ein- 
zuleiten. Dieses Wissen war aber ein Privilegium der Pontifices. Sonach 
war noch immer das Recht gebunden und unfrei. Diese Gebundenheit 
wurde beseitigt durch eine kühne Tat, welche Appius Claudius Gaecus 
hervorgerufen hatte. Sein Schreiber Gn. Flavius stellte ein Verzeichnis 
der Gerichts- und der anderen Tage auf dem Forum auf, ferner veröffent- 
lichte er Prozessformulare (legis actiones) in Buchform. Dieses Buch hiess 
Jus Flavianum. Mit dieser Publikation hörte jedes Geheimnis des Rechtes 
auf. Wir stossen daher auch bald auf den ersten Rechtslehrer, Ti. Gorun- 
canius (Gos. 280), welcher der erste plebeische Pontifex maximus war (254). 
Er erteilte nämlich seine Rechtsbescheide öffentlich, so dass zuhören konnte, 
wer wollte, nicht bloss der einen Rechtsbescheid Suchende, und knüpfte 
Erörterungen daran. Damit tat wiederum die Rechtskunde einen wei- 
teren Schritt in die Oeffentlichkeit. Die Kunst, das Recht anzuwenden, 
ward jetzt verallgemeinert, sie trat aus dem Kreis der Pontifices heraus. 
Schriften hinterliess Goruncanius nicht, allein es hatten sich von ihm 
mehrere Rechtsbescheide und merkwürdige Aeusserungen oder Handlungen 
(memorabilia) durch Tradition erhalten. 

Zeugnisse aber das Jus Flavianum. Liv. 9, 46, 5 eivile ius repositum in pene- 
tralibus pontificum evulgavit, fastosque circa forum in albo proposuit, ut quando lege agi 
passet sciretur, Cic. Mu*. 11, 25 passet agi lege necne, pauei quandam sciebant; fastos enim 
vulgo non habebant. erant in magna potentia, qui consulebantur; a quibus etiam dies 
tamquam a Chaldaeis petebatur. inventus est scriba quidam, Cn. Flavius, qui comieum 
ocuhs confixerii et singulis diebus ediseendis fastos populo proposuerit et ab ipsis capsis 
iuriseonsttUorum sapientiam eompilarit. De erat. 1, 41, 186 expositis a Cn. FUmo primum 
actionibus. Ad Att 6, 1, 8 quid ergo profecit, quod protulü (Cn, Flavius) fastos f oceuU 
tatam putant quodam tempore istam tabulam, ut dies agendi peterentur a paucis; nee vero 
pauci sunt auetores Cn, Flavium scribam fastos protulisse actionesque exposuisse, Valer. 
Max. 2, 5, 2 ius eivile per multa scteeula inter saera eaerimoniasque deorum inmortalium 



Yertr&ge nnd Oeftetse. (| 18.) 45 

abdiium solisque pontifieibuß notum Cn. Flaviua .... vtdgavU ae fantos paene toto faro ex- 
posuit. Plin. n. h. 33, 11 htc {Cn, Flaviua) publicatis diebu8 f<Mti8^ quos populu8 a pattcis 
prineiputn cotidie petebat, tantam gratiam plebei adeptus est .... scriba Appi Caeei, euius 
hortatu exceperat eos dies eonsidtanäo adsidue sagaei ingenio; vgL dazü R. Maschke, Phiiol. 
54 (1895) p. 150 und dagegen F. Münz er, Beitr. znr Quellenkritik der Natorgesch. des Pliniua, 
Ben. 1897, p. 225. Pompon. dig. 1, 2, 2, 7 cum Appius Claudius proposuisaet et ad formam 
redegisaet ha» aetiones, Onaeus Flaviua acriba eiua libertini filiua aubreptum librum populo 
tradidii, et adto gratum fuit id munua populo, ut tribunua plebia fieret et aenator ei aedilia 
curulia, hie liber, qui aetionea eontinet, appellatur iua civile Flavianum, aieut ille iua civÜe 
Papirianum: nam nee Onaeua Flaviua de auo quicquam adieeit Ubro. Das Jus Flavianum 
sucht in einer ausfOlirliclien, an Combinationen reichen Abhandlung 0. Seeck (Die Kalender- 
tafel der Pontificee, Berl. 1885, p. 1) aus der Welt zu schaffen. £r schreibt (p. 51), unsere 
Zweifel konnten nur beseitigt werden, .wenn zu dem sogenannten 'Jus Flavianum* ent- 
weder ein antiker Commentar nachweislich wftre oder ein Citat daraus oder wenigstens 
ein glaubwürdiger Zeuge, der es mit eigenen Augen gesehen hfttte'. Die Ausstellung des 
Kalenders (p. 35) und das Formelbuch (p. 51) sind nach seiner Darlegung ein Mythus, für 
dessen Entstehung er Anhaltspunkte gibt. Gewiss hat sich die Phantasie um die Person 
des Gn. Flavius geschlungen ; allein ein Kern muss doch dieser ausgeschmückten Ueber- 
lieferung zu Grunde liegen, und ich finde diesen in der VeröffenÜichung des Kalenders und 
der Aktionen. Die Vermutung, dass wir in den Noten des Probus Auszfige aus dem Jus 
Flavianum vor uns haben, stellte Th. Mommsen, M. Yalerius Probus de notis antiquis 
(Ber. der sftchs. Ges. der Wissensch. 1853 p. 184) auf. 

Ti. Coruncanius, der erste Öffentliche Rechtslehrer. Pomponius dig. 1, 2, 
2, 35 et quidem ex omnibua, qui acientiam naneti aunt, ante Tiberiutn Coruncanium publice 
profeaaum neminem traditur: eeteri autem ad hune vel in latenti iua eivile retinere cogita- 
bant aolumque conaultatoribua vaeare potiua quam diacere voientibua ae praeatabant .... 
(§ 38) poat hoa fuit Tiberiua Coruncaniua, ut dixi, qui primua profiteri eoepit: cuitta tamen 
aeriptum nuUum exaiat, aed reaponaa eomplura et memorabÜia eiua fuerunt (Muretus: 
feruntur); vgl. Plin. n. h. 8, 77; Cic. de leg. 2, 21, 52. — 0. Kariowa. ROm. Rechtsgesch. 1 
(Leipz. 1885) Pr475; P. JOrs, Rom. Rechtswissenschaft zur Zeit der Republik 1 (Berl. 1888) 
p. 73; Pauly-Wissowas Realencycl. Bd. 4 Sp. 1664; F. P. Bremer, Jurisprud. antehadr. 1 
(Leipz. 1896) p. 7. 

Die Fragmente der vorjustinianischen Juristen sind gesammelt von 
£. Huschke, lurisprudentiae anteiustinianae quae supersunt, Leipz. '^ 1886 und F. P. Bremer, 
lurisprudentiae antehadrianae quae supersunt pars 1, Leipz. 1896. 

Ueber Cn. Flavius als angeblichen Veif asser der aII Tafeln vgl. § 15. Ueber Cn. 
Flavius als angeblichen Redaktor der Fasten vgl. § 14. 

18. Verträge nnd Gesetze. Ihre Zahl ist klein ; denn durch den Brand, 
der bei der gallischen Eroberung (887/6) Rom mit Ausnahme des Kapitels 
und eines Teils des Palatins einäscherte, sind die meisten zu Orund ge- 
gangen. Durch Augenzeugen haben wir nur von folgenden Schriftdenk- 
mälern aus der Zeit vor dem gallischen Brande Kunde erhalten. 1. Diony- 
sius sah noch den Bündnisvertrag, der zwischen Rom und den Latinern 
angeblich unter Servius Tullius abgeschlossen wurde. Derselbe war auf eine 
eherne Tafel mit altgriechischen Buchstaben eingegraben; die Tafel war in 
dem Bundestempel der Diana auf dem Aventin aufgestellt. 2. In gleicher 
Weise schildert nach Autopsie Dionysius den Vertrag eines Tarquinius mit 
Gabii; er stand auf einem mit einer Rindshaut überzogenen Schild im Tempel 
des Sancus auf dem Quirinal, welcher Tempel wahrscheinlich auch der gal- 
lischen Katastrophe entgangen war. Auf diesen Vertrag spielt Horaz (epist. 
2, 1, 25) an. 3. Polybius setzt den ersten Handelsvertrag der Römer mit 
den Karthagern, dessen Inhalt er angibt, ins Jahr 509; er fügt bei, dass 
derselbe in einem Latein abgefasst war, welches den Gelehrten seiner Zeit 
Schwierigkeiten machte. Allein es ist strittig, ob dieser Vertrag hieher 
gehört, da Diodor (16, 69) und Livius (7,27) den ersten dieser mit Karthago 
geschlossenen Handelsverträge ins Jahr 348 setzen. 4. Cicero erinnerte 
sich noch, in seiner Jugendzeit den Bundesvertrf^ gesehen zu haben, den 



46 Yertrige und Oosetse. (§ 18.) 

8p. Cassius 493 v.Chr. mit den Latinern schloss; er stand auf einer ehernen 
Slialo, die auf dem Forum aufgestellt war. 5. Livius gedenkt des Ge- 
setzes vom Einschlagen des Jahresnagels; dasselbe war im kapitolinischen 
Tempel angeheftet 6. Zur Zeit des Dionysius befand sich noch im Aventin- 
tempel die eherne l^ule, auf der das Gesetz des L. Icilius Ruga (456) 
betreffend die Verteilung des auf dem Aventin befindlichen ager publicus 
an die armen Plebeier für Bauplätze geschrieben stand. 7. Der wahr- 
scheinh'ch gefälschte Bundesvertrag mit Ardea (444) scheint noch dem 
G. Licinius Macer aus der Zeit Sullas zugänglich gewesen zu sein. 8. End- 
lich — um auch dies gleich hier zu erwähnen — las noch Augustus die 
Inschrift auf dem linnenen Panzer des Vejenter-Eönigs Tolumnius, den der 
Konsul A. Cornelius Cossus im Fidenatenkrieg besiegt und dessen Panzer 
er im Tempel des Juppiter Feretrius geweiht hatte (wahrscheinlich 428). 
Das sind die ältesten Schriftdenkmäler, von denen uns noch die 
spätere Zeit auf Autopsie hin Kunde gibt. Alles sonstige der gallischen 
Katastrophe vorausliegende Schrifttum, das wir erwähnt finden, ist zweifel- 
hafter Natur. Man begreift, wie unsicher die Ueberlieferung der ältesten 
römischen Geschichte sein musste, und versteht die Klage des Livius (6, 1). 

Zeugnisse. 1. Dionys. antiqn. 4, 26 mijXfjy xataüKBvdüag /aHx^v, fy^mffiy iy tavtp 
ta te do^ayra roig cvyidqoi^ xal tag fisrexovcag ti^g avyo&ov noXeig, ovn; diäfiBiysy ij 
atijXij fJiixQ*' ^V^ ^f^V^ ijXiKias iy r^ t^( ^AgtifAidog Uq^ xBifAiytj y^afAfiutuy M/^^^^ /erpffx- 
t^Qag'EXXtjytxtoy, olg to naXaioy ^"EXXag ixgdto, NachTh.Momm8en (ROm.Gesch.1* p.216) 
war dieses Exemplar ,eme nach dem Brand mit Hilfe eines latinischen Exemplars her- 
gesteUte Kopie"; vgl. dazu D. Detlef sen, Philol. 20 (1863) p. 448. 2. 4, 58 rovttoy (des 
Vertrags) iütl jtoy oQxlmy uytjfjietoy iy 'MfAf^ xelfjieyoy iy Ibqi^ Jiog Ilurtiov, oV 'Ptttfiaioi 
Idyxoy xaXovü^y, danis ^vMyfj ßvQCf^ ßoeiif ne^ltoyos xov üfpayiaa&iytoi int jtoy oQxiuty 
xojB ßoog, yQttfAfAac^y dgxatxotc imysygafAfAiyrj tag ysyofAiyag avtots ofioXoylag; y^. Panlus- 
Festos p. 56 0. M. 8. Polybins 8, 22 sagt von der Sprache des Vertrags: tijhxavtrj^ f} diu- 
tpoQa yiyoye tijg &ucXixtov xai nagd 'Ptofialoig ttjg yvy ngos tijy cr^jjfa^ctv tocte tovg cvyB- 
ttatdtovs iy^a fioUg i^ inundcemg öuvjegiyeiy, 4. Gic. pro Balbo 28, 53 cum Latinis Omnibus 
foedus esse ietum Sp. Qusio Postume Cominio eonsulüms ^is ignorat? guod quidem nuper 
in eolumna ahenea meminimus post rostra incisum et perseriptum fuisse; TgL Liv. 2, 83, 4; 
Festos p. 166 0. M.; Th. Mommsen, Hermes 5 (1871) p. 281. 5. Liv. 7, 3, 5 ^ tfetusta est 
priscis litteris verbisque scripta^ ut qui praetor maximus sit idibus Septenibribus elamim 
pangat. fixa fuit dextro lateri aedis lovis optimi maximi, ex qua parte Minervas templum 
est. 6. Dionys. antiqu. 10, 32 6 yogAog ixvgto&fj, og hitiy iy attjXn x^^S ysygafjifAiyos, rjy 
tt yi&scay iy t<p Aveytiyip, xofilcayteg elg to trjg Ugtifiidog IsQoy. 7. Liv. 4, 7, 10 his consu- 
libus cum Ardeatibus foedus renoveUum est. idque monumenti est, eonsüles eos iilo anno 
fuisse, qui neque in annalibus priscis neque in libris magistratuum inveniuntur: credo, 
qttod tribuni militum initio anni fuemnt, eo perinde ac si totum annum in imperio fuerint, 
suffeetis iis consulibus praetermissa nomina consulum horum. Licinius Maeer auctor est, 
et in foedere Ardeatino et in linteis libris ad Monetae inventa. 8. 4, 20, 6 titulus ipse spoliis 
inscriptus illos {auetores) meque arguit, consvlem ea Cossum eepisse. hoc ego cum Augustum 
Caesarem .... ingressum ctedetn Feretrii lovis, quam vetusfate dilapsam refecit, se ipsum 
in thorace linteo scriptum legisse audissem, prope sacrilegium ratus sum, Cosso spoHorum 
suorum Caesarem, ipsius templi auctorem, subtrahere testem. Hieza kommt noch Varro 
bei Macrob. Sat 1, 13, 21 antiquissimam legem incisam in eolumna aerea a L, Pinario et 
Furio consulibus (472). 

Litteratur. A. Seh wegler, Röm.G^sch. 1 (Tflbingen 1858) p. 18; Th. Mommsen, 
Rom. Gesch. 1« p. 216; Rom. Forsch. 2 (Leipz. 1879) p. 159, p. 288; ROm. GhronoL, Berl.* 
1859, p. 93. Die reiche Litteratur ttber die karthagischen Verträge siehe bei 0. Meltzer, 
Gesch. der Karthager 1 (Berl. 1879) p. 187 und bei W. Soltau, Phüol. 48 (1889) p. 131. 
Besonders wichtig sind Mommsen (ROm. Chrono!, p. 320), welcher den ersten Vertrag ins 
Jahr 848 y. Chr. setzt» und H. Nissen (Fleckeis. Jahrb. 97 (1868) p. 321), welcher Polybius 
folgt. Ch. Mttcke, Vom Euphrat zum Tiber; Untersuchungen zur alten Gesch., Leipz. 1899, 
p. 18; H. Winckler, Zu den karthagisch-röm. Verträgen (Altoriental. Forschungen 2. Reihe, 
2. Bd., 2. Heft, Leipz. 1899, p. 316), der, auf Mttckes Untersuchungen bauend, den ersten 



Die Leichenrede. (§ 19.) 47 

karthagiBch-rOimBchen Handelsyertrag ins Jahr 376, den zweiten ins Jahr 348 setct. Ueber 
den WorÜant des 279/8 zwischen Rom nnd Karthago geschlossenen Bdndnisses vgl. Th. 
Battner-Wobst, Beitr. zur alten Gesch. 3 (1903) p. 164. 

b) Vamiliendenkmftler. 

19. Die Leichenrede. Von Privataufzeichnungen sind für die ältesten 
Zeiten nur wenige Spuren vorhanden. Die wichtigste ist die Leichenrede 
(laudatio funebris). Es war Sitte, dass auf den vornehmen Verstorbenen 
von einem Angehörigen, der dem Toten am nächsten stand und zugleich 
befähigt war, oder wenn es sich um ein öffentliches Leichenbegängnis 
handelte, von einem hierzu bestellten Beamten auf dem Forum eine Leichen- 
rede gehalten wurde. Diese Sitte, welche auf Polybius grossen Eindruck 
machte und ihn zu einer sehr interessanten, den Leser ungemein fesselnden 
Schilderung veranlasste, geht sehr weit zurück, wie man aus dem Qe- 
schichtswerk des Dionysius von Halikarnass zu scbliessen berechtigt ist. 
Solche Reden wurden wohl anfangs nicht aufgeschrieben; schriftlich fixiert 
fanden sie ihre passende Stätte im Familienarchiv; von da aus nahmen 
sie, besonders wenn es sich um berühmte Persönlichkeiten handelte, nicht 
selten auch den Weg in die Oeffentlichkeit. Die Schriftsteller geben uns 
Kunde von solchen umlaufenden Reden: der ältere Plinius führt aus der 
Leichenrede des Q. Caecilius Metellus auf seinen Vater (221 v. Chr.) Ge- 
danken an; aus Plutarch können wir erschliessen, dass seiner Quelle noch 
die Leichenrede vorlag, die Fabius Maximus Gunctator zwischen 207 und 
203 auf seinen Sohn hielt. Auch die Leichenrede auf Marcellus, den 
Eroberer von Syrakus, der im Jahre 208 starb, lag dem Historiker Gaelius 
Antipater vor. Auf den jüngeren Scipio gab es eine Leichenrede, die 
Laelius für Q. Fabius Maximus geschrieben hatte (129 v. Chr.) ; die Gicero- 
scholien von Bobbio haben uns aus dieser Rede ein Kolon erhalten. Nach 
Cicero scheinen diese Reden von künstlerischer Form weit entfernt ge- 
wesen zu sein. Die Autoren klagen, dass durch diese Leichenreden die 
Geschichte verfälscht wurde, und die Klage scheint berechtigt zu sein. 
Da eine Leichenrede manchmal nicht gehalten werden konnte, stellte sich 
von selbst die Buchform als Ersatz ein. Diese machte eine vielfach an- 
dere Behandlung notwendig. Es bildete sich eine Form heraus, die sich 
mit der Biographie berührte. 

Die Sitte der landationes funebres. a) Polyb. 6, 53, 2 nigt^ nayjos tov &ijfÄOv 
CTäyroff tti^aßdg int jovg ifißoXovg, äy gj^y vlog iv i^Xtxltf »ataXeinijiai xai tvxfl nagtoy, 
ot>roc, Bi dk fjiij, ttSy äXXaty tt tig dno yiyovg vnÜQX^h X^ysi' negl rov xsjsXetfrijxojog tag 
aQndg xai tdg hi^xBXBvyfjiiyag iy r^ Cv^ nocrlet^. Dionys. antiqa. 5, 17 ort 'Potfialmy iatiy 
dgx^Toy svgtjfAa to nagd tag ta(pdg ttSy iniaijfAtay äy&gtoy inaivovg xtjg RQBXtjg avrdSy 
Xiyec^ai, ß) Gic de or. 2, 11, 44 sagt Antonios zu Q. Lutatins Catolns: a te est Popilia, 
mater vestra, laudata, cui primum mulieri hune honorem in nostra eivitate tributum puto, 
Plutarch. Caes. 5 to uhy civv int yvyat^ ngeaßvtigatg Xdyovg inttawlovg die^tiyat natgtov 
^y 'PtafAaioig, yiatg o* ovx oy iy i&st ngutog eine Kataag int trjg iavtov yvyatxog dno&a- 
rovatjg. Abweichend Liv. 5, 50 nnd Plntarch. Caniillns 8. y) Qnintil. 3, 7, 2 funebres lau- 
dationes pendent frequenter ex publico aliquo officio, atque ex senatuseonsuHo magistratibus 
saepe mandantur. Vgl. Vollmer p. 454, p. 461. d) Gassius Dio sagt bezüglich der Octavia 
(54, 85, 5): atiro; {6 Jvyownog) toy inttdiptoy stne, xai 6 Jgovcog int tov ßij/4atog. Be- 
zflg^ch des verstorbenen Drosns sagt Gassius Dio 55, 2, 2: S te Tißigtog iytav^a {iy r/j 
dyog^) avtoy in^yeae, xai 6 Avyovatog iy t<^ ^Xatuvit^ InnodgofA^. Gapitol. Antonin. philos. 
7, 11 (1 p. 54 Peter) laudavere uterque (M. Anrehus und Yerus) pro rostris patrem. 

Die Gom Position. Gic. de or. 2, 84, 341 nostrtte laudationes, quibus in foro utitnur, 



48 Aufschrift nnter dem Ahnenbild. (§ 19 a.) 

aut testinumii brevUatem habent nudam atque inomatam aut seribuntur ad funebrem con- 
tionem, quae ad orationia laudem minime aceommodata est. Vgl. auch Qnintil. 11, 3, 153. 

Kritik der laudationes funebres. Gic. Brat. 16, 62 et herculeshae quidem {lau- 
daiumea tnortuorum) extiant: ipsae enim familiae 8ua quasi omamenta ae monumetUa serva- 
bant et ad tuum, si quia eiusdem generis occidisset, et ad metnariam laudum damestiearum 
et ad illustrandam nobüUatem stiam. quamquam his laudationibus historia rerum nostra- 
rum est facta mendosior. muUa etUm scripta sunt in eis, quae facta non sunt, fdlsi 
triumphi, plures consuJatus, genera etiam falsa et ad plebem transitümes, cum homines 
humiliores in alienum eiusdem nominis infunderentur genus, Liv. 8, 40, 4 vitiatam memoriam 
funebribus laudibus reor falsisque imaginum titulis, dum familia ad se quaeque famam 
rerum gestarum hanorumque faUenti mendacio trahunt, inde eerte et singulorum gesta 
et publica monumenta rerum eonfusa; vgl. 27, 27, 12. W. Soltaa, Die rOmiachen Lauda- 
tionen nnd ihr EinfluBS auf die AimaliBtik (Deutsche S^itschr. für Geschichtswissensch. 
N. F. 2 (1897/98) p. 105). 

Die einzelnen laudationes. Plin. n. h. 7, 139 Q. Metellus in ea oratione quam 

habuit supremis laudibus patris sui L. Metelli scriptum reliquit. Plutarch. Fabius 1 

dUiaoiCstai aviov ^yog, bV emev iy t^ dtjfKo, tov nai&og avtov fÄS&* vnaxBlav ano&avovxo^ 
iyx(6fnov; vgl. H. Peter, Quellen des Plutarch, Halle 1865, p. 56. Liv. 27, 27, 18 berichtet 
ttber den Tod des Marcellus: Codius triplicem gestae rei ardinem edU: unam traditam 
fama, alteram scriptam laudatione fUi, qui rei gestae interfuerit. Scholia Bob. in Gic. pro 
Milone p. 288 OrelU super eius {Seipionis Aemiliani) laudibus extat oratio C. Laeli sapientis, 
qua usus videtur Q, Fabius Maximus in laudatione mortui Seipionis, Ueber andere lauda- 
tiones vgl. Vollmer p. 478. Die Sammlung der Fragmente bei Vollmer p. 480. 

Litteratur. A. Schwegler, Rom. Gesch. 1. Bd. 1. Abt. (Tabingen 1853) p. 14; H. 
Graff, De Romanorum laudationibus, Dorpat 1862; £. Hübner, Hermes 1 (1866) p. 440; 
Th. Mommsen, CIL 1, 277; H. Peter, Historicorum Romanorum reliquiae 1 (Leips. 1870) 
p. XXVIII; G. Martha, L'oraison fnn^bre chez les Romains (Revue des deux mondes 21 
(1877) p. 654 = ätudes morales aur l'antiquitö, Paris 1883, p. 1). Die Hauptschrift ist jetzt 
F. Vollmer, Laudationum funebrium Romanorum historia et reliquiamm editio (Fleckeis. 
Jahrb. Supplementbd. 18 (1892) p. 449); F. Leo, Die griech.-rOm. Biogr., -^Leipz. 1901, p. 225. 

19 a. Aufschrift unter dem Ahnenbild. Verwandt mit der Leichen- 
rede ist die Aufschrift unter dem Ahnenbild, die als eine abgekürzte 
Leichenrede angesehen werden kann. Es war nämlich in Born Sitte, dass 
von den Verstorbenen, welche kurulische Aemter bekleidet hatten, Wachs- 
masken (imagines) angefertigt und in Schreinen im Atrium aufbewahrt 
wurden; eine Aufschrift (titulus) bezeichnete nach dem Namen die von 
dem Verstorbenen bekleideten Aemter und die Priestertümer. Mit Hilfe 
dieser imagines und ihrer tituli konnte durch Verbindungslinien sogar ein 
Stammbaum des Geschlechtes hergestellt werden. Starb ein verdienter 
Staatsmann, so wurden Personen bestellt, welche diese Masken sich auf- 
setzten und dem Leichenzuge folgten; die berühmten Ahnen des Ver- 
storbenen sollten also sogar äusserlich in Erscheinung treten. Aus dem 
Atrium des Hauses nahmen diese Aufschriften auch den Weg in die 
Oeffentlichkeit; so Hess Appius Claudius den von ihm 296 v. Chr. gestifteten 
Tempel der Bellona mit seinen Ahnenbildern, denen Aufschriften beige- 
geben waren, ausschmücken. Der Vorgang zeigt zugleich, dass die Auf- 
stellung der Ahnenbilder mit ihren Aufschriften im Atrium sehr weit 
zurückging. Augustus machte die Sitte der Politik dienstbar; er stellte 
auf seinem Forum in der Säulenhalle des Marstempels die Statuen be- 
rühmter Männer aus der Zeit der Republik auf und fügte ihnen Unter- 
schriften bei; manche derselben haben sich erhalten. Auch auf dem Grab- 
mal konnte die Aufschrift des Ahnenbildes verwertet werden. Für diese 
aus dem Atrium in die Oeffentlichkeit gedrungene Aufschrift ist die Be- 
zeichnung elogium üblich geworden. Auch in der Litteratur bekam das 
Elogium seinen Platz. Die Ahnenaufschrift erschien in gebundener Form 



Anfflchrift unter dem Ahnenbild. (§ 19 a.) 49 

und wurde so ein Zweig der Dichtkunst; ferner wurde aus den verschie- 
denen Elegien eine Geschlechtschronik hergestellt; damit gelangte das 
Elogium in die Historiogi*aphie. Das Bestreben, Ahnen aufzuweisen, die 
sich im Krieg und Frieden ausgezeichnet hatten, und das Bestreben, sie 
weitmöglichst zurückzuführen und mit troianischen Oeschlechtern in Ver- 
bindung zu bringen, musste, wie in der laudatio funebris, vielfach auch 
hier zur QeschichtsfUschung führen. 

Di e im agin es. a) Vitray. 6, 3, 6 imagines item alte cum suis ornamentis ad latitudinem 
alarum eint eonstUutae. Polyb. 6, 53, 4 x^^iaat xrjv eixoya lov uBTttXXd^aytog el^ toy kntfpavi- 
atatoy tdnov x^g oixiag, ^vhva vatdia neQtxi&^yfss * ij di sixioy iaxi ngöcoiTioy sig ofjioioxtjxa 
ducgtBQoyxtog i^Bi^yaüfjLiyoy, xal xaxa xrjy nXctaiy, xal xtxxa xtjy vnoygafpijy, Plin. n. h. 85, 6 
expressi cera voHua singülis disponebantur armariis .... stemmata vero Units diacurrebani 
ad imagines pictas; vgl. Seneca de benef. 3, 28, 2. Valer. Max. 5, 8, 3 effigies maiorum cum 
titulis suis ideirco in prima parte aedium poni solere, ut eorum virtutes posteri nan solum 
legerent sed etiam imitarentur, Tibiill. 4, 1, 30 nee quaeris, quid quaque index sub imagine 
dicat, JAv, 10, 7, 11 cuius imaginis titulo eonsukUus eensuraque et triumphus aequo animo 
legetur, si auguratum aut pontUicatum adieceritis, non sustinebunt legentium oculi. ß) Polyb. 
6, 53, 6 xavxas drj xag sixoyas ey xe xaig drjfjLoxeXiot d^vaiaig ayolyoyxeg xoafiovct q>ikoxl(jLa>g, 
inav xs xeSy olxeimy fisxaXXä^n xig inyfpayijq^ äyovaiy slg xrjy ixq>OQay, ncQixi&iyxeg (og 
ofÄOioxaxoig siyai doxovai xaxä xe x6 fziys&og xai X9Jy äXXrjy ncQixontjy. Vgl. auch Tb. 
Mommsen, Rom. Staatsrecht 1* (Leipz. 1887) p. 442. y) Plin. n. h. 35, 12 posuit {Appius 
Claudius Caecus) in BeUonae aede maiares suos plaeuitque in excelso speetari et titulos honorum 
legi (vgl. § 20). Asconiaa in Pison. p. 11 K.-Sch. idem {M. Mareellus) cum statuas sibi ae 
patri itemque avo poneret in monumentis avi sui ad Honoris et Virtutis, decore subseripsU, 
Sueton. August. 31 statuas omnium triumphali effigie in utraque fori sui portieu dedieavit. 
Auf die Inschriften dieser Statuen spielt Horaz carm. 4, 8, 13 an. Vgl. 0. Hirschfeld, Das 
Elogium des M*. Yalerius Maximus, Philol. 34 (1876) p. 85 (als seine Quelle wird Viderius 
Antias hingestellt); H. Hildesheimer, De libro de vir. ill. urbis Romae, Dias. Leipz. 1880, 
p. 36; Mommsen I.e. p. 445 Anm. 2; G. Schoen, Die Elegien des Augustusfomm und 
aer liber de vir. ill. urbis Romae, Progr. Cilli 1895; H. Peter, Die geschichtL Litt, über die 
rOm. Kaiserzeit 1 (Leipz. 1897) p. 264. Die Ueberreste bei Th. Mommsen, CIL 1 p. 277; 
Gh. Huelsen, CIL P p. 185; G. Wilmanns, Exempla inscriptionum lat. 1 (Berl. 1873) 
p. 178 Nr. 622 ff.; H. Dessau, Inscriptiones lat. selectae 1 (Bert. 1892) Nr. 50 ff. 

Die tituli imaginum und die elogia. Der technische Ausdruck fOr die Aufschrift 
auf den Ahnenbildem war titulus imaginis; vgl. Th. Mommsen, Staatsr. P p. 445 Anm. 2. 
Sueton gebraucht in diesem Sinn auch elogium: Galba 3 imagines et elogia universi generis 
exequi longum est. Ffir Aufschriften auf Statuen gebraucht es der alte Gate (Gellius 3, 7, 19), 
der ausfflihrt, dass die Tat des Leonidas verherrlicht wird monumentis, signis, statuis, 
elogiis, historiis aliisque rebus. Cicero (Gato maior 17, 61) bezeichnet mit dem Wort eine 
Grabaufschrift, die in diesem Falle eine metrische ist: tw quem {A. AtUium Calatinum) illud 
elogium .... notum est totum earmen incisum in sepulcro (vgl. de fin. 2, 35, 116 elogia 
monimentorum). Ueber die Etymologie des Wortes elogium handelt G. Gurtius, Ber. der 
silchs. Ges. der Wissensch. 1864 p. 1 = Kleinere Sehr. 2 (Leipz. 1886) p. 230 (er fasst p. 4 
elogium = iXeyeioy); ergänzend dazu A. Fleckeisen, Fleckeis. Jahrb. 93 (1866) p. 3; 
H. Jordan, Vindiciae sermonis lat. antiquissimi (Ind. lect. Königsberg 1882 p. 19); anders 
H. DUntzer, S^itschr. f5r vergleichende Sprachforschung 16 (1867) p. 275. Ueber andere 
Deutungen vgL A. v. Prem er stein, Pauly-Wissowas Realencycl. Bd. 5 Sp. 2440. Für die 
Form der elogia ist charakteristisch, dass die Namen der kurulischen Aemter und der 
PriestertQmer im Nominativ stehen; vgl. Mommsen 1. c. p. 445 Anm. 2. 

Die elogia in der Litteratur. a) Metrische elogia. Nepos berichtet von 
Atticus (c. 18, 5): de viris (libri: versibus), qui honore rerumque gestarum amplitudine eeteros 
Romani populi praestiterunt, exposuit ita, ut sub singulorum imaginU>us facta magistratus- 
que eorum non amplius quaternis quinisque persibus descripserit. Ueber die metrischen 
Elogien Varros vgl. § 186. Ueber eine Nachahmung- derselben durch den filteren Symmachus 
vgl. § 816 p. 111. Andere Proben in Anthol. lat ed. A. Riese Nr. 831 ff.; £. Baehrens, Poet, 
lat min. 5 p. 396. ß) Geschlechtschronik aus Elogien. ComeL Nepos Atticus 18, 3 
M, Bruti rogatu Juniam familiam a stirpe ad hane aetatem ordine enumeravit notans qui 
a quoque ortus quos honores qtiibusque temporibus cepisset, pari modo Marcelli Claudii de 
Marcellorum, Sdpionis (hrnelii et Fabii Maximi Fabiorum et Aemiliorum. Grellius 13> 20, 17 
cum et laudationes funebres et librum commentarium de familia Porcia legeremus. Hierher 
wird auch gehören Sueton. Yitellius 1 : extatque elogi (so M. Hertz, da ttberliefert ist: que 
elogii; Casaubonus: Q. Evlogii) ad Q. Vitellium divi Augusti quaestorem libellus. 

Handbaoh der klass. Altertamswlnenschaft. VIII, 1. 3. Aufl. 4 



50 Appins Glandias Caacns. (§ 20.) 

Zur Kritik der elogia. Vgl. die p. 48 ausgeschriebeDe Stelle Liv. 8, 40, 4. Plin. 
n. h. 35, 8 etiam tnentiri clarorum imagines erat aliquis virtutum amar, Feetas p. 166 0. M. 
Nautiorum familia a Troianit dieitur oriunda, 

Elogia Scipionnm. Cic. Tasc. 1, 7, 13 an tu egressM porta Capena cum Calatini 
Scipionum Serpüiorum Metellorum sepüUra ptdes, miseros puta» illoa ? Die Grabaufachrif ten 
wurden entdeckt Anfang des 17. und Ende des 18. Jahrhonderta. Die Älteste der Scipionen- 
inscbriften bezieht sich aaf L. Cornelias Cn. f. Scipio (cos. 298 y. Chr.). Ediert sind sie von 
F. Ritschi, Priscae latinitotis monnmenta Tafeln 37—42; Th. Mommsen, CIL 1 Nr. 29- 39, 
CIL 6, 1284—1294; G. Wilmanns, Exempla inscriptionnm lat. 1 (Berl. 1873) Nr. 537—547; 
E. Schneider, Dialectomm Italicarum exempla selecta 1 (Leipz. 1886) p. 8 Nr. 88 — 93; 
H. Dessau, Inscriptiones lat. selectae 1 (Berl. 1892) Nr. 1-*17. Von den metrischen Elogien 
sind vier in satnmischem and eines in elegischem Mass abgefasst; sie sind zosammengestellt 
von F. Baecheler, Caimina lat. epigraphica Nr. 6, 7, 8, 9, 958; die Satamier sind auch ab- 
gedruckt in den Schriften über den Satarnier, z. B. bei Lucian Müller, Der satomische 
Vers und seine Denkmäler, Leipz. 1885, p. 153. Ueber Nr. 6 und 7 Buech. handelt E. Wolf f lin , 
Revue de philol. 14 (1890) p. 113. Die Zuteilung der elogia 6, 7, 8 B. an Ennius und elo- 
gium 9 B. an Pacuvius, welche E. WOlf flin (Sitzangsber. der Münchner Akad. der Wissensch. 
1892 p. 188) versucht, steht auf schwachen Füssen. Zur Erläuterung vgl. F. Ritschi, 
Rhein. Mus. 9 (1853) p. 1, p. 159 = Opusc. 4 p. 213; F. Buecheler, Fleckeis. Jahrb. 87 
(1868) p. 328; L. Müller, Der satumische Vers p. 102. 

o) AppiuB Glaadins Caecaa. 

20. Der erste rOmische Schriftsteller. Die bisherige Betrachtang 
hat uns Schriftdenkmäler kennen gelehrt, welche durch äussere Bedürf- 
nisse hervorgerufen wurden; sie hat uns aber auch freie Schöpfungen des 
Geistes und zwar in mannigfacher Gestalt vorgeführt. Allein an bestimmte 
Namen konnten wir diese Produkte nicht anknüpfen. Wir hatten Schrift- 
oder auch Litteraturwerke, aber keine Schriftsteller. Mit Appius 
Claudius Caecus (Cos. 307 und 296), dessen grossartigen Einfluss auf die 
Verfassungs Verhältnisse und Rechtsentwicklung (vgl. § 17) die politische 
Geschichte darzulegen hat, dessen grossartige Bauten seinen Namen un- 
sterblich gemacht haben, erhalten wir auch den ersten römischen Schrift- 
steller. Es sind zwei V7erke, welche die Litteratur von ihm lange Zeit 
bewahrt hat: ein Werk der Prosa und ein Werk der Poesie. Als der 
König Pyrrhus im Jahre 280 durch einen Abgesandten, den Thessaler 
Kineas, mit dem Senat wegen eines Friedens unterhandeln liess, trat 
Appius Claudius, damals schon hochbetagt, auf und sprach in so eindring- 
licher Weise dagegen, dass die Friedensanträge zurückgewiesen wurden. 
Diese berühmte Rede des Appius Claudius war aufgezeichnet und publi- 
ziert; ihr Vorhandensein zu Ciceros Zeit ist ausdrücklich bezeugt. Noch 
wichtiger ist das zweite Werk, eine Spruchsammlung (sententiae), in Sa- 
turniern. Nur drei Sprüche sind uns aus derselben erhalten, darunter der 
jetzt in aller Mund lebende: «Jeder ist seines Glückes Schmied'; weniger 
charakteristisch sind die beiden anderen: „Wenn du einen Freund siehst, 
vergisst du dein Leid; bist du aber ein verstellter Feind, vergisst du es 
nicht in gleichem Masse gern'' und: „Gewinne es über dich, deiner Leiden- 
schaften Herr zu bleiben, damit nicht dein Zorn Schaden und Schimpf 
hervorrufe'. Cicero nennt diese Spruchsammlung, die selbst die Aufmerk- 
samkeit des Griechen Panaetius auf sich gezogen, pythagoreisch, er denkt 
wohl an die goldenen Sprüche des Pythagoras. Wahrscheinlich ist es, dass 
die griechische Spruchdichtung auf Appius Claudius eingewirkt hat; nur 
werden wir nicht an die Sprüche des Pythagoras zu denken haben, son- 



Appins CUiidiQB Gaeous. (§ 20.) 51 

dern an Sentenzen, welche aus den Komikern, besonders den zeitgenössi- 
schen, wie Philemon, genommen waren. Ausser diesen beiden Werken 
scheint es auch eine juristische Schrift des Appius Claudius gegeben zu 
haben; allein zur Zeit des Juristen Pomponius existierte sie nicht mehr. 
Die ersten Schriftsteller sind zugleich die ersten Sprachmeister. Auch 
bei Appius Claudius trifft dies zu. Es werden einige Neuerungen in der 
Schrift ihm zugeschrieben. Er soll die Schreibung von r statt s in ge- 
wissen Wörtern eingeführt haben; es scheinen dies besonders Eigennamen 
gewesen zu sein, die noch die alte Schreibung bewahrten, nachdem längst 
der Lautwandel von s zu r sich vollzogen hatte ; er verdrängte das z aus 
dem lateinischen Alphabet; später wieder aufgenommen, konnte es seine 
frühere Stelle im Alphabet nicht mehr gewinnen, sondern blieb ans Ende 
desselben gebannt. 

Allgemeines über Appius Claudias, üeber seine amüiehe Laufbahn gibt das 
ElogiumAufschlass(CIL 1,28p. 287; G.Wilmanns, £xemplain8criptlat.,Berl.l878, Nr.628; 
H. Dessau, Inscript lat. selectae 1 (Berl. 1892) Nr. 54); nach Aufeählung der Aemter folgen 
die Worte: complura appida de Samnitihua cepit; Stibinorum et Tuscorum exereitum fudit; 
paeem fieri cum Pyrrho rege prohibuU; in eensura (312 y. Cbr.) viam Appiam atravU et 
aquam in urbem adduxU; ctedem Bellanae feeU (296 y. Chr.). Frontin. de aquis 1, 5 Buecheler 
ctqua Äppia in urbem ducta est ah Äppio Claudio Crasso eensore, cui posiea Caeeo fuü 
cognomen; ygl. ttber den Beinamen Caecus 0. Hirschfeld, Hermes 8 (1874) p. 476. Plin. 
n. h. 85, 12 poeuit in BeUonae aede maiores suos plaeuitque in exeeUo apeetari et iituloa 
hanorum legi. Pompon. dig. 1, 2, 2, 86 hie (Appius Claudius) Centemmanus appellatus est, 
Liy. 10, 22, 7 eaüidas sollertesque iuris atque eloquentiae eonsuUos, qualis App. Claudius esset. 
Auch im Altertum bestand die Tradition, dass Appius Claudius der erste Schriftsteller sei. 

Ungeschickt jedoch Isidor. etymol. 1, 88, 2 apud Romanos Appius Caecus adversus 

Pyrrhum solutam orationem primus exereuit. Th. Mommsen, ROm. Forsch. 1 (Berl. 1864) 
p. 801; F. Münzer, Paulj-Wissowas Realencycl. Bd. 8 Sp. 2681. 

Die Rede des Appius Claudius gegen den Frieden mit Pyrrhus. Cie. Cato 
maior 6, 16 is {Appius Claudius), cum sententia senatus inclinaret (ygl. Brut. 14, 55; Quintil. 
2, 16, 7) ad paeem cum Pyrrho foedusque faciendum, non dubitavit dieere illa, quae persibus 
persecutus est Ehinius: Quo vobis mentes, rectae quae stare solebant \ antehac, dementes sese 
fiexere viaif (ygl. auch Plnt. Pyrrh. c. 19). ceteraque gravissime; notum enim vobis carmen 
est; et tarnen ipsius Appi extat oratio, Brut. 16, 61 nee vero hdbeo quemquam anti' 
quiorem, cuius quidem scripta proferenda putem, nisi quem Appii Caeci oratio haec 
ipsa dePyrrho et nonnullae mortuorum laudationes forte delectant, Seneca epist. 114, 18 
Gracchus illis et Crassus et Curio nimis cuUi et recentes sunt: ad Appium usque et ad 
Coruncanium redeunt, Tacit. dial. 18 num dubitamus inventos, qui pro Catone Appium 
Caeeum [magis] mirarentur? 21 Asini%is quoque, quamquam propioribus temporibus natus 
Sit, videtur mihi inter Menenios et Appios studuisse. 

Die sententiae des Appius Claudius. Der Titel der Sammlung wird bezeugt 
yon Festus p. 317 0. M. et in Appi sententiis, Cic. Tusc. 4, 2, 4 mihi quidem etiam Appii 
Caeci Carmen, quod valde Panaetius laudat epistula quadam, quae est ad Q. Tuberonem, 
Pgthagoreum videtur, Ps.-Sallust ad Caesarem de republica 1, 1, 2 in carminibus Appius 
ait, fabrum esse suae quemque fortunae. Vergleicht man damit die Fassung, welche 
der rheinische Dichter am Schluss seines «Otto der Schatz ** dem Gedanken gegeben: .Sein 
Schicksal schafft sich selbst der Mann'*, oder die Fassung, welche sich bei Com. Nep. Attic. 11 
findet: sui cuique mores fingunt fortunam hominibus, so wird man einräumen, dass die 
Fassung des alten Römers durch das Bild ungleich wirksamer ist. Zwei andere Sentenzen 
gewinnen wir aus Priscian (Gramm, lat. 2 p. 384, 4 amicum cum vides, obliviscere miserias: 
inimieus si es commentus nee libens aeque; die richtige Erklftrung der Stelle bei Marx 
1. c. p. 218) und aus Festus p. 817 0. M. qui animi compotem esse, nequid fraudis stupri- 
que feroeia pariat, wo F. Marx, Appius Claudius und Philemon (Zeitschr. für 5sterr. 
Gjmn. 48 (1897) p. 220) in qui den Imperatiy yon queo richtig erkennt und (1. c. p. 894), 
einer Anregung Dziatz kos folgend, statt compotem — compote schreibt (Sallust. bist. 4, 54 
p. 176 Manrenbrecher canina, tU ait Appius, facundia exercebatur; Yal, Max« 7, 2, 1 App, 
Claudium crebro solUum dieere accepimus negotium populo Romano melius quam otitim 
eommitti), Marx weist auf die Berllhmng der Sentenzen mit Gedanken Phifemons hin; 
ea findet sich die Sentenz suae quisque fortunae faber est in dem nach Philemon bear- 

4* 



52 BflekbUek. (§21.) 

betteten Trinoiiimiis des Pbniiis Ye. 363 anagefthrt; den Spmdi anUeum cum videt finden 
wir bei Stob. Florfleg. 113, 10 in seiner ersten Hilfte als Gredanken Philemons bezeicbnet. 
Marx (p. 220) folgert, daas das Spmebbndi des Apphis ,ein Gnomologion ans giiechischeii 
KomOdiendiditem, znmeisfc ans den xeitgenOssiscben Komikem, wie Pbflemon' war, Uissi 
es aber dahingestellt, ,ob Appins selbst die Scbiiften der Grieeben excerpiert oder ein 
griecUscbes Florilegiam ftbersetzt bsbe*. Die letztere Annahme erachte ich fttr die wahr- 
scheinlichere. Ueber ein anch dem 3. JahriL ▼. Chr. angehörigee GnomologioD 'Afuytitov 
vno9^xai auf einem Ostrakon YgL ü. Wilcken, Aegyptiaca; Festschr. fftr Greorg Ebers, 
LeipK. 1897, p. 142. — K Baehrens, Fragm. poet. Born. p. 36. 

Das Werk des Appius Clandias über die Usurpationen. Pompon. dig. 1, 2, 
2,36 hunc (Apphitn Claudium) etiam aetumes 9eripsi$se tradüum est primum de UMur- 
pationibuB, qui liber nan exstat. Was mit uMurpationes hier gemeint sei, ist strittig. 
Die einen verstehen danmter fUle der Anwendung der XII Tafeln nnd halten das Werk 
f&r eine Responsenssmmlnng, andere fassen usurpationes sls ünterbrechnngen des Usus 
nnd erblicken in dem Werk eine Sammlung von Formularien fttr Usurpationen. Vgl. P. JOrs, 
Rom. Rechtswissensch. 1 (Berl. 1888) p. 86; F. P. Bremer, Jurispmd. antehadr. 1 (Leipz. 
1896) p. 3; ILHauler, Zur iQteren rOm. lätteraturgesch. (Festschr. f&rTh. Gomperz, Wien 
1902, p. 390). 

Appius Claudius und das lateinische Alphabet «) Einführung des r 
statt s in gewissen Worten: Cic. ejHSt ad fam. 9, 21, 2 prineepa L. Papirius Mugülanus, 

qui cenMor .... fuU aed tum Fapisii dicdfamini (er schreibt an einen Papirius). post 

hunc XIII $tdtrufU in aelia euruli ante L, Papirium Crauum, qui primue Papisiue est 

voeari de$Uu8. Pompon. dig. 1, 2, 2, 36 idem Ap. Cfaudiu» r litteram invenii, ut pro 

Valesiis Valerii e$sent et pro Fueiis Furii. Bezüglich der Diskrepanz dieser zwei Zeugnisse 
bemerkt C. Cichorius, De fartis consnlsribus antiquissimis (Leips. Stud. 9 (1886) p. 175): 
,Cum non inveniantur in futis Furii post L. Camillnm, dictatorem 409, consnlem 416 et 
429, et ante C. Furium Padlum consnlem 503, in antiquioribus fastis Camillus quidem — 
ut factum est in Papiriis — .Fusius', Pacilus autem iam «Furius* yidetur fniase scriptus, 
atque Ap. Claudio Caeco, cuius medis intererat censura, ut mnlta alia sie litterae r quoque 
inventionem falso tribuerunt.* Die Ansicht H. Jordans (Krit Beitr., Berl. 1879, p. 155), 
dass die Schreibung der Namen «Papisii', «Valesii* eine Grammatikererfindung ans der solla- 
niscfaen Zeit sei, weist mit Recht Cichorius zurück. Vgl. femer G.Meyer, Zeitschr. für 
österr. Gymn. 31 (1880) p. 121 und G. F. Unger, Fleckeis. Jahrb. 143 (1891) p. 302. ß) Ver- 
drängung des z. Martianus Capella 3, 261 p. 64 Ejrssenh. tf ideirco Appius Claudius de- 
tf Statur quod denies mortui dum erprimitur imitatur, Jordan (Krit Beitrüge p. 157) wiU 
anch die Erfindung des neuen Zeichens f&r die gutturale Media (G) dem Appius beilegen; 
allein er setzt sidbi in Widerspruch mit der Ueberlieferung; vgl. Plutarch. quaest Rom. 59 
p. 343 Dübner: ngatos dvii^^e ygafjifUirodtdaexaXetoy Zno^^og KagßiXios, aneXsv&egog Kag- 
ßiXiov xov UQioTov yafisxfly ixßaXovtos. Diese Ehescheidung ftllt 235 oder 231 (vgl. Gellius 
17, 21, 44; 4, 3, 2 und M. Hertz z. d. St). Plutarch. quaest Rom. 54 d. 342 D. o^k ix^- 
üayxo j^ yäfifAa KagßsiXiov SnoQiov fiQoae^svQoyxog, Wir finden scnon früher (c. 290) 
das neue Zeichen auf Inschriften (vgl. W. Corssen, Aussprache und Vokalismus 1 p. 10); 
«es scheint sonach, dass durch die Schreibschule des Sp. Carvilius das neue Zeichen, mit 
dem wohl andere konkurrierten, siegreich durchdrang. Aber wahrscheinlich ist auch, dass 
der Schreiblehrer es war, der das neue Zeichen im Alphabet an Stelle des durch Appius 
verdrängten z setzte. — Th. Mommsen, Die unteritalischen Dialekte, Leipz. 1850, p. 33; 
F. Ritschi, Opusc. 4 p. 226; L. Havet, Sur Appius Claudius et Spurins Carvilius (Revue 
dephilol. 2 (1878) p. 15j; L. Macke nsen, De Verri Flacci libris orÜiographicis, Diss. Jena 
1896, p. 5. Abweichend G. Hempl, The origin of the latin letter G and Z (vgl oben § 12). 

31. Bückblick. Wenn wir auf die erste Periode der römischen Litte- 
ratur zurückschauen, so erkennen wir, dass von einer Litteratur im strengen 
Sinne des Wortes noch nicht die Rede sein kann, dass uns hier nur Keime 
und Ansätze zur Litteratur vorliegen. Allein es wäre unrecht, dieselben 
gering zu schätzen oder gar beiseite zu lassen. Diese Keime und Ansätze 
haben ja ihre Wurzeln noch in nationalem Boden. Nicht als ob es in 
dieser Periode an Anregungen von aussen, besonders von Oriechenland 
völlig gefehlt hätte; aber von solchen Anregungen ist noch ein weiter 
Weg bis zur förmlichen Uebernahme einer fremden Kultur und Litteratur. 
Die Litteraturanfänge des römischen Volkes tragen deutlich an der Stime, 
wes Geistes Kind sie sind. Nehmen wir die gebundene Rede, so fehlt 



Bttokbliok. (§21.) 53 

der aus dem Herzen frisch hervorsprudelnde Liederquell, der uns des 
Sängers Leid und Freud erschliesst, dafür sprosst empor das Kultuslied, 
das den Segen der Himmlischen erfleht, das Ahnenlied, das die Taten 
der Vorfahren verherrlicht, der Spruch, durch den der Vater den Sohn 
unterweist. Nur als Begleiterin des Festes stellt sich die Dichtkunst in 
den Dienst der individuellen Ungebundenheit und Freiheit. Nehmen wir 
die Prosa, so knüpfen die Formen, die über das Bedürfnis des praktischen 
Lebens hinausgehen, an das Gemeinwesen an. Es sind dies die schlichten 
historischen Aufzeichnungen, welche aber alle Keime der Entwicklung in 
sich tragen, und die Leichenrede, die zum Preise berühmter Toten ge- 
sprochen wurde. Dass aus diesen Elementen eine Litteratur herauswachsen 
konnte, wer will das leugnen? Wer will z. B. in Abrede stellen, dass sich 
aus dem Festlied und Festspiel eine künstlerische dramatische Form heraus- 
bilden konnte? Allein andrerseits dürfen wir nicht vergessen, dass zu 
einer vollen Blüte einer Litteratur vor allen Dingen die Ungebundenheit 
des individuellen Lebens gehört; auf dieses Gut musste aber das römische 
Volk verzichten, wenn es die ihm von dem Geschick überwiesene Rolle 
durchfuhren wollte. 



Zweite Periode.- • 

Die römische Kunstiitteratur. 



A. Die Litteratur vom Ende des ersten punischen Krieges 
bis zum Ausgang des Bundesgenossenkriegs (240—88). 

22. Der Hellenismns in der römischen litteratnr. An mannig- 
fachen Beziehungen zwischen Rom und Griechenland hat es seit den ältesten 
Zeiten nicht gefehlt. Das Alphabet erhielten die Römer von den Griechen; 
griechische ReligionsvorsteUungen drangen nach Rom; ein interessanter 
Beleg hiefQr sind die in griechischer Sprache abgefassten sibyllinischen 
Orakel, welche in schwierigen Lagen befragt wurden. Auch in dem Rechts- 
leben der Römer lassen sich griechische Elemente erkennen. Femer be- 
standen ausgedehnte Handelsbeziehungen zwischen Rom und Griechen- 
land, welche die Kenntnis der griechischen Sprache von Seiten der Römer 
zur Notwendigkeit machten. So war denn der römische Boden für die 
griechische Litteratur sehr empfänglich gemacht. Diese musste sich 
in vollen Strömen nach Rom ergiessen, als die politischen Verhältnisse 
die Römer und Griechen in noch engere und häufigere Beziehungen zu- 
einander setzten. Dies geschah durch den Krieg mit Tarent (282—272), 
der die unteritalischen Griechen, dann durch den ersten punischen £[rieg 
(264 — 241), der die sicilischen Griechen den Römern näher rückte. Durch 
diese Kriege kam eine Masse Hellenen nach Rom, welche ihre heimische 
Litteratur mitbrachten. Diese Litteratur aber hatte bereits alle Stufen 
der Entwicklung durchgemacht; sie lag da als ein vollendetes Ganze von un- 
vergänglicher Schönheit, die römische Litteratur dagegen befand sich noch 
in den allerersten Anfängen. Von einem Kampf der römischen Litteratur 
mit der griechischen konnte sonach keine Rede sein; da das Schwache 
dem Starken zu weichen hat, war der nationalen Litteratur die weitere 
organische Entwicklung versagt. Es tritt jetzt die üeberfQhrung der grie- 
chischen Litteratur nach Rom ein. Durch üebersetzungen griechischer 
Schriftwerke suchte man zunächst die Bedürfhisse der gebildeten Gesell- 
schaft, besonders der Schule zu befriedigen. Man verfuhr hiebei sehr 
willkürlich; je nach Laune, je nach Zufall griff man bald zu diesem, bald 



L. Unna Androniena. (g 23.) 55 

zu jenem Werk. Damit ist der fragment&riscbe Charakter der römischen 
Litteratur ßtr alle Zeiten festgestellt. Diese Litteraturßbertragung be- 
gann gegen Ende des ersten panischen Krieges; von dieser Zeit an datiert 
die römische Kun&tlitteratur. 

Litteratur. S. Lo-Cascio, L'inflneiiza ellenica nell' origine delU poesia latins 
(Rivieta di filol. 20 (1892) p. 41); Ä. HilUcher, Honunnm litterstoram GrEieconiin Mit« 
Tiberii roortem in arbe Roma cominoratonini bistoria criüea (Fleckeie. Jahrb. Supplemeatbil. 
18 (1892) p. 353); H. Diele, Elementum, Leipz. 1899, p. VII. Haache treffende Bemer- 
ktmgen gibt ancb W. Kroll, Unsere ScbAtcnng der rOm. Dichtnog (Nene Jabrb. fOr das 
kIaB8. Ältertnm II (1908) p. 1). 

a) Die Poesie. 
1. L. Livius Andronicus. 

23. Die lateinische Odyssee. Ein zufälliges Ereignis sollte eine grosse 
Wendung im römischen Geistesleben herbeifnhren. Durch den tarentinischen 
Krieg kam der Grieche Andronicus (272) mit anderen Gefangenen nach 
Rom; er muss damals sehr jung gewesen sein, da wir ihn noch 207 tätig 
finden. Sein Herr wurde ein Livius Salinator, dessen Kinder er später 
unterrichtete. Freigelassen föbrte er den Kamen L. Livius Andronicus. 
Er blieb Schulmeister, sein Unterricht erstreckte sich auf beide Sprachen. 
Doch stand das Griechische im Vordergrund des Unterrichts. Im Griechi- 
schen waren Autoren, die als Schullektüre verwendet werden konnten, in 
hinreichender Menge zur Verfügung; allein da eine römische Litteratur 
noch nicht vorhanden war, fehlte es an Lehrmitteln ftir daa Lateinische. 
Livius Andronicus musste sich erst ein solches Lehrmittel verschaffen. Er 
übersetzte die Odyssee ins Lateinische und gewann damit den Vorteil, 
daes er den Unterricht im Griechischen und Lateinischen an demselben 
Schriftwerk betätigen konnte. Wir finden noch zur Zeit des Horaz diese 
üebersetzung als Schulbuch, mit dem Orbilius seine Schüler qufilte. Als 
Versmass wählte Livius den nationalen Saturnier. Seine Üebersetzung be- 
gann mit den Worten 

riniffl mik4, Camina, (nttei v^rtätutn. 
Schon aus diesem Verse erkennt man, dass der Ton dieser Üebersetzung 
ein ganz anderer war als der des Originals. Sie muss einen steifen, mit- 
unter komischen Eindruck gemacht haben. Schon die konsequente Wieder- 
gabe der griechischen Qötternamen durch römische (wie z. B. Morta statt 
Mot^a fr. 12 B.) mutet uns eigentümlich an. Die Feinheiten des Originals 
wiederzugeben, war der Uebersetzer oft nicht imstande, wie es ihm denn 
überhaupt auf Treue in der Uebertragung nicht ankam. Die spätere Zeit 
konnte kein Gefallen mehr an diesem Werke finden; Cicero vergleicht es 
mit den rohen Versuchen des Dädalus auf dem Gebiete der Kunst. 

Allgemeine Litteratnr Dber Liviua AndronicDS. A. L. Dsllen, De vita 
Livü Andronici, Dorpat 1888; 0. Günther, Za Livius An droniciia: 1. Einige Bemerk nagen 
sa dem Leben des Liv. Andr.; 2. KriL Beitr. m den Schriften dee Üt. Andr. (Zeitacbr. für 
daa GymnasiBlw. 14 (1660) p. 809); H. de la Ville de Hirmont, Etüde* sur l'incienne 
pönale latine, Paris 1903, p, 5 — 201 (hier sind Eoaiimniengefasat und nmgearbeltet iwei Aaf- 
aStee des Verfassers: La vie et l'oeuvre de LiTJua Andronicus, I: La vie (Revne dee uni- 
veraitös da midi 1896 p. 26); II: L'oeuvre, ebenda 18B7 p. 301). — H. Duentter. L. Livü 
Andronici fragmenta collect« et inlnsb'ata; accedunt Eamericoram carminom a vetcribue 
poetis labbis veraibna expreBaonuu reliqniae, partiunenla 1, Diss. Berl. 1636. 



r 



56 L. Liviiu Androniciui. (§ 23.) 

Der Name und die Heimat des Dichtere, a) Der Dichttf wird am hftiifigsten 
angefOlirt nnter dem Namen LiiH%is; auch lAviua Andronicus wird er ciüert, z. B. GeUins 
18, 9, 5, Priadan. Gramm, lat 2 p. 208, 20, p. 301, 20, Marina Yictorinos Gramm, lat 6 
p. 67, 31. Das Praenomen L. erscheint: Gellins 6, 7, 11 L. IAviu9 in Odys^ia, 17, 21, 42 
primus omnium L. lAvius; Festns p. 297 0. M. L, Liviüw (wo natfirlich lAviu» nt lesen 
ist); Cassiodor. z. J. 239 v.Chr. a L, Livio. Das Praenomen T, lesen wir bei Nonins p. 368, 
29 M. (1 p. 599 L. M.) TUu8 lAvius; p. 207, 32 (1 p. 308 L. M.) TUus Umus; Hieronym. 
z. J. 1830 = 187 y. Chr. (2 p. 125 Seh.) Titua Livius. Das Praenomen Titus bemht offenbar 
auf einer Yerwechslnng mit dem Historiker; vgl. L. Mttller, Ausg. des Nonius 1 p. 308. 
Es bleibt also das Praenomen L., das gut bezeugt ist Der Dichter hiess also nach seiner 
Freilassung mit vollem Namen L. Livius Andronicus. ß) Dass die Heimat des Dichters 
Tarent war, kann nur daraus gefolgert werden, dass er nach Cic. Brut. 18, 72 (vgL § 24) von 
Tarent aus als Kriegsgefangener nach Rom kam. Allein diese Schlussfolgerung ist nicht 
völlig sicher; vgl. auch F. Leo, Plautin. Forsch., BerL 1895, p. 71 Anm. 1. 

Die Lehrtätigkeit des Livius und sein Patron. «) Hieronym. z. J. 1830 = 
187 V. Chr. (2 p. 125 Seh.) TUus Livius tragoediarum seriptor elarus habetur, qui ob ingenii 
merUum a Livio Salinatare, cuius liberos erudiebai, libertats donatus est. fi) Soeton. de 
grammaticis et rhetoribus 1 initium grammatieae mediocre extitit, si quidem antiquissimi 
doctorum, qui idem et poetae et semigrcteci erant — Livium et Ennium dieo, quos utraque 
lingua dami forisque doeuisse adnotatum est — nihil amplius quam Oraecos interpretabantur, 
aut si quid ipsi Laiine eomposuissent praelegebani. Aus der Hieronjmusstelle ersehen wir, 
dass der Patron des Livius ein Livius Salinator war. Man wollte in diesem Livius Saiinator 
den Sieger von Sena M. Livius Salinator erkennen, z. B.Th. Mommsen, Rom. Gesch. 1* p. 881. 
Dass der Freigelassene Andronicus den Vornamen L. statt M. ftthrte, würde die Identifi* 
zierung nicht unmöglich machen; vgl. Th. Mommsen, Rom. Staatsrecht 3 p.427 und Anm. 1; 
E. Hübner, Rom. Epigraphik (in Iwan Müllers Handbuch 1' p. 679). Allein da M. Livius 
Salinator das Konsulat zum erstenmal im Jahre 219 bekleidete, konnte Andronicus, wenn er, 
wie wir zeigen werden, im Jahre 272 nach Rom kam, unmöglich in diesem Jahre zum 
Herrn den genannten M. Livius Salinator erhalten haben. Nicht unmöglich wäre es aber, 
dass der Vater des M. Livius Salinator der Herr des Andronicus geworoen wftre und dass 
Andronicus den Sieger von Sena zum Zögling gehabt hfttte. Es würde sich daraus gut er- 
klftren, warum livius mit der Abfassung des Jungfrauenlieds im Jahre 207, in dem M. Li- 
vius Salinator zum zweitenmal Konsul wurde, betraut wurde. Freilich würde dem Vater 
des Siegers von Sena der Name Salinator missbrftnchlich beigelegt worden sein; denn den 
Beinamen Salinator erhielt erst der Sieger von Sena und zwar erst als Censor des Jahres 
204 (vgL Liv. 29, 37, 4). Ueber die Hieronjmusstelle handelt skeptisch de Mirmont p. 40, 
der aber den Grund für den späten Ansatz des Hieronjmus nicht erkannt hat. Ueber die 
vorgetragene Vermutung bezüglich des Patrons vgl. denselben p. 53. Auch bezüglich der 
Suetonstelle gibt sich Mirmont (p. 54) einer unberechtigten Skepsis hin; wenn er das 
Zeugnis Suetons für unglaubwürdig erachtet, weil nach Plutarch quaest 59 Spurius Carbilins 
die erste Schule in Rom eröfhet habe (vgl. oben p. 52), so geht aus der Suetonstelle nicht 
hervor, dass Livius eine förmliche Schule hatte, sondern nur, dass er im Hause und ausser- 
halb Unterricht erteilte. Auch ist nicht anzunehmen, dass Spurius Carbilius' Unterricht und 
der des Livius sich auf gleicher Linie bewegten. An der Ueberlieferung, dass Livius Sklave 
war, rüttelt S. K. Sakellaropnlos, Uegl Aißiov ^JvdQoyUov, Athen 1902. Er behauptet 
(vgl. p. 12), dass Livius als freier Tarentiner nach Rom kam und auf Betreiben eines Li- 
vius das Bürgerrecht erhielt. Da aber die Fremden, welche das Bürgerrecht erhielten, den 
oder die Namen ihres Gönners, auf dessen Betreiben sie Bürger wurden, ebenso annahmen, 
wie die Freigelassenen den oder die Namen ihres Freilassers, hfttte man irrig Livius für 
einen freigelassenen Sklaven gehalten, und da er als Tarentiner bekannt war, seine Sklaverei 
aus einer Gefangennahme bei einer Eroberung Tarents erklärt. Tatsächlich sei also die Zeit, 
wann Livius nach Rom kam, ebenso unbekannt als der Grund, warum er kam. Auch Th. 
Zielinski (Quaest comicae, Petersb. 1887, p. 102, p. 116) statuierte bereits vor Sakellaro- 
pnlos, dass Andronicus als freier Mann von Tarent nach Rom berufen wurde und zwar 
im Jahre 251, um bei der Ausrichtung der Indi Tarentini behilflich zu sein. Es ist richtig, 
dass Andronicus seine römischen Namen sich zulegen konnte, wenn er als freier Mann mit 
dem Bürgerrecht beschenkt wurde; vgL Th. Mommsen, Rom. Staatsrecht 3 p. 64 Anm. 1. 
Allein da der Sklavenstand des Livius uns durch zwei Zeugnisse bestätigt wird und der- 
selbe nicht unvereinbar ist mit den sonstigen Angaben über das Leben des Livius, dürfte 
es doch geraten sein, die Ueberlieferung nicht vorschnell preiszugeben. 

Zur lateinischen Odyssee, a) Gellius 18, 9, 5 ego arbitror et a M, Catone '»m- 
secenda' et a Q, Ennio 'insee^ scriptum sine u liitera. Offendi enim tV biblictheea Patrensi 
librum verae vetustatis Livii Androniei, qui inscriptus est 'Odt'Vcrem, tfi quo erat versus pri- 
mus cum hoc verho sine u littera: Virum mihi, Camena, inseee versutum, ß) Der Titel 



L. Lirins Andronioas. (§ 24.) 57 

der Uebersetzong scheint, nach den häufigen Gitaten zu Bchliessen, Odissia gewesen zu 
sein. Ganz haltlos ist die Vermutung L. Müllers (Der satumische Vers, Leipz. 1885, p. 168), 
dass der Titel Ulizis Carmen gewesen sei, da auf solchen kein einziges Citat fOhrt. 
y) Es fragt sich, ob die Uebersetzung, wie das Original, in Bdcher eingeteilt war; ein 
sicheres Citat ist Priscian. Gramm, lat. 2 p. 821, 7: Liviua Andronieus in I Odissicie; denn 
Fragm. 43 B. wird zwar von Priscian (Gramm, lat. 2 p. 151, 19) ein Citat eingeführt mit: 
Livius in VI {VII in wenigen Handschriften); allein in diesen Bttchem des Originals kann 
die übersetzte Stelle nicht nachgewiesen werden; vgl. deMirmont p. 125. £. Baehrens 
setzt daher das Fragment als ein zweifelhaftes an. An einer anderen Stelle wird eine Buch- 
zahl durch Konjektur gewonnen: Priscian. Gramm, lat. 2 p. 231, 11 wird, nachdem eine Stelle 
aus der lateinischen Odyssee ausgehoben ist, fortgefahren: idem äfibi: Puerarum manibua 
eonfeetum pulcherrime. J. Tolkiehn (Wochenschr. für klass. Philol. 1900 Sp. 558) schreibt 
für alibi, da eine solche Citierweise Priscian fremd sei, in libro VII und identifiziert die 
Uebersetzung mit Od. 7, 96 f. Allein die Identifizierung ist doch fraglich. Da das Citat 
sich nur auf das erste Buch beschrftnkt, liegt die Vermutung nahe, dass die Buchzahl 
von Priscian hinzugefügt wurde. Die zahlreichen Citate ohne Buchzahl scheinen darauf 
zu deuten, dass die Odyssee des Livius nicht nach Büchern gegliedert war. d) Ueber das 
Verhältnis der Uebersetzung zum Original handeln F. Leo, Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 80; 
de Mirmont p. 95 (vgl. auch dessen zusammenfassendes Urteil p. 134); J. Tolkiehn, 
Homer und die rOm. Poesie, Leipz. 1900, p. 82 (vgl. dazu dessen Abb.: De Livii Andronici 
Odvssia et de Cn. Matii Iliade latina in der Festschr. für 0. Schade, Königsberg i. Pr. 1896, 
p. 289); vgl. noch F. Kunz, Die älteste rüm. Epik in ihrem Verhältnis zu Homer, Ptogr. 
Unter-Meidling bei Wien 1890. e) Horat. epist. 2, 1, 69 non equidem inseetor delendave ear- 
mina Li vi \ esse reor, memini qwu plagosum mihi parva \ Orhilium dietare. Die Odyssee 
des Livius als Schulbuch entfernt B. Bentley, indem er Laevi statt lAvi schreibt. Auch 
B. Kruczkiewicz (Eos 9 (1908) p. 153) erkennt die Odyssee als Schulbuch nicht an, will 
aber durch Erklärung helfen, indem er dictare als 'einprägen' fasst und den Relativsatz 
auf das ganze Kolon delendave earmina Livi esse beziehen wül. Diese Interpretation erachte 
ich für unmöglich; vgl. auch 0. Weissenfeis, Wochenschr. für klass. PhUol. 1904 Sp. 628. 
() Cic. Brutus 18, 71 et Odyssia Latina est sie tamquam opus aliquod Daedali et Livianae 
fabulae non satis dignae, quae iterum Ugantur, rj) Fr. 26 B. ist von Priscian. Gramm, lat. 2 
p. 96, 7 als Hexameter gegeben: Inferus an superus tibi fert deus funera, Ulixes? vgl. 
auch Fr. 86. Mit Rücksicht darauf scheint 0. Ribbeck (Gesch. der röm. Dichtung 1* p. 16) 
die Meinung zu äussern: «Uebrigens scheint es, dass man zu irgend welcher Zeit den Ver- 
such gemacht hat, die ungefügen Satumier wenigstens in fliessendere Hexameter umzu- 
setzen und so geniessbarer zu machen.' Für die Beseitigung der Hexameter H. Düntzer, 
Philol. 48 (1889) p. 755. 

Die Fragmente sind gesammelt bei L. Havet, De satumio Latinorum versu, Paris 
1880, p. 425; L. Müller, Der satum. Vers, Leipz. 1885, p. 124, bei E. Baehrens, Fragm. 
poet Rom. p. 87, bei C. Zander, Vers. Ital. antiqu., Lund 1890, p. 83 und bei anderen. 

24. Das griechische Drama in Rom. Dramatische Elemente waren 
in Rom vorhanden, sie versprachen auch eine erfreuliche Blüte ; allein ihre 
Entwicklung wurde gestört durch ein Ereignis des Jahres 240. In diesem 
Jahre wurde an den ludi Romani von Andronieus eine griechische Tragödie 
und Komödie in lateinischer Bearbeitung auf die Bühne gebracht. Schon 
in formeUer Beziehung war dies eine ganz bedeutende Tat Das alte 
saturnische Mass, dies war klar, konnte hier nicht zur Anwendung ge- 
langen; auch war eine grössere Mannigfaltigkeit von Massen geboten. 
Andronieus stand also vor dem Problem, wie die griechischen Metra auf 
die römische Sprache zu übertragen seien. Dies erforderte vor allem ge- 
naueres Eingehen auf die Quantität der Silben. Aber auch für das 
metrische Schema mussten bestimmte Normen aufgestellt werden; diese 
Normen sind grundlegend für die römische Verskunst geworden.^) Bezüg- 
lich der Aufführung seiner Stücke erhalten wir einen merkwürdigen Be- 
richt von Livius. Andronieus habe selbst die Hauptrolle übernommen; 



^) Vgl. F. Leo, Der satumische Vers (Abb. der OOtt Ges. der Wissenscb. FhiloL-hiBt. 
Kl. N. F. Bd. 8 Nr. 5, Berl. 1905, p. 5). 



58 L.IdTiiiJi Androadeiis. (124.) 

da er die Gesänge (Monodien) infolge des Dacaponifens öfters habe wieder- 
holen müssen, hätte seine Stimme versagt; am sich zn schonen, habe er 
die Erlaubnis erbeten and erhalten, darch einen Knaben die Arie singen 
za lassen, während er nor die entsprechenden Gesten daza machte. Wir 
haben Grund, diese Erzählung anzuzweifeln; der ganze Bericht des Livius 
trägt einen unverkennbar ätiologischen Charakter an sich; die Erzählung 
wird daher nur ein Versuch sein, die Tatsache, dass später die Schau- 
spieler die Monodien öfters nicht mehr selbst sangen, aus dem Ursprung 
des römischen Dramas heraus zu erklären. Von den Dramen, die An- 
dronicus übersetzte, sind nur wenige Fragmente erhalten ; von den Komö- 
dien haben wir nicht viel mehr als einige Titel. Im Gladiolus erschien 
zuerst die Figur eines aufschneiderischen Soldaten.^) Die von Andronicus 
bearbeiteten Tragödien sind, soweit wir sie kennen, folgende: Achilles, 
Aiax mastigophorus, Equos Troianus, Aegisthus, Hermiona, Andromeda, 
Danae (welches Stück L. Müller p. 6 dem Naevius zuteilt), Ino, Tereus. 
Auch über diese Stücke fällte die spätere gebildete Zeit ein hartes urteil ; 
Cicero (Brut. 18, 71) meint, sie verdienten nicht wieder gelesen zu werden. 
Allein trotzdem haben diese Versuche eine grosse und nicht bloss formale 
Bedeutung: sie haben der römischen Welt ein hochbedeutsames Stück der 
griechischen Litteratur zugänglich gemacht. 

Die Zeifc der ersten Aafffihrnng eines griechischen Dramas in Rom. Es 
standen sich zwei Ansichten gegenüber, die Varros and die des Dichters Accins. a)Die var- 
ronische Ansicht wird ans Cic. Brat. 18, 72 mitgeteilt: Livius primus fahulam C. Claudio 
Caeci filio H M. Tuditano cansulibus docuU anno ipso ante, quam natus est Ennius, post 
Bomam eonditam autetn quartodedmo et quingentesimo (= 240 y. Chr.), ut hie (Atticus) ait, 
quem nos sequimur. Cicero folgt in dem Ansatz dem liber annalis des Atticos, der knrz 
vorher erschienen war (vgL § 116). Dass aber die chronologische Fixierung aaf Yarro zorftck- 
geht, erhellt aas Gellios 17, 21, 42: eonsulibus Claudio Centhone, Äppii Caeei ßio, et M, 
Sempronio Tuditano, primus omnium L. Livius poeta fabulas doeere Bomae coepit .... 
Claudium et Tuditanum consules seeuntur Q. VaUrius et C. Mamüius (BeginensiB 1646: 
Manlius), quibus natum esse Q, Ennium poetam M. Varro in primo de poetis libro scripsit. 
Für den Yarronischen Ansatz tritt Cicero anch an anderen Stellen ein; so nennt er 'fasc. 
1, 1, 3 unser Konsalnpaar fttr die erste AoffÜhrang des Liyias; auch Cato maior 14, 50 wird 
das Datum festgehalten: vidi (sagt der alte Cato, geboren 234 v. Chr.) etiam senem Livium; 
qui, cum sex annis ante quam ego natus sum fahulam doeuisset Centone Tuditanoque con- 
sulihus, usque ad aduleseentiam meam processit aetate. Diesem durch Cicero bezeugten 
Datum gegenflber kann der Ansatz in Caasiodors Chronik (p. 128 Mommsen) aufs Jahr 289: 
C. Manlius et Q. Valerius: ludis Romanis primum tragoedia et comoedia a L, lAvio ad 
scaenam data nicht in Betracht kommen. Dagegen eifahren wir aus dem Berichte des 
Cassiodor zwei neae Tatsachen: 1. dass die dnunatische Aufitthrang des Livius Andronicus 
an den ludi Romani statt hatte und 2. dass sie sowohl eine Komödie als eine Tragödie 
umfasste. f) Die accianische Ansicht wird von Cicero (Brut. 18, 72) also dargelegt: 
Aecius a Q. Maximo quintum consule (209 v. Chr.) eaptum Tarento scripsit Livium annis 
XXX post, quam eum fabulam docuisse et Atticus seribit et nos in antiquis eommentariis 
invenimus: doeuisse autem fabulam annis post XI C. Cornelia Q. Minueio eonsulibus (197 
V. Chr.) ludis Juventatis, quos Salinator Senensi proelio voverat. Diese Ansicht des Aecius 
fand Anklang. Die bekannten Verse des Porcius Licinus (vgl. unten p. 60), welche den 
Anfang der römischen Kunstlitteratur in den zweiten panischen Krieg setzen, gehen allem 
Anschein nach von der Ansicht aus, dass Livius Andronicus 209, also im zweiten punischen 
Kriege, nach Rom kam; vgl. F. Leo, Plautin. Forsch, p. 58. Wenn Hieronvmus die Blftte 
des Livias ins Jahr 187 setzt, so ist auch diese Angabe vom Standpunkt der accianischen 
Chronologie aus verständlich; v^ C. F. Hermann, Disputatio de scriptoribus illuAr., quorum 
tempora Hieronvmus ad Eusebii chronica annotavit» Frogr. Göttingen 1848, p. 3. Auch Horaz 
(epist 2, 1, 162; et post Punica bella quietus quaerere coepit \ quid Sophocles et Thespis et 

>) Terenz (Eun.426) legt seinem Thraso ' vgl. 0. R bbeck, Gesch. der r«m. Dicht 1* 
einen Witz ans dem Stück in den Mund; Anm. zu S. 18. 



L. LiTina Audronioiu. (g 25.) 59 

Aeachylus utile ftrrent (vgl. p. B3) steht »of dem 8t»ndpiinkt des Accins; vgl. 6. L. Uen- 
dridcBon, A pre-Turonian cbapter of BemBn literarv hiatory (American Journal of philol. 
19 (1898) p.295). Die Ansicht des Accine wurde von Cicero verworfen: in quo tatdut error 
Aecil fuU, Mi hU eoHsulUna XL anno* natu» Enniua fuerü: eui ti aequalia fuerit Uvitu, 
minor fuit aliquanto u, gui primu» fabtäatn dtdit, quam ii, qui mtdta» doeuerattt ante hol 
eonaule», et Platäua rt Naeviu». Daea diese WiderlegODg auch «uf Vam) Eurflckgefat, ist 
zweifellos. Der Weg der Forschong war klar vorgeEeichnet; aus amtlichen Quellen musste 
das Jahr festgestellt werden, in welchem Livins Andrcnicns Eoin erstenmal mit einem Dher- 
eetzten griechischen Dnuna anflrat. Dasa dies Varro getan, scheint aus dem in eommen- 
tariis herroizngehen. Ans der Bekampfong der accianischen Chronologie erfahren wir, dasa 
Andronicns hei einer Eroberung Tarants nach Rom kam. Welche der beiden ßroberungen 
dies war, wusste man offenbar nicht «eher. Steht aber das Jahr 240 fOr die erste drama- 
tische Auffnhnuig des Livins Andronicns fest, so mnss der Dichter bei der ersten Erobemng 
Tsrente im Jahre 272 als Kriegsgefangener nach Rom gelangt sein. Fand aber die erste 
dramatische Anfftlhrung im Jahre 197 statt, so ergibt sich mit Notwendigkeit, dass Andronicos 
bei der zweiten Elroberung durch Q. Fabius im Jahre 209 nach Born gebracht wurde, Accins' 
Irrtum wird dadnrch entstanden sein, dass er wnnaTim , der als Patron des Dichters an- 
gegebene Livins Salinator sei der berflhmte Sieger von Seua M. Livins Salinator. FOr die 
erat« dramatische AnffDhrong des Livios Audronicus glaubte er die passende Gelegenheit 
in den Indi Jnventstis, die H. Livins Salinator in der Schlacht von Sena gelobt hatU, 
gefanden zu haben [vgl. auch Leo p. 57). Die AoBrichtang dieser Spiele setzt er ins Jahr 
197, wahrend Livins (36, 36, 5) sie ms Jahr 191 setzt 

LiviuB Andronicns als Darsteller seiner Stücke. Liv. 7, 2, 8 Xin'us pott 
aliquot anitia, qui ab laturi» autui est primu» argumenta fabuiam »ertr», idem icilicet, id 
quod omni» tum eraiU, »uorum carmiuum actor, dicitur, evm saepiu» revoeatuf, vocetn ob- 
tudiMt et, venia petita putrum ad cantndvm ante tibicinem cum ttatttitiet, eantieum egitte 
aliquanto magi* vigente motit, quia nihil vocia unta impediebal. indt ad manum cantari 
hietrionibu* coeptum dicerbiaque tantum ipsorum eoei rtlicta. Ueber den Stiologischen Cha- 
rakter des livianischen Berichts vgl. F, Leo, Varro und die Satire (Hermes 24 (1880) p. 77); 
vgl. auch oben p. 21, Ein Beispiel von Trennung des Gesangs und der Aktion aus der 
modernen Zeit teilt 0. Ribbeck (Die rOm. Trag&die p. 6M Anm. 4) mit. Olossse Salomonis: 
tragoedia» eomoediatqtie primu» egit idtmque etiam compoiuit lAviut Andronieus, duplici 
toga involtttua; vgl. darüber H. üsener, Bhein. Hus. 28 (1873) p. 419. Toga duplex ist das 
Schleppgewand, das EOnige und Heroen trugen; vgl. Usener, Rhein. Mus. 28 (1868) p. 676; 
Ribbeck 1. c. p. 23. 

Die einielnen Tragödien des Livins Andronicns sind auf Grand der Frag- 
mente analysiert von 0. Ribbeck, Die rOm. 'nÄgSdie im Zeitalter der Republik, Leipi. 1875, 
p.25; H. de la Ville de Hirmont, ätudes sur l'ancienne po«sie Ist, Fans 1908, p. 143. 
Ueber das Vorbild des Equos Troianus vgl. R. Lallier, Mälatiges Graux, ParU 1884, p. 103; 
J. Tolkiehn, Fleckeis. Jahrb. 155 (1897) p, 861. Deber das Original der Uermiona vgl. 
Tolkiehn p, 862. Zn Ino vgl. S. Sehenkl, Wien. Stud. 16 (1894) p. 159. 

Die einzelnen SomSdien des Livins Andronicns sind auf Grund der Frag- 
mente analysiert von de Mirmont p. 188. 

Aoag. der Fragmente der Tragödien bei 0, Ribbeck, Tragicoium Roman orum 
fragments, Leipi.' 1897, p. 1; der EomOdieu bei Ribbeck, Comicomm Homanomm &ag- 
menta, Leipc* 1696. p. 3. — Livi Andronici et Co. Naevi fabularnm reliqniae emend. et 
»dnot. L. Müller, Beri. 1885. Deber die Ueberlieferung der Dramen vgl. F.Leo, Plaut 
Forsch, p. 80 Anm. 1. 

35. Doa Farthenion und die römische Dichterzunft. Im Jahre 207 
stellten sich sehr traurige Vorzeichen ein; da beschloasen die Pontifices, 
dass dreimal neun Jungfrauen durch die Stadt ziehen und ein Lied singen 
sollten. Das Lied wurde von Andronicns verfasst. Als die Jungfrauen im 
Tempel des Juppiter Stator es einUbten, schlug der Blitz in den Tempel 
der Juno Regina auf dem Aventin ein. Dieses Prodigium deuteten die 
Haruspices auf die Matronen und verlangten für die Göttin eine Sühne. 
Zo einem Geschenk, das der Juno dargebracht wurde, kam noch die mit 
ganz besonderer Feierlichkeit ausgestattete Prozession, die uns Livins be- 
schrieben hat. Bei derselben wurde das von Andronicus gedichtete Lied 
von den 27 Jungfrauen gesungen. Auch Tanzbewegungen waren mit dem 
Gesang verbunden. Der Historiker ßült über das Lied kein günstiges Ur- 



r 



60 !«• LiviuB AndroniouB. (§ 25 a.) 

teil; fQr die damalige Zeit, die noch keine Kultur entwickelt hatte, sei 
es vielleicht annehmbar gewesen, jetzt müsse es dem Leser abstossend 
und holperig erscheinen. An dieses Lied knüpft sich ein für die Litteratur 
nicht unwichtiges Ereignis. Zur Belohnung des Dichters wurde den Dich- 
tem und Schauspielern (scribis histrionibusque) der Tempel der Minerva 
auf dem Aventin angewiesen, in dem sie zu gemeinsamem Gottesdienst 
und zur gemeinsamen Beratung .zusammentreten'' (consistere) konnten. 
Damit hatte der Stand der Dichter offizielle Anerkennung gefunden. 

Zeugnisse Aber das Parthenion. Liy. 27, 87, 7 deerevere pontifices (zur Ab- 
wehr YOD FVodigien), ut virgines ter novenae per urbem euntes earmen caneretU, id cum 
in lovia Statoria aede discerent canditum ab Livio poeta Carmen, tacta de caeh aedis in 
Aventino Jun4mis Reginae. Ueber die Prozessioii sagt Livins yon den Jungfrauen: tum 
Septem et viginti virgines, longam indutae vestem, earmen in Junonem reginam caneniea 
ibant, iUa tempesUUe foreitan laudabile rudibue ingeniiSf nunc abhorrens et tncandUum, ei 
referatur und weiterhin: in foro pompa eonstitit, et per manue reste data virgines sonum 
vocis ptdsu pedum modulantes incesserunt. — B. Eruczkiewicz, De Liviani carminis in 
Junonem reginam memoria (Eos yoI. 1 fasc. 2 (1894) p. 127). 

Das collegium scribarum histrionumque. Festus p. 838 O. M. cum Livius 
Ändronicus bello Punico secundo scripsisset earmen quod a virginibus est cantatum, quia 
prosperius resp. (res M. Hertz) populi Romani geri coepta est, publice adtributa est ei in 
Aventino aedis Minervae, in qua liceret scribis histrionibttsque consistere ac dona ponere, 
in honorem Livi, quia is et scribebat fahulas et agebat. Die Worte quia -- coepta est können 
auf das Vorhergehende und auch auf das Nachfolgende bezogen werden. Im ersten Fall 
erhalten wir neben dem Bittgesang ein zweites Carmen, ein Danklied. Allein you einem 
zweiten Carmen haben wir keine Kunde; livins spricht nur von dem Bittlied, und es ist 
nicht wahrscheinlich, dass er das Dank geh et unerwähnt gelassen hätte, wenn ein solches 
vorhanden war. Die Worte quia — coepta est sind daher auf das Nachfolgende zu be- 
ziehen; vgl. H. Diels, Sibyll. Blätter, Berl. 1890, p. 90 Anm. 3; de Mirmont p. 50 Anm. 2. 
Möglicherweise sind auch die beiden Sätze mit quia Interpolation. Dieses Kollegium hat 
noch in späterer Zeit bestanden; vgl. Valer. Max. 8, 7, 11: is (Accius) Julio Caesari, am- 
plissimo ac florentissimo viro, in conlegium poetarum venienti numquam adsurrexU. Ueber 
das Kollegium vgl. 0. Jahn, Ber. der sächs. Ges. der Wissensch. 1856 p. 294; £. Korne- 
mann, Paulv-Wissowas Realencycl. Bd. 4 Sp. 897; £. G. Sihler, American Journal of 
philol. 26 (1905) p. 1. Ueber den technischen Ausdruck consistere vgl. Th. Mommsen, 
Hermes 7 (1878) p. 809; H. C. Mau6, Phüol. 47 (1889) p. 494. 

26 a. Bflckblick. Fassen wir die Tätigkeit des Livius zusammen, 
so sehen wir, dass er in drei Gebieten sich versuchte: im epischen durch 
seine Odyssee, im dramatischen durch seine Tragödien und Komödien, end- 
lich im lyrischen durch seinen Jungfrauenchor. Zu allen drei Gkittungen 
wurde er durch praktische Bedürfnisse geführt: zur Odyssee durch den 
Mangel an lateinischen Lehrmitteln, zu den Dramen und dem Jungfrauen- 
chor durch das Streben, die öffentliche Feier durch das Festspiel und das 
Festgedicht zu erhöhen. Als Schulmeister und als Maitre de plaisir, um 
mit Mommsen zu reden, hat Livius die römische Eunstlitteratur begründet. 
Welche hohe Bedeutung Livius für das römische Geistesleben hatte, war 
den Gelehrten Roms nicht entgangen. Ihn hatte zweifellos der Dichter 
Porcius Licinus im Auge, als er sang: 

Poenico bello secundo Musa pinnato gradu 
IntulU se beüicosam in Romuli gentem feram, 

Ueber die Chronologie des Livius war, wie man sieht, Verwirrung 
eingetreten; dem Forschungseifer Varros verdanken wir es, dass wir die 
An&nge der römischen Eunstlitteratur richtig datieren können. 

Die Verse des Porcina Licinus sind Hberliefert von Gellins 17, 21, 45. Das Bichtige 
hat hier zuerst F. Leo (Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 58) gefunden. Ich hahe das leider flher- 
sehen, als ich im Rhein. Mus. 54 (1899) flher dieselbe Sache schrieb. Die Einwendungen, 



Cn. Naevins. (S25b.) 61 

die R. Büfctner, Porcios licinus über den Anfang der röm. Kunstdichtong (Rhein. Mas. 55 
(1900) p. 121) gegen unsere Auf stellangen erhebt, sind nicht beweiskräftig. 

In die Zeit des Livins fallen zwei anonyme Gedichte, von denen ons nur Fragmente 
erhalten sind: a) Carmen Priami. Das einzige Fragment, das uns erhalten ist, bietet 
einen regelrechten Satumier dar: Varro de lingua lat. 1, 28 in earmine Priami quod est: 
veteres Casmenaa eascam rem volo profari. Es folgen darauf die Worte et prtmum, die 
J. Scaliger Ändert in et Priamum, Mit Recht wiU aber F. Marx (Zeitschr. fllr österr. 
Gymn. 48 (1897) p. 221) dieselben Varro zuteilen. Veterea Casmenas erklärt Marx als «alte 
Lieder*. — £. Baehrens, Fragm. poet. Rom. p. 52; H. Jordan, Kritische Beitr. zur Gesch. 
der lat Sprache, Berl. 1879, p. 132. ß) Carmen Nelei. Charis. Gramm, lat. 1 p. 84, 6 ut 
in 0dy88ia vetere .... et in Nelei earmine aeque priaco {eaque priaco die Hss. ; aeque priseo 
H. Keil). 0. Malier (Ausg. des Festus p. 388) wies zuerst darauf hin, dass der Dichter 
denselben Stoff behandelte, welcher der Tragödie des Sophokles ,Tyro" zu Grunde lag. 
Die Fragmente sind uns von Charisius und Festus ftberliefert. Aller Wahrscheinlichkeit 
nach haben wir es mit einer Tragödie zu tun, die in der Tyro des Sophokles ihr Original 
hat. Auch jambische Senare, die in den Fragmenten erscheinen, deuten auf dramatische 
Gestaltung mn. Auch Mirmont (J^tudes sur l'ancienne po^sie latine p. 218) vertritt diese 
Ansicht; er bemerkt u. a.: „La ressemblance entre les Jagendes de Nölöe et de Romulus 
^tait un ^l^ment d*int^r6t sn^sant pour les Romains qui ne poss^daient pas encore la prae^ 
fexta ; ils se contentaient de la tragödie ä allusion .... dans Timagination des contem- 
porains de Liyius Andronicus, le Carmen Nelei devenait le Carmen Romuli.* — Die Frag- 
mente bei E. Baehrens, Fragm. poet. Rom. p. 53; 0. Ribbeck, Tragicorum Rom. fragm., 
Leipz.* 1897, p. 270. Eine Amdyse der Fragmente bei 0. Ribbeck, Die röm. Tragödie, Leipz. 
1875, p. 629; Mirmont p. 215. 

2. Cn. Naevius. 

25 b. Biographisches. Eine merkwürdige Erscheinung ist die zweite 
Persönlichkeit, die uns in der römischen Litteratur begegnet, Cn. Nae- 
vius. Er war ein Lateiner aus Campanien und machte als Soldat den 
ersten punischen Krieg mit. Nach Beendigung des Krieges gab er von 
235 an dramatische Aufführungen an den Festspielen. Als origineller und 
selbstbewusster Oeist benutzte er diese Aufführungen, um der römischen 
Aristokratie zu Leibe zu gehen. Besonders waren es die Meteller, die er 
scharf angriff, üeber die Fehde des Dichters mit den Metellern zirku- 
lierte ein kleines Schimpfduett, in dem man Naevius die Worte in den 
Mund legte, dass in Rom den Metellern das Schicksal zum Konsulat ver- 
helfe, der Gegenpartei aber die Worte lieh, dass die Met.eller es den 
Dichter Naevius büssen lassen werden. Die Drohung ist zur Wahrheit 
geworden. Allem Anscheine nach im Jahre 206, als Q. Caecilius Metellus 
Konsul und ein M. Caecilius Metellus, wahrscheinlich ein Bruder des ge- 
nannten Quintus, Prätor war, wurde Naevius von der Polizei eingekerkert. 
Auf die harte Behandlung, die der Dichter im Gefängnis erfuhr, spielt 
Plautus in dem damals aufgeführten Miles gloriosus an. Der Bericht- 
erstatter, dem wir die Kunde von diesem Vorfall verdanken, fügt noch 
bei, dass Naevius durch die Bemühungen der Yolkstribunen seine Frei- 
heit wieder erhielt, nachdem er in zwei Stücken, die er im Kerker ge- 
dichtet hatte, Hariolus und Leon, seine Angriffe gegen die römische 
Aristokratie wieder gut gemacht hatte. Die Nachricht klingt sehr un- 
wahrscheinlich; vermutlich liegt ihr eine falsche Schlussfolgerung zu Grund. 
Die römischen Gelehrten fanden in manchen Stücken heftige Angriffe 
gegen die römische vornehme Welt, in anderen, wie z. B. im Hariolus 
und Leon, auch lobende Aeusserungen über dieselbe. Naevius war eben 
keine schmähsüchtige Natur, sondern lobte, was zu loben, und tadelte, 



62 Cn^VaeviuB. (§25b.) 

was zu tadeln war. So hat er in Versen, in denen er aus dem Leben 
des älteren Scipio einen schlimmen Jugendstreich erzählte, zugleich auch 
auf den grossen Ruhm des von ihm angegriffenen Mannes hingewiesen; 
auch verherrlichte er dramatisch den Sieg des Marcellus bei Glastidium. 
Da die Befreiung des Naevius aus dem Kerker bekannt war, lag es nahe, 
nach einer Ursache derselben zu forschen; da stellten sich die lobenden 
Verse auf die Aristokratie Roms ein, um die Entlassung aus der Kerker- 
haft zu motivieren. Die Meteller waren, um auf sie zurückzukommen, 
mächtig genug, um zu erreichen, dass Naevius Rom verliess. Es mag 
dies im Jahre 204 gewesen sein. Wohin er sich zunächst wandte, wissen 
wir nicht; gestorben ist er im Jahre 201 in ütica. 

Allgemeine Litteratur Ober Naevius. Gn. Naevii vitam descripsit, carminam 
reliquias collegit £. Elussmann, Jena 1843; M. J. Berchem, De Cn. Naeyii poetae vita 
et scriptis, Münster 1861; D. de Moor, Cn. Nävios, essai snr les conunencements de la 
po^sie ä Rome, Diss. Lüttich 1877 (keine selbständige Forschung; vgl. A. Rei ff er scheid, 
ßursians Jahresber. 23 (1880) p. 268). 

Die Heimat des Dichters. Gellios (1,24,2) führt die Grabschrift des Naevins 
als ein von diesem selbst verfasstes Produkt auf und charakterisiert sie also: epigramma 
Naevi plenum superbiae Campanae, quod tefftimonium iuatum esse potuisset, nisi ab ipso 
dictum esset. Aus diesen Worten folgt mit Notwendigkeit, dass Gellius den Naevius für 
einen Campaner hielt. Manche Gelehrte, wie W. Y. Sellar (The Roman poets of the Repnblic, 
Oxford' 1889, p. 52), wollen superbia Campana hier als eine sprichwörtliche Redensart an- 
sehen; in der Tat wird die superbia und arrogantia der Campaner von den Schriftstellern 
hervorgehoben; vgl. Liv. 9, 6, 5 superbia ingenita Campanis; Cic. de leg. agraria 2, 33, 91 
illa Campana arrogantia. Allein die superbia Campana kann dem Naevius doch nur vor- 
geworfen werden, wenn er ein Campaner war; anderenfalls wäre die Erwähnung der superbia 
Campana geschmacklos. Mit Recht hebt Th. Mommsen (Rom. Gesch. 1® p. 899 Anm.*) her- 
vor: yWenn er nicht römischer Bürger, sondern etwa Bürger von Cales oder einer andern 
latinischen Stadt Campaniens war, so erklärt es sich leichter, dass ihn die römische Polizei 
so rücksichtslos behandelte.* 

Naevius' Teilnahme am ersten punischen Krieg. Gellius 17, 21, 45 eodemque 
anno (519 a. u. c. = 235 v. Chr.) Cn. Naevius poeta fabulas apud populum dedit, quem M. 
Varro in Hbro de poetis primo stipendia feeisse ait bello Poenieo primo, idque ipsum Nae- 
vium dicere in eo carmine, quod de eodem bello scripsit. Auch bei der Feststellung der 
Chronologie des Naevius hatte Varro das Ziel im Auge, dem falschen Ansatz, den Accius 
mit Livius Andronicus vorgenommen hatte (vgl. § 24), entgegenzutreten. Hiefür war wichtig 
die Erkenntnis, dass N. den ersten punischen Krieg mitgemacht hatte und dass er schon 
vor 235, also vor dem zweiten punischen Krieg, Stücke auf die Bühne brachte; vgl. F. Leo, 
Plautin. Forsch., Berl. 1895, p. 58; G. L. Hendrickson, A pre-Varronian chapter of Roman 
literary history (American Jomnal of philol. 19 (1898) p. 289). 

Streit des Naevius mit den Metellern. Cic. in Verrem actio 1, 10, 29 hoc Ver- 
rem dicere aiebant, te (seil. Q. Caecilius Metellus) non fato, ut ceteros ex vestra famUia, 
sed opera sua consulem factum. Dies erklärt Ps.-Ascon. (p. 140 Orelli): dictum facete et 
contumeliosi in Metellos antiquum Naevii est: Fato Met eil i Romae fiunt consules. 
Cui tunc Metellus eonsul iratus versu responderat senario hypereatalecto, qui et Satumius 
dicitur: Dabunt malum Metelli Naevio poetae. Ueber Q. Caecilius Metellus (cos. 206) 
vgl. F. Münz er, Pauly-Wissowas Realencycl. 3. Bd. Sp. 1206 Nr. 81. 

Die Einkerkerung des Naevius. Gellius 3, 3, 15 de Naevio quoque accepimus, 
fabulas eum in carcere duas scripsisse, Hariolum et Ltcontem, cum ob assiduam maiedicen- 
tiam et probra in principes civitatis de Graecorum poetarum more dicta in vincula Romae 
a triumviris coniectus esset, unde post a tribunis plebis exemptus est, cum in his, qucis 
supra dixi, fabulis delicta sua et petulantias dictorum, quibus multos ante laeserat, diluisset. 
Mit Recht zieht Leo (Plaut. Forsch, p. 67) diese Ueberlieferung, soweit sie sich auf den 
Grund der Befreiung bezieht, in Zweifel, indem er sagt: «Dass er in vinculis Komödien 
geschrieben habe, ist so unglaublich, wie dass entschuldigende Verse in diesen Komödien 
Anlass zu seiner Befreiung gegeben hätten. Das Wahre daran sind die Verse, die auf 
seine Haft anspielten und vermutlich entschuldigend oder versöhnlich klangen.* Auf diese 
Einkerkerung spielt Plautus (mil. glor. 211) mit den Worten an: Nam 6s columnatüm poetae 
esse indaudivi bdrbaro, \ quoi bini custödes semper tötis horis öccubant; vgl. auch Paulus- 
Festus p. 36, 2 0. M.: barbari dicebantur antiquitus omnes gentes exceptis Oraecis. unde 



Cn. VaeTiiw. (§ 36.) 63 

Platttus Naevium poetam Latinum bärbarum dixit. AoBÜEÜirlich handelt über die Vorgänge 
A. F. West, American Jonmal of philol. 8 (1887) p. 15, bes. p. 17. 

Verbannung und Tod des Naerius. Hieronym. z. J. 1816 = 201 v. Chr. (2 
p. 125 Scb.) Naevius eomicus ütieae tnoritur, pulsus Roma factione nobilium ae praecipue 
Metelli, Gic. Brut 15, 60 his eonsulibus (M. Cornelius Gethegus und P. Tuditanus im Janre 
204), ut in veteribus commentariis scriptum est, Naevius est mortuus: quämquam Varro 
noster diligentissimus investigator antiquitatis putat in hoc erratum vitamque Naevii pro- 
duck longius. Von den beiden Jahren 201 und 204 ist das erstere das richtige. Denn 
würde Naevius im Jahre 204 in Utica gestorben sein, so hätte er während des zweiten 
punischen Krieges in Feindesland gelebt. F. Leo (Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 60) vermutet 
ansprechend, dasa das frühe Todesjahr des Naevius daraus gefolgert wurde, ,dass in den 
commentarii der festgebenden Beamten zum Jahre 550 a. u. (204 v. Ghr.) die letzte Auf- 
führung eines naevianischen Stückes verzeichnet gewesen sei", und dass Varro diese falsche 
Schlussfolgerung erkannte. Auch ich bin der Meinung, dass das Jahr 204 deswegen fälsch- 
lich als Todesjahr genommen wurde, weil in den Gommentaren der Festgeber keine Stücke 
mehr von N. verzeichnet waren. Allein diese Tatsache lässt sich auch daraus erklären, 
dass Naevius im Jahre 204 aus Rom wegzog. Dass er sich gleich nach ütica begeben, 
folgt nicht aus der Stelle des Hieronymus, sondern nur, dass er sich in seinem Todesjahr 
dort befand. 

26. Komödien des Naevius. Wie Livius, so versuchte sich auch 
Naevius in mehreren Gattungen der Poesie. Er schrieb Komödien, Tra- 
gödien und ein Epos. In der dramatischen Produktion zog ihn aber die 
Komödie weit mehr an als die Tragödie; man kann dies daraus folgern, 
dass Komödientitel beträchtlich mehr überliefert sind als Tragödientitel. 
Etwa ein Drittel dieser Titel ist griechisch; die übrigen sind lateinisch. 
Unter den lateinischen erscheint öfters die adjektivische Bezeichnung auf 
-aria mit Ergänzung von fabula. Bei der üebertragung griechischer Stücke 
machte Naevius von einem Kunstmittel, der Gontaminatio, Gebrauch. 
Da die Stücke der neueren Komödie in ihrem Inhalt einander sehr ähn- 
lich waren, konnte der Uebersetzer nicht selten zwei Stücke zusammen- 
arbeiten, indem er passende Scenen von dem einen in das andere herüber- 
nahm. Deutet schon diese Erscheinung auf die Originalität des Dichters, 
so tritt diese noch leuchtender in den Anspielungen hervor, welche er auf 
die Gegenwart machte. Damit legt er die Rolle eines Dolmetschers fremder 
Gedanken ab und gibt von dem, was seine Seele bewegt, Kunde. Er ist 
ein freiheitsliebender Mann und nimmt für die Bühne das Recht der freien 
Meinungsäusserung, das ihm kein Mächtiger trüben dürfe, in Anspruch. 
Nicht ohne Bitterkeit fragt er, wie es komme, dass ein Gemeinwesen so 
rasch zu Grunde gerichtet sei ; der Dichter bringt einen Katalog der Staats- 
verderber, in demselben sind die neuen Redner, einfältige Bürschlein, auf- 
geführt. Selbst Jugendstreiche der vornehmen Herrn berührt er in seinen 
Komödien ; denn einer solchen werden die bekannten Verse angehört haben, 
in denen von dem schon damals berühmten Scipio Africanus erzählt wird, 
dass ihn in seiner Jugend sein Vater einst von einem Liebchen im Hemde 
heimgetrieben habe. Die Namen wird der Komiker meist unterdrückt und 
sich mit klaren Anspielungen begnügt haben; doch stossen wir in den 
Fragmenten auf den Maler Theodotus, der uns in komischer Weise, in 
seinem Atelier arbeitend, vorgeführt wird. Leider lassen die Fragmente 
der einzelnen Stücke keine Einsicht in den Bau derselben zu; nur in der 
Tarentilla gewahren wir einige deutlichere Züge. Zwei Väter sind zwei 
Jünglingen nachgeeilt, die in der Fremde ihr Gut vergeuden ; es wird dies 
bei der Tarentilla geschehen sein, die uns der Dichter als ein schelmisches 



64 Cn. Kaavius. ($ 26.) 

Mädchen malt, das fär jeden seiner Verehrer irgend etwas in Bereit- 
schaft hat. 

Die einzelnen Komödien des Naevins. Es sind uns folgende Tifcel aberliefert, 
meist auch mit Fragmenten: Acontizomenos, Agitatoria, Agrypnontes, Appella, Ariolus, Astio- 
loga, Carbonaria^ Glamidaria, Colax, Commotria, Corollaria, Dementes, Demetrios (vgl da- 
gegen W. H. Grauert, Philol. 2 (1847) p. 126), Dolos, Fignlns, Glancoma, Guminasticas, Lun- 
padio, Nagido, Naatae(?), Nervolaria, Paelex, Personata, Proiectos, Qaadrigemini, Stalagmns, 
Stigmatias, Tarentilla, Technicns, Testicnlaria, Tribacelas, Tripballas, Tanicnlaria; hiezu 
kommt nocb Leon (Gellins 3, 3, 15), vielleicht ist ihm anch eine Tabellaria zuzuschreiben; 
vgl. Ribbeck p. 825. Ueber Fretum vgl. L. Mflller p. 61; Ribbeck p. 84. Üeber eine 
Diobolaria und einen Philemporos vgl. L. Müller p. 61, p. 84. Ueber Ludus und satura 
▼gl. unten. Unter den Titeln sind die auf -aria bemerkenswert 0. Ribbeck (Gesch. der 
röm. Dicht. 1* p. 62) bemerkt im Anschluss an F. Ritsch 1, Parerga p. 140: »Naevius, wie 
es scheint, hat die adjektivischen Formen aufgebracht, welche Plautns so liebte, die Spä- 
teren aber aufgegeben haben'; vgl. dazu £. Wölfflin, Rhein. Mus. 48 (1888) j». 808. — 
Die Fragmente bei L. Müller, Livi Andronici et Cn. Naevi fabularum reliquiae, Serl. 1885, 
p. 13; 0. Ribbeck, Gomicorum Romanorum fragmenta, Leipz.* 1898, p. 6. 

Die Gontamination in den Komödien. Terent. Andria prolog. 18 qui quam 
hune aceusant (wegen der Gontamination), Naevium Plautum Ennium accusant, 

Verhöhnung des älteren Scipio. Gellius 7, 8, 5 SHpiotum istum, verone an 
falBO ineertum, fama tarnen, cum esset adüUseens, haud sincera fuisse et propetnodum con- 
stitissß, hosce versus a Cn, Naevio poeta in eum scriptos esse: Etidm qui res magnds manu 
saepe [per Ribbeck) g^sit gloriSse, \ cuius facta viva nunc vigent, qui apud g^ntes solus 
pradstatf \ eum suüs pater cum pdllio uno ah amica abduxit; vgl. auch Th. Mommsen, Rom. 
Gesch. 1* p. 893. Wir haben oben angenommen, dass seit 204 von Naevius keine Stücke 
mehr in Rom gegeben wurden. Aller Wahrscheinlichkeit nach standen nun diese Verse 
in einer Komödie. Wenn Mommsen (p. 899 Anm.*) meint, dass die Spottverae nicht vor 
der Schlacht bei Zama geschrieben sein können, so ist das nicht stichhaltig; denn im 
Jahre 204 war Scipio schon so berühmt, dass die lobenden Worte der Spottverse schon 
von ihm gesagt werden konnten. Ueber C^c. de or. 2, 61, 249 quid hoc Naevio ignavius? 
als vermutliche Entgegnung Scipios auf die Angriffe des Naevius vgl. G. Gurcio, De Gn. 
Naevio et Scipione maiore (Rivista di filol. 26 (1898) p. 608). 

Die Komödie Tarentilla. Gharis. Gramm, lat 1 p. 218, 1 (p. 24 R.) uhi isti duo 
adulescentis habent, | qui hie ante parta pdtria peregre prddiguntf Gharis. p. 127,6 (p.24 R.) 
s&lvi et fortundti sitis düo duum nostrüm patres f Die bertüunten Verse Über das Mädchen 
lauten nach Ribbeck p. 22: qudse in choro ludins datatim ddt se et commun^m facU, \ 
diu adnutat, dlii ctdnictat, dlium amat, alium tenet. | dlibi manus est öccupata, dlii per- 
ceUÜ pedem, \ dnulum dat dlii speetandum, d labris alium invocat, | cum dlio cantcU, dt 
tarnen alii suö dat digUo litteras; vgl. 0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. 1« p. 28; W. Y. 
Sellar, The Roman poets of the Republic, Oxford* 1889, p. 56. 

Andere aktuelle Aensserungen in den Komödien. Paulus-Festus p. 116 0. M. 
(fragm. 113 Ribbeck) libera lingua loquemur ludis Liberalibus. Gic. Gato m. 6, 20 cedo, qui 
vestram rem püblicam tantam dmisistis tdm cito? sie enim percontantur f ut est 
in Naevi poetae Ludo; respondentur et alia et hoc in primis: proviniebant {proventabant 
L. Havet, Archiv für lat. Lexikographie 12 (1902) p. 124) ordtores novi, stulti adules- 
cSntuli. Ueber diese Stelle vgl. F. G. Moore, American Journal of philol. 23 (1902) p. 487. 
Indem Ribbeck Lupo für Ludo schreibt, nimmt er die Verse für seine Praetexta Lupus 
in Anspruch; vgL Tragic. Rom. fragm.* p. 822. Aber es liegt höchst wahrscheinlich eine 
Komödie vor, Ludus ist wohl mit L. Müller gleich Lydus zu setzen. Gharis. Gramm, lat. 1 
p. 216, 14 (Ribbeck, Gomic. Rom. fragm.* p. 22) quae ego in theatro hie meis probavi 
plaüsibus, I ea nön audere quimquam regem rümpere: \ quantö libertatem hdnc hie superat 

sdrvUusl Festus p. 230 0. M. (p. 27 R.) ThSodotum \ comp^as {eompeiles Ribbeck) qui 

dras Chmpitdlibus \ sedins in cella cireumtectus tSgetibus \ Laris ludentis pSni pinxU bübuio. 

Die satura des Naevius. Festus p. 257 0. M. quianam pro quare, et cur, positum 
est apud antiquos, ut Naevium in carmine Punici belli ..., et in satyra: quianam 8a- 
turnium populum p spul isti. Alles erwogen dürfte es am rätlichsten sein, satyra als 
Komödientitel zu fassen, da wir ja auch bei Atta (§ 53) und Pomponius (§ 85) diesen Titel 
finden. Ganz verfehlt ist der Versuch von £. Baehrens (Fleckeis. Jahrb. 133 (1886) p.404), 
ans Gato m. 6, 20 zwei Bücher Satiren des Naevius zu gewinnen; er verbindet nämlich die 
geteilte Ueberlieferung in Naevi poetae Ludo und in Naevi posteriore libro zu in Naevi poetae 
ludorum posteriore libro. Ludi wird gleich satirae gesetzt (vgl. auch dagegen 0. Rib- 
beck, Tragicomm Romanomm fragmenta, Leipz. * 1 897, p. 823). Was sonst noch Baehrens 
(vgl. Fragm. poet. Rom. p. 51) diesen zwei Büchern zuteilt, beruht auf haltloser Gombination. 
Vgl. noch 0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dichtung 1* (Stuttgart 1894) Anm. zu p. 21. 



Gn. NaeviuB. (§ 27.) 65 

27. Die Tragödien und das historische Schauspiel. Der Tragödie 
schenkte Naevius, wie gesagt, weniger Aufmerksamkeit; es werden nur 
sechs Tragödientitel mit Fragmenten überliefert, darunter zwei: ^Das 
troianische Pferd ** und „Danae'', die auch Livius bearbeitet hatte. Ausser 
diesen beiden kennen wir noch: der ausziehende Hektor, Aesiona, Iphi- 
genia, Lykurgus. Allein trotzdem ist hier das Wirken des Dichters noch 
einschneidender; er schuf mit Anlehnung an die Form der Tragödie das 
historische Schauspiel. Mit genialem Blick erkannte Naevius, dass 
die eigenen Taten des römischen Volkes das Feld für das ernste Schau- 
spiel der Römer seien, nicht eine fremde Oötter- oder Heroenwelt. Da 
also in dieser Gattung statt der griechischen Helden römische Könige und 
Feldherren auftraten, und diese die toga praetexta trugen, erhielt das 
historische Schauspiel den Namen fabula praetexta oder praetextata. Zwei 
Stücke dieser Gattung sind uns von Naevius bekannt. Den Stoff nahm 
er einmal aus der Romulussage, er schrieb eine Eindheitsgeschichte des 
Romulus und Remus, dann auch aus der Geschichte seiner Zeit; es ge- 
schah dies in dem Stück, in dem er den Sieg des Marcellus über den 
Galaterhäuptling Virdumarus bei Clastidium (222) feierte. 

Die Fragmente der Tragödien bei 0. Ribbeck, Tragicomm Romanomm fragm., 
Leipz.* 1897, p. 7; L. Müller, Liyi Andronici et Cn. Naevi fabalanun reliqniae, Berl. 1885, 
p. 8. Eine Analyse der Fi-agmente bei 0. Ribbeck, Die röm. Tragödie, I^ipz. 1875, p. 44. 
Andromacha, welche frOher von Ribbeck anch als eine Tragödie des Naevius aufgeführt 
wurde, ist jetzt entsprechend der handschriftlichen Ueberlieferung yon Serv. zu Verg. georg. 
1, 266 dem Novins beigelegt worden (vgl. Comicorum Romanorum fragm., Leipz.* 1898, 
p. 308). Ueber die üeberlie^rungsgeschichte der Tragödie vgl. F. Leo, Plaut. Forsch, p. 83 
Anm. 1. Ueber die Form Aesiona vgl. F. Buecheler, Rhein. Mus. 27 (1872) p. 475: „Aesio- 
nam Naevi tragoediae fiiisse nomen, non Hesionam, Varro ostendit de 1. 1. VII 107 fabulas 
Naevi omnes sicut in indicibus moris erat ex litteramm ordine disponens." 

Die Praetexta Alimonium Romuli et Remi. Donat. in Terent. Adolph. 4, 1, 21 
(2 p. 111 Wessner) nam falaum est, quod dicitur, intervenisse luputn Naevianae fabulae 
alimonio Remi et Romuli, dum in theatro ageretur. Varro (de lingua lat 7, 54; 7, 107) 
citiert einen Romulus. Es ist wohl nicht zweifelhaft, dass Romulus der abgekürzte Titel 
von Alim. Romuli et Remi ist; vgl. M. Haupt, Opusc. 1 n. 191. Festus (p.270 0. M.) ftihrt 
einen Lupus des Naevius (überliefert Aartu«) an. Da in dem mitgeteilten Fragment Amu- 
liua erscheint, wird auch dieser Lupus mit dem Alimonium Remi et Romuli identisch sein, 
wenn auch die Beziehung des Veienterkönigs zu dem StQck schwer zu deuten ist. L. Müller 
(Q. Ennius p. 84) schreibt Novius in Lupo und erblickt in dem Stück eine AteUane. 
Ribbeck hat in seiner Gesch. der röm. Tragödie p. 63 zwei Praetexten angenommen, von 
denen die eine Geburt und Rettung der ZwiUinge, die andere Einsetzung derselben in ihre 
Rechte, Befreiung der Mutter, Sturz des Amulius darsteUe. In der Geschichte der röm. 
Dichtung 1' p. 21 spricht er aber nur von einem Drama, dem Romulus. Für die Rekon- 
struktion des Stückes sind Dionysius 1, 76 und Plutarch. Rom. 3 heranzuziehen. Eine solche 
versucht mit Akten und Scenen H. Reich, Ueber die QueUen der ftltesten röm. Gesch. 
und die röm. Nationaltragödie (Sonderabdr. aus der Festschr. zum 70. Geburtstage 0. Schades, 
Königsberg i. Pr. 1896, p. 10). — 0. Ribbeck, Tragic. Rom. fragm.* p. 821; vgl. dazu auch 
G. Roeper, PhiloL 7 (1852) p. 591. 

Die Praetexta Clastidium wird citiert von Varro de lingua lat. 7, 107; 9, 78 
apud Naevium in Clastidio: vita insepuUa ItUtua in patridm redux. Zum erstenmal hat 
M. Haupt (Opusc. 1 p. 189) die Vermutung ausgesprochen, dass Clastidium eine Praetexta 
sei und den Sieg des M. Claudius Marcellus über den gallischen Häuptling Virdumarus (222) 
b^andelte; vgl. über die Ereignisse Plutarch. Marcellus 6 u. 7. Dass die bei Diomedes 
(Gramm, lat. 1 p. 490, 14) genannte Praetexta Marcellus mit unserer Praetexta Clastidium 
identisch ist, dürfte kaum zweifelhaft sein (vgL W. H. Grau er t, Praetexten des Naevius, 
PhiloL 2 (1847) p. 119). Ohne ausreichenden Grund will L. Müller (Q. Ennius, St. Petersb. 
1884, p. 102) diese Praetexta Marcellus Ennius zuteüen. — 0. Ribbeck, Tragicorum 
Romanorum fragm., Leipz.* 1897, p. 321. Ueber den Inhalt der Praetexta vgl. denselben, 
Die röm. Tragödie p. 72. 

HMidbnolk der Ums. Altertnmswtae&flchaft. VIII. 1 8. Aufl. 5 



66 Cn* NaaviuB. (§ 28.) 

28. Das Epos ««Der erste punische Erieg*'. Auch im Epos ging Nae- 
viu8 weit über Livius hinaus; nicht eine üebersetzung lieferte er, sondern 
ein selbständiges Werk, dessen Stoff der Geschichte entnommen war. Als 
alter Mann schrieb er ein Gedicht über den ersten punischen E^rieg im 
saturnischen Masse. Er hatte, wie bereits gesagt, diesen Krieg selbst 
mitgemacht und hat sich auch dessen in seinem Epos gerühmt. Das Ge- 
dicht war nicht abgeteilt; erst der Grammatiker Octavius Lampadio zer- 
legte es in sieben Bücher; allein diese Einteilung scheint erst nach längerer 
Zeit allgemein geworden zu sein. Der Fragmente sind uns nur wenige 
erhalten, doch von jedem Buch, mit Ausnahme des fünften, dem wir mit 
Sicherheit kein Fragment zuteilen können. Die Beschreibung des Krieges 
begann erst mit dem dritten Buch; in den zwei vorausgehenden Büchern 
behandelte der Dichter die dem Kriege vorausliegende Geschichte, er griff 
zurück bis auf Aeneas. Um den Krieg zwischen Rom und Karthago poe- 
tisch zu motivieren, liess er Aeneas, wie es scheint, bei Dido einkehren; 
durch Verschmähung ihrer Liebe führt der troianische Held eine schwere 
Katastrophe herbei. Unter den Fragmenten ist keines, das sich durch 
poetische Schönheit auszeichnet. Das Gedicht scheint versifizierte Prosa 
gewesen zu sein, also ein nüchternes und steifes Werk; aber die geschil- 
derten grossen Taten der Römer sprachen um so beredter. Damit steht 
im Einklang das Urteil Ciceros, der es einem Werke Myrons, d. h. einem 
nicht durchgeistigten plastischen Werke, vergleicht und als Vorzug des- 
selben nur die Klarheit hervorzuheben weiss. Ein Bild von dem Tone 
mag das mehrfach angeführte Fragment (37 B.) geben: 

transU Melit&m Romdnus, inaxdam integram, &ram 
urü populätur vdstat; rem höstiüm concinnat. 

Das Bellum Punicum des Naevius, ein Werk des Alters. Cic. Gato inaior 
14, 49 8i habet aliquod tamqtiam pahtdum studii atque doctrinae, nihil est otiosa senectxUe 
iucundius. Als Beweis dafür führt er an (14, 50): quam gaudebcU Belle suo Punico Naeviusf 

Einteilung des Bellum Punicum. Sueton. de gramm. et rhet 2 C. Octavius 
Lampadio Naetni Punicum bellum, quod uno volumine et continenti scriptura expositum 
divisit in Septem libros. Nonius p. 170, 17 M. (1 p. 250 L. M.) Santra de verborum anti- 
quitate III: quod volumen unum nos lectitavimus, sed postea invenimus septifariam divisum. 
Vgl. F. Buecheler, Rhein. Mus. 40 (1885) p. 148; F. Leo, Die plaut. Cantica und die hellen. 
Lyrik (Abh. der Gott. Ges. der Wissensch. N. F. Bd. 1 (1897) p. 7 Anm. 2). Auf den Ein- 
fluss des Grates will A. Hillscher (Fleck eis. Jahrb. Supplementbd. 18 (1892) p. 359) diese 
Einteilung zurückführen. 

Gommentatoren des naevianischen Epos. Varro de lingua lat. 7, 39 apud 
Naevium: Atque prius pariet lucusta Lucam bovem; Liica bos elephans; cur ita sit 
dicta, duobus modis inveni scriptum, Nam et in Cornelii commentario erat ab Libycis 
Lucas; et in Vergilii ab Lucanis Lucas; ab eo quod nostri, cum maximam quadripedem, 
quam ipsi hoher ent, vocarent bovem, et in Lucanis Pyrrhi bello primum vidissent apud 
hostis elephantos, eodem nomine item quadripedes cormUas (nam quos dentes muUi dicunt, 
sunt cornuaj, Lucanum bovem quod putabant, Lucam bovem appeUasse, Zur sachlichen 
Richtigstellung vgl F. Buecheler, Rhein. Mus. 40 (1885) p. 149. 

Ueber die Quellen. R. y. Scala (Rom. Stud., Innsbruck 1893, p. 3, p. 12) sucht 
nachzuweisen, dass für die Aeneassage Timaios, für den punischen Krieg Philinos Quelle 
war. Ueber das Verhältnis des Naevius zu Timaios vgl. auch F. Noack, Die erste Aeneis 
Vergils (Hermes 27 (1892) p. 436). 0. Ribbeck (Gesch. der röm. Dicht. 1* p. 24) vermutet, 
dass Naeyius auch die Iliupersis des Stesichoros benutzt habe. 

Zur Gomposition. Die Hauptfrage ist hier, ob Naevius den Krieg zwischen Rom 
und Karthago poetisch motiviert hat. Schon B. G. Niebuh r (Vorträge über röm. Gesch. hrsg. 
von M. Isler 1 (Berl. 1846) p. 17) hat vermutet, dass Naevius den Krieg zwischen Rom und 
Karthago von der Untreue des Aeneas gegen Dido abgeleitet habe. Diese Ansicht wird jetzt 
vielfach geteilt; so sagt z. B. 0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht.!' p. 25: ,Da wir nun 



Cn. Naevina. (§ 29.) 67 

wiaaen, daaa Naevius (wie Vergil) die beiden Schwestern Dido und Anna einführte, so ist 
nichts glanblicher, als dass schon er eine Einkehr des Aeneas bei der Königin der eben 
gegillndeten Tyrierkolonie und jene erotische Katastrophe angenommen hat." Vgl. scholia 
Daoielia m Aen. 4, 9: Anna soror cuiua filiae fuerint Anna et Dido, NaeviuM dicit, Ueber 
die ZorflckfElhmng von Ovid. fast. 3, 524 sqq. auf Naevius vgl. E. Maass, Commentatio 
mythographica (Ind. lect., Greifswald 1886/87, p. XVII); vgl. aber dagegen die richtigen Be- 
merkimgen R. Heinzes, Virgils epische Technik, Leipz. 1908, p. 118 Anm. 1. Ueber Nae- 
vioB als Quelle Vergils vgl. F. Noack, Die erste Aeneis Yergils (Hermes 27 (1892) p. 485). 
Die Sinkehr des Aeneas bei Dido leugnet L. Müller, Q. Ennius, Petersb. 1884, p. 147; 
Q.Enni carminnm reliquiae, Petersb. 1884, p. XXIII; etwas skeptisch äussert sich Heinze 1. c. 

Das Urteil Cicero s. Brutus 19, 75 illim {Naevi), quem in vatibus et Faunin ad- 
numerat Ennitu, bellum Punicum quasi Moronis opus delectat, sit Enniua nane, ut ettt certef 
perfectiar: qui si illum, ut simulat, contemneret, non omnia hella persequena primum illud 
Punieum acerrimum bellum reliquisaet, sed ipse dicit, cur id faciat: — — HcripHere, in- 
quit, aUi rem vorsibua, — — et luetäente quidem scripserunt, etiamai minwt quam tu 
(seil. Ennius) polite: nee vero tibi aliter rideri debet, qui a Naevio vel sumpHinti multa, tti 
fateris, vel, H negas, »urripuitfti; vgl. C. Curcio, Rivista di filol. 26 (1898) p. 610. 

Die Fragmente bei J. Vahlen, De hello Punico reliquiae, Leipz. 1854; L. Mttller, 
Q. Enni carminnm reliquiae, Petersb. 1884, p. 157; Der satumische Vers, Leipz. 1885, p. 184; 
E. Baehrens, Fragm. poet Rom. p. 43. Ausser dem angegebenen Fragment sind noch be- 
lehrend fragm. 3, 4, 24, 48 B. Vgl. auch Th. Mommsen, Rom. Gesch. 1* p. 917. Ueber die 
Einreihnng von fragm. 51 B. in das 7. Buch vgl. J. Mesk, Wien. Sind. 22 (1900) p. 187. 
Ueber einzelne Verse vgl. F. Leo, Der satum. Vers, Berl. 1905. 

29. CharaMeristik. Wenn wir zwischen Naevius und seinem Vor- 
gänger einen Vergleich ziehen, so ergeben sich gleich in den äusseren 
Verhältnissen bedeutende Differenzen.^) Livius ist ein aus der Fremde 
stammender Sklave, Naevius Soldat im punischen Krieg; Livius wird durch 
Bedürfiiis und Gelegenheit zum Dichter, den Naevius dagegen führt sein 
Genius auf den Parnass; der Tarentiner befand sich in Abhängigkeit von 
einem Herrn, der Campaner, eine starke, selbstbewusste, ja trotzige Natur, 
greift in seinen Gedichten die vornehme römische Welt an. Noch grösser 
ist die Diffierenz, wenn wir das geistige Schaffen der beiden Dichter ins 
Auge fassen. Livius ist im wesentlichen Uebersetzer, d. h. Bearbeiter 
fremder Gedanken; sein Verdienst ist also hauptsächlich in der Ueber- 
setzungskunst und in der Verstechnik zu suchen. Naevius dagegen dringt 
von der üebersetzung zu eigenem Schaffen vor, er ist eine originelle 
Natur; in der Komödie ebnet er der selbständigen Produktion den Weg 
durch die Gontamination und durch das Eingreifen in die Politik; in der 
Tragödie begründet er das historische Schauspiel der Kömer, in dem Epos 
nimmt er sich einen glorreichen Abschnitt der römischen Geschichte zum 
Vorwurf; Qberall ist es das nationale Empfinden, das sich siegreich durch- 
ringt Aus den Fragmenten des Livius spiegelt sich keine Persönlichkeit 
ab; die üeberreste des Naevius dagegen föhren uns eine Individualität in 
scharfen Umrissen hervor. Als ein wahrhafter Genius hat er seine Spuren 
tief in die Herzen der Römer eingegraben. Als er durch den Tod dahin- 
gerafft wnrde, f&hlte alles, welche bedeutende Persönlichkeit mit ihm dahin- 
gegangen sei. Eine zu seinen Ehren verfasste Grabschrift klagt, dass die 
Römer ihr Latein vergessen hätten, seit Naevius in das unterirdische Haus 
hinabgestiegen. Die späteren Praetextatendicht<;r und die Epiker blickten 
mit Verehmng zu dem Meister empor. Ennius musste in seinen Annalen 
mit der Tatsache rechnen, dass der erste punische Krieg bereitif von Nae- 

') Lmos und NseTius werden zaumineD' ^/u/u >^Jfhant qw/ndam cmjAeri nxtritnU 
gesteUi TOD CiC. de \it%. 2, \h, ^ iUwi tid^o, inrunäa JAtianix *i Sanvinin m/ßdia. 



' m 



66 Chi. NaeYina. (§ 28.) 

28. Das Epos ^^Der erste punische Krieg''. Auch im Epos ging Nae- 
vius weit über Livius hinaus; nicht eine üebersetzung lieferte er, sondern 
ein selbständiges Werk, dessen Stoff der Geschichte entnommen war. Als 
alter Mann schrieb er ein Gedicht über den ersten punischen E^rieg im 
saturnischen Masse. Er hatte, wie bereits gesagt, diesen Krieg selbst 
mitgemacht und hat sich auch dessen in seinem Epos gerühmt. Das Ge- 
dicht war nicht abgeteilt; erst der Grammatiker Octavius Lampadio zer- 
legte es in sieben Bücher; allein diese Einteilung scheint erst nach längerer 
Zeit allgemein geworden zu sein. Der Fragmente sind uns nur wenige 
erhalten, doch von jedem Buch, mit Ausnahme des fünften, dem wir mit 
Sicherheit kein Fragment zuteilen können. Die Beschreibung des Krieges 
begann erst mit dem dritten Buch; in den zwei vorausgehenden Büchern 
behandelte der Dichter die dem Kriege vorausliegende Geschichte, er griff 
zurück bis auf Aeneas. Um den Krieg zwischen Rom und Karthago poe- 
tisch zu motivieren, Hess er Aeneas, wie es scheint, bei Dido einkehren; 
durch Verschmähung ihrer Liebe führt der troianische Held eine schwere 
Katastrophe herbei. Unter den Fragmenten ist keines, das sich durch 
poetische Schönheit auszeichnet. Das Gedicht scheint versifizierte Prosa 
gewesen zu sein, also ein nüchternes und steifes Werk; aber die geschil- 
derten grossen Taten der Römer sprachen um so beredter. Damit steht 
im Einklang das Urteil Ciceros, der es einem Werke Myrons, d. h. einem 
nicht durchgeistigten plastischen Werke, vergleicht und als Vorzug des- 
selben nur die Klarheit hervorzuheben weiss. Ein Bild von dem Tone 
mag das mehrfach angeführte Fragment (37 B.) geben: 

transÜ Melitäm Romdmis, insülam {nteffram, öram 
urit populdtur vdstat; rem höstium concinnat. 

Das Bellum Punicum des Naevius, ein Werk des Alters. Cic. Cato maior 
14, 49 8i habet aliquod tamquam pahtdum studii atque doctrinae, nihil est otioaa senectute 
iucundius. Als Beweis dafQr führt er an (14, 50): quam gaudebcU Bello suo Punico Naevius! 

Einteilung des Bellum Punicum. Sueton. de gramm. et rhet. 2 C. Octavius 
Lampadio Naevii Punicum bellum, quod uno volumine et continenti scriptura expositum 
divisit in Septem libros, Nonius p. 170, 17 M. (1 p. 250 L. M.) Santra de verborum anti- 
quitate III: quod volumen unum nos lectitavimus, sed postea invenimus septifariam divisum. 
Vgl. F. Buecheler, Rhein. Mus. 40 (1885) p. 148; F. Leo, Die plaut. Gantica und die hellen. 
Lyrik (Abh. der Gott. Ges. der Wissensch. N. F. Bd. 1 (1897) p. 7 Anm. 2). Auf den Ein- 
fluss des Grates will A. Hillscher (Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 18 (1892) p. 359) diese 
Einteilung zurückführen. 

Gommentatoren des naevianischen Epos. Varro de lingua lat. 7, 39 apud 
Naevium: Atque prius pariet lucusta Lucam bovem; Luca bos elephans; cur ita sit 
dicta, duobus modis inveni scriptum, Nam et in Cornelii commentario erat ab Libycis 
Lucas; et in Vergilii ab Lucanis Lucas; ab eo quod nostri, cum maximam qu€uiripedem, 
quam ipsi haberent, vocarent bovem, et in Lucanis Pyrrhi bello primum vidissent apud 
hostis elephantos, eodem nomine item quadripedes cornxUas (nam quos dentes muUi dicunt, 
sunt comuaj, Lucanum bovem quod putabant, Lticam bovem appeüasse. Zur sachlichen 
Richtigstellung vgl. F. Buecheler, Rhein. Mus. 40 (1885) p. 149. 

Ueber die Quellen. R. ▼. Scala (Rom. Stud., Innsbruck 1893, p. 3, p. 12) sucht 
nachzuweisen, dass für die Aeneassage Timaios, für den punischen Krieg Philinos Quelle 
war. Ueber das Verhältnis des Naevius zu Timaios vgl. auch F. Noack, Die erste Aeneis 
Vergils (Hermes 27 (1892) p. 436). 0. Ribbeck (Gesch. der röm. Dicht. 1« p. 24) vermutet, 
dass Naevius auch die Iliupersis des Stesichoros benutzt habe. 

Zur Gomposition. Die Hauptfrage ist hier, ob Naevius den Krieg zwischen Rom 
und Karthago poetisch motiviert hat. Schon B. G. Niebuhr (Vortr&ge über röm. Gesch. hrsg. 
von M. Isler 1 (Berl. 1846) p. 17) hat vermutet, dass Naevius den Krieg zwischen Rom und 
Karthago von der Untreue des Aeneas gegen Dido abgeleitet habe. Diese Ansicht wird jetzt 
vielfach geteilt; so sagt z.B. 0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. 1* p. 25: .Da wir nun 



Cn. NaeYina. (§ 29.) 67 

wissen, dass Naeyias (wie Vergil) die beiden Schwestern Dido und Anna einführte, so ist 
nichts glaublicher, als dass schon er eine Einkehr des Aeneas bei der Königin der eben 
gegrilndeten T^ierkolonie und jene erotische Katastrophe angenommen hat.* Vgl. scholia 
Danielis m Aen. 4, 9: Anna soror cuiua filiae fuerint Anna et Dido, Natviua dieit, Ueber 
die Znrflckftihrung von Ovid. fast. 3, 524 sqq. auf Naevius vgl. E. Maass, Commentatio 
mythographica (Ind. lect., Greifswald 1886/87, p. XVII); vgl. aber dagegen die richtigen Be- 
merkungen R. Heinzes, Virgils epische Technik, Leipz. 1908, p. 113 Anm. 1. Ueber Nae- 
vius als Quelle Vergils vgl. F. Noack, Die erste Aeneis Vergils (Hermes 27 (1892) p. 435). 
Die Sinkehr des Aeneas bei Dido leugnet L. Malier, Q. Ennius, Petersb. 1884, p. 147; 
Q.Enni earminum reliquiae, Petersb. 1884, p.XXIIl; etwas skeptisch äussert sich Heinze 1. c. 

Das Urteil Cicero s. Brutus 19, 75 illius {Naevi), quem in vatihus et Faunis cid- 
numerat Ennius, bellum Punicum quasi Myronis apiis delectat, sit Ennius sane, ut est certe, 
perfeeÜar: qui si illum, ut simulatf contemneret, non omnia hella persequens primum illud 
Punicum acerrimum bellum reliquisset, sed ipse dicit, cur id faciat: — — scripsere, in- 
quUf aUi rem vorsibus, — — et luaäente quidem scripserunt, etiamsi minus quam tu 
(seil. Ennius) polite: nee vero tibi aliter videri debet, qui a Naevio vel sumpsisti multa, si 
fateriSy vel, si negas, surripuisti; vgl. C. Curcio, Rivista di filol. 26 (1898) p. 610. 

Die Fragmente bei J. Vahlen, De hello Punico reliquiae, Leipz. 1854; L. Mfiller, 
Q. Enni earminum reliquiae, Petersb. 1884, p. 157; Der satumische Vers, Leipz. 1885, p. 134; 
E. Baehrens, Fragm. poet Rom. p. 43. Ausser dem angegebenen Fragment sind noch be- 
lehrend fragm. 3, 4, 24, 48 B. YgL auch Th. Mommsen, Rom. Gesch. 1> p. 917. Ueber die 
Einreihung von fragm. 51 B. in das 7. Buch vgl. J. Mesk, Wien. Sind. 22 (1900) p. 137. 
Ueber einzelne Verse vgl. F. Leo, Der satum. Vers, Berl. 1905. 

29. Charakteristik. Wenn wir zwischen Naevius und seinem Vor- 
gänger einen Vergleich ziehen, so ergeben sich gleich in den äusseren 
Verhältnissen bedeutende Differenzen.^) Livius ist ein aus der Fremde 
stammender Sklave, Naevius Soldat im punischen Krieg; Livius wird durch 
Bedürfnis und Gelegenheit zum Dichter, den Naevius dagegen führt sein 
Genius auf den Parnass; der Tarentiner befand sich in Abhängigkeit von 
einem Herrn, der Campaner, eine starke, selbstbewusste, ja trotzige Natur, 
greift in seinen Gedichten die vornehme römische Welt an. Noch grösser 
ist die Differenz, wenn wir das geistige Schaffen der beiden Dichter ins 
Auge fassen. Livius ist im wesentlichen Uebersetzer, d. h. Bearbeiter 
fremder Gedanken; sein Verdienst ist also hauptsächlich in der üeber- 
setzungskunst und in der Verstechnik zu suchen. Naevius dagegen dringt 
von der üebersetzung zu eigenem Schaffen vor, er ist eine originelle 
Natur; in der Komödie ebnet er der selbständigen Produktion den Weg 
durch die Gontamination und durch das Eingreifen in die Politik; in der 
Tragödie begründet er das historische Schauspiel der Römer, in dem Epos 
nimmt er sich einen glorreichen Abschnitt der römischen Geschichte zum 
Vorwurf; überall ist es das nationale Empfinden, das sich siegreich durch- 
ringt Aus den Fragmenten des Livius spiegelt sich keine Persönlichkeit 
ab; die üeberreste des Naevius dagegen führen uns eine Individualität in 
scharfen umrissen hervor. Als ein wahrhafter Genius hat er seine Spuren 
tief in die Herzen der Römer eingegraben. Als er durch den Tod dahin- 
gerafft wurde, fühlte alles, welche bedeutende Persönlichkeit mit ihm dahin- 
gegangen sei. Eine zu seinen Ehren veifasste Grabschrift klagt, dass die 
RGmer ihr Latein vergessen hätten, seit Naevius in das unterirdische Haus 
hinabgestiegen. Die späteren Praetextaten dichter und die Epiker blickten 
mit Verehrung zu dem Meister empor. Ennius musste in seinen Annalen 
mit der Tatsache rechnen, dass der erste punische Krieg bereits von Nae- 

') LiTias und Naevius werden zusammen- quae solebant qnondam conpleri severitate 
gestoUt von Cic. de leg. 2, 15, 39 illud video, iuctinda Livianis et Naevianis modis. 



5 



♦ 



66 Or. NaeYiiui. (§ 28.) 

28. Das Epos ^^Der erste punische Krieg''. Auch im Epos ging Nae- 
vius weit über Livius hinaus; nicht eine Uebersetzung lieferte er, sondern 
ein selbständiges Werk, dessen Stoff der Geschichte entnommen war. Als 
alter Mann schrieb er ein Gedicht über den ersten punischen E^rieg im 
saturnischen Masse. Er hatte, wie bereits gesagt, diesen Krieg selbst 
mitgemacht und hat sich auch dessen in seinem Epos gerühmt. Das Ge- 
dicht war nicht abgeteilt; erst der Grammatiker Octavius Lampadio zer- 
legte es in sieben Bücher; allein diese Einteilung scheint erst nach längerer 
Zeit allgemein geworden zu sein. Der Fragmente sind uns nur wenige 
erhalten, doch von jedem Buch, mit Ausnahme des fünften, dem wir mit 
Sicherheit kein Fragment zuteilen können. Die Beschreibung des Krieges 
begann erst mit dem dritten Buch; in den zwei vorausgehenden Büchern 
behandelte der Dichter die dem Kriege vorausliegende Geschichte, er griff 
zurück bis auf Aeneas. Um den Krieg zwischen Rom und Karthago poe- 
tisch zu motivieren, Hess er Aeneas, wie es scheint, bei Dido einkehren; 
durch Verschmähung ihrer Liebe führt der troianische Held eine schwere 
Katastrophe herbei. Unter den Fragmenten ist keines, das sich durch 
poetische Schönheit auszeichnet. Das Gedicht scheint versifizierte Prosa 
gewesen zu sein, also ein nüchternes und steifes Werk; aber die geschil- 
derten grossen Taten der Römer sprachen um so beredter. Damit steht 
im Einklang das Urteil Ciceros, der es einem Werke Myrons, d. h. einem 
nicht durchgeistigten plastischen Werke, vergleicht und als Vorzug des- 
selben nur die Klarheit hervorzuheben weiss. Ein Bild von dem Tone 
mag das mehrfach angeführte Fragment (37 B.) geben: 

transU Melitdm RomdnuSf insulam inteffrantf &ram 
urU populdtur vdHat; rem hösttüm concinnai. 

Das Bellum Punicum des Naevius, ein Werk des Alters. Gic. Cato maior 
14, 49 si habet aliquod tamquam pabulum studii atqtie doctrinaej nihil est otiosa senectuU 
iucundiiis. Als Beweis dafür führt er an (14, 50): quam gaudehat Bello suo Punico Kaeviaa! 

Einteilung des Bellum Punicum. Sueton. de gramm. et rhet. 2 C. Octavius 
Lampadio Naevii Punicum heUumj quod uno volumine et continenti scriptura expositum 
divisit in Septem lihros. Nonins p. 170, 17 M. (1 p. 250 L. M.) Santra de verborum anti- 
quitate III: quod volumen unum nos lectitavimus, sed postea invenimus septifariam divisum. 
Vgl. F. Buecheler, Rhein. Mus. 40 (1885) p. 148; F. Leo, Die plaut. Cantica und die hellen. 
Lyrik (Abh. der Gott. Ges. der Wissensch. N. F. Bd. 1 (1897) p. 7 Anm. 2). Auf den Ein- 
fluss des Grates will A. Hillscher (Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 18 (1892) p. 359) diese 
Einteilung zurückführen. 

Gommentatoren des naevianischen Epos. Varro de lingua lat. 7, 39 apud 
Naevium: Atque prius pariet lucusta Lucam bovem; Luca hos elephans; cur ita sit 
dicta, duobus modis inveni scriptum, Nam et in Cornelii commentario erat ab Libycis 
Lucas; et in Vergilii ab Lucanis Lucas; ab eo quod nostri, cum maximam quadripedemj 
quam ipsi hoher ent, vocarent bovem y et in Lucanis Pyrrhi bello primum vidissent apud 
hostis elephantos, eodem nomine item quadripedes cornxUas (nam quos dentes muUi dicunt, 
sunt cornuajf Lucanum bovem quod putabant, Lucam bovem appeUasse, Zur sachlichen 
Richtigstellung vgl. F. Buecheler, Rhein. Mus. 40 (1885) p. 149. 

Ueber die Quellen. R. v. Scala (Rom. Stud., Innsbruck 1893, p. 3, p. 12) sncht 
nachzuweisen, dass für die Aeneassage Timaios, für den punischen Krieg Philinos Quelle 
war. Ueber das Verhältnis des Naevius zu Timaios vgl. auch F. Noack, Die erste Aeneis 
Vergils (Hermes 27 (1892) p. 436). 0. Ribbeck (Gesch. der röm. Dicht. 1« p. 24) vermutet, 
dass Naevius auch die Iliupersis des Stesichoros benutzt habe. 

Zur Gomposition. Die Hauptfrage ist hier, ob Naevius den Krieg zwischen Rom 
und Karthago poetisch motiviert hat. Schon B. G:. Niebuhr (Vorträge über röm. Gesch. hrsg. 
von M. Isler 1 (Berl. 1846) p. 17) hat vermutet, dass Naevius den Krieg zwischen Rom und 
Karthago von der Untreue des Aeneas gegen Dido abgeleitet habe. Diese Ansicht wird jetzt 
vielfach geteilt; so sagt z. B. 0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. P p. 25: «Da wir nun 



Cn. NaeYiuB. (§ 29.) 67 

wissen, dass Naevios (wie Vergil) die beiden Schwestern Dido und Anna einführte, so ist 
nichts glaablicher, als dass schon er eine Einkehr des Aeneas bei der Königin der eben 
gegründeten T^lerkolonie und jene erotische Katastrophe angenommen hat* Vgl. schoUa 
Danielia m Aen. 4, 9 : Anna soror ctuus filiae ftierint Anna et Dido, Naevius diciU lieber 
die ZnrflckfElhmng von Ovid. fast. 3, 524 sqq. auf Naevius vgl. E. Maass, Commentatio 
mythographica (Ind. lect., Greifswald 1886/87, p. XVII); vgl. aber dagegen die richtigen Be- 
merkungen R. Heinzes, Virgils epische Technik, Leipz. 1903, p. 118 Anm. 1. lieber Nae- 
vius als Quelle Vergils vgl. F. Noack, Die erste Aeneis Yergils (Hermes 27 (1892) p. 435). 
Die Sinkehr des Aeneas bei Dido leugnet L. Müller, Q. Ennius, Petersb. 1884, p. 147; 
Q.Enni earminum reliquiae, Petersb. 1884, p. XXIII; etwas skeptisch Äussert sich Heinze 1. c. 

Das Urteil Ciceros. Brutus 19, 75 ilUua {Naevt), quem in txUilms et Faunis ad- 
numerai Ennius, bellum Punicum quasi Moronis opus delectat, sit Ennius sane, ut est certe, 
perfecU&r: qui si illum, ut simulcU, eontemneret, non omnia bella persequens primum illud 
Funieum acerrimum bellum reliquisset. sed ipse dicit, cur id fctciat: — — scripsere, in- 
quUf äUi rem vorsibus, — — et lucuiente quidem scripserunt, etiamsi minus quam tu 
(sciL Ennius) polite: nee vero tibi aliter videri debet, qui a Naeeio vel srnnpsisti mtäta, si 
fateriSf vel, si negas, surripuisti; vgl. C. Curcio, Rivista di filol. 26 (1898) p. 610. 

Die Fragmente bei J. Vahlen, De hello Punico reliquiae, Leipz. 1854; L. Mttller, 
Q. Enni earminum reliquiae, Petersb. 1884, p. 157; Der satumische Vers, Leipz. 1885, p. 134; 
E. Baehrens, Fragm. poet. Rom. p. 43. Ausser dem angegebenen Fragment sind noch be- 
lehrend fragm. 3, 4, 24, 48 B. Vgl. auch Th. Mommsen, Rom. Gesch. V p. 917. Ueber die 
Einrdhung von fragm. 51 B. in das 7. Buch vgl. J. Mesk, Wien. Sind. 22 (1900) p. 137. 
Ueber einzelne Verse vgl. F. Leo, Der satum. Vers, Berl. 1905. 

29. Charakteristik. Wenn wir zwischen Naevius und seinem Vor- 
gänger einen Vergleich ziehen, so ergeben sich gleich in den äusseren 
Verhältnissen bedeutende Differenzen.^) Livius ist ein aus der Fremde 
stammender Sklave, Naevius Soldat im punischen Krieg; Livius wird durch 
BedQrfiiis und Gelegenheit zum Dichter, den Naevius dagegen führt sein 
Genius auf den Parnass; der Tarentiner befand sich in Abhängigkeit von 
einem Herrn, der Campaner, eine starke, selbstbewusste, ja trotzige Natur, 
greift in seinen Gedichten die vornehme römische Welt an. Noch grösser 
ist die Differenz, wenn wir das geistige Schaffen der beiden Dichter ins 
Auge fassen. Livius ist im wesentlichen Uebersetzer, d. h. Bearbeiter 
fremder Gedanken; sein Verdienst ist also hauptsächlich in der üeber- 
setzungskunst und in der Verstechnik zu suchen. Naevius dagegen dringt 
von der üebersetzung zu eigenem Schaffen vor, er ist eine originelle 
Natur; in der Komödie ebnet er der selbständigen Produktion den Weg 
dnrch die Gontamination und durch das Eingreifen in die Politik; in der 
Tragödie begründet er das historische Schauspiel der Römer, in dem Epos 
nimmt er sich einen glorreichen Abschnitt der römischen Geschichte zum 
Vorwurf; überall ist es das nationale Empfinden, das sich siegreich durch- 
ringt Ans den Fragmenten des Livius spiegelt sich keine Persönlichkeit 
ab; die üeberreste des Naevius dagegen fiihren uns eine Individualität in 
scharfen umrissen hervor. Als ein wahrhafter Genius hat er seine Spuren 
tief in die Herzen der Römer eingegraben. Als er durch den Tod dahin- 
gerafft wnrde, fühlte alles, welche bedeutende Persönlichkeit mit ihm dahin- 
gegangen sei. Eine zu seinen Ehren veifasste Grabschrift klagt, dass die 
Römer ihr Latein vergessen hätten, seit Naevius in das unterirdische Haus 
hinabgestiegen. Die späteren Praetextatendichter und die Epiker blickten 
mit Verehrung zu dem Meister empor. Ennius musste in seinen Annalen 
mit der Tatsache rechnen, dass der erste punische Krieg bereits von Nae- 

') LlTins and Naevius werden zosammen- quae solebant quondam conpleri severitate 
gestoUt vcm Cic. de leg. 2, 15, 39 illud m'deo, iucunda Livianis et Naevianis modis. 

5* 



66 Cn- KaaTiiM. (§ 28.) 

28. Das Epos ,^t erste punische Krieg*'. Auch im Epos ging Nae- 
vius weit über Livius hinaus; nicht eine üebersetzung lieferte er, sondern 
ein selbständiges Werk, dessen Stoff der Geschichte entnommen war. Ak 
alter Mann schrieb er ein Gedicht über den ersten punischen B[rieg im 
saturnischen Masse. Er hatte, wie bereits gesagt, diesen Ejieg selbst 
mitgemacht und hat sich auch dessen in seinem Epos gerühmt. Das Gto- 
dicht war nicht abgeteilt; erst der Grammatiker Octavius Lampadio zer* 
legte es in sieben Bücher; allein diese Einteilung scheint erst nach längerer 
Zeit allgemein geworden zu sein. Der Fragmente sind uns nur wenige 
erhalten, doch von jedem Buch, mit Ausnahme des fünften, dem wir mit 
Sicherheit kein Fragment zuteilen können. Die Beschreibung des Krieges 
begann erst mit dem dritten Buch; in den zwei vorausgehenden Büchern 
behandelte der Dichter die dem Kriege vorausliegende Geschichte, er griff 
zurück bis auf Aeneas. Um den Krieg zwischen Rom und Karthago poe- 
tisch zu motivieren, liess er Aeneas, wie es scheint, bei Dido einkehren; 
durch Verschmähung ihrer Liebe führt der troianische Held eine schwere 
Katastrophe herbei. Unter den Fragmenten ist keines^ das sich durch 
poetische Schönheit auszeichnet. Das Gedicht scheint versifizierte Prosa 
gewesen zu sein, also ein nüchternes und steifes Werk; aber die geschil- 
derten grossen Taten der Römer sprachen um so beredter. Damit steht 
im Einklang das Urteil Ciceros, der es einem Werke Myrons, d. h. einem 
nicht durchgeistigten plastischen Werke, vergleicht und als Vorzug des- 
selben nur die Klarheit hervorzuheben weiss. Ein Bild von dem Tone 
mag das mehrfach angeführte Fragment (37 B.) geben: 

iransit Melitdm Romdnus, insnlam {ntegram, öram 
urü populdtur vdstat; retn höstium concinnat. 

Das Bellum Punicum des Naevius, ein Werk des Alters. Cic. C«to maior 
14» 49 si habet aliqiwd fatnquam pabulum studii atqtie doctrinae, nihil est otiosa senectute 
iucxindiiis. Als Beweis dafür führt er an (14, 50): quam gaudehat Bello suo Punico Naevius! 

Einteilung des Bellum Punicum. Sueton. de gramm. et rhet 2 C, Octavitis 
Lampadio Naevii Punicum bellum, quod uno volumine et continenti scriptura exposUum 
divisit in aeptem libros, Nonius p. 170, 17 M. (1 p. 250 L. M.) Santra de verborum anti- 
quitate III: quod volumen unum nos lectitavimus^ sed postea invenimus septifariam^ dtvisum. 
Vgl. F. Buecheler, Rhein. Mus. 40 (1885) p. 148; F. Leo, Die plaut. Cantica und die hellen. 
Lyrik (Abh. der Gott. Ges. der Wissensch. N. F. Bd. 1 (1897) p. 7 Anm. 2). Auf den Ein- 
fluss des Grates will A. Hillscher (Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 18 (1892) p. 359) diese 
Einteilung zurückführen. 

Commentatoren des naevianischen Epos. Varro de lingua lat. 7, 39 apud 
Naevium: Atque prius pariet lucusta Lucam bovem; Luca bos elephans; cur ita sit 
dicta, duobus modis inveni scriptum, Nam et in Cornelii commentario erat ab Lihycis 
Lucas; et in Vergilii ab lAicanis Lucas; ab eo quod nostri, cum maximam quadripedem, 
quam ipsi haberent, vocarent bovem, et in Lucanis Pyrrhi bello primum vidissent apud 
hostis elephantoSf eodem nomine item quadripedes cornuias (nam quos dentes muUi dicunt, 
sunt cornuajf Lucanum bovem quod putabant, Lucam bovem appellasse. Zur sachlichen 
Richtigstellung vgL F. Buecheler, Rhein. Mus. 40 (1885) p. 149. 

Ueber die Quellen. R. v. Scala (Rom. Stud., Innsbruck 1893, p. 3, p. 12) sucht 
nachzuweisen, dass für die Aeneassage Timaios, für den punischen Krieg Philinos Quelle 
war. Ueber das Verhältnis des Naevius zu Timaios vgl. auch F. Noack, Die erste Aeneis 
Vergils (Hermes 27 (1892) p. 436). 0. Ribbeck (Gesch. der röm. Dicht. V p. 24) yermatet, 
dass Naevius auch die Iliupersis des Stesichoros benutzt habe. 

Zur Composition. Die Hauptfrage ist hier, ob Naevius den Krieg zwischen Rom 
und Karthago poetisch motiviert hat. Schon B. G. Niebuhr (Vorträge über röm. Gesch. hrsg. 
von M. Isler 1 (Berl. 1840) p. 17) hat vermutet, dass Naevius den Krieg zwischen Rom und 
Karthago von der Untreue des Aeneas gegen Dido abgeleitet habe. Diese Ansicht wird jetzt 
vielfach geteilt; so sagt z. B. 0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. P p. 25: .Da wir nun 



Cn. Naevins. (§ 29.) 67 

wissen, dass Naevios (wie Vergil) die beiden Schwestern Dido und Anna einffthrte, so ist 
nichts glaublicher, als dass schon er eine Einkehr des Aeneas bei der Königin der eben 
gegr&ndeten l^ierkolonie und jene erotische Katastrophe angenommen hat.' Vgl. scholia 
Danielis m Aen. 4, 9: Anna soror ctUus filUie fuerint Anna et Dido, Naeviua dicit, Ueber 
die ZurQckfahmng von Ovid. fast. 3, 524 sqq. auf Naevius vgl. £. Maass, Commentatio 
mythographica (Ind. lect., Greifswald 1886/87, p. XVII); ygl. aber dagegen die richtigen Be- 
merkungen R. Heinzes, Virgils epische Technik, Leipz. 1903, p. 118 Anm. 1. Ueber Nae- 
vius als QueUe Vergils vgl. F. Noack, Die erste Aeneis Vergils (Hermes 27 (1892) p. 435). 
Die Einkehr des Aeneas bei Dido leugnet L. Müller, Q. Ennius, Petersb. 1884, p. 147; 
Q.Enni carminum reliquiae, Petersb. 1884, p. XXIII; etwas skeptisch äussert sich Heinze 1. c. 

Das Urteil Cicero s. Brutus 19, 75 illUts (Naevi), quem in vatibus et Faunis ad- 
numerat Ennius, bellum Punicum qtiasi Myronis opus delectat, sit Ennius sane, ut est certe, 
perfeeti&r: qui si illum, ut simuhU, contemneret, non omnia heUa persequens primum illud 
Punicum aeerrimum bellum reliquisset. sed ipse dicit, cur id faciai: — — scripsere, in- 
quit, aUi rem vorsibus, — — et luculente qtudem scripserunt, etiamsi minus quam tu 
(seil. Ennius) polite: nee vero tibi aliter videri debet, qui a Naevio vel sumpsisti multa, si 
fateris, vel, si negas, surripuisti; vgl. C. Curcio, Rivista di filol. 26 (1898) p. 610. 

Die Fragmente bei J. Vahlen, De hello Punico reliquiae, Leipz. 1854; L. Mfiller, 
Q. Enni carminum reliquiae, Petersb. 1884, p. 157; Der satumische Vers, Leipz. 1885, p. 134; 
E. Baehrens, Fragm. poet. Rom. p. 43. Ausser dem angegebenen Fragment sind noch be- 
lehrend fragm. 3, 4, 24, 48 B. Vgl. auch Th. Mommsen, Rom. Gesch. 1* p. 917. Ueber die 
Einreihung von fragm. 51 B. in das 7. Buch vgl. J. Mesk, Wien. Sind. 22 (1900) p. 137. 
Ueber einzelne Verse vgl. F. Leo, Der satum. Vers, Berl. 1905. 

29. Charakteristik. Wenn wir zwischen Naevius und seinem Vor- 
gänger einen Vergleich ziehen, so ergeben sich gleich in den äusseren 
Verhältnissen bedeutende Differenzen.^) Livius ist ein aus der Fremde 
stammender Sklave, Naevius Soldat im punischen Krieg; Livius wird durch 
Bedürfiiis und Gelegenheit zum Dichter, den Naevius dagegen führt sein 
Qenius auf den Parnass; der Tarentiner befand sich in Abhängigkeit von 
einem Herrn, der Campaner, eine starke, selbstbewusste, ja trotzige Natur, 
greift in seinen Gedichten die vornehme römische Welt an. Noch grösser 
ist die Differenz, wenn wir das geistige Schaffen der beiden Dichter ins 
Auge fassen. Livius ist im wesentlichen Uebersetzer, d. h. Bearbeiter 
fremder Gedanken; sein Verdienst ist also hauptsächlich in der üeber- 
setzungskunst und in der Verstechnik zu suchen. Naevius dagegen dringt 
von der üebersetzung zu eigenem Schaffen vor, er ist eine originelle 
Natur; in der Komödie ebnet er der selbständigen Produktion den Weg 
durch die Gontamination und durch das Eingreifen in die Politik; in der 
Tragödie begründet er das historische Schauspiel der Römer, in dem Epos 
nimmt er sich einen glorreichen Abschnitt der römischen Geschichte zum 
Vorwurf; überall ist es das nationale Empfinden, das sich siegreich durch- 
ringt. Ans den Fragmenten des Livius spiegelt sich keine Persönlichkeit 
ab; die üeberreste des Naevius dagegen fuhren uns eine Individualität in 
Bcharfen umrissen hervor. Als ein wahrhafter Genius hat er seine Spuren 
tief in die Herzen der Römer eingegraben. Als er durch den Tod dahin- 
gerafft wurde, fühlte alles, welche bedeutende Persönlichkeit mit ihm dahin- 
gegangen sei. Eine zu seinen Ehren verfasste Grabschrift klagt, dass die 
Römer ihr Latein vergessen hätten, seit Naevius in das unterirdische Haus 
hinabgestiegen. Die späteren Praetextatendichter und die Epiker blickten 
mit Verehrung zu dem Meister empor. Ennius musste in seinen Annalen 
mit der Tatsache rechnen, dass der erste punische Krieg bereits von Nae- 

M livius und Naevius werden zusammeD- | qnae solehant quondam conpleri severitate 
Uft von Cic. de leg. 2, 15, 39 illud video, j iucunda Livianis et Naevianis modis, 

5* 



QQ Cn. NaeviiM. (§ 28.) 

28. Das Epos ^Der erste punische Krieg''. Auch im Epoe ging Nae- 
viu8 weit über Livius hinaus; nicht eine üebenietznng lieferte er, sondern 
ein selbständiges Werk, dessen Stoff der Geschichte entnommen war. Als 
alter Mann schrieb er ein Gedicht über den ersten panischen Krieg im 
saturnischen Masse. Er hatte, wie bereits gesagt, diesen E[rieg selbst 
mitgemacht und hat sich auch dessen in seinem Epos gerühmt Das Ge- 
dicht war nicht abgeteilt; erst der Grammatiker Octavius Lampadio zer- 
legte es in sieben Bücher; allein diese Einteilung scheint erst nach Ungerer 
Zeit allgemein geworden zu sein. Der Fragmente sind uns nur wenige 
erhalten, doch von jedem Buch, mit Ausnahme des fünften, dem wir mit 
Sicherheit kein Fragment zuteilen können. Die Beschreibang des Krieges 
begann erst mit dem dritten Buch; in den zwei voransgehenden Büchern 
behandelte der Dichter die dem Kriege vorausliegende Geschichte, er griff 
zurück bis auf Aeneas. Um den Krieg zwischen Rom und Karthago poe- 
tisch zu motivieren, Hess er Aeneas, wie es scheint, bei Dido einkehren; 
durch Verschmähung ihrer Liebe führt der troianische Held eine schwere 
Katastrophe herbei. Unter den Fragmenten ist keineS; das sich durch 
poetische Schönheit auszeichnet. Das Gedicht scheint versifirierte Prosa 
gewesen zu sein, also ein nüchternes und steifes Werk; aber die geschil- 
derten grossen Taten der Römer sprachen um so beredter. Damit steht 
im Einklang das Urteil Ciceros, der es einem Werke Myrons, d. h. einem 
nicht durchgeistigten plastischen Werke, vergleicht und als Vorzug des- 
selben nur die Klarheit hervorzuheben weiss. Ein Bild von dem Tone 
mag das mehrfach angeführte Fragment (37 B.) geben: 

fransU Melitdm Bomdnus, insulam (nfegrafn, öram 
urit popiddtur vdstat; rem höstiüm concinncU, 

Das Bellum Punicum des Naevios, ein Werk des Alters. Cic. Cato maior 
14, 49 81 habet aliquod tamquam j^bulum studii afqtie docfrinae, nihil est otiosa senec^ute 
iucundius. Als Beweis dafür führt er an (14, 50): quam gaudebat Bello suo Punieo Naevius! 

Einteilung des Bellum Punicum. Sueton. de gramm. et rhet. 2 C. Octnvius 
Lampadio Naevii Punicum bellum, quod uno volumine et continenti acriptura expositum 
divisit in Septem libros, Nonius p. 170, 17 M. (1 p. 250 L. M.) Santra de verborum anti- 
quitate III: qtwd volumen unum nos lectitavimus, sed postea invenimus septifariam divisum. 
Vgl. F. Buecheler, Rhein. Mus. 40 (1885) p. 148; F. Leo, Die plaut. Gantica und die h^en. 
Lyrik (Abb. der Gott. Ges. der Wissenscb. N. F. Bd. 1 (1897) p. 7 Anm. 2). Auf den Ein- 
iluss des Grates will A. Hillscher (Fleck eis. Jahrb. Supplementbd. 18 (1892) p. 859) diese 
Einteilung zurückführen. 

Gommentatoren des naeyianischen Epos. Varro de lingua lat. 7, 89 aptid 
Naevium: Atque prius pariet lueusta Lucam bovem; Luca bos elephans; cur iia sit 
dicta, duobus modis inveni scriptum, Nam et in Cornelii commentario erat ab Ldhyds 
Lucas; et in Vergilii ab Lucanis Lucas; ab eo quod nostri, cum mcucitnam qt4adripedeM, 
quam ipsi haberent, vocarent bovem, et in Lucanis Pyrrhi bello primum vidissent apud 
hostis elephantos, eodetn notnine item quadripedes cormvtas (nam quos dentes multi dicunt, 
sunt cornua), Lucanum bovem quod piäabant, Lucam bocem appellasse. Zar sachlichen 
Richtigstellung vgl. F. Buecheler, Rhein. Mus. 40 (1885) p. 149. 

Ueber die Quellen. R. v. Scala (Rom. Stud., Innsbruck 1893, p. 3, p. 12) sucht 
nachzuweisen, dass für die Aeneassage Timaios, für den punischen Krieg PhUinos QueUe 
war. Ueber das Verhältnis des Naevius zu Timaios vgl. auch F. Noack, Die erste Aeneis 
Vergils (Hermes 27 (1892) p. 436). 0. Ribbeck (Gesch. der röm. Dicht. 1» p. 24) vermutet, 
dass Naevius auch die Iliupersis des Stesichoros benutzt habe. 

Zur Gomposition. Die Hauptfrage ist hier, ob Naevius den Krieg zwischen Rom 
und Karthago poetisch motiviert hat. Schon B. G. Niebuhr (Vorträge über röm. Gesch. hrsg. 
von M. Isler 1 (Berl. 1840) p. 17) hat vermutet, dass Naevius den Krieg zwischen Rom und 
Karthago von der Untreue des Aeneas gegen Dido abgeleitet habe. Diese Ansicht wird jetzt 
vielfach geteilt; so sagt z. B. O. Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. P p. 25: .Da wir nun 



Cn. NaeYins. (§ 29.) 67 

wissen, dass Naevius (wie Vergil) die beiden Schwestern Dido and Anna einffthrte, so ist 
nichts glaublicher, als dass schon er eine Einkehr des Aeneas bei der Königin der eben 
gegrOndeten l^ierkolonie und jene erotische Katastrophe angenommen hat.' Vgl. scholia 
Danielis zu Aen. 4, 9: Anna sorar cuius filiae fuerint Anna et Dido, Naeviua dicit, Ueber 
die Zurflckf&hrung von Ovid. fast. 3, 524 sqq. auf Naevius vgl. £. Maass, Gommentatio 
mythographica (Ind. lect., Greifswald 1886/87, p. XVII); ygl. aber dagegen die richtigen Be- 
merkungen R. Heinz es, Virgils epische Technik, Leipz. 1908, p. 118 Anm. 1. Ueber Nae- 
vius als QueUe Vergils vgl. F. Noack, Die erste Aeneis Vergils (Hermes 27 (1892) p. 435). 
Die Einkehr des Aeneas bei Dido leugnet L. Müller, Q. Ennius, Petersb. 1884, p. 147; 
Q.Enni carminum reiiquiae, Petersb. 1884, p.XXHI; etwas skeptisch äussert sich Heinze 1. c. 

Das Urteil Cicero s. Brutus 19, 75 iUitis {Ncuvi), quem in vatibus et Faunis od- 
numerat Ennius, bellum Punicum quasi Myronis opus delectat, sit Ennius sane, ut est certe, 
perfeeti&r: qui si illum, ut simulat, contemneret, non omnia bella persequens primum illud 

Punicum acerrimum bellum reliquisset, sed ipse dicit, cur id faciat: scripsere, in- 

quit, alii rem varsibus, — — et lucxdente quidem scripserunt, etiamsi minus quam tu 
(seil. Ennius) pciite: nee vero tibi alUer videri debet, qui a Naetfio vel sumpsisti muUa, si 
fateris, vel, si negas, surripuisti; vgl. G. Curcio, Rivista di filol. 26 (1898) p. 610. 

Die Fragmente bei J. Vahlen, De hello Punico reiiquiae, Leipz. 1854; L. Mfiller, 
Q. Enni carminum reiiquiae, Petersb. 1884, p. 157; Der satumische Vers, Leipz. 1885, p. 134; 
E. Baehrens, Fragm. poet. Rom. p. 43. Ausser dem angegebenen Fragment sind noch be- 
lehrend fragm. 3, 4, 24, 48 B. Vgl. auch Th. Mommsen, ROm. Gesch. 1* p. 917. Ueber die 
Einreihung von fragm. 51 B. in das 7. Buch vgl. J. Mesk, Wien. Sind. 22 (1900) p. 137. 
Ueber einzelne Verse vgl. F. Leo, Der satum. Vers, Berl. 1905. 

29. Charakteristik. Wenn wir zwischen Naevius und seinem Vor- 
gänger einen Vergleich ziehen, so ergeben sich gleich in den äusseren 
Verhältnissen bedeutende Differenzen.^) Livius ist ein aus der Fremde 
stammender Sklave, Naevius Soldat im punischen Krieg; Livius wird durch 
Bedürfois und Gelegenheit zum Dichter, den Naevius dagegen führt sein 
Qenius auf den Parnass; der Tarentiner befand sich in Abhängigkeit von 
einem Herrn, der Campaner, eine starke, selbstbewusste, ja trotzige Natur, 
greift in seinen Gedichten die vornehme römische Welt an. Noch grösser 
ist die Differenz, wenn wir das geistige Schaffen der beiden Dichter ins 
Auge fassen. Livius ist im wesentlichen Uebersetzer, d. h. Bearbeiter 
fremder Gedanken; sein Verdienst ist also hauptsächlich in der üeber- 
setzungskunst und in der Verstechnik zu suchen. Naevius dagegen dringt 
von der üebersetzung zu eigenem Schaffen vor, er ist eine originelle 
Natur; in der Komödie ebnet er der selbständigen Produktion den Weg 
durch die Gontamination und durch das Eingreifen in die Politik; in der 
Tragödie begründet er das historische Schauspiel der Römer, in dem Epos 
nimmt er sich einen glorreichen Abschnitt der römischen Geschichte zum 
Vorwarf; überall ist es das nationale Empfinden, das sich siegreich durch- 
ringt. Ans den Fragmenten des Livius spiegelt sich keine Persönlichkeit 
ab; die üeberreste des Naevius dagegen föhren uns eine Individualität in 
scharfen umrissen hervor. Als ein wahrhafter Genius hat er seine Spuren 
tief in die Herzen der Römer eingegraben. Als er durch den Tod dahin- 
gerafft wurde, fühlte alles, welche bedeutende Persönlichkeit mit ihm dahin- 
gegangen sei. Eine zu seinen Ehren verfasste Grabschrift klagt, dass die 
Römer ihr Latein vergessen hätten, seit Naevius in das unterirdische Haus 
hinabgestiegen. Die späteren Praetextatendichter und die Epiker blickten 
mit Verehrung zu dem Meister empor. Ennius musste in seinen Annalen 
mit der Tatsache rechnen, dass der erste punische Krieg bereits von Nae- 

*) lAwioB and Naevius werden zosammen- quae solebant quondam conpleri severitate 
gesieUt von Gic. de leg. 2, 15, 39 illud pideo, incunda Livianis et Naevianis modis. 



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gg Cn. NaoriiM. (§ 28.) 

28. Das Epos ,J)eT erste punische Krieg". Auch im Epos ging Nae- 
vius weit über Livius hinaas; nicht eine Uebersetzung lieferte er, sondern 
ein selbständiges Werk, dessen Stoff der Qeschichte entnommen war. Als 
alter Mann schrieb er ein Oedicht über den ersten panischen Krieg im 
satarnischen Masse. Er hatte, wie bereits gesagt, diesen Krieg selbst 
mitgemacht und hat sich auch dessen in seinem Epos gerühmt. Das Ge- 
dicht war nicht abgeteilt; erst der Grammatiker Octavius Lampadio zer- 
legte es in sieben Bücher; allein diese Einteilung scheint erst nach längerer 
Zeit allgemein geworden zu sein. Der Fragmente sind uns nur wenige 
erhalten, doch von jedem Buch, mit Ausnahme des fünften, dem wir mit 
Sicherheit kein Fragment zuteilen können. Die Beschreibung des Krieges 
begann erst mit dem dritten Buch; in den zwei vorausgehenden Büchern 
behandelte der Dichter die dem Kriege vorausliegende Geschichte, er griff 
zurück bis auf Aeneas. Um den Krieg zwischen Rom und Karthago poe- 
tisch zu motivieren, liess er Aeneas, wie es scheint, bei Dido einkehren; 
durch Yerschmähung ihrer Liebe führt der troianische Held eine schwere 
Katastrophe herbei. Unter den Fragmenten ist keines^ das sich durch 
poetische Schönheit auszeichnet. Das Gedicht scheint versifirierte Prosa 
gewesen zu sein, also ein nüchternes und steifes Werk; aber die geschil- 
derten grossen Taten der Römer sprachen um so beredter. Damit steht 
im Einklang das Urteil Ciceros, der es einem Werke Myrons, d. h. einem 
nicht durchgeistigten plastischen Werke, vergleicht und als Vorzug des- 
selben nur die Klarheit hervorzuheben weiss. Ein Bild von dem Tone 
mag das mehrfach angeführte Fragment (37 B.) geben: 

transU Melitdm Ramdnus, instdam integram, 6ram 
urU populdtur västat; rem höstiüm coneinnat. 

Das Bellum Panicum des Naevios, ein Werk des Alters. Cic. Gato maior 
14, 49 si habet aliquod tamquam pabtdum «tudii aiqiu doctrinae, nihil est otiosa senectute 
iucundUi8, Als Beweis dafür fQhrt er an (14, 50): quam gaudebcd Belle suo Punico Naevius! 

Einteilung des Bellum Pnnicum. Sueton. de gramm. et rhet. 2 C. Octavius 
Lampadio Naevii Punicum bellum, quod uno volumine et continenti scriptura exposiium 
divisit in septem libros, Nonius p. 170, 17 M. (1 p. 250 L. M.) Santra de verborum anti- 
quitate III: quod volumen unum nos lectitavirnus, sed postea invenimus septifariam divisum. 
Vgl. F. Buecheler, Rhein. Mus. 40 (1885) p. 148; F. Leo, Die plant. Gantica und die hellen. 
Lyrik (Ahh. der 65tt. Ges. der Wissensch. N. F. Bd. 1 (1897) p. 7 Anm. 2). Auf den Ein- 
fluss des Grates will A. Hillscher (Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 18 (1892) p. 359) diese 
Einteilung zurQckf&hren. 

Gommentatoren des naevianischen Epos. Varro de lingua lat. 7, 39 aptUl 
Naevium: Ätque prius pariet lucusta Lucam bovem; Luca bos elephans; cur ita sit 
dicta, duobus modis inveni scriptum. Nam et in Comelii commentario erat ab Ltbycis 
Lucas; et in Vergilii ah Lucanis Lucas; ah eo quod nostri, cum maximam quadripedem, 
quam ipsi haberent, vocarent bovem, et in Lucanis Pyrrhi beUo primum vidissent apud 
hostis elephantos, eodem nomine item quadripedes cornutas (nam quos dentes müUi dicunt, 
sunt comua), Lucanum bovem quod puiabant, Lucam bovem appeüasse. Zur sachlichen 
Richtigstellung vgl. F. Buecheler, Rhein. Mus. 40 (1885) p. 149. 

üeber die Quellen. R. v. Scala (Rom. Stud., Innsbruck 1893, p. 3, p. 12) sucht 
nachzuweisen, dass für die Aeneassage Timaios, fOr den punischen Krieg Phüinos QueUe 
war. Ueber das Verhältnis des Naevius zu Timaios vgl. auch F. Noack, Die erste Aeneis 
Vergils (Hermes 27 (1892) p. 436). 0. Ribbeck (Gesch. der r5m. Dicht. 1> p. 24) vermutet, 
dass Naevius auch die lUupersis des Stesichoros benutzt habe. 

Zur Gomposition. Die Hauptfrage ist hier, ob Naevius den Krieg zwischen Rom 
und Karthago poetisch motiviert hat. Schon B. G. Niebuh r (Vorträge Qber rOm. Gesch. hrsg. 
von M. Xsl er 1 (Berl. 1846) p. 17) hat vermutet, dass Naevius den Krieg zwischen Rom und 
Karthago von der Untreue des Aeneas gegen Dido abgeleitet habe. Diese Ansicht wird jetzt 
vielfach geteilt; so sagt z. B. O. Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. 1' p. 25: ,Da wir nun 



Cn. Huvina. ($ 29.) 67 

wJBseD, daaa NKerins (wie Vergil) die beiden Schneatem Dido und Aii[i& eiiifDhrfe, so ist 
nichts glaublicher, ala daaa schon er eine Einkehr des Aeneae bei der EOnifcin der eben 

gigiflndeten lyrierkolonie und jene eroÜBche Katsstfophe uigenommen hat' Vgl. scfaoli& 
anielis ed Äen. 4, 9: Anna »oror cuiu» fUiat fuerinl Anna tt Dido, NaeoiuB dieä. Üeber 
die ZinllckfDbrDDg von Ovid. fast. 3, 524 sqq. &nf Naevins Tgl. £. Maaaa, Commentatio 
mTtbogiBphica (Ind. lect, Greifswald 1886/87, p. XYII); vgl. aber dagegen die richtigeii Be- 
merkimgen R. HeiDies, Virgils epische Technik, Leipx. 1908, p. IIJJ Anm. 1. Ceber Nae- 
viitB ala Qaelle VergilB vgl, F.Noack, Die ente Äeneia Tergils (Hermes 27 (1892) p. 435). 
Die Binkehr des Aeneas bei Dido leugnet L. Htlller, Q. Enniiu, Peterab. 1884, p. 147; 
Q. Eoni carminnm reliqniae, Peterab, 1884, p. XXIII; etwas skeptisch Suseert sich Heioie 1. c. 

Das urteil Ciceroa. Brutus 19, 75 iUiiu {Natvi], quem in natibus et Faunis ad- 
numerat Enniue, bellum PuHicutn gtuui' Myronia optu dtUctat. «t( Ennius sane, id est crrtt, 
perfretior: gui «' illum, vi aimut^, eoiUemneret, Mon omnia bella ptreequtnti primum illud 
Punicum aeerrimum bellum rdiquigset. led ipse dieit, cur id faeiat: — — scripsere, in- 
quil, alii rem vortibu», — — et iuculente quidem acripstrunl, ttiamai minus quam l« 
(seil. Ennius) poläe: nee vero tibi aliUr videri debet, qui a Naetiio vel sumpsiali muüa, gl 
fateria, vel, ai negas, surripuiali; rgl. C. Cnrcic, Rivista di filol. 26 (1898) p. 610. 

Die Fragmente bei J. Tahlen, De hello Pnnico reliqaiae, Leipz. 1854; L. MflUer, 
Q. Enni carminam reliqoiae, Peterab. 1884, p. 157; Der satomiadie Vera, Leipz. 1885, p 134; 
E. Baehrens, Fragm. poet Bon), p. 43, Ausser dem angegebenen Fragment sind noch be- 
lehrend liagm. 3, 4, 24, 48 B. Vgl. such Th.Mommsen, Rom. Gesch. l*p. 917. üeber die 
Einreihong von fragm. 51 B. in das 7. Buch vgl. J. Mesk, Wien. SLud. 22 (1900) p. 137. 
Ueber eioielne Veras vgl. F. Leo, Der astam. Vers, Berl. 1905. 

29. Charakteristik. Wenn wir zwischen Naevins and aeinem Vor- 
gänger einen Vergleich ziehen, ao ergeben sich gleich in den äusseren 
VerhältniBsen bedeutende Differenzen. >) Livius ist ein aus der Fremde 
stammender Sklave, Naevius Soldat im panischen Krieg; Livius wird durch 
BedOrftiis und Gelegenheit zum Dichter, den Naeviue dagegen führt sein 
QeniuB auf den Pamass; der Tarentiner befand sich in Abhängigkeit von 
einem Herrn, der Gampaner, eine starke, selbstbewusete, ja trotzige Natur, 
greift in seinen Gedichten die vornehme römische Welt an. Noch grösser 
ist die Differenz, wenn wir das geistige Schaffen der beiden Dichter ins 
Auge fassen. Livius ist im wesentlichen Uebersetzer, d. h. Bearbeiter 
fremder Gedanken; sein Verdienst ist also hauptsächlich in der Ueber- 
setzungskunst und in der Veretechnik zu suchen. Naevius dagegen dringt 
von der Uebersetzung zu eigenem SchafTen vor, er ist eine originell« 
Natur; in der Komödie ebnet er der selbständigen Produktion den Weg 
durch die Contamination und durch das Eingreifen in die Politik; in der 
Tragödie begründet er das historische Schauspiel der Römer, in dem Epos 
nimmt er sich einen glorreichen Abschnitt der römischen Geschichte zum 
Vorwurf; Dberall ist es das nationale Empfinden, das sich siegreich durch- 
ringt. Aus den Fragmenten des Livius spiegelt sich keine Persönlichkeit 
ab; die üeberreste des Naevius dagegen ^hren uns eine Individualität in 
scharfen Umrissen hervor. Als ein wahrhafter Genius hat er seine Spuren 
tief in die Herzen der Römer eingegraben. Als er durch den Tod dalilii- 
gerafft wurde, fühlte alles, welche bedeutende Persönlichkeit mit ihm daliin- 
gegangen sei. Eine zu seinen Ehren verfasste Grabschrift klagt, d&s» die 
Römer ihr Latein vergessen hätten, seit Naevius in das unterirdische Haus 
hinabgestiegen. Die späteren Praetextatendiehter und die Epiker blickten 
mit Verehrung zu dem Meister empor. Ennius muaste in seinen Annalen 
mit der Tatsache rechnen, dass der erste punische Krieg bereits von Nae- 



') Livina und Naeviua werden zusammen- 1 quae golebant quondam tonpleri streri'nte 
geateUt von Cic. de leg. 2, 15, 39 iUtid Video, \ iueunda lAoiania rt Naevianig modit. 




gg T. HaooiaB Plantns. (§ 80.) 

viu8 bearbeitet war; aach Yergil entlehnt für seine Aeneis manche Motive 
von dem campanischen Dichter. In der römischen Leserwelt erhielt sich 
Naevius lange Zeit; noch aus Horaz ersehen wir, dass der alte Dichter 
in den Händen seiner Zeitgenossen sich befindet. 

Die Grabschrift des Naevius. Gellins 1, 24» 2 immArtdUa^ mortdles ai forH 
fm iUre, \ fterint divai CanUnae NaMum poäam. \ itdqut pöstquam est Oreho trddttüs the- 
sauro, I oblüi sunt Romai loquiSr lingud Latina. Dass diese Grabschrift von Naevius selbst 
herrOhre, ist mir sehr zweifelhaft. Aach 0. Ribbeck (Gesch. der rOm. Dicht. 1' p. 26) teilt 
diesen Zweifel, indem er sa^: «Viel wahrscheinlicher stammt die Grabschrift von Varro, 
der in seinem Porträtalbnm berOhmter Männer (Imagines) dem Bildnis unseres Dichters 
diese Zeilen beigeftgt hat, sei es, dass er sie selbst gemacht, sei es, dass er sie etwa der 
Ausgabe des Lampadio entnommen hat' 

Fortleben des Naevius. Ueber das VerhAltnis des Ennius zu Naevius vgl. oben 
§ 28 Absatz: «Das Urteil Giceros*. Als Muster des alten Latein nennt Cicero neben Plautus 
Naevius; denn er Iftsst L. Licinius Grassus sagen (de or. 3, 12, 45): tarn (Lasliam) sie audio, 
ut Plautum mihi aut Naevium videar audire. sono ipso voeis ita recto et simplici est, ut 
nihü ostentationis aut imitationis adferre videatur. Horat. epist. 2, 1, 58 Naevius in mani- 
hus non est et mentibus haeret \ paene recensf adeo sanctum est vetus omne poema, Üeber 
die UeberÜeferung der Fragmente vgl. F. Leo, Plaut. Forsch, p. 18. 

3. T. Maccius Piautas. 

30. Biographisches. T. Maccius Plautus stammt aus dem umbrischen 
Sarsina. üeber sein Leben liegt eine klassische Stelle bei Gellius vor; 
sie geht auf Varro zurück und weist noch die Spuren gewissenhafter 
Forschung auf, so dass wir keinen Grund zum Misstrauen zu haben brau- 
chen. Nach diesem Zeugnis haben wir drei Perioden im Leben des Dich- 
ters zu unterscheiden. In jungen Jahren zog Plautus von seiner umbri- 
schen Heimat nach Rom, wohin schon damals ein bedeutender Zuzug aus 
allen Gegenden Italiens statthatte.^) Der ümbrer verdiente seinen Lebens- 
unterhalt in der Hauptstadt durch Dienstleistungen beim Theater. Für seine 
Entwicklung war dies von grosser Bedeutung, denn er hatte Gelegenheit, 
sich mit der Bühnentechnik bekannt zu machen. Allein vorerst konnte ihn 
das Theaterleben nicht fesseln; nachdem er eine Summe Geldes sich erspart 
hatte, ging er auf Reisen und wollte als Kaufmann sich Reichtum erwerben. 
Aber das Glück war ihm nicht hold: er verlor seine Habe und kehrte völlig 
mittellos nach Rom zurück; doch hatte er Gelegenheit gehabt, sich die grie- 
chische Umgangssprache anzueignen und selbst sich einige Kenntnisse des 
Punischen zu verschaffen. Die Not des Lebens zwang ihn, sich bei einem 
Müller zu verdingen und den Mühlstein zu drehen. Als Mühlbursche schrieb 
er in seinen Freistunden drei Komödien: Saturio, Addictus und eine mit un- 
bekanntem Titel. Seine geistige Arbeit befreite ihn von seiner äusseren Not- 
lage; er wurde ein berühmter Komödiendichter. Seine Komödiendichtungen 
können wir verfolgen von 204 bis zu seinem Tode,') welcher nach sicherem 
Zeugnisse im Jahre 184 eintrat; doch ist es wohl möglich, dass seine schrift- 
stellerische Tätigkeit schon mehrere Jahre vor 204 begonnen hat. 

Allgemeiue üehersichten Qher des Plantas Lehen und Schriften gehen 
die Jahresberichte von A. 0. F. Lorenz, Bnrsians Jahresber. 1878 p. 341; 1874/75 p. 606; 
6. Bd. (1876) p. 1 ; 14 (1878) p. 1 ; 18 (1879) p. 1 ; 22 (1880) p. 1 ; 27 (1881) p. 1 ; 0. Seyf f ert, 
ebenda 31 (1882) p. 83; 47 (1886) p. 1; 80 (1894) p. 227; 84 (1895J p. 1; J. P. Waltiing, 
Bibliographia Plaotina (1899—1901), Mas^e Beige 6 (1902) p. 280. 

*) Liv. 41, 8, 8. I «) Leo p. 71. 



T. Xaooiiis Plantus. (§ 80.) 69 

Ueber das Leben des Plautas haben wir eine Jugendabhandlung Leasings, Von 
dem Leben und den Werken des Plautus (1750) in dessen Sämtl. Sehr. hrsg. von G. Lach- 
mann 4* (1889) p. 57. Grundlegend sind mehrere Abhandlungen F. Ritschis, die in den 
Parerga, Leipz. 1845, Tereinigtsind; vgl. die iestimoniain der Ausg. von Götz-Schoell l'p.XV. 

a) Die Namen des Dichters. Der Dichter hiess lange iirtttmlich M. Accius 
Plautns; allein am Schluss der Gadna steht in A deutlich geschrieben: T. Macci Piauti, 
Das Praenomen T. ist am Schluss der Menaechmi durch das Zeugnis Ritschis, Stude- 
munds, Schoells (Ausg.* p. VUI) sicher festgestellt und kann nach Studemund am 
Schluss des Epidicus gestanden haben. Es kommen hinzu zwei weitere Stellen, in denen 
die üeberlieferung auf Macci Titi ftLhrt. Mercator 10 ist in dem Verse: eadem latine Mer- 
cator Macci Titi statt der zwei letzten Worte überliefert: nutctici und mattici, was Ritschi 
richtig verbessert hat. Gellius 8, 8, 9 wird eine Stelle des Accius über ^e plautinischen 
Komödien angeführt^ an deren Schluss es in der Üeberlieferung heisst: M. Äccii {ActiiY) 
Titi. Auch hier zwingt das Praenomen Titi uns, Macci zu lesen. Sonach hiesse der Dichter 
T. Maccius Plautus. Zwar wird Paulus Diac. p. 239 0. M. Plautus als poeta Accius be- 
zeichnet, allein bei Festus ist die Handschrift hier zerstört (vgl. die Ausgabe des Festus von 
Thewrewk p. 304), so dass wir nicht wissen, was hier gestanden hat; vgl. über die Stelle 
Ch. Huelsen, Berl. philol. Wochenschr. 1886 Sp. 419. Schwierigkeit machte Asin. prol. 11: 
Demophilus scripait, Maccus vortit barbare. In diesen Vers Maccius direkt oder indirekt (Macius 
oder Maccis) einzuführen, ist eine Unmöglichkeit; die Form Maccus muss festgehalten und er- 
klärt werden, a) F. Buecheler (Rhein. Mus. 41 (1886) p. 12) hat folgende Erklärung ge- 
geben: «Sarsinas poeta dum Romae scaenam tenet ludosque facit populo, simpliciter maccus 
vocabatur, ioculator yeXtotonoiog .... Postea Umher civitatem Romanam adeptus cum tria 
nomina sumeret ritu civium, traute gentilicio ab artis opera et appellatione qua inclaruerat, 
ex Ploto macco factus est T. Maccius Plautus. Gonsimili ratione persaepe accidit, qui 
publicus erat'servus, ut in libertatem vindicatus T. Publicius existeret.* Der Annahme 
Buechelers, dass Maccius ein aus Maccus künstlich gebildeter Gentilname sei, steht die 
Tatsache gegenüber, dass in oskischen Inschriften das Gentile Maccius sich oft findet und 
dass wegen der Verwandtschaft des Oskischen mit dem Umbrischen wahrscheinlich ist, 
dass auch in diesem Dialekt das Gentile Maccius bestanden hat; vgl. z. B. GIL 10, 8148; 
Notizie degli scavi 1881 p. 24; 1898 p. 422; A. Sogliano, La Gens Maccia in Pompei (Rendi- 
conto delLft R. accademia di archeoL lett. e b. arti N. S. 12 (Napoli 1898) p. 179). ß) F. Leo 
(Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 72) schlägt einen anderen Weg ein, indem er Maccius zu be- 
seitigen sucht. Dieses bernne nur auf einer falschen Auflösung des in den Prologen ge- 
nannten Macci Titi; der Dichter habe in seiner umbrischen Heimat den Individualnamen Titus 
und den Spitznamen Plotus, latinisiert Plautus, geführt. In Rom sei der Spitzname Maccus 
hinzugekommen; er habe sich daher in seinen Prologen Maccus Titus oder auch Plautus ge- 
nannt; spätere Gelehrte hätten dann, um die dreisilbige römische Nomenklatur zu erhalten, 
den Dichter T. Maccius Plautus genannt. Diese Hypothese schiebt das deutliche Zeugnis 
des Ambrosianus beiseite, was insofern bedenklich ist, als der Gentilname Maccius höchst 
wahrscheinlich auch Umbrien zugeteilt werden kann und die Möglichkeit bestand, den Namen 
des Dichters aus den didaskalischen Urkunden zu ermitteln, y) Die einfachste Lösung 
des Problems gab F. Marx, Die neueren Forschungen über die bürgerliche Stellung und 
die Lebensschicksale des Dichters Plautus (Zeitschr. für österr. Gymn. 1898 p. 898). Er 
hält an Maccius als Familiennamen des Plautus fest und erachtet Maccus als ein frostiges 
Spiel des Prologschreibers mit dem nomen gentile. «Ein Hanswurst (statt Maccius) hat das 
Stück ins Lateinische übersetzt. ** d) Maccus verteidigt Wilh. Schulze (Zur Gesch. lat. 
Eigennamen, Berl. 1904, p. 298) mit Rücksicht auf das etruskische Namenss^stem, das auf 
Umbrien seinen Einfluss erstreckt habe. — Ueber den Namen Plautus enthielt eine wert- 
volle Notiz Festus an der bereits oben erwähnten Stelle, welche aber durch Zerstörung des 
Blattes sehr gelitten hat; die Epitome des Paulus Diaconus gibt: Ploti appellantur, qui 
sunt planis pedibus, ünde et poeta Accius, quia Ümber Sarsinas erat, a pedum planicie 
initio Plotus, postea Plautus est dictus, 

Geschichte der Frage. Der erste, der die Namen T. Maccius Plautus unserem 
Dichter vindizierte, war F. Ritschi; vgL dessen Parerga, Leinz. 1845, p. 18. Gegen Ritschi 
erhob sich G. E. Geppert, Ueber Vor- und Zunamen des Plautus und die Echtheit seiner 
Stücke (Jahns Archiv 19 (1853) p. 262), der wiederum von M. Hertz, T. Maccius Plautus 
oder M. Accius Plautus, Berl. 1854 bekämpft wurde. Ein neuer Gegner erstand Ritschi 
in dem Turiner Professor Thomas Vallauri, der gegen die Abh. der Parerga die Anim- 
adversiones in dissertationem Friderici Ritschelii de Piauti nominibus (Ex actis regiae socie- 
tatis Taurinensis scientiarum finibus proferendis vol. 24 ser. 2 (Purin 1867) p. 147; auch 
in dessen Acroases 4 (1868) p. 91) schrieb. Zur Verteidigung der Ritsch Ischen Anschauung 
trat wieder M. Hertz in seinem Dissertationis de Piauti poetae nominibus epimetrum (Ind. 
lect Greifswald 1867/68) auf den Kampfplatz. Auch Ritschl (Opusc. 2 p. XVI) machte 



70 T. Haooiiis Plaatas. (§ 80.) 

gesen Vallanri einen BaturiBcken Aoafall. Ueber ein Jahrzehnt rohte der Streit, bis der- 
selbe im Jahre 1884 nenerdings wieder in Italien anflehte; denn in diesem Jahre erschien 
E. Gocchias Anfsatz: M. Accins Plantas owero T. Maccins Piautas? (Rivista di filol. 13 
p. 97; auch separat erschienen: La patria di £nnio ed il nome di Plante, Tarin 1884), in dem 
T. Maccins als Name des Dichters verworfen wird. In eine Widerlegung traten L. Mante• 

fazza, Tito Maccio Planto, e non Marco Accio Plauto, Bergamo 1885, und, soweit die 
estassteUe in Betracht kam, Gh. Hu eisen. Der Name des Plantas (Berl. philol. Wochenschr. 
1886 Sp. 419) ein. Aber Gocchia gab seine Sache noch nicht verloren; im Jahre 1899 ver- 
focht er nochmals den herkömmlichen Namen in: L'origine del gentilizio Plautino secondo i 
piü recenti segnaci della teoria Bitscheliana (Estratto dal vol. 20 degli Atti deUa R. accademia 
di archeologia, lottere e belle srti, Neapel 1899), rief aber eine scharfe Entgegnung 0. Se7f- 
f erts in der Berl. philol. Wochenschr. 1900 Sp. 187 hervor. 

b) Heimat und Lebenszeit des Dichters, er) Als Umber bezeichnet ihn Festns 
p. 238 0. M. Hieronym. z. J. 1817 = 200 v. Ghr. (2 p. 125 Seh.) erfahren wir auch den Ort 
seiner Geburt: Plautua ex Umbria Sarainas. ß) Fest steht das Sterbejahr des Dichters: 
de. Brut. 15, 60 Pla%Uu9 P. Claudio L. Porcio vigitUi annia post illos, quos ante dixi, con- 
etUibus mortuus est, CkUone censore (die vorher erwähnten Konsuln des Jahres 204 waren 
Gethegns und P. Tuditanus). Das Konsulat der Konsuln P. Claudius und M. Porcius und 
die Gensur Gatos fallen in das Jahr 184. Das Geburtsjahr des Dichters kann nur durch 
Gombination ermittelt werden. Die Hauptstelle ist hier Gic. Gate maior 14, 50 quam gaudebat 
Beilo euoPunicoNaeviusf qtiam TruculerUo Plautua, quam Paeudolo! Hier werden Truculentus 
und Pseudolus als Werke aufgeführt, die dem Plautus als seuex angehören. Der Dichter 
muss also damals mindestens 60 JiJire alt gewesen sein. Da der Pseudolus im Jahre 191 
aufgeführt wurde, kommen wir auf 251 aJs spätestes Geburtsjahr. Mit diesen Ermitte- 
lungen steht im Widerspruch Hieronym. 1. c: Plautus ex Umbria Sarsinaa Romae moritur, 
qui propter annonae difficuUatem ad molas manuarias pistori 8e locaverat, ibi quotiena ab 
opere vacaret aeribere fabulaa aolitua ae vendere. Man hat durch Gonjektur moritur zu 
beseitigen versucht. M. Hertz schlug moratur, R. Sabbadini (Rivista di filol. 28 (1900) 
p. 298) meretur vor; beides ist unmöglich. Richtiger würde claruit oder ein ähnliches Wort 
sein; vgl. G.Pascal, Studi sugli scrittori latini, Turin 1900, p. 52. Ueber die Blüte des 
Piautas vgl. Gellius 17, 21, 46: tte deinde annia ferepoat quindeeim heÜum adveraum Poenoa 
aumptum eat at^ue non nimium longe M. Cato orator in eivitate et Plautus poeta in aeaena 
floruerunt. — F. Ritschi, De aetate Plauti (Parerga p. 45). 

c) Die übrigen Lebensumstände des Dichters. Der Hauptbericht ist Gellius 
3, 8, 14: Saturionem et Addictum et tertiam quandam, cuiua nunc mihi nomen non aub- 
petit, in piatrino eum acripsisae Varro et plerique alii memoriae tradiderunt, cum pecunia 
omnif quam in operia artificum acaenicorum (Theaterarbeiter) pepererat, in mercatibua per- 
dita inopa Romam rediaaet et ob quaerendum victum ad circumagendaa molaa, quae 'tru- 
aatilea' appellantur, operam pistori locaaaet. F. Leo (Plaut. Forsch, p. 67; Die griech.-röm. 
Biogr. p. 187) verwirft diesen Bericht und glaubt, ,dass zu der ganzen Erfindung über Plautus' 
Leben einzelne Stellen seiner Komödien den Anlass gegeben haben' und dass die römische 
litterarische Forschung hier ganz nach dem Muster der griechischen verfahren sei. Dem- 
gegenüber zeigt Marx in der schon erwähnten Abhandlung (p. 391), dass Varros Bericht aus 
dem Studium historischen Materials, das sich wohl zum grössten Teil aus Prologen verlorener 
Stücke des Dichters vorfand, geflossen sei und daher vollen Glauben verdiene. Einer Er- 
klärung bedürfen die Worte tu operia artificum acaenicorum. Diese Worte können nur 
bedeuten: 'unter den Arbeitern, Gehilfen der Bühnenkünstler', was unserem 'als Arbeiter etc.' 
entspricht; vgl. Nägelsbach, Lat. Stilistik, Nürnberg' 1905, p. 527. Gic. epist. ad fam. 
13, 9, 8 Cn, Pupium, qui eat in operia eiua aocietatia, üeber dieses niedere Theaterpersonal 
vgl. auch Serv. zu Verg. georg. 3, 25 : Augustua poatquam vicit Britanniam, plurimoa de cap- 
tiüia, quoa adduxerat, donavit ad officia theatralia. Unrichtig erklärt mit Anderen Leo (p. 65) 
operae artificum acaenicorum als «die Leistungen, die Aufführungen der Schauspieler* und 
macht Plautus zu einem Schauspieler. Dies können die fraglichen Worte nicht bedeuten und 
hätte dies ausgedrückt werden sollen, so würde doch arte hiatrionica der nächstliegende 
Ausdruck gewesen sein. Das seltene truaaiilea stand höchst wahrscheinlich in der Stelle, die 
Varro als Quelle benutzte; vgl. Marx p. 398. Durch haltlose Vermutungen bringt Gocchia 
(1899 p. 15) das verlorene Stück Addictus mit dem Leben des Plautus in Zusammenhaug. 
Gegen den Bericht Varros bei Gellius verhält sich ablehnend A. Gima, Intomo alla vita e 
al Dome di Plauto (Rivista di storia antica N. S. 7 (1903) p. 429). Um die Schaffenszeit des 
Dichters festzustellen, müssen wir auf die wenigen überlieferten Daten über die Abfassung 
der einzelnen Stücke rekurrieren. So wissen wir aus Didaskalien, dass der Stichus 200, der 
Pseudolus 191 aufgeführt wurde; Gombinationen ergeben, dass der Miles etwa dem Jahre 204 
angehört. Fassen wir die Lebensumstände des Dichters ins Auge, so müssen zwei Tatsachen 
in die Wagschale geworfen werden: 1. dass Plautus eine grössere Reihe von Jahren am 



T. Maeoiiis Plantiis. (§81.) 71 

Theater beschäftigt war» om eich eine Summe zn ersparen, mit der er in der Fremde einen 
Handel anfangen konnte; 2. dass der Zusammenbruch seines Geschäftes wohl mit dem Aus- 
bruch des hamiibalischen Krieges in Zusanunenhang stand. Wir werden daher wohl einige 
Jahre nach Ausbruch des zweiten pnnischen Krieges fOr die Rückkehr des Plautus nach 
Rom ansetzen müssen. Auch die Abfassung der drei Komödien in der Mflhle wird einige 
Jahre beansprucht haben. 

31. Sichtung des plautinischen Corpus durch Varro. Unter Plautus' 
Namen waren nach Gellius' Zeugnis unge&hr 130 Komödien in Umlauf. 
Von vornherein ist nicht wahrscheinlich, dass alle diese Stücke plautini- 
sches Erzeugnis waren. Da Plautus in der Palliata tonangebend war, wird 
sich, wie dies so oft bei hervorragenden Litteraturerscheinungen der Fall 
ist, an den Meister ein Kreis von Nachahmern und Nachtretern ange- 
schlossen haben. Die auf diese Weise entstandenen Nachahmungen konnten 
aber um so leichter den Namen des Plautus annehmen, als es an einer 
durchgreifenden Kontrolle von Seiten des Publikums fehlte. Die Stücke 
kamen ja zumeist nur durch die Aufführung zur allgemeinen Kenntnis. 
Wenn das Stück gefiel, war der Name des Autors von sehr untergeordneter 
Bedeutung. Auch die Theaterdirektoren, welche die Stücke fQr die Auf- 
führung sammelten, hatten kein Interesse, sorgfältige Untersuchungen über 
die Autorschaft der einzelnen Komödien anzustellen. Daher ist es nicht 
zu verwundern, wenn bei dieser Sorglosigkeit die Sonderung des Eigen- 
tums zurücktrat und der berühmte Name des Plautus für eine ganze Reihe 
von Produkten herhalten musste. Es war keine geringe Aufgabe für die 
römische Philologie, in diesem Chaos Ordnung zu schaffen. An dieser Ar- 
beit beteiligten sich L. Aelius Stilo, Aurelius Opilius, Yolcacius Sedigitus, 
L. Accius, Serv. Clodius, Manilius. Sie entwarfen Verzeichnisse der echten 
plautinischen Stücke. Einen entscheidenden Abschluss erhielten diese Stu- 
dien durch Varro. Er unterschied drei Klassen der unter dem Namen 
des Plautus umlaufenden Komödien: in die erste Klasse setzte er die 
Stücke, welche von allen Forschern als plautinisch bezeugt waren; der 
zweiten Klasse wies er diejenigen zu, für welche als plautinische die Mehr- 
zahl der Zeugen sprach und ausserdem historische Erwägungen und Stil- 
beobachtungen. Es blieb dann noch eine kleine Klasse von solchen übrig, 
die in den Verzeichnissen der Gelehrten entweder fehlten oder auch aus- 
drücklich als nichtplautinische aufgeführt waren ; hier konnten nur Gründe, 
aus dem Stil und der Darstellung hergenommen, den plautinischen Ur- 
sprung dartun. Für die erste Klasse erhielt er 21 Stücke. Nun sind uns 
auch gerade 21 Komödien überliefert; eine, die Vidularia, stand noch im 
ambrosianischen Palimpsest, und ihre Fragmente liegen jetzt entziffert 
vor; auch in der zweiten Familie war das Stück ursprünglich vorhanden, 
ging aber bis auf den Titel im Laufe des Mittelalters verloren. Hier an 
einen Zufall zu denken, ist unmöglich ; wir werden vielmehr zu dem Schluss 
gezwungen, dass unsere 21 Stücke diejenigen sind, welche Varro in die 
erste Klasse gestellt hat. Es sind dies die sog. fabulae Varronianae. 
Wir haben sonach nur Komödien von Plautus, welche den Gelehrten des 
Altertums bezüglich der Echtheit gar keinen Zweifel darboten; es ist un- 
bestrittenes Gut. 

üeber die fabnlae Varronianae handelt meisterhaft F. Ritschl, Die fabnlae 
Varronianae des Plantos (Parerga, Leipz. 1845, p. 73). Mit unrecht werden dessen Resultate 



72 



T. Haccivs Plautiis. (§ 82.) 



von P. G. Gaidani, Qnaest Plantinae, 3: De Plnoti comoediis qiiae Varronianae dicnntar 
(Estratto dagli Annali della R. acaola normale snperiore di Pisa 1891 p. 37) bezweifelt 

a) Der umfang des plantinischen Corpus. Gellios 3, 3, 11 feruntur 8ub Plauti 
nomine eamoediae circUer eentum atque triginta; aed homo eruditissimus L, Äelius quinque 
et Hginti eius esse solas existimavit, Serv. praef. in Aen. p. 4, 15 Th. Plautum alii dieunt 
unam et viginti fahulcts seripsisse, diu quadraginta, alii eentum, 

b) Zur Erklftrung des grossen Umfangs des Corpus. Gellios 3, 3, 13 neque 
tarnen dubium est, quin istaec (comoediae), quae scriptae a Plauto non videntur et nomini 
eius addicuntur, veterum poetarum fuerint et ah eo retractatae et expolitae sint ac propterea 
resipiant stilum Plautinum. 3, 3, 10 in eodem libro Varronis {de comoediis Plautinis primo) 
id quoque scriptum et Plautium fuisse quempiam poetam comoediarum. Quoniam fabulae 
eae 'Plauti' inseript€te forent, acceptas esse quasi Plautinas, cum essent non a Plauto Plau- 
tinae, sed a Plautio Plautianae; vgl. dazu M. Hertz, De M. Plantio poeta ac pictore, Ind. 
lect. Bresl. 1867 p. 6 (richtet sich besonders gegen F. Ritter, Dossennns and Plautius, 
zwei erdichtete rOmische Komiker (Rhein. Mos. 5 (1847) p. 216), der die Existenz des Plan- 
tins bestritten). Als wahre Ursache fahrt Ritschi (p. 113) an, ,dass überall und in allen 
Gebieten das individuell Hervorragende in volksmftssiger Auffassung zu einem kollektiven 
Mittelpunkte wird, um den herum sich das minder bedeutende Gleichartige agglomeriert, 
seiner Eigenexistenz verlustig gehend*. Vgl. noch Th. Mommsen, Rom. Gesch. 1' p. 901. 

c) Die Verfasser von indices Plautini. Gellius 3, 3, 1 verum esse comperior, 
quod quosdam bene litteraios homines dicere auditd, qtii plerasque Plauti eomoedias curiose 
atque contente lectitarunt, non indidbus Aelii (§ 76) nee Sedigiti (§ 62) nee Claudii (§ 196, 3) 
nee Aurelii (§ 195, 1) nee Accii (§ 49) nee Manilii (vgl. § 204, 2) super his fabulis, quae 
dieuntur 'anUngua£', crediturum, sed ipsi Plauto moribusque ingeni atque linguae eius. 
3, 3, 9 M, tarnen Varro in libro de comoediis Plautinis primo Accii verba haec ponit: Nam 
nee Geminei lenones nee Condcdium nee Anus Plauti nee Bis compressa nee ßoeotia um- 
quam fuit neque adeo Agroecus neque Commorientes Maccl Titi\ vgl. dazu J. Yahlen, Ind. 
lect. Berl. 1901. Zu den von Gellius genannten Verfassern von indices Plautini kommt 
noch Varro hinzu. 

d) Die Kriterien Varros in der Sichtung des corpus Plautinum. Gellius 
3, 3, 3 praeter iüas unam et viginti, quae ^Varroniana^ vocantur, quas idcirco a ceteris 
segregavit, quoniam duhiosae non erant, sed consensu omnium Plauti esse censebantur, quos- 
dam item alias probavit adduetus fUo atque facetia sermonis Plauto congruentis ectsque iam 
nominibus aliorum oecupatas Plauto vindieavit, sicuti istam, quam nuperrime legebamus, 
ctii est nomen Boeotia. Nam cum in iUis una et viginti non sit et esse Aquili dicatur, 
nihil tamen Varro duhitavit, quin Plauti foret. Zur Erklftrung der Stelle sind folgende 
Worte Ritschis (Parerga p. 120) von Bedeutung: , Liegt zwischen consensu omnium (Ploiäi 
esse censebantur) und nullius oder prope nullius testimonio (denn darauf kommt ja das 
iam nominibus aliorum oecupatas hinaus) nichts in der Mitte? Erwartet man nicht aJs 
Drittes plerorumque oder multorum consensus'?'^ Üeber die sich darnach ergebenden 
Klassen vgl. Ritschi p. 121. Für die zweite und dritte Klasse gewinnt Ritschi (p. 127), 
indem er die Angabe des Servius über 40 echte Stücke des Plautus verwertet, die Zahl 19 
(21 4- 19 = 40). Centum bei Servius fasst Ritschi als Rundzahl, M. Hertz (De Plautio 
p. 5 Anm. 1) als Angabe aus einer anderen Quelle. 

32. Die Stoffe in den plautinischen Komödien. Wir zählen die 
Komödien auf in der Reihenfolge, in der sie uns die zweite Quelle der 
üeberlieferung erhalten hat. Es folgt zunächst eine kurze Inhaltsangabe, 
daran werden sich Bemerkungen reihen über das Original und dessen Ab- 
fassungszeit, ^) über Zeit und Composition des lateinischen Stückes und 
über dessen Nachwirkung in der neuen Litteratur. 

1. Amphitruo. Der Inhalt dieser Komödie beruht auf Verwechs- 
lungen, und zwar werden diese Verwechslungen durch göttliche Personen 
bewirkt. Juppiter gibt sich nämlich für den thebanischen Feldherrn Am- 
phitruo aus und nähert sich unter dieser Verhüllung dessen Gattin Alk- 
mene, Mercur aber nimmt die Gestalt des Dieners des Amphitruo, des 



') Grundlegend ist dafür die Abhandlung 
F. Haeffners, De Plauti comoediarum 
exemplis Atticis quaestiones mazime chrono- 



logicae, Diss. 69tt. 1894; vgl. dazu A. Holm, 
Berl. philol. Wochenschr. 1894 Sp. 1253. 



T. Haooiiis Plautns. (§ 82.j 73 

Sosia, an. Die Situationen, die sich daraus entwickeln, sind ungemein 
amüsant. Der Prolog nennt das Stück eine «tragicomoedia''. Der Dichter 
hat den Mythus von Juppiter und Alkmene so bearbeitet, dass das Gött- 
liche in niedrige Situationen gebracht ist. Das Original rührt wahrschein- 
lich von einem Dichter der neueren Komödie her. 

Das griechische Original. Th. Bergk (Griech. Liiteratnrgesch. 4 (Berl. 1887) 
p. 123) hält fttr das Original ein Stück der mittleren Komödie. Dagegen suchen das Ori- 
ginal in der neueren Komödie J. Vahlen, Plaatos und die fahula Rhinthonica (Bhein. Mos. 
16(1861) p. 472); F. Hneffner, De Plauti comoedianim exemplis Atticis, GöUingen 1894, 
p. 72 und U. Wilamowitz, Herakles 2> (Berl. 1895) p. 227. Prolog Vs. 59 liest Leo: 
faciam tU eommixta sit: sit tragicomoedia. 

Die lateinische Bearbeitung. Das Verfahren des Plantus bei der üebertragung 
des Originals verfolgt im einzelnen F. Sie wert, Plautns in Amphitmone fabula quomodo 
exemplar graecum transtulerit, Leipz. 1894. Contamination statuiert Th. Kakridis, Rhein. 
Mus. 57 (1902) p. 468, indem er glaubt (p. 464), ,dass Plautus die Geburtsscenen nicht im 
Original gefunden, sondern sie durch Contamination aus einem anderen Stück zngefQgt hat, 
'um Stoif und Handlung zu häufen"; vgl. denselben, Berl. philol. Wochenschr. 1902 Sp. 1180. 

Die Lücke. Durch den Verlust einer Blfttterlage sind im vierten Akt, wie ver- 
mutungsweise angenommen wird, nahezu 800 Verse verloren gegangen, welche den Schluss 
der zweiten Scene, zwei ganze Scenen und den Anfang der dritten enthielten. Wir sind 
hier nur auf die von Grammatikern citierten Verse angewiesen. Den Inhalt und den Aufbau 
des Verlorenen suchen zu bestimmen ausser J. L. Ussing (Ausg. p. 380) und Goetz-Loewe 
(Ausg. p. 114) £. Hoff mann, De Plautinae Amphitruonis exemplari et fragmentis, Breslau 
1848; J. Schroeder, De fragmentis Amphitruonis, Strassb. 1879 (jetzt in W. Studemunds 
Stud. auf dem Gebiete des archaischen Lateins 2 (1891) p. 1); S. Brandt, Rhein. Mus. 34 
(1879) p. 575. 

Fortlebe n. Amob. adv. nat. 4, 35 ; 7, 83 ; Prudent. perist. 10, 226 ; Augustin. epist. 202. 
Den Stoff des Amphitruo behandelt in elegischem Masse die mittelalterliche Dichtung des 
Vitalis (vgl. § 791 p. 42; W. Gloetta, Beitr. zur Litteraturgesch. des Mittelalters und der 
Renaissance 1 (Halle 1890) p. 68; W. Creizenach, Gesch. des neueren Dramas 1 (Halle 
1893) p. 22). Moderne Bearbeiter des Amphitruo sind Moli^re (1668) und H. v. Kleist 
(1807). — K. V. Reinhardstöttner, Plautus; spfttere Bearbeitungen plautinischer Lust- 
spiele, Leipz. 1886, p. 123. 

Spezialausg. Von F. Lindemann, Leipz. 1834; von F. W. Holtze, Leipz. 1845; 
von A. Palmer, London 1890 (with introduction and notes); von L. Havet, Paris 1895 
(in der Bibliothdque de Töcole des hautes ötudes); der Ausg. ist angehftngt eine Abhand- 
lung (p. 117): Disqnisitio de codice quodam deperdito; vgl. 0. Seyffert, BerL philol. 
Wochenschr. 1896 Sp. 8: Der Text durch Coniekturen hart mitgenommen. 

Litteratur. F. G. Welcker, Die griechischen Tragödien, Bonn 1841, p. 1478; Stein- 
hoff, Prolegomena zu Plautus Amphitruo I. IT., Progr. Blankenb. 1872/79; A. Gartault, 
L'Amphitryon de Piaute et la lögende de la naissance d'Herakles (Revue universitaire 2 
(1893) 5 p. 529, 6 p. 1); F. Gaffiot, Revue de philol. 29 (1905) p. 145. 

2. Asinaria (Eselskomödie). Das Stück, das nach dem 'Ovayog 
des Demophilus bearbeitet ist, hat seinen Namen von der für verkaufte 
Esel an den Hausverwalter abzuliefernden Geldsumme, welche von einem 
Sklaven unterschlagen wird, um dem jungen Herrn sein Liebchen zu sichern. 
Da auch der Vater an diesem Liebchen seinen Anteil haben möchte, hilft 
er zur Erschwindelung der Summe getreulich mit. Doch die Strafe folgt: 
er wird von seiner Frau über seiner Nichtswürdigkeit ertappt. Das Stück 
hat viel Possenhaftes. 

Das griechische Original. Prolog. 10 huie nomen graece Onagost fabvHae. üeber 
die Zeit des griechischen Originals, fttr welche nur wenig Anhaltspunkte vorliegen, vgl. 
Hueffner p. 70. Doch wird es nicht zweifelhaft sein, dass das Stttck der neueren Ko- 
mödie angehört, unrichtig wollte man den sonst nicht bekannten Demophilus durch Di- 
philus ersetzen; vgl. Ausg. von Goetz-Loewe p. XIX und F. Ritschi, Opusc. 2 p. 683 
Anm. ***. üeber Vs. 68 fg. vgl. die Bemerkungen F. Leos, Hermes 18 (1883) p. 564. 

Die lateinische Bearbeitung, a) Die Zeit, üeber die Zeit derselben vgl. 
L. Badermacher, Rhein. Mus. 58 (1903) p. 636, der durch Combination auf Grund von 
Vs. 123 das Stttck dem Jahre 212 zuweist (p. 637). §) Die Gomposition. Ueber dieselbe 



74 T. Maoeina Plantiui. (§ 82.) 

▼gl. G. Langrehr, Plantina, Friedland i. M. 1894; L. Havet, La seconde et la troiai&me 
seines et la compositioii g^nörale (Revne de philol. 29 (1905) p. 94). Ueber das Stück ar- 
teilt Prolog. 13: inest lepoa luduaqne in hae eomoedia, Ridicula res est; vgl. daza Rib- 
beck 1. c: «Der Verfasser scheint sich im grossen and gansen an sein griechisches Ori- 
ginal gehalten sa haben, eine etwas aosgelassene, bisweilen (in 2) ins Kindische über- 
gehende Posse mit anmutig sentimentalen Intermezzi, aber widerwärtig senilem Hautgoat. 
Von Contamination keine Spur. Aber besonders die beiden SklavenroUen sind beträchtlich 
romanisiert.' üeber Contamination vgl. F. Leo zn Vs. 127. ^)Ueberarbeitang. Sparen 
der Ueberarbeitang für eine wiederholte AaffÜhrong werden von O. Ribbeck (Rhein. Mos. 
37 (1882) p. 54) angenommen. Gegen die Annahme einer doppelten Recension des Aas- 
gangs I, 1 von Goetz-Loewe (Aasg. p. XXII) vgl. M. Rauterberg, Qaaest. Plant., Wil- 
helmshaven 1883, p. 2. 

Lücke. Ribbeck statuiert nach dem Vorgang A. Spengels (Die Akteinteüong 
der Komödien des Plautus, Progr. München 1877, p. 47) wegen Vs. 580—584 eine grössere 
Lücke nach Vs. 495; femer eine solche nach Vs. 809 zur Ausfüllung der dort vorhandenen 
Pause, die Verse 829, 830 seien die Reste der ausgefallenen Scene. Eine weitgehende Hypo- 
these über Lückenhaftigkeit trügt H. Schenkl (Zeitschr. für die österr. Gymn. 33 (1882) 
p. 42) vor; vgl. auch Havet p. 98, p. 100. 

3. Aulularia (Die Topf komödie). Diese Komödie ist ein Charakter- 
stück von grosser Schönheit, sie schildert uns einen Geizhals, von dessen 
Goldtopf sie den Namen hat. Die Verwicklungen knüpfen sich einmal an 
den Goldtopf, welchen der Geizhals in grösster Angst hütet und versteckt 
und trotzdem nicht vor Entdeckung und Diebstahl schützen kann, dann 
an des Geizhalses Tochter, welcher der junge Lyconides Gewalt angetan 
hatte, und die dessen Onkel Megadorus in Unkenntnis der Sachlage zur 
Frau nehmen will. Der Schluss des Stückes ist verloren gegangen, allein 
über den Ausgang der Handlung kann kein Zweifel aufkommen. Lyconides 
erhält des Geizhalses Tochter zur Frau, der Geizhals dagegen wieder seinen 
Goldtopf, den der Sklave des Lyconides gestohlen hatte; aber da in einem 
Fragment der Geizhals sagt, dass er jetzt ruhig schlafe, während ihn 
früher die Unruhe verzehrte, wird er den Goldtopf seinem Schwiegersohn 
als Mitgift überlassen haben. Die Schilderungen sind spannend, da der 
Geizige überall Verrat wittert; besonders ergötzlich ist die Scene, wo er, 
als er seinen Schatz verbergen will, einen Sklaven entdeckt. 

Das griechische Original. Ueher die Zeit des Originals vgl. Hueffner (p. 66), 
der dasselbe in die Zeit des Demetrius Phalereus verlegt. Welcher Dichter das Original 
geliefert, Ifisst sich nicht sicher nachweisen. Am wahrscheinlichsten ist noch Menander; 
C. M. Francken, Het origineel van Plant. Aul. (Verslagen en Mededeelingen 2 (Amsterdam 
1882) p. 217); Mnemos. 19 (1891) p. 341) denkt an die ydgia, J. Geffcken (Studien zu 
Menander, Progr. Hamb. 1898, p. 9, dem U. Wilamowitz, Neue Jahrb. fQr das klass. Alter- 
tum 3 (1899) p. 526, beistimmt) an den Dyskolos. Ph. £. Legrand, Pour Fhistoire de 
la com^die nouvelle, 1: Le Jv<rxoXos et les 'EnizQinoyreg de Menandre (Revue des ^tudes 
grecques 15 (1902) p. 357) hftlt die *EniTQi7iovteg des Menander für das Original unseres 
StQckes und stellt, um seine Anschauung mit der Geffckens zu vereinigen, die unwahr- 
scheinliche Hypothese auf, dass Menander seinen JvaxoXos später in die 'EniiQ^novres um- 
gearbeitet habe. 

Die lateinische Bearbeitung. «) Die Zeit. Ueber die Zeit der Bearbeitung 
vgl. Francken, Mnemos. 1. c, der aus Vs. 408, wo die Bacchanalien erwähnt werden, 
das Jahr 186 gewinnt. Weiter läset sich darauf hinweisen, dass die Scene III 5 die Auf- 
hebung der lex Oppia im Jahre 195 (Liv. 34, 1 ff.) voraussetzt (vgl. Th. Lad ewig, Zeitschr. 
für die Altertumsw. 1841 Sp. 1086) und dass Vs. 354 nicht vor Einsetzung des leiunium 
Cereris im Jahre 191 (Liv. 36, 37, 4) geschrieben sein würd (Francken p. 343). ß) Die 
Gomposition. Ein Problem, das die Auffassung der Composition beeinflusst, ist die Er- 
scheinung, dass der Sklave Strobilus zugleich Sklave des Lyconides und seines Onkels 
Megadorus ist. G. Goetz (Ausg. p.VIII; vgl. Act. soc. Lips. 6 (1876) p.310) erklärt dieselbe 
durch die Annahme einer Ueberarbeitung. Der Sklave des Megadorus habe bei Plautus 
den Namen Pythodicus geführt und dieser Name habe sich II 7 durch Zufall in die Ueber- 
arbeitung hinfibergerettet Einen andern Weg der Lösung schlägt E. Dziatzko (Rhein. 



T. Haooias Plantiw. (§ 82.) 75 

Mos. 37 (1882) p. 266) ein (ygl. auch Francken, Mnemos. p. 341). Er glanbi, Plantos habe 
bei seiner Bearbeitung des griechischen StQckes den Hausstand des Megadorns und seiner 
Schwester Eunomia bzw. des Lvconides miteinander verbunden, so dass er letztere im ^use 
des ersteren, bzw. in einer Abteilung wohnen liess, habe aber diese Aenderung des Ori- 
ginals nicht konsequent überaU beachtet und sei in Widerspräche gefallen. Der Sklaven 
seien aber bei Plautns zwei gewesen, und zwar habe der des Megadorns wahrscheinlich im 
Original wie bei Plautus Pythodicns geheissen, der des Lyconides Strobiius. Erst eine 
spfttere üeberarbeitung habe, Plautus in verwirrender Weise überbietend, den Sklaven Stro- 
biius zum gemeinschaftlichen gemacht. Ueber das Problem handelt auch P. Le Breton, 
Quelques observations sur TAulularia de Plante, Paris 1898, aber ungenügend, wie 0. Seyf- 
fert (Berl. philol. Wochenschr. 1899 Sp. 40) dargetan hat, femer A. Tartara, De servorum 
personis in Aulularia Plautina (Rivista di filol. 27 (1899) p. 193), der seinen Standpunkt 
gleich im Eingang der Abhandlung also festlegt: «Turbae in servorum personis neque a 
contaminatione neque a retractatione, sed potius ab opportunitate quadam scaenica mihi 
yidentur repetendae*; vgl. noch p. 205: .Cum Pythodicns in sola priore parte, Strobiius 
in sola altera exeat, histrionum gregibus pronum fnit uni eidemque homini utriusque servi 
partes demandare. Quod cum saepius facerent, pro duobns unum servi nomen posuerunt, 
nempe 'Strobiius', quia eins partes in nodi solntione priores essent' üober die Geldver- 
teilung (Vs. 107) als Bestandteil des Originals und Über die römische Bezeichnung magister 
euriae vgl. H. W. Prescott, Transactions and Proceedings of the American philological 
association 34 (1903) p. 41; vgl. dazu Hueffner p. 66. y) Üeberarbeitung statuieren, 
wie bereits gesagt, Goetz (vgl. p. IX: .Aperta retractationis vestigia prae se ferro censeo 
tertii actus scaenam quintam nee desnnt alia*) und Dziatzko. 

Die Lücke am Schluss. W.Wagner, De Plauti Aulularia, Bonn 1864, p. 6; 
A. Spengel, Die Akteinteilung der Komödien des Plautus, München 1877, p. 49; Goetz, 
Ausg. p. XII; W. Creizenach, Gesch. des neueren Dramas 1 (Halle 1893) p. 576. 

Fortleben. Ein Dichter wahrscheinlich des 4. Jahrhunderts wurde durch die Aulu- 
laria zu einer Neuschöpfung angeregt, welche den Titel Querolus trftgt (vgl. § 791). Auch 
im Slavischen wurde die Komödie bearbeitet; vgl. V. Jagiö, Die Aulularia des Plautus 
in einer südslavischen Umarbeitung aus der Mitte des XVI. Jahrhunderts (Festschr. für 
J. Vahlen, Berl. 1900, p. 617). Am berühmtesten ist die Nachdichtung von Moliöre in 
L'Avare (1668). Vgl. Reinhardstoettner p. 265; ü. Wilamowitz, Neue Jahrb. für das 
klass. Altertum 3 (1899) p. 518. 

Spezialausg. von F. Goeller, Köln 1825; von A. A. Deenik, Leiden 1835; von 
J. Hildyard, Cambridge 1889; von W. Wagner, Cambridge' 1876 (with notes, critical and 
exegetical, and an introdnction in Plautian prosody); von E. Benoist, Paris' 1878 (Moliöre 
verglichen); von C. M. Francken, Groningen 1877 (hollftndisch) ; in usum scholarum von 
P. Langen, Münster 1889 (vgl. dazu 0. Seyffert, Berl. philol. Wochenschr. 1890 Sp. 308). 

Litteratur. G. A. B. Wolff, Proleg. ad Plauti Aululariam, Progr. von Pforta 1836. 

4. Gaptivi (Die Gefangenen). Dieses Stück, das nicht durch 
strenge Einheit der Zeit zusammengehalten wird,^) steht unter den plau- 
tinischen Stücken einzig da; es enthält keine Frauenrolle, keinen Kuppler, 
keine Liebesintrigue. Nur der Rollentausch und die Figur des Parasiten 
erinnern an die Komödie. Es ist ein Rührstück. Ein Aetoler hatte zwei 
Söhne verloren, der eine war im Alter von vier Jahren von einem Sklaven 
verkauft worden, der andere war in Kriegsgefangenschaft nach Elis ge- 
kommen. Um den kriegsgefangenen Sohn auslösen zu können, hatte der 
Vater elische Gefangene angekauft. Zwei derselben, Herr (Philocrates) 
und Sklave (Tyndarus), werden nun der Mittelpunkt der Handlung. Es 
findet ein Rollentausch statt, der Herr gibt sich für den Sklaven, der 
Sklave für den Herrn aus. Der vermeintliche Sklave wird von dem Aetoler 
nach Elis geschickt, um die Auslösung des Sohnes zu bewirken. Nach 
der Abreise wird der Rollentausch entdeckt und der treue, aufopfernde 
Tyndarus hart bestraft. Da kommt Philocrates mit dem gefangenen Sohn 
des Aetolers aus Elis — und weiter ergibt sich, dass Tyndarus der zweite 
im vierten Lebensjahr geraubte Sohn des Aetolers ist. 

>) Vgl. Muretus, Var. lect. lib. XIV c. 16 und dazu F. Scholl, Ausg. p. XVI Anm. 2. 



76 T. Kaooiiui Plaatns. (§ 32.) 

Das griechische Original. Hueffner (p. 42) setzt das Original in das 4. Jahr- 
hundert (nach 314); in eine beträchtlich spätere Zeit mit U. Wilamowitz, De tribos car- 
minibus lat. (Ind. lect. Gott. 1893/94 p. 13) A. Dieterich (Nekyia, Leipz. 1893, p. 138), der 
gat miteinander vergleicht: Vs. 998 vidi ego multa saepe picta, quae AcherutUi fierent crucia* 
menta und Ps.-Demosth. 25, 52 fie^* tay o* ol itay^äipoi, tovg daeßets iy "Au6ov yQdq>ov<riy, 
fABtd Tovttüy, fÄßi* dgds xai ßXaatptjfuag »ai <p&6yov »ai ctdaBiog xai yeixovs, negiigx^''^^' 
Aach F. Leo (Plant. Forsch, p. 126) spricht sich f&r die spätere Zeit ans. üms Jahr 270 
setzt die Komödie Dietze p. 19. üeber den Verfasser des Originals sind verschiedene Yer- 
mutongen vorgetragen worden. Muret (Var. lect. 19, 9) weist wegen der Aehnlichkeit 
des Gedankens Vs. 636 sq. mit einem von Athenaens 15 p. 6S8b aufbewahrten Fragment 
(A. Meineke 8; Th. Kock 59) des Komikers Anazandrides auf diesen als Quelle hin; vgl. 
F. Scholl, Ausg. p. XVI. F. Grob, Quomodo Plautus in comoedüs componendis poetas 
Graecos secutus sit (Lis^ filologick^ 1892 p. 15) denkt an die Srjßaio^ des Alexis als 
Original, C. A. Dietze (De Philemone comico, Diss. Gott. 1901, p. 17) an den JirtaXos des 
Philemon. Eine reine Vermutung ist es, wenn W. Christ (Archiv für lat. Lexikographie 12 
(1902) p. 283) das Original von Posidippos (JixfMcXättoi,) hr das um 235 erbaute Theater 
von Pleuren gedichtet erachtet. 

Die lateinische Bearbeitung, d) Die Zeit. Herzog (p. 365) nimmt ftLr die 
Abfassung des Stückes die Jahre 192 und 193 an; auch W. M. Linda ay (Ausg. p. 106) will 
das Stück nach verschiedenen Anzeichen in die Zeit nach 193 setzen; vgl. auch B. Mauren - 
brecher, Hiatus und Verschleif ung im alten Latein, Leipz. 1899, p. 146. /?) Die Com- 
position. Zur Gomposition vgl. £. Herzog, Die Bolle des Parasiten in den Captivi des 
Plautus (Fleckeis. Jahrb. 113 (1876) p. 363); er hält mit Unrecht den Parasiten für eine 
Schöpfung des Plautus. Demgegenüber behauptet C. Pascal, Epicarmo e i «Captivi» (Ri- 
vista di filol. 29 (1901) p. 2): ,L*Ergasilo di Plauto 6 tolto da Epicarmo'. Widersprüche will 
P. Langen (Plaut. Stud., Berl. 1886, p. 116) nachweisen; vgl. dagegen F. Scholl, Ausg. 
p. XVIII. Contamination statuiert Th. Kakridis, Barbara Plautina, Athen 1904, p. 18, der 
die Rolle des Parasiten auf Contamination zurückführt und das Stück mit Akt I 2 beginnen 
lässt; vgl. dagegen F. Hueffner, Wochenschr. für klass. Philol. 1905 Sp. 712. lieber zwei 
Recensionen vgl. Pascal p. 13. — L. Havet, Un morceau denatur^ de Piaute (Captivi 93 
et suivants), Mölanges Boissier, Paris 1903, p. 255 (grosse Transposition). 

Zur Beurteilung des Stückes. Vs. 55 non pertrctctate factast neque item ui 
ceterae, neque apurcidici inaunt vorsua immemorahiles ; hie neque periurus lenost nee 
meretrix mala neque miles gloriosus. Vs. 1029 spectcUores, ad pudieos mores facta haec 
fabulasty neque in hac mbigitationea sunt neque ulla amatvo nee pueri suppositio nee ar- 
genti eircumductio, neque ubi amans adulescens scortum liberet elam suom patrem. huius 
modi paucas poetae reperiuut eomoedias, ubi boni meliores fiant, Ueberschwenglich ist das 
Urteil Lessings (4* p. 192 Lachm.): .Die Gefangenen sind das schönste Stück, das jemals 
auf die Bühne gekommen ist, und zwar aus keiner anderen Ursache, als weil es der Ab- 
sicht der Lustspiele am nächsten kömmt, und auch mit den übrigen zufälligen Schönheiten 
reichlich versehen ist.' 

Spezialausg. von C. E. Geppert, BerL 1859 (lat. und deutsch), von J. L. Ussing, 
Kopenhagen 1869; von E. Sonnenschein, Leipz. 1880 (beigegeben sind Bentleys Emen- 
daUonen zu Plautus); englischo Schulausg.. London 1899; Teubnersche Schulausg. mit deut- 
schen Noten von J. Brix (vgl. dazu A. Spengel, Philol. 37 (1877) p. 415; B. Dombart, 
Blätter für das bayer. Gymnasialschulw. 5 (1869) p. 157, p. 197; vgl. dazu ebenda 8 (1872) 
p. 125); von E.P.Morris (mit Trinummus), London 1898 (with introduction and notes) 
gute engl. Schulausg. von G. £. Barber, Boston 1900; von W. M. Lindsay with intro 
duction, apparatus criticus and commentary, London 1900 (vgl. dazu 0. Seyffert, Berl 
philol. Wochenschr. 1901 Sp. 619); von P. Giardelli con note lUliane, Turin 1900 (Schul 
ausg., vgl. dazu auch dessen Note di critica Plautina, Savona 1901); von C. Pascal col com 
mento, Mailand 1902 (ungenügend nach Seyffert, Berl. philol. Wochenschr. 1903 Sp. 1038) 

Uebersetzungen von K. W. Lorentz, Progr. Altenburg 1850; von B. Dombart, 
Progr. Bayreuth 1870; von Lessing I.e.; von Rudolf Meyer, In Ketten und Banden, 
ein plautinisches Schönbartspiel, Progr. Berl. 1886. 

Litteratur. Zur Erläuterung vgl. P. Giardelli, Bollettino di filol. class. 7 (1900) 
p. 252 (Vs. 236ff); Pascal I.e. p. 6. F. Antoine, Discussion de quelques passages de 
„Captifs* d'apr^s la thöorie de la parataxe (Revue des ötudes anciennes 1902 p. 90). 

5. Curculio. So heisst der Parasit, in dessen Händen die Intrigue 
des Stückes ruht. Durch dieselbe (vermittelst eines Ringes) gelingt es, 
das fUr ein Mädchen von einem Offizier hinterlegte Geld zu erhalten und 
damit vom Leno das Mädchen. Das Erscheinen des Offiziers bringt die 



T. Haooias Plautns. (§ 82.) 77 

Verwicklung. Sie löst sich dadurch, dass das Mädchen als Schwester des 
Offiziers erkannt und seinem Liebhaber verlobt wird. Wir haben ein 
schwaches Intriguenstück mit Erkennungsscene; doch finden sich hübsche 
Einzelheiten. Merkwürdig ist eine Art Parabase im Anfang des vierten 
Aktes, in welcher der Garderobemeister darlegt, wo die verschiedenen 
Menschenklassen in Rom aufzufinden seien; dieselbe enthält aber sicher 
unplautinische Bestandteile. 

Das griechische Original, ü. Wilaxnowitz, Isyllos von Epidanros (Philol. 
UntersQch. 9 p. 37), schliesst wegen des Vs. 394 {catapulta hoc (Ange) ictumat mihi apud Si- 
cyonem), dass das Stück nach 303, in welches Jahr die berühmte Belagerung Sicyons fällt, 
verfasst sei; vgl. J. 6. Droysen, Gesch. des Hellenismos 1^ (1836) p.507 Anm.; H. Usener, 
Symbola philol. Bonn., Leipz. 1864—1867, p. 592. Mit Unrecht rückt Hneffner (p. 26) die 
Ahfassong der Komödie bis nm das Jahr 310 oder 309 hinauf; vgl. A. Holm, Berl. philol. 
Wochenschr. 1894 Sp. 1254. Als Verfasser des Originals nimmt F. Groh (Listy filologick^ 
1892 p. 13) Posidippus an. £. Legrand (Revue des ^tudes anciennes 8 (1905) p. 25) 
statuiert, dass das Original f%s das Theater des berühmten Asklepieion bei Epidanros ge- 
schrieben und dass Caria (Ys. 329) aus KaXavgia korrumpiert sei. 

Die lateinische Bearbeitung, a) Die Zeit. W. S. Teuffei (Stud. und Gharakt., 
Leipz.' 1889, p. 325) glaubt, dass Vs. 509 fg. eine Anspielung auf die lex Sempronia (vgl. 
Liv. 35, 7, 2) enthalten und dass sonach die erste Aufführung des Curculio ins Jahr 193 
falle; doch vgl. Goetz, Ausg. p. XXIII. ß) Kürzung. Das Stück zählt nur 729 Verse, 
fällt also durch seinen geringen umfang auf. Es entstand die iVage, ob diese Kürzung 
auf Rechnung des Piautas oder eines Bearbeiters zu setzen ist Gewöhnlich wird die 
letzte Alternative angenommen; so sagt Ribbeck p. 80: «Mag der eine und der andere 
Vers durch Schuld eines Abschreibers weggelassen sein, die eigentliche Verstümmelung 
verdanken wir der Grausamkeit irgend eines Regisseurs, der aus dem vollen Drama ein 
kurzes Nachspiel zurechtstutzte.' Auch Goetz nimmt Üeberarbeitung des Stückes an und 
glaubt, dass der Schlussteil des dritten Aktes gekürzt sei; vgl. Ausg. p. XXII. Gegen diese 
Hypothese macht Boss eher Front und gewinnt durch seine Untersuchung das Endergebnis 
(p. 163), .fabulam Gurculionem non a retractatore in brevius esse confaractam*. Im ein- 
zelnen führt er noch als Ergebnisse seiner Untersuchungen auf, dass keine Dittographie vor- 
handen sei, dass nur drei Verse (483, 485, 681) zu tilgen seien, dass endlich nach Vs. 382 
und nach 454 mehreres ausgefallen sei; vgl. dagegen L. Buchhold, Neue philol. Rundschau 
1906 p. 5. >") Die Com Position, üeber die Exposition der Handlung vgl. F. Leo, Plaut. 
Forsch, p. 177. Ueber die Parabase vgL H. Jordan, Hermes 15 (1880) p. 116; G. Friedrich, 
Fleckeis. Jahrb. 143 (1891) p. 708 und dagegen Gh. Huelsen, Mitt. des arch. Inst. 7 (Rom 
1893) p. 283; Bosscher p. 71. Contamination sucht zu erweisen Th. Kakridis, Barbara 
Plantina, Athen 1904, p. 24; vgL dazu F. Hneffner, Wochenschr. für klass. Philol. 1905 
Sp. 712. 

Spezialausg. von C. E. Geppert (lateinisch und deutsch), Berl. 1845. 

Litte ra tu r. L. Merck 1 in, Symb. ezegeticae ad Gurculionem Plautinam (Ind. lect. 
Dorpat 1862); A. Spengel, Das Canticum in Plautus Curculio (I, 2), Philol. 26 (1867) p. 354; 
M. Voigt, Zu Plautus (Cure. V 2, 23—28), Rhein. Mus. 27 (1872) p. 168; 0. Ribbeck, Ber. 
über die Verb, der sfichs. Ges. der Wissensch., philol.-hist. Kl. 31 (1879) p. 80; W. Soltau, 
Curculionis Plautinae actus III interoretatio, Progr. Zabem 1882; G. Langreh r, De Plauti 
Curcnlione, Friedland i. M. 1893; H. Bosscher, De Plauti Cnrculione disputatio, Diss. 
Leiden 1903 (vgL dazu G. A. Amatucci, Rivista di flloL 32 (1904) p. 329). 

6. Gas i na. Die Komödie hat ihren Namen von der Casina, um die 
sich die Handlung des Stückes dreht. Nach ihr ist Vater und Sohn lüstern. 
Beide schieben aber ihre Diener vor, für die Casina als Frau erkoren 
werden soll, der Vater seinen Hausverwalter, der Sohn seinen Waffen- 
träger. Da keiner der beiden Diener von Casina ablassen will, wird das 
Los geworfen. Davon führt das griechische Original, die KXrjgovfxsvoi des 
Diphilus, seinen Namen; auch für die lateinische Bearbeitung findet sich 
der Titel ^Sortientes". Das Los entscheidet für den Hausverwalter und 
damit für den Vater. Beide finden aber als Braut den verkleideten Waffen- 
träger, der ihnen übel mitspielt. In einem kurzen Epilog wird auf die 
weitere Entwicklung der Handlung als im Hause vor sich gehend hin- 



78 T. Maeoiwi PUntM. (§ 32.) 

gewiesen ; Casina wird nämlich als Tochter des Nachbars erkannt, sie wird 
jetzt die Frau des jungen Herrn. 

Das griechische Original. Prolog. Ys. 31 CUrumenoe voeatur kaec comoedia 
grctece, latine Sortientes. DeiphUus harte graece acripsit, postid ruraum denuo latine Plautus 
cum latranfi nomine. Ein griechisches Fragment ist yon dem Stflck nicht erhalten. Wegen 
der Verse 328 fg., hes. quasi tu nescias, repente ut emoriantur humanilovea, glaubt F. Skatsch 
(Hermes 39 (1904) p. 303), dass das Stflck , nicht gar lange nach dem Tode Alexanders* 
(323) geschrieben sei. Eine Rekonstruktion des Originals versucht Ph. E. Legrand, Pour 
rhistoire de la com^die nouvelle, 2: Oonjectures snr la composition des KXrjQov/Äeyoi de 
Diphile (Revue des ^tudes grecqnes 15 (1902) p. 370). 

Die lateinische Bearbeitung, a) Der Titel. F. Ritschi (Parerga p. 204) nimmt 
an, dass der Titel Sortientes einer späteren AuffOhrung gegeben wurde. F. Leo (Plaut. 
Forsch, p. 188 Anm. 2) behauptet dagegen richtig, dass Sortientes der ursprflngliche Titel 
der Komödie sei, und ihm stimmt F. Skutsch (Rhein. Mus. 55 (1900) p. 274 Ajom. 1) bei. 
ß) Die Zeit. Wie flber den Titel, so differieren die Ansichten auch Aber die Zeit der 
Aufführung. Ritschi (Parerga p. 192) schliesst aus Vs. 980, dass das Senatnsconsultnm 
de Bacchanalibus des Jfüires 186 oereits erlassen war und dass sonach das Stflck zwischen 
186 und 184 fällt, umgekehrt meint Th. Mommsen (Rom. Gesch. 1* p. 892 Anm.**), dass 
die Stelle zu einer Zeit geschrieben wurde, wo es noch nicht verfänglich war, von Bac- 
chanalien zu reden und dass die Casina demnach in die Zeit vor 186 ftllt. Aus dem Ver- 
hältnis des Gasinaprologs zu dem der Gistellaria will Skutsch (1. c. p. 274 Anm. 2), da 
der erste später sei als der zweite, schliessen, dass die Casina nach dem hannibalischen 
Kriege abgefasst sei. y) Die Composition. Ueber das Verhältnis der Bearbeitung zum 
Original spricht sich der Verfasser am Schluss des Stückes aus, indem er die weggelassenen 
Partien bezeichnet (Vs. 1012): spectatorea, quod futurumst intua, id msmorahimus, haee 
Casina huius reperietur filia ease ex prorumo eaque nubei Euthynico noatro ertli fUto, Das 
Original war dem Nachdichter zu lang; vgl. Vs. 1006: hanc ex longa longiorem ne faciamua 
fabulam. Ueber eine Streichung berichtet auch der Prolog Vs. 64: >>, ne exapectetiSf hodie 
in hae comoedia in urbem non redibit: Flautua noluit. Unrichtig will W. S. Teuf fei (Stud. 
und Charakt., Leipz.* 1889, p. 320) die Eflrzung des Originals einer späteren Bflhnenbearbeitung 
zuweisen. Der possenhafte Schluss ist wahrscheinlich von Plautus an Stelle des Schlusses 
des Originals gesetzt worden; vgl. F. Leo, Die plautinischen Cantica und die hellenistische 
Lyrik (Abb. der GOtt. Ges. der Wissensch. N. F. philol.-hist. El. Bd. 1 Nr. 7 (Beri. 1897) 
p. 105). Bezflglich des Vorbilds bemerkt Leo p. 107: ,Auf eine griechische Gesangposse, 
in der lyrischen Behandlung der IXaQi^dia und fjtay^dla verwandt, weist die wie der Stoff 
singulare Form des Ausganges der Casina hin." Dagegen fflhrt 0. Seyffert (Berl. philol. 
Wochenschr. 1898 Sp. 1576) aus, dass die Verkleidnngsscene dem Original des Diphilus an- 
gehören konnte und von Plautus nur breiter ausgeführt worden sei. Vgl. F. Marx, Ber. 
der Wien. Akad. 140 (1899) p. 33; F. Skutsch, Rhein. Mus. 55 (1900) p. 283, der auf die 
Aehnlichkeit der Scene mit Ovid Fasten 2, 331 ff. aufmerksam macht; Hermes 39 (1904) 
p. 302. Ueber die Composition vgl. F. Scholl, Ausg. p. VIII; F. Leo, Plaut. Forsch, p. 151. 

Fortleben. Ueber das Fortleben der Casina vgl. Reinhardstoettner, Plautus etc. 
p. 369. Wir erwähnen Machiavellis Clizia ca. 1506 (Reinhardstoettner p. 375). 

Spezialansg. Kritische Ausg. von C. E. Geppert, Berl. 1866; vgl. dazu: Ueber 
die Casina des Plautus im cod. Ambrosianus (Zeitschr. für das Gymnasialw. 17 (1863) p. 625). 

7. Gistellaria (Die Kästchenkomödie). Alcesimarchus liebt 
leidenschaftlich die Selenium,^) allein sein Vater hatte für ihn die Tochter 
Demiphos bestimmt. Ein Kästchen mit Erkennungszeichen (crepundia) 
bringt die Entdeckung, dass Selenium auch eine Tochter Demiphos von 
seiner jetzigen zweiten Frau ist, der er in seiner Jugend Gewalt angetan 
hatte. Der naturgemässe Ausgang, dass Alcesimarchus nun doch der 
Schwiegersohn Demiphos wird, kommt nicht mehr zur Darstellung, es wird 
in dem Schlusswort nur gesagt, dass das Weitere im Innern des Hauses 
sich abspielen werde. Das Stück ist im Grunde genommen keine Komödie, 
sondern ein Rührstück. 

Das griechische Original rührt von Menander her; denn Vs. 89 fg. können wir 
als eine üehersetzong aus einem von Hermogenes (Rhetores graeci ed. L. Spengel 2 p. 256) 



^) Zur Rechtfertigung dieser Form vgl. W. Studemund, Hermes 19 (1884) p. 456. 



T. Maocias Plautos. (§ 82.) 79 

mitgeteilten FragmeDte Menanders nachweisen (A. Meineke ad fragm. ine. 32; Th. Kock 
bS}8). Der Titel des Stückes Iftsst sich nicht enüeren; doch vennatet F. Scholl (Ausg. 
p. VII), daaa ea die IvQtt gewesen sei. Zar Charakteristik des StQckes vgl. ü. Wilamo- 
witz, Nene Jahrb. fOr das klass. Altertum 3 (1899) p. 519. 

Die lateinische Bearbeitung, a) Der Titel. Festus citiert den Vs. 408 p. 301 
0. M. (p. 430 Thewrewk) mit Plautua in Stfr. und p. 352 0. M. (p. 530 Th.): Plautus in 8if; 
an beiden Stellen folgt die Beschädigung der Handschrift Priscian. Gramm, lat. 2 p. 103, 20 
citiert den Vers unter Plautus in Cistellaria; vgl. P. G. Guidani, Quaest. Plautinae, II: 
Prisciani Festi et Pauli loci locum Gistellariae continentes emendantur, Pisa 1891, p. 31. 
Man hat in Syro ergänzt und angenommAn, dass der Sklave Syrus in der ausgefallenen 
Partie eine Rolle gespielt und dass nach ihm auch das Stflck (von Gelehrten) benannt wurde 
(Th. Ladewig, Rhein. Mus. 3 (1845) p.525; F. Ritschl, Parerga p. 164). Andere (0. Maller, 
Festus p. 53; F. Winter, PlauU fragm. p. 6) nehmen dagegen ein eigenes Stftck .Syrus* 
an, in dem der Vers der Cistellaria wiederholt wurde. J. L. Ussing und W. Studemund 
ergänzen in Syra und erblicken darin den Namen der Lena, nach der das St&ck des Plautus 
benannt worden sei. F. Scholl (Ausg. p. XIV; vgl. auch p. VII) will £vqa als Titel des 
griechischen Originals angesehen wissen, ß) Ueber die Zeit der lateinischen Bearbeitung 
geben die folgenden Verse des Prologs, die nur von Plautus herrflhren können, Aufschlnss 
(Vs. 201): perdite, perdueües, parite laudem et lauream, ut vobis victi Poeni poenas sufferant. 
Diese Worte setzen die Nichtbeendigung des hannibalischen Krieges voraus; also muss das 
Stück vor 201 geschrieben sein. Aber die Worte deuten doch schon auf Siegeszuversicht, 
so dass wir das Stück gegen das Ende des hannibalischen Krieges rücken dürfen. ^) Die 
Composition. Da es am Schlüsse heisst: ne exspeetetis, spectcUores, dum Uli hue ad vos 
exeant. nemo exibit, omnes intua confieient negotium ^ will W. S. Teuf fei (Stud. und Charakt' 

S. 324), wie in der Casina, die Kürzung einer späteren Bühnenbearbeitnng zuweisen; vgl. 
agegen Scholl p. X, der auf den Schluss von Terenz' Andria hinweist. 

Die Lücke. Nach Vs. 229 ist in der einen Quelle der Ueberlieferung ein Ausfall 
von mehr als 600 Versen eingetreten; derselbe kann durch den ambrosianischen Palimpsest 
wegen Schwierigkeit der Lesung und des Verlustes von Blättern nur sehr unvollkommen 
ersetzt werden; vgL W. Studemund, Ind. lect. Greifswald 1871/72 p. 8; Apographum, BerL 
1889, p. XXIII Anm. 62; Herstellungsversuch der plautinischen Cistellaria (Stud. auf dem 
Gebiete des archaischen Lateins 2 (1891) p. 417). 

Fortleben. Ueber das Fortleben vgl. Reinhard stoettner p. 395. Ueber Be- 
rührungen des Stückes mit den Femmes savantes von Moli^re vgl. Mahrenholtz, Mo- 
liöres Leben und Werke, Heilbronn 1881, p. 272. 

Spezialausg. von L. £. Benoist, Lyon 1863. 

8. Epidicus. Für Stratippocies, der in den Krieg gegen die The- 
baner gezogen war, hatte der Sklave Epidicus eine Saitenspielerin vom 
Kuppler gekauft. Um das hierzu nötige Geld zu erhalten, hatte er dem 
Vater des Stratippocies, Periphanes, vorgeschwindelt, die Saitenspielerin 
sei dessen natürliche Tochter. Mittlerweile war Stratippocies heimgekehrt; 
er hatte sich eine Gefangene aus der thebanischen Beute gekauft. Auch 
für dieses zweite Liebchen sollte von Epidicus das Kaufgeld beschafft 
werden. Zufällig erfuhr der Sklave, dass Periphanes von dem Liebes- 
verhältnis seines Sohnes zur Saitenspielerin Kunde erhalten und darüber 
betrübt sei. Dies benutzend redet Epidicus dem alten Herrn ein, man 
müsse diese Saitenspielerin schnell selbst kaufen, um sie dann beiseite zu 
schaffen und dem Sohne zu entziehen. Auch diese List glückt, eine bereits 
seit längerer Zeit frei gewordene Saitenspielerin wird gemietet und ins 
Haus des Periphanes gebracht; der Sklave hat wiederum das nötige Geld. 
Allein nun kommen die schlimmen Streiche an den Tag. Es stellt sich 
heraus, dass die zweite Saitenspielerin nicht die Geliebte des Stratippocies 
und die erste nicht die natürliche Tochter des Periphanes ist. Ein Zufall 
hilft Epidicus aus der Klemme. Das aus der Beute angekaufte Mädchen 
war die wirkliche natürliche Tochter des Periphanes. Stratippocies hatte 
also statt einer Geliebten eine Stiefschwester erhalten. Die Intrigue des 
Stückes ist, wie man sieht, ziemlich verwickelt. 



80 ^- Xaooiiifl PUntiu. (§ 32.) 

Das griechische Original. U. Wilamowitz, De tribus carminibna h&tinis ([nd. 
lect. Gott. 1893/94 p. 14) verlegt das Stack ins Jahr 290, Haeffner (p. 40) zwischen 292 
und 289. Zar Rekonstruktion des Originals vgl. K. Dziatzko, Der Inhalt des Georgos von 
Menander (Rhein. Mus. 55 (1900) p. 108). 

Die lateinische Bearbeitung, a) Die Zeit. Das Stflck f&llt vor die Bacchides; 
vgl. dort Vs. 214, wo Ghrysalus sagt: etiam Epidicum, quam ego fabtäam aeque ae me ipsum 
amo. nuHam aeque invitus specto, si agit Pellio. Ueber die Zeit der Bearbeitung (nahe an 
Stichus) vgl. F. Leo, Vindiciae Plaut (hid. lect. Rostock 1887 p. 6). Die Aufhebung der lex 
Oppia im Jahre 195 setzen die Verse 223 ff. voraus. ^)DieComposition. In dem Stflcke 
wollte man vielfache Widerspräche erkennen. Solche suchten nachzuweisen Scaliger (vgl. 
Goetz, Ausg.^ p. XXI Anm.); Th. Ladewig, Zeitschr. fOr die Altertumsw. 1841 Sp. 1086; 
L. Reinhardt, Die Ueberarbeitung des plautänischen Epidicus (Fleckeis. Jahrb. 111 (1875) 
p. 194); G. Langrehr, Miscell. philoL, Gott. 1876, p. 12; Goetz, Ausg.^ p. XXI; C. M. 
Francken, Mnemos. 7 (1879) p. 185. Man hat auf zweifache Weise diese Anstösse zu er- 
klären versucht, indem man entweder Ueberarbeitung oder Contamination annahm; zu der 
letzten Ausflucht griff in sonderbarer Weise Lad ewig, ferner Langrehr, der seinen Stand- 
punkt im wesentlichen noch in den Plautina, Friedland i. M. 1886, p. 17 aufrecht hielt. Da- 
gegen verteidigten die Composition des Stückes Richard Müller, De Plauti Epidico, Dias. 
Bonn 1865, p. 4; G. Schredinger, Observ. in Plauti Epidicum, Progr. Münnerstadt 1884; 
P. Langen, Plaut. Stud., Beri. 1886, p. 137; F. Leo, Plaut. Forsch, p. 180 Anm. 1; letzterer 
spricht sich dahin aus: ,Die viel behandelten Anstösse betreffen Einzelheiten und Sch&den 
der üeberlieferung; kein einziger berührt das innere Gefüge der Handlung.* Doch ist Leo 
(p. 181) durch eine eingehende Analyse zu der Annahme gezwungen, dass der Prolog, der 
über manches aufklärte, ausgefallen sei. Dies führt auf eine andere Frage, ob das Stück, 
das nur 733 Verse zählt, nicht gekürzt worden sei. Dziatzko (p. 104) fthrt scharfsinnig 
aus, dass die Handlung im Original anders verlaufen und dass Kürzung und Umgestaltung 
in der lateinischen Bearbeitung eingetreten sei, und zwar durch Plautus selbst; die dem 
Original zu Grunde liegende Heirat zwischen Bruder und Stiefschwester sei dem Römer 
anstössig gewesen und habe die Composition in andere Bahnen gedrängt (p. 107). Der 
Epidicus sei daher ein sprechendes Beispiel, welche Freiheit sich Plautus imter Umständen 
gegenüber dem griechischen Originale nahm (p. 110). 

Fortleben. Ueber das Fortleben vgl. Reinhardstoettner p. 410. 

Spezialausg. von F. Jacob, Lübeck 1835; von C. E. Geppert, BerL 1865. — 
Zur Erläuterung vgl. H. Weber, Plautusstudien (Philol. 57 (1898) p. 243). 

Uebersetzung von F. Jacob, Progr. Lübeck 1843. 

9. Bacchides. Zwei Hetären, Schwestern des Namens Baccbis, 
geben dem Stück seinen Titel, dessen Anfang verloren gegangen ist. Das 
Original war wohl das Stück Menanders mit dem Titel Jig i^anatäv. 
Den zwei Hetären stellt der Dichter zwei junge miteinander befreundete 
Leute als Liebhaber gegenüber. Das eine Verhältnis entwickelt sich vor 
unseren Augen, wir sehen, wie ein braver Jüngling ins Garn der Liebe 
gezogen wird. Dies gibt dem Dichter zugleich Gelegenheit, eine köstliche 
Nebenfigur einzuführen, den über den Fall seines Zöglings jammernden 
Pädagogen. Das andere Verhältnis dauert schon geraume Zeit; die Bacchis, 
die der junge Mnesilochus liebt, befindet sich in den Händen eines Sol- 
daten. Um sie zu befreien, bedarf es einer beträchtlichen Geldsumme. 
Diese wird von der Hauptperson des Stückes, dem Sklaven Chrysalus, er- 
schwindelt. Allein durch ein Missverständnis gibt Mnesilochus das Er- 
rungene wieder preis. Es muss daher zum zweiten Male und zwar 
unter weit schwierigeren Verhältnissen der Betrug durchgeführt werden. 
Chrysalus ist aber seiner Sache so sicher, dass er den Alten sogar durch 
einen Brief vor seinen Schlichen warnen lässt. Wiederum ist Chrysalus 
siegreich, ja er schlägt eine noch grössere Summe heraus als das erste 
Mal. Endlich kommen die Gaunereien an den Tag; die Väter der beiden 
jungen Freunde wollen ihre Söhne von den Hetären holen — und sie 
werden selbst das Opfer derselben. Ein heiteres anmutiges Stück, in dem 



T. Maccins PUntns. (§ 32.) 81 

vorzüglich die Siegesgewissbeit des Chrysalus unser volles Interesse in 
Anspruch nimmt. 

Das griechische Original ist Menanders ^i; i^anatwy. Denn die doppelte Täa- 
schnng ist eine charakteristische Eigenschaft des Stflckes; vgl. Vs. 1090 perii, pudet: hocine 
nie aetatis ludos bis factum esse indignef 1128 pol hodie altera tarn bis detonsa eertost 
(vgl. aach U. Wilamowitz, Neue JsJirb. für das klass. Altertum 3 (1899) p. 517). Auch 
entsprechen die Worte (Vs. 816) quem di diligunty aduleseens moritur dem Verse oV ol 9eoi 
(piXovfftVy dno&vffifxsi v^og, der von Stobaens Florileg. 120, 8 Menanders Jle i^anatdoy ans- 
drflcklich zugeschrieben wird (Th. Kock, Gomicorum attic. fragm. vol. 3 pars 2 p. 36 Nr. 125)t 
vgl. F. Ritschi, Parerga p.405. Ueber die Zeit des Originals lassen sich nur unsichere Ver- 
mutungen aufstellen. F. Leo (Hermes 18 (1883) p. 559) will in dem Demetrius des Verses 912 
den Demetrius Phalereus vermuten; vgl. dagegen Hu offner p. 87, der auch nur zu un- 
sicheren Schlussfolgerungen gelangt. 

Die lateinische Bearbeitung. «) Die Zeit, üeber die Prioritftt des Epidicus 
vor den Bacchides vgl. Nr. 8. In dem Vs. 1072 sed, speetcUores, vos nunc ne miremini 
quod non triumpho: pervolgatumstf nü moror wird eine Anspielung auf die vier Triumphe 
des Jahres 189 erblickt; vgl. F. Ritschi, Parerga p. 427. (Üeber die Schlussfolgerung aus 
Vs. 58 und 371 vgl. Th. Mommsen, ROm. Gesch. 1* p.892 Anm.**.) Man nimmt daher ge- 
wöhnlich an, dass das Stflck 189 aufgeführt wurde; vgl. Götz, Acta soc. Lips. 6 (1876) 
p. 315. A. £. Anspach, Die Abfassungszeit der plautinischen Bacchides (Fleclceis. Jahrb. 
139 (1889) p. 355) will dagegen aus Anspielungen, die er in einer Reihe von Versen sucht, 
auf das Jahr 187 als Abfassungszeit schliessen; vgl. dagegen Hu offner p. 36 Anm. /S) Die 
Gomposition. Umarbeitung wurde von W. Brachmann, De Bacchidum Plautinae retrac- 
tatione scenica capita V (Leipz. Stud. 3 (1880) p. 59) und A. £. Anspach (De Bacchidum 
retractatione, Bonn 1882) in einem Umfang angenommen, der ganz unzulässig erscheint; 
vgl. dagegen P. Weise, De Bacchidum Plautinae retractatione q[uae fertur, Berl. 1883. 
Grundlos wird auch Contamination statuiert, z. B. von J. Baar, De Bacchidibus Plautina 
quaest., Dias. Kiel 1891, p. 46; vgl. dagegen auch W.S. Teuf fei, Stud. und Charakt.* p.316. 

Die Lücke. Ueber den verlorenen Eingang hat mit Benutzung der von Gram- 
matikern mitgeteilten Stellen in einer bahnbrechenden Abhandlung F. Ritschi gehandelt 
(Opu8c.2 p.292), die in einem wesentlichen Punkt J. L. Ussing (Ausg. p. 872) berichtigt hat 
Neue Versuche, den Inhalt der verlorenen Scenen zu bestimmen, machen A. Tartara, De 
Plaut! Bacchidibus, Pisa 1885; 0. Ribbeck, Rhein. Mus. 42 (1887) p. 111 und Baar p. 1; 
vg^. Bursians Jahresber. 47 (1886) p. 79; 84 (1895) p. 13. Eine kurze Disposition gibt auch 
G. Götz in seiner Ausgabe p. 8. 

Ueber die Stellung der Bacchides nach dem Epidicus. Manche wie E.Regel 
bei E. 0. Müller, Ausg. von Varro de lingua lai p. 304; F. Ritschi (Parerga p. 392) und 
W. M. Lindsay, nehmen an, dass die Bacchides wegen der Erwähnung des Epidicus nach- 
gestellt worden seien. Nach 0. Sejrfferts Ansicht (Berl. philol. Wochenschr. 1901 Sp. 620) 
«hftngt die Verstellung zusammen mit dem Verluste der beiden Blattlagen in Amph. und Gist. 
und derjenigen, die den Schluss von Aul. und den Anfang der Bacch. enthielt; dieser ist 
erfolgt durch Lösung der Hs., die noch die Bacch. an derselben Stelle hatte, aus dem Ein- 
bände; von den infolgedessen herausgefallenen BlatÜagen gingen drei verloren, die den 
heutigen Bestand der Bacch. enthaltenden wurden an falscher Stelle eingebunden". 

Spezialausg. von F. Ritschi, Halle 1835; von G. Hermann, Leipz. 1845; von 
J. Mc. Cosh, London 1896. 

Litteratur. M. H. E. Meier, De Lycurgo in Plauti Bacchidibus commentariolum 
(Opusc. 2 p. 330); H. Weber, Plautusstudien (Phüol. 57 (1898) p. 231). 

10. Mostellaria (Gespensterkomödie). In dieser Komödie handelt 
es sich zuerst darum, einem von der Fremde heimkehrenden Alten den 
Zutritt zum Hause zu verwehren, in dem sich gerade der Sohn mit einem 
bereits betrunkenen Freunde beim Gelage befindet. Der listige Sklave 
bewirkt dies durch die Lüge, das Haus sei verlassen worden, da sich in 
demselben ein Gespenst gezeigt habe. Die Ankunft eines Wechslers, der 
sein Geld haben will, bringt eine neue Verwicklung. Der Sklave lügt 
dem Alten vor, der Sohn habe für das geliehene Geld das Nachbarhaus 
gekauft. Der Vater will das Haus besichtigen. Auch dieser Schwierig- 
keit wird der Sklave Herr. Endlich reisst das Lügengewebe. Der Sklave 
schützt sich durch die Flucht auf einen Altar. Der Vater wird versöhnt, 

Handbuch der kUM. AltertnmswlMeniohaft. vm. 1. 8. Aufl. 6 



g2 T. Haooii» PUntos. (§ 32.) 

nachdem der Freund seines Sohnes für ihn gesprochen und, was am wirk- 
samsten war, die Bezahlung der Schulden in Aussicht gestellt hatte. Wie 
in den Bacchides der Sklave Chrysalus, so ist hier der Sklave Tranio die 
Glanzfigur des Stückes. 

Das griechische Original. Da Festas p. 162, p. 305 0. M. unser Stttck unter 
dem Namen Phcisma citieri, ist der Schluss gerechtfertigt, dass das Original diesen Titel 
geführt. Uns ist Kunde von drei Stdcken des Namens Phasma geworden: das eine schrieb 
Theognetus, das andere Menander, das dritte Philemon. Unser Stück können wir nur mit 
dem Philemons in Verbindung bringen; vgl. Ritschi, Parerga p. 159. Zur Best&tigung dient, 
dass der Dichter des Originals sich selbst scherzweise genannt und dass Plautus diesen 
Scherz beibehalten. Der Sklave Tranio sagt nämlich dem Alten (Vs. 1149), auf dessen Frage: 
Quid ego nunc faciam? die von F. Leo und F. Buecheler (Hermes 18 (1883) p. 560) 
glänzend verbesserten Worte: si amicua Deiphilo aut Philemoni^a, dicito iia, quo pcicto tuos 
te servos ludificaverU, Die Zeit des Originals wird auf Grund des Vs. 775 {Alexandrum 
magnum atque ÄgcUhoclem aiunt maxumas duo res gessiase) in die Zeit nach 289 (Todes- 
jahr des AgathoUes) verlegt und zwar, da das Stück den Friedenszustand vorausseht, vor 
oder nach dem Krieg der Athener mit Antigonus 287 — 283. Menander war bereits ge- 
storben (290); daher wird er Vs. 1149 nicht erwähnt; vgl. Hueffner p. 68. Für die Zeit 
unmittelbar nach 289 entscheidet sich G. A. Dietze, De Philemone comico, Gott. 1901, p. 12. 

Die lateinische Bearbeitung, üeber die Zeit der Aufführung lässt sich eine 
einigermassen begründete Ansicht nicht aufteilen; vgl. Lorenz, Ausg. (1866) p.5; F. Scholl, 
Ausg.* p. XXXYin. Ueber die Exposition der Handlung vgl. F. Leo, Plaut. Forsch, p. 176; 
vgl. auch W. Kroll, Unsere Schätzung der röm. Dichtung (Neue Jahrb. für das klass. 
Altertum 11 (1903) p. 5). 

Fortleben. Die MoeteUaria liegt der ausgezeichneten KomOdie des dänischen Dich- 
ters Holberg „Das Hausgespenst oder Abracadabra* zu Grund; vgl. A. Lorenz, Ausg. (1866) 
p. 56 und Reinhardstoettner p. 477. Die Namen der zwei Sklaven Tranio und Grumio 
sind bekanntlich in Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung* übergegangen. 

Spezialausg. von W. Ramsay with notes critica] and explanatory, prolegomena 
and ezcursus, London 1869; von S. Bugge, Ghristiania 1873 (mit norwegischer Uebersetzung 
von F. Gjertsen); von £. P. Morris with explanatory notes, Boston läBO; von A. Lorenz, 
Berl.' 1883 (mit deutschen Anmerkungen); von £. A. Sonnenschein with notes, Cambridge 
1884; von £. W. Fay, Boston 1903; vgl. dazu BerL philol. Wochenschr. 1900 Sp. 828; 
American Journal of philol. 18 (1897) p. 168; 24 (1903) p. 245. 

Uebersetzungen von P. Vogel, Leipz. 1893; von P. Richard in Versen, Paris 1902. 

Litteratur. J. A. Stamkart, Gommentarius in Plauti Mostellariam, ütrechter Dias., 
Amsterdam 1858; £. Teza, Un verso della Mostellaria, Rivista di storia antiba N. S. 7 
(1903) p. 420 (über die Verse 427—430); A. Cima, Per una facezia Plautina (Most. Vs. 770), 
ebenda p. 33. 

11. Menaechmi. Die Zwillingsbrüder Menaechmus und Sosicles 
werden durch ein widriges Schicksal voneinander getrennt: der eine lebt 
in Epidamnus, der andere, Sosicles, in Syrakus. Um seinen Bruder zu 
suchen, durchzieht der Syrakusaner die ganze Welt. Er kommt auch nach 
Epidamnus. Da der Sjrrakusaner dem Epidamnier in allem Aeusserlichen 
vollständig gleich ist und seit dem Verschwinden seines Bruders auch noch 
den Namen Menaechmus führt, entsteht eine Reihe der ergötzlichsten Ver- 
wicklungen. 

Das griechische Original. Hueffner (p. 54), zu dessen Ausführungen A. Holm 
(Berl. philol. Wochenschr. 1894 Sp. 1254) noch manches beibringt, setzt dasselbe mit anderen 
bald nach 269. Der Verfasser des Originals ist insofern schwer zu bestimmen, als der 
Stoff in der griechischen Eomttdie unter dem Namen Jl&vfioi vielfach behandelt wurde. 
Doch ist, seitdem Th. Ladewig (Philol. 1 (1846) p. 288) unter Hinweis auf Athenaeus XIV 
p. 658 F. den Posidippus als Verfasser des Originals hingestellt hatte, diese Meinung viel- 
fach unterstützt worden; vgl. F. Scholl, Ausg.* p. XVI; 0. Ribbeck, Gesch. der röm. 
Dichtung 1> p. 125; Hueffner p. 56. In der Tat hat Posidippus ein Stück mit dem Titel 
'OfAoioi verfasst; vgl. auch R. Reitzenstein, M. Terentius Varro etc., Leipz. 1901, p. 48 
Anm. 2. (Gegen Posidippus spricht sich W. S. Teuffei, Stud. und Charakt* p. 325, aus.) 

Die lateinische Bearbeitung, a) Die Zeit. Wenn die Verse 408 fg., wie es 
wahrscheinlich ist (Hueffner p. 47), dem Original zugehörten, so fÜlt damit das einzige ver- 



T. MaooiiM Planta«. (§ 82.) 83 

wertbare Zeugnis für die AnffÜliniiigSEeit der römischen Bearbeitung, ß) Die Composition. 
Sehr ausgedehnte Ueberarbeitung des StQckes behauptet mit F. Bnecheler (Rhein. Mus. 35 
(1880) p. 481) P. £. Sonnenburg, De Menaechmis Plantina retractata, Bonn 1882 (p. 44: 
«misere ab retractatoribus tnrbatam et laceratam nos habere fabulam"), besonders gelte 
dies von IV 2. Qegen eine solche erklären sich mit Recht J. Yahlen, Ausg. p. IV und 
0. Ribbeck, Rhein. Mus. 87 (1882) p. 581, der aber zugibt, dass auch dieses Sttlck mit 
nachplautinischen Zutaten versetzt ist; vgl. auch F. Scholl, Ausg.* p. XYIII. Eine Vs. 1099 
bis 1110 umfassende Umarbeitung wies G. Götz (Rhein. Mus. 85 (1880) p. 481) nach. 

Fortleben. In der modernen Litteratur wirkt unser Stück nach z. B. in der Ko- 
mödie der Irrungen von Shakespeare, der aber durch Einführung eines zweiten Zwillings- 
paares (nach Ajmphitmo) die Verwirrung noch gesteigert hat; vgl. Reinhard st oettner 
p. 568; W. Pischl, Die Menaechmen des Plautus und ihre Bearbeitung durch Regnard, 
Progr. Feldkirch 1896. 

Spezialausg. von J. Hildyard cum notis, Cambridge 1840; lat. und deutsch mit 
einer Einleitung Aber die Charakterrolle des Parasiten von C. E. Geppert, Berl. 1845; von 
W. Wagner with notes critical and an introduction, Cambridge 1878; Schulausg. mit 
deutschen Noten von J. Brix, 4. Aufl. von M. Niemeyer, Leipz., Teubner 1891 (vgl. dazu 
Fleckeis. Jahrb. 181 (1885) p. 198); krit. Ausg. von J. Yahlen, Berl. 1882; vgl. dazu Rhein. 
Mus. 16 (1861) p. 681; 27 (1872) p. 178; Hermes 17 (1882) p. 599, p. 608, p. 610; Ind. lect. 
Berl. 1901/02. 

Uebersetzungen von C. Ch. C. Völker, Elberfeld 1871; von G. Schmilinsky, 
Bibliothek der Gesamt-Litt des In- und Auslandes Nr. 1418, Halle 1900. 

Litteratur. A. L. Stiefel, üeber die Menaechmenfabel (Symbolae philol., Festschr. 
zu Ehren L. Spengels, Manchen 1877, p. 21); Blätter fftr das bayr. Gymnaaialschulw. 15 
(1879) p. 809, p.840; Th.Zielinski, Quaest comicae, Petersb. 1887, p.71 (dagegen F. Scholl, 
Ausg.' p. XYll**); A. Goldbacher, Zur Kritik und Erklärung der Menaechmi des Plautus 
(Wien. Stud. 19 (1897) p. 117); Ueber die symmetrische Verteilung des Stoffes in den Me- 
naechmen des Plautus (Festschr. f&r J. Vahlen, Berl. 1900, p. 205). 

12. Miles gloriosuB (Der bramarbasierende Soldat). Die 
Haupthandlung des Stückes geht dabin, einem praUerischen und lüsternen 
Hauptmann sein Liebchen, die Pbilocomasium, zu entreissen, welche der 
junge Pleusicies liebt. Dies bewirkt der intrignierende Sklave dadurch, dass 
dem Hauptmann der Glaube beigebracht wird, der alte Nachbar habe eine 
junge schöne Frau, welche sterblich in ihn verliebt sei. Der Hauptmann 
lässt sich auf die Sache ein. Ja um mit dieser Nachbarsfrau ungestört 
zusammenleben zu können, gibt er der Philocomasium den Laufpass. Diese 
zieht mit Pleusicies von dannen. Dem Hauptmann wird aber übel mit- 
gespielt; kaum hat er sich ins Nachbarhaus begeben, um seiner neuen Liebe 
froh zu werden, da fällt man über ihn als Ehebrecher her und droht ihm 
mit dem Schlimmsten, was dem Mann widerfahren kann. Dieser Handlung 
geht eine ganz anders geartete voraus. Um Pleusicies, der im Nachbar- 
hause seinen Wohnsitz aufgeschlagen, Gelegenheit zu geben, mit der Philo- 
comasium ungestört zusammen zu kommen, wird die Wand zwischen der 
Wohnung des Hauptmanns und dem Nachbarhaus durchbrochen. Als nun 
der Wächter des Mädchens dasselbe einmal in den Armen eines anderen im 
Nachbarhause entdeckt hatte, wird diesem Wächter ein reizendes Doppel- 
spiel vorgeführt, indem Philocomasium bald in dem einen, bald in dem 
anderen Hause erscheint. Seine Ungläubigkeit wird durch die Finte be- 
schwichtigt, es sei die ganz gleich aussehende Schwester der Philocomasium 
angekommen und im Nachbarhause eingekehrt. 

Das Stück, das keine eigentlichen Cantica hat, ist überaus anmutig 
und unterhaltend. Bei dem frischen Zug, der durch das Ganze weht, lassen 
wir uns über manche Schwäche der Composition gern hinwegtäuschen. 

Das griechische Original. Als Original des Stückes wird im Prolog ys.86 ein 
'Jka^aiv genannt {Älazon graece huic nomen est eomoediae: id nos latine glariasum dieimus); 

6* 



g4 T. MacoiuB Plantus. (§ 32.) 

des Dichters Name wird verschwiegen. Nach F. Leo (Plaat. Forsch, p. 103 Anm. 4) war es 
ein Nachahmer Menanders. Auf Menander selbst denkt F. Ranke, Periplecomenns sive 
de Epicnri, Peripateticomm, Aristippi placitonim apad poetas comicos vestigiis, Dias. Marb. 
1900, p. 87, der weiterhin die Ansicht Th. Birts (p. 67) dnrchzof&hren sucht, dass fttr die 
Fignr des Periplecomenns Aristippus das Modell abgegeben habe (vgl. p. 80). Dagegen 
nimmt C. A. Dietze (p. 42) das Original fOr Philemon in Anspruch. Als Zeit des Originals 
statuiert F. Hueffner p. 29 das Jahr 287. Ins Jahr 299 setzt das Original Dietze, De 
Philemone comico p. 41. 

Die lateinische Bearbeitung. fK)DerTitel. üeberllefert ist der Titel J/t^ 
glariosus. Vs. 87 gibt keinen Grund, mit Lessing (Sftmtl. Sehr. 9*, 269) und A. Fleck- 
eisen (Rhein. Mus. 14 (1859) p. 628) als Titel des Stackes bloss Gloriosus festzustellen. 
ß) Die Zeit. Eine chronologische Anspielung erhalten wir in den zweifellos von Plautus 
herrOhrenden Worten (Vs. 211): nam os columnatum poetae esse indaudivi barbaro, quoi 
Inni custodes semper totis horis oecubant (zur Stelle vgl. F. D. Allen, Harvard studies 
in class. philol. 7 (1896) p. 37). Dass sich diese Worte auf die Finkerkerung des Dichters 
Naevius beziehen, ist zweifellos (vgl. § 25 b). Daraus folgt ohne weiteres, dass der Miles 
zu den ältesten Schöpfungen des Plautus gehört. Leider können wir die Zeit der Einker- 
kerung nicht mit Sicherheit feststellen; doch ist das Jahr 206, wie bereits oben gesagt, 
sehr wahrscheinlich, so dass wir das Sttlck etwa 205 oder 204 ansetzen können. Vgl. 
A. F. West, American Journal of philol. 8 (1887) p. 17, der aber mit Unrecht in der mili- 
t&risch gehaltenen Aufforderung Vs. 218 f. eine Zeitanspielung aus dem Jahre 205 sieht. 
Nicht zugftn^ich ist mir £. Cocchia, Le allusioni storiche e le attitudini artistiche di 
Plauto nella composizione del Miles gloriosus (Atti deUa R. accad. di archeol. di Napoli vol. 18, 
1895). y) Die Gomposition. Auch beim Miles ist in Bezug auf die Gomposition die 
Hauptfrage, ob das Stflck contaminiert ist. Zuerst hat G. A. Becker (De comicis Roma- 
norum fabulis maxime Plautinis, Leipz. 1837, p. 83) die Behauptung aufgestellt, dass die 
erste Scene aus Menanders Golax entnommen sei. Im weiteren Umfange statuierten die 
Contamination Th. Ladewig, Plaut. Stud. (Philol. 17 (1861) p. 260), A. Lorenz, Ausg.* p.31. 
Fr. Schmidt, Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 9 (1877) p. 328, bes. p. 390 und 401, 0. Bib- 
beck, Alazon mit Uebersetzung des Miles gloriosus, Leipz. 1882, p. 72, Ed. Zarncke, 
Parallelen zur EntfOhrungsgeschichte im Miles gloriosus (Rhein. Mus. 89 (1884} p. 22), 
P. Langen, Plant Stud., BerL 1886, p. 313, F. Hueffner p. 26, F. Leo, Plaut. Forsch, p. 161. 
Dagegen sucht Th. Hasper (De compositione Militis ^oriosi, Progr. Dresden 1897), ob- 
wohl er die Contamination nicht leugnet (p. 7), doch den bisher über sie geftusserten An- 
sichten entgegenzutreten und ihren Umfang einzuschränken. Auch Th. Kakridis, Die 
Contamination in Plautus' Miles gloriosus (Rhein. Mus. 59 (1904) p. 626) steht der Conta- 
mination feindlich gegenüber und will mehrere Anstösse, die auch er zugeben muss, durch 
die Annahme späterer Zusätze erklären; so statuiert er (p. 628), dass ^die Lucrioscene (III 2) 
aus einem anderen Stück genommen und vom selben henfihre, von welchem der Vers 585, 
nicht von Plautus*; vgl. auch Barbara Plautina, Athen 1904, p. 29 und dagegen F. Hueff- 
ner, Wochenschr. fOr klass. Philol. 1905 Sp. 711. 

Fortleben. Ueber die Figuren des Miles gloriosus und seines Parasiten bei älteren 
und neueren Dichtem vgl. A. Lorenz, Ausg.' p. 230 und E. v. Reinhardstoettner p. 605. 
Vgl. noch 0. Fest, Der Miles gloriosus im Drama des klassischen Altertums und des 
französischen Mittelalters, Diss. Mttnchen 1897 (vollständig in: MOnchener Beiträge zur ro- 
manischen und englischen Philologie 13. Heft). 

Spezialausg. Erit. Ausg. von 0. Ribbeck, Leipz. 1881; A.Lorenz, BerL* 1886 
(vgl. dazu PhiloL 30 (1870) p. 578; 32 (1873) p. 270, p. 406); Schulausg. mit deutschen 
Noten von J. Briz, 3. Aufl. bearbeitet von M. Niemeyer, Leipz. 1901 (vgl. dazu die 
eingehende Besprechung von 0. Seyffert, BerL philol. Wochenschr. 1902 Sp. 750, Sp. 775); 
R. Y. Tvrell, London* 1889 (vgL dazu £. B. Lease, Notes to Tyell's third edition of the 
Miles gloriosus, Classical Review 1898 p. 179); con note italiane von P. M. Rossi, Mai- 
land 1900. 

Litteratur. 0. Ribbeck, Bemerkungen zu Plautus Miles gloriosus (Rhein. Mus. 12 
(1857) p. 594; 29 (1874) n. 13; 36 (1881) p. 116); A. Schoene, ebenda 18 (1863) p. 157 
(zu 1, 1); Th. Hasper, Ad Plauti militem gloriosum marginalia (Comment. Fleckeisenianae, 
Leipz. 1890, p. 171). 

IS. Mercator (Der Kaufmann). Auch in diesem Stück, dessen 
Original nach Angabe des Prologs der ^'EfinoQog des Philemon ist, spielt 
das hässliche Motiv, dass sich Vater und Sohn um ein Liebchen streiten. 
Der junge Charinus hatte von seiner Handelsreise nach Rhodus eine schöne 
Hetäre mitgebracht. Als der Vater das Schiff des Sohnes besichtigte und 



T. Macoliu Planta«. (§ 82.) 85 

das schöne Mädchen erblickte, entbrannte er in Liebe für dasselbe. Es 
war sein fester Entschluss, es in seinen Besitz zu bringen. Er schlägt 
daher dem Sohne, der die Hetäre als Dienstmädchen für die Mutter ge- 
kauft haben will, vor, man müsse, da eine solche Person für die Mutter 
nicht geeignet sei, sie wiederum verkaufen. Nach einem ergötzlichen 
Gegenkampf des Charinus setzt der Vater seinen Willen unter Beihilfe 
seines Freundes, des Lysimachus, durch; dieser kauft das Mädchen und 
bringt es in sein Haus. Eben war man daran, ein lustiges Mahl zu be- 
reiten, als die Frau des Lysimachus unvermutet vom Land kommt und 
die Hetäre im Hause findet. Es entsteht eine peinliche Situation, welche 
der gedungene Koch noch verschärft. Zum Glück erscheint Eutychus, der 
Sohn des Lysimachus. Nachdem er die verkaufte Hetäre seines Freundes 
Charinus, der aus Kummer über sein Liebesunglück in die Fremde ziehen 
will, lange vergeblich gesucht, findet er sie im eigenen Haus. Er vermag 
daher seine Mutter vollständig zu beruhigen. Dem Vater des Charinus 
wird sein unrecht vorgehalten; er tritt einen Rückzug an. 

Das griechische Original. Prolog. 5 graece haec voeatur Emporos PhiUmanis. 
Was die Zeit anlangt, so setzt G. A. Dietze (De Philemone comico, G5tt. 1901, p. 15) den 
Emporos nach Menanders Disexanaton, also in die Jahre 815—307. Allein seine Argamen- 
tation ist vdllig anzureichend and verfehlt; vgl anch K. Zacher, Berl. philol. Wochenschr. 
1904 Sp. 676. üeber das Werk urteilt Marx, Sitzungsber. (s. a.) p. 29: ,Das Stück des 
Philemon mag in seinem Inhalt unserem Gef&hl ahstossend und hässlich erscheinen: der 
dramatische Aufbau des Ganzen und die Aufführung der einzelnen Scenen zeigt Überall eine 
echt attische Feinheit* Ebenso gflnstig urteilt Dietze p. 69. 

Die lateinische Bearbeitung, a) Die Zeit. Für die Abfassungszeit gewinnen 
wir ein Kriterium aus dem Verhftltnis, in dem Rodens und Mercator in der Erzfihlung von 
einem Traume, die sich in beiden vorfindet, zueinander stehen. Es fragt sich, wo das 
Original und wo die Kopie vorliegt. Dieses Problem wurde von F. Marx, Interpretationes 
latinae (Ind. lect Greifswald 1892/98) untersucht. Er kommt zu dem Schluss (p. IX), 
dass Plimtus den TVaum des Rudens getreu nach dem Original des Diphilus erzählt, da- 
gegen den Traum im Mercator nach dem Muster des diphüeischen im Rudens selbst ge- 
dichtet habe. Marx fand jedoch einen Gegner in F. Leo, der Plaut. Forsch, p. 148 

schreibt: „Für den Mercator ist die Scene erfunden, im Rudens ist sie nachgemacht 

Erfunden hat das Motiv, in Nachfolge der Tragödie, für seinen *fynoQog Philemon, auf- 
genommen hat es und dafflr eine bessere Geschichte erfunden und gestaltet Diphilus.* 
Allein dass Leo vttlUg im unrecht ist, hat F. Marx, Ein StUck unabhängiger Poesie des 
Plautus (Sitzungsber. der Wien. Akad. der Wissensch. 140 (1899) Abb. 8) in durchaus über- 
zeugender Weise dargetan. Schon ein Moment zeigt, wo das Original und wo die Kopie 
zu suchen ist: die Gleichsetzung des Kupplers mit dem Affen im Traum des Rudens ist 
natnrgemäss; dagegen ist die Gleichsetzung des gutmütigen Nachbarn Lysimachus .mit einem 
Affen im Tntum des Mercator geradezu absuri (vgl. Marx p. 17). Ausgeschlossen ist, 
dass Philemon den Diphilus nachgeahmt hat (p. 26). Marx teilt also diesen Traum im 
Mercator Plautus selbst zu; sonach steht fest, dass der Mercator nach dem Rudens ab- 
gefasst ist. (H. Kell er mann, De Plauto sui imitatore (Gomment philol. Jenenses 7, 1 (1903) 
p. 127) hält diesen Traum für eine spätere Eindichtung.) Die Schlussfolgerung, die Tb. 
Lad ewig (Zeitschr. für die Altertumsw. 1841 Sp. 1085) aus Vs. 525 f. für die Aufführung 
des Stückes nicht vor 196 zieht, ist zweifelhaft, ß) Die Composition. Die Erkenntnis, 
dass der Traum im Mercator eigenes Produkt des Plautus ist, wirft auch ein Licht auf 
die lateinische Bearbeitung. Der Anfang des zweiten Aktes im griechischen Original er- 
fuhr Zndichtungen des Plautus in den Versen 225—254, 268—270, 272—276. Die Zutaten 
lassen sich leicht ausscheiden und die Originalfassung hier wiederherstellen, wie Marx 
(p. 29) gezeigt hat. Spuren einer Umarbeitung findet an drei SteUen Ritschi (vgl. G. Götz, 
Ausg. p. X), welchen Gedanken 0. Ribbeck (Emendationum Mercatoris Plantinae spici- 
legium, Leipz. 1883, p. 4) aufgreift und weiter verfolgt. 

14. Pseudolus. Um diesen Sklaven, die Hauptperson des Stückes, 
konzentriert sich alles Interesse. Der Hauptreiz besteht darin, dass der 
Schalk ausdrücklich vor seinen Schlichen warnt und die Gewarnten trotz- 



86 T. Macdua Plautiu. (9 32.) 

dem übertölpelt. Das Argument ist die alte Liebesgeschicbte. Galidorus 
liebt Phoenicium; aber der grausame Leno Ballio hatte dieselbe treuloser- 
weise um zwanzig Minen an einen Soldaten verkauft; fünfzehn Minen 
waren bereits bezahlt; werden auch noch die schuldigen fünf Minen ent- 
richtet, so ist Phoenicium für Galidorus verloren. Der sicherste Weg scheint 
daher zu sein, die ganze Kauf summe zusammenzubringen und dem Sol- 
daten zuvorzukommen. Der Zufall kommt Pseudolus zu Hilfe. Der Soldat 
schickt einen Boten mit den fünf Minen und mit Brief und Siegel. Diesen 
trifft glücklicherweise Pseudolus; das Geld vermag er dem Boten nicht zu 
entlocken, wohl aber Brief und Siegel — damit ist er Herr der Situation 
geworden. Es wird rasch ein Kerl als Bote des Soldaten ausstaffiert, mit 
Geld, Brief und Siegel versehen und zum Leno geschickt; er erhält die 
Phoenicium. Schon frohlockt der gewarnte Ballio darüber, dass er nun 
jeder Gefahr seitens des Pseudolus überhoben sei, als der echte Bote er- 
scheint. Sein Unglück ist jetzt da; er verliert die Phoenicium, muss die 
erhaltenen zwanzig Minen zurückzahlen, ja noch dieselbe Summe an den 
Vater des Galidorus Simo infolge der Wette, dass Pseudolus ihm nicht die 
Phoenicium entlocken werde, entrichten. Aber dieser Gewinn geht dem 
Simo wieder verloren ; denn auch er hatte eine Wette von zwanzig Minen 
mit Pseudolus eingegangen, dass diesem die Entführung der Phoenicium 
nicht glücken werde. Die Zeichnung des Pseudolus ist eine ganz vor- 
treffliche. Wir staunen über sein unerschütterliches Selbstvertrauen und 
über seine Genialität, mit der er alles wie spielend abwickelt. Auch Ballio 
ist, wenngleich mit etwas starken Farben, gut charakterisiert, üeber das 
ganze Stück ist Frische und Heiterkeit ausgegossen. 

Das griechische Original, üeber die Abfassungszeit des Originals spricht 
U. Wilamowitz (Antigonos von Earystos, Berl. 1881, p. 140 Aian. 13) die Ansicht ans, dass 
dasselbe in die Jalire 309 oder 308 falle. Damit steht im Einklang die von F. Leo (Hermes 
18 (1883) p. 563) in Vs. 412 entdeckte Anspielung aaf den Stjaavgog des Menander. Eine 
solche Anspielung ist aber nur dann yerstftndlich, wenn das Stttck kurz yorher aufgeführt 
wurde; nach K. Dziatzko (Fleckeis. Jahrb. 121 (1880) p. 811) fällt der OtjcavQog des Me- 
nander zwischen die Jahre 310 und 308. VgL F. Hneffner p. 11 und dagegen A. Holm, 
Berl. philol. Wochenschr. 1894 Sp. 1254. Hueffner (p. 17) vermutet mit Leo (1. c. p. 564) 
den Menander als Verfasser des Originals, was nicht den Beifall von U. Wilamowitz 
(Neue Jahrb. für das klass. Altertum 3 (1899) p. 517 Anm. 1) gefunden hat. Auf Philemon 
will C. A. Dietze (De Philemone comico p. 33) das Original zurflckfUhren. In der mitt- 
leren Komödie sucht den Verfasser des Originals Th. Bergk, KI. philol. Sehr. 2 p. 744. 

Die lateinische Bearbeitung, a) Der Titel. Hier fragt es sich, ob das Stück 
Pseudolus oder Pseudulus betitelt war. üeber das Problem handelt in erschöpfender Weise 
G. Götz, Ausg. p. IX, und zwar so, dass er die gut bezeugte Form Pseudolus beibehftlt. 
ß) Die Zelt, üeber die Zeit der Aufführung belehrt uns eine Didaskidie (vgl. F. Ritschi, 
Parerga p. 286, p. 295), die uns sicheren Aufschluss gibt, dass das Stück unter dem praetor 
urbanuB M. Junius M. fil. = 191 aufgeführt wurde. Aus Liv. 86, 36 können wir schlössen, 
dass das Stück bei der Einweihung des Tempels der Magna Mater aufgeführt wurde. Als 
ein Werk, das Plautus im Alter schrieb und an dem er grosse Freude hatte, bezeichnet es 
Cic. Cato maior 14, 50: quam gaudebat Bello suo Punico Naeviuaf quam Truculento Plautus, 
quam Paeudolo! üeber eine vom römischen Dichter herrührende Zeitanspielung (Vs. 296 
bis 298; vgl Liv. 35, 41) vgl. A. Eiessling, Rhein. Mus. 23 (1868) p. 417. y) Die Com- 
position. Hier handelt es sich um die Frage, ob das Stück contaminiert ist. Dies wurde 
zuerst von Th. Ladewig (üeber den Kanon des Volcacius Sedigitus, Neustrelitz 1842, 
p. 33) behauptet. In eingehendster Weise hat J. W. Bierma (Quaestiones de Plauüna 
Pseudolo, Groningen 1897) die Gontamhiation des Pseudolus nachzuweisen versucht. Loa An- 
schluss an ihn hat F. Leo, üeber den Pseudolus des Plautus (Nachr. der Gott. Ges. der 
Wissensch., philoL-hisi Klasse 1903 p. 347) eine modifizierte Ansicht Über die Gontamina- 
tion des Stückes aufgestellt. Auch 0. Seyffert (Berl. philol. Wochenschr. 1898 Sp. 1512) 



T. Maooiiu Plantus. (§ 82.) 87 

erachtet, trotzdem er nicht alle Grflnde Biermas als durchschlagend anerkennen kann, 
die Contamination f&r mindestens wahrscheinlich. Dagegen hlüt H. T. Karsten, De Plauti 
Psendolo (Mnemos. 31 (1903) p. 130) an der Einheit des Stackes fest und verwiift die Con- 
tamination, indem er sich also äussert (p. 156): .Argumentum Pseudoli est unum et Sim- 
plex nee iustam admittit contaminationis suspicionem. Oeconomiae vitia, quihus lahorat in 
actn primo, debentur Plauto, qui interpolavit certis de cansis epistolam in scena 1, Pseu- 
doli partes in scenis 4 et 5." üeber die Scenen III 1 (767 ff.) und III 2 (790 ff.) vgl. 
H. Sauppe, Quaest. Plautinae (Ind. lect. G5tt. 1858/59 p. 8 = Ausgew. Sehr. p. 230). Ueber 
Mängel und Widerspräche vgl. A. Lorenz, Ausg. p. 25 und Anm. 25; P. Langen, Plaut. 
Stud. p. 198. 

Fortleben. Von den Neueren hat das StQck direkt nachgeahmt Holberg in seinem 
«Diderich Menschenschreck*; vgl. Lorenz, Ausg. p. 30 und Reinhardstoettner p. 700. 

Spezialausg. von P. Romeijn, Diss. Leiden 1836; von F. H. Bothe, Leipz. 1840 
(mit Rud. und Truc); von A. Lorenz, BerL 1876 (mit deutschen Anm.); vgl. dazu PniloL 35 
(1876) p. 153; by £. P. Morris, Boston 1890 (vgl. £. Redslob, BerL philol. Wochenschr. 
1892 8p. 1295); with introduction and notes by H. W. Auden, Cambridge 1896. 

Litteratur. F. Schmidt, Bemerkungen zum Pseudolus des Plautus (Miscellanea 
phUol., Gott. 1876, p. 20). 

15. Poenulus (Der Punier). Von zwei in den Händen des leno 
Lycus zu Galydon in Aetolien befindlichen karthagischen Mädchen liebt 
eines ein Jüngling, der ebenfalls aus Karthago stammte, später als Frei- 
gelassener in sehr guten Verhältnissen lebte. Da Lycus nicht willfahrig 
ist, wird von dem Sklaven des Jünglings ein Schabernack insceniert, der 
den Leno vor Gericht und in grosse Verlegenheit bringen soll. Allein die 
gerichtliche Verhandlung wird unterlassen, der junge Mann kommt auf 
diesem Weg nicht zum Besitz seiner Geliebten. Hierzu verhilft ihm eine 
Erkennungsgeschichte. Es kommt der Karthager Hanno, der seine ihm 
einst geraubten Töchter sucht; er trifft den Jüngling und entdeckt, dass 
er sein Verwandter ist; in den zwei karthagischen Mädchen erkennt er 
seine Töchter. Den Schaden im Stück trägt Lycus; der Jüngling, der 
Karthager, ja endlich noch eine Nebenfigur, ein Soldat, stürmen auf ihn 
ein. Der Poenulus ist zwar reich an schönen komischen Einzelheiten, allein 
die Gomposition ist sehr mangelhaft. Es ist so gut wie sicher, dass zwei 
Argumente verschmolzen wurden. Auch Spuren einer zweiten Recension 
trägt das Stück an sich; so hat es einen doppelten Schluss. Berühmt 
ist in dem Stück das eingestreute Punische. Das Original war ein Kaqx^r 
ioviog, wahrscheinlich der des Menander. In der Ueberlieferung führt 
das Stück den Namen , Poenulus"; auf einen zweiten Titel »Patruos" 
scheint der Prolog zu führen. 

Das griechische Original. Die Frage ist hier, oh eines oder mehrere zu Grande 
liegen; der Prolog spricht von einem (Vs. 53): Carchedonius vocatur haec comoedia graece. 
Von Menander gab es einen Carchedonius, allein das einzige Fragment, das uns von Athe- 
naeus 9, 385 e aufbewahrt ist (Kock, Comicorum attic. fragm. 8, 2 p. 75 Nr. 260), hat keine 
rechte Beziehung zu unserem Sttlck. Doch ist die Autorschaft Menanders für das Original 
möglich; vgl. J. Geffcken, Studien zu Menander, Progr. Hamb. 1898, p. 5 Anm. 1. Da- 
gegen denkt Dietze (p. 82) an Alexis, der ebenfalls einen Carchedonius geschrieben (vgl. 
Kock, Comic, attic. fragm. 2 p. 381), als Verfasser der Vorlage, welche für den Carche- 
donius des Plautus gedient hat, ohne jedoch übetzeugende GrOnde beizubringen. Von der 
mit dem Carchedonius contaminierten Komödie (b) sagt Dietze p. 82: «Fabula quoque (ut 
Persa) ad mediam comoediam pertinet.* Bezüglich der Zeit des Originals kommt Legrand 
(p. 371) auf Grund der Verse 663—665 zu dem Ergebnis, dass das Original 221 in Calydon 
aufgeführt wurde; allein seine Argumentation beruht auf unerwiesenen Voraussetzungen. 

Die lateinische Bearbeitung, a) Der Titel. In der Ueberlieferung sowohl 
der Handschriften als der Schriftsteller heisst das Stück Poenulus. Die allerdings ver- 
dorbenen Worte im Prolog Vs. 53 f. (vgl. Leo z. St und F. Schoell in der Ausg. von Götz- 
Loewe p. ^VI) scheinen auf den Titel Patruos hinzudeuten. Ueber das Verhältnis 



88 t. Xaooins PUatna. (§ 82.) 

der beiden Titel uiteilen die Gelehrten yerschieden: F. Ritschi (Parerga p. 205) bezieiit 
den Titel Patinos auf eine wiederholte Aufführung, CM. Francken (Mnemos. 4 (1876) 
p. 164) dagegen hftlt ihn fOr den ursprflnglichen. Der Titel Poenulus zeichnet das Stück 
nach einer charakteristischeren Eigenschaft als Patruos. /9) Die Zeit. W. S. Teuf fei 
(Stud. und Charakt.' p. 339) yermntet auf Grund des Vs. 665: eapitur oppidum (Sparta), 
dass das Stück um 189 aufgeführt wurde. F. Huef fner dagegen (p. 34) setzt die Aufführung 
zwischen 195 und 192, um 194. y) Die Gomposition. Dass das Stück, so wie es vor- 
liegt, in der Gomposition grosse Mftngel hat, wird allgemein zugestanden. Manche wollen 
diese Mängel schon dem Original beilegen, z. B. Teuf fei 1. c. p. 337 und in ausführlicher 
Darlegung Ph. £. Legrand, Pour Thistoire de la comödie nouvelle, 4. L'original du Poe- 
nulus de Piaute (Revue des ötudes grecques 16 (1903) p. 858). Die Mftngel, die Legrand 
rückhaltlos anerkennt (p. 363), sucht er dadurch zu entschuldigen, dass das Stück nicht in 
Athen, sondern in Calydon axifgeführt wurde (p. 373). Eine Reihe von Schwierigkeiten 
glaubte G. Gtttz, De compositione Poenuli Plautinae commentariolum (Ind. lect. Jena 1888/84 
p. 6) dadurch zu beheben, dass er den vierten Akt vor den zweiten stellte, und fand für 
diese Heilimg die Billigung 0. Seyfferts, Bursians Jahresber. 47 (1886) p. 115, dagegen 
entschiedenen Widerspruch bei P. Langen, Plaut. Stud. p. 187. Allgemein aber werden 
die Schwächen der Gomposition durch Gontamination zweier Stücke erklärt, die übri- 
gens Götz (p. 8 Anm. 2) als mOglich bezeichnet hatte^ Gontamination aus zwei Komödien 
wurde ausführlich begri&ndet von L. Reinhardt, De retractatis fabulis Plautim's, Diss. 
Greifswald 1872 = Stndemunds Stud. 1 (Berl. 1873) p. 97; G. M. Francken, De Poenuli 
Plautinae compositione (Mnemos. 4 (1876) p. 168), dem mit einigen Modifikationen G. Lang- 
rehr (De Plauti Poenulo, Friedland i. M. 1883, p. 23) folgt, von P. Langen 1. c. p. 181, 
von F. Leo, Plaut. Forsch, p. 153, der den Aufbau der zwei contaminierten Stücke bis ins 
Einzelne hinein verfolgt, U. Wilamowitz, Der Landmann des Menandros (Neue Jahrb. 
für das klass. Altertum 3 (1899) p. 519), endlich H. T. Karsten, De compositione Poenuli 
(Mnemos. 29 (1901) p. 363); sein Resultat ist folgendes (p. 384): , Actus I II in continent 
initium fabulae anonymae praeter actus primi scaenam alteram et finem primae initiumque 

tertiae (p. 385) Alteram graecam fabulam, cui prologus docet nomen fuisse Gardie- 

donium, secutus est poeta a IV 2 nsque ad V 5." Weiterhin statuiert Karsten (p. 886), 
dass Plautus zuerst den Garchedonius bearbeitete und erst späterhin, da das Stück nicht 
gefiel, es mit einer anonymen Komödie verschmolzen habe. Der vorhandene Prolog stamme 
im wesentlichen aus der ersten Aufführung her. d) Ueberarbeitung. Für die üeber- 
arbeitung liefert den entsprechendsten Beleg die doppelte Fassung des Schlusses, über den 
handeln F. Ritschi, Parerga p. 601; Th. Hasper, De Poenuli Plautinae duplici exitu, Diss. 
Leipz. 1868 (Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 5 p. 279); Th. Bergk, Philol. 31 (1872) p. 244; 
G. Götz, Acta soc. Lips. 6 (1876) p. 267, p. 326; W. Brachmann, De Bacchidum retrac- 
tatione, Leipz. 1880, p. 73; G. Langrehr, De Plauti Poenulo, Friedland i. M. 1888, p. 22; 
Götz-Loewe, Ausg. p. 170; P. Langen, Plaut Stud. p. 343; Leop. 158 Anm. 8. lieber 
die ueberarbeitung des ganzen Stückes vgl. K. Schueth, De Poenulo Plautina quaest. crit., 
Bonn 1883; Götz-Loewe, Ausg. p. XIX. 

Ueber das Punische vgl. J. Gildemeister, Ausg. von Götz-Loewe p. XY, der 
auch die Recension desselben besorgte; G. Hennen, De Hannonis in Poenulo precationis 
quae fertur altera recensione punica, Marb. 1882; F. Soltau, Zur Erklärung der in puni- 
Bcher Sprache gehaltenen Reden des Hanno im Poenulus, Berl. 1889; W. M. Lindsay, The 
Garthaginian passages in the 'Poenulus' of Plautus, Glassical Review 1898 p. 361 (Mitteilung 
aus dem codex Tumebi); L. E. Ghevaldin (Les Jargons de la Farce de Pathelin pour la 
premi^re fois reconstitu^s, traduits et comment^s, Paris 1903) handelt in der Einleitung 
über den Jargon in der WelÜitteratnr und bespricht dabei auch das Punische unseres 
Stückes (vgl. W. Heraeus, Wochenschr. für klass. PhiloL 1904 Sp. 1203). 

Ueber das Fortleben des Poenulus vgl. Reinhardstoettner p. 718. 

Spezialausg. von G. E. Geppert, Berl. 1864. 

16. Persa (Der Perser). Der Liebende ist diesmal ein Sklave; er 
will sein Liebchen von einem Leno loskaufen, hat aber nicht das nötige 
Geld dazu. Dies verschafft ihm ein anderer Sklave durch Unterschlagung 
einer für den Einkauf von Ochsen bestimmten Summe. Nun soll aber 
dem Leno diese Loskaufsumme wieder entrissen werden. Dies geschieht 
dadurch, dass jener Schlaukopf zum zweiten Male hilft; er verkleidet sich 
als Perser — daher der Name des Stückes — und verkauft die verkleidete 
Tochter des Parasiten als eine angeblich aus Arabien entführte Freie an 
den Leno. Da der Parasit gleich nach der Auszahlung der Kaufsumme 



T. MaooiiiB Plantns. (§ 82.) 89 

seine Tochter als Freigeborene reklamiert, verliert der Leno Geld und Mäd- 
chen und wird noch schrecklich verhöhnt. Ein niedriges Stück mit dürrer 
Handlung und niedriger Komik, angemessen der niedrigen Gesellschaft, 
aus der sich die handelnden Personen zusammensetzen. Das Stück ist 
für ein rohes Publikum bestimmt. 

Das griechische Original. U. Wilamowitz, De tribus carminibns lat. (Ind. 
lect. Gott 1893/94 p. 13) hat ans Vs. 506 {ChrysopoUm Persae eepere urhem in Arabia) 
geschlossen, dass das Original za einer Zeit abgefasst worden, in der das Perserreich 
noch existierte. Die griechische Vorlage würde sonach in die Zeit des Demosthenes fallen 
und der mittleren Komödie angehören; vgL auch F. Hneffner p. 70 und 0. Seyffert, 
Bursians Jahresber. 84 (1895) p. 39, der p. 41 bemerkt: .Das Stück zeigt manche Com- 
positionsmftngel, die nicht sämtlich auf Rechnung des Römers gesetzt werden können, sondern 
zum Teil auf das Original zurückgehen müssen und auf eine noch unentwickelte Technik 
hinweisen." R. Dareste, Le Persan de Piaute (M^langes Henri Weil, Paris 1898, p. 107) 
zeigt, dass sich die Intrigue auch auf der Grundlage des griechischen Rechts erklären lasse. 

Die lateinische Bearbeitung, et) Die Zeit. Zuerst hat Th. Ladewig (Ueber 
den Kanon des Volcacius Sedigitus, Neustrelitz 1842, p. 38) die beiden Stellen Vs. 199 und 
433—436 unter Vergleichung von Liv. 33, 25, 1 auf das Jahr 197 bezogen. Mehr Gewicht 
legt J. Siz (Amsterdam 1885) auf Vs. 100 (vgl. Liv. 33, 42, 1 und 11) und kommt darnach 
auf 196. G. Götz (Rhein. Mus. 30 (1875) p. 166) bezog jene Verse im Hinblick auf Liv. 
39, 22 auf das Jahr 186 v. Chr., indem er auf die £rwl£nung des Straussen und des Hasen 
Gewicht legte. Inzwischen hat Götz (praef. zu Schölls Ausg. p. XVl) selbst seine An- 
sicht aufgegeben, ß) Die Gomposltion. Ueber die Composition des ganzen Stückes ver- 
breitet sich eingehend Wilamowitz 1. c. p. 18 (vgL auch Neue Jahrb. für das klass. Alter 
tum 3 (1899) p. 515 und Hueffner p. 74). Contaxmnation behauptet und begründet in ganz 
unzureichender Weise A. van Jjsendijk, De T. Macci Plauti Persa, Utrecht 1884, p. 47 — 92, 
bes. p. 8>^. Verkürzung der Scene IV 9 erscheint Ritschi wahrscheinlich (Ausg. p. IX); vgl. 
G. Götz, Acta soc. Lips. 6 (1876) p. 300; F. Scholl, Ausg. p. XXI. Ueber die Exposition 
der Handlung vgl. F. Leo, Plaut. Forsch, p. 77. 

17. Budens (Das Seil). Die Voraussetzung des Stückes ist ein See- 
sturm. Durch denselben werden zwei Mädchen, welche ein Kuppler nach 
Sizilien führen wollte, an die Küste von Gjrrene verschlagen. Diese Reise 
des Kupplers schloss aber einen Vertragsbruch gegen Plesidippus in sich, 
welcher eines dieser Mädchen (Palaestra) liebte und um eine bestimmte 
Summe aus den Händen des Kupplers befreien wollte. Am Landungsort 
befand sich ein Tempel der Venus und die Wohnung des alten Daemones. 
Nach einiger Zeit kommt der ebenfalls ans Land verschlagene Kuppler 
und will die Mädchen, die sich ins Heiligtum der Venus geflüchtet hatten, 
mit Gewalt fortreissen. Dem widersetzt sich Daemones. Plesidippus wird 
geholt, der Kuppler kommt vor Gericht. Inzwischen wird von einem 
Sklaven des Daemones, Gripus, ein Koffer aus dem Meer ans Land ge- 
zogen. Derselbe enthält yCrepundia*^,^) aus denen sich ergibt, dass die 
Geliebte des Plesidippus die Tochter des Daemones ist. Der avayvdqiaiq 
folgt die Verlobung mit Plesidippus. Den Schaden hat wiederum der 
Kuppler. Das Stück, dessen Original eine Komödie des Diphilus war, lässt 
die heitere Komik vermissen, es ist mehr ein Schauspiel, das aber schon 
durch die reiche Scenerie den Zuschauer einnehmen musste. Eine Merk- 
würdigkeit ist zu Anfang des zweiten Aktes der Chor, in dem die Fischer 
ihr ärmliches Dasein schildern. 

Das griechische Original. Prolog. 32 primumdum kuic esse nomen urhi Diphilus 
Cyrenas voluit. Die Abfassung des Originals setzt Hueffner (p. 67) Ewischen 803 und 290. 
F. Marx (Sitzungsber. der Wien. Akad. 140 (1899) Abh. 8 p. 26 Anm. 1) dagegen folgert aus 
Vs. 49 f. : ei {lenont) aderat hospes par sui, Sicidus senex, scelestus Agrigentinus, urbis pro- 

>) P.Berret, Revue de phüol. 21 (1897) p. 142. 



90 T. Haeoina Plantna. (§ 32.) 

ditor, dass das Original nach dem Fall von Agrigent, also entweder bald nach 262 (vgl. Th. 
Mommaen, Rom. Gesch. 1* p.514) oder nach 255 abgefasst eei; vgl. dagegen Dietze p. 13 
Anm. 1. Wie das Original betitelt war, erfahren wir leider nicht; vgl. F. Scholl, Ansg. p. VIL 
Derselbe (Rhein. Mus. 43 (1888) p. 298) vermutet als Titel IltJQa; vgl. aber dagegen Hueff ner 
p.67. — S. Cognetti de Martiis, Tiacce probabili d'una leggenda indo-europea nel «Rodens* 
di Flaute Atti della R. accad. delle scienze di Torino 28 (1892^1893) p. 169 (aber Ys. 906 ff.). 

Die lateinische Bearbeitung, a) Der Titel. Der lateinische Name rührt von 
dem Seile her, an dem Trachalio den Koffer festhält, so dass ihn Gripus nicht fortschaffen 
kann; vgl. Vs. 1015, 1081, 1036. Es stellt dies eine komische Scene dar. Den sonderbaren 
Titel wählte der Dichter wohl deshalb, weil er bereits eine Vidularia — dies wäre die 
passendste Bezeichnung gewesen — geschrieben hatte, ß) Die Zeit. Aus sprachlichen 
Grfinden will Marx (1. c. p. 34) beweisen, dass Rudens vor Mercator, Amphitruo und Tra- 
culentus fällt; und da er weiterhin den Truculentus um 189 abgefasst sein läset, folgert 
er, dass der Rudens «noch in das erste Decennium des zweiten Järhunderts v. Chr. fällt''. 
Was W. S. Teuf fei (Stud. und Charakt.* p. 340) zur Zeitbestimmung beiträgt, entbehrt 
des Fundamentes, y) Die Composition. Ueber die «innerlich einheitliche, aber ausser- 
lieh zweigeteilte Handlung" vgl. Leo, Plaut. Forsch, p. 144. Ueber das Verhältnis der 
plautinischen Bearbeitungen zum Original äussert sich Tn. A. Kakridis (Barbara Plautina, 
Athen 1904, p. 27) also: «Graeci exemplaris initium fuisse scaenam, quae apud Plautum 
tertia est actus primi, duasque priores scaenas a Flaute per contaminationem additas esse." 
Der Eingang enthalte einen Widerspruch mit Vs. 559; auch erwarte man die Traumerzählnng 
bei dem ersten Auftreten dessen, der den Traum gehabt. F. Hueff ner (Wochenschr. fttr 
klass. Philol. 1905 Sp. 712) billigt diese Vermutung und stützt sie noch durch die Beob- 
achtung, dass I 1 und 2 am hellen Morgen spielen, während «I 3 und 4 nur unter der 
Voraussetzung denkbar sind, dass noch völlige Dunkelheit herrscht*. Ueber den Traum 
vgl. das zum Mercator Gesagte. Ueber das Verhältnis des Traumes zur Oekonomie des 
SSickes vgl. die Ausführung von Marx, Sitzungsber. p. 18. Die Schwächen und Wider- 
sprüche der Komödie wurden mehrfach hervorgehoben; so sagt CM. Francken, Mnemos. 3 
(1875) p. 35: «Scena illa, in qua de possessione thesauri inventi altercantur Trachalio et 
Gripus, nimis protracta est; colloquium Scepamionis et Ampeliscae (414 — 484) plane poterat 
abesse. Tum melius fortasse exspectationi spectatorum consuluisset poeta, si vidulo pri- 
mum invento apparuisset Palaestram esse Athenis natam (741).* Vgl. noch P Langen, 
Plaut. Stud., Berl. 1886, p. 205; G. Langrehr, Plautina, Friedland i. M. 1888. Ueber Re- 
traktation des Stückes vgl. E. Dziatzko. Rhein. Mus. 24 (1869) p. 584 Anm. 

Ueber das Fortleben vgl. Reinhardatoettner p. 729. 

Spezialausg. von F. V. Reiz, Leipz. 1789, 1826; von C. £. Ch. Schneider, Breslau 
1824; von F. H. Bothe, Leipz. 1840 (mitPseud. undTruc); von C. E. Geppert, lateinisch 
und deutsch, Berl. 1846; von E. Benoist, Paris 1864 (französisch); von E. A. Sonnen- 
schein with notes, Oxford 1891 und 1901 (vgL dazu Athenaeum 1892 Nr. 3354 p. 190; 
Nr. 3355 p. 214). 

Litteratnr. 0. Eampmann, Adnotationes in PlauU Rudentem, Diss. Bresl. 1830; 
J. Brix, Zu Plautus (Fleckeis. Jahrb. 131 (1885) p. 200). 

Uebersetzungen von G. Schmilinsky, Halle 1897 = Bibliothek der Gesami- 
Litt. des In- und Auslandes Nr. 1441, Halle 1901 ; von J. P. Waltzing, Le Gordage de Piaute, 
traduction litt^rale (Mus4e Beige 5 (1901) p. 164); engl, übers, von H. T. Riley, London 1900. 

18. Stichus. Zwei Schwestern harren bereits seit drei Jahren ihrer 
Gatten, zweier Brüder, die in die Fremde gezogen waren, um ihre durch 
Leichtsinn zerrütteten Vermögensverhältnisse wiederherzustellen, aber bisher 
keine Nachricht von sich gegeben hatten. Der Vater redet seinen Töchtern 
zu, die Gatten fahren zu lassen. Allein die Töchter bewahren fest die 
eheliche Treue, und sie werden für diese Treue belohnt. Eben kommen 
die beiden Gatten mit Schätzen reich beladen zurück. Der Schwiegervater 
ist jetzt auch versöhnt. Es wird auf ein Mahl der Familienglieder hin- 
gewiesen, zur Darstellung aber kommt es im Stücke nicht. Dafür aber 
finden wir in der letzten Scene ein Gelage der Sklaven der beiden Fami- 
lien, des Stichus, nach dem das Stück benannt ist, des Sagarinus und der 
gemeinschaftlichen Geliebten Stephanium. Aus der Inhaltsangabe ersieht 
man, dass keine Verwicklung vorliegt, und dass die letzte Scene in einem 
sehr losen Zusammenhang mit dem Vorausgehenden steht. Die Komik 



T. Maooius Plautua. (§ 82.) 91 

des Stückes liefert ein Parasit, ein elender Hungerleider. Einige Einzel- 
heiten sind reizend, z. B. die Schilderung des Boten, der die Nachricht 
von der Ankunft der Herren überbringt; allerliebst ist ferner, und für 
den Schauspieler äusserst dankbar, der apologus des Schwiegervaters (538) ; 
auch die Schlussscene hat viel Drolliges. Allein von einer künstlerischen 
Gomposition unseres Stückes kann keine Rede sein. 

Das griechische Original. Als Original des St&ckes werden in der Didaskalie 
(vgl. das Apographnm W. Siudemands und G. Götz, Ausg. p. S) die Adelphen Menanders 
genannt. Da diese Komödie, soweit sie uns aus Terenz' Nachahmung bekannt ist, nicht 
mit dem im Stichus behandelten Argument übereinstimmt, hat man eine Verderbnis der 
Didaskalie gefolgert. Vgl. F. Ritschi, Parerga p. 270; W. Studemund, De actae Stichi 
tempore in den Comment. in honorem Th. Mommseni, Berl. 1877, p. 801 („nee constat, utmm 
fabmae an poötae an adeo ntriusque nomen falso in didascaliam iirepserit"). Diese bedenk- 
liche Folgerung beseitigt F. Scholl (Fleckeis. Jahrb. 119 (1879) p.44), der u. a. gestützt auf ein 
Scholion zu Plato p. 276 Herm. {Mivav&Qos iy ^A^eXtpoU ß") eine zweite Komödie Menanders 
mit dem Titel „Brüder" gewinnt. Vgl. K. Dziatzko zu Terenz' Adelphoe Einl. p. 5. Ueber 
die Abfassungszeit des Originals vgl. Hueffner (p. 46), der auf das Jahr 806 kommt. 

Die lateinische Bearbeitung, a) Die Zeit. Durch die Worte der Didaskalie: 
acta ludis plebeiß Cn. Baehio C, Terentio aed. pl. erfahren wir, dass das Stück an den ludi 
plebei im Jahre 200 aufgeführt wurde. Ebenso erfahren wir durch die Didaskalie, dass 
bei der Aufführung der Hauptschauspieler T. Publilius Pellio war. ß) Die Gomposition. 
Um die jedem Leser entgegentretenden Schwachen des Stückes zu erklären, hat man ver- 
schiedene Wege eingeschlagen. Es wurde angenommen, dass das Stück lückenhaft über- 
liefert sei, so z.B. F. Ritschi, Parerga p. 280; Th. Ladewig, Ueber den Kanon desVolcaclus 
Sedigitus, Nenstrelitz 1842, p. 28; Th. Bergk, Kl. philol. Sehr. 1 p. 86; G. Götz, Acta soc. 
Lips. 6 (1876) p. 302. Oder die Kürzung wird dem Dichter selbst zugeschrieben; so sagt 
0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht 1' p. 103: ,Es scheint, dass der römische Bearbeiter 
aus dem Orig^al nur eine Folge unterhidtender Scenen herausgepflückt und die Handlung 
selbst als gleichgültige Schale beiseite geworfen hat.* Statt der Kürzung wird die Gontami- 
nation zur Erklärung der Gomposition verwertet. F. Winter (Plauti fabiüarum deperditarum 
fragpenta, Bonn 1885, p. 85) statuiert, dass zu Anfang des 7. Jahrhunderts der Stadt aus 
zwei plautinischen Komödien, der Nervolaria (Gefftngniskomödie) und dem Stichus, eine neue 
zusammengesetzt und daher der Name des einen Stückes, Stichus, beibehalten .wurde. Als 
Stütze für diese Hypothese dient Festus (p. 169, p. 197 0. M.), bei dem zwei in unserem 
Stichus stehende Verse (352 und 91) der Nervolaria zugeschrieben werden. G. Götz (Ausg. 
der eist. p. 191) nimmt hier einen Irrtum des Festus oder des Verrius Flaccus an. Möglich 
wäre auch, dass Plautns die zwei Verse wiederholt hätte, wie ja auch Rudens 944 im Truc. 119 
wiederkehrt; vgl. auch Leo, Gott. Nachr. 1902 p. 390 Anm. 2. Während in dieser unhalt- 
baren HypoÜiese die Gontamination einer späteren Bearbeitung zugewiesen wird, teilt F. Leo, 
Ueber den Stichus des Plautus (Nachr. der Gott. Ges. der Wissensch. 1902 p. 375) eine aus- 
gedehnte Gontamination Plautus selbst zu. Er will nachweisen, dass das Mittelstück des 
Stichus nebet I 3 nicht zu Menanders ersten 'A&eXfpoi gehöre (p. 389). Weiterhin bemerkt 
•r (p. 390): «Der Schlussakt gehört nicht zu den 'j4dsXq)oi; .... dass er auch zu dem zweiten 
Stücke nicht gehört, darüber gibt die Scene IH 1 mit ihrer den Schlussakt vorbereitenden 
Einlage den Beweis*; vgl. noch Th. Kakridis, Barbara Plautina, Athen 1904, p. 28. Es ist 
schwer, sich diese Gompositionsweise des Plautus als wahrscheinlich vorzustellen ; ich möchte 
doch annehmen, dass unserem Stichus die 'JdeXfpoi des Menander zu Grunde liegen, dass 
aber Plautus durch Kürzungen und eigene Zndichtungen dem Original eine Fassung gab, 
in der es mehr auf Bühnenwirkung als auf Entwicklung einer Handlung abgesehen war. 
So ist nicht unwahrscheinlich, was W. S. Teuf fei (Stud. und Gharakt* p. 342) vermutet, 
dass das Herrenmahl des Originals durch ein Sklavenmahl im letzten Akte ersetzt wurde. 
Ueber die Umarbeitungen, die das Stück bei späteren AuffBhrungen erfuhr, die aber den 
Gang der Handlung nicht alterierten, vgl. Leo, Nachr. p. 380. 

Fortleben. Ueber das Verhältnis Lessings zu Stichus vgL Reinhard- 
stoettner p. 742. 

Litteratur. P. G. Guidani, Quaest Plautinae, I : De Stichi scaenis act. 1, 1—2, 
act. IV, 1 (Estratto degli Annali della R. scuola normale superiore di Pisa 1891 p. 5); vgl. 
dazu die au^hrliche Besprechung von 0. Seyffert, Bursians Jahresber. 84 (1895) p. 50; 
A. Silbernagl, De Stichi Plautinae compoeitione, Progr. Teplitz 1896; H. Buchholtz, 
Die Anapästen im Stichus des Plautus (Philol. 36 (1877) p. 720); F. Leo, Stichi Plautinae 
versus Ambrosiani (Rhein. Mus. 39 (1884) p. 470); John G. Rolfe, On Plaut. Stichus 193 ff. 
(Transactions and Proceedings of the American philological society 34 (1903) p. V). 



92 T. MaooinB PUutus. (§ 82.) 

19. Trinuminus. Das plautinische Stück ist dem .Schatz' PhUemons 
nachgebildet, hat aber seinen Namen von dem Dreier, den der Sykophant 
für seine Dienste erhielt. Ein junger Mann mit Namen Lesbonicus war in 
der Abwesenheit seines Vaters Charmides sehr verschwenderisch gewesen, 
so dass er zuletzt gezwungen war, sein Haus zu verkaufen. In diesem 
Haus aber war ein Schatz verborgen. Dies wusste Callicles, dem Char- 
mides für die Dauer seiner Abwesenheit den Lesbonicus anvertraut hatte. 
Um diesen Schatz zu retten, hatte Callicles das Haus selbst gekauft. Nun 
trifft es sich, dass um Lesbonicus' Schwester ein trefflich gearteter Jüng- 
ling aus guter Familie wirbt. Um die nötige Mitgift zu beschaffen, zu- 
gleich aber Lesbonicus in Unkenntnis des Schatzes zu erhalten, wird von 
Callicles ein Sykophant gedungen, der angeblich die Mitgift von dem in 
der Fremde weilenden Vater überbringt. Aliein der Sykophant trifft mit 
dem inzwischen zurückgekehrten Charmides zusammen; dies führt zu einer 
heiteren Scene. Der Schluss ist, dass der junge Taugenichts unter der 
Bedingung Verzeihung erhält, dass er die Tochter des Callicles zur Frau 
nimmt. Das an moralischen Ergüssen reiche Stück verläuft im ganzen 
sehr ruhig und ist mehr ein Familiendrama als eine Komödie. Bemerkens- 
wert ist, dass keine weibliche Rolle in demselben auftritt. 

Das griechische Original. Prolog. Vs. 18 huic graece nomen est Thensauro fa- 
bulae: Philetno seripait. Ueber die Zeit des Originals vgl. F. Hueffner p. 61, der es nach 
der Schlacht bei Ipsus, vielleicht 292 — 287 ansetzt; vgl. dagegen C. A. Dietze, De Phile- 
mone comico p. 16, der aber keine stichhaltigen Argumente beibringt. 

Die lateinische Bearbeitung, a) Der Titel. Ys. 843 huic tgo die nomen 
Trinummo facio: nam ego operam meam tribus nummis hodie locavi ad ariis nugatarias, 
ß) Die Zeit Die Auff&hrungszeit kann durch folgende Betrachtung bestimmt werden. 
Vs. 990 spricht Plautus von den novi aediles, sie hatten also kurz vor der Aufführung des 
Stackes ihr Amt angetreten. Der Amtsantritt der Aedilen fand aber von 217, wahrschein- 
lich sogar schon 222, bis 153 regelmftssig am 15. März statt; vgl. Mommsen, Rom. Staats- 
recht V (Leipz. 1887) p. 599; £. Herzog, Gesch. und System der röm. Staatsverfassung 1 
(Leipz. 1884) p. 614. In dieses Intervidlum fiült die dichterische Tätigkeit des Plautus. 
Wir müssen also ein scenisches Fest suchen, das die Aedilen bald nach dem 15. März aus- 
richteten; dies können nur die ludi Megalenses sein, die in den April fielen, denn die ludi 
Romani werden von den curulischen Aedilen erst im September, die ludi plebei von den 
plebeischen Aedilen erst im November ausgerichtet, und man konnte sonach an den beiden 
Festen nicht von novi aediles sprechen. Da die ludi Megalenses erst 194 scenisch wurden 
(vgl. § 54), mnss die Aufführung unseres Stückes nach 194 fallen. Grundlegend wurde 
hier die Abhandlung Ritschis, De actae Trinummi tempore (Parerga p. 339). >") Die 
Gomposition. Ueber das Vorspiel vgl. F. Leo, Plaut. Forsch, p. 183. Ueber die Inter- 
polationen vgl. F. Ritschi, Parerga p. 511. 

Fortleben. Das Lessingsche Stück .der Schatz" (1750; Sämtl. Sehr. 2*, 125) ist 
eine vortreffliche Bearbeitung der plautinischen Komödie; vgl. E. Sierke, £. G. Lessing als 
angehender Dramatiker, geschildert nach einer Vergleichung seines «Schatzes» mit dem Tri- 
nummus des Plautus, Diss. Leipz. 1869; E. Seidner, Lessings Verhältnis zur altröm. Kom., 
Mannh. 1881, p. 28. Ueber andere moderne Bearbeitungen vgl. Lessing, Hamb. Drama- 
turgie V (9. Stück) p. 222 und dazu Reinhardstoettner p. 768. 

Spezialausg. von G. Hermann, Leipz.' 1853; lateinisch und deutsch von C. £. 
Geppert, Leipz.* 1854 (Berl. 1844); Schulausg. mit deutschen Noten von J. Brix, 4. Aufl. 
von M. Niemeyer, Leipz. (Teubner) 1888; with notes critical and exegetical von W.Wagner, 
London« 1875 (Cambridge 1872); von A. Spengel, Berl. 1875; von C. E. Freeman und 
A. Sloman, London 1883; commentato da E. Gocchia, Turin 1886; with introduction and 
notes von E. P.Morris, London 1898 (mit Captivi); von J.H.Gray, London 1897 (vgl. 
Athenaeum 1898 Nr. 3700 p. 416); von H. C. Nutting, Boston 1904 (vgl. Neue philoL Rund- 
schau 1904 p. 439). 

Uebersetzungen von F. Osthelder, Progr. Speier 1852/53; von W. Wagner, 
Frankfurt a./M. 1861. 

Litteratur. M. H. E. Meier, Commentatio de Plauti Trinummo (Opusc. 2 p. 321); 



T. Maooiiu Pl&ntna. (§ 82.) 93 

F. V. Fritiach«, Lod aliqnot difficaoe Trinnmini (Ind. lect. Rostock 1849,50); W. Stode- 
mnod, Dar plantiniBche Triiiuininus im cod. AmbroäuinB (Rhein. Hns. 21 (1866) p. 574); 
Ober adiidui eivet (Vb. 203) vgl. C. Pftscal, Riviat« dl filol. SO (1902) p. 22. 

20. TrucuIentuB (Der Polterer). Eine Hetäre hat drei Liebhaber 
und beutet alle drei in achändlicher Habsucht aus. Die einzige Ver- 
wicklung deB Stückes besteht darin, dass die Hetäre, um einen der drei 
Liebhaber, einen Hauptmann, gehörig auszunutzen, vorgibt, sie habe ihm 
einen Sohn geboren. Zu diesem Zweck wurde ein fremdes Kind unter- 
geschoben. Es stellt sich aber bald heraus, dass dieses Kind einer Frei- 
geborenen zum Vater den zweiten der drei Liebhaber hat. Damit ist 
dieser für die Hetäre verloren, denn er muss das verfilhrte Mädchen 
heiraten. In dem Stihik kommt ein Sklave vor, der sehr grob, trucu- 
lentus, und dem Hetärenvolk feindselig ist ; dieser Sklave gibt dem StUck 
seinen Kamen. Merkwürdig ist aber, dass dieser Sklave plötzlich ') ein 
ganz anderer wird. Von den plautioischen Stücken ist der Truculentus 
eines der unerfreulichsten; denn der Stoff ist ein sehr abstossender und 
gemeiner, und wir werden nicht durch wahrhaft heitere Scenen entschädigt. 
Diesem traurigen Eindruck gegenüber, den das Stück macht, moss man 
sich wundern, wenn uns Cicero erzählt, dass Plautus als alter Mann noch 
mit Freuden den Truculentus bearbeitete. 

Das griechisch« Original. Eine nnsichere Vennattuig Ober die Zeit (iwiachen 
299 und 297) spricht Hueffner (p. 88) am; vgl. dun Dietie p. 41 (299-295). Ale Ori- 
gmal Termatet F. Schflll (Divin&tiones in FIsati TracQleiitnni, Leipc. 1676, p. 15; Aaag. 

SIXJ den Sikjonios des Henander; Tgl. dagegen F. Schmidt, Gstt. gel. Äoz. 1877 p. 951; 
. Ribbeck, ÄIsEon, Leipi. 1882, p. 79. Ebenso unsicher iet die Vennutong Dieties (De 
Pbilemone comico p. 48), dsss Philemons Bsbyloniiu die Vorlage geweeen »ei. EHnem 
Nachahmer Menanders irill das Original Enweiaen D. Wilamonitz, Nene Jahrb. für das 
klaaa. Altertum 3 (1899) p. 517 Anm. I. 

Die lateinische Bearbeitang. e) Die Zeit. Der Tracnlentas gehSrt zn den 
loteten Stacken des Plantiu; denn er wird Cic. Cato maior 14, 50 (<niain gaudebat hello tuo 
Punico Naeviti»! gmim TruetäeMo Hauliu, quam Pseudolo!) als Werk seines Alters be- 
leichuet. Etwa ins Jahr 189 setit das StBck W. S. Tenffel, Stad. ond Chsrokt.' p. 852. 
P) Die CoinpDsition. Obwohl die Deberliefenuig des Stflckea die denkbar schlechteste ist, 
lassen sich doch die Qebrechen desselbea onmOglich ans ihr erklftren; es irrt A. Spengel, 
nenn er in seiner Ansgabe (Oott. 1868) p. V schreibt: .Tertii actus qni integer non eet sunt 
scaenae III 1 et 111 2, quartus totna intercidit (nisi qnod III 1 et III 2 etiam qoaiti actus et 
tertine totoa intercidisse pot«Kt).' Ea liegt allem Anschein nach eine VerkOnung des Originals 
vor. 0. Ribbeek (Rhein. Hnfl. 37 (1882) p. 422) bemerkt, anderen folgend; .Schon der Titel 
Trucnlentas läset vermuten, dass dieser Bolle in dem unverkDrzten StOck ein weiterer 
Spielraum als in den iwei einzigen uns erhaltenen Scenen eingerRumt gewesen sein muss, 
namentlich kann in der zweiten (III 2) die Umwandlung des Charakters kaum so unmoti- 
viert eingetreten sein, wie sie Donat bereits vorfand.* F. Leo (Plant Forsch, p. 187) ssgt: 
,Eb ist ganz klar, dass das Ori^nal eine Torrede gehabt hat .... Die erhaltene Rede 
des prologne ist im Anfang von Plaatns selbst frei gestaltet; der vermiest« Teil der Vor- 
geschichte fehlt durch Schaden der Ueberliefemng, er stand in der Lücke nach v. 17.* 

Fortleben. Reinhardstoettner p. 772: .In Deutschland hat R. Lenz den Tru- 
culentus des Flantns erst übersetzt, dann modernisiert und in sein Lnstapiel ,Die Buhl- 
Schwester* omge wandelt' 

Spezialauag. von F. Qoeller, Esln 1824; von F. H. Bothe, Leipz. 1840 (roit Ru- 
dens und Fsendolus); von C. E. Geppert, Berl. 1863; cum apparatn critico Ouilelmi .^tuili? 
mund et epistnla eiusdem de codicis Amhrosiani reliqulis ed. illusb'. A Spengel, GOtt !->l-. 

Litteratnr. C. E. Geppert, Deber die eog. italienische Recension im Tnii-iil< ntn.H 
(PUat. Stud. 1 (Berl. 1870) p. 87); L. Reinhardt, De compoaitioDe Tmcnlenti (Studoiniina^ 
Btudia in priscoa scriplores lat. collata 1 (Bert. 1873) p. 93); B. Eellerhoff, Volletüiiiij^-er 

I urbtm erebro commto; vgl. Donat. za Terent. 




94 T. MacoiuB Plantii«. (§32a.) 

Text des plaut. Tntc. aoB der Pariser Plautashandachrift Nr. 7889, mit Abweichangen von 
F und den Kollationen von Ghsppert, Progr. Oldenburg 1886; W. M. Lindsay, On Üie tezt 
of the Tnicnlentus of Plantus (American Journal of philol. 17 (1897) p. 438). 

21. Vidularia (Das Eofferstück). Von diesem Stück haben wir 
ausser den Grammatikercitaten noch grössere Bruchstücke im ambrosiani* 
sehen Palimpsest. Die Handlung ist der im Rudens dargestellten ausser- 
ordentlich ähnlich. Der junge Nicodemus hatte sich aus einem Schiffbruch 
gerettet, aber dabei seinen Koffer (vidulus) verloren, der den Ring, wel- 
cher das Erkennungszeichen seiner Abkunft war, enthielt. Später findet 
ein Fischer — die Handlung spielt am Meere — den Koffer des Nico- 
demus. Der Ring verhilft dem Nicodemus zu seinem Vater, bei dem er, 
ohne es zu wissen, nach dem Schiffbruch Dienste genommen hatte. 

Das griechische Original. Aus dem Prolog hat Stndemund mit grosaem 
Scharfsinn ZOge ermittelt, aus denen sich das Wort schedia (das für vorQbergehenden 
Gebrauch rasch hergestellte Schiff) ergibt. Ohne Zweifel war damit das Original bezeichnet. 
Da wir nun von keinem anderen Dichter als von Diphilus eine J/£<fia kennen (Kock, 
Fragm. 2 p. 567), hat Studemund ihn als Verfasser des Originals angenommen. Nun ist 
das Original für den Rudens ebenfalls eine Komödie des Diphilus. Wir hfltten sonach zwei 
, Parallelkomödien " desselben Autors. Vgl. W. Stndemund, Ueber zwei Parallelkomödien 
des Diphilus nebst dem Anhang „Die Fragmente der plautinischen Vidularia auf Grund einer 
erneuten Vergleichung des ambrosianischen Paliropsestes* (Verh. der 86. Philologenvers. zu 
Karlsruhe 1882 p. 83); vgl. dazu F. Scholl, Ausg. des Rudens p. Vll. 

Ausg. Die Fragmente bei Studemund; Winter p. 49; Götz p. 125; Götz-Schöll 
p. 181; Leo p. 512. 

Litteratur. F. Leo, De Plauti Vidularia comment. (Ind. lect. Gott. 1894/95). 

32a. Bückblick. Von mehr als 50 Stücken des Plautus ist uns Kunde 
geworden; erhalten haben sich aber nur 21, die mit Recht als die »fa- 
bulae Varronianae" gelten, üeberschauen wir die Namen, die der Dichter 
seinen Schöpfungen gegeben hat, so finden wir lateinische Sachnaroen 
und zwar doppelter Art: einmal in adjektivischer Gestalt mit Ergänzung 
von fabula (z. B. Mostellaria), dann als Substantive (z. B. Rudens), femer 
Personennamen und zwar sowohl Eigennamen als lateinische Gattungs- 
namen (z. B. Stichus, Mercator). Den Titeln der griechischen Originale 
gegenüber wahrt sich der Dichter seine Freiheit, wie dies am deutlich- 
sten beim Rudens und Trinummus hervortritt. Auch auf Doppeltitel, wie 
bei der Gasina, stossen wir; sie rühren nicht von Plautus her, sondern 
beruhen auf fremder Schöpfung. Die Namen der in den Stücken auf- 
tretenden Personen sind zu einem grossen Teil der neueren griechischen 
Komödie entnommen, andere unmittelbar aus dem Leben, wobei manches 
auf Süditalien hinzuweisen scheint. Auch an komischen Neubildungen 
fehlt es nicht, sie sind regelrecht und im Geiste der Zeit gehalten. Am 
wichtigsten wäre es für uns, zu wissen, welche griechischen Orginale den 
von Plautus bearbeiteten Stücken zu Grunde liegen und wann die plau- 
tinischen Komödien aufgeführt wurden. Ueber diese beiden Dinge würden 
wir vollständig unterrichtet sein, wenn uns die Didaskalien von den ver- 
schiedenen Aufführungen erhalten wären. Es sind uns aber deren nur 
zwei im Ambrosianus überliefert, eine zum Stichus und eine in Trümmern 
zum Pseudolus. Wie wir bereits gesehen, bezeugt die Didaskalie zum 
Stichus, dass derselbe 200 v. Chr. an den plebeischen Spielen, während 
die zum Pseudolus erschliessen lässt, dass derselbe bei den Megalesia des 
Jahres 191 aufgeführt wurde. Es liegen Versuche vor, auch für die meisten 



T. MacoiuB Plantna. (§ 88.) 95 

übrigen Stücke auf Indicien bin die Aufffibrungszeit zu bestimmen; doch 
kommen diese Versucbe selten über eine gewisse Wahrscheinlichkeit hinaus, 
sie führen von etwa 205 bis auf etwa 186, d. h. einige Jahre vor dem 
Tode des Dichters. Auch die Frage nach den Originalen ist eine schwer 
zu lösende, doch kommen uns die Prologe mehrfach zu Hilfe; auch auf 
anderem Wege ist hie und da mit Glück das Original festgestellt worden. 

Verlorene Stücke des Plaatns. Ausser den 21 fabulae Varronianae haben 
wir noch Kenntnis und grösstenteils auch Fragmente von folgenden Stücken, die wir nach 
der kleinen Teubner- Ausgabe p. 138 aufführen; Acharistio, Addictus, Agroecus, Anus, Ar- 
temo, Astraba (6. Götz, Ind. lect. Jena 1893), Bacaria (vgl. dazu G. Löwe, Prodr. p. 292), 
Bis compressa, Boeotia, Gaecus vel Praedones, Calceolus, Garbonaria, Gesistio (Gacistio 
F. Ritschi, Parerga p. 151, Gocistrio Löwe, Prodr. p. 291), Golax (dieses Stück hält 
Ritschi, Parerga p. 104 nach dem Prolog des Terenz zu Eun. 25 für eine Neubearbeitung 
des menandrischen Golax des Naevius), Gommorientes, Gondalium, Gomicula, Dyscolus, 
Faeneratrix, Fretum, Frivolaria, Fugitivi, Hortulus, Lenones (oder Leones) gemini, Lipargu8(?), 
Nervolaria, Pagon (Phago Pius), Parasitus medicus, Parasitus piger, Plocinum(?), Saturio, 
Scematicu8(?), Sitellitergus, Trigemini. Vgl. F. Ritschi, Opusc. 3 (1877) p. 178. Die Frag- 
mente sind ausser in der kleinen Teubner- Ausgabe fasc. 7, Leipz. 1896, publiziert von 
F. Winter, Planti fabularum deperditarum fragmenta, Bonn 1885, von G. Götz hinter der 
grossen Ausgabe der Gist. von F. Scholl, Leipz. 1894, in der Ausgabe von F. Leo 2 p. 523 
und von W. M. Lindsay hinter 2. Vorangegangen war bes. die Fragmentsammlung des 
J. Ph. Pareus in der 3. Ausg., Frankfurt 1641. 

Die Namen der Stücke. Vgl. F. Ritschi, Parerga p. 138. üeber Doppeltitel 
vgl. denselben p. 157. 

Ueber die Personennamen bei Plautus handeln F. Ritscbl, Opusc. 3 p. 333; 
Karl Schmidt, Hermes 37 (1902) p. 173, p. 353, p. 608, der als Ergebnis seiner Unter- 
suchungen besonders die Sätze hinstellt (p. 626): «Die griechischen Personennamen des 
Plautus sind ebenso regelrecht wie seine Sprache und Metrik; sie sind ebenso wie diese 
geschichtlich aus ihrer Zeit zu erklären.* 

Die Didaskalien. F. Ritschi, Die plautinischen Didaskalien (Parerga p. 249). 
Dass die Didaskalie zum Stichus wirklich zu diesem Stück gehörte, setzt W. Studemund, 
De actae Stichi Plautinae tempore (Gomment. in honorem Th. Mommseni, Berl. 1877, p. 782), 
nachdem Ritschi mit der genannten Abhandlung den Weg gezeigt, durch den Nachweis 
ausser Zweifel (p. 802), dass Worte des auf demselben Blatte stehenden Arguments, welche 
er entzifferte, sich sicher auf den Stichus beziehen. In der palatinischen Recension findet 
sich keine Spur von didaskalischen Notizen; vgL W. M. Lindsay, The ancient editions of 
Plautus, Oxford 1904, p. 88. 

Allgemeine Schriften über die Abfassungszeit der Komödien. F. 
Windischmann, Didascaliae Plautinae (Rhein. Mus. 1 (1833) p. 110); Ghr. Petersen, 
Bestimmung der Zeit, in der einige plautinische Stücke zuerst aufgeführt sind (Zeitschr. für 
die Altertumsw. 1836 p. 615); S. Vissering, Qnaest. Plautinae part. l (Amsterdam 1842) 
p. 94; F. Ritschi in den Parerga an verschiedenen Stellen. 

33. Die plautinischen Prologe. Eine eigene Erörterung erfordern 
die plautinischen Prologe. Es ist nämlich eine Eigentümlichkeit der neueren 
Komödie, durch einen Prolog die Zuschauer über die Voraussetzung und 
den Gang der Handlung im allgemeinen zu unterrichten. Der Dichter 
konnte aber den Prolog entbehren, wenn er in seiner Exposition die Voraus- 
setzungen der Handlung einflocht. Das Institut des Prologs der neueren 
Komödie ist eine Fortsetzung des euripideischen Prologs. Zu Plautus sind 
uns 15 Prologe erhalten, zu 6 Stücken liegen keine vor, nämlich zu Bac- 
chides, Epidicus, Mostellaria, Persa, Stichus, Gurculio. Die Prologe zum 
Pseudolus und zur Vidularia sind nur verstümmelt auf uns gekommen. 
Von den 15 uns erhaltenen Prologen werden fünf von allegorischen Per- 
sonen gesprochen: der zum Trinummus von der Luxuria (und Inopia), der 
zur Aulularia vom Lar familiaris, der zum Rudens vom Arcturus, der zur 
Gistellaria von Auxilium und nach höchst wahrscheinlicher Vermutung der 
zur Gasina von der Fides; in drei Stücken spricht eine handelnde Person 



96 



T. MaociQs PUatns. (§ 88.) 



des Stückes selbst den Prolog: im Mercator, Miles gloriosus, Amphitruo, 
dagegen in den übrigen Stücken: in den Captivi, den Menaechmi, im Tru- 
culentus, in der Asinaria, im Pseudolus,^) im Poenulus, in der Vidularia*) 
ein jüngerer Schauspieler mit besonderem Abzeichen, der selbst den Namen 
Prologus führte. Die Prologe des Miles gloriosus und der Gistellaria 
wurden nicht vor der Eröfhung des Stückes gesprochen, sondern nach 
dem ersten Akt. 

Die plautinischen Prologe bieten der Forschung mehrere Probleme 
dar. Vor allem handelt es sich um die Feststellung der ursprünglichen 
Gestalt; denn diese Produkte legten für wiederholte Aufführung Um- 
arbeitung, Nachdichtung und Interpolation sehr nahe. In der Tat kann 
festgestellt werden, dass manches, was in den Prologen steht, nicht von 
der Hand des Dichters herrührt. Am deutlichsten liegt dies bei der Gasina 
vor, wo sich die Verse 5—20 auf eine zweite Aufführung beziehen. Aber 
auch andere Stücke, wie z. B. der Poenulus, >) haben Umgestaltung er- 
fahren. Doch ist man früher mit diesen Prologen zu scharf ins Gericht 
gegangen, indem man subjektive Erwägungen zu stark vorwiegen liess. 
Das zweite Problem, das hier vorliegt, ist die Frage, welche Prologe schon 
in dem Originalstücke vorhanden waren, und welche von Plautus selbst 
gemacht sind. Diese Frage kann nur gelöst werden durch eine umsichtige 
Interpretation der Exposition für die einzelnen Stücke. Eine solche hat 
ergeben, dass die meisten Prologe Plautus aus dem Original herübernahm. 
Freilich gestattete sich der Nachdichter manche Freiheiten und Zusätze ; 
in letzter Beziehung ist zu bemerken, dass die Angabe des Titels und des 
Dichters des griechischen Originals auf Plautus' Rechnung zu setzen ist. 
Eigenes Werk des Dichters sind die Prologe zu Asinaria^) und Vidularia;^) 
diese Prologe gleichen schon den terenzischen. 

Geschichtliche Entwicklung des Prologs. Im allgemeinen vgl. Ph. Fabia, 
Les prologues de T^rence (Thtee), Paris 1888, p. 61. Skizzenhaft wird die Geschichte des 
Prologs gezeichnet von Leo, Plaut. Forsch, p. 170. Für den Prolog in der Komödie wurde 
der euripideische von besonderer Wichtigkeit; vgl. J. Klinkenberg, De Euripideorum prolo- 
gorum arte et interpolatione, Bonn 1881; H. v. A.rnim, De prologomm Euripideorum arte, 
Greifswald 1882. FUr die Geschichte des Prologs in der neuen Komödie ist grundlegend 
W. Frantz, De comodiae Atticae prologis, Strassb. 1891. 

Die Ankündigung des Stückes. Aus Ter. Heautontim. Vs. 7 nunc qui scripserit 
et quoia graeca sit ni partem maxumam existumarem scire vostrum, id dieerem muss man 
schliessen, dass dem römischen Publikum Gelegenheit gegeben wurde, sich zu orientieren, 
was an den Festspielen gegeben werden sollte. Aber die Worte vertragen sich nicht mit 
der Auffassung, dass eine feierliche pronuntiatio unmittelbar vor der Aufführung im römi- 
schen Theater statthatte, und richtig bemerkt F. Ritsch 1, Parerga p. 302, dass man in der 
obigen Stelle eher die Worte ni modo audiasetis erwarten würde. Vgl. Leo p. 222. (Un- 
richtig daher E. Rohde, Rhein. Mus. 38 (1883) p. 264 = Kl. Sehr. 2 (Tüb. und Leipz. 1901) 
p. 395.) Da die Möglichkeit gegeben war, sich vor der Aufführung über das Stück zu 
orientieren, konnte der Dichter in dem Prolog jede Ankündigung unterlassen oder sich mit 
einer teil weisen Ankündigung zufrieden geben. Wir finden däer das argumentum ohne 
nomen, aber auch das nomen ohne argumentum angekündigt. Aber da der Dichter nicht 
die volle Gewissheit hatte, dass die Zuschauer sich über das aufzuführende Stück unter- 



') Von dem Prolog zu diesem Stück 
haben wir nur zwei Verse. 

') Reste des zu diesem Stück gehörigen 
Prologs hat aus dem Ambrosianus W. S t u d e - 
mund entziffert; vgl. Verb, der Karlsr. Philo- 
logenvers. 1882 p. 43. 



«) Vgl. Leo 1. c. p. 191 ; über den Prolog 
zum Miles vgl. die Bemerkungen Ri b b e c k s 
zu Vs. 79. 



*) Leo 1. c. p. 182. 



Leo L c. p. 197. 



T. Macciiis PUutuB. (§ 84.) 97 

richtet hatten, konnte er in dem Prolog sowohl das argomentam als das nomen angeben; 
▼gl. W. Stademnnd, Yerh. der Karlsruher Philologenvers. 1882 p. 41; Leo p. 222. 

Die Sprecher in den plautinischen Prologen, a) Zu den allegorischen 
Personen Luxuria (Inopia), Lar familiaris, Arcturus, Auzilium kommt höchst wahrscheinlich 
noch die Fides in der Gaaina. Zwar wird hier der Prolog einem eigens hiefOr bestimmten 
Schauspieler zugeteilt, allein wenn man die Eingangs verse liest, wird man F. Skutsch (Rhein. 
Mus. 55 (1900) p. 272) zustimmen, dass Fides die Sprechende ist; die Verse sind nämlich 
zu schreiben: Salver e iubeo spectaiorea optumoa, Fidem qui facUis mtucumi et vos Fides ^ 
und yielleicht ego nach et einzuschieben. Wahrscheinlich sei von dem, der Ys. 5—20 hin- 
zugedichtet, Fide^ in der Ueberschrift getilgt und dafür Prologus gesetzt worden (p. 272). 
In der Vorlage des Plautus, den KXrji^ov fxsvoi des DiphUus, sei Pistis die Sprecherin des 
Prologs gewesen, da der ganze Prolog nach Ausscheidung der späteren Partie zwar von 
Plautus herrühre, aber im wesentlichen aus Diphilus Übersetzt sei; vgl. F. Skutsch, Hermes 
39 (1904) p. SOI. ß) Zu den genannten Stücken, in welchen eine Person des Stückes den 
Prolog spncht, gehört teilweise auch die Cistellaria, weil schon vor dem Auzilium die Lena 
einen TeU der Prologaufgabe erfüllt, y) üeber den mit besonderem Abzeichen auftretenden 
Sprecher des Prologs vgl. Terent. Hecyra prol. II 1 Vs. 9 : orator ad vos venio ornatu p^-o- 
logt; vgl. auch den Prolog zum Heautontimommenos. Im Poenulus (Vs. 123 und 126) deutet 
der Prologredner an, dass er sich umkleiden müsse, um seine Rolle im Stück zu übeniehmen. 

Der Prolog nach dem Vorspiel. Donat. praef. ad Phorm. p. 347 Wessner poet 
prineipium fabulae induciturf ut apud FlatUum in Milite glorioso et apud eeteros magnae 
auctaritatis veteres poetas) vgl. F. Leo, Plaut. Forsch, p. 194. 

Allgemeine Litteratur über die Prologe. F. Ritschi (Parerga p. 180) 
hat die Würdigung der plautinischen Prologe scharfsinnig angebahnt. A. L. R. Liebig, De 
prologis Terentianis et Plautinis, Progr. Görlitz 1859; K. Dziatzko, De prologis Plautinis 
et Terentianis quaest selectae, Diss. Bonn 1863; Ueber die plautinischen Prologe; allge- 
meine Gesichtspunkte, Progr. Lnzem 1866/67; Th. Ladewig, Zu den Prologen der plau- 
tinischen Komödien (Fleckeis. Jahrb. 99 (1869) p. 473); A. Lorenz, Ausg. des miles, Berl.^ 
1886, p. 38. P. Trautwein (De prologorum Plautinorum indole atque natura, Berl. 1890) 
behandelt die sieben Prologe, die von einer Gottheit oder einer Person des Stückes gesprochen 
wurden. F. Leo (Plaut Forsch, p. 170) widmet dem Gegenstand einen eigenen ausführlichen 
Abschnitt (IV); A. Gima, Rivisto di storia antica N. S. 7 (1903) p. 429. 

Spezielle Litteratur über die Prologe (nach der Reihenfolge der Stücke). 
1. Amphitruo. F. Martins, Quaest. Plautinae, Diss. Halle 1879, p. 8; A. Audollent, 
Le prologue de TAmphitryon de Piaute (Revue de philol. 19 (1895) p. 70). 2. Aulularia. 
Ueber Vs. 3—8 und 12 vgl. J. Chauvin, Revue de philol. 25 (1901) p. 220. 3. Captivi. 
Martins p. 1 ; vgL auch E.W. Fay, aassical Review 1898 p. 352. 4. Casina. F. Ritschi, 
Zum Casinaprolog (Opnsc. 2 p. 658); Th. Mommsen, Zum Prolog der plautinischen Casina 
(Rhein. Mus. 10 (1856) p. 122); F. Skutsch, Ein Prolog des Diphilos und eine Komödie des 
Plautus (Rhein. Mus. 55 ( 1 900) p. 272). 5. Menaechmi. W. 8. Teuffei, Stud. und Charakt., 
Leipz.* 1889, p. 326; P. Langen, Commentatio de Menaechmomm fabulae Plautinae prologo 
(Ind. lect. Münster 1873). 6. Mercator. L. Reinhardt, De retractatis fabulis Plautinis, 
Diss. Greifswald 1872, p.4 (Studemunds Studien 1 p.80); K. Dziatzko, üeber den Mercator- 
prolog des Plautus (Rhein. Mus. 26 (1871) p.421); vgl. noch 29 (1874) p.63; A. E. Anspach, 
Fleckeis. Jahrb. 139 (1889) p. 171. 7. Poenulus. Martins p. 12; 0. Benndorf, Zeitschr. 
für die österr. Gymn. 26 (1875) p. 83; K. Schueth, De Poenulo quaest., Bonn 1888, cap. 1; 
Ph. Fabia, Revue de philol. 21 (1897) p. 23. 8. Rudens. K. Dziatzko, Ueber den Rudens- 
prolog des Plautus (Rhein. Mus. 24 (1869) p. 576); Martins p. 14; Anspach p. 169; F. Marx, 
Ind. lect. Greifsw. 1892 p. III. 9. Truculentus. K. Dziatzko, Ueber den Truculentus- 
prolog des Plautus (Rhein. Mus. 29 (1874) p. 51). 

34. Charakteristik des Plautus. Da Plautus in seinen Komödien 
keine Originale, sondern üebertragungen lieferte, bestand seine erste Tätig- 
keit in der Auswahl der zu bearbeitenden Komödien. Zu den vorhan- 
denen 21 Stücken können wir vier Dichter als Schöpfer von Originalen 
sicher nachweisen: Menander, Philemon, Diphilus und Demophilus.^) Da 
der letzte Dichter uns nicht weiter bekannt ist, müssen wir folgern, dass 
Plautus auch zu ganz entlegenen Quellen griff, falls ihm ein Stück zusagte. 



^) Ausser diesen vier Dichtem werden 
durch Vermutungen noch Posidippus (Nr. 4, 
5. 11), Alexis (Nr. 4, 15) und Anazandrides 

Htadlmoh der Wim. AltertnsuwtoM&nlMlt. Vm, 1. 8. Aafl. 



(Nr. 4) als Verfasser von Originalen auf- 
gestellt. 



98 T. MacoiuB PlantQB. (§ 34.) 

Die ausgewählten Stücke repräsentieren uns ganz verschiedene Seiten der 
Komödie. Es findet sich unter denselben eine Gharakterkomödie (Aulu- 
laria), vielleicht kam auch das Original des Truculentus einer solchen nahe, 
eine mythologische Komödie (Amphitruo), Rühr- und Familienstücke, 
wie die Gaptivi, der Trinummus, der Stichus in seinem Hauptteil und die 
drei unter sich verwandten Stücke Cistellaria, Budens, Vidularia. Bei den 
meisten Stücken ruht aber das Hauptgewicht auf der Intrigue. Die 
Muster dieser Gattung sind Pseudolus und Bacchides, in denen die ün- 
erschöpflichkeit der intriguierenden Hauptperson in der Auffindung neuer 
Mittel und Wege dargelegt wird. Auf eine Erkennungsscene laufen hinaus 
Gurculio, Epidicus, Poenulus. Rivalität in der Liebe zwischen Vater, und 
Sohn spielt sich ab in der Casina und im Mercator. Durch ein inter- 
essantes Motiv, durch ein angebliches Gespenst, wird die Intrigue in der 
Mostellaria getragen. Auch die Verwechslungskomödie ist vertreten, 
eine solche haben wir in den Menaechmi und in der Nebenhandlung des 
Miles; im Amphitruo war dieses Motiv ebenfalls verarbeitet. Manche Stücke 
lassen die niedrige Komik so stark hervortreten, dass wir sie als Possen 
bezeichnen können, wie die Asinaria und der Persa. Die gelungensten 
Stücke dürften sein: Aulularia, Bacchides, Mostellaria, Menaechmi, Pseu- 
dolus, demnächst Gaptivi, Epidicus, Miles. Wir sehen, dass Plautus sich 
in den verschiedensten Gattungen versucht hat und daher als die vorzüg- 
lichste Quelle für die Erkenntnis der neueren Komödie betrachtet werden 
kann. Es entsteht nun die Frage, wie sich Plautus' Bearbeitung zu den 
Originalen verhält. Das erste, was hier berücksichtigt werden muss, ist die 
Gontamination. Dass auch Plautus von diesem Kunstmittel Gebrauch 
gemacht hat, bezeugt der Prolog zur Andria Vs. 15; denn hier beruft sich 
Terenz zur Abwehr der Angriffe auf seine contaminierende Tätigkeit auf 
den Vorgang des Naevius, Plautus, Ennius. Allein der Nachweis der 
Gontamination in den einzelnen Stücken ist deswegen erschwert, weil uns 
hier äussere Zeugnisse abgehen, und wir lediglich auf die Betrachtung 
der Gomposition angewiesen sind. Fast mit Sicherheit kann die Gonta- 
mination für den Miles und den Poenulus angenommen werden. Ausser 
der Gontamination scheint der Dichter auch Verkürzung des Originals 
vorgenommen zu haben. Solche liegt höchst wahrscheinlich vor im Gurculio, 
Stichus, Truculentus und in der Gasina; wir haben keinen triftigen Grund, 
diese verkürzende Tätigkeit erst späteren Bearbeitern der Stücke beizulegen. 
Dass beide Operationen der Gomposition oft nicht zum Vorteil gereichen 
konnten, ist klar. Es fehlt nicht an Anzeichen, dass auch sonst der Dichter 
nicht ängstlich auf der strengen Durchführung des Arguments verharrte; 
wir stossen vielfach auf Widersprüche, Vergesslichkeiten, Sprünge und an- 
dere Mängel der Gomposition. Die Plautusforscher suchten oft spätere Be- 
arbeitungen verantwortlich zu machen, die ^retractatio* war zu einer Art 
Panacee geworden.*) Allein wenn man sich die rasche Produktion des 
Dichters vergegenwärtigt, wenn man bedenkt, dass die Stücke zunächst 
zu einer einmaligen Aufführung, nicht zur peinlichen Lektüre bestimmt 

») Vgl. 0. Ribbeck, Rhein. Mus. 37 (1882) p. 531. 



T. MaociQB Plaatiui. (§ 84.) 99 

waren, wird man der Ansicht nicht beipflichten können, welche den 
Dichter von allen derartigen Verstössen zu befreien trachtet; hat er doch 
auch die Dissonanz der Darstellung nicht vermieden. Wir finden bei ihm 
eine Menge Dinge, welche für die griechischen Zuschauer, nicht aber für 
die römischen berechnet waren. So sind z. B. die Lokalitäten, die An- 
spielungen auf die tragischen Mythenkreise, sehr viele sakrale Dinge und 
historische Persönlichkeiten, Geldverhältnisse unverändert aus dem Original 
herübergenommen. Andererseits scheut sich Plautus nicht, offc römische 
Lokaltöne einzumischen und in seiner Schilderung griechische Verhält- 
nisse durch analoge römische zu ersetzen. Dadurch ist ein vom Stand- 
punkt der Kunst durchaus zu verwerfendes Durcheinander entstanden; 
die Einheitlichkeit des Hintergrunds ist zerstört. Wenn man aus diesen 
römischen Bestandteilen geschlossen hat, dass sich Plautus seinem Original 
gegenüber aufs freieste bewegte, so ist dies unrichtig. Hätte Plautus 
sich nur ganz allgemein an sein Original gehalten, so würde er die ün- 
verständlichkeit desselben doch wohl zuerst beseitigt haben. Es ist keine 
Frage, nicht die Composition, sondern die reiche metrische und sprach- 
liche Gestaltung ist es, in der die Meisterschaft des Dichters zu suchen 
ist. In der metrischen Composition stand Plautus dem Original frei 
gegenüber; er brauchte nicht das Versmass des Originals seiner Bearbeitung 
zu Grunde zu legen, sondern konnte auch ein anderes passendes Metrum 
an dessen Stelle setzen. Und nicht selten hat er von dieser Freiheit 
Gebrauch gemacht. Aber auch die metrische Gestaltung der dem Ori- 
ginal nachgebildeten Verse machte Modifikationen und eigene Gesetze not- 
wendig; obschon die Vorgänger die Grundsätze festgelegt hatten, war doch 
noch im einzelnen manches zu tun. Auch kamen Verse in Anwendung, 
welche die Griechen gar nicht gebraucht hatten. Am reichsten entfaltete 
sich die metrische Gestaltungsgabe des Plautus in seinen Gantica. Zwar 
knüpfte er auch hier an die aus Euripides hervorgegangene hellenistische 
Technik seiner Zeit an,^) allein er bildete den vorhandenen Formenschatz 
selbständig weiter, indem er selten vorkommende Versformen zu stichi- 
scher Verwendung brachte.*) Als Metriker ist Plautus bewunderungs- 
würdig durch die Mannigfaltigkeit, die er in seinen Gebilden zeigt; in 
dieser Beziehung steht er weit über Terenz. Auch die strenge Gesetz- 
mässigkeit des Versbaues hat man immer mehr anerkennen müssen, seit 
die Geschichte der lateinischen Sprache erforscht wurde; durch dieselbe 
sind viele anscheinende Unregelmässigkeiten und Härten in ein anderes 
Licht getreten.») Wohl noch höher ist die sprachliche Kunst des Dich- 
ters zu stellen. Freilich ist es oft die Sprache der Gasse, die er im Gegen- 
satz zu Terenz kultiviert. Aber er verfügt über alle Mittel, die Rede 
komisch zu gestalten: Allitterationen, Assonanzen, etymologische Figuren, 
Wortspiele, komische Neubildungen fesseln den Leser. Sein Wortschatz 



') Leo p. 4. 

') Leo p. 61. 

') Schon zur Zeit Ciceros war die histo- 
rische KontiniiitAt durchbrochen, so dass man 
anch damals an der Verstechnik der filteren 



Komiker Anstoss nahm ; vgl. Cic. or. 55, 184 
comicorum senarii propter aimilüudinem ser- 
monis sie Siupe sunt abieeti, ut nonnumquam 
vix in eis numerus et versus inteUegi possit. 



100 7* Xacoina PlantiiB. (§ 84.) 

ist, da er aus dem Born der Volkssprache schöpft, ein ungeheuer reicher; 
besonders an Schimpfworten besitzt er den denkbar grössten Vorrat. Dieser 
plebeische Zug, der ohne Zweifel das Original vergröberte, erregte bei 
den fein gebildeten Schriftstellern der augustischen Zeit Anstoss, wie wir 
aus Horaz (de arte poet. 270) ersehen. Aber bei demselben Horaz wird 
auch an einem anderen Ort auf das hingewiesen, was jederzeit den Leser 
des Dichters erfrischt, auf die lebendige, rasch dahineilende Rede, einen 
Vorzug, den besonders Varro an Plautus anerkannt hat. Und in dieser 
Lebendigkeit und Frische der Diktion hat kein späterer römischer Schrift- 
steller den Dichter erreicht, geschweige denn übertroffen. Wir finden es 
daher entschuldbar, wenn L. Aelius Stilo in starker Uebertreibung sagte, 
die Musen würden, wenn sie lateinisch sprächen, sich des plautinischen 
Idioms bedienen, und wir streiten nicht dagegen, wenn des Dichters Epi- 
taphium klagt, dass nach Plautus' Tod die Komödie trauere, die Bühne 
verlassen dastehe. Lachen, Scherz und Spiel verstummt seien und alle 
musikalischen Weisen weinten. 

Antike Urteile ttber Plautus. Gic. de off. 1, 29, 104 duplex omnino est ioeandi 
genus, unum inliberale, petulans, flagitiosum, obseenum, alterum elegama, urbanum, ingenio- 
sunt, facetum. quo genere non modo Plautus noster et Atticorum antiqua comoedia, »ed 
etiam philoaophorum Socratieorum libri referti sunt. Horat. epist. 2, 1, 170 adspice Ffautus | 
quo pacta partis tutetur amantis ephebi, I ut patris attenti, lenonis ut insidiosi, | quantus 
Sit Dossennus edacibus in parasitis, \ quam non adstricto pereurrat pulpita socco. \ gestU 
enim nummum in loculos demittere, post hoc \ securus cadat an recto stet fabula talo. Ars 
poet. 270 at vestri proavi Flautinos et numeros et \ laudavere sales, nimium patienter utrum- 
que, I ne dicam stuUe, mirati, Apollin. Sid. carm. 23, 149 p. 341 Mohr Oraios, Piaute, salea 
lepore transis; Tgl. auch die Rubrik „Antike Zeugnisse über die Sprache des Plautus*. 

Zur Charakteristik des Plautus. Lessing, Sftmtl. Sehr. 4* (Stuttg. 1889) p. 57; 
Th. Mommsen, Rom. Gesch. 1* p. 901; J. Donaldson, The characters of Plautus (The 
contemporarj Review 80 (1877) p. 1013); W. T. Sellar, The Roman poets of the Republlc, 
Oxford' 1889, p. 153; F. Ritscnl, Opusc. 2 p. 732 teilt einen Aufsatz von fremder Hand 
mit: Zur Charakteristik des Plautus und Terentius (populflre Würdigung der einzelnen Ko- 
mödien); J. L. Klein, Gesch. des Dramas 2 (Leipz. 1865) p. 480 (so geistreich Klein un- 
leugbar ist, so ungeniessbar ist seine DarsteUung); K. H. Weise, Die Komödie des Piautas, 
kritisch nach Inhfllt und Form beleuchtet, zur Bestimmung des Echten und Unechten in den 
einzelnen Dichtungen, Quedlinb. 1866. Eine vortreffliche Analyse der einzelnen Stacke bei 

0. Ribbeck, Gesch. der rOm. Dichtung 1* p. 57; K. v. Reinhardstoettner, Plautus, 
Leipz. 1886, p. 115. Vgl. auch die Einleitung von J. Briz zum Trinummus. 

Das Verhältnis des Dichters zu den Originalen ist bereits bei den 
einzelnen Stücken erOrtert worden. Hier sind die zusammenfassenden allgemeinen Dar- 
stellungen zu erwähnen: F. V. Fritzsche, De graecis fontibus Plauti T (Ind. lect. Rostock 
1845/46); F. Grob, Quomodo Plautus in comoediis coniponendis poetas Graecos secutus sit 
(Listy filologickö 19 (1892) p. 161, p. 337); F. Leo, Plautus und seine Originale (Plaut. 
Forsch., Berl. 1895, Abschnitt III p. 77). Die Ansicht, dass Plautus sich enger an seine 
Vorlage angeschlossen, als man bisner glaubte (vgl. die Litteratur bei P. Sie wert, Plautus in 
Amphitruone fabula quomodo exemplar graecum transtulerit, Leipz. 1894, p. 5), hat A. Kiess- 
ling in seinen Analecta Plautina (Ind. lect. Greifswald 1878, 1881/82) ausgesprochen und be- 
gründet. Sein Gedanke wird weiter ausgeführt von seinen Schalem M. Schuster, Quomodo 
Plautus Attica ezemplaria transtulerit, Greifswald 1884 und F. Ostermayer, De historia 
fabulari in comoediis Plautinis, ebenda 1884. Vgl. auch Th. Kakridis, Barbara Plautina, 
Athen 1904, p. 5. 

Die Mängel der Composition, bestehend in «Widersprüchen, Inkonsequenzen 
und psychologischen Unwahrscheinlichkeiten", sind unleugbar vorhanden und oft mit pein- 
licher Akribie aufgedeckt worden. Man suchte Plautus von diesen Mängeln zu befreien, 
indem man dieselben einer späteren Bearbeitung zur Last legte oder sie zu entschuldigen 
suchte, indem man dem Dichter Contamination zweier Stücke zuschrieb. Allein die Frage 
muss sein, ob nicht Plautus selbst oder seine Originale schon mit diesen Gebrechen be- 
haftet waren. P. Langen (Plant. Studien (BerL Stud. für klass. PhiloL und Archäol. 5. Bd. 

1. Heft), Berl. 1886) hat durch Analyse sämtlicher Stücke den Satz gewonnen (p. 90), dass 



T. Maooina Planins. (§ 84.) 101 

der Dichter «weniger Gewicht auf eine konsequente und psychologiBch richtige Durchführung 
als auf augenblickliche komische Wirkung vor einem nicht gar sehr kunstsinnigen Publikum 
gelegt hat* Wahrhaft golden ist der Ausspruch Über Shakespeare, den Goethe im Ge* 
sprftch mit Eckermann vom 18. April 1827 in dieser Beziehung gemacht hat (Gesprftche 
mit Goethe 3. Teil (Leipz.* 1885) p. 108): .Der Dichter Iftsst seine Personen jedesmal das 
reden, was eben an dieser Stelle gehörig, wirksam und gut ist, ohne sich viel und ängst< 
lieh zu bekümmern und zu kalkulieren, ob diese Woiie vielleicht mit einer anderen Stelle 
in scheinbaren Widerspruch geraten möchten. Deberhaupt hat Shakespeare bei seinen 
Stücken schwerlich daran gedacht, dass sie als gedruckte Buchstaben y erliegen würden, 
die man überzAhlen und gegeneinander vergleichen und berechnen möchte; vielmehr hatte 
er die Bühne vor Augen, als er schrieb; er sidi seine Stücke als ein Bewegliches, Leben- 
diges an, das von den Brettern herab den Augen und Ohren rasch vorübeiliessen würde, 
das man nicht festhalten und im einzelnen bekritteln könnte, und wobei es bloss darauf 
ankam, immer nur im gegenwärtigen Moment wirksam und bedeutend zu sein." Bei mo- 
dernen Dichtem sind solche Widersprüche von G. Sauppe (Wanderungen auf dem Gebiete 
der Sprache und Litteratur, Halle 1868, p. 222) und G. Rümelin (Reden und Aufs., TQb. 1875, 
p. 386) aufgedeckt worden; vgl. G. £. Geppert, Plaut. Stud. 1 (Berl. 1870) p. 61. Um einen 
Fall zu erwähnen, so bemerkt Lessing (8* (1892) p. 178), dass Wieland in seinem nach dem 
englischen Original Nicholas Rowe bearbeiteten Stück «Lady Johanna Grav* plötzlich den 
Guüford von seinem freund Pembrock sprechen Iftsst, obwohl er die den PembrocK betreffende 
Episode des Originals ganz gestrichen hatte; vgl. G. Götz, Actasoc. Lips. 6 (1876) p. 812. 

Das Recht bei Plautus. E. J. Bekker, De emptione venditione quae Plauti 
fabulis fuisse probetnr, Berl. 1853; Loci Plantini de rebus creditis, Greifswald 1861; G. De- 
melius, Plautinische Stud. (Zeitochr. für Rechtsgesch. 1 (1861) p. 851; 2 (1868) p. 177). 
Das Hauptwerk ist jetzt: £. Costa, II diritto private romano nelle comedie di Plauto, Turin 
1890; vgl. dazu £. J. Bekker, Die röm. Komiker als Rechtszeugen (Zeifcschr. der Savigny- 
stiftung für Rechtsgesch. 13 (1892) Rom. Abt. p. 53). Die Hauptfrage ist, ob Plautus ein- 
fach als Quelle des römischen Rechtes angesehen werden kann. Meines Erachtens muss 
von dem griechischen Recht bei diesen Untersuchungen ausgegangen und dargelegt 
werden, wie dasselbe mit römischer Terminologie wiedergegeben wird oder sich mit römi- 
schen Anschauungen verquickt; vgL auch R. Dareste, Journal des savants 1892 p. 145, 
der berechtigte Zweifel gegen das von Costa eingeschlagene Verfahren äussert. Eine 
Verteidigung seines Standpunktes versucht Costa^im Archivio giuridico 50 (1893) p. 51ö. 
L. Bernard, Le droit romain et le droit grec dans le th^&tre de Piaute et de Törence 
(Thdse), Lyon 1900. 

Das soziale Leben bei Plautus. L. E. Benoist, De personis mnliebribus 
apud Plautum (Th^se), Paris 1862; E. Bertin, De Plautinis et Terentianis adolescentibus 
amatoribus, Paris 1879; V. Nu8sbaum,De morum descriptione Plautiiia, Progr. Suczawa 1895; 
G. Pescatori, I difetti delle donne in Plauto e Terenzio (La nostra scuola Nr. 10/12, 1900). 

üeber die Werke der Kunst vgl. G. A. Becker, De comicis Romanorum 
fabulis maxime Plautinis, Leipz. 1833 (1837). 

Das Geld bei Plautus. a) C. E. Geppert, Das plaut. Münzwesen (Plaut. Stud. 
1 (1870) p. 41). ß) W. Christ, Ueber den Wert des Nummus bei Plautus (Fleckeis. Jahrb. 
97 (1868) p. 345); O. Benndorf, Beitr. zur Kenntnis des attischen Theaters, Zeitschr. für 
die österr. Gymn. 26 (1875) p. 611 (über die nnmmi plumbei). 

Das Kriegswesen bei Plautus. C. Kampmann, Res militares Plauti, Progr. 
Bresl. 1839; D. Wollner, Die auf das Kriegswesen bezOglichen Stellen bei Plautus und 
Terentius; ein Beitr. zur Beurteilung des Plautus als Dichter I.Teil, Progr. Landau 1892 
(die Schilderungen sind dem hellenischen, nicht dem römischen Leben entnommen) ; 2. Teil, 
I. Abschnitt, ebenda 1901. 

Die mythologischen Anschauungen des Plautus. Th. Hubrich, De 
diis Plautinis Terentianisque, Diss. Königsberg lbi83; A. Keseberg, Qnaest. Plautinae et 
Terentianae ad religionem spectantes, Diss. Leipz. 1884, der hierbei die eigenen Anschau- 
ungen des Plautus und die der Originale zu scheiden sucht; vgl. auch Schuster und 
Ostermayer in der Rubrik „Das Verhältnis des Dichters zu den Originalen*. A. Mazzo- 
leni, La mitologia nelle comedie Plautine (Atti deir Accad. di Acireale, nuova serie vol. 2, 
1891); Ch. P. Gulick, Omens and augury in Plautus (Harvard studies in class. philol. 7 
(1896) p. 235); J. B. Greenough, The religious condition of the Greeks at the time of the 
new comedy, ebenda 10 (1899) p. 141 (hauptsächlich aus Plantnsstellen geschlossen). 

Ueber das Scenische. V. Lundström, Aussen oder innen? einige Bemer- 
kungen zur Inscenierung der röm. Komödie (Eranos; acta philologica Suecana 1896 p. 95) 
sucht zu erweisen, dass die Scenen Most. 157—407 vor der Türe spielen. Vgl. § 54. 

Die metrische Composition des Plautus. n) Prosodie. In die Hiatus- 
frage greifen ein F. Ritschi, Neue plaut. Excurse 1 (auslautendes d im Altlat.), Leipz. 1869; 



X02 '^' Maooiu« PUntiiB« (§ 84.) 

Th. Bergk, Aoslauiendes D im alten Latein (Beitr. zur lat Grammatik 1. Heft» Halle 1870, bes. 
p. 102) nnd nenerdinga W. M. Lindsay, The ancient editiona of Plaatna, Oxford 1904, p. 118 
und: Ablativ red beiPlantna (Archiv ftlr lat Lexikographie 10 (1898) p. 550); A. Spengel, 
T. MacciuB Plautns; Kritik, Proaodie, Metrik, GOttingen 1865; C. F. W. MUller, Plan- 
tinische Proeodie, Berl. 1869 (Nachträge ebenda 1871; vgl. auch dessen Aufsatz: Zu Plautns 
in Rhein. Mus. 54 (1899) p. 526 und: Zu Plautns Truculentus, Hermes S4 (1899) p. S21); 

A. Luchs, Quaesi metricae Plautinae, 1872 (Studemunds Studien 1 p. 1); 0. Brugmann, 
Quemadmodum in iambico senario Romani veteres verborum accentus cum numeris con- 
Bociarint, Bonn 1874; H. Eoehler, De verborum accentus cum numerorum rationibus in 
trochaicis sejptenariis Plautinis consociatione, Dies. Halle 1877; A. Luchs, Gommentationes 
prosodiacae Plaut, Erlangen 1888 und 1884; P. Schrader, De particnlarum -ne, anne, nonne 
apud Plautum prosodia (Dissertationes Argent. 8 (1885) p. 256); E. Below, De hiatu Plan- 
tino, L De hiahi quifitin thesi, Berl. 1885; W.Meyer, Ueber die Beobachtung des Wort- 
accentes in der altlat Poesie (Abb. der Mflnchner Akaid., philos.-philol. El. 17. Bd. I.Abt. 1886); 
H. Leppermann, De correptione vocabulorum iambicorum, quae apud Plautum in senariis 
atque septenariis iambids et trochaicis invenitur, Diss. Mfinster 1890; W. M. Lindsay, On 
Plautine metre; its regard for the accent as well as the quantity of words, Journal of philol. 
20 (1891) p. 185 (legt dem Wortaccent eine grosse Bedeutung bei); The shortening in long 
syllables in Plautus (ebenda 21 (1893) p. 198; 22 (1893) p. 1); Diminutives in -culus; their 
metrical treatment in Plautus (Glassical Review 6 (1892) p. 87); Superlatives; their metrical 
treatment in Plautus (ebenda p. 348); F. S kutsch, Forschungen zur lat (Grammatik und 
Metrik, J. Plautinisches und Romanisches, Leipz. 1892; vgl. Sat. Viadrina, Bresl. 1896, p. 122. 
Ueber auslautendes s und m vgl. F. Leo, Plant Forsch, p. 224, Aber äatus und Synal5phe 
bei auslautendem ae p. 808. J. Esch, De Plauti correptione secundae syllabae vocabulorum 
polysyllaborum, quae mensura iambica incipiunt, Diss. Münster 1897; A. Ahlberg, Ad- 
nototiones in accentum Plautinnm (Fran filol. Föreningen i Lund, Sprakl. upps. 1897 p. 31); 

B. Maurenbrecher, Forschungen zur lat Sprachgesch. und Metnk, 1. Heft: Hiatus und 
Verschleifung im alten Latein, Leipz. 1899 (vgl. dagegen Th. Birt, Berl. philol. Wochenschr. 
1900 Sp. 452); Em bei Plautus und Terenz (Archiv fttr lat Lexikographie 11 (1900) p. 579); 
W. M. Lindsay, Ueber die Länge des plautinischen *dat* (Archiv f&r lat Lexikographie 11 
(1900) p. 127); R. 0. Manning, On a supposed limitation of the law of «breves breviantes* 
in Plautns and Terence (Harvard studles 9 (1898) p. 87); J. A. Peters, On short vowels 
before mute and liquid in Plautus; can they act as „breves breviantes'^? (ebenda p. 115); 
W. M. Lindsay, Hiatus in Plautus (Journal of philol. 27 (1900) p. 208); F. Skutsch, Zur 
lat Wortgesch. und plautinischen Versmessnng (rhilol. 59 (1900) p. 481); A. W. Ahlberg, 
De proceleusmaticis iamborum trochaeommque antiquae scaenicae poesis latinae studia me- 
trica et prosodica 2 Teile, Lund 1900 (vgl. dazu 0. Seyffert, Berl. philol. Wochenschr. 
1902 Sp. 1611); De correptione iambica Plautina quaestiones, Lund 1901 (vgl. dazu Lindsay, 
Berl. philol. Wochenschr. 1902 Sp. 841); Th. Birt, Der Hiat bei Plautns und die lat. Aspira- 
tion bis zum 10. Jahrhundert n. Chr., Marb. 1901 (vgl. dagegen F. Skutsch, Berl. philol. 
Wochenschr. 1901 Sp. 910); H. Bornecque, Deux ^tudes de metrique latine, L Sur la 
mötrique des comiques latins (Revue des ötudes anciennes 3 (1901) p. 196); H. Roppen- 
eck er. Zur plautinischen Metiik und Rhythmik, Dies. München 1902; J. J. Schlich er, 
Word accent in earlv Latin verse (American Journal of archaeol. 23 (1902) p. 46); F. Skutsch , 
JambenkOrzung und Synizese (Abh. zur indogerm. Sprachgesch. A. Fick gewidmet, G5ttingen 
1903, p. 108); H. Jacobsohn, Quaest Plaut metr. et gramm., G5ttingen 1904 (ttber Deh- 
nung von Endsilben daktylischer Wörter); Th. Hingst, De spondeis et anapaestis in ante- 
paenultimo pede versuum generis duplicis Latinomm, Diss. Leipz. 1904; R. S. Radford, 
American Journal of philol. 25 (1904) p. 406; vgl. Wochenschr. für klass. Philol. 1905 Sp. 472. 
ß) Die einzelnen Versarten. 0. Seyffert, Quaest. metricarum partic: De bacchiacornm 
versuum usu Plautino, Diss. Berl. 1864; P. Mohr, De iambico apud Plautum septenario, Diss. 
Leipz. 1878; F. Ritschi, Anap&sten bei Plautus (lUiein. Mus 31 (1876) p. 530 = Opusc. 8 
p. 144); P. E. Sonnenburg, De versibus Plautinis anapaesticis (Exercitationis grammaticae 
specimen, Bonn 1881, p. 16); 6. Voss, De versibus anapaesticis Plautinis, Diss. Strassb. 1881; 
A. Franke, De caesuris septenariomm trochaicomm Plautinorum etTerentianorum, Halle 1898; 
H. Roppenecker, De dactylis Plautinis (Fleckeis. Jahrb. 149 (1894) p.606); E. Audouin, 
De Plautinis anapaestis (Th^e), Paris 1898 (abf&llig beurteilt von 0. Seyffert, Berl. philol. 
Wochenschr. 1899 Sp. 1064). y) Die Cantica. W. Studemund, De canticis Plautinis, Diss. 
Halle 1864; M. Crain, Ueber die Gomposition der plautinischen Cantica nebst Beiträgen zur 
Kritik derselben, Berl. 1865; W. Christ, Metrische Bemerkungen zu den Cantica des Plautus 
(Sitzungsber. der MQnchner Akad. der Wissensch. 1871 p. 41); J. Winter, Die metrische 
Rekonstruktion der plautinischen Cantica, Mflnchen 1879; A. Spengel, ReformvorBchlftge 
zur Metrik der Ijrischen Versarten bei Plautus und den übrigen Scenikem, Berl. 1882; 
F. Leo, Ein Kapitel plautinischer Metrik (Rhein. Mus. 40 (1885) p. 161); vgl. dagegen 
Rieh. Klotz, Grundzflge der altröm. Metrik, Leipz. 1890, p. 457 (den Standpunkt, dass 



T. Maooins PlantiiB. (§ 34.) 103 

die planfciiiische Lyrik aus der alten KomOdie herzuleiten sei, hat Leo jetzt selbst auf- 
gegeben; vgl. Plaut Cantica p. 76); H. Kopp e necker, De emendatione metrica canticorum 
Plantinonun, Progr. Freising 1894; F. Leo, Die plautinischen Cantica und die hellenistische 
Lyrik (Abh. der Gott Ges. der Wissensch. phüol.-hist Kl. N. F. Bd. 1 Nr. 7, Berl. 1897). 

Antike Zeugnisse Aber die Sprache des Plautus. Horat epist. 2, 1,58 
Plautua ad exemphr SictUi properare Epichartni (dicUur); vgl. G. Linge, De Plauto pro- 
perante ad exemplar Epicharmi, Progr. Ratibor 1827; A. Lorenz, Leben und Sehr, des Eoers 
Epicharmos, Berl. 1864, p. 211; C. Pascal, Epicarmo e i «Captivi» (Rivista di filol.29 (1901) 
p. 1). Yarro in Parmeno Nr. 899 Buech. in argumentia Caeciliu8 poscit palmam, in ethesin 
Terentius, in sermonibus PlatUus. Quintil. 10, 1, 99 in comoedia tnaxime elat^icamus, licet 
Varro Musas Äelii StUonis sententia Plautino dieat sermone loeuturas fuisse, ai latine loqui 
veüent, Gellius 1, 24, 8 Epigramma Platäi, quod duhitassemus , an Plauti foret, nisi a 
M. Varrone positum esset in libro de poetis primo: Postquam est mortem aptas Flautus, 
Comoedia luget, \ scaena est deserta, dein Eisus, Ludus Jocusqxie | et Numeri innumeri simul 
amnes conlacrimarunt (Plessis, £pitaphes p. 39). Vgl. kleine Teubner-Ausg. p. XXV. 

Die sprachliche Gomposition des Plautus. Es ist nicht Aufgabe der 
Litteraturgeschichte, die Abhandlungen zu bezeichnen, welche die grammatischen Phaeno- 
mena aus Plautus darstellen; vgl. W. S. Teuffei § 98, 7. Diese Aufgabe fällt der histori- 
schen Grammatik zu. Wir haben daher nur einige Schriften aufgeführt, welche die Gram- 
matik des älteren Lateins oder des Plautus zusammenfassend darstellen und ihnen Schriften 
allgemeinen Inhalts über die Sprache des Plautus angeschlossen. Dagegen waren wir be- 
strebt, die Schriften und Abhandlungen ausführlicher zu geben, welche den Wortschatz 
und die Wortbedeutung des Plautus oder auch des älteren Lateins erörtern, femer die Ar- 
beiten, welche die sprachlichen Kunstmittel ins Auge fassen. 

o) Allgemeines. F. G. Holtze, Syntaxis priscorum scriptorum lat usque ad 
Terentium, 2 vol., Leipz. 1862 (Ergänzung Leipz. 1881); G. Schmilinsky, De proprietate 
sermonis Plautini usu linguarum Romanicarum ulustrato, Diss. Halle 1866; £. B alias. Gram- 
matica PlauÜna, Berl.' 1884 (über Copulativpartikeln u. dgl.); S. Tessing, Syntaxis Plau- 
tina, Venersborg 1892; E. Norden, Spraclü. Beob. zu PI. (Rhein. Mus. 49 (1894) p. 194); 
H. Kellermann, De Plauto sui imitatore (Comment. philol. Jenenses 7, 1 (1903) p. 128). 
Charakteristik der plaut Sprache bei A. Lorenz, Pseudol. p. 37; 0. Ribbeck, Gesch. der 
röm. Dichtung 1* p. 118; F. Leo, Die Kultur der Gegenw. I 8 (1905) p. 319. Viele Beob- 
achtungen über den Sprachgebrauch bieten P. Langen in den Plaut Stud., Berl. 1886 und 
bes. in den Beitr. zur Kritik und Erklärung des Plautus, Leipz. 1880; Anal. Plaut. I— III, 
Münster 1882/83 und M. Niemeyer, Plaut Stud., Progr. Potsdam 1892. 

ß) Wortschatz, Wortbedeutung, Sentenzenschatz. F. Ritschi, Plautin. 
Ezcurse, Opusc. 2 p. 436 (p. 482 über Latinisierung griech. Wörter durch Vokaleinschaltung); 
K. Hirn er, Griech. Wörter in den Palliaten des Plautus, Prag 1895; H. Müller Hopkins, 
Greek words in Plautus (Transactions and Proceedings of the American philol. association 29 
(1899) p. XIV); F. Leo, Zum plautinischen Lexikon (Archiv für lat Lexikographie 9 (1896) 
p. 161); G.M. Lane, Ramenta Plautina (Harvard studies 9 (1898) p. 13); W. Go erbig, Nomi- 
num quibus loca significantur usus Plautinus exponitur et cum usu Terentiano comparatur, 
Halle 1883; L. Heckmann, Priscae latinitatis scriptores qua ratione loca significaverint etc., 
Diss. Münster 1904; Indogerm. Forsch. 18 (1905) p.297; A. A. Bryant, Some Plautine words 
and wordgroups (Harvard studies 9 (1898) p. 121); G. Ryhiner, De deminutivis Plautinis 
Terentianisque, Diss. Basel 1894; über moraclum vgl. L. Havet, Archiv für lat. Lexiko- 
graphie 11 (1900) p. 860; P. Langen, De execrandi formulis Plautinis Terentianisque ob- 
servationes grammaticae (Rhein. Mus. 12 (1857) p.426); C. Besta, De verborum compositione 
PlauUna, Diss. Bresl. 1876; F. Ulrich, De verborum compositorum apud Plautum usu, Halle 
1880; Die Ck>mposita bei Plautus, Halle 1884; E. Neumann, De compositorum a dis- (di-) 
incipientium apud priscos scriptores vi et usu, Jena 1886; H. Rassow, De Plauti substantivis 
(Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 12 (1881) p. 589); über accipetrina vgl. F. Skutsch, Archiv 
für lat. Lexikographie 12 (1902) p. 201; semasiologische Bemerkungen über Substantive finden 
sich auch bei J. Koehm, Quaest. Plautinae Terentianaeque, Diss. Giessen 1897, p. 5; Altlat 
Forsch., Leipz. 1905; J. Gimm, De adiectivis Plautinis, Diss. Strassb. 1892; F. Haussen, 
Die Aktivbedeutung der Adjektivs auf bilis im archaischen Latein (Philol. 47 (1889) p. 274); 
R. Jonas, De verbis frequentativis et intensivis apud comicos lat, Posen 1871, MeseribE 1872; 
P. Gehlhardt, De adverbüs ad notionem augendam a Plauto usurpatis, Diss. Halle 1892; 
H. Sjögren, De particulis copulativis apud Plautum et Terentium, Upsala 1900; C. Fuhr- 
mann, De pai'ticularum comparativarum usu Plautino I, Diss. Greifsw. 1869; Die Ver- 
gleichnngssätze bei Plautus (Fleckeis. Jahrb. 97 (1868) p. 841 ; 101 (1870) n. 687); P. Richter, 
De usu particularum exclamativarum apud priscos scriptores lat. (Studien auf dem Gebiet 
des archaischen Lateins hrsg. von W. Studemund 1, 2 (Berl. 1890) p. 387); R. Kuklinski, 
Critica Plautina (über edepol, ecastor etc.), Diss. Gott 1884; Frank W. Nicolson, The use 
of hercle (mehercle), edepol (pol), ecastor (mecastor) by Plautus and Terence (Harvard studies 



104 T. MaooiQB PlantuB. (§ 35.) 

in class. philol.4 (1893) p.99); J. S. Spever, Edepol (Festschr. fttr Boot, Leiden 1901, p.55); 
S. Steinitz, De affirmandi paiticnlia, I. profecto, Bresl. 1885; P. Scherer, De pardcola 
quando apud yetostiBsimoB scriptoreB lat. vi et ubu (Stademonds Stadien aaf dem Gebiete 
des archaischen Lateins 2 (Ben. 1891) p. 85); 0. Eiste, De dum particulae obu Plaatioo, 
Halle 1882; G. Richardson, De dam part. apad priscos scriptores lat. asu, Leipz. 1886; 
H. Schubert, Zum Gebrauch der Temporalkonjimktionen beiPlautuB, Lissa 1881; 0. Kientz, 
De quin part. apud priscos Lat. usu, Karlsruhe 1878; C. Schmidt, De quin part. usuPlau- 
tino, Marb. 1877; Th. Braune, Observationes ad usum ita sie tarn (tamen) adeo particu- 
larum Plautinum et Terentianum, Berl. 1882; H. Bosscher, De particulae itaque apud 
Plautum usu (De Plaut! Curculione disputatio, Leiden 1903, p. 47); H. T. Karsten, De purtt- 
culae tamen significatione antiquissima ad Ciceronis fere tempora in laünitate conservata 
(Mnemos. 18 (1890) bes. p. 309); W. H. Kirk, Etiam in Plautus and Terence (American 
Journal of philoL 18 (1897) p. 26); W. K. Clement, The use of enim in Plautus and Te- 
rence (ebenda p. 402); K. Sydow, Zum Gebrauch von adeo bei Plautus, Progr. Stettin 1896; 
F. Sigismund, De haud negationis apud priscos scriptores usu, Diss. Jena 1883 (Gomment. 
JenensesS p-215); A. Funck, Animum inducere im archaischen Latein (Fleckeis. Jahrb. 127 
(1883) p. 487); A. Arlt, Servare bei Terenz (und Plautus), Wohlau 1887; J. Lange, Num- 
quam quisquam und nemo umquam bei Plautus (Fleckeis. Jahrb. 149 (1894) p. 275); Ober 
dierectus vgl. Bosscher p. 21; ttber feststehende Wortgruppen vgl. F. Leo, Bemerkungen 
über plautinische Wortstellung und Wortgruppen (Nachr. der Gott. Ges. der Wissensch. 1895 
p. 415); E. Kell erhoff, De coUocatione verborum Plautina quaest. selectae (Studien von 
Studemund 2 (1891) p. 47). — J. Schneider, De proverbiis Plautinis Terentianisque, DIbb. 
BerL 1878; F. X. Pflagl, Die Sprüchwörter bei Plautus und Terenz, Straubing 1880; 
W, V. Wyss, Die Sprttch Wörter bei den römischen Komikern, Diss. Zorich 1889. 

J. Ph. Pareus, Lexicon PL, Frankf. 1614, Hanau* 1634. Aus neuerer Zeit liegen 
mehrere Versuche, ein Lexicon Plautinum herzustellen, vor. unter J. P. Waltzings Leitung 
haben Studenten der Universität Lflttich ein solches begonnen; vgl. Mus^e Beige 3 (1899) p.5 1 ; 
O. Seyffert, Berl. philol. Wochenschr. 1900 Sp. 647; F. Leo, Archiv fOr lat. Lexikographie 
12 (1902) p. 134. Ein zweiter Versuch liegt vor in: Lexicon Plautinum conscripsit G. Lodge, 
von dem seit 1901 (Leipz. Teubner) 8 Fascikeln des I.Bandes erschienen sind; vgl. die Kritik 
des 1. Fascikels von 0. Seyffert, Berl. philol. Wochenschr. 1902 Sp. 874. Speziell für den 
Miles gloriosus: S. Lederer, Index in Plauti Militem gloriosum I: A — H, Progr. Krems 1891. 

y) Kunstmittel der Rede. B. Graupner, De metaphoris Plautinis et Teren- 
tianis, Diss. Bresl. 1874; A. Inowraclawer, De metaphorae anud Plautum usu, Diss. Ro- 
stock 1876; P. Langen, Die Metapher im Lateinischen von Piautus bis Terenz (Fleckeis. 
Jahrb. 125 (1882) p. 673, p. 753); E. F. Wortmann, De comparationibus Plautinis et Teren- 
tianis ad animalia spectantibus, Diss. Marb. 1883; F. Goldmann, Die poetische Personifi- 
kation in der Sprache der alten Komödiendichter, 1. Plautus, Progr. Halle 1885; Rieh. Klotz, 
Zur Allitteration und Symmetrie bei T. Maccius Plautus, insbes. im 1. Akt des miles glor., 
Progr. Zittau 1876; L. Buchhold, De paromoeoseos (adlitterationis) apud veteres Romanorum 
poetas usu, Diss. Leipz. 1883; J. Baske, De allitterationis asu Plautino, Königsberg 1884 
(vgl. auch G. Appuhn, Quaest. Plautinae; quae rationes inter versus singulos sententias- 
que intercedant Plauti exemplo comprobatur, Diss. Marb. 1893); 0. Raebel, De usu ad- 
nominationis apud Romanorum poetas comicos, Halle 1882; £. Wölfflin, Das Wort- 
spiel im Lateinischen (Sitzungsber. der Münchner Akad. der Wissensch. 1887, 2 p. 187), wo 
natürlich auch Plautus berücksichtigt ist; J. Egli, Die Hyperbel in den Komödien des 
Plautus und in Ciceros Briefen an Atticus, Progr. Zug 1892; F. Leo, Anal. Plaut, de figuris 
sermonis I, Göttingen 1896 (über das ox^fJi« txno xoi¥ov\ II, 1898 (adnominatio und Wort- 
spiel, polare Ausdrucksweise). Ueber den Witz bei Plautus vgl. Th. Kakridis, Barbara 
Plautina, Athen 1904, p. 8; V. Brugnola, Le facezie di Plauto (Ateno e Roma 1903 p. 291). 

35. Fortleben des Plautus. Auch nach dem Tode des Dichters lebten 
seine Werke fort. Als nach dem frühen Hinscheiden des Terenz die 
dichterische Produktion auf dem Gebiet der fabula palliata nachgelassen, 
wurden die alten Stücke des Plautus wieder vorgesucht, und da sie dem 
Bewusstsein der damaligen Generation fast ganz entrückt waren, gleichsam 
als fabulae novae wieder auf die Bühne gebracht. Eine interessante Stelle 
über diesen Vorgang enthält der Gasinaprolog, wo es im Eingang heisst: 

Antiqua opera et verba quam vobis plaeent, 
aeqtwmst placere ante <alia8'> veteres fabulas. 
nam nunc novae quae prodeunt comoediae 
multo sunt nequiores quam nummi novi. 



T. Macoina Plautna. (§ 35.) 



105 



nos postquam popuii rumore intelleximus 
8tudio8€ expetere vo8 Plautina8 fabtda8f 
antiquam eiu8 tdimus camoediam, 
quam V08 TprohasiU, qui estis in semarünu: 
nam iuniarum qui 8unt, non narunt, 8cio, 

Diese Wiederaufführung der plautinischen Stücke wurde aber insofern für 
den Dichter verhängnisvoll, als dieselbe zu Ueberarbeitungen und Inter- 
polationen^) führte, wodurch der ursprüngliche Text der Komödien viel- 
fach getrübt wurde. Es war daher eine kritische Feststellung des Textes 
notwendig. Von Varro') können wir eine recensierende Tätigkeit nicht 
nachweisen; wir dürfen aber mit grosser Wahrscheinlichkeit vermuten, 
dass der berühmte Grammatiker Valerius Probus neben den bekannten 
anderen Ausgaben auch eine Plautusausgabe veranstaltete. Auch in an- 
derer Beziehung forderte Plautus das gelehrte Studium heraus. Da war 
einmal das echte plautinische Gut aus dem Chaos, in dem es sich befand, 
auszuscheiden (pinakographische Tätigkeit), dann waren die Worte, die 
der späteren Generation nicht mehr geläufig waren, zu erklären (Glosso- 
graphie), endlich verlangten die einzelnen Stücke auch ihre Gommentare. 
Die Pinakographen sind bereits oben von uns aufgeführt worden. Als 
Glossographen, welche neben anderen Schriftstellern auch Plautus benutzt 
haben, lernen wir kennen z. B. Aurelius Opilius (§ 195, 1), Servius Glodius 
(§ 196, 8). Gommentatoren ^) des Plautus sind Sisenna und Terentius 
Scaurus.^) Zu der commentierenden Tätigkeit können wir auch die metri- 
schen Inhaltsangaben (argumenta) rechnen. Diese zerfallen in zwei 
Klassen, in akrostichische, welche durch die Anfangsbuchstaben der 
Verse den Namen des Stückes darstellen, und in nichtakrostichische; 
die akrostichischen sind uns lediglich durch die zweite Familie der üeber- 
lieferung, die Palatini, erhalten, nicht durch den Ambrosianus; sie sind 
2ni allen Stücken vorhanden, die Bacchides und die Vidularia ausgenommen, 
es sind also im ganzen neunzehn. Von den nichtakrostichischen Argu- 
menten überliefert uns die palatinische Recension vier (Amphitruo, Aulularia, 
Mercator, Miles), der Ambrosianus ein vollständiges zum Pseudolus, zwei 
ganz trümmerhafte zum Persa und zum Stichus. Den Inhalt können die 
nichtakrostichischen Argumente besser darlegen als die akrostichischen. 
Im Mittelalter fand Plautus wenig oder gar keine Beachtung. <^) Beim 
Wiederaufleben der Wissenschaften waren in Italien nur die acht ersten 
Stücke bekannt; gelegentlich des Baseler Konzils wurde von Nikolaus von 
Trier eine Handschrift gefunden, welche ausser den drei ersten und Captivi 
bis Vs. 503 auch die zwölf letzten Stücke enthielt.*) Damit war Plautus der 



») Vgl. z. B. H. T. Karsten, De inter- 
polationibas in Plaoti Captivis (Mnemos. 21 
(18^3) p.289). 

') H. Usener (Nachr. der Gott. Ges. 
1892 p. 201) stellt die Hypothese auf, dass 
Atticus auf Anraten Varros eine Ausgabe 
der 21 StUcke veranstaltet habe; vgl. auch 
F. Leo, Plaut. Forsch, p. 17. 

') Teztesrecensionen oder doch wenig- 
stens Textesstudien nimmt mit Unrecht von 
Seiten des Ser. Glodius (und vielleicht Si- 



senna) Th. Bergk (Beitr. zur lat. Gramm. 1 
(Halle 1870) p. 124) an. 

^) K Bezeugt sind nur Gommentare zu 
Amph. Aul., Gapt., Poen., Pseud., Rud., keiner 
ausserhalb der 21* (F. Leo, Plaut. Forsch, 
p. 46 Anm. 1). 

') Vgl. W. Greizenach, Gesch. des 
neueren Dramas 1 (Halle 189.S) p. 3. 

•) P. Leiay, Üorigine de la recension 
itaUenne de Plante (Ilevue de philol. 16 (1892) 
p. 89). 



106 '^' Maooiiui PlantuB. (§ 85.) 

modernen Kultur zugänglich gemacht. Auf die dramatische Litteratur der 
neueren Zeit hat Plautus nachweislich einen nicht geringen Einfluss ausgeübt. 

Die Wiederanff&hrnng plautinischer Komödien. Ueber die SteUe des 
GasinaprologB vgl. F. Ritschi, Parerga p. 199. üeber die hierfür stattfindende Retractatio 
vgl. L. Reinhardt in Stademunds Stud. 1 (Berl. 1873) p. 79; G. Götz, Acta soc. Lips. 6 
(1876) p. 285. 

Die Pinakographen, Glossographen, Commentatoren des Plautus. 
a) Ueber die Plnakographen vgl. oben § 81. ß) Die Glossographen. F. Ritschi, 
Opusc. 2 p. 228 (glossarium Plautinum); 3 p. 55; G. Loewe, Prodromus, Leipz. 1877, p. 254; 
G. Götz, Corpus glossariorum latinonun Bd. 6 und 7. Ueber Yerrius Flaccus vgl. § 841. 
y) Die Commentatoren. F. Ritschi, De veteribus Planti interpretibus (Parerga p. 857). 
ueber den von dem Historiker verschiedenen Plautuserkl&rer Sisenna vgl. unten § 113. 
Ueber Terentius Scaurus vgl. § 595. Ueber Plautus und Nonius Marcellus vgl. § 826, wozu 
noch kommen: W. M. Lindsay, De Plauti ezemplaribus a Nonio Marcello adhibitis (Philol. 
68 N. F. 17 (1904) p. 278); C. Pascal, Una citazione di Nonio, Rivista di filol. 29 (1901) 
p. 18 (Captivi). 

Die Argumenta zu den plautinischen Stttcken hat zuletzt geprüft Th. Opitz, 
De argumentorum metricorum latmorum arte et origine (Leipz. Stud. 6 (1888) p. 195), wobei 
er zu folgendem Ergebnis gekommen ist: Die nichtakrostichischen stammen ans derselben 
Zeit wie die von Sulpicius ApoUinaris verfassten Periochae zu Terenz \p. 227), sie rühren 
zwar nicht von Sulpicius Apollinaris her, sind aber derselben Schule zuzuweisen (p. 229). 
Die akrostichischen Argumenta fallen in die Zeit der Antocine (p. 275); der Verfasser der 
Akrosticha ahmt die Non-acrosticha nach (p. 261). Endlich wird noch folgende allgemeine 
Betrachtung über die Argumente der Komödien angeschlossen (p. 279): .Plautina (argu- 
menta) orta esse post Terentiana, quia ad horum exemplar videntur esse conscripta, ut 
liceat iam cum aliqua probabilitate hanc proponere seriem, qua periochis Sulpicil succedunt 
non-acrosticha, bis acrosticha.* Bezüglich der Akrosticha bestreitet dies Ergebnis 0. Seyf- 
fert, von dem Satz ausgehend, dass bei dem Verfasser eine so genaue Kenntnis der plau- 
tinischen Prosodie vorliege, wie sie zur Zeit der Antonine nicht möglich war, die Akrosticha 
seien daher schwerlich später als 100 Jahre nach dem Tod des Dichters anzusetzen (Philol. 
25 (1864) p. 447); Bursians Jahresber. 47 (1886) p. 22; vgl. dagegen F. Leo. Plaut Forsch. 

S. 13 und P. Langen, Berl. philol. Wochenschr. 1891 Sp. 399, der sich mit Ott u. a. auf 
ie in denselben vorkommende, nicht vor Tacitus und Plinius mi^. nachweisbare Redensart 
se invicem stützt. Ueber das Verhältnis der Argumenta zu den beiden Handschriftenklassen 
vgl. W. M. Lindsay, The ancient editions of Plautus, Oxford 1904, p. 87. Ueber das argu- 
mentum zum Miles vgl. F. Ritschi, Opusc. 2 p. 404; über das zum Stichus vgl. W. Stiide- 
mund, Comment. in honorem Mommseni, Berl. 1877, p. 802. 

Die Recensionen des Plautus im Altertum. In neuerer Zeit hat F. Leo 
ein ausführliches Bild von der dem Plautus zugewendeten kritischen Tätigkeit in ihren 
verschiedenen Phasen entworfen; dasselbe beruht, wie das in der Natur der Sache liegt, 
fast ganz auf Hypothesen; vgl. 0. Seyf fert, Berl. philol. Wochenschr. 1896 Sp. 234. Ueber 
Valerius Probus vgl. § 477. Ein ganz anderes Bild gibt uns W. M. Lindsay, The ancient 
editions of Plautus, Oxford 1904; über dessen Grundanschauung vgl. die Rubrik ,Ueber- 
lieferung*. Gegen Lindsay wendet sich Leo in einer auslührlichen Besprechung: Gott, 
gel. Anz. 1904 p. 858. 

Plautus im Mittelalter. R. Peiper, Archiv für Litteraturgesch. 5 (Leipz. 1876) 
p. 495; Rhein. Mus. 32 (1877) p. 516; F. Gabotto, Appunti sulla fortuna di alcuni autori 
romani nel medio evo, 7. Plauto, Verona 1891; W. Cloetta, Beitr. zur Litteraturgesch. des 
Mittelalters und der Renaissance 2 (Halle 1892) p. 1; M. Manitius, Beitr. zur Gesch. des 
Ovidius und anderer röm. Schriftsteller im Mittelalter (Philol. Supplementbd. 7 (1899) p. 758). 

Plautus in der Neuzeit. R. Steinhoff, Das Fortleben des Plautus auf der 
Bühne, Blankenb. 1881; 0. Günther, Plautusemeuerungen in der deutschen Litteratur des 
XV. — ^XVII. Jahrb., Leipz. 1886; K. v. Reinhardstoettner, Plautus; spätere Bearbeitungen 
plaut. Lustspiele, Leipz. 1886. Vgl. auch den Aufsatz Plautus and bis Imitators (Quarterly 
Review Nr. 345, 189J); Max Herrmann, Deutsche Schriften des Albrecht v. Eyb, 2. Bd.: 
Die Dramenübertragungen Bacchides, Menaechmi, Philogenia, Berl. 1890; G. Taormina, 
II Panormita e le comedie di Plauto (Saggi e note di letteratura e d' arte 1890 Nr. 1); 
W. Creizenach, Gesch. des neueren Dramas 1 (Halle 1893) p. 531, p. 572; 3 (1903) p. 76, 
p. 246, p. 358; G. A. Galvigna, Fino a che punto i comediografi del rinascimento abbiano 
imitato Plauto e Terenzio, Progr. Capodistria 1899. 

Ueberlieferung. Die handschriftliche Ueberlieferung des Plautus führt auf zwei 
Quellen, den ambrosianischen Palimpsest in Mailand (A) und die Recension der Pfälzer 
Handschriften (Palatini). a) Der ambrosianische Palimpsest, wahrscheinlich Ursprung- 



T. MacoiuB PlantiiB. (§ 85.) 107 

lieh dem Kloster Bobbio angehOrig, wurde im 8. Jahrhandert anseinandergeriBaen und ein 
Teil nach Anstilgung der ursprünglichen Schrift benutzt, um die Bücher der Könige des 
alten Testaments darauf zu schreiben. Es sind jetzt 251 Pergamentblätter in Grossquart. 
Den Kodex hat A. Mai zuerst zu entziffern versucht (Plauti fiagm. inedita, Mailand 1815). 
Weiter haben sich mit demselben beschäftigt Schwarzmann 1885, F. Ritschi (Opusc. 2 
p. 166; Trinummus' p. VII) 1837, G. £. Geppert (üeber den Kodex Ambrosianus und seinen 
Einfluss auf die plautinische Kritik, Leipz. 1847; Mitteilungen aus dem cod. Ambros. in 
Plautin. Stud. Heft 2, Berl. 1871) 1845 u. 1846, W. Studemund (von 1864 an), endUch 1876 
G. Lowe (Coniectan. Plaut, ad codicem Ambros. maximam partem sj^ectantia, Leipz. 1877; 
Ausg. des Epidicus von Götz p. Y) und später F. Scholl. Die langjährige Arbeit Stude- 
munds liegt jetzt aus seinem Nachläse publiziert vor: Plauti fabularum reliquiae Ambrosianae; 
codicis rescripti Ambrosiani apographum confecit et edidlt W. Studemund, Berl. 1889. 
Durch dieses Apographum gewinnen wir ein deutliches Bild von dem Erhaltenen; von 17 
Stücken ist mehr oder weniger entziffert; es fehlen Amph., Asin., Aulul., Cure, üeber die, 
übrigens auch den Palatinen nicht fremden Colometrie des Ambr. vgl. Studemund, Fest- 
gruss, Würzb. 1868, p. 48. Von früheren Arbeiten Studemunds erwähnen wir noch: Der 
l^autin. Trinummus im cod. Ambros. (Rhein. Mus. 21 (1866) p. 574); Plautin. und unplautin. 
Wortformen (Hermes 1 (1866) p. 281). Ein Facsimile des Ambros. geben E. Chatelain, Palöo* 
graphie des classiques latins fasc. 1 (Paris 1884) tab. 1 und C. Zangemeister-W. Watten- 
bach, Exempla codicum lat, Heidelberg 1876, tab. 6. Ueber die Zeit der Handschrift sind 
die Gelehrten nicht völlig einig; A. Ceriani teilt sie dem 4. oder 3. Jahrb. zu (Studemund, 
Apogr. p.XXlI), F. Ritschi (Praef . Trin.) dem 5.Jahrh.; F. Leo (Plaut. Forsch. p.lS) äussert 
sich also: «Der Ambrosianus gehört in die Zeit zwischen Nonius oder auch Julius Romanus 
einerseits, Donatus und Servius andererseits.* b) Der durch den Ambrosianus vertretenen 
Recension steht die der Palatini gegenüber. Diese Codices waren ursprünglich im Besitz 
des Joach. Camerarins (1500—1574) und kamen dann in die Heidelberger Bibliothek; vgl. 
W. M. Lindsay, The Palatin text of Plautus, Oxford 1896; C. Zangemeister, Piautus; 
codex Heidelbergensis 1613 Palatinus C p. I. a) Der eine der Palatini (B), unter dem Namen 
'Vetus* bekannt, befindet sich jetzt in der Vaticana (Nr. 1615 s. XI). Er enthält 20 Komö- 
dien, von der Vidularia nur den Titel, und ist ausführlich beschrieben von F. Nougaret, 
M^langes d'arch^ol. et d'hist. 16 (1896) p. 331; 17 p. 199; Facsimile bei Chatelain tab. 2. 
üeber seine Provenienz vgl. W. M. Lindsay, Berl. philol. Wochenschr. 1904 Sp. 764. Ueber 
die Korrekturen desselben handelt C. Lindskog, De correcturis secundae manus in codice 
vetere Plautino, Lund 1900. Fest steht, dass dem Korrektor für die ersten acht Stücke 
eine vorzügliche Quelle zu Gebote stand. Ueber die Koirekturen in Bacch., Most, Men. 
und Mil. glor. vgl. 0. Seyffert, Beri. philol. Wochenschr. 1901 Sp. 203. Ueber wahr- 
scheinlich stichometrische Angaben des Kodex zu Trinummus Vs. 275 und zu Truc. Vs. 209 
vgl. F. Ritschi, Ausg. des Trinummus* p. LXV, Ausg.* p. LVII und K. Dziatzko, Fleckeis. 
Jahrb. 127 (1883) p. 61. ß) Der andere Palatinus (C), der sog. Decurtatus s. X/Xl, der in 
Heidelberg aufbewahrt wird, umfasst nur die zwölf letzten Stücke (Bacchides— Truculentus). 
Ein photographisches Facsimile der Handschrift liegt jetzt vor in: Codices graeci et latini 
photographice depicti duce S. de Yries tom. 5; praefatus est C. Zangemeister, Leiden 
1900 (über die Gesch. des 'Decurtatus' vgl. Zangemeister, praef.). Ein Facsimile von 
drei Seiten findet sich bei Chatelain, Palöograplue des classiques latins fasc. 1 tab. 3 und 4. 
r) Mit den Palatini ist aufs engste verwandt Vaticanus 3870 oder (nach seinem ehemaligen 
Besitzer, dem Kardinal Orsini) Ursinianus (D s. XI), der mit C unmittelbai' auf eine Vor- 
lage zurückgeht, die 26 Zeilen auf der Seite hatte (Facsimile bei Chatelain tab. 4). In 
den zwölf Stücken, die er mit C gemeinsam hat, stammt er aus derselben Quelle; diesen 
Stücken gehen aber voraus Amphitr., Asinar., Aulul., Captivi zum Teil; hier zeigt er grosse 
Uebereinstimmung mit B. Ueber das Verhältnis von B und D vgl. 0. Seyffert, Berl. 
philol. Wochenschr. 1896 Sp. 1550 und dagegen W. H. Gillespie, On the relation of the cod. 
vetus to the cod. Ursinianus of Plautus (Harvard studies in class. philol. 9 (1898) p, 109). 
Es ist die Handschrift, durch welche die zwOlf letzten Stücke in Italien bekannt wurden. 
cf) Für die ersten acht Stücke (W. M. Lindsay, The Mss. of the first eight plays of Plautus, 
Classical Review 1896 p. 819) können noch in Betracht gezogen werden ein Ambrosianus 
J 257 infer. (£ s. XII; Facsimile bei Chatelain tab. 5), ein Britanniens, d. h. ein Kodex 

des britischen Museums ^j (J s. XII) und ein Vossianus Leidensis Q. 30 (V) s. XII; sie 

gehen auf dieselbe Quelle wie BD zurück; vgl. auch 0. Seyffert, Bursians Jahresber. 
80 (1894) p. 233. Ueber den Ambrosianus E vgl. G. Götz, Ausg. des Curculio p. VII; 
über den Britanniens vgl. Philol. Anz. 4 (1872) p. 392; Götz, Ausg. des Epidicus p. XVII. 
Ueber den Vossianus vgl. F. Scholl, Ausg. der Casina p. XX. e) Der vorzüglichste Re- 
präsentant der palatinischen Recension ist aber ein jetzt verschollener codex Tumebi (T), 
tLuf dessen Wichtigkeit nach dem Vorgang Ritschis G. Götz und G. Löwe (Ausg. des 
Poenulus p, VII) au^erksam gemacht haben. Nachdem wir lange Zeit nur eine un- 



108 1^* MaooiuB Plaatns. (§ 85.) 

genügende Kenninis ans den 'Adversaria* des Turnebus gehabt hatten, wurde in neuer 
Zeit mehr licht Über denselben verbreitet Im Jahre 1897 entdeckte nämlich W. M. Lind- 
sav in der Plautusausg. Yon Oryphius, Lyon 1540, die sich in der Bodleiana zu Oxford 
befindet, eine Kollation dieses Kodex. Sie bezieht sich auf die Komödien Pseudolus, Poe- 
nulus, Bacchides, Persa, Rudens. Da, wo die Notizen beginnen, findet sich der Vermerk: 
ex fragmentis monast. «. eolumnae (zu lesen: Columbae) senon, urbis Adriani Tornebi. Die 
Handschrift befand sich also in der Benediktinerabtei de Sainte-Colombe in Sens sur Tonne. 
Der Eintrag wurde von dem berühmten Juristen Franciscus Duarenus gemacht, aber nicht 
aus der Handschrift selbst, sondern nach einer Kollation, wahrscheinlich der des Turnebus. 
Eine Kollation dieses Kodex besass auch Lambin, die Randnoten der Oxforder Ausgabe 
kannte Scaliger. Da noch eine Handschrift der sog. italienischen Recension kollationiert 
ist und die Lesarten beider Handschriften nicht immer geschieden sind, ist es mitunter 
schwierig, die Lesart des cod. Tumebi festzustellen. Gegen die Angriffe Sonnenscheins 
auf das von Lindsay gewonnene Ergebnis wendet sich mit Recht 0. Seyffert, Berl. 
philol. Wochenschr. 1899 Sp. 1046 Anm. Dass der cod. Tumebi mit B C D auf denselben 
Archetypus zurückgeht, aber demselben nfther steht als die Vorlage von BCD, geht be- 
sonders daraus hervor, dass T an Stellen, wo im Archetypus durch Beschädigung Lücken 
entstanden sind, mehr bietet als B C D, weil zu der Zeit, als er vom Archetypus abgeschrieben 
wurde, die Beschädigungen noch nicht so weit fortgeschritten waren als später, da die 
Vorlage von BCD kopiert wurde; vgl. Rnd. 698—700. Das höhere Alter des T gegenüber 
den Palatini sucht auch E. Norden (Gott geL Anz. 1899 p. 584) zu erweisen. — P. le 
Breton, GoUations in^dites de Piaute (Revue de philol. 19 (1895) p. 255); W. M. Lindsay, 
Discovery of a coUation of the lost «Cod. Tumebi* of Plautus (Classical Review 1897 p. 177, 
p. 246); Lesarten zu Plautus aus dem Kodex Tumebi (BerL philol. Wochenschr. 1897 S|p. 701, 
Sp. 732, Sp. 763, Sp. 796); Die jüngst gefundene Kollation der Turaebus-Hs. des Plautus, 
Archiv für lat. Lexikographie 10 (1898) p. 442 (besonders für Orthographie und gramma- 
tische Formen hervorgehoben); Le codex Turnebi de Piaute (Revue de philol. 21 (1897) 
6137); The codex Tumebi of Plautus, Oxford 1898 (59 S. Text und 134 S. Facdmile; 
auptschrift); Plauti codicis Senonensis (T) lectiones (Philol. Supplementbd. 7 (1899) p. 119); 
£. A. Sonnenschein, Classical Review 13 (1899) p. 222; Lindsay, ebenda p. 254; Sonnen- 
schein p. 264. 

An Versuchen, die Gestalt des Archetypus der palatinischen Recension, besonders 
die Verszahl der einzelnen Seiten, näher zu bestimmen, hat es nicht gefehlt; vgL F. Scholl, 
Praef. zur Gas. p. X; 0. Seyffert, Die plautin. Mostellaria im Archetypus der Palatinen 
(Berl. philol. Wochenschr. 1892 Sp. 194 fg.; vgl. dazu Gundermann, ebenda Sp. 578fg.); 
W. M. Lindsay, The archetype of the Palatino Mss. of Plautus in: An introduction to latin 
textual emendation based on the text of Plautus, London 1896 (vgl. dagegen 0. Seyffert, Berl. 
philol. Wochenschr. 1897 Sp. 908, 1899 Sp. 203); C. Zangemeister, Plautus; codex Heidel- 
bergensis 1613 Palatinus C p. VI. Ueber den Archetypus der Palatini hinaus zum Arche- 
typus der beiden Familien führt die Untersuchung von F. Scholl, Risse und Brüche in 
der Urhandschrift der plautin. Komödien (Neue Heidelberger Jahrb. 2 (1892) p. 37); Praef. 
zu Most. p. IX; zu Persa p. XXI; L. Havet, Disquisitio de codice quodam deperdito (in 
seiner Ausg. des Amphitrao, Paris 1895, p. 117); über diesen verfehlten Versuch, aen Arche- 
typus von BDE J zu bestimmen, vgL 0. Seyffert, Berl. philol. Wochenschr. 1896 Sp. 8. 
Die verschiedenen Versuche zeigen, dass hier ein sicheres Resultat nicht erzielt ist. Auch in 
der zweiten Familie lassen sich die Spuren der Kolometrie nachweisen; vgl. darüber W. M. 
Lindsay, American Journal of philol. 1900 p. 27 und 0. Seyffert, BerL philol. Wochenschr. 
1901 Sp. 619. 

Ueber das Verhältnis der beiden Recensionen vgl. M. Niemeyer, De Plauti fabu- 
laram recensione duplici, Diss. BerL 1877; B. Bai er. De Plauti fabularam recensionibus 
Ambrosiana et Palatina commentatio critica, Bresl. 1885 (vgl. dazu 0. Seyffert, Berl. philol. 
Wochenschr. 1886 Sp. 716). Die Frage wird auch berührt von W. Studemund, Rhein. Mus. 
21 (1866) p. 607; F. Ritschi, Fleckeis. Jahrb. 97 (1868) p. 342 = Opusc. 3 p. 791; Th.Bergk, 
Beitr. zur lat. Grammatik 1 . Heft (Halle 1870) p. 122 («Die verhältnismässig jungen Pfälzer 
Handschriften repräsentieren die ältere Recension, während der weit höher hinaufreichende 
Mailänder Palimpsest eine spätere Recension darbietet* p. 122; „Die Recension der Pala- 
tini entfemt sich weniger von der echten Form des Originals als der Ambrosianus* p. 123 
Anm. 1); E. Leidolph, De Festi et Pauli locis Plautinis (Comment. philol. Jenenses 2 (1883) 
p.211); 0. Seyffert, Zur Ueberlieferangsgesch. der Komödien des Plautus (Berl. philol. 
Wochenschr. 1896 Sp. 252, Sp. 283); H. W. Prescott, The scene-headings in the early 
recensions of Plautus (Harvard studies in class. philol. 9 (1898) p. 102). Auch die beiden 
Plautusforscher Leo und Lindsay haben bestimmte Ansichten über das Verhältnis der 
beiden Recensionen geäussert: F. Leo (Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 47) bemerkt: „Der Am- 
brosianus und die Palatini stellen jeder eine recensio dar. Wie sich uns durch Vergleichung 
der gemeinsamen Korraptel die ursprüngliche Einheitlichkeit des Textes ergeben hat, .aus 



s 



Q.Enma8. (§36.) 109 

dem beide hervorgingen, so zeigt die verschiedene Gestaltung der nnzAhligen angleichen 
Fassangen, dass in beiden, in A weitergehend, in P (dem Archetypus der zweiten Familie) 
innerhidb gewisser Schranken, der za Grande liegende Text ohne Sehen geftndert warde, 
um eine lesbare Aasgabe za schaffen. Die Aenderangen sind zam einen Teil willkfirliche, 
zam andern auf der Tradition berahende.* Aaf einem eigentdmlichen, in zwei Abhand- 
langen (The two recensions of Plaatas, A and P^ (American Joamal of philol. 21 (1900) p. 23); 
The ancient editions of Plaatas, Oxford 1904) dargelegten Standpunkt steht W. M. Lindsay. 
Er leitet die Entstehang der beiden Familien daraas ab, dass einige Zeit nach Plaatas* Tod 
seine Stttcke für die BCLhne zugerichtet wurden, so dass neben dem primären Text ein 
sekundärer entstand. Der echte Text sei in der ambrosianischen Recension, der andere in 
der palatinischen erhalten, jedoch seien im Laufe der Zeit Mischungen der beiden Recen- 
sionen eingetreten; vgl. The two recensions p. 28; The ancient editions p. 142. Diese An- 
sicht kommt auf eine Lengnung eines gemeinsamen Archetypus der beiden Familien hinaus, 
was mir unmöglich erscheint. 

Gesamtaus g. Eine Geschichte der Ausg. bis auf Bothe gibt F. Ritschi, Opusc. 2 
. 34. lieber die Plautusstndien des A. Beccadelli vgl. G. Schepss, Blätter fär das bayr. 
fymnasialw. 16 (1880) p. 97; E. Ben eist, Le Piaute de F. Guyet (M^langes Graux, Paria 
1884, p. 461). Die erste vollständige Ausg. des Plautus, besorgt von G. Morula, er- 
schien 1472 za Venedig. Die nächste epochemachende Leistong war die Ausg. des Pylades 
Buccardus, Brescia 1506. Durch die Aldina (1522) worde dieser Text die Vulgata bis 
auf J. Camera ri US (Basel 1552^, der durch die Benutzung der Palatini dem Piautas eine 
ganz neue Gestalt gab; vgl. F. Ritsch 1, Bio-bibliographisches zu Camerarius' Plaatusstudien 
(Opusc. 3 p. 67); G. GOtz, Zu Camerarius' Plaatusstudien (Rhein Mus. 41 (1886) p. 629); 
C.Zangemeister, Plautus, cod. Heidelbergensis p. 1 1. Die Erklärung wurde durch D . L a m b i n 
gefordert. Von den späteren Ausg. gewann grossen Einfluss die von J. Fr. Gronov (Leiden 
1664), ihr Text wurde Vulgata bis in die neueste Zeit hinein. Nach Gronov machte sich 
um die Emendation des Plautus F H. Bothe verdient, von dem drei Ausg. zu verzeichnen 
sind: Berl. 1809—11, 4 Bde., femer in Poetae scenici Latinorum Bd. 1 und 2, Halberstadt 1821, 
endlich 5 Bde., Stuttg. 1829—39 und dazu Pseud. Rnd. Tmc, Leipz. 1840. Die Auffindung 
des Ambrosianus gab den plautinischen Stadien einen neuen Aufschwung; derselbe ist un- 
zertrennlich mit dem Namen F. Ritschi verbunden. Seine Ausg. begann zu erscheinen 
1848, der erste Band enthält die berühmten Prolegomena, welche wieder abgedruckt und 
mit Anmerkungen versehen sind von F. Scholl in Ritschis Opusc. 5, Leipz. 1879/ Diese 
Ausg. wurde nicht vollendet. Dafilr wurde Leipz. 1871 eine ganz neue Ausg. begonnen 
und von G. Götz, G. Löwe, F. Scholl fortgesetzt, welche 1894 zum Abschluss gekommen 
ist; einzelne Bände sind in neuer Aufl. bearbeitet. Hierzu gesellt sich noch eine kleinere 
Ausg. besorgt von G. Götz und F. Scholl, welche ebenfalls Leipz. 1892 — 96 erschienen 
(fasc. 2*, 1904: Bacch. Capt. Gas.) und an Stelle der unvollendet gebliebenen Fleckeisen- 
schen Ausg. in der Bibliotheca Teubneriana getreten ist. Des Dänen J. L. Ussing Ausg. 
erschien in fünf Bdn., Kopenh. 1875—1886; III, 2* (1888), IV, 1» (1892). Femer wurde Plautus 
herausgegeben von F. Leo (vol. 1, BerL 1895; vol. 2, 1896). Eine Gesamtausg. hat in 
Italien A. G. Amatucci, Bari 1903, begonnen; erschienen ist tom. 1 fasc. 1 Amphitruo; 
vgl. dazu Emendazioni ed interpretazioni Plautine, I. Amphitruo, Neapel 1904. Von W. M. 
Lindsay ist 1904/05 eine Gesamtausg. in 2 Bdn. erschienen (F. Leo, Deutsche Litteratar- 
zeitung 1904 Sp. 928); vgl. dazu: An introduction to latin textual emendation based on the 
text of Plautus, London 1896, Übersetzt von J. P. Waltzing, Introduction ä la critique des 
textes latins bas^e sur le texte de Plaate, Paris 1898. 

Ausg. mehrerer Stttcke. Die Ausg. von A. Lorenz (Berl. Weidmann) und J. Brix- 
M. Niemeyer (Leipz. Teubner) sind bei den einzelnen Stttcken aufgeführt. 

Ausg. einzelner Stücke sind bei diesen verzeichnet. 

Uebersetzungen. «) GesamtQbersetzungen. Von E. M. Rapp, 17 Bdchn., 
Stuttgart 1838—1852; von W. Binder, 4 Bde., Stuttgart 1861—1869; von J. J. C. Donner. 
3 Bde., Leipz. 1864. ß) Auswahl Von G. Köpke, 2 Bde., Berl. 1809, 1820; von F. W. 
E. Rost, Leipz. 1836; von W. A. B. Hertzberg, Stattgart 1861; von C. Bardt in ge- 
reimten Versen, Berl. 1903 (Schatz, Zwillinge mit Terenz' Mädchen von Andres und Brttder). 
Die Uebersetzungen einzelner Stttcke sind oben verzeichnet. 

4. Q. Ennius. 

36. Das Leben des Ennius. Ennius ist in Rudiae (jetzt Rugge) im 
Messapischen 289 geboren. Der Messapier hatte sich griechische Sprache 
und Bildung angeeignet; allein da noch das oskische Idiom in Unteritalien 
gesprochen wurde, kannte er auch dieses. Als er nun noch dazu Latein 



110 Q.Eimms. (§36.) 

erlernt hatte, konnte er, hiebei von dem Messapischen absehend, sich rühmen, 
dass er drei Seelen (tria corda) habe. Er tat allem Anschein nach Kriegs- 
dienste in Sardinien. Und von da nahm ihn — ein für die Entwicklung der 
römischen Litteratur wichtiges Ereignis — M. Porcius Gate im Jahre 204 mit 
nach Rom. Hier gab er Unterricht im Lateinischen und im Griechischen. 
Seine Dichtungen verschafften ihm die Gunst der vornehmen römischen Welt. 
Er war mit dem älteren Scipio Africanus vertraut; auch Scipio Nasica 
rechnete er zu seinen Bekannten, und Cicero erzählt eine ergötzliche Anek- 
dote. Dass die Dichtkunst bereits eine Macht war, beweist die Tatsache, 
dass M. Fulvius Nobilior den Dichter auf seinem Zug nach Aetolien (189) 
mitnahm, nicht dass er dort mitkämpfe, sondern dass er der Verkünder 
seines Ruhmes werde. Dieser vornehmen Familie verdankt Ennius auch 
das römische Bürgerrecht. Der Sohn des M. Fulvius Nobilior, Quintus, 
geleitete im Jahre 184 eine Bürgerkolonie nach Potentia und Pisaurum und 
hatte das Recht, auch Fremde unter die Zahl der Kolonisten aufzunehmen 
und dem einen oder andern gemäss seiner Vollmacht das römische Bürger- 
recht zu verleihen. Von diesem Rechte machte er dem Ennius gegenüber 
Gebrauch, so dass dieser dann später von sich singen konnte: 

Nas sumu' Bomani, qui fuimus ante Budini, 

Aus seinem Privatleben erfahren wir, dass er auf dem Aventin wohnte; 
seine Lebensführung wird, als er noch gezwungen war, Unterricht zu geben, 
eine bescheidene gewesen sein, und auf diese Zeit wird sich beziehen, 
was uns Hieronymus berichtet, dass er ärmlich, nur von einer Magd be- 
dient, gelebt habe. Sein Hausgenosse war der Dichter Statins Gaecilius. 
Ein Charakterbild von Ennius hatte sich der erste römische Philologe 
L. Aelius Stilo entworfen; in seinen Jahrbüchern hatte der Rudiner den 
Vertrauten eines vornehmen Römers geschildert; es ist ein Mann, dem 
der hohe Herr, wenn er nach des Tages Mühen heimkehrt, sein Herz aus- 
schütten kann; denn der Hausfreund ist verschwiegen und ohne Arg, er 
ist wohl unterrichtet, treu, lieb, beredt, genügsam, zufrieden, geschickt, 
mit seinem Worte zur rechten Zeit bereit, umgänglich, des Wortschwalles 
Feind, der Vorzeit trefflicher Kenner. Mit diesen Worten, glaubt Aelius 
Stilo, habe der Dichter sein eigenes Bild gezeichnet. Nur ein Zug ist 
vergessen, den uns Horaz aufbewahrt hat, dass nämlich Ennius den Becher 
liebte und denselben gern leerte, ehe er zur Arbeit schritt. Ennius starb 
im Jahre 169 am Podagra. 

Biographisches. Die beste Quelle fttr seine Biographie war der Dichter selbst, 
der an geeigneter Stelle in seinen Annalen über seine persönlichen Verhältnisse gehandelt 
hatte. Als sekundäre Quellen erscheinen Yarros liber de poetis und Suetons Werk de viris 
illustribus, auf den im wesentlichen der Bericht des Hieronymus z. J. 1777 = 240 y. Chr. 
(2 p. 123 Seh.) smrackgeht: Q. Ennhis poeta Tarenti nascitur, qui a Cotone quaestore Bomam 
translatus habitavit in monte Äventino, parco aätnodum sumptu contentus et unius an- 
cillae ministerio, lieber das Leben des Ennius vgl. F. Ritter, Der Dichter Q. Ennius in 
Sardinien, auf dem Aventinns zu Rom, in Aetolien; sein röm. Bürgerrecht und sein Ver- 
hältnis zur röm. Aristokratie (Zeitschr. für die Altertumsw. 1840 Nr. 45—48); L. Müller, 




a) Der Name. In einem Akrostich, das Gic. de div. 2, 54, 111 uns mitteilt, hiess es: 
Q. Ennius fecit. Griechischen Ursprung des Namens Ennius statuiert 0. Crusius, Rhein. Mus. 
47 (1892) p. 61. Doch ist messapische Herkunft wahrscheinlicher; vgl. Th. Mommsen, 



Q. BmiiM. (§86.) Hl 

ünterital. Dialekte, Leipz. 1850, p. 71; A. Fick, Bezzenberger Beitr. 3 p. 269; Skatsch 
Sp. 2589. 

ß) Die Heimat. Wir habeo das Selbstzeagnis des Dicbten Gic. de or. 8, 42, 168 
in der oben im Texte ausgeachriebenen Stelle. Aacb von Schriftstellern wird er Rudinus 
genannt, z. B. von Gic. pro Arch. 22. Als allgemeine Bezeichnung seiner Heimat erscheint 
Galabrien: Horat carm. 4, 8, 20 Calahrae Pierides, Ovid. ars am. 8, 409 Ennius enneruit, 
Calabris in montibue ortu8 | contiguus poni Scipio magne tibi. Soidaa s. y. lEyy&of (nach 
Aelianns) heisst Ennins o noifjtijg o Meaaamo^, Senr. zu Verg. Aen. 7, 691 at Meseapus 

equum domitor Neptunia proles: hie Messapua per mare ad Italiam venit ab hoc En- 

niu8 dicit se ariginem dueere. Sil. Ital. Pnn. 12, 898 Ennius antiqua Messapi ab ori- 

gine regis .... miserunt Cdlabri: Rudiae genuere vetusiae, nunc Rudiae solo memorabile 
nomen alutnno. Ennius konnte sich als Abkömmling des Messapus, der dem Landstrich, 
in dem er geboren war, den Namen gegeben, bezeichnen; vgl. Strabo 6, 8, 5 p. 282 C. rfg 
sigvjftiyfj^ XSOQoyfjifov, rjy Msaaatiiay re xal 'lanvylav xai KaXaß^iay xal £aXeyttyi]y xoi- 
v(os ol noÜol ngoaayoQsvovaiy, Ueber die Lage von Rudiae sagt Strabo 1. c: xd fiiy iy 
t^ na^dnX^ noXlxvia «Ijpiyra«, iy dh r^ fieaoyalq 'Putditn xi eün xiti Aovnlai xai fttx^y 
vnig xfji &aXttxxtfs *AXrjxia, Wenn Hieronymus den Ennins in Tarent geboren sein Usst, 
so liegt wahrscheinlich eine Verwechslung mit Livius Andronicus vor; der Autor widerlegt 
sich selbst, indem er weiterhin berichtet, dass die Grebeine des Ennius nach Rudiae ge- 
bracht wurden, wofilr doch ein Grund vorhanden gewesen sein muss. — E. Gocchia, 11 
paese natale dl Q. Ennio (Riviata di filol. 18 (1884) p. 81); L. Mantegazza, La patria di 
Ennio; una dissertazione di E. Gocchia esaminata, Bergamo 1885; F. Tamborrino, lUu- 
strazioni al problema della patria di Q. Ennio, Ostuni 1884; E. Pais, Rodie, la patria di 
Ennio (Studi storici 2 (1898) p. 889); H. Nissen, Italische Landeskunde 2 (Berl. 1908) p. 881. 

y) Das Geburtsjahr. Gellius 17, 21, 43 eonstües secuntur Q, Vcderius et C, Mami- 
lius (289 V. Ghr.), quibi*s natum esse Q. Ennium poetam M, Varro in primo de poetis libro 
scripsU eumgue, cum septimum et sexagesimum annum haberet, diwdecimum anndUm serip- 
sisse idque ipsum Ennium in eodem libro dieere. Wahrscheinlich wurde das Geburtsjahr 
des Ennius durch Rechnung festgestellt. Mit dem Ansatz Yarros stimmt Gic. Brut. 18, 72 
oder vielmehr seine Quelle Atticus; vgl. auch Gic. Tusc. 1, 3. Dem bestimmten Zeugnis 
Vairos gegenflber kann der Ansatz des Hieronymus, der den Ennius 240 geboren sein lässt, 
nicht in Betracht kommen. 

d) Die Dreisprachigkeit des Ennius. Gellius 17, 17, 1 Q. Ennius tria eorda 
habere sese dicebat, quod loqui Graece et Osce et Latine sciret. üeber cor vgl. 0. Grus ins, 
Fleckeis. Jahrb. 189 (1889) p. 654. Bezeichnend ist, dass der Dichter das Messapische nicht 
erwähnt. Festus p. 298 0. M. qtuim eonsuetudinem (die Konsonanten nicht zu verdoppeln) 
Ennius mutavisse fertur, utpote Graecus Graeco more t««u9. Sueton. de gramm. 1 anti- 
quissimi doctorum, qui iidem et poetae et semigraeci erant, Livium et Ennium dico, quos 
utraque Hngua domi forisque docuisse adnotatum est, nihü amplius quam Graecos inter- 
pretabantur aut si quid ipsi Latine composuissent praelegebant, 

b) Ueberfahrung des Ennius nach Rom. Gomel. Nepos Gate 1, 4 praetor pro- 
vineiam obtinuit Sardiniam, ex qua quaestor superiore tempore ex Äfrica decedens Q, En- 
nium poetam deduxerat; quod non minoris existimamus quam quemlibet amplissimum Sardi- 
niensem triumphum. Gato war Quaestor unter den Konsuln M. Gethegus und F. Tuditanus 
im Jahre 204. Es fragt sich, wie Ennius nach Sardinien gekommen ist. Die Annahme, 
dass der Kriegsdienst ihn dorthin geführt, ist noch immer die wahrscheinlichste. Die poe- 
tische Erzfthlung des Silius Italiens (12, 387) vom Genturionen Ennius hat vielleicht doch 
einen realen Hintergrund. 

C) Gönner und Freunde des Ennius. a) Die Scipionen. Gic. pro Archia 9, 22 
carus fuit Africano superiori noster Ennius, itaque etiam in sepulcro Scipionum putatur 
is esse constitutus ex marmore. Aus Gic. de or. 2, 68, 276 erhellt, dass Ennius auch mit 
Nasica Verkehr pflog, ß) Die Fulvii. Gic. pro Archia 11, 27 iUe qui cum Äetolis Ennio 
comite bellamt, Fulvius non dubitavit Martis tnanubias Musis conseerare. Tusc. 1, 2, 8 
oreUio Catonis, in qua obiecit ut probrum M. Nobüiori, quod is in provineiam poetas duxisset: 
duxerat autem constU ille in Aetoliam ut scimus Ennium. Ps.-Aurel. Vict. de vir. ill. 52, 3 
quam victoriam (des M. Fulvius Nobilior Ober die Aetoler) per se magnificam Q. Ennius 
amicus eius insigni laude celebravit. Symmach. epist. 1, 20, 2 Ennio ex Aetolicis manubiis 
captiva tantum chlamys muneri data Fuhium decolorat (vgl. dazu Th. Bergk, Beitr. zur 
lat. Grammatik 1. Heffc (Halle 1870) p. 38 Anm. 1; W. Kroll, De Q. Aurelii Symmachi stu- 
düs graecis et latinis, Breslauer philo!. Abb. 6. Bd. 2. Heft (1891) p. 19). — Gic. Brutus 20, 79 
Q. Nobüiorem M. f. iam patrio instituto deditum studio litterarum, qui etiam Q, Ennium, 
qui cum patre eius in Attölia militaverat (vgl. jedoch Yahlen, Ausg. p. XIV), civitate do- 
novit, cum triumvir coloniam deduxisset, et T. Annium Luseum, huius Q. Fulvii coUegam, 
non indisertum dicunt fuisse. Liv. 89, 44, 10 eodem anno (184 v. Ghr.) coloniae duae, Po- 



112 Q. EnniaB. (| 86.) 

tentia in Picenum, Pisaurum in GaUicum (»gruni, deduetae sunt .... diviserunt agrum 
coloniciaque deduxerunt iidem tresviri, Q. Fahius Labeo et M. et Q. Ftdvii, Flaccua et No- 
hilior (vgl. Tb. Mommseo, Rom. Gesch. 1* p. 798; R5m. Staatsrecht 3 (Leipz. 1887) p. 135; 
J. N. M advig, Die Verfassong and Verwaltang des röm. Staates 1 (Leipz. 1881) p. 51/52). 
Cic. pro Archia 10, 22 ergo illum, qui haec feeerat, Eudinum hominem tnaiores nostri in civi^ 
fatem receperunt, y) Auf Umgang mit Servias Salpicias Galba, Prätor 188, dentet Cicero 
Acad. prior 2, 16, 51 hin. — A. Postamius Albinas. In dem von G. Cortese angeblich 
entdeckten Fragment (vgl. § 64, 4) heisst es: graece autem ut scimua historiam iüe {A. 
Postumius Älbinus) confecerat Q. Ennio poetcte inscriptam. Aber das Fragment wird von 
L. Traube, PalAographische Forschongen 4 (Abb. der Mflnchner Akad. der Wissensch. 24 
(1904) p. 47) als eine Fälschang erwiesen, lieber die Schale des Ennios vgl. Nr. 5 p. 129. 

rj) Die Wohnang and Lebensfflhrnng des Ennias. a) Wohnung. Nach 
Hieronymas wohnte Ennias in monte Äventino, wo die Dichterzanft im Tempel der Minerva 
ihr Versammlangslokal hatte (vgl. oben p. 60). Vgl. auch Varro de lingaa lat. 5, 163 . . . ligiO' 
nem PorduB (= Porcias Licinas § 62) designat cum de Ennio seribens dicit eum ccluisse 
Tuiilinae loca, üeber die schwierigen Worte vgl. J. Vahlen, Ansg. p. XI; Über die Göttin 
Tatilina vgl.G. Wissowa, Religion und Ealtas der Römer, Mflnchen 1902, p. 195. /9) Ueber 
sein Privatleben sagt Hieronymas: parco admodum sumtdu eontentus et unius ancälae 
ministerio, Gio. de or. 2, 68, 276 erzählt eine drollige Geschichte, in der von einer Magd 
des Ennius die Rede ist. Aas der Stelle lässt sich nicht abnehmen, ob Ennias eine oder 
mehrere Mägde hatte. Ich bezweifle daher, dass Saeton, die Quelle des Hieronymus, seine 
Notiz ttber die eine Magd aus Cicero geschöpft hat Dass Ennius anfangs in kärglichen 
Verhältnissen lebte, ist doch an und fttr sich glaublich und wird dadurch bestätigt, dass 
er Unterricht erteilte; vgl. dagegen F. Leo, Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 67 und Vahlen, 
Ausg. p. KU. Ob auch die senectus des Dichters von wirklicher paupertas begleitet war, 
wie Cic. Cato maior 5, 14 sagt, ist fraglich, y) Priscian. Gramm, lat. 2 p. 434, 10 numquam 
poetor nisi si podtiger. Horat. epist 1, 19, 7 Ennius ipse pater numquam nisi potus ad 
arma | prosüuit dicenda, Seren. Sammon. Vs. 713 Ennius ipse pater, dum pocula siccat 
iniqua, hoc vitio tales fertur meruisse dolores. 

9) Das Todesjahr. Cic. Brut. 20, 78 hoc praetore (seil. C. Sulpicius Gallus) h4do8 
Apollini faciente, cum Thyestem fabulam docuisset, Q. Marcio Cn, Sen^io consulibus (169 
V. Chr.) mortem obiit Ennius. Damit steht im Einklang Cato maior 5, 14: annos septua- 
ginia natus (tot enim vixit Ennius) ita ferehat duo quae maxima putaniur onera, pauper- 
tatem et senectutem, ut eis paene delectari videretur. Auch in Bezug auf das Todesjahr 
weicht Hieronymus um ein Jahr ab, da er das Hinscheiden des Ennius ins Jahr 168 setzt 

t) Die Grabstätte des Ennius. Liv. 38, 56, 4 Romtu extra portam Capenam in 
Scipionum monumento tres statuae sunt, quarum duae P. et L. Scipionum dicuntur esse, 
tertia poetae Q. Ennii; vgl. auch Cic. pro Archia 9, 22 und Ovid (oben p. 111). Hieronym. 
z. J. 1849 = 168 V. Chr. (2 p. 127 Seh.) Ennius poeta septuagenario maior artieulari morbo 
perit sepultusque in Scipionis monumento via Appia intra primum ab urbe miliarium. qui- 
dam ossa eius Rudiam ex Janiculo translata adfirmant. Wahrscheinlich wurde Ennius 
auf dem Janiculum verbrannt und seine Gebeine dann nach Rudiae gebracht; vgl. Vahlen, 
Ansg. p. XVII. Ans den Worten Ciceros und des Livius (putatur, dicuntur) ersieht man, 
wie unsicher die Geschichte von der Statue des Ennius auf dem Scipionengrabe war. Der 
Bericht des Plinius (n. h. 7, 114) ist daher wenig glaubwürdig (vgl. O.Jahn, Hermes 2 
(1867) p. 242; Vahlen, Ausg. p.XIX). Cic. Tusc. 1, 15, 34 (vgl. unten p. 122) teilt uns ein 
Epigramm mit, das unter einem Bildnis des Ennius stand. Die Worte Ciceros (pro Archia 
9, 22) verbieten uns, das Bildnis des Ennius mit einer solchen Aufschrift auf dem Scipionen- 
grab zu suchen. Das von Cicero Tusc. mitgeteilte zweite Epigramm, worin sich der Dichter 
die Tränen bei seinem Begräbnis verbittet, da er im Munde der Menschen fortlebe, gehört 
wie 0. Jahn richtig gezeigt hat, nicht mit dem ersten zusammen, wird aber von Ennius 
selbst herrühren. — P. Rasi, Ateno e Roma 1901 p. 12. 

je) Das Bildnis des Dichters. Ueber ein Mosaik in Trier vgl. Antike Denkmäler 
1 (1891) Taf. 49; F. Hettner, Führer durch das Provinzialmusenm in Trier p. 67. Vor 
einigen Jahren wurde in den Thermen Diocletians eine kopflose Herme mit der Inschrift 
Q. Ennius gefunden; vgl. Notizie degli scavi 11 (1903) p. 601. 

A) Eine Selbstcharakteristik des Dichters fand Aelius Stilo in der Schilde- 
rung, welche Ennius in den Annalen über das Verhältnis eines Mannes zu einem vornehmen 
Römer entworfen hatte. Gellius 12, 4, 5 (p.42V.) L, Aelium Stilonem dicere solitum ferunt 
Q. Ennium de semet ipso haec scripsisse picturamque istam morum et ingenii ipsius Q. Ennii 
factam esse; vgl. L. Müller, Q. Ennias p. 68. Für uns hat die Notiz des Gellius nur in- 
sofern Wert, als wir wissen, welches Bild sich Aelius Stilo von dem Charakter des Ennius 
gemacht hatte. Es sei ein analoger Fall aus der modernen Litterator angeführt: H. Brunn 
(Sitzungsber. der Münchner Akad. der Wissensch. 1890 Bd. 2 p. 21) schreibt in seinem Ne- 



Q.EnniM. (§37.) 113 

krolog aaf L. ürlichs: .Wenn man liest, wie ürlichs in seiner Qescfaichte der Philologie 
(S. 121) aber Gdttling urteilt, so hat man die Empfindung, als ob in diesen Worten Ürlichs 
in sehr wesentlichen Zflgen sein eigenes Bild gezeichnet habe/ 

37. Ennins' dramatische Dichtungen. Höchst wahrscheinlich be- 
gann Ennius seine dichterische Tätigkeit mit Tragödien; er entfaltete 
hier eine grosse Fruchtbarkeit und pflegte diese Gattung, die er zu grosser 
Blüte brachte, bis an sein Lebensende; noch in seinem Todesjahr wurde 
eine Tragödie von ihm, der Thyestes, aufgeführt. Es sind uns 20 Titel 
mit Fragmenten Überliefert. Bei der Auswahl der Originale bevorzugte 
Ennius den troianischen Sagenkreis, von den Dichtern wiederum den Euri- 
pides, zu dem ihn schon dessen skeptische, aufgeklärte Gesinnung hin- 
ziehen musste. Zu den Originalen nahm er eine vielfach freie Stellung 
ein; belehrend ist hier besonders eine Vergieichung der Fragmente seiner 
Medea mit der euripideischen. Gleich der Eingang zeigt dem Original 
gegenüber sowohl Kürzung als Erweiterung. Dass der Dichter die Metra 
seiner Vorlage hie und da änderte, können wir öfters nachweisen, ein 
Beispiel möge genügen: in der Hecuba gab er die Bede der Hecuba, die 
bei Euripides in Trimetern abgefasst ist, in trochäischen Septenaren.^) 
Interessant ist seine Behandlung von Aesch. Eum. 902, wo ein sprachliches 
Kunststück angebracht wird.*) Aber auch in den Organismus der griechi- 
schen Vorlage griff der römische Dichter ein. So hat er, um hier nur 
ein Beispiel zu erwähnen, in seiner Iphigenie den euripideischen Jung- 
frauenchor durch einen Soldatenchor ersetzt.') Auf der andern Seite frei- 
lich behielt er wieder Züge seines Originals bei, die für die Römer nicht 
verständlich waren; so brachte er Etymologien, die den griechischen Namen 
erläutern, wie die der Namen Alexander und Andromache>) Dieselbe 
Wahrnehmung eines Schwankens zwischen freier und sklavischer üeber- 
tragung des Originals konnten wir ja auch bei Plautus machen. Die Tra- 
gödien des Ennius waren, wie aus Cicero ersichtlich, selbst in späterer 
Zeit noch sehr beliebt. Auch eine Prätexta können wir mit Sicherheit 
Ennius beilegen, nämlich den Raub der Sabinerinnen; denn das einzige 
daraus von Julius Victor erhaltene Fragment führt auf ein Drama; dies 
kann aber in dem gegebenen Fall nur eine Prätexta sein; für eine solche 
eignete sich der gewählte Stoff ganz vortrefflich, wie auch P. Heyse den- 
selben dramatisiert hat. Einen auf einen Dialog hinweisenden Vers ent- 
hält auch die Ambracia, ^) wir werden daher mit Wahrscheinlichkeit diese 
Schöpfung ebenfalls als eine Prätexta betrachten dürfen, in welcher der 
Dichter die Eroberung Ambracias im ätolischen Feldzug durch seinen 
Gönner M. Fulvius Nobilior verherrlicht hat. Für die Komödie scheint 
Ennius wenig Neigung gezeigt zu haben; zwei Komödientitel lassen sich 
feststellen. Bemerkenswert ist, dass er von Terenz im Prolog zur Andria 18 
zu denen gezählt wird, welche die Gontamination in Anwendung brachten. 

Die Tragödien des Ennius. 1. Achilles (Achilles Aristarchi). 2. Aiax. 3. Alcmeo. 
4. Alexander. 5. Andromacha (Ay&QOfidxfj aixf^aXtoiog; über den Titel vgl. £. Wölfflin, 
Archiv f&r lat. Lexikographie 8 (1893) p. 234). 6. Andromeda. 7. Athamas. 8. Cresphontes. 



*) Vgl. Scenica 199 p. 152 V. mit Eurip. 
293 

' ») Vgl. Scenica 151 p. 143 V. 



•) Vgl. Scenica 284 p. 159 V. 
/) Varro de lingoa lat 7, 82. 
B) Scenica 368 p. 189 V. 



Huidbaob der kiMs. AltcrtiuniwiaseiiBchaft Vni, 1. 8. Aufl. 8 



114 Q. EnniuB. (§ 37.) 

9. ErecbtheuB. 10. Eumeoides. ll.Hectoris lytra (vgl. Hygin. 106). 12. Hecuba. 18. Iphi- 
genia. 14. Medea exül. 15. Melanippa. 16. Nemea. 17. Phoenix. 18. Telamo. 19. Tele- 
phoB. 20. Thyestes. Wir sind bei der AufEählnng dem neaeaten Herausgeber VahleD ge- 
folgt und betxachten daher Achilles and Achilles Aristarchi nicht als zwei Terschiedene 
Stücke, sondern als eines, wie wir auch keine zwei Medeae, eine Medea ezul und eine 
Medea AtheniensiBi sondern nur eine Medea exul angesetzt haben; vgl. Vahlen, Ansg. 
p. CCI, p. CCVIII; Pascal, Studi etc. p.46. Ueber die Aufführung des Thyestes im Todes- 
jahr des Dichters vgl. Cic. Brutus 20, 78. 

Die griechischen Originale und das Verhältnis desEnniuszn denselben, 
a) Die griech. Originale. Glossae Salomonis (H. Usener, Rhein. Mus. 28 (1873) p.419): 
tragoedias Ennias fere omnes ex Oraecia transtulit, pluHmas Euripideis, nonmUlas Art- 
starchiis. Als Quellen lassen sich folgende Dichter nachweisen: 1. Aristarchus. Dieser 
Tragiker wird in dem Titel des Achilles als das Original bezeichnet; vgl. auch Plaut Poen. 1. 
Dass Ennius noch ein zweites Stdck von ihm übersetzt habe, lAsst sich nicht nachweisen, 
und die Glosse ist daher in dieser Beziehung sehr verdftchtig. 2. Euripides. Für Alexander 
und Andromacha bezeugt Varro (de lingua lat. 7, 82) den euripideiscben Ursprung (über die 
Schwierigkeiten, welche in dieser Hinsicht die Andromacha darbietet, vgl. Vahlen, Ausg. 
p. CGIll), für Hecuba Gellius 11, 4, 1, für Medea Gic. de fin. 1, 2, 4; diese Stelle ist zugleich 
ein Beweis, dass Gicero nur eine Medea kannte. Sicher ist, dass Euripides dem römischen 
Dichter noch Originale für Andromeda, Erechtheus, Iphigenia, Melaninpa und Telephus lie- 
ferte, wahrscheinlich auch für Alcmeo und Gresphontes und möglicherweise für Phoenix 
und Thyestes. 3. Aeschylus. Für die Eumenides war Aeschylus sicher die Quelle. 
Weiterhin hat man angenommen (Ribbeck, Die röm. Trag. p. 126), dass Ennius in Hec- 
toris lytra die aescbyleische Trilogie A/r^/i/dbV«;, NijQijides und ^Qvyeg ^^'EtnoQog Xvrga 
zusammengearbeitet hat, während Vahlen (Ausg. p. GGVll) annehmen möchte, dass Ennius 
das Stück nach Homer gedichtet habe. Auch bei dem Stück Nemea ist aescbvleisches 
Vorbild möglich. 4. Sophokles können wir bei keinem einzigen Stück als Quelle nach- 
weisen; denn bezüglich des Aiax vgl. Vahlen, Ausg. p.GGl. ß) Die lat. Bearbeitungen. 
Gic. de fin. 1, 2, 4 hoe primum est in quo admirer, cur in gravissimis rebus non deUetet 
eos senno patrius, cum iidem fabellas Latinas ad verbum e Graecis expressas non inviti 
legant. quis enim tarn inimieus paene nomini Romano est, qui Ennii Medeam aut Antiqpam 
Paeuvii spemat aut reiciat, quod se iisdem Euripidis fabtUis delectari dicat, Latinas fit- 
teras oderit? Allein dass eine wörtliche üebertragung der Medea nicht überall stattgefunden 
hat, lässt sich zeigen; vgl. Pascal, Studi p. 46. Ueber das Verhältnis der Medea zum 
Original vgl. F. Leo, Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 85, der auch besonders das hervorhebt, 
dass Ennius als gelehrter Mann die Gommentare zu seinen übersetzten Stücken zu Rate 
zog. Ueber das Verhältnis der ennianischen Iphigenia zum Original vgl. Th. Bergk, Kl. 
philol. Sehr. 1 p. 226. Für die durch den Andriaprolog des Terenz (Vs. 18) bezeugte Gontami- 
nation kann die Medea angeführt werden, in der der Stoff, den Euripides in zwei "l^iigödien be- 
handelte, wahrscheinlich zu einer zusammengearbeitet wurde; vgl. Vahlen, Ausg. p.GGVIH. 

Litteratur. 0. Ribbeck, Die röm. Tragödie, Leipz. 1875, p. 81; Gesch. der röm. 
Dichtung 1' (Stuttgart 1894) p. 28; W. Y. Sellar, The Roman poets of the repnblic, Ox- 
ford* 1889, p. 85; G. Michaut, Le g^nie latin, Paris 1900, p. 161; J. Vahlen, Ennianae 
poesis reliquiae, Leipz.' 1903, p. GG; F. Skutsch kündigt üher die Iphigenia des Ennius 
einen Aufsatz an, der im Rhein. Mus. erscheinen soll. Die Fragmente der Tragödien bei 
Ribbeck, Tragicomm Rom. fragm., Leipz.' 1897, p. 17; L. Müller p. 91; Vahlen p. 118. 

Die Praetextae des Ennius. a) Die Sabinerinnen. Julius Victor 6, 4 (Rhet. 
lat. min. p. 402 Halm) ui Sabinis Ennius dixit. Wie Vahlen in der adnotatio zeigt, hat 
Ennius auch in der hier mitgeteilten Stelle sich von seiner griechischen Lektüre leiten 
lassen. Den Sabinerinnen weist G. Pascal (Studi sugU scrittori latini, Turin 1900, p. 27) die 
Verse zu, welche in der Stelle bei Gellius 13, 22, 13 vorliegen sollen. J. Vahlen (Rhein. 
Mus. 16 (1861) p.580) und 0. Ribbeck (Die röm. IVagödie, Leipz. 1875, p.205) erblicken in 
den Sabinerinnen eine Praetexta, anders Th. Bergk, Kl. philol. Sehr. 1 p.361. /3) Die Am- 
bracia. Nonius p. 471, 17 M. Ennius Anibracia. In dem Feldzug des M. Fulvius Nobilior 
gegen die Aetoler war die Glanztat die Eroberung Ambradas. Ribbeck (Die röm. Trag, 
p. 207) hält die Ambracia für eine Praetexta, in der die Eroberung Ambracias durch Ful- 
vius Nobilior geschildert wurde. Die Ansicht Ribbecks ist sehr wahrscheinlich, wenn 
auch die wenigen von Nonius erhaltenen Fragmente keinen Beleg dafür liefern; vgl. Vahlen, 
Ausg. p. XIV. Dagegen hält die Ambracia für eine den Satiren zuzuteilende epische Dich- 
tung L. Müller, Q. Ennius p. 108, p. 110, Baehrens (Fragm. poet. Rom. p. 128; vgl. auch 
Pascal, Studi etc. p. 50) für einen wobl ausserhalb der Satiren stehenden Panegyricus, 
indem er sich hiebei auf de vir. ill. 52 stützt: quam victoriam (M. Fülvi de Ambracia) .... 
Q, Ennius amicus eius insigni laude celebravit, eine Stelle, die ebenso gut auf eine Prae- 
texta bezogen werden kann. — Die Fragmente bei Ribbeck, Tragic. Rom. fragm., Leipz.* 
1897, p. 323; L. Müller p. 127, p. 76; Vahlen p. 188. 



Q.Enniaa. (§38.) 115 

Die Komödien des Ennius. Wir haben nur zwei Sparen derselben. Nonius 
p. 155, 80 M. citiert: Ennius cupiuncula, wofür Ribbeck caupunada, Vahlen eupuncula 
setzt Pascal (Studi etc. p. 85) spricht die Vermutang ans: «Possumos fortasse et in 
Alezidis KvnQioy ocnlos adigere, atque de 'Cnprioncnlo' snspicari.* Anf eine zweite Komödie 
führt Nonins p. 513, 12 M., p. 517, 12: Enniua pancratiaste; p. 506, 2 wird panehratiastis 
citieit. Ueber den Titel vgl. Pascal 1. c. p. 24. Folgen tias p. 117, 9 Helm friguttire dieitur 
9ubtiliter adgarrire. unde . . , , et Ennius in Telestide (alii: Celestide) comoedia sie aü: haec 
anus admodum frigutiü. nimirum saueiavit se flore Liberi. L. Müller (Ausg. p. 143) hat 
das Fragment wegen der ünglaub Würdigkeit des Autors nicht unter die Komödienfragmente 
aufgenommen. PascalQ. c. p. 36) dagegen hält es für echt, will aber als Titel herstellen: 
in Telesia comoedia, — Volcacius Sedigitus (§ 62 b) weist dem Ennius in seinem Kanon die 
zehnte, d. h. letzte Stelle, an. — Die Fragmente bei Ribbeck, Com. Rom. fragm., Leipz.* 
1898, p. 5; L. Müller p. 128; Vahlen p. 190. 

38. Das enniamsche Epos ,,Die Jahrbücher". Naevius' punischer 
Krieg regte Ennius zur Nachahmung an; auch er wollte die Taten des 
römischen Volkes besingen. Sein Umgang mit der vornehmen römischen 
Welt, der ihn den grossen historischen Ereignissen näher brachte, war 
seinem Plane förderlich. Sein Epos, das er „annales" (Jahrbücher) betitelte, 
behandelte die Geschichte Roms von der Einwanderung des Aeneas bis 
auf seine Zeit herab. Die grosse Masse des Stoffes zwang den Dichter 
sofort zu einer Gliederung desselben und führte zur Bucheinteilung, wäh- 
rend Naevius sein Gedicht ohne jede Abteilung erscheinen lassen konnte. 
Es wird uns von 18 Büchern berichtet. Wie schon der Titel des Gedichts 
zeigt, besang der Dichter im grossen Ganzen die Ereignisse nach der 
chronologischen Reihenfolge; die Gliederung kann sich also nur darin 
zeigen, dass er Wendepunkte der Geschichte aufsucht und markiert. Eine 
höhere Einheit und Abgeschlossenheit ist einem solchen Werke nicht eigen- 
tümlich ; es können daher auch Fortsetzungen gegeben werden. So waren 
die Heldentaten eines Bruderpaares im istrischen Kriege (178/7) die Ver- 
anlassung, dass Ennius das 16. Buch hinzufügte. Wir müssen also hier 
einen Einschnitt annehmen. Allein damit war die Tätigkeit des Ennius 
noch nicht abgeschlossen, denn es kam noch ein 17. und 18. Buch hinzu. 
Noch im Jahre 172, also drei Jahre vor seinem Tod, arbeitete Ennius 
an seinen Jahrbüchern. Er war damals allem Anschein nach bis zum 
12. Buch gekommen; auch hier trat ein Ruhepunkt für den schaffenden 
Dichter ein. In den vorausgegangenen 15 Büchern gewahren wir ebenfalls 
deutlich einen Einschnitt; diesen bildet das 7. Buch, mit dem die Dar- 
stellung der punischen Kriege anhebt; der Dichter sprach hier von seinem 
Unternehmen im Gegensatz zu seinem Vorgänger und scheint in einem 
Fragment ^) auf Einwürfe seiner Gegner geantwortet zu haben. Es müssen 
sonach die ersten sechs Bücher bereits bekannt gewesen sein. Von dem 
ganzen Epos sind uns etwa 600 Verse oder Versteile erhalten, also sicher- 
lich nur ein geringer Bruchteil des Ganzen. Der Aufbau ist daher ein 
schwieriger. Soweit wir sehen können, schloss der Dichter öfters drei 
Bücher zu einem grösseren Ganzen zusammen. Es schilderten z. B. die 
Bücher 1—3 die Ankunft des Aeneas und die Königszeit, die Bücher 7 — 9 
die punischen Kriege, 10 — 12 den macedonischen Krieg. Weiter lässt sich 
zeigen, dass im 6. Buch der Krieg mit Pyrrhus, im 13. der mit Antiochus, 
im 16., wie bereits erwähnt, der istrische Feldzug behandelt war. Wie 

1) 218 p. 89 V. 

8* 



116 Q.Enniaa. (§88.) 

weit noch die Erzählung ging, können wir nicht genau angeben, da die 
Fragmente des 17. und 18. Buches zu unbestimmt sind. Die Behandlung 
des Stoffes war eine ungleiche ; über die ältere Zeit ging der Dichter rascher 
weg; dagegen verweilte er länger bei der Geschichte seiner Zeit, und der 
erste punische Krieg wurde, weil bereits von Naevius besungen, kürzer 
abgemacht. In der Art der Behandlung unterscheidet sich Ennius wesent- 
lich von Naevius. Während Naevius in schlichter Weise und im natio- 
nalen Versmass die Heldentaten der Römer im ersten punischen Krieg 
erzählte, lehnt Ennius sein Epos an Homer an und will eine Kunstdichtung 
liefern. Seine Abhängigkeit von Homer deutet der Dichter gleich im Ein- 
gang seiner Jahrbücher an; er führt sie mit einem Traum ein: es sei ihm, 
erzählt er, auf dem Parnass Homers Schatten erschienen und habe ihm 
unter Tränen die Geheimnisse des Weltalls erschlossen; auch das Leben 
nach dem Tode habe er berührt und dabei mitgeteilt, dass seine Seele, 
die auch einmal ein Pfau beherbergt, später in Ennius übergegangen sei. 
Man sieht, wie der Dichter mit der schönen Vision sich als zweiter Homer 
bei den Römern einführt. Und in der Tat, wollte Ennius dem vielfach 
dürren Stoff der Chroniken Leben einhauchen, so blieb ihm nichts anderes 
übrig, als die poetischen Züge und die poetische Technik Homer zu ent- 
lehnen. So konnten die Gleichnisse verwendet werden, in den Fragmenten 
finden wir das Bild vom Pferde, das seine Fesseln sprengt und durch die 
Ebene rast.^) Aber der Nachahmer scheut sich auch nicht, ganze Schil- 
derungen Homers auf ähnliche Situationen zu übertragen; das, was Homer 
vom Kampf des Aias singt, wird auf den Kampf eines Römers übertragen.') 
Auch in dem Versmass schliesst sich Ennius an Homer an, indem er den 
Saturnier aufgibt und den Hexameter für seine Dichtung wählt. Selbst- 
verständlich mussten die Gesetze des homerischen Hexameters vielfach 
modifiziert werden; z. B. gleich in der Gäsur wich Ennius von Homer ab; 
während bei Homer die männliche und weibliche Cäsur des dritten Fusses 
gleich häufig sind, setzte er hier die männliche Cäsur als die Normalform 
fest.^) So wurde Ennius der Ordner des lateinischen Hexameters. 
Da aber der Hexameter der Normalvers wurde, nach dem sich auch andere 
Metra richteten, reicht der Einfluss des Ennius in der lateinischen Metrik 
noch weiter. Aber noch in einer anderen Beziehung wirkte Ennius bahn- 
brechend, nämlich in der Prosodie. Für den scenischen Dichter war es 
in den meisten Fällen gleichgültig, ob in der Senkung eine lange oder 
kurze Silbe stand; er kam daher hier viel seltener in die Lage, die Natur 
einer Silbe auf ihre Quantität hin zu prüfen. Der daktylische Dichter 
kennt nur kurze oder lange Silben, er ist daher auf Schritt und Tritt auf 
Untersuchungen über die Länge und Kürze der Silben angewiesen. Diese 
Aufgabe war aber um so schwieriger, als die Schrift Ennius nicht so zu 
Hilfe kam wie bei den Griechen. Ennius musste sich daher grösstenteils 

') IL 6, 506 II 514 p. 94 y. I dass bei Ennias im Gegensatz zu Homer im 

*) II. 16, 102 II 401 p. 73 V. vierten Fasse spondeische Wörter und Wort- 

■) W. Meyer, Zur Gesch. der griech. 



und des lat. Hexameters (Sitzungsber. der 
MOnchner Akad. der Wissensch. 1884 p. 1029), 
der auch darauf aufinerksam macht (p. 1030), 



Schlüsse zahlreich sind. Haltloses bringt 
Aber einen Anschluss des Ennius an Arche- 
stratus F. Jaeckel (De poetarum Siculorum 
hexametro, Diss. Leipz. 1902, p. 7) vor. 



Q. EnniiiB. (§ 88.) 117 

auf sein Ohr verlassen. Auch die Positionslänge erforderte eine genaue 
Regelung. Sie erfolgte im Anschluss an die Griechen ; in der Behandlung 
des sprachlichen Materials finden wir manchen Unterschied zwischen der 
daktylischen und scenischen Poesie. Auch auf orthographische Probleme 
ward er dadurch gebracht; die Konsonanten Verdoppelung in der Schrift 
wird auf ihn zurückgeführt (Festus p. 293 0. M.). 

Aus dem Gesagten wird man abnehmen können, wie weit Ennius 
den Naevius hinter sich liess; sein Gedicht blieb das Hauptepos der Re- 
publik, das Vorleser und Ck)mmentatoren fand. Unter den Fragmenten 
befinden sich manche, die uns ein Bild von der Kunst des Dichters ge- 
währen können. Vielleicht genügen, um einen ersten Eindruck zu er- 
halten, die zwei längeren Bruchstücke, die Cicero seinem Werk über die 
Wahrsagung einverleibt hat, die eindringliche Erzählung, die Ilia ihrer 
Schwester über ein ihr gewordenes, für die Zukunft bedeutungsvolles Traum- 
bild gibt,^) dann die anschauliche Schilderung der Vogelschau des Brüder- 
paares Romulus und Remus.') 

Titel und Zahl der Bücher. Diomedes Gramm, lat. 1 p. 484, 8 epos Latinum 
primua digne acripsii is gut res Bamanarum decem et octo conplexus est libris, qui et an^ 
nales inscrihuntur, quod singulorum fere annorum etctus contineant, aictit publici annaies, 
quos pantifiees scribaeque conficiunt, vel Romanis, quod Romanorum res gestas declarant, 
Daaa die Stelle sich aof Ennins bezieht, ist zweifellos, a) Festus p. 257 0. M. citiert /. XL, 
wofttr aber mit Recht von ürsinus XI gelesen wird; vgl. annal. 11 p. 63 V. Kein anderes 
Citat fahrt Aber das 18. Buch hinaus. Aus Plinius n. b. 7, 101 geht hervor, dass Ennius 
selbst sein Werk in Bücher geteüt. ß) Für den Titel annales, den unsere Stelle bezeugt, 
aber zu unrichtigen Konsequenzen verwertet, stehen uns sehr alte Zeugnisse zur Verfügung, 
z. B. Ludlins p. 24 Marx: tota Utas una est, una ut d'iatg annales Enni; Varronis Menip- 

rae 398 Buecneler poesis est perpetuum argumentum e rhythmis, ut llias Homeri et annalis 
e. annaies) Enni. Festusp. 198 0. M. Ennius in L I annalium. Der Titel Romais wurde richtig 
von A. Reifferscheid (Fleckeis. Jahrb. 79 (1859) p 157) und vor ihm von J. Bernaus (vgl. 
Vahlen , Ausg. p. CXLV Anm.) Diomed. 1. c. aus Romanis hergestellt Da weder Lucihus noch 
Varro den Titel Romais zu kennen scheinen, wird er auf die Erfindung eines Grammatikers der 
Kaiserzeit zurückzuführen sein; so hiess auch die-Aeneis später Gesta popuU Romani (g 230). 
Die Buccessive Entstehung der Annalen. Gellins 17, 21, 43 cum septimum 
et sexagesimum annum haberet, duodecimum annalem seripsisse idque ipsum Ennium in 
eodem libro dicere Plin. n. h. 7, 101 Q. Ennius T. Caecilium (L. Müller: Caelium) Teu- 
crum fratremque eius praecipue miratus propter eos sextum decimum adiecit annalem. Von 
seinen Lebensverh&ltnissen wird Ennins passend in einem Epilog gesprochen haben. Das 
12. Buch bildete sonach einen Abschluss. Es folgten aber zwei Fortsetzungen, die erste 
umfasste die Bücher 13—15, die zweite begann, wie aus der Pliniusstelle ersichtlich ist, 
mit dem 16. Buch und schloss mit dem 18. Von den ersten 12 Büchern gewahren wir 
noch einen Einschnitt im 7. Buch, da hier die Fragmente deutlich auf ein Prooemium hin- 
weisen. Wenn Ennius das 12. Buch im 67. Lebensjahr, also 172 v. Chr., schrieb, so musa 
er, da er 169 starb, die Bücher 13—18 von 172—169 geschrieben, also in jedem Jahre 
etwa zwei Bücher verfasst haben. Man wird dies bei einem so gewandten Dichter nicht 
für unmöglich erachten. Eine Schwierigkeit könnte man noch aus dem Inhalt 4^8 16. Buches 
herleiten.^ Dasselbe behandelte, wie aus der Nennung des Königs Epulo hervorgeht, den 
istrischen Krieg der Jahre 178 und 177; vgl. Liv. 41, 11. In diesem Krieg hat sich ein 
Brüderpaar ausgezeichnet, und dieses Brüderpaar soll nach Plinius der Anlass gewesen sein, 
dass Ennius seine Annalen mit dem 16. Buch fortsetzte. Wenn es nun der Fdil sein sollte, 
wie L. Müller (Q. Ennius p. 134) annimmt, dass das Buch alsbald nach Abschluss des 
istrischen E^rieges verfasst wurde, so kann das 12. Buch nicht 172 verfasst sein. Man hat 
daher die Budizahl bei Gellius emendiert: Morula schreibt duodefHcesimum, L. Müller 
(Q. Ennius p. 134) XVII, Baehrens XVL Allein auch nach 172, etwa 170, konnte der 
Dichter die Fortsetzung des Werkes damit begründen, dass er die Ruhmestaten eines Brüder- 
paares verherrlichen wolle, und da er mit seiner Erzählung der Gegenwart nahe gerückt 
war, sagen (annal. 410 p. 74 V.): quippe vetusta virum non est satis bella moveri. Steht 

») 35 p. 8 V. I *) 77 p. 13 V. 



118 Q. Enniiis. (§88.) 

aber fest, daas das 12. Buch einen Epilog hatte, so konnte auch hier das Praeconinm des 
Fabius Maximns stehen, das Macrob. Sat. 6, 1, 23 dem 12. Bnch zuweist. Vgl. Yahlen, 
Ueber die Annalen des Ennins (Abb. der Berl. Akad. der Wissensch. 1886 Abb. 1); dagegen 
F. Scholl, Zur Chronologie von Ennins' Annalen (Rhein. Mus. U (1889) p. 158). Eine Ver- 
mutung Aber den Inhalt des 15. Buches bei F. Marx, Deutsche Litteraturzeitang 1903 
Sp. 2748. Wann Ennius mit dem Werk begann, lässt sich nicht genau sagen. Wenn man 
nun folgert, dass Ennins schon vor 189 eine Reihe von BUchem abgefasst habe und schon 
ein berühmter Dichter gewesen sei, weil ihn M. Fulvius NobiUor mit nach Aetolien nahm, 
um Verkünder seines Ruhmes zu sein, so fällt die Schlussfolgerung zusammen, wenn der 
Panegyricus auf Scipio gleich nach dessen Rückkehr aus Afrika abgefasst wurde. Ebenso- 
wenig stichhaltig ist die Argumentation F. Schalls (Rhein. Mus. 44 (1889) p. 160), dass 
Ennius das 6. Buch vor 184 geschrieben habe, da durchaus nicht feststeht, dass Plautns 
im Truculentns (Vs. 929) auf 196 p. 85 V. angespielt hat. Auch das 9. Buch gewfthrt 
keinen festen chronologischen Anhaltspunkt. In demselben werden die ehrenden Beinamen 
erwähnt, die M. Cornelius Cethegus von seinen Zeitgenossen in Bezug auf die Beredsam- 
keit gespendet wurden. Wie Cicero (Brut. 15, 57) berichtet, hat Ennius die Verse nach dem 
Tode des Gefeierten geschrieben, also nach 196 (Liv. 33, 42, 5). Aber sie müssen geraume 
Zeit nach 196 geschrieben sein, da der Dichter von einer weit zurückliegenden Vergangen- 
heit spricht Allein Genaueres lässt sich nicht feststellen. 

Naevius und Ennius. Cic. Brutus 19, 75 Naevi, illius quem in vatibua et Faunis 
annumerat Ennius, bellum Punicum qwiai Myronis opus delectat. sit Ennius sane, ut est 
eerte, perfectior; qui si iüum, ut sirnukU, contemneret, nan omnia beUa persequens primum 
illud Punicum acerrumum bellum reliquisset, sed ipse dicit, cur id faeiat. ^scripsere^, in- 
quitf *alii rem varsibus' — et Juculente quidem seripserunt, etiamsi minus quam tu polite, 
nee vero tibi aliter tnderi debet, qui a Naevio vel sumpsisti multa, si fateris, vel, si negas, 
surripuisti. Ennius konnte natürlich den ersten punischen Krieg kürzer behandeln, aber 
nicht völlig übergehen. Mit dieser Annahme stimmen auch die Fragmente überein; vgl. 
Vahlen, Ausg. p. CLXXIX. Ueber das Verhältnis der beiden Dichter vgl. noch denselben 
p. XX; Pascal, Studi etc. p. 49. 

Homer und Ennius. Cic. de fin. 1, 8, 7 locos quidem quosdam, si videbitur, trans- 
feram, et maxime ab iis, quos modo nominavi (Plato und Aristoteles), cum inciderit, ut id 
apte fieri possit, ut ab Homero Ennius, Äfranius a Menandro solet. An die Seite der 
lUas werden die Annalen des Ennius gestellt von Lucilius 343 p. 24 Marx und von Varro 
Menipp. 398 Buecheler. Die Nachahmung Homers von Seiten des Ennius wurde bereits von 
Macrob. Sat. 6, 3, 7 erkannt; vgl. die Zusammenstellung bei Skutsch Sp. 2611. Die Nach- 
ahmung Homers benutzt £. Zarncke, Comment. philol. in honorem Ribbeckii, Leipz. 1887, 
p. 274, um bei den Historikern die Spuren der ennianischen Annalen nachzuweisen. ,Wo 
wir in Darstellungen der Geschichte jener Zeit, die auch Ennius in seinen Annalen schil- 
derte, den Homer nachgeahmt finden, da haben wir auch — mit gewissen Ausnahmen, 
aber doch in überwiegender Mehrzahl der Fälle — den Ennius.* Belehrend Liv. 2, 20, 1 
und IL 3, 15; vgl. E. Hill er, Comment. in honorem Th. Mommseni, Berl. 1877, p. 747. — 
F. Kunz, Die (Qteste röm. Epik in ihrem Verhältnis zu Homer, Progr. Unter-Meidling bei 
Wien 1890; J. Tolkiehn, Homer und die rOm. Poesie, Leipz. 1900, passim; L. Valmaggi, 
Sul sogno di Ennio nel proemio del I libro degli Annali (Bollettino dl filol. class. 3 (1897) 
p. 259); vgl. noch C. Dilthey, De Callimachi Cydippa, Leipz. 1863, p. 15. 

Vorleser und Commentatoren der Annalen. a) Sueton. de gramm. 2 hactenus 
tamen imiteUi, ut carmina parum adhuc divulgata .... diligentius retractarent ac legendo 
eommentandoque et ceteris nota facerent; ut C. Octavius Lampadio Naevii Punicum bellum, 
quod uno volumine et continenti scriptura expositum divisit in Septem libros; ut postea 
Q. Vargunteius anndles Enni, quos certis diebus in magna frequentia pronuntiabat. Gellius 
18, 5, 2 atque ibi tunc Juliano nuntiatur dyayyoictfjy quendam, non indoctum hominem., 
voce admodum scita et canora Ennii annales legere öd populum in theatro. 'eamus' inquit 
'auditum nescio quem istum Ennianistam* : hoc enim se ille nomine appeUari volebat, ß) Sueton. 
de gramm. 8 M, Pompilius Andronicus (§ 195, 3) .... adeo inops atque egens, ut eoactus 
Sit praecipuum iUud opusculum suum annalium Enni elenchorum sedecim milibus nummum 
cuidam vendere, quos libros Orbilius suppressos redemisse se dicit volgandosque curasse 
nomine auctoris. Nicht leicht zu bestimmen ist, was unter elenchi zu verstehen ist. Vahlen 
(Ausg. p. XXIX) erklärt unter Hinweis auf Silligs Ausg. des Plinlus n. h. 1 p. 17: .Pom- 
pilius duodeviginti librorum annalium totidem nnmero periochas cuiuscumque eae modi erant 
confecisse videtur.** Mit Recht hat aber 0. Ribbeck (Gesch. der röm. Dicht. 1' p. 44) 
einen anderen Weg eingeschlagen; er interpretiert elenchi als «Historische Nachweise und 
Untersuchungen über die Quellen und Entlehnungen*. Skutsch (Sp. 2614) acceptiert von 
dieser Erklärung nur die Entlehnungen, indem er an die Werke des Perellius Faustus und 
Q. Octavius Avitus über die f urta Vergils erinnert. Ich trete der Interpratation Ribbecks 



Q.Eiiiiiiui. (§39.) 119 

bei, in die ich aber auch noch die PrQfung der hietoriBchen Tatsachen aufgenommen wissen 
möchte. Auch der um dieselbe Zeit lebende M. Antonius Gnipho commentierte das Epos 
(F. Buecheler, Rhein. Mus. 36 (1881) p. 334; vgl. § 195, 2). 

Spezialausg. der Annalen Yon P. Merula, Leiden 1595. Die Ausg. Merulas 
bietet Fragmente dar, welche den Verdacht der ünechtheit im höchsten Grade erregen; 
sie sind zusammengestellt bei Vahlen» Ausg. p. 240. Es entsteht die Frage» ob Morula 
sich einer F&lschung schuldig gemacht hat. Diese sucht J. Lawicki (De fraude Pauli 
Morulae Ennianorum annalium editoris, Diss. Bonn 1852) darzutun. Allein es ist doch mög- 
lich, dass Morula an dem Betrug keine Schuld hat; vgl. P. J. Blök, De fragmentis £n- 
nianis a Paullo Morula editis (Mnemos. 28 (1900) p. 1). Eine neue Aufl. der Ausg. Merulas 
ist die von £. Spangenberg, Leipz. 1825. I frammenti degli Annali editi ed illustrati da 
L. Valmaggi, Turin 1900; vgl. dazu J. Tolkiehn, Wochenschr. fOr klass. Philol. 1900 
Sp. 1314 und A. G. Amatucci, Rivista di filol. 29 (1901) p. 142. 

Litteratur. Th. Bergk, El. philol. Sehr. 1 p. 252 (aber fragm. 421 p. 767., wichtig 
für die Bestimmung des Inhalts des 16. Buches); L. Havet, L'histoire romaine dans les der- 
nlers tiers des annales d'Eunius (M^langes. Biblioth^ue de T^ole des hautes-^tudes fasc. 
35 (1878) p. 21); C. M. Francken, De zoneclips van Ennius (Verslagen en Mededeelingen 
1885, 3, 1); A. Reichardt, De Q.Ennii annalibus, Halle 1889 = Fleckeis. Jahrb. 139 (1889) 
p. 777 (über den Wortschatz) ; E. Wölfflln, Sums = surculus bei Ennius (525 p. 95 V.), 
Archiv fOr lat. Lexikographie 6 (1889) p.508; J.M. Stow asser, Ein übersehener Enniusvers 
(Wien. Stud. 13 (1891) p.325); J.Yahlen, De Ennü annalium versibus nonnullis singularibus 
quaest. (Ind. lect. Berl. 1892/93); Stadtgründungsaugurium bei Ennius (Sltzungsber. der Berl. 
Akad. 1894 p. 1143); H. Jordan, Quaest. Ennianae, Königsberg 1885; G. Trieber, Hermes 
27 (1892) p. 327 (über das Grttndungsjahr Roms, Vs. 501 p.9iy.); O.Haube, Die Epen der 
röm. Litt, im Zeitalter der Republik, Schrimm 1895, p. 5; C. Pascal, Studl sugli scrittori 
latini, Turin 1900, p. 10; W. Soltau, Livius' Geschichtswerk, seine Composition und seine 
QueUen, Leipz. 1897, p. 42 (Verhältnis des Ennius zu Livius in der Erzählung des istrischen 
Krieges); H. Diels, Sitzungsber. der Berl. Akad. der Wissensch. 1898 p. 497 (will Fragment 
Nr. 30 der Oxyrhynchus Papyri auf die Annalen des Ennius beziehen). lieber verschiedene 
Stellen der Annalen handelt L. Valmaggi im Bollettino di filol. class. Bd. 3 — 5 und Rivista 
di filol. 29 (1901) p. 249; E. Giaceri, Per Ennio e Tito Livio (periodo Albano e fondazione 
di Roma), Rivista di storia antica N. S. 6 (1902) p. 58; J. Kvi6ala, Quaest. Ennianae pars 

Sior (Eos 8 (1902) p. 1); Zeitschr. für die österr. Gymn. 1906, p. 1, p. 97; L. Holzapfel, 
eil' öra Enniana iniomo alla fondazione di Roma (Rivista di storia antica N. S. 8 (1904) 
p. 108). Ueber das Akrostichon vgl. W. Meyer, Ges. Abb. 2 (Berl. 1905) p. 108. 

39. Ennius' übrige Werke. Ausser den Tragödien bearbeitete En- 
nius auch andere griechische Produkte. In seinem Epicharmus setzt 
Ennius in trochäischen Tetrametern naturphilosophische Lehren auseinander. 
Als die vier Elemente erscheinen Wasser, Erde, Luft, Sonne. Der Leib 
ist Erde, die Seele Feuer; Juppiter ist die Luft. Die Einkleidung war ein 
Traum; denn einer der ersten Verse lautetl: 

nam videbar somniare med ego esse tnortuum. 

Es fragt sich, wer hier der Sprechende ist. Man hat Ennius als Sprechenden 
angenommen; allein mit grösserer Wahrscheinlichkeit denkt man an Epi- 
charmus selbst. Der sicilische Dichter hat in seine Komödien viele philo- 
sophische Sätze eingestreut. Irgend einem Poeten kam der Gedanke, diese 
epicharmische Weisheit zu sfimmeln und zu erweitern; er wählte das 
Kunstmittel der Vision, er liess den Epicharmus in die Unterwelt steigen 
und seine Lehren von dem Meister selbst, von Pythagoras, holen. Ennius 
begnügte sich mit der Rolle des Uebersetzers. Dem Epicharmus wohnte 
die Tendenz der Aufklärung inne. Diese Tendenz zeigt noch in ver- 
stärktem Masse der Euhemerus oder die heilige Geschichte. Euhe- 
merus, Freund des Kassander, schrieb ein Buch, betitelt „heilige Urkunde ** 
{ts^a avayQatfri). Er gab nämlich vor, auf einer fernen Insel in einem 
Zeustempel eine Inschrift über die Urgeschichte der Welt auf einer Säule 
gefunden zu haben; darnach seien die Götter nichts als durch Klugheit 



120 



Q. Ennins. (§ 89.) 



hervorragende Menschen gewesen, die man vergötterte. Aus der ennia- 
nischen Bearbeitung gibt uns Lactantius die meisten Auszüge; dieselben 
sind in Prosa abgefasst und zwar in einer Prosa, die gar nichts Alter- 
tümliches enthält; m&n muss daher eine üeberarbeitung annehmen. Die 
gewöhnliche Ansicht, dass Ennius den Euhemerus in ein Gedicht um- 
gesetzt habe, entbehrt der stichhaltigen Begründung. Unter dem Titel 
„Feinschmeckerisches" (Hedyphagetica) schrieb Ennius ein gastro- 
nomisches Gedicht, aus dem sich ein der Form nach sehr hartes Frag- 
ment über die verschiedenen Fundorte der Fische erhalten hat. Es war, 
wie die Yergleichung zeigt, eine Bearbeitung der ^Hivna&eux betitelten 
gastronomischen „Rundreise" des Archestratus von Gela, der ein Zeit- 
genosse des Aristoteles war.*) Sehr wenig Fragmente sind uns auch vom 
Sota erhalten. Sota ist die Koseform von Sotades. Dieser zur Zeit des 
Ptolemaeus Philadelphus lebende Dichter ist der Hauptvertreter einer meist 
schlüpfrigen Unterhaltungsgattung im ionischen Mass. Diese führte der 
Sota des Ennius in die römische Litteratur ein und mit ihr zugleich das 
metrum Sotadeum. Aus den Praecepta, mit denen wohl der anderweitig 
citierte Protrepticus identisch ist, haben wir nichts als eine Sentenz in 
trochäischen Tetrametern und ein Wort. Auch Epigramme schrieb En- 
nius; es sind uns drei erhalten; zwei beziehen sich auf Scipio, das erste 
ist die Grabschrift, das zweite führt Scipio selbst redend ein, indem er 
über die Grösse seines Ruhmes spricht, in dem dritten verbittet sich der 
Dichter die Tränen nach seinem Tod, denn er lebe fort im Andenken der 
Menschen. In diesen Epigrammen kam zum erstenmal das elegische 
Distichon in der römischen Litteratur zur Anwendung. Die 
Epigramme werden dem Dichter auch Gelegenheit geboten haben, das 
Akrostichon in die römische Litteratur einzuführen. Das letzte, was wir 
von Ennius zu verzeichnen haben, sind die Satiren. Es waren nach glaub- 
würdigem Zeugnis vier Bücher. Dass die dialogische Form darin vorkam, 
beweist der Streit zwischen Tod und Leben, der den Satiren zugeteilt 
wird. Dieselbe zeigt sich noch einigemal in den Fragmenten. In die 
Satiren war auch die äsopisch^ Fabel von der Haubenlerche aufgenommen; 
am Schluss war ausdrücklich die Lehre beigefügt, dass man in dem, was 
man selbst tun könne, sich nicht auf die Freunde verlassen dürfe. Der 
Metra können wir in den Satiren verschiedene nachweisen. Als einen 
Teil der Satiren werden wir auch den Scipio zu betrachten haben. Es 
ist dies ein Panegyricus auf den Sieger von Zama, aber in verschiedenen 
Massen abgefasst. Bekannt sind aus demselben die schönen Verse, in 
denen der Dichter schildert, dass in die weite Welt tiefes Schweigen ein- 
zog, dass der grimme Herr des Meeres den wilden Wogen Ruhe gebot, 



^) Diesen Eindruck haben auch andere 
Forscher von den Fragmenten erhalten. So 
findet L. Müller (Q. Ennius p. 113) in ihnen 
.ebensowenig Verse als Archaisnien''. 6. 
Beruh ardy (Grundriss der rOm. Litt., Brann- 
schweig^ 1872, p. 421) sagt, dass dieselben 
von Späteren überarbeitet sein müssen, ,wenn 
man die glatte Diktion dieser Prosa betrach- 
tet*. 0. Ribbeck (Gesch. derröm. Dicht. 1' 



p. 47) findet in ihnen ,eine völlig moderni- 
sierte Form, welche uns von dem enniani- 
scheu Stil keine Ahnung gibt." Was Vahlen 
(Ausg. p. CGXXIV) beibringt, um „robiginem 
antiquitatis" zu erweisen, ist nicht sehr er- 
heblich. 

^) Ueber den Einfluss des Gedichts auf 
Lucilins vgl. F. Marx, Stud. Lucil., Bonn 
1882, p. 78. 



Q. Ennins. (§39.) 121 

dass der Sonnengott der Rosse schnelle Hufe zurückhielt und dass alle Flüsse 
stille standen und in den Bäumen sich kein Hauch mehr regte. 

Epicharmus. «) Cic. Acad. prior 2, 16, 51 tdem {Enniua) in Epicharmo. PriBcian. 
Granun. tat 2 p.841, 20 Ennius protulit in Epicharmo. Varro de lingna lat. 5, 59 Epichar- 
tnus dicit. 5, 68 Epicharmus Ennii, Die BruchBtflcke, die unter dem Namen des Epicharmus 
überliefert sind, weisen als Metrum den trochftischen Tetrameter auf. Es ist völlig ver- 
fehlt, wenn C. Pascal (Studi sugli scrittori latini, Turin 1900, p-21; nur aus AnfOhrnngen 
kenne ich: Pascal, Epicharmo e gli scrittori latini, Graecia capta 1905 p. 1, p. 19) dem 
Epicharmus Hexameter, die am Emgang der Annalen ihren passenden Platz nahen, zu- 
weisen und folglich den Epicharmus zu einer Satire mit buntscheckigem Inhalt machen will, 
die er dem vierten Buch der Satiren zuteilt, ß) üeber das Verhältnis des Ennius zu 
Epicharmus sind verschiedene Ansichten vorgebracht worden; die wahrscheinlichste ist 
die, dass Ennius ein unter dem Namen Epicharmus gehendes Gedicht negl (pvaeiog übertragen 
hat. Dafür spricht die Analogie des Euhemerus; vgl. ü. Wilamowitz, Euripides Heracles 1 
(Berl. 1889) p.30 Anm.; G. Kaibel, Comicorum graec. fragm. 1 (Berl. 1899) p.l35; Vahlen, 
Ausg. p. CCXVIII. Allem Anschein nach aber war dieser dem Ennius vorliegende Epicharmus 
eine Fäbchung (vgl. dagegen E. Rohde, Psyche, Freib. 1894, p. 551 Anm. 1). unwahrschein- 
lich ist die Ajosicht, dass Ennius selbst aus den Komödien des Epicharmus Gedanken aus- 
gehoben und zu einer Sammlung vereinigt hatte, y) Die Einkleidung ist ein Traum, 
in dem der Erzähler glaubte, in der Unterwelt zu sein. Es fragt sich, wer derjenige ist, der 
seinen Traum erzählt. Gewöhnlich nimmt man an, dass Ennius der Träumende ist und 
sich von Epicharmus, der redend eingeführt wird, in der Unterwelt belehren lässt. A. Die- 
terich (Nekyia, Leipz. 1893, p. 132) teilt den Traum und die Erzählung des Traumes dem 
Epicharm selbst zu. Wenn es richtig ist, dass Ennius ein naturphilosophisches Gedicht 
mit dem Titel Epicharmus übersetzte, so wird er auch das Kunstmittel des Traumes dort 
vorgefunden haben. Wenn auch Ennius erzählte, so hätten wir zwei Sprechende, und das 
Gitat Epicharmus dicit wäre dann doch auffallend. Nach Cicero (Acad. pr. 1. c.) müsste 
man allerdings annehmen, dass Ennius der Träumende war; es liegt wohl ein Miss Ver- 
ständnis oder eine Flüchtigkeit von seiten Ciceros vor. — £. Maass, Orpheus, München 
1895, p. 227 Anm.; G. Ettig, Acheruntica (Leipz. Stud. 18 (1891) p. 344). — Fragmente 
bei L. Müller p. 77; Baehrens p. 128; Vahlen p. 220; auch Kaibel 1. c. und H. Diels, 
Die Fragmente der Vorsokratiker, Berl. 1903, p. 100. 

Euhemerus. er) Cic. de nat. deor. 1, 42, 119 quae ratio (dass die Götter eigentlich 
berühmte verstorbene Menschen sind) maxime tractata ab Euhemero est, quem noster et 
interpretatus et secutus est praeter eetei'os Ennius. ab Euhemero autem et mories et sepuU 
turae demonstrantur deorum. üeber die romanhafte Einkleidung, die Euhemerus seiner 
rationalistischen Darstellung vorausschickte, vgl. E. Rohde, Der griech. Roman, Leipz.' 1900, 
p. 236. Ueber das System des Euhemerus vgl. R. de Block, Enhemöre, son livre et sa 
doctrine, Mona 1876; P. J. Maria van Gils, Quaest. Euhemereae, Diss. Amsterdam 1902, 
und dagegen J. Tolkiehn, Wochenschr. für klass. Philol. 1903 Sp. 540. Erste kritische 
Sammlung der Fragmente von G. N^methy, Euhemeri reliquiae, coli, prolegomenis et ad- 
notationibus instr. G. N., Budapest 1889; vgl. auch J. Geffcken, Die babylonische SibvUe 
(Nachr. der Gott. Ges. der Wissensch. 1900 p. 95). ß) Ausser Cicero kannte die üeber- 
setzung auch Varro r. r. 1, 48 apud Ennium .... t» Euhemeri libris versis. Lactantius 
citiert diese Uebersetzung (div. inst 1, 13, 14): Ennius in Euhemero dicit oder (1, 11, 44): 
Ennius in sacra historia, an einer Stelle 1, 14, 6 sacra scriptio, J. Vahlen hat darnach ver- 
mutet, dass die Uebersetzung den Doppeltitel Euhemerus, sacra historia führte; doch würde 
dem griechischen nvayQatprj scriptio mehr entsprechen; vgl. A. Riese, Rhein. Mus. 18 (1863) 
p. 448. Gegen Krahners (Grundlinien zur Gesch. des Verfalls der röm. Staatsreligion, 
Halle 1837, p. 37) unberechtigte Hypothese vgl. 0. Sieroka, De Euhemero, Dies. Königsberg 
1869, p. 5. Augustin hatte, wie Vahlen (Sitzungsber. der Berl. Akad. 1899 p. 276) gezeigt 
hat, die sacra historia nicht selbst gelesen, y) Die Fragmente, die Lactantius beibringt, 
sind in Prosa abgefasst; er deutet mit keinem Worte an, dass Euhemerus ursprünglich ein 
Gedicht gewesen, sondern er stellt die sacra historia sogar den Dichtererzeugnissen gegen- 
über; vgl. div. inst. 1, 14, 1: aperiamus ea quae veris litteris continentur, ne poetarum in- 
eptias in accusandis religionibus sequi ac probare videamur, haec Enni verba sunt. Da 
man Ennius nur als Dichter kannte, hat man angenommen, dass die üebertragung des 
Ennius ursprünglich in Versen abgefasst war (vgl. L. Müller, Q. Ennius p. 113). Auf diese 
Üebertragung wollte einst Vahlen einen Hinweis in Columellas Worten (9, 2): Euhemerus 
poeta erblicken; allein 0. Crusius (Rhein. Mus. 47 (1892) p. 63) hat mit Recht eingewendet, 
dass Columella den Euhemerus nicht selbst eingesehen hatte, sondern ihn nur aus Hygin 
kannte, und dass er, da er ihn dort mit Dichtem angeführt fand, unrichtig geschlossen habe, 
dass auch Euhemerus ein Dichter sei. In seiner zweiten Ausgabe hat Vahlen (p. CCXXII) 
selbst seinen Beweis als hinfällig anerkannt. Auch ein anderer Beweis, auf den sich 



122 Q. Bmiiiia. (§39.) 

N^methy (p.l9) stützti dass der von Nonias (p.216,28M.) beigebrachte Hexameter (aiiDal.28 

S. 7 y.) aus dem EnhememB stamme und damit den poetischen Charakter der Uebertragung 
artae, ist anhaltbar; vgl. Yahlen, Ausg. p. CCXXII. Die Annahme von der orsprOnglichen 
poetischen Anlage des Enhemems kann sich nur darauf stfltzen, dass aus den Fragmenten 
bei Lactanz noch der Rhythmus herausklinge; man wollte trochäische Tetrameter heraus- 
lesen; vgl. B. ten Brinky M. Terentii Varronis locus de urbe Roma; Varronianis accedunt 
Q. Ennii M)ologus Aesopicus et reliquiae Euhemeri versibus quadratis, Utrecht 1855; Yahlen, 
Ausg. p. UCXXn. Allein nichts ist trügerischer als solche Versuche; die Fragmente haben 
weder im Ton noch im Inhalt etwas Poetisches. Die Ansicht, dass die poetische sacra historia 
in Prosa umgesetzt worden sei, ist irrig. — F. Zucker, Euhemeros und seine "'ff^* 
dvaygafp^ bei den christl. Schriftst. (Philol.64 (1905) p.465). — L. Müller p. 78; Baehrens 
p. 126; Yahlen p. 223. 

Hedyphagetica. Apuleius apol. 39 Q. Ennius hedyphagetiea (Laurentianus: hede- 
sphagitica) verHhus Bcripsit. innumerabüia genera piseium enumercU, quae scilicet euriose 
eognorat. Mit Unrecht bezweifelt wohl Yahlen (Ausg. p. CCXVIII; vgl. noch Rhein. Mus. 
16 (1861) p. 581), dass Apuleius mit Hedyphagetica den Titel der Schrift habe geben wollen. 
Yon den Versen des Ennius stimmt manches mit Fragmenten des Archestratus von Qela 
(vgl. fragm. 56 p. 156 Brandt), der eine gastronomische Rundreise geschrieben hat. Die- 
selbe wird mit verschiedenen Titeln bezeichnet, der echte scheint aber 'HdvTtdSeia zu sein 
(S.E. Sakellaropoulos, r^afif^atixa xal xQitixd in memoriam Luciani Muelleri, Athen 1900, 
p. 8: ijdvnd&eia <payf^Ttxij). Die Fragmente des Archestratus von Gela bei W. Ribbeck, 
Archestrati Syracnsii sive Gelensis reliquiae, Berl. 1877; P. Brandt, Corpusculum poesis 
epicae graecae ludlbundae fasc. 1: Parodorum epicorum Graec. et Archestrati reliquiae, 
Leipz. 1888, p. 140; G. Schmid, De Archestrati Gelensis et Q. Ennii fragmentis quibusdam 
in Journal des Ministeriums ffir Yolksaufklärung, St. Petersb. 1897. lieber Berührungspunkte 
mit anderen Autoren vgl. C.Pascal, Studi sugli scrittori latini, Turin 1900, p.25. — L.Müller 
p. 83; Baehrens p. 130; Yahlen p. 218. 

Sota. Wir finden citiert: Yarro de lingua lat. 5, 62 in Sota Enni, Fronte p. 61 Naber 

Sota Ennianus retnissus a te etc., Festus p. 590 M. Ennius Sotadico versu, p. 356 Ennius 

in Sota (überliefert nasota). lieber den Namen vgl. 0. Müller, Ausg. des Festus p. 413: 
„Sota Graece est Itotdg, nota hypocoristici forma pro pleniori Itoxdötig positum, ut AXe^dq 
pro 'AX^^avdgof et multa ad eundem modum formata"; vgl. A. Fick-Bechtel, Die griech. 
Personennamen, Gütt. 1894, p. 29. lieber Sotades vgl. F. Susemihl, Gesch. der griech. Litt, 
in der Alexandrinerzeit 1 (Leipz. 1891) p. 245; W. Christ, Gesch. der griech. Utt., Mün- 
chen« 1905, p. 566. — L. Müller p. 84; Baehrens p. 181; Yahlen p. 217. 

Praecepta sive Protrepticus. Charis. Gramm, lat. 1 p. 54, 19 Ennius in Pro- 
treptico. Priscian. Gramm, lat. 2 p. 532, 17 Ennius in praeceptis, Yahlen, Ausg. p. CCXYIl: 
«Credibile fit Ennium hic quoque Graecum exemplum Latine expressum extuUsse.*^ un- 
richtig teilt Pascal (Studi etc. p. 21) die Praecepta dem Epicharmus zu. — L. Müller 
p. 83; Baehrens p. 131; Yahlen p. 218. 

Epigramme. Ausser den im Texte erwähnten drei Epigrammen teilt Yahlen die 
Grabschrift des Ennius (vgl. unten p. 126) dem Dichter selbst zu, weil Cic. Tusc. 1, 15, 34 
dieser Meinung war. Allein man wird doch eher anzunehmen haben, dass das Epigramm 
von einem anderen herrührt; vgl. auch oben p. 112 und L. Müller, Ausg. p. 247. Ueber 
die Einführung des Distichons durch Ennius vgl. Isidor. orig. 1, 38: elegiacus - hic omnino 
vix constat a quo sit inventus, nisi quia apud nos Ennitis eo prior usus est. — Fragmente 
bei L. Müller p. 85; Baehrens p. 125; Yahlen p. 215; vgl. auch F. Plessis, Epitaphes, 
Paris 1905, p. 45. 

Das Akrostichon. Cic. de divin. 2, 54, 111 nan esse autern illud carmen furentis 
cum ipsum poema declarat .... tum vero ea, quae dxQoaxixli dicitur, cum deinceps ex primis 
primi cuiusque versus litteris aliquid conectitur, ut in quibusdam Ennianis: Q. Ennius 
fecit, Id certe magis est attenti animi quam furentis. Ueber die Anwendung des Akro- 
stichon bei Epicharmus vgl. Diog. Laert. 8, 3: na^ttinixldia iy roh nXelftroig xiäy vnofiyrjfid- 
rtoy iteTtolrjxev, olg dtacaffct ort avrov iari td avyyQdfjtfAuttt. Man hat ohne zwingenden 
Grund im Hinblick auf diese Stelle gefolgert, dass das Akrostich in dem Epicharm des 
Ennius zur Anwendung kam. — U. Wilamowitz, Euripides Heracles 1 p.SOAnm.; H.Diels, 
Die Fragmente der Vorsokratiker, Berl. 1903. p. 91; C. Pascal, Studi sugli scrittori latini, 
Turin 1900, p. 24. Dem Ennius folgte Aurelius Opilius (Cos. 105), der in seinem Verzeichnis 
echt plautinischer Stücke (pinax) durch ein Akrostichon seinen Namen angab (Suet. de 
gramm. 6). Vgl. fl. Diels, Sibyll. Blätter, BerL 1890, p. 26, p. 35 und M. Schmidt, Rhein. 
Mus. 20 (1865) p. 457. — L. Müller p. 88; Baehrens p. 132; Yahlen p. 239. 

Die Satiren des Ennius. a) Das Wesen der Satira. Diomedes Gramm, lat 1 
p. 485, 30 (vgl. auch die Ueberlieferung bei Porphyrie p. 328 Holder) satira dicitur carmen 
apud Romanos nunc quidem maledicum et ad carpenda hominum vitia archaeae comoediae 



Q. Ennins. (§ 39.) 123 

eharaetere compositum^ quaU seripserunt Lucilius et Horatius et Peraius, aed olim carmen 
guod ex variie poemcUibus eonstabcU aatira vocabatur, quäle ecripaerutU Pacuviue et Enniue. 
lieber den Namen sagt Oiomedes: eatira autem dicta eive a Satyris, quod aimiliter in hoc 
carmine ridicul<te res pudendaeque dicuntur, quae velui a Satyrie proferuntur et fiunt: eive 
aaiura a lanee quae referta variis muUisque primitiis in saero apud priscos dis inferebatur 
et a copia ac saturitate rei satura vocabatur .... eive a quodam genere farciminis, quod 
multis rebue refertum eaturam dieit Varro vocitatum. est autem hoc poeitum in secundo 
libro Plauiinarum quaestionum, 'satura est uva passa et polenta et nuclei pini ex mtdso 
consparsi\ ad haee alii addunt et de malo punico grana, alii autem dictam putant a lege 
satura, quae uno rogatu muUa simul conprehendat, quod scilicet et satura carmine mülta 
simul poemata conprehenduntur, cuius saturae legis Lucilius meminit in primo (fr. 48 p. 6 
Marx) et Sallustius in Jugurtha (c. 29). Aus diesen Worten geht hervor, dass die Satiren 
des Ennius eine Sammlung yermischter Gedichte, die in verschiedenen Massen geschrieben 
waren, darstellen. Die persönlichen Angriffe, die in den Satiren des Lucilius zutage traten, 
fehlten hier noch (anders £. M. Pease, The satirical element in Ennius (Transactions and 
Proceedings ofthe American philol.association 27 (1896)p.XLyiII; vgl.§55). /9) Als Titel dieser 
Sammlung vermischter Gedichte vermutet F. Marx (Lucilius 1 p.KIY) poemata per scUuram. 
Die Citate lauten: Nonius p.474, 25 Ennius satyrarum Hb, I. Scholia Daniel. zuYerg. Aen. 
12, 121 Ennius saturarum IL Macrob. Sat. 6, 5, 5 Ennius in libro sdbinarum (Golumna: 
saturarum) quarto. Ueber die Zahl der Bflcher vgL Porphyrie zu Horat. serm. 1, 10, 46: 
Ennius quattuor libros saturarum reliquit. Das Zeugnis, das fttr ein 6. Buch der Satiren 
aus Donat zu Terent. Phormio 2, 2, 25 (2 p. 432 Wessner) angeführt wird, kann, selbst wenn 
die Ueberlieferung gesicherter wäre, gegen dieses bestimmte Zeugnis nicht in Betracht 
kommen, y) Ueber die Stoffe vgl. Quintü. 9, 2, 36 : sed formas quoque fingimus saepe, ut 
Famam Vergilius, ut Voluptatem ae Virtutem .... Prodicus, ut Mortem ac Vit am, quas 
eontendentes in satura tradit Ennius, Ueber diese Agone handelt vortrefflich A.Die- 
ter ich, Pulcinella, Leipz. 1897, p. 78, der besonders an Epidiarms Streit zwischen Erde und 
Meer erinnert; vgL auch R. Hirzel, Der Dialog 1 (Leipz. 1895) p. 42li Gellius 2,29,20 
hunc Aesopi apologum (die Fabel von der Haubenlerche) Q. Ennius in satiris scite ad- 
modum et venuste versibus quadratis composuit, Gellius teilt die zwei Schlussverse mit. Ver- 
suche, die von Ennius mitgeteilte Fabel in trochilische Tetrameter umzusetzen, wurden ge- 
macht von B. ten Brink (vgl oben p. 122) und 0. Ribbeck, Rhein. Mus. 10 (1856) p. 290. 
Ebenso hat F. Buecheler (Rhein. Mus. 41 (1886) p. 5) die Fabel des Hygin Nr. 220 über 
die Gnra auf Ennius zurückgeführt und in trochftische Tetrameter umgesetet. d) Unrichtig 
ist die Ansicht L. Müllers (Q. Ennius p. 107), «dass die Ambracia, die Lehrgedichte Epi- 
charmus, Euhemerus, Protreptica und Hedyphagetica, endlich der Sota und die Epigramme 
Teile der Satiren ausmachten*. — L. Müller p. 73; Baehrens p. 116; Vahlen p. 204. — 
A. Petermann, Ueber die Satire des Ennius, 1. und 2. Teil, Progr. Hirschberg 1851/52; 
0. Keller, Ueber das Wort satura (PhiloL45 (1886) p. 389); C. Pascal, De Ennio Dionysii 
imitatore (Studi sugli scrittori latini, Turin 1900, p. 45); vgl. Athenaeus 15, 669 D. 

Scipio. Wir finden folgende drei Citate: Gellius 4, 7, 3 solius Ennii versum unum 
ponit ex libro, qui Scipio inscribitur, Macrob. Sat. 6, 2, 26 Ennius in Sdpione, ebenso 6, 4, 6. 
Die Citate, besonders das des Gellius, scheinen auf ein selbständiges Werk zu deuten. Aber 
man darf nicht mit G. ROper (De Ennii Scipione, Danzig 1868) den Scipio als eine Praetexta 
betrachten. Wenn nun Suidas s. v. "Evviog sagt: Ixiniatva ^6atv xai inl fieya xov aydga 
iittQtti ßovXofjLSvos (ptjat fjiovov av "OgjLtjqoy ina^iovg inaiyovg einslv £xinltoyogy so muss man, 
da diese Worte sich unstreitig auf unser Gedicht beziehen, schliessen, dass Ennius im An- 
fang sein Unvermögen, die Tat des Scipio zu besingen, berührt habe. Eine solche Ent- 
schuldigung ist aber nur in einem epischen Gedicht möglich. Ueber die Beschaffenheit 
dieses Epos ist es aber schwer, ins Reine zu kommen. Von den angeführten drei Stellen 
geben zwei Fragmente in trochfiischen Tetrametern (Gellius: qudque propter Ednnibalis 
edpias considerat; Macrob. Sat. 6, 2, 26 die wunderschönen Verse: mundus caSli vasttis com- 
stiiit siUntio \ H Neptunus sa4vus undis dsperis pausdm dedit, \ Söl equis itir repressit 
üngulis voldntibus, \ c6nstitere amnSs perennes, drbores ventö vacant), die dritte Stelle bietet 
den berüchtigten Hexameter: sparsis hastis longis campus splendet et horret. Auch Lucilius 
kannte den Vers und tadelte ihn; vgl. Servius zu Verg. Aen. 11, 601 (1190 p. 81 Marx). 
Da ein Irrtum hier schwer anzunehmen ist (unwahrscheinliche Vermutung bei 0. Ribbeck, 
Comicorum Rom. fragm., Leipz.' 1873, p. CXVIl), enthielt der Scipio Gedichte in verschie- 
denen Versmassen, erfüllt also den Begriff der satura, wie er von Diomedes (Gramm, lat. 1 
p.485) festgestellt wird, als ein carmen quod ex variis poematibus constat. Damit werden 
wir aber dazu gedrängt, den Scipio als einen Teil der Saturae des Ennius anzusehen, 
wie zuerst L. Lorsch, De Ennii Scipione (Rhein. Mus. 5 (1837) p. 420) erkannt hat, und 
zwar legt der Inhalt einiger Fragmente nahe, denselben dem dritten Buch einzureihen. Und 
so haben auch L. Müller und Baehrens getan, während Vahlen (p. CCXVI) und Rib- 
beck (Gesch. der röm. Dicht. 1' Anm. zu S. 32) den Scipio von den Satiren getrennt wissen 



124 Q* Bnnins. (§ 89a.) 

wollen. BeEÜglich der Abfaasnngszeit statuiert L. Müller (Q. Ennins p. 110), daaa da« 
Gedicht nach dem Tode Scipios (183), Yahlen (p. XU), dass ea nach der Rückkehr Scipioe 
ans Afrika verfaBst sei. Die Entacheidung hängt davon ab, welche Fragmente man dem 
Bach zuweist. Anf das Gedicht bezieht sich wohl Horat. carm. 4, 8, 20. Zur Rekonstruk- 
tion vgl. C.Pascal, Stndi sugli scrittori latini. Tarin 1900, p. 3. — L. Müller p. 74; 
Baehrens p. 116; Vahlen p. 212. 

39 a. Charakteristik. Für die Entwicklung der römischen Kunst- 
litteratur wurde das Jahr 204 ein epochemachendes, es war das Jahr, in 
dem der alte Cato Ennius nach Rom brachte. Durch ihn machte die 
Hellenisierung der römischen Litteratur einen bedeutsamen Fortschritt. Seine 
Tragödien bürgerten die griechische klassische Tragödie in Rom völlig ein. 
Die glänzenden Aufführungen derselben bewirkten, dass den Römern der 
Sinn für die tragische Schönheit allmählich erschlossen wurde. Auch der 
neueren griechischen Komödie wandte er seine Augen zu, doch mochte 
er hier erkennen, dass er mit seinem Zeitgenossen Plautus auf diesem 
Gebiet nicht um die Palme ringen könne; er liess es daher bei einigen 
Versuchen bewenden. Dagegen führte er noch eine Reihe von Werken 
der hellenistischen Litteratur bei den Römern ein ; es genügt, an Epichar- 
mus, Euhemerus, Sotades, Archestratus zu erinnern. Aber der geniale 
Dichter stellte sich noch ein höheres Ziel: er erkannte, dass die römische 
Poesie erst dann vollständig ihren Beruf erfülle, wenn sie sich zwar in 
der poetischen Technik an die griechischen Meister anlehne, ihre Stoffe 
aber aus dem Born des nationalen Lebens selbst schöpfe. Schon in der 
tragischen Dichtung beschritt Ennius diesen Weg; für zwei Tragödien 
nahm er den Stoff aus der römischen Geschichte. In der einen griff er 
auf eine der schönsten Sagen der Vorzeit zurück, in der anderen knüpfte 
er unmittelbar an die Ereignisse des Tages an. Nicht als üebersetzer, 
sondern als Nachahmer der Griechen trat er hier auf. Einen noch grösseren 
Schritt in der Nationalisierung der Poesie tat er, indem er die Taten des 
Scipio Africanus in einem Gyklus von Gedichten in verschiedenen Massen 
verherrlichte. Aber das höchste Ziel, das dem Dichter vorschwebte, war 
doch, dem römischen Volke ein Nationalepos zu spenden und ihm so ein 
zweiter Homer zu werden. Die Sagenreiche Geschichte Roms und seine 
ruhmvollen Taten erschienen ihm als der geeignetste Stoff für ein Epos im 
grossen Stil. Die poetische Kunst musste natürlich auch hier den Griechen 
abgelernt werden. An die Stelle des in gebrochenem Schritt einher- 
schreitenden Saturniers musste der flüssige melodische Hexameter treten, 
eine grossartige Neuerung, durch welche die Verskunst der Römer für 
alle Zeiten in griechische Bahnen gelenkt wurde. Der Dichter erreichte 
das hohe Ziel: seine Annalen wurden das nationale Epos der republikani- 
schen Zeit. Ennius, dem dieser grosse Wurf gelang, hatte auch sonst 
noch eine glückliche Hand; er stellte eine Sammlung vermischter Gedichte 
zusammen und legte dadurch, ohne es vielleicht zu ahnen, den Grund zu 
einer poetischen Litteraturgattung, welche bei den Römern mehr als eine 
andere nationales Gewand erhalten sollte. Selbst für die Ausbildung der 
lateinischen Sprache war der geniale Fremdling nicht ohne Erfolg tätig. 
Die Regelung der lateinischen Schrift lag ihm am Herzen, durch Ein- 
führung der Konsonantenverdoppelung hat er sich hier ein bleibendes Denk- 



Q. EnnioB. (§ 89 a.) 125 

mal gesetzt. Ein noch grösseres Verdienst aber war es, dass er durch 
Einführung des Hexameters dem Verfall der Endsilben Einhalt gebot. 
Wahrscheinlich waren die orthographischen und metrischen Probleme in 
eigenen Schriften behandelt. 

So tritt Ennius als eine glänzende Erscheinung in die Qeschichte des 
römischen Volkes ein. Allein dem glänzenden Bilde fehlt auch die Kehr- 
seite nicht. Der Dichter, der, wie die Muse ihm sagte, den Römern 
das feurige Lied aus dem Herzen heraus kredenzte, reichte ihnen auch 
den Becher der Aufklärung, welcher zersetzend auf das feste Gefüge des 
römischen Lebens wirkte. Sein Epicharmus und sein Euhemerus zer- 
störten die naiven Vorstellungen von den Göttern, die Tragödien boten 
ebenfalls Anlass dar, den alten Glauben zu erschüttern,^) und auch die 
schlüpfrige Poesie der Griechen erhielt jetzt in Rom das Bürgerrecht. Aber 
das wurde alles vergessen. Seine Annalen hatten sich zu tief in die 
Herzen des römischen Volkes eingegraben;*) dieses Werk bildete einen 
unvergänglichen Ruhmestitel, so dass ein Dichter unter sein Bild die 
Charakteristik setzen konnte: 

Ä8pieite, o cives, senis Enni imaginis formatn: . 
hie vestrum panxit maxima facta patrutn. 

Litteratur zur Charakteristik des Ennias. Ausser den oben beim Leben an- 
gegebenen Schriften vgl. noch Mommsen, ROm. Gesch. 1' p. 918; 0. Ribbeck, Gesch. der 
rOm. Dichtung P (Stattgart 1894) p. 27; W. Y. Sellar, The Roman poets of the republic, 
Oxford* 1889, p. 62; E. Baehrens, Ennins nnd seine Vorgänger (Fleckeis. Jahrb. 188 (1886) 
p. 401); M. Patin, i^tudes sor la po^e latine 2* (Paris 1875) p. 1. 

Die Sprache des Ennius. L. Mttller, Q. Ennius p. 190; F. Skutsch 8p. 2624. 
Ueber den Wortschatz der Annalen vgl. Reichardt (oben p. 119); L. Yalmaggi, Quaest. 
grammaticae Ennianae, Rivista di filol. 29 (1901) p. 45 (über die Deklination griechischer 
Worte); L. Sniehotta, De vocum graecarum apud poetas latinos dactylicos ab Ennii usque 
ad Ovidii tempora usu, Diss. Bresl. 1903. 

Zur Prosodie und Metrik des Ennius. Vgl. das Kapitel in L. MttllersQ. En- 
nius p. 219: Metrik und Prosodie; Skutsch Sp. 2620; 6. üngermann, Q. Ennius poeta 
versu hexametro in litteras lat. inducto quatenus meritus sit, Progr. Coblenz 1866; G. Pascal, 
De apocope Enniana (Studi etc. p. 45); L. Havet, Les anapestes d'Ennius (Revue de philol. 
14 (1890) p. 37). Ueber auslautendes s vgl. F. Leo, Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 801; 
Aber auslautendes m vgl. ebenda p. 305. 

Ennius als Grammatiker und der sog. jüngere Ennius. Festus p. 293 0. M. 
HuUa geminabatur littera in scribendo. quam eonsuetudinem Ennius mutavisse fertur, ut- 
pote Graeeus graeco more usus, quod illi aeque scribentes ae Ugentes duplieahant mutas, 
semivocalea et liquidas, Ueber die Verdoppelung in Inschriften vgl. F. Ritschi, Opusc. 4 
p. 165. Dass auch in messapischen Inschriften die Verdoppelung üblich war, bemerkt 
W. Deecke, Rhein. Mus. 36 (1881) p. 577. Varro de lingua lat. 5, 86 (p. 238 V.) nunc ß 
foedus, quod fidus Ennius scribit dictum, Gharis. Oramm. lat. 1 p. 98, 12 (p. 238 V.) erum- 
nam Ennius ait per e solum scribi posse, quod mentem eruat, et per a et e, quod maerorem 
nutriat. Alle drei Zeugnisse beziehen sich auf die Orthographie. Die erste Stelle geht 
zweifellos auf unseren Dichter, bei den zwei anderen Stellen schwanken die Gelehrten 
(vgl. M. Hertz, Vahlen, Ausg. p. 238 zu 49), ob hier der Dichter oder ein jüngerer Gram- 
matiker gemeint sei, den Sueton an folgender Stelle erwähnt (de gramm. 1): quod nonnulli 
tradunt duos Jibros de litteris syllabisque, item de metris ab eodem Ennio (d. h. dem 
Dichter) editos, iure arguit L. Cotta non poetae sed posterioris Ennii esse, cuius etiam de 
augurandi disciplina volumina ferantur. Wer dieser L. Gotta war, lässt sich nicht 
feststellen; man hat an den Legaten Gaesars L. Aurunculeius Gotta (§ 180) gedacht, der 
eine politische Broschüre geschrieben, oder an den Konsul des Jahres 65, L. Aurelius Gotta 
(M. Hertz, Analecta ad carminum Horat. bist. 8, Ind. lect. Bresl. 1879, p. 9 Anm. 2). Allein 
diese Zuteilung hat wenig Wahrscheinlichkeit. Aus der Suetonstelle geht hervor, dass die 
Meinungen der Kritiker über zwei der angeführten drei Schriften geteilt waren. Manche 

») Vgl. Sen. 816 p. 178 V. 

>) 0. Seeck, Die Kalendertafel der Pontifices, Berl. 1885, p. 14. 



126 Q. Enniiu. (§ 39b.) 

schrieben ,de litteris sjllabisque" und «de metriB* dem Dichter Ennina zu, während sie 
L. Cotta einem anderen Ennius znerkannte, von dem auch eine Schriffc de aognrandi disci- 
plina in Umlauf war. An den Dichter Ennius als den Verfasser der letzten Schrift scheint 
niemand gedacht zu haben. Da es sicher bezeugt ist, dass Ennius an die Orthographie 
der lateinischen Sprache Hand anlegte» da weiterhin sicher ist, dass die Einführung des 
Hexameters Ennius zwang, prosodische und metrische Studien zu machen, erscheint es 
nicht ungereimt, dem Ennius die zwei Schriften zuzuteilen und die drei ausgeschriebenen 
Stellen auf ihn zu beziehen. Diese Annahme gewinnt aber dadurch sehr an Wahrschein- 
lichkeit, dass die Existenz eines von dem Dichter verschiedenen jüngeren Grammatikers 
sehr problematisch ist (vgl. Breidenbach p. 14); sie hängt im wesentlichen ab von dem 
Anecdotum Parisinnm (Suetoni rel. ed. Reift er scheid p. 187; Gramm, lat. 7 p. 534, 4): his 
Bolis (die angeführten griechischen Zeichen) in adnotationibus Ennii Lueüii (cod. Ludi) et 
historicomm usi sunt varria ?ienniti8 haelius aeguae et postremo Probus. Hier hat man 
nun den Grammatiker Ennius erkennen wollen; so schreibt F. Marx, Lucilius 1 p. LYUI: 
Varro, S. (= Spurius) Ennius; allein Th.Bergk (£Q.philol. Sehr. 1 p. 594) vermutet: usi sunt 
Varffunteius, Laelius Archelaus et postremo Probus. Die Schreibung Kargunteius statt varrfs 
hennius muss aber als eine sehr probable bezeichnet werden. Es bliebe nur noch der Ver- 
fasser der dritten Schrift: de augurandi disciplina. Es fragt sich, ob der Verfasser wirk- 
lich Ennius hiess, oder ob er nur die Maske des alten Dichters vorgenommen hatte. Mit 
Rücksicht auf das ferantur möchte ich mich für das letzte entscheiden. Cotta hätte also 
zwei Fehler gemacht: er hätte nicht erkannt, dass die Schrift de augurandi disciplina apo- 
kryph ist, und hätte fälschlich die grammatische und die metrische Schrift dem alten Enmos 
abgesprochen. Wenn es richtig ist, was wir über Ennius als Grammatiker auseinander- 
gesetzt, so wird sich auch auf ihn folgende Stelle beziehen (Isidor. orig. 1, 21): vulgares 
notas Ennius primus miUe et centum invenit. Gewöhnlich versteht man die Stelle so, dass 
Ennius 1100 Abkürzungen aufgestellt habe. W. Deecke (Rhein. Mus. 86 (1881) p. 577) 
hat darauf aufmerksam gemacht, dass in messapischen Inschriften stenographische Ab- 
kürzungen vorkommen. Vielleicht handelt es sich aber hier gar nicht um eine Zahlangabe, 
sondern um die litterae singulares M und G; vgl. Weinberg er p. 685. 

Litteratur. W. Schmitz, Verh. der Trierer Philologenvers. 1880 p.59; H. Breiden- 
bach, Zwei Abhandlungen über die tironischen Noten, Darmstadt 1900; L. Valmaggi, 
Oome trascrisse Ennio il greco 9)? (Atti d. R. accad. di Torino 35 (1900) p. 780); W. Wein- 
berg er. Der Dichter Ennius als Verfasser eines orthographischen Hilfsbuches (Philol. 63 
N. F. 17 (1904) p. 688); H. A. Sanders, Transactions and Proceedings of the American 
phüol. association 82 (1901) p. XXVI. 

39b. Fortleben des Ennius. Ennius war sich seines dichterischen 
Wertes bewusst; sehr bezeichnend dafür ist das von ihm gefertigte Epi- 
gramm: 

Nemo me lacrimis decoret nee funera fletu 
faxit, cur? volito vivos per ora virum. 

Seine Erwartung wurde in der Tat erfüllt; bis in die spätesten Zeiten der 
römischen Litteratur lebte sein Name fort. Als die Philologie durch Grates 
von Mallos nach Rom kam, wurde Ennius sofort in den Kreis der philo- 
logischen Forschung gezogen; Yargunteius machte den Dichter zum 
Gegenstand öffentlicher Recitationen, welche stark besucht wurden.^) Aber 
auch gelesen wurden die Annalen sehr viel, und ihre Spuren lassen sich 
allenthalben in den verschiedenen Zweigen der Litteratur aufdecken. Von 
dem Historiker L. Gaelius Antipater wird ausdrücklich berichtet, dass 
er Ennius eifrig nachgeahmt habe. Lucilius, der für das gesamte soziale 
Leben der Römer sein Auge offen hielt, unterwarf den Rudiner einer 
kritischen Betrachtung.*) Auch die litterargeschichtliche Forschung zog 
Ennius in ihren Kreis; Porcius Licinus berücksichtigte ihn,*) und Vol- 
cacius Sedigitus wies ihm eine Stelle in seinem Kanon der Palliaten- 
dichter an.^) Wir erhalten jetzt auch ein Zeugnis von einem Commentar 



») Vgl. p. 118. 
•) Vgl. p. 123. 



*) Vgl. Varro de lingaa lat. 5, 158. 
*) Vgl. p. 115 und § 62 b. 



Q. EnniiiB. (§ 39b.) 127 

zu den Annalen, den M. Antonius Qnipho schrieb.^) Sein Zeitgenosse 
M. Pompilius Andronicus verfasste elenchi, kritische Untersuchungen 
zu dem historischen Gedicht, welche ein merkwürdiges Schicksal hatten.*) 
Wir treten in die ciceronische Epoche der römischen Litteratur ein; es 
waren seit dem Tode des Ennius etwa 100 Jahre verflossen, aber der 
Dichter hatte noch immer seine Bewunderer; zu ihnen gehörte der grosse 
Meister Lucrez, der dem Ennius das Lob erteilte, dass er den unver- 
welklichen Kranz von Helikons Höhen in Italiens Gefilde gebracht habe. 
Cicero hegte die grösste Begeisterung für Ennius, spricht von ihm mit 
der wärmsten Anerkennung und wird nicht müde, Verse aus ihm in seine 
Darstellung einzuflechten.') Der Enthusiasmus für das alte Römertum 
musste auch den Polyhistor Yarro zu Ennius hinziehen. In seinen sprach- 
lichen Untersuchungen nahm er gern aus dessen Gedichten Beispiele; aber 
auch in seinen Satiren spielt er oft auf den Dichter an, ein Beweis, dass 
damals Ennius noch ein vielgelesener Autor war.^) Aber in dem cicero- 
nischen Zeitalter begann doch schon eine Reaktion gegen Ennius. Die 
jungrömische Dichterschule, an deren Spitze Catull stand, wollte nichts 
von den langgedehnten Epen wissen und sah mit Geringschätzung auf den 
alten Dichter herab. Doch einen schweren Stoss erhielt Ennius durch Yergil. 
In seiner Aeneis hatte er den Römern ein neues Nationalepos gegeben, 
das auf einem höheren Standpunkt der Kunst stand und mit dem die des 
künstlerischen Aufbaus entbehrenden Annalen nicht mehr konkurrieren 
konnten. Aber dass Yergil auf den Schultern des Ennius stand, wurde 
schon im Altertum bemerkt.^) Auch im Publikum der damaligen Zeit war, 
wie man aus Horaz ersieht, Ennius noch nicht verschollen; aber die 
Dichter jener Zeit konnten ihn doch nicht mehr als völlig ebenbürtig er- 
achten, und in das Lob mischt sich daher nicht selten der Tadel ein. Der 
Dichter ist genial, aber seine Kunst ist unbeholfen, sagt Ovid. Der gram- 
matischen Forschung blieb natürlich Ennius immer eine reiche Fundgrube, 
und so dürfen wir uns nicht wundern, wenn der ausgezeichnete Gram- 
matiker der augustischen Zeit, Yerrius Fl accus, fleissig die Gedichte 
desselben heranzog.^) Auch der grosse Philolog der neronischen Zeit, 
M. Yalerius Probus, berücksichtigte bei seinen Forschungen den Dichter.'') 
Aber der geistige Führer jener Zeit, der Philosoph Seneca, hat für den 
alten Poeten keine Sympathien. Dass jedoch Ennius nur schwer von seinem 
Platz in der römischen Litteratur zu verdrängen war, ersehen wir aus 
Martial, der uns bezeugt, dass neben Yergil immer noch Ennius sein 
Lesepublikum hatte. Selbst Quin tili an, bei dem der rhetorische Gesichts- 
punkt bei Beurteilung der Autoren überwog, wagte nicht, ein völliges Ver- 
dammungsurteil über den Rudiner auszusprechen. Doch noch einmal sollte 



») Vgl. p. 119. I (+ w. XXXVI), Satur. w. HD, Epigr. vv.V] 
') Vgl. p. 118. scriptis Bois iiiiexiiit.* Vgl. auch H. Üb en er, 

>) J. Eobik, De M. TuUü Ciceronis poe- | Rhein. Mob. 56 (1901) p. 813. 

tanan lat. atadiis, Dias. Wien 1887, p. 48: *) Vgl. Vahlen, Auag. p. XXX. 

«AutEnnii ipains autcarminom eins locis fere ^^ Vgl. bea. Macrob. Sat. 6, 1, 8. 

GLV facit mentionem, ex carminibua autem *) Vgl. Vahlen, Anag. p. LXV. 

vereua CCXXXVmi (+ w. XXXVIl). [Ann. | ») Vgl. Gelliua 4, 7. 

vv. LXXXII (+ w. n), trag. w. CXXXXVIII | 



128 Q- EnniOB. (9 89b.j 

der Dichter aufleben, als Hadrian auf den Thron gelangte. Die alten 
Schriftsteller wurden jetzt Modesache, und gern wQrzte man seinen Stil 
mit veralteten Ausdrücken, die man aus den halbvergessenen Autoren der 
Vorzeiten emsig zusammensuchte. Zu diesen Autoren gehörte auch Ennius; 
Hadrian zog ihn sogar Yergil vor. Fronte empfiehlt ihn zur Lektüre,^) 
bei Gellius ist viel von ihm die Bede, so dass man sieht, er stand da- 
mals im Mittelpunkt des litterarischen Interesses.*) Aber die Zeit war für 
Ennius vorüber. Der aufkeimenden christlichen Litteratur flösste nur der 
Euhemerus einiges Interesse ein, weil er sich, wie wir aus Lactanz er- 
sehen, gut als Schutzwaffe gegen das Heidentum verwenden Hess.') Aus 
der nationalen Litteratur schwindet er zusehends, und nur bei den Gram- 
matikern, von denen besonders Nonius, Servius und Macrobius zu 
nennen sind, lebt er als Sprachdenkmal fort. Alle Werke des Dichters 
verfielen dem Untergang, und nur dürftige Fragmente sind uns aus den 
einst so viel gepriesenen Dichtungen übrig geblieben. 

Zeugnisse Aber das Fortleben des Ennius (mit Auswahl). Fronte p. 62 Naber 
eum {Ennium) studiose aemulattis L. Coelius. Horat. sat. 1, 10, 54 non ridet {LucÜius) versus 
Enni gravitaie minores. Lucret. 1, 117 Ennius ut noster ctcinit, qui primus amoeno \ detulU 
ex Helicane perenni fronde eoranam, \ per gentes Italas hominum quae elara dueret. Cic. 
Tusc. 8, 19, 45 poetam egregium (Ennium)\ quamquam ab his cantoribus Eupharionis eon" 
temnitur. De optimo genere erat. 2 licet dicere et Ennium summum epieum paeiam, si eui 
ita videtur. Nach der Donatvita (p. 07 Reifferscheid) soll Vergil gesf^^ haben: se aurum 
edligere ex stereore Ennii. Horat. epist. 2, 1 , 50 Ennius et sapiens et fortis et aUer Ho- 
merus \ ut critici dicunt. Ovid. trist. 2, 424 Ennius ingenio maximus, arte rudis, Seneca 
epist. 58, 3 ex hoc inteüigas quantum apud Ennium et Accium verborum sUus occupaverU; 
vgl. fragm. 114 Haase. üeber den Anfang des Verses annal. 115 p. 19 V. auf einer Wand 
von Pompei vgl. F. Buecheler, Rhein. Mus. 27 (1872) p. 474; Garmina lat. epigraphica 
p. 823; R. Ehwald, Curae exegeticae (PhUol. 46 (1888) p. 641). Martial. epigr. 5, 10, 7 
Ennius est lectus scdvo tibi, Roma, Marone; Tgl. 11,90. QuintU. 10, 1, 88 Ennium sicut 
sacros vetustate lucos adoremus, in quibus grandia et antiqua robora iam non tantam ha- 
bent speciem quantam religionem. Spart Hadrian. 16, 5 (l p. 18 Peter) controverstas de- 
elamavit, Ciceroni Catonem, Vergilio Ennium, Sallustio Coelium praetulU eademque iaetatione 
de Homero ac Piatone iudicavit. Yulcac. Gallic. Avid. Gass. 5, 7 (1 p. 88 Peter) scis versum 
a hono poeta dictum et omnibus frequentatum: Moribus antiquis res stat Romana virisque 
(annal. 500 p. 91 V.). Macrob. Sat. 6, 9, 9 quia saeculum nostrum ab Ennio et omni biblio- 
theca vetere descivit, muUa ignoramus, quae non laterent, si veterum leetio ndbis esset fami- 
liaris. Vgl. auch die Testimonia de Ennio in der Ausg. L. Maliers p. 145. 

Litteratur Aber das Fortleben des Ennius. Die Geschichte des Fortlebens 
des Ennius ist vollständig erschöpfend von J. Yahlen in der Praef. seiner Ausg. be- 
handelt worden, üeber Lucilius und Ennius vgl. die Stellensammlung bei F. Marx, Ausg. 
des Lucilius 1 (Leipz. 1904) p. 100. Ueber Accius und Ennius vgl. E. Norden, Ver- 
gils Aeneis Buch 6, Leipz. 1903, p. 439 Anm. 2. G. Pascal, De Poniponio Ennii imitatore 
(Studi sugli scrittori latmi, Turin 1900, p. 32); A. Fl eck eisen. Zu Ennius und Terentius 
(Fleckeis. Jahrb. 141 (1890) p. 466); H. Pullig, Ennio quid debuerit Lucretius, Diss. Halle 
1888; J. Vahlen, üeber Ennius und Lucretius (Sitzungsber. der Berl. Akad. der Wissensch. 
1896 p. 717). üeber die Nachahmungen des Ennius von Seiten des Dichters Gicero vgl. 
H. üsener, Rhein. Mus. 56 (1901) p. 813; Norden I.e. p. 367; Skutsch Sp. 2614. E. 
Wölfflin, Ennius und das Bellum Hispaniense (Archiv für lat. Lexikographie 8 (1893) 
p. 596); G. A. Bentfeld, Der Einfluss des Ennius auf Vergil, Progr. Salzb. 1875; Norden 
1. c. p. 359; H. Hagen, Fleckeis. Jahrb. 109 (1874) p. 271; W. Sieglin, Ghronologie der 
Belagerung von Sagunt, Leipz. 1878; Bärwinkel, üeber Ennius und Livius, Progr. Sonders- 
hausen 1883; R. Ehwald, Ad historiam carminum Ovidianorum recensionemque symbolae, 
Progr. Gotha 1892; G. Lehmann, Der letzte Feldzug des hannibalischen Krieges, Leipz. 
1894, p. 569; E. Wölfflin, Rhein. Mus. 50(1895) p. 152; S. G. Stacey, Die Entwickelung 
des livianischen Stils (Archiv für lat. Lexikographie 10 (1898) p. 17); E. Norden, Die an- 
tike Kunstprosa 1 (Leipz. 1898) p. 2'Sb. üeber Ennius und Silius Italiens vgl. E. 



») Vgl. p. 224 Naber. 

•) Vgl. auch Gellius 18, 5, 2 (oben p. 118). 



Wezel, 
») Vgl. p. 121. 



IL Pacuyiiu. (§40.) 129 

De C. Silii Italic! cum fontibus tum exemplis, Diss. Leipz. 1873, p. 17. L. Valmaggi, Ennio 
e Auaonio (Rivista di filol. 27 (1899) p. 95); £. Stoecker, De Claudiani poetae veterum 
rerum Romanamm Bcientia, Diss. Marb. 1889; C. Weyman, Compte rendu du IV. congr^s 
Bcientifiqae internationale des catholiques, Freib. i. d. Schw. 1898, Sect. VI p. 187; über 
EnniuB im Mittelalter vgl. R. Förster, Rbein. Mus. 37 (1882) p. 485; M. Manitius, Pbilol. 
Supplementbd. 7 (1899) p. 761. 

Gesamtausg. Erste Gesamtausg. von Hieronymus Golumna, Neapel 1590, neu 
aufgelegt von F. Hessel, Amsterdam 1707. Neuere Gesamtausg. von J. Vahlen, Leipz. 
1854, jetzt in 2. Aufl. 1903 (vgl dazu F. Marx, Deutsche Litteraturzeitung 1903 Sp. 2746; 
0. Seyffert, Berl. philol. Wochenschr. 1904 Sp. 1322); von L. Malier, Petersb. 1884 (vgl. 
dazu: Ueber meine Ausg. des Ennius, Petersb. 1887; Philol. 42 (1884) p. 544; 43 (1884) 
p. 86); auch in J.P. Postgates Corpus poetarum lat. 1 (London 1894) p. 1 gab L. Malier 
die Fragmente des Ennius heraus. Weiterhin hat E. Baehrens (Fragm. poet. Rom. p. 58) 
die Fragmente des Ennius mit Ausnahme der scenischen aufgenommen und bearbeitet; 
vgl. denselben, Fleckeis. Jahrb. 125 (1882) p. 402; 129 (1884) p. 838; 135 (1887) p. 482; 
Archiv fOr lat. Lexikographie 3 (1886) p. 478. 

Litteratur zur Sammlung, Sichtung und Erklärung der Fragmente. Die 
Abhandlungen Vahlens aber Ennius sind in der Praefatio seiner Ausgabe (p. CXXXVI) 
zusammengestellt. Ausser Vahlen hat auch Th. Bergk Ennius mehrere Abhandlungen 
gewidmet, die jetzt in dessen Kl. philol. Sehr. 1 (Halle 1884) p. 209 vereinigt sind. 
Beitrüge liefert L Havet, Revue de philol. 2 (1878) p. 93; 3 (1879) p. 80; 9 (1885) p. 24, 
p. 113, p. 189, p. 166; 11 (1887) p. 74; 14 (1890) p. 37; 15 (1891) p. 65; Archiv für lat. 
Lexikographie 2 (1885) p. 266; 7 ^1892) p. 64; C. Pascal, De locis quibusdam qui Ennio 
falso putimtur adscripti (Stndi sugli scrittori latini, Turin 1900, p. 36). 

5. Die Schule des Ennius: M. Pacuvius und Statius Gaecilius. 

40. Die Tragödien des M. Pacuvius. Als Schüler und Anhänger des 
Ennius erscheinen M. Pacuvius und Statius Gaecilius. M. Pacuvius 
war der Schwestersohn des Ennius; 220 v. Chr. in Brundisium geboren, 
wanderte er später nach Rom, begab sich aber in hohem Alter nach Tarent, 
wo er starb. Beide unterscheiden sich dadurch von Ennius, dass sie nur 
eine dramatische Qattung kultivieren, Pacuvius die Tragödie und das mit 
ihr in Zusammenhang stehende historische Schauspiel, Gaecilius dagegen 
nur die Komödie. Ausserdem versuchte sich Pacuvius auch in Satiren; 
allein von dieser Tätigkeit des Pacuvius sind alle Spuren erloschen. Die 
Zahl seiner Tragödien ist nicht sehr gross, wir zählen deren etwas über 
ein Dutzend. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass Pacuvius auch Maler 
war und sich daher nicht ausschliesslich der Dichtkunst widmen konnte. 
Ueberschaut man die Stoffe, so erkennt man, dass der Dichter einsame 
Pfade wandelt und entlegene Sagenkreise aufsucht. Sehr berühmt sind 
geworden Teucer,^) in dem die viel bewunderte Anrede Telamons an Teucer 
vorkam, Iliona, aus der Gicero *) die ergreifende Scene mitteilt, in welcher 
der Schatten des ermordeten Deiphilos seiner Mutter erscheint und um 
ein Begräbnis bittet, die Antiopa, welche eine Hauptrolle für den Schau- 
spieler Rupilius bildete,^) die Niptra, aus denen wiederum eine packende 
Scene Cicero mitteilt,^) Chryses, der den edlen Wettstreit des Orestes und 
Pylades enthielt.^) Unter den Fragmenten hat von jeher die prächtige 
Schilderung eines Sturms die Bewunderung erregt.^) Auch die Stimme 
der Aufklärung hören wir einigemal, so wenn der Dichter vor den Zeichen- 
deutern warnt ^) oder wenn er die schöne Stelle des Euripides (fr. 836 N.) 

') Cic. de or. 1, 58, 246 und 2, 46, 193. >) Cic. Laelins 7, 24. 

«) Tnsc. 1, 44, 106. •) Cic. de div. 1, 14, 24; de or.3, 39, 157. 

») Cic. de off. 1, 81, 114. i ') de div. 1, 57, 131. 

^) Tuac. 2, 21, 48; vgl. unten § 52. | 

Httnabneh der klan. Alt«rtiuoMwi«Mnacbaft. Vm, 1. 8. Aufl. 9 



130 M.PaouvluB. (§40.) 

von dem Aether als Vater, der Erde als Mutter aller Dinge in vergröberter 
Uebersetzung dem Leser bietet (fr. 86). Wie Ennius, so hat auch Pacu- 
vius das historische Schauspiel nicht unangebaut gelassen. Er verfasste 
eine Praetexta Paulus, die allem Anscheine nach den Sieg des L. Aemi- 
lius Paulus über den König Perseus bei Pydna (168) feierte, lieber Pacu- 
vius liegen uns mehrere Urteile aus dem Altertume vor. Cicero nennt 
ihn den grössten Tragiker; er tut dies wahrscheinlich wegen des nach- 
haltigen Eindrucks, den die Stücke auf die Zuschauer machten. Bei Horaz 
wird er charakterisiert als ,senex doctus''. Das Prädikat „doctus** verdient 
Pacuvius schon wegen seiner Bearbeitung auch der entlegensten Sagen- 
kreise, dann wegen der künstlerischen Behandlung der Stoffe. Seinem 
Stil teilt Varro die Eigenschaft der , Fülle* zu, Cicero dagegen will ün- 
lateinisches in seiner Darstellung (wie in der des Caecilius) finden; und 
in der Tat zeigen die Fragmente manches Auffallige in der Diktion. 

Biographisches, a) Namensform. Pacnvius ist ein oskischer Name, der auch 
in den Nebenformen Pacvius, Paquins, Pacnins erscheint; Tgl. Th. Mommsen, Unterita] . Dia- 
lekte, Iieipz.1850, p.284; C. Lachmann zn Lacr. p. 306. ß) Geburtsjahr. Cic. Brat. 64, 229 
Aceiua iisdem aedilibus ait se et Paeuvium doeuisse fabtUam, cum iUe octoginta, ipae iriginta 
annos natus esset. Der Altersunterschied der beiden Dichter betrftgt 50 Jahre; da Accius 
im Jahre 170 geboren wurde, fftllt das Geburtsjahr des Pacuvius ins Jahr 220. >') Ueber 
die weiteren Lebensschicksale ist von Wichtigkeit Hieronymus z. J. 1863 = 154 v.Chr. 
(2 p. 129 Seh.) : Pacuvius Brundisinus tragoediarum seriptor clarus habetur ^ Ennii poetae 
ex filia nepos, vixüque Ronute quoad picturam exereuit ae fabulas venditavU, deinde Taren- 
tum transgressus prope nanagenarius diem Mit, Aus dieser Stelle ersehen wir: 1. dass 
Pacuvius aus Brandisium stammte, 2. dass er kurz vor 130 in Tarent starb, 3. dass er zugleich 
Maler war. Dies bezeugt auch PUnius n. h. 35, 19: celehrata est in faro boario aede Her- 
cutis Paeuvii poetae pietura; Enni sorore genitus hie fuit clarioremque artem eam Romae 
fecit gloria scenae. Zugleich berichtigt Plinius einen Irrtum des Hieronymus, der Pacuvius 
einen Enkel des Ennius — der Dichter war gar nicht verheiratet — nennt, wAhrend er nach 
Plinius der Schwestersohn des Ennius war. Den Wegzug des Pacuvius von Rom nach Tarent 
bezeugt auch Qellius 13, 2, 2: cum Pticuvius grandi iam aetate et morbo corporis diutino 
adfeetus Tarentum ex urbe Roma eoncessisset, d) Die Grabaufschrift des Pacuvius teilt 
mit Gellius 1, 24, 4: Epigramma Paeuvii verecundissimum et purissimmn dignumque eius 
elegantissima gravitate: adtUescens, tam etsi properas, hoc te saxutum \ rogat ut se aspicias, 
deinde, quod scriptum est, legas, \ hie sunt poetae Pacuvi Marci sita \ ossa. hoc votebam, 
nescius ne esses, vale. Dass diese Grabaufischiift die wirkliche, auf dem Grab des Pacu- 
vius befindliche darstellt, hat mit Recht P. Buecheler (Rhein. Mus. 37 (1882) p. 521 Anm.) 
betont (Zweifel bei Bor mann p. 231) und eine ähnlich lautende (Carmina lat. epigraphica 
ed. Buecheler Nr. 53) verglichen. Inzwischen ist die stadtrOmische Grabschrift des L. Mae- 
cius Philotimus bekannt geworden (Carmina lat. epigraphica ed. Buecheler Nr. 848), die 
fast identisch mit der des Pacuvius ist; vgl. £. Bormann, Die Grabschrift des Dichters 
Pacuvius und des L. Maecius Philotimus (ArchaeoL-epigraphische Mitteilungen aus Oester- 
reich-Ungara 17 (1894) p. 227) und dazuE. Cocchia, Appendice zu der Abb.: L'origine del 
gentilizio Plautino secondo i piü recenti seguaci della teoria Ritscheliana (Estratto dal 
vol. XX degli Atti dell' academia di archeologia, lottere e belle arti, Neapel 1899, p. 41). 
Dass das Epigramm von Pacuvius verfasst wurde, ist kaum anzunehmen. E. Baehrens 
(Fragm. poet. Rom. p. 26) will das Epigramm auf Pacuvius wie die an gleicher Stelle mit- 
geteilten auf Naevius und Plautus Varro zuteilen. Allein diese Ansicht lässt sich nicht be- 
funden, e) Ueber das Schalerverhältnis des Pacuvius zu Ennius belehrt uns 
ein Epigramm Varros (Nonios p. 88 M.; 1 p. 122 L. M.; Varronis menippeae 356 Buecheler): 
Paevi diseipulus dicor, porro is fuit ^ni, | Enniu* Musarum: Pompilius (Pomponius 
C. Pascal, Studi sugli scrittori latini, Turin 1900, p. 31) dueor. 

Die Tragödien des Pacuvius. Wir kennen folgende Tragödien: 1. Antiopa. 
Ueber das euripideische Original vgl. A. Taccone, Rivista di filol. 33 (1905) p. 32. 2. Ar- 
moram indicium. 8. Atalanta. üeber den Stoff vgl. F. G. Welcker, Griech. Tragödie p. 1217 ; 
E. Rohde, Der griech. Roman, Leipz.* 1900, p. 37 und dagegen 0. Ribbeck, Gesch. der röm. 
Dichtung 1* p. 174 und die Note dazu. 4. Chrjrses. 5. Dulorestes. Vgl. 0. Jahn, Hermes 
2 (1867) p.229; 0. Ribbeck, Die röm. Tragödie p.239; Gesch. der röm. Dichtung 1* p. 170; 
Rhein. Mus. 50 (1895) p. 284; G. Robert, Bild und Ued (PhUol. Unters, von Eiessling und 



Btatins Caeoilins. (§ 40 a.) 131 

Wilamowitz 5. Heft (Berl. 1881) p. 185 Anm.33). üeber den Titel vgl. S. K. SakellaropouloB, 
r^a/xutttoXoyixa xal nQmxa in memoriam Luciani Maelleri, Athen 1900, p. 3 (er yerlangt 
Pyladorestes). Das Stück stellte wahrscheinlich die Heimkehr und Rache des Orestes dar. 
6. Hermiona. 7. lliona. 8. Medus. G. Castellani, II ^Medo* di Pacuvio (Estratto dall* 
Ateneo Veneto, Janaar-März 1895), Venedig 1895; vgl. dazu G. Haeberlin, Berl. philol. 
Wochenschr. 1895 Sp. 1352. 9. Niptara. üeber das Sujet vgl. U. Wilamowitz, Homer. Unters. 
(Philol. Unters. 7. Heft (Berl. 1884) p. 194) und dagegen 0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. 1* 
p. 172 und die Note dazu. 10. Pentheus. 11. Periboea. 12. Teucer. — Die Fragmente bei 
0. Ribbeck, Tragic. Rom. fragm.* p.86; vgl. auch L. Müller, De Pacuvii fabaUs, Berl. 1889. 
Eine ausführliche Analyse der einzelnen Stücke bei Ribbeck, Die röm. Trag. p. 218. 

Die Praetexta Paulus. Wir finden mehrfach das Citat Pacuvitis in PatUo, z. B. 
Gellius 9, 14, 13. In diesem Paulus erkannten A. G. Lange (Vermischte Sehr., Leipz. 1832, 
p. 35) und 0. Jahn (Ber. über die Verh. der sächs. Ges. der Wissensch. 1856 p. 301) eine 
Praetexta, welche den Sieg des L. Aemilius Paulus über den macedonischen König Perseus 
bei Pydna im Jahre 168 v. Chr. zur Darstellung brachte. Ueber den Stoff vgl. 0. Ribbeck, 
Die röm. Tragödie, Leipz. 1875, p.326. — Fragmente bei 0. Ribbeck, Tragic. Rom. fragm., 
Leipz.> 1897, p. 325. 

Die Satiren des Pacuvius. Diomedes Gramm, lat. 1 p. 485 wird nach der De- 
finition der satira fortgefahren: olim carmen quod ex varüs poematibus constabat satira 
vocabatur, quäle scripserunt Pacuvius et Ennius. Porphyiio zu Horat. sat. 1, 10, 46 wird 
Pacuvius als Satirenschreiber neben Terentius Varro und Ennius aufgeführt. 

Urteile der Alten über die tragische Kunst des Pacuvius. Cic. de optimo 
genere oratorum 1, 2 itaque licet dicere et Ennium summum epicum poetam, si cui ita 
videtur, et Pacuvium tragic um et Caecilium fortaese comicum. Horat. epist. 2, 1, 55 
aufert | Pacuvius docti famam senis, Accius aUi. VeUeius 2, 9, 2 clara etiam per idem 
aevi spatium fuere ingenia in togatis Afrani, in tragoediis Pacuvi atque Acci .... adeo 
quidem, ut in Ulis litnae, in hoc paene plus videatur fuisse sanguinis, Quintil. 10, 1, 97 
tragoediae scriptores veterum Attius atque Pacuvius grandissimi gravitate sententiärum, ver- 
borum pondere, auctoritate personarum .... virium tarnen Attio plus tribuitur: Pacuvium 
videri doctiorem, qui esse docti affeetant, volunt. Die Botenberichte des Pacuvius erscheinen 
exemplarisch dem Auetor ad Herennium 4, 7. Fronte p. 114 Naber gibt in seiner Charak- 
teristüc dem Dichter Pacuvius das Prädikat mediocris. Persius sat. 1, 77 sunt, quos Pacu- 
viusque et verrucosa moretur \ Antiopa, aerumnis cor luctificabile fulta, Martial. 11, 90; 
Tacit. dial. 20. Eine Anspielung auf Pacuvius will L. Müller (Berl. philol. Wochenschr. 1892 
Sp. 1363) Sil. Ital. 11, 58 erkennen, indem er carmine statt erimine schreibt. 

Sprache und Stil des Pacuvius. Gellius 6(7), 14,6 vera et propria huiusce- 
modi formarum exempla in Laiina lingua M, Varro esse dicit ubertatis Pacuvium, 
gracilitatis Lucilium, mediocritatis Terentium, Cic. Brut 74, 258 iUorum (des Laelius und 
des jüngeren Africanus) aequales Caecilium et Pacuvium male locutos videmus, Lucilins 
ed. Marx 875 verum tristis contorto aliquo ex Pacuviano exordio, Ueber die Vorliebe für 
den Genitiv auf um vgl. Cic. or. 46, 155: at iüe alter {Pacuvitui) in Chryse non solum 'eives, 
antiqui amici maiorum meum*, quod erat usitatum, sed durius etiam ^consilium soeii augu- 
rium atque extum interpretes' ; idemque pergit *postquam prodigium horriferum, portentum 
pavor*, quae non sane sunt in omnibtis neutris usitaia. Quintil. 1, 5, 67 ceterum etiam ex 
praepositione et duobus vocabulis dure videtur struxisse Pacuvius: NerHi repandirostrum, 
incurvicervicum pecus. Die Sonderbarkeiten in der Diktion des Pacuvius behandelt ein- 
gehend J. Kubik, De M. Tullü Giceronis poetarum lat. studiis, Diss. Wien 1887, p. 50. — 
A. Goette, De L. Accio et M. Pacuvio veteribus Romanorum poetis tragicis, Progr. Rheine 
1892; L. Koterba, De sermone Pacuviano et Acciano (Dissertationes'philoL Vindobonenses 8 
(1905) p. 113), der auch p. 118 De re metrica et prosodia handelt. 

Litteratur. Th. Mommsen, Röm. Gesch. 2« p. 431; 0. Ribbeck, Die röm. Trag, 
p. 216, p. 334; Gesch. der röm. Dichtung 1' p. 167; W.Y.Sellar, The Roman poets of the 
republic, Oxford* 1889, p. 133; G. Michaut, Le gönie latin, Paris 1900, p. 187. 

40a. Die Komödien des Statins Gaecilins. Statius Caecilius ist ein 
Insubrer und gehört sonach dem keltischen Stamme an ; ursprünglich Sklave 
mit dem Namen Statius, nahm er später den Gentilnamen seines Herrn 
Caecilius an. Er war Hausgenosse des Ennius. Er schrieb nur Komö- 
dien, meist nach Menander; es sind über 40 Titel überliefert, in der Regel 
griechische. Die Fragmente sind nur in ganz wenigen Fällen ausreichend, 
um einige Grundzüge der Handlung zu erkennen. Selten zieht ein Frag- 
ment unsere Aufmerksamkeit in höherem Grade auf sich, wie z. B. das 

9* 



132 Btatiiu Caeoilias. (§ 40 a.) 

über die Macht des Liebesgottes (fr. 259) oder die Klage des Jünglings 
über die Nachsicht seines Vaters (fr. 199).0 öellius stellt aus dem »Hals- 
band" (Plocium) mehrere Stellen der Uebersetzung und des menandrischen 
Originals zusammen, um zu zeigen, wie stark die Kopie vom Original ab- 
stach und wie willkürlich auch noch der Dichter verfuhr. Eine Roheit, 
von der im Original keine Spur vorhanden, ist besonders charakteristisch ; 
einer Frau wird untergeschoben, dass sie vom heimkehrenden Qatten ge- 
küsst sein will, damit er ausspeie, was er auswärts getrunken. Anfangs 
gefiel Caecilius nicht. Nur der Ausdauer des Schauspieldirektors L. Am- 
bivius gelang es, den Dichter über dem Wasser zu halten;*) allein mit 
der Zeit errang er sich doch die Gunst des Publikums, wie die grosse 
Zahl der Stücke beweist, die er aufführen Hess. Von den späteren Kunst- 
richtern rühmt Varro sein nd^og, bei Horaz wird seine gravitas hervor- 
gehoben. In den Argumenten soll er nach dem Urteil Varros die erste 
Stelle eingenommen haben. 

Biographisches. Die Hauptsielle ist Hieronym. z. J. 1888 = 179 y. Chr. (2 p. 125 
Seh.) Statins Caecilius comoediarum scriptor clarus hahetur natione Insuher Oaüus et Ennii 
primum eantuhernalis, quidam Mediolanensem fenint. mortuus est anno post mortem Ennii 
et iuxta Janiculum sepultus, a) Bezüglich des Namens vgl. Oellius 4, 20, 13: Caecilius 
iUe comoediarum poeta inclutus servus fuit et propterea nomen habuit ^Statiu^. sed postea 
versum est quasi in cognomentum, appellaiusque est 'Caecilius Statins', ß) Contubernalis 
bedeutet hier Hausgenosse, nicht EriegSKamerad, wie F.Ritschl (Parerga p. 183 Anm.) will; 
vgl. 0. Jahn, Ber. Aber die Yerh. der sächs. Ges. der Wissensch. 1856 p. 298. y) Das 
Todesjahr des Dichters ist nach Hieronymus 168. Damit scheinen in Widerspruch zu 
stehen die Worte in der Terenzvita Suetons (1 p. 4 Wessner) : Ändriam cum aedilihus 
daret, iussus ante Caecilio recitare. Da die Andria 166 aufgeführt wurde und man die 
Prafung und die Aufführung des Stückes nicht zeitlich trennen wollte, schob F. Ritschi 
(Opusc. 3 p. 233) nach tnortem Ennii — /// ein; vgl. auch F. Nencini, De Terentio eiusque 
fontibus, Livomo 1891, p. 18 Anm. 1. Da aber die Erzählung sehr den Stempel des Anek- 
dotenhaften an sich trägt, wird man an der Angabe des Hieronymus nicht rütteln; vgl. 
unten § 41. Vgl. auch J. Vahlen, Ennianae poesis rel., Leipz.* 1903, p. XVIIl. Ebenso än- 
dert ohne zureichenden Grund Ritschi die Worte iuxta Janiculum in iuxta cum in Jani^ 
culo, d) Das Geburtsjahr des Caecilius ist begreiflicherweise nicht überliefert. Ueber 
die Schaffenszeit des Dichters gewinnen wir aber ein Moment aus dem zweiten Prolog der 
Hecyra; hier spricht L. Ambivius als senex davon, was er als adulescens getan, um die 
durchgefallenen Stücke des Caecilius zu halten. Nehmen wir an, dass zwischen dem senex 
und dem adulescens 30 Jahre liegen, so kämen wir, da der Prolog 160 gesprochen wurde, 
auf etwa 190 als den Anfang des dichterischen Schaffens des Caecilius. Nehmen wir weiter 
an, dass Caecilius, als er auftrat, etwa 30 Jahre alt war, so wird er um 220 geboren sein; 
vgl. Skutsch Sp. 1190. 

Die einzelnen Komödien des Caecilius. Wir kennen aus Anführungen fol- 
gende Stücke des Caecilius: 1. Aethrio. 2. Andrea. 3. Androgynos. 4. Asotus. 5. Chalcia. 
6. Chrysion. 7. Dardanus. 8. Daves. 9. Demandati. 10. Ephesio. 11. Epicleros. 12. Epi- 
stathmos. 13. Epistula.' 14. Ex hautu bestes. 15. Exul. 16. Fallacia. 17. Games. 18. Harpa- 
zomene. 19. Hymnis. 20. Hypobolimaeus sive Subditivos. 21. Hypobolimaeus Chaere- 
stratus. 22. Hypobolimaeus Rastraria. 23. Hypobolimaeus Aeschinus. 24. Imbrii. 25. Karine. 
26. Meretrix. 27. Nauclerus. 28. Nothus Nicasio. 29. Obolostates [Faenerator]. 30. Pausi- 
machus. 81. Philumena. 32. Plocium. 83. Polumeni. 34. Portitor. 85. Progamos. 36. Pugil. 
37. Symbolum. 38. Synaristosae. 39. Synephebi. 40. Syracusii. 41. Titthe. 42. Triumphus. 
Aus diesem Verzeichnis ersieht man, dass die Titel entweder lateinisch oder griechisch oder 
beides zugleich sind. Was die Doppeltitel anlangt, so wird Nr. 20 Hypobolimaeus bei Nonius 
p. 515, 1 M. und Gellius 15, 9 mit lateinischem Titel Sübditinus genannt; ebenso wird Nr. 29 
Obolostates an vier Stellen von neun von Nonius als Faenerator citiert. Dagegen finden wir 
in Nr. 22 den griechischen und lateinischen Titel in allen Citaten vereinigt, allerdings oft in 
entstellter Weise. Dass hier einfach Uebersetzungen vorliegen, ist klar, und dass demnach 
die Identität der beiden Titel anzunehmen ist, erscheint kaum zweifelhaft. Im ersten und 
zweiten Fall wird der lateinische Titel bei einer zweiten Aufführung hinzugekommen sein; 

>) Cic. de nat. deor. 8, 29, 72. | >) Terent. Hec. prol. 2, 14 



P. Terentivs Afer. (§ 41.) 133 

möglich ist, dass er auch den Grammatikern verdankt wird. Der dritte Doppeltitel könnte 
vom Dichter selbst herrtthren. Ritschl (Parerga p. 145 Anm.) hat die Yermatong aus- 
gesprochen, dass die lateinischen Titel der ersten, die Doppeltitel der zweiten und die grie- 
chischen der dritten Periode des Dichters angehören. Allein wie man sieht, ist die mitt- 
lere Periode wenig wahrscheinlich. Vermutet wird, dass Nr. 20, 21, 22 identisch sind; vgl. 
Ribbeck, Comic, fragm.' p. 55. — Die Fragmente bei 0. Ribbeck, Comicorum Rom. 
fragmenta, Leipz.* 1898, p. 40. 

Die Originale und das Verhältnis der caecilischen Bearbeitung zu 
denselben, a) Von den aufgefOhrten Titeln finden wir 16 (Nr. 2, 3, 5, 7, 10, 19, 22, 24, 
25, 27, 32, 33, 35, 38, 89, 41) bei Menander und von denselben die meisten nur bei Me- 
nander. Ausdrückliche Zeugnisse für die Benutzung Menanders sind : Cic. de opt. gen. orat. 
6, 18 iidem Andriam et Synephehos nee minus Terentium et Caecüiutn quam Menandrum 
legunt; de fin. 1, 2, 4. Gellius 2, 23, 6 libitum est Menandri quogue Plocium legere, a quo 
istam camoediam verterat (Caecilius). ß) Das fOr die Kenntnis der Palliaia und ihr Ver- 
hältnis zu den Originalen wichtige Kapitel ist Gellius 2, 23. Interessant sind auch die Ur- 
teile, die Gellius abgibt; sie neigen sich sehr auf die Seite des griechischen Originals. 
Contaminiert hat aber wahrscheinlich Caecilius nicht; denn Terenz Andria prol. 18 werden 
fttr die Contamination nur Naevius, Plautns und Ennius angeführt, Caecilius aber nicht (vgl. 
Leo, Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 89), und wenn Varro dem römischen Dichter in Bezug 
auf die Argumente die Palme zuerkannt hat, so erklärt sich das vielleicht daraus, dass 
dieser den Gang der Handlung, wie er ihn in seinem Originale, d. h. Menander, fand, nicht 
veränderte, y) üeber den Inhalt des Plocium vgl. 0. Ribbeck, Comic, fragm.* p.68; Gesch. 
der röm. Dicht. P p. 129. Ueber die Synephebi vgl. denselben, Gesch. der röm. Dicht, 
p. 129; über Chaerestratus vgl. p. 129; Agroikos (Abh. der sächs. Ges. der Wissensch. 10 
(1888) p. 10). Ueber Hymnis vgl. Comic, fragm. p. 52. 

Urteile der Alten über die komische Kunst des Caecilius. Varronis Menip- 
peae 399 Buecheler in quibfM partibus in argumentis Caecilius poscit palmam, in 
ethesin Terentius, in sermonibus Plautus. Varro bei Charis. Gramm, lat 1 p. 241, 28 nd9t] 
Trabea Ätilius Caecilius faciU moverunt, Horat. epist. 2, 1, 59 {dicitur) vincere Caecilius 
gravitate, Terentius arte. Im Kanon des Volcacius Sedigitus (Gellius 15, 24) heisst es: 
Caeeilio palmam Statio do mimico. Cic. de optimo genere orat. 1, 2 (vgl. oben p. 131). Vell. 
Paterc. 1, 17, 1 dülces Latini leparis faceiiae per Caecilium Terentiumque et Afranium 
suppari aetate nituerunt. Quintil. 10, 1, 99 Caecilium veter es laudibus ferunt, 

Urteile der Alten über Stil und Sprache des Caecilius. Cic. ad Attic.7, 3, 10 
{Caecilius) malm auctor LcUinitatis esL Brutus 74, 258 (vgl. oben p. 131). Einige Beob- 
achtungen über die Sprache des Caecilius bei S kutsch Sp. 1192. 

Litteratur. W. S. Teuffei, Caecilius^Statius, Pacuvins, Attius, Afranius, Progr. 
Tübingen 1858; Th. Mommsen, Röm. Gesch. 1* p. 902; W. T. Sellar, The Roman poets 
of the republic, Oxford* 1889, p. 204; 0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dichtung 1* p. 127; 
Schi enger, Septenare bei Statins Caecilius (in Cic. de orat. 2, 10,40), Progr. Mainz 1890; 
F. Skutsch, Pauly-Wissowas Realencycl. Bd. 3 Sp. 1189. 

6. P. Terentius Afer und andere Palliatendichter. 

41. Leben des Terenz. Durch den Commentar des Donat besitzen 
wir eine Biographie des Terenz, welche Sueton verfasst hat. Dieselbe stellt 
sich als ein Extrakt aus verschiedenen Untersuchungen dar, welche die 
Gelehrten des Altertums über Terenz angestellt hatten. Wie sehr in den 
Nachrichten über das Leben der Schriftsteller sich die Phantasie der 
Berichterstatter wirksam erwies, wie wenig Sicheres hier man eigentlich 
wusste, vermag das suetonische Schriftstück aufs beste zur Anschauung 
zu bringen. Aus der Summe der Notizen, die uns Sueton über das Leben 
des Terenz darbietet, wird sich folgender feste Kern herausschälen lassen. 
Das Leben und Wirken des Dichters Terenz fällt in die Zeit vom Ende 
des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang des dritten. Er war ge- 
boren zu Karthago, der Beiname Afer weist aber darauf hin, dass er kein 
Punier war, sondern einem afrischen (libyschen) Stamme angehörte. Durch 
Kauf oder durch Qeschenk kam er in die Hände des römischen Senators 
Terentius Lucanus, der ihn wegen seiner hohen geistigen Anlagen und 



134 P. Terentins Afer. (§ 41.) 

seiner körperlichen Vorzüge unterrichten liess und später freigab. Als Frei- 
gelassener fand er Zugang zu vornehmen Häusern und kam in Verbindung 
mit Scipio Africanus minor und Laelius, was für seine Ausbildung höchst 
erfolgreich wurde, denn in jenem Kreise war edle griechische Bildung und 
feine Umgangssprache heimisch ; auch verkehrten dort die hervorragendsten 
Schriftsteller der damaligen Zeit. Das erste Stück, mit dem Terenz auf- 
trat (166), war das Mädchen von Andres. Der noch unbekannte Dichter 
musste aber, wenn die Erzählung Glauben verdient, diese Komödie nach 
dem Willen der Festgeber erst dem berühmten Caecilius zur Prüfung vor- 
legen. Nach dem Mädchen von Andres schrieb Terenz noch fünf Komö- 
dien. Nachdem alle seine Schöpfungen aufgeführt waren — die letzten 
Aufführungen fallen in das Jahr 160 — , machte er eine Reise nach 
Griechenland, von der er nicht mehr zurückkehrte; er starb bereits 159. 
Dieses Jahr ist als ein fester Punkt im Leben des Terenz zu betrachten, 
d. h. auf eine wahre Ueberlieferung zurückzuführen. Dagegen scheint das 
Geburtsjahr 185 auf Combination zu beruhen, die sich nicht als stichhaltig 
erweist; wir werden etwa das Jahr 190 anzusetzen haben. 

Allgemeine Uebersichten ttber die Litteratur zu Terenz' Leben und 
Schriften geben die Jahresberichte von W. Wagner in Burtians Jahresber. 1. Jahrgg. 
(1873) p. 443; 4. Bd. (1874/76) p. 798; von A. Spengel, ebenda 6 (1876) p. 356; 10 (1877) 
p. 314; 27 (1881) p. 177; 39 (1884) p. 74; F. Schlee, ebenda 98 (1897) p. 116. 

Die biographischen Quellen, tt) Donat schickt seinem Commentar (§832) eine 
Vita Terenti voraus (Donatausg. Ton P. Wessner 1 (Leipz. 1902) p. 3), an deren Ende die 
Worte stehen: haec Suetoniua Tranquillus. Die suetonische Autorschaft der Vita ist also 
ausser Zweifel gestellt Die Vita stand in Suetons Buch de viris illustribus (ygl. § 531) und 
zwar in dem Abschnitt de poetis. Dieselbe wurde scharfsinnig von F. Ritsch 1 bearbeitet 
in A. Reifferscheids C. Suetoni reliquiae, Leipz. 1860, jetzt auch abgedruckt in Ritschis 
Opusc. 3 p. 204. Gegen den kritischen Standpunkt Ritschis vgl. J. M. Stowasser, Zeitschr. 
f(ir die Österr. Gymn. 51 (1900) p. 1069. Die Vita gibt ein Bild von den divergierenden An- 
sichten der römischen Gelehrten ttber Terenz; vgl. F. Leo, Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 55. 
Die Differenzen beziehen sich 1 . auf die A^ und Weise, wie Terenz nach Rom kam, 2. auf 
das Verhftltnis des Terenz zu Scipio und Laelius in freundschaftlicher und litterarischer Be- 
ziehung, 3. auf Ort und Art seines Todes, ß) Nach den Worten haec Suetonius Tranquillus 
folgt ein Zusatz, den man gewöhnlich als Auctarium Donati bezeichnet; er hat neben der 
Buetonischen Biographie selbständigen Wert; vgl. F. Leo, Die griech.-röm. Biogr., Leipz. 1901, 
p. 12 und dagegen P. Wessner, Bursians Jahresber. 113 (1902) p. 143; Aemilius Asper, Halle 
1905, p. 21. y) Ausser der suetonischen Biographie ist uns handschriftlich noch eine Reihe von 
Terenzviten überliefert; vgl. C. E. Geppert, Zur Gesch. der terent. Texteskritik (Jahns Jahrb. 
18 (1852) p. 45) ; E. A b e 1 , Die Terenzbiographien des Altertums und Mittelalters, Budapest 1887, 
p. 32 (ungarisch); R. Sabbadini, Studi italiani di filol. class. 2 (1893) p.26; 5 (1897) p. 809; 
K. Dziatzko,Zu Terentius im Mittelalter (Fleckeis. Jahrb. 149 (1894) p. 472). Gruppierung und 
Würdigung der Biographien bei Sabbadini 1897 p.310; Wessner, Jahresber. p. 186, p. 189. 

Geburts- und Todesjahr des Dichters. Das Todesjahr ist durch die Angabe 
der Konsuln Cn. Cornelius Dolabella und M. Fulvius Nobilior fest bestimmt, es ist 159; 
Hieronym. z. J. 1859 = 158 v. Chr. (2 p. 127 Seh.) setzt den Tod um ein Jahr später an, 
allein da er für seine Notiz keine andere Quelle hat als Sueton, ist die Angabe irrig. Das 
Geburtsjahr ist nicht direkt überliefert, ergibt sich aber aus den Worten: post editaa comoe- 
dias (160 v.Chr.), nondum ^intum atque vicesimum egressus annum. Da also im Jahre 160 
Terenz das 25. Jahr noch nicht überschritten hatte, müsste er etwa 185 geboren sein. Allein 
dann würde Terenz bereits im Alter von 19 Jahren sein Mädchen von Andres (166) auf- 
geführt haben, was ungewöhnlich früh sein würde, da ein solches Werk doch auch längere 
Studien und Uebungen voraussetzt. Auch hat sich Terenz in seinen Prologen gegen den 
Vorwurf der Frühreife, den die Gegner des Dichters wohl nicht unterlassen hätten, wenn 
sie vorhanden gewesen wäre, niemals verteidigt. H. Sauppe (Nachr. der Gott. Ges. der 
Wissensch. 1870 p. 115) vermutet, dass das Jahr 185 als Geburtsjahr des Terenz angesetzt 
wurde, weil es auch das des jüngeren Scipio war, dessen Beziehungen zu Terenz bekannt 
waren. Wir müssen also das Geburtsjahr hinaufrücken und ihn etwa um 190 geboren sein 
lassen. ~ A. Pirro, La data della nascita di Terenzio (Rivista di filol. 24 (1896) p. 382). 



P. TerentiQB Afer. (§ 41.) X85 

Die Heimat des Dichters. Die Vita gibt an: P. Tereniius Afer Carthagine natua. 
Mit Afri werden die den Puniem gegenüberstehenden libyschen Stämme bezeichnet; so 
lesen wir bei Livius 80, 33, 5 Carthaginienses Afrosque; 28, 14,4 Carthaginienses mixt* Afris; 
28, 14, 19 Poeni vHerani Afrique, Terenz war also kein Punier, sondern gehörte einer der 
von den Karthagern in Abhängigkeit stehenden Völkerschaften an; vgl. £. Baehrens, 
Fleckeis. Jahrb. 123 (1881) p. 401. Dass Terenz, auch wenn er in EarUiago geboren war, 
doch ein Afer sein und heissen konnte, ist klar. — 8. Betti, Sulla patria del poeta comico 
Terenzio (Atti dell' accad. rom. di arch. 14 (1860) p. 139). 

üeberführung des Dichters nach Rom. Dass Terenz nicht als Kriegsgefangener 
nach Rom kam, hatte schon Fenestella erschlossen, cum inter finem seeundi Puniei belli 
et initium iertii et natuB sit et mortuus; Tgl. Th. Bergk, Philol. 16 (1860) p. 628. Ueber 
seinen Herrn sagt die Vita: eervivit Ramae Terentio Lucano aenatori, a quo ob ingenium 
et formatn non institutua modo liberaliter, sed et mature manu misaus est, 

Statins Caecilius und Terenz. In der Vita wird folgende Geschichte erzählt: 
aeripsit eomoedias sex, ex guibus primam Andriam cum aedilibua daret, iuesua ante Cae- 
cilio recitare ad eenantem cum veniaaet, dicitur initium quidem fabulae, quod erat eon- 
temptiore veatitu, aubaellio iuxta lectutum reaidena legiaae, poat paucoa vero veraua intfitatua 
ut aecumberet cenasae una, dein cetera percucurriaae non eine magna Caecilii admiratione. 
Das Anekdotenhafte des Berichts im einzelnen liegt klar vor Augen. Die Angabe, dass die 
Andria vor der Aufführung geprüft worden sei, lässt sich, wenn Caecilius im Jahre 168 
starb (vgl. oben § 40 a), nur unter der nicht ganz unmöglichen Voraussetzung halten, dass 
zwischen der Prfifnng und der AuffOhrung etwa zwei Jahre verstrichen. Der ganze Bericht 
wird verworfen oder in Zweifel gezogen von F. Marx, Panlj-Wissowas Realencycl. Bd. 1 
Sp. 143; F. Skntsch, ebenda Bd. 3 Sp. 1190; F. Leo, Plaut. Forsch., Berl. 1895, p.90 Anm. 1. 

Terenz und der Scipionenkreis. Die Vita ere&hlt: a) hie cum multia nobUibua 
familiariter Hxit, aed maxime cum Seipione Africano et C. LaeHo, quibua etiam eorporia 
gratia coneüiatua exiatimatur. Weiterhin: ß) non obacura fama est adiutum Terentium in 
acriptia a Laelio et Seipione, eamque ipae auxit numquam niai leviter refutare eonaiua, 
ut in prologo Addphorum (Vs. 15 — 21). videtur autem Uviua ae defendiase, quia aciebat 
et Laelio et Scipioni non ingratam eaae hanc opinionem, quae tum magia et usque ad po- 
at eriora tempora wiiluit; vgl. auch unten p. 226. Dieses Gerede von der fremden Unter- 
stfltzung erhielt sich in der römischen Litteratur; so berichtet die Vita, dass C. Memmius in 
einer Rede gesagt habe: P. Africanua, qui a Terentio peraonam mutuatua^ quae domi luaerat 
ipae, nomine illtua in acaenam dettUit. Auch Nepos erzählte nach der Vita eine darauf be- 
zQgUche Anekdote. Gic. ad Att. 7, 3, 10 Terentium, cuiua fabeUae propter elegantiam aermonia 
putabantur a C. Laelio acribi. Quintil. 10, 1, 99 licet Terentii acripta ad Scipionem Afrieanum 
referantur. Eine Anspielung auf das Verhältnis will W. Christ (Sitzungsber. der Münchner 
Akad. der Wissensch. 1897 p. 148) Juvenal 3, 322 erkennen. Beide Anschuldigungen waren 
schon im Altertum controvers. Die Entscheidung der ersten hing davon ab, ob Terenz 
jünger war als seine Liebhaber. Allein eine sichere Kunde Aber das Altersverhältnis hat 
es im Altertum nicht gegeben. Was den zweiten Vorwurf anlangt, so erfahren wir aus 
dem Prolog zum Heantontimorumenos, dass sein Konkurrent, der malevolua vetua poeta^ dem 
Terenz zur Last gelegt habe, nicht durch eigenes Können, sondern durch die Beihilfe seiner 
Freunde sei er plötzlich als Dichter aufgetreten. In der von der Vita erwähnten Stelle des 
Prologs zu den Adelphoe bringt der Dichter wieder den Vorwurf der iati maledici vor, dass 
vornehme Männer ihm Beihilfe leisteten und sich an der Abfassung der Stücke beteiligten ; 
er weist die üble Nachricht indirekt dadurch zurück, dass er sagt, er rechne sich zur 
höchsten Ehre an, wenn er illia placet qui vobia univoraia et populo placent, quorum opera 
in bello, in otio, in negotio auo quiaque tempore uauat eine auperbia. Hier tritt uns die 
Tatsache entgegen, dass Terenz im Geiste der vornehmen römischen Gesellschaft dichtete. 
An bestimmte Persönlichkeiten hierbei zu denken — Porcius (§ 62 a) nennt Scipio Africanus, 
Laelius und Furius Philus — ist nicht notwendig, und schon Santra stiegen Bedenken 
wegen Scipio und Laelius auf. — J. Vahlen, Ueber die Verse des Porcius in Suetonius' 
Vita Terentii (Monatsber. der Beri. Akad. der Wissensch. 1876 p. 789); F. Leo, Plaut. Forsch., 
Berl. 1895, p. 55; R. Büttner, Porcius Licinus und der litterarische Kreis des Q. Lutatius 
Catulus, Leipz. 1893, p. 42; J. M. Stow asser, Porcius Licinus über Terenz (Zeitschr. für 
die österr. Gymn. 51 (1900) p. 1069). 

Reise und Tod des Dichters. Die Reise nach Griechenland wird wohl als Tat- 
sache festzuhalten sein (vgl. jedoch die Zweifel bei P. Rabbow, De Donati commento in 
Terentium specimen observationum I, Fleckeis. Jahrb. 155 (1897) p. 342). Die Motive aber, 
die Terenz zur Reise veranlasst haben sollen {animi eauaa et vitandae opinionia, qua vide- 
batur aliena pro auia edere, aeu perdpiendi Graecorum inatituta moreaque, quoa non perinde 
exprimeret in acriptia\ beruhen natürlich nur auf Conjektur; am wahrscheinlichsten ist die, 
welche den Dichter nach Griechenland reisen lässt, um die griechischen Sitten kennen zu 



136 P* TerentiuB Afer. (§ 42.) 

lernen. Ueber den Tod des Dichters waren zwei Ansichten im Umlauf, die miteinander 
nicht za vereinen sind. Nach der einen, die auf Q. Cosconins zurückgeht, kam er auf dem 
Meere um. Wahrscheinlich gab aber Cosconius auch den Ort an, wo Terenz umgekommen, 
und es ist mit A. Fleckeisens krit Miszellen p. 59 aus dem Nachfolgenden sinu Leuecidiae 
heraufeuziehen, so dass etwa zu schreiben wAre: Q. Cosconius redeunUm e OraeHa perisse 
in mari [in] sinu Leucadiae cum eentutn et octo fabulis conversis a Menandro, eeUri mor^ 
tuum esse in Arcadia Stymphali tradunt. Vgl. auch das Scholion zu Lucan 5, 651 oraeque 
malignas Amhraciae portus, das also lautet (p. 181 Usener): malignos autem dixit, quoniam 
est ibi Terentius mortuus. Die übrigen Gewfthrsmftnner Hessen dagegen den Terenz zu 
Stymphalos in Arkadien sterben; als Todesursache wird einerseits Krankheit, anderseits 
Kummer über den Verlust seines vorausgeschickten Gepftcks, das auch nenbearbeitete Stücke 
enthielt, angegeben. 

Die Äussere Erscheinung des Dichters. Die Vita sagt: fuisse dieitur medioeri 
siatura, graeili corpore, colore fuseo. Der fuscus color ist eine Stammeseigentümlichkeit; 
vgl. Moretum 32: Afra gentis, tota patriam testante figura, \ iorta eomam labroque tumens 
et fusca colore. Es sind uns Bildnisse des Dichters überliefert und zwar a) in den Bilder- 
handschriften des Terenz (vgl. F. Leo, Rhein. Mus. 38 (1883) p. 835). Vier hat E. Bethe 
(Terentius, cod. Ambrosianus, Leiden 1903) mitgeteilt tab. DI 1 und 2, VI 1, XXX. Bethe 
(p. 63, p. 64) führt weiterhin aus, dass das Bildnis des Terenz nicht über das Ende des 
2. Jahrh. n.Chr. hinaufgehen könne; ß) auf einer Contomiatmünze im Münzkabinett von 
Gotha. Aber es ist doch sehr fraglich, ob diese Bildnisse auf ein wahres Gonterfei des 
Dichters zurückgehen (vgl. auch Bethe p. 63); dem Bericht der Vita liegt, wie dieitur zeigt, 
offenbar nicht die Autopsie eines Bildes zu Grunde. Ueber die ganze Frage vgl. O.Engelhardt, 
Die Illustrationen der Terenzhandschr., Jena 1905, p. 25. Unsicher ist auch die Deutung einer 
Büste, die 1826 in der Nähe des von Sueton bezeichneten Landgutes des T. gefunden wurde und 
durch die beigefügte Maske allerdings einen dramatischen Dichter vorstellt. Sie befindet sich 
jetzt im kapitolinischen Museum; vgl. die phrasenhafte Beschreibung von E. Braun, Die 
Ruinen und Museen Roms, Braunschweig 1854, p. 170. — G. Visconti, Iconographie romaine 
1 (Paris 1817) p. 225; J. J. BernouUi, Rom. Ikonographie 1 (Stuttgart 1882) p. 68. 

Die Familienverhältnisse des Dichters. In der Vita heisst es: reliquit /f/tam, 
quae post equiti Romano nupsit, item hortulos XX iugerum via Appia ad Mortis [viUam]. 
Porcius Licinus dagegen sprach von der Verarmung des Dichters, was Sueton den eben 
mitgeteilten Tatsachen gegenüber verwunderlich findet. 

42. Die Chronologie der terenzianischen Komödien. Terenz schrieb 
sechs Komödien, welche sämtlich aufgeführt wurden. Die äussere Ge- 
schichte derselben lernen wir aus den didaskalischen Notizen kennen, 
welche den einzelnen Stücken (mit Ausnahme der Andria) in den Hand- 
schriften vorausgeschickt werden, und welche sich in den dem Donat zu- 
geschriebenen praefationes (mit Ausnahme des Heautontimorumenos) vor- 
finden. Auf wen diese Notizen zurückgehen, lässt sich nicht bestimmt 
sagen, wahrscheinlich war die Quelle eine einschlägige Schrift Yarros. In 
diesen didaskalischen Notizen wurden, wenn sie vollständig waren, folgende 
Punkte berücksichtigt: 1. Namen des Stückes und des lateinischen Dichters; 
2. Festspiel, an dem das Stück aufgeführt wurde; 3. die Leiter des Fest- 
spiels; 4. Hauptschauspieler und Direktor der Truppe; 5. Gomponist; 6. die 
Gattung der Flötenmusik; 7. Dichter und Titel des griechischen Originals; 

8. die Nummer des Stückes in der Reihenfolge der Werke des Dichters; 

9. die Konsuln des Jahres, in dem die Aufführung des Stückes stattfand. 
Mit Hilfe dieser Angaben können wir Zeit der Aufführung und das Fest- 
spiel bestimmen: 

166 Andria an den ludi Megalenses, 

163 Heautontimorumenos an den ludi Megalenses, 

161 Eunuchus an den ludi Megalenses, 

161 Phormio an den ludi Romani, 

160 Adelphoe an den ludi funerales des Aemilius Paulus, 

160 Hecyra wahrscheinlich an den ludi Romani. 



P. Terentins Afer. (§ 42.) 137 

Bezüglich der Hecyra ist jedoch zu bemerken, dass bereits 165 an 
den ludi Megalenses eine Aufführung des Stückes versucht wurde, die- 
selbe aber nicht zustande kam, femer dass 160 an den ludi funerales des 
Aemilius Paulus die Aufführung begonnen, aber nicht beendigt wurde. 
Alle Stücke wurden von L. Ambivius Turpio zur Aufführung gebracht, der 
wohl auch die Hauptrolle übernahm; er war zugleich Mittelsperson zwi- 
schen den Dichtern und den Festgebern und infolgedessen nicht ohne Ein- 
fluss auf die Entwicklung der schaffenden Dramatiker. Er liess sich nicht 
durch anfangliche Misserfolge der Dichter, deren Bedeutung er erkannt 
hatte, bestimmen, sie fallen zu lassen, sondern fuhr mit den Aufführungen 
fort, bis seine Schützlinge beim Publikum durchdrangen. So hat er Cae- 
cilius die Wege geebnet und auch Terenz über die Schwierigkeiten, die 
seine Hecyra ihm machte, hinweggeholfen. Der Gomponist der Flöten- 
musik, welche von einem einzigen Bläser ausgeführt wurde, ist in allen 
Stücken Flaccus, der Sklave des Claudius. 

Allgemeine Litteratar über die terenzianischen DidaskalieD. F. Ritschi, 
Parerga, Leipz. 1845, p. 263; W. Wilmanns, De didascaliis Terentianis, Diss. Berl. 1864. 
Grundlegend ist die Abhandlung von K. Dziafczko, Ueber die terentianischen Didaskalien 
(Rhein. Mus. 20 (1865) p. 570; 21 (1866)p.M); vgl. dazu: Handschriftliches zu Terenz (ebenda 
39 (1884) p. 339); F. Scholl, Varro und die röm. Didaskalien (ebenda 31 (1876) p. 469). 

Die Form der terenzianiscl^en Didaskalien. Als Muster einer Didaskalie 
geben wir hier die zum Eunuchus, wie wir sie in der Ausgabe Dziatzkos lesen: IneipU 
Eunuchus Terenti. acta ludis Megalensib * L. Poatumio Albino L, Cornelia Menda, (iedilib ' 
cundib ' egit Ämbivitu Turpio. [L, Hatüius Praenestinua], modos feeit Flaceus Claudi. 
tihiis duabus dexiria tota, Qraeca Menandru. facta III. M, Valerio C. Fannio cos. üeber 
Punkt 6, ttber die Gattung der Flötenmuaik, handeln wir § 54. 

Quellen der didaskalischen Notizen. Wir unterscheiden: 1. die handschrift- 
lichen Quellen, 2. die Angaben des Donat. Die handschriftlichen Quellen scheiden sich 
wieder nach dem cod. Bembinus (A) und den Handschriften der calliopischen Recension. 
K. Dziatzko (Rhein. Mus. 21 (1866) p. 88) charakterisiert die beiden handschriftlichen 
Quellen also: Dem cod. A verdanken wir «eine zwar sehr lückenhafte, vielfach auch ver- 
wirrte, aber noch nicht durch systematisch angelegte Redaktionen oder willkürliche Aen- 
derungen (mit wenigen Ausnahmen) entstellte Kunde von den Aufführungen der terenzischen 
Stücke. Namentlich durch bedeutende Auslassungen und Vermischung der zu verschiedenen 
Aufführungen gehörigen Notizen hat die ursprüngliche Ueberlieferung stark gelitten*, p. 87: 
.Die calliopische Recension ist mit Ueberlegung, aber auch mit Willkür angelegt; charak- 
teristisch für sie ist die Beschränkung auf eine einzige (die erste) Aufführung. Nur in der 
Hec. sind die beiden Wiederholungen, welche noch zu Lebzeiten des Terenz stattfanden, 
berücksichtigt und hinsichtlich der Ad. folgte sie einfach der vorliegenden Quelle. Wenn 
sich übrigens trotz jener Beschränkungen im Titulus des Eun. die Namen von drei Kon- 
suln finden, so hat Calliopius ohne Zweifel den einen für einen Vor- oder Zunamen ge- 
halten.* Weiter bemerkt Dziatzko, .dass in dieser Recension eine bestimmte vom cod. A 
zum Teil abweichende Reihenfolge der einzelnen Angaben streng durchgeführt ist (abge- 
sehen von einer nur zufälligen Verwirrung im Eun.) und dass stets zwei actores mit der 
Wendung egere angeführt sind.* Die Angaben des Donat finden sich in den Praefationen, 
über welche zu vgl. Rabbow p. 320. Seinen Angaben liegt eine Fassung zu Grunde, wie 
wir sie in der calliopischen Recension finden; .sie zeigt sich bei ihm noch in älterer Form, 
weil er keine mit willkürlichen Aenderungen verbundene Redaktion, sondern nur eine Para- 
phrase der Didaskalien (doch auch mit Beschränkung auf die ersten Aufführungen) geben 
wollte* (Dziatzko p. 87). — In letzter Linie werden die didaskalischen Notizen auf die 
commentarii der Festleiter zurückgehen; so wird Cic. Brut 18, 72 bei der Besprechung der 
ersten Aufführung des Livius Andronicus angeführt: nos in antiquia commentariis invenitnus 
(vgl. oben p. 58); vgl. auch 15, 60 (oben p. 63). üeber die auf die dramatische Litteratur 
bezüglichen Schliffen Varros vgl. § 186 und besonders Nr. 8. 

Die Aufführung der terenzianischen Komödien. Vgl. F. Torchiana, Quo 
tempore P. Terenti fabulae primum actae sint, pars 1, Pisa 1896. Die Zeugnisse hierüber 
sind folgende: 

et) Andria. Dass die Andria das erste Stück war, das Terenz aufführen liess, be- 
zeugt Sueton (vgl. oben p. 135). Donat. praef. p. 36 Wessner haec prima facta est, acta 



140 P. Taraniiiui Afer. (§ 42.) 

nach der Andria stattgefunden. Zuerst hat W. Wilmanns (De didascaliis Terentiania, 
Diss.Berl. 1864, p.49) diese Ansicht methodisch begründet. Ihm folgten K. Dziatzko, Rhein. 
Mus. 21 (1866) p. 78, der aber in seiner Ausg. des Phormio, Leipz.* 1885, p. 12 Anm. 3 
die Sache als zweifelhaft hinstellt; H. Paeckelmann, De ordine P. Terenti fabulamm 
potissimum prologis adhibitis, Diss. Halle 1875, p. 23; H. Schindler, Observationes criticae 
et hiatoricae in Terentium, Diss. Halle 1881, p. 37, der aber die erste Aufführung dem 
Jahre 162 zuweisen will; L. Havet, Reme de philol. 11 (1887) ^, 48 (aus metrischen Rück- 
sichten); E. Herrmanowski, Quaest. Terentianae selectae, Diss. Halle 1892, p. 38; W. 
Meyer, Quaest. Terent. p. 39. Dieser Auffassung traten entgegen W. Wagner, Fleckeis. 
Jahrb. 91 (1865) p.289; H. Bosse, Quaest. Terentianae, Diss. Leipz. 1874, p. 3; Ph. Fabia, 
Les nrologues de T^rence, Paris 1888, p.49 Anm. 1; H.T.Karsten, Mnemos. 22 (1894) 
p. 208. Donat kennt und berichtet auch die Aufführung, welche die Didaskalie angibt (vgl. 
praef. p. 4 Wessner). Die andere Notiz gründet sich wohl auf die handschriftliche Ueber- 
lieferung, welche die Adelphoe an zweiter Stelle gibt; so nimmt z. B. im Victorianns unser 
Stück diese Stelle ein (vgl. F. Leo, Rhein. Mus. 38 (1883) p. 324). Es ist nicht erwiesen 
und kann nicht erwiesen werden, dass dieser Reihenfolge feste chronologische Daten zu 
Grunde liegen. Auch liegt in dem Prolog nichts Entscheidendes vor, das uns zwftnge, ihn 
in den Anfang der Laufbahn des Dichters zu stellen. 

Die Schauspielerdirektoren bezw. die Hauptschauspieler in den Stücken 
des Terenz. a) Andria. Donat praef. p. 36 Wessner egerunt L. Atilius Praenettinus 
et L. Ambivius Turpio. ß) Hecyra. Am Schluss der Didaskalie im Bembinus heisst es: 
egit Ir. Ambiviua L. Sergius Turpio, Dass L. Ambivius Turpio bei der letzten Aufführung 
der Hecyra und wohl auch bei den zwei früheren spielte, ergibt sich aus dem zweiten Prolog. 
y) Heautontimorumenos. Bembinus: egit AmhivitM Tufyio, Calliop. Recension: egere 
L. Ambivius Turpio L. Atilius Praenestinus. d) Eunuchus. Sowohl der Bembinus abs 
die calliopische Recension geben uns, wenn auch zum Teil fehlerhaft, die Namen L. Am- 
bivius Turpio und L. Hatilius Praenestinus. Donat praef. p. 266 Wessner: agetUihus etiam 
tunc personatis L, Minucio (soSchopen; tnunidio T; numidio cet. Codices) Prothifmo L. Am- 
bivio Turpione. i) Phormio. Calliop. Recension: egere L, Ambivius Turpio L, Atilius 
Prcienestinus. C) Adelphoe. Bembinus: egere L, KatiHus Praenestinus L. Ambibius Turpio. 
Calliop. Recension: egere L, Atilius Praenestinus Minutius Prothymus, Donat praef. p. 4 
Wessner: agentibus L. Ambivio et L, {Minucio Prothymo ergänzt von Wilmanns), qui cum 
suis gregibus etiam tum personati agebant. lieber die Tätigkeit des in allen Stücken bei 
der Aufführung genannten L. Ambivius Turpio belehrt uns der Prolog zur dritten Aufführung 
der Hecyra und der zum Heautontimorumenos, die er spricht. Die Zuteilung der Prolog- 
rolle an Ambivius war etwas Ungewöhnliches, denn er war damals schon senex, während 
der herkömmliche Prologsprecher ein adulescens war; vgl. Prolog Heautont. Vs. 1 und Prolog 
Hec. II Anfang. Dass Ambivius eine leitende Stellung bei der Aufführung inne hatte, geht 
deutlich aus dem Hecyraprolog hervor. Ueber seinen Einfluss auf Caecilius vgl. Prolog 
Hec. Vs. 14. Dass er aber auch als Schauspieler auftrat, ergibt sich aus Prolog Heautont 
Vs. 39. Auch bei der späteren Generation lebte Ambivius fort; vgl. Cic. Cato maior 14, 48: 
Turpione Ambivio magis delectatur qui in prima cavea speetat, deleetatur tamen etiam qui 
in ultima. Tacit. dial. 20 si quis in scaena Roscii aut Turpionis Atnbivii exprimere gestus 
velit. Symmach. epist. 1, 31, 3; 10, 2. Es ist noch die Frage zu beantworten, wie die in 
den didaskalischen Notizen für die Aufführung namhaft gemachten Persönlichkeiten L. Hati- 
lius Praenestinus, L. Sergius und L. Minucius Proth^mus zu deuten sind. Am wahrschein- 
lichsten ist die Hypothese, dass wir in ihnen die Unternehmer und Hauptschauspieler von 
späteren Aufführungen zu suchen haben; dies ist z. B. die Ansicht Dziatzkos, der er im 
Rhein. Mus. 21 (1866) p. 64 Ausdruck verliehen hat. — F. Ritschi, Parerga p. 327. 

Reihenfolge der Stücke, a) Reihenfolge in den didaskalischen Notizen. 
Im Bembinus wird die Reihenfolge der Stücke eingeführt durch facta {est) II, III u. s. w. 
Er gibt den einzelnen Stücken folgende Reihenfolge: Eunuchus secunda; Heautontimoru- 
menos tertia; Phormio////; Hecyra V; Adelphoe VI. In der calliopischen Recension 
haben wir in der massgebenden Ueberlieferung drei Numerierungen: Heautontimoru- 
menos facta III; Eunuchus acta secunda; Phormio facta IUI. Es besteht also Ueber- 
einstimmung zwischen dem cod. Bembinus und der calliopischen Recension. Für die Andria 
fehlen die didaskalischen Notizen in den Handschriften. Bei Donat finden wir folgende 
Angaben: praef. Andria p. 36 Wessner haec prima facta est; praef. Eunuchus p. 267 W. 
edita tertium (Ritschi: tertia) est et pronuntiata * Terenti Eunuchus' quippe iam adulta 
commendatione poetae ac meritis ingenii notioribus populo; praef. Phormio p. 346 W. edita 
est quarto loco; praef. Adelphoe p. 5 W. hanc dicunt ex Terentianis secundo loco actam; 
praef. Hecyra p. 190 W. facta et edita quinto loco. Wir erhalten also folgende Reihenfolge: 
I Andria, II Adelphoe, III Eunuchus, IV Phormio, V Hecyra. Wie man sieht, besteht die 
Verschiedenheit der handschriftlichen und der von Donat gegebenen Reihenfolge darin. 



P. Terentina Af«r. (§ 42 a.) 141 

dass Adelphoe bei Donat die zweite, in der handschriftlichen Didaskalie die sechste, Eu- 
nuchus dort die dritte, hier die zweite einnehmen. Endlich heisst es in der Vita p. 5 Wessner: 
Volcaeiua in dinumeratione amnium ita scribit: aumetur Uecyra sexta, exilis fabula; vgl. 
aber die Konstituierang und Interpretiemng dieser Stelle unten § 62 b p. 226. j9)DieReihen- 
folge in den Handschriften. Die Stücke folgen sich im Bembinus also: Andria, Eu- 
nachua, Heantontimorumenos, Phormio, Hecyra, Adelphoe. Die Reihenfolge stimmt mit der 
Numerierung überein. Diese Anordnung liegt ursprünglich auch dem Commentar des £u- 
graphius zu Grund. Was die calliopiscne Recension anlangt, so ist in PGFE die Reihen- 
folge: Andria, Eunuchus, Heautont., Adelphoe, Hecyra, Phormio. In der cf-Klasse der callio- 
piachen Recension findet sich die alphabetische Reihenfolge: Andria, Adelphoe, Eunuchus, 
Phormio (es liegt die Schreibung Formio zu Grund), Heautont., Hecyra. In den Donat- 
handschriften ist die Reihenfolge: Andria, Eunuchus, Adelphoe, Hecyra, Phormio. Im Pari- 
sinna 7920 s. XI haben wir die Reihenfolge: Andria, Adelphoe, während alle übrigen Stücke 
fehlen. Ghigianus H. VU. 240 s. XV hat die Reihenfolge: And., Ad., Eun., Hec, Phor.; 
Tgl. M. Warren, Glassical philology 1 (1906) p. 43. — Die Verschiedenheit der Reihenfolge 
ist auf yerschiedene Ursachen zurückzuführen, die aber nicht immer sicher zu bestimmen 
sind. Für die chronologische Fixierung hat die Reihenfolge keine massgebende Bedeutung. 
Litteratur. W. Wagner, Fleckeis. Jahrb. 91 (1865) p. 291; K. Dziatzko, Rhein. 
Mns. 21 (1866) p.84; H. Bosse, Quaest. Terentianae, Diss. Leipz. 1874, p. 8; E. Scheide- 
mantel, Quaest Euanthianae, Diss. Leipz. 1883, p. 38 Anm.; F. Leo, Rhein. Mus. 88 
(1888) p. 318; H. T. Karsten, Sylloge Lugdunensis 1893 p. 47; Mnemos. 22 (1894) p. 178; 
P. Rabbow, De Donati commento in Terentium specimen observationum primum (Fleckeis. 
Jahrb. 155 (1897) p. 328); E. Hauler, Ausg. des Phormio, Leipz.' 1898, p. 17 Anm. 2, p. 187. 

42 a. Die Prologe zu den Komödien des Terenz. Wie bei Plautus, 
so finden wir auch bei Terenz den Prolog. Allein er nimmt hier eine 
ganz andere Stelle ein. Bei Plautus hatte der Prolog die Aufgabe, in den 
Gang der Handlung einzuführen und besonders die dem Stück voraus- 
liegenden Vorgänge darzulegen. Terenz und vielleicht schon vor ihm Gae- 
eilius erkannten jedoch richtig, dass das Stück selbst diese Aufgabe zu 
erfüllen habe und dass zu diesem Zweck sogar Personen, welche mit der 
Handlung selbst gar nicht enge verflochten sind, von dem Dichter ein- 
geführt werden könnten; es sind dies die sog. nQoatona ngarauxti, welche 
im Anfang des Stückes auftreten, um die Exposition in dialogischer Form 
einzuleiten, und dann wieder verschwinden. Mit diesem ästhetischen Prinzip 
kam der Prolog für Terenz eigentlich in Wegfall, und in der Tat ist es 
sehr wahrscheinlich, dass der Dichter bei der ersten Aufführung der Andria 
wie bei der der Hecyra, für welches Stück uns das Fehlen des Prologs 
ausdrücklich bezeugt ist, keinen Prolog seinem Stück beigegeben hat. Allein 
die Anfeindungen, die Terenz von seinen Oegnern, besonders von dem 
neidischen Luscius Lanuvinus zu erdulden hatte, machten ein Organ not- 
wendig, in dem der Eomödienschreiber seinen Feinden zuleibe gehen und 
sich direkt mit dem Publikum ins Benehmen setzen konnte; dazu bot sich, 
wie von selbst, der Prolog dar. Auch die moderne Zeit weist Analogien 
auf: als Racine seinen Britanniens publizierte, antwortete er in einem dem 
Stücke vorausgeschickten Vorwort auf die Kritik seiner Gegner. Der 
terenzianische Prolog führt uns also in die litterarischen Kämpfe, von 
denen die Zeit des Dichters bewegt wurde, ein und lässt uns auch einen 
Blick in das Schaffen des Dichters tun. Verschiedenes hatte die Kritik 
an dem Emporkömmling auszusetzen: sie tadelte das Kunstmittel der 
Contamination, zu dem Terenz in verschiedenen Stücken gegriffen hatte, 
sie beschuldigte ihn des Plagiats und schreckte nicht vor der Verleumdung 
zurück, dass die vornehmen Freunde des Dichters ihm bei Abfassung seiner 
Stücke behilflich seien. Endlich mäkelte sie auch an seinem Stile, indem 



142 P* Tarentina Afer. (§ 42 a.) 

sie ihn als saft- und kraftlos hinstellte. Allen diesen Angriffen treten die 
Prologe scharf entgegen, und es gelingt ihnen, sie in nichts aufzulösen. 
Aber auch mit dem Publikum hatte der Dichter manches Wort zu sprechen. 
Nicht alle StQcke waren gleich von Anfang an von Erfolg begleitet; über 
diese Misserfolge sich auszusprechen, schien der Prolog ebenfalls sehr ge- 
eignet zu sein. Erhalten sind uns zu allen sechs Stücken Prologe, zur 
Hecyra sogar zwei, einer für die missglückte zweite Aufführung und einer 
für die durchgeführte dritte. Die Prologe trug ein jüngerer Schauspieler 
mit einem besonderen Abzeichen vor, den zweiten zur Hecyra und den zum 
Heautontimorumenos der Schauspieldirektor L. Ambivius Turpio. 

Litteratur über die terenzianischen Prologe. A. L. R. Liebig, De prologis 
Terentianifl et Plauiinis, Progr. Görlitz 1859; E. Dziatzko, De prologis Plantüiis etTeren- 
tianis quaest. aelectae, Diss. Bonn 1863; W.Wagner, De Terenfci Andriae prologo (Liber 
miscellaneoB editus a societate pbUol. Bonnensi (1864) p.72); 0. Amdohr, Prologi Hecvrae 
Tereniianae grammatica, critica, nistorica ratione pertractantur, Dias. Gott 1873; H. Paeckel- 
mann, De ordine P. Terenti fabolarum potissimam prologis adhibitis, Diss. Halle 1875 ^ 
H. Schindler, Observationes criticae et historicae in Terentium, Diss. Halle 1881 (p. 39: 
Hecyrae prologos ab Ambivio Turpione esse conscriptos); G. Boissier, Les prologues de 
T4rence (Mälanges Graux, Paris 1884, p. 79); A. Roehricht, Quaest. scenicae ex prologis 
Tereniianis petitae, Diss. Strassb. 1885 (Diss. Argentoratenses 9 (1885) p. 293); L. Havel, 
Sur les prologues de THeautontimorumenos, de PHecyra et du Phormio (Revue de philol. 
10 (1886) p. 12); Ph. Fabia, Les prologues de T4rence, Paris 1888 (vgl. darüber A. Engel- 
brecht, BerL philol. Wochenschr. 1890 Sp. 484); E. Herrmanowski, Quaest Terentianae 
selectae. I. De prologi Heautontimorumenu genuina forma (über die grossen Willkürlich- 
keiten dieses Versuchs vgL E. Dziatzko, Wochenschr. für klass. Philol. 1893 Sp. 71); IL Ex 
prologis quid de ordine fabularum appareat, Diss. Halle 1892; H. T. Karsten, TerenÜani 
prologi quot qualesque fuerint et quibns fabularum actionibus destinati a poeta (Mnemos. 
22 (1894) p. 175); F. Leo, Plaut. Forsch., BerL 1895, p. 174; Analecta Plautina de figuris 
sermonis II, Göttingen 1898, p. 15 (über den rhetorischen Charakter der Prologe); P. Rabbow, 
De Donati commento in Terentium specimen observationum primum (Fleckeis. Jahrb. 155 
(1897) p. 323); G. Cnpaiuolo, Bollettino di filoL class. 5 (1898) p. 281; 6 (1899) p. 65 (zu 
Adelphoe prol. Vs. 1—5, 20, 21); F. S kutsch, Der Prolog zum Heautontimorumenos des 
Terenz (PhiloL 59 (1900) p. 1); Walther Mever, Quaest. Terentianae, Diss. Leipz. 1902 
(behandelt unter A: Ex prologis Terentianis quid de ordine fabularum chronologico discamus). 

n^oatana n^otatixa. Euanthius de fabula p. 19 Wessner n^oiarixä n^attna, 
id est persanas extra argumentum aceersUas, non facUe ceteri habent (doch vgl. bezüglich 
des Plautus F. Leo, Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 220), quibus Terentiua saepe utitur, ut 
per harum inductiones faeiUua paUeat argumentum. Donat. praef. Andria p. 36 Wessner 
initium nQotanxdy nQoaatnoy, id est adventiciam personam, recepit Sosiae propter evolven- 
dam argumenti obscuritatem, persona autetn protatica ea intellegitur, quae semel inducta 
in principio fadulae in nuUis deinceps fabulae partibus adhibetur, Terenz hat nQoatana 
ngoTtttixä in drei Stücken angewendet: in Andria, Phormio und Hecyra. Donat. zu Andria 
Vs. 28 p. 49 W. Sosiae persona protatica est, non enim usque ad finem perseverat, ut est 
Davi in Phormione, in Hecyra Phüotidis et Syrae, Zu Hec. Vs. 58 p. 203 W. persona Terenti 
more extrinsecus assumilur, ut sit per quam argumenti obscuritatem speetator effugiat. Zu 
Phormio Vs. 35 p. 357 W. wird das ngwratnoy nQoranxoy also charakterisiert: cui dum ob 
hoc ipsum, quod veluti aliena a tota fabula est, res gesta narratur, discat populus textum 
et continentiam rerum sitque instructus ad cetera. 

Die Angriffe auf Terenz. Ueber den Vorwurf der Gontamination vgL Andria 
prol. 16, Heautont. proL 16. Bezüglich der Plagiate vgl. Eunuch, prol. 23, Adelphoe prol. 13. 
Ueber die Beihilfe seiner vornehmen Freunde vgl. Heautont. prol. 24, Adelphoe prol. 15. 
Der Vorwurf der Gegner über den Stil lautete (Phormio prol. 4): fabulas tenui esse ora- 
tione et scriptura levi, Ueber die Vorwürfe handeln eingehend Fabia p. 177; W. Meyer p. 14. 

Streitfragen über die terenzianischen Prologe, a) Es fragt sich, ob Terenz 
gleich von Anfang an seine Stücke mit Prologen ausstattete. Schon W. Wagner (vgl. 
Fleckeis. Jahrb. 91 (1865) p. 288^ hat die Vermutung aufgestellt, ,dass Terentius wie zu- 
erst die Hecyra, so auch die Anaria zuerst ohne einleitenden Prolog habe aufführen lassen. ** 
Auch Karsten (p. 189, p. 211, p. 217) vertritt diese Ansicht Wagners; ebenso F. Leo, 
Analecta Plaut. II p. 21 Anm. 1. Für die Hecyra liegt ein ausdrückliches Zeugnis vor, 
dass die erste AufftÜirung ohne Prolog stattfand; so lesen wir be Donat prolog. Hec. Vs. 1 



P. Terentina Afer. (§ 43.) 143 

p. 192 Wesaner: haec primo data est sine prologo; auch in der Didaskalie des BembinuB 
zur Hec. heisst es: acta primo sine prologo. Diese Ueberlieferung mit K. Dziatzko (Rhein. 
Mus. 20 (1865) p. 580) zu verwerfen, haben wir keinen ausreichenden Grund. Wenn aber 
der vorliegende Prolog zur Andria, welche das erste Stück des Terenz war, zu einer spä- 
teren Aufführung gehörte, so ist sehr wahrscheinlich, dass bei der ersten Aufführung der 
Prolog ebenfalls wie bei der Hecyra fehlte, ß) Nach der ueberlieferung wird der zweite 
Prolog zur Hecyra von L. Ambivius Turpio gesprochen; auch bei dem Prolog zum 
Heautontimorumenos war dies, wie der Inhalt zeigt, der Fall. Schindler (p. 39) wollte 
erweisen, dass der zweite Prolog zur Hecyra von L. Ambivius Turpio verfasst sei. Auch 
bezüglich des ersten Prologs meint er (p. 53) : .si concedimus Adelphon actionem a. u. c. 594 
non primam fuisse*, sei auch für diesen Prolog die Autorschaft des Ambivius anzunehmen. 
Bezüglich des zweiten Prologs fand er die Zustimmung von E. Hauler, Zeitschr. für die 
Gsterr. Gymn. 36 (1885) p. 910, und L. Havet p. 14. Aber diese Ansicht ist an und für 
sich unwahrscheinlich und Iftsst sich auch nicht begründen; vgl. Fabia p. 11. y) Ein 
wichtiges Problem ist, ob sich die erhaltenen Prologe auf die erste oder auf eine spätere 
Aufführung beziehen. Bezüglich der Hecyra ist es klar, dass der erste Prolog zur zweiten, 
der zweite zur dritten AufftÜirung bestimmt war. Bezflyglich der anderen Prologe sind die 
Meinungen bei der Andria und bei den Adelphoe geteilt. Ich bin überzeugt, dass der 
Andriaprolog zur zweiten, der Adelphoeprolog aber zur einzigen Aufführung gehört; vgl. 
oben p. 138, p. 140. d) lieber die Hypothese Karstens, dass die Prologe zum Heauton- 
timorumenos und zum Phormio aus zwei Prologen verschiedener Zeit contaminiert seien, 
vgl. oben bei den betr. Stücken. 

43. Die Stoffe der terenzianischen Komödien. Wir legen in der 
Aufzählung der Stücke die Zeit der Abfassung zu Grunde. 

1. Andria (Das Mädchen von Andros). Pamphilus liebte ein ver- 
lassenes Mädchen aus Andros. Sein Vater Simo hatte ihm aber die Tochter 
des Ghremes bestimmt. Und eine solche Verbindung war auch ganz nach 
dem Sinn und Wunsch des Ghremes. Allein als Ghremes von dem Liebes- 
verhältnis des Pamphilus Kunde erhielt, zog er seine Einwilligung zurück. 
Um nun eine feste Handhabe zu erhalten, gegen seinen Sohn ernstlich 
vorzugehen, fingiert Simo Vorbereitungen zur Hochzeit. Der listige Sklave 
Davus rät seinem Herrn Pamphilus, scheinbar auf die Heirat einzugehen, 
dadurch komme Simos Plan in Verwirrung u. s. w. Allein bald darauf 
gelingt es Simo, Ghremes umzustimmen, sodass dieser zum zweitenmal 
seine Einwilligung zur Hochzeit gibt. Für Pamphilus wird die Situation 
um so peinlicher, als das Mädchen von Andros inzwischen eines Knaben 
von Pamphilus genesen ist. Doch Davus ist nicht verlegen, er weiss das 
neugeborene Kind dem Ghremes vor Augen zu bringen. Jetzt weigert 
sich Ghremes entschieden, dem Pamphilus seine Tochter zu geben. Da 
kommt zur rechten Zeit ein Fremder, durch den sich herausstellt, dass 
das Mädchen von Andros eine Tochter des Ghremes ist. Mit dieser Ent- 
deckung steht der Verbindung des Pamphilus und des Mädchens aus Andros 
kein Hindernis mehr im Wege. Was wird aber jetzt aus der ersten von 
Pamphilus verschmähten Tochter des Ghremes? Ihr Geschick wird durch 
eine Nebenhandlung entschieden, deren Träger Gharinus und sein Sklave 
Byrria sind. Gharinus liebt die dem Pamphilus zugedachte Tochter des 
Ghremes, dadurch berühren ihn die Verwicklungen des Stückes in hohem 
Grad. Die erwähnte Entdeckung bringt auch ihn zum erwünschten Ziel. 
Aber die Verlobung des Gharinus kommt nicht mehr im Stück zur Dar- 
stellung, sie wird als bevorstehend am Schluss erwähnt. 

Das Original ist die Andria des Menander, allein Terenz benutzte auch 
die Perinthia desselben Dichters. Das Stück ist spannend geschrieben ; die 



144 P* Tarentiiui Afer. (§ 43.) 

auftretenden Personen sind gut charakterisiert. Die Exposition der ersten 
Scene, in der ein sogenanntes nQoüoanov nQorauxov verwendet ist, muss 
als ganz vortrefflich bezeichnet werden. 

Die griechischen Originale, a) Prolog Vb. 9 Menander feeit Andriam et Perin- 

thiam mute eanvenere, in Andriam ex PeritUhia fatetur transtulisee <Uque usum pro 

suis, ß) Ueber das Yerhftltnis der beiden Stücke sagt der Prolog Vs. 10: qui tUramvis rede 
norit, ambaa noverii. non ita disaitnüi sunt argutnento, et tarnen diseimili aratione sunt 
factae ac stilo, Daza bemerkt Donat: prima aeaena Perinthiae fere iedem verbis quHnts 
Andria scripta est, cetera diaaimilia sunt exceptie duobus locie, dUero ad versus XI, aUero 
ad XX, qui in utraque fabula pasiH sunt. Eine Verschiedenheit der Andria nnd der Perin- 
thia für die erste Scene gibt Donat zu Prolog Vs. 14 (vgl. die folgende Rnbrik). In der 
Andria gab die erste Scene einen Monolog des Alten, in der Perinthia einen Dialog des 
Alten mit seiner Frau. Ueber die Urifgia vgl. F. Nencini, De Terentio einsqae fontibos, 
Livomo 1891, p. 38; E. F. Hermann, Terenti Andria quam fidellter ad Menandrum ex- 
pressa sit, Maro. 1838; J. Kopacz, Quantum Andriae compositio ad Terentii artem comicam 
illustrandam conferre videatnr (Eos 5 (1900) p. 126); über die He^ir&ia Nencini p. 46. 
Ueber das Verhältnis der Andria zur Perinthia und die Stellung des Terenz zu seinen 
Originalen vgl. C. Lindskog, Studien zum antiken Drama, Lund 1897, Miscellen p. 9. 

Die lateinische Bearbeitung, tt) Contamination. Donat zu Prolog Vs. 14 
conscius siin est primam scaenam de Perinthia esse translatam, ubi senex ita cum uxare 
loquitur, ut apud Terentium cum liberto. at in Andria Menandri solus est senex. Richtig 
bemerkt A. Spengel, Ausg.* p. XIII: „Wahrscheinlich hat Terentius ausser jener ersten 
Scene des ersten Aktes überhaupt nichts oder nur Unbedeutendes der HsQiy&ia entnommen" ; 
vgl. auch Grauert p. 198; Nencini p. 32; anders P. A. Sipkema, Quaest. Terentianae, 
Ajnsterdam 1901, 2. Teil, ß) Aenderungen des Originals. Donat zu Vs. 771 testimonia 
libera contra servum. et hoc proprium Terentii est, nam de Romano more hoc dixit. Zu 
Vs. 891 mira gravitate sensus elatus est; nee de Menandro, sed proprium Terentii, — Vgl. 
auch zu Vs. 959. y) Eigene Zutaten des Terenz. In Bezug auf Charinus und Byrria 
bemerkt Donat zu Vs. 301 : hos personas Terentius addidit fabulae, — nam non sunt apud 
Menandrum, — ne na^tjtixoy fieret Philumenam spretam relinquere sine sponso, Pamphüo 
aliam ducente. Es ist unmöglich, diesen klaren Worten gegenüber an eine Entlehnung der 
Nebenhandlung aus der Perinthia zu denken. Die Behauptung W. Ihn es, Quaest. Teren- 
tianae, Bonn 1843, p. 8, dem K. Dziatzko, Rhein. Mus. 31 (1876) p. 249, F. Kampe, Die 
Lustspiele des Terentius und ihre griech. Originale, Progr. Halberstadt 1884, p. 7, W. 8. 
Teuf fei, Stud. und Charakt., Leipz.* 1889, p.353 und 0. Ribbeck (Gesch. der röm. Dicht 1* 
p. 133) beistimmen, dass die beiden Personen aus der Perinthia entlehnt seien, ist eine irrige. 
d) Ueber den Prolog vgl. § 42. 

Der unechte Schluss des Stückes. Mit weisem Bedacht hat der Dichter auf 
die Verlobung des Charinus nur hingewiesen (Vs. 980 itUus despondebitur; intus transigetur, 
si quid est ^wd restet); in jüngeren Handschriften findet sich ein zweiter Schluss, in dem 
diese Verlobung noch dargestellt wird. Dass dieser Schluss nicht von Terenz sein kann, 
steht fest Ueber die Zeit der Abfassung desselben gehen die Ansichten sehr auseinander. 
Nach F. Ritschi (Parerga, Leipz. 1845, p. 62) wurde derselbe bald nach Terenz von einem 
Dichter für eine zweite Aufführung gemacht, dagegen teilt ihn einem Schauspieler der auf 
Terenz folgenden Zeit A. Greifeid (De Andriae gemino ezitu, Berl. 1886, p. 41) zu, einem 
Gelehrten des 2. Jahrh. n. Chr. E. Dziatzko (Fleckeis. Jahrb. 113 (1876) p. 253), einem 
solchen des 4. Jahrh. n. Chr. Kon r. Braun, Quaest Terentianae, Gott. 1877, p. 21. Einen 
dritten Schluss, in dem auch Simo auftritt, hat M. Zucker in dem Erlanger Codex 300 
s. XI entdeckt; vgl. Friedr. Schmidt, Ueber die Zahl der Schauspieler bei PI. und Ter., 
Erlangen 1870, p. 39; F. Falbrecht, De tertio Andriae exitu quem exhibet codex Erlan- 
gensis CCC (Diss. philol. Vindob. 4 (1893) p. 1); vgl. dazu E. Dziatzko, Wochenschr. für 
klass. Philol. 1893 Sj». 795, der die Stelle des Erlanger Codex mitgeteilt hat Ueber die 
ganze Frage handelt jetzt auch Sipkema 1. c. 

Zur Charakteristik des Stückes. A. Spengel, Ueber die Composition der 
Andria des Terentius (Sitzungsber. der Münchner Akad. der Wissensch. 1873 p. 599). 

Spezialausg. Ausführlicher Commentar über die Andria, nebst Text und Einleitung 
in den Terenz etc. von G. Perlet, Ronneb. u. Leipz. 1805; von F. Ritter mit adnotatio 
critica et exegetica, Berl. 1833; von Reinh. Klotz mit krit und exeget Anmerkungen, 
Leipz. 1865; rec. et variorum suisque notis illustr. L. Quicherat, Paris 1865; mit fran- 
zösischen Noten von E. Benoist, Paris 1866; von C. E. Freeman und A. Sloman, Oxford 
1886; erklärt von A. Spengel, BerL 1875, Berl.* 1888; erklärt von C. Meissner, Bemb. 
1876. Ueber die mir nicht zugängliche Ausg. von H. R. Fairclough vgl. Athenaeum 
1880 p. 305. 



P. Terentina Afer. (§ 43.) 145 

Uebersetznogen. Metrische von G. Perlet, Eisenach 1825; in den' Yersmasaen 
des Originals von F...X (Felix Mendelssohn-Bartholdy), mit Einl. und Anm. hrsg. 
von K. W. L. Heyse, Berl. 1826; von F. Jacob, Progr. Lübeck 1844. 

2. Hecyra (Die Schwiegermutter). Pamphilus, der eine Hetäre 
liebte, wird von seinem Vater zur Ehe mit Philumena gezwungen; er 
lässt sie daher unberührt, aber von Tag zu Tag ziehen ihn die trefflichen 
Eigenschaften der Frau mehr an. Eine ihm zugefallene Erbschaft führt 
ihn in die Fremde. Während seiner Abwesenheit geht Philumena der 
Schwiegermutter aus dem Wege und kehrt schliesslich ins väterliche Haus 
zurück. Daraus erwachsen der armen Schwiegermutter, von der das Stück 
den Namen hat, Vorwürfe von selten ihres Gatten; die Schuld an dem 
Zerwürfnis wird auf sie abgeladen. Da kommt Pamphilus von seiner Reise 
zurück und erfährt zu seinem Schrecken, dass seine Frau schon vor der 
Hochzeit infolge einer nächtlichen Vergewaltigung schwanger war und 
eben einen Knaben geborep hat. Da er der Mutter der Philumena 
Schweigen gelobt und auch sein Schwiegervater den wahren Sachverhalt 
nicht erfährt, kommt er mit seiner Weigerung, seine Frau ins Haus zurück- 
zuführen, in eine peinliche Situation. Aus derselben befreit ihn die von 
ihm früher geliebte Hetäre ; man hatte sie kommen lassen, weil man noch 
an fortdauernde Beziehungen derselben zu Pamphilus glaubte. Sie trägt 
den King, den Pamphilus einst nachts einem Mädchen abgezogen und ihr 
zum Geschenk gemacht hatte; es war der Ring, den bei jenem nächt- 
lichen Abenteuer Philumena verloren hatte. Somit war der Vater des ge- 
borenen Knaben entdeckt, es war Pamphilus selbst. 

Das Stück hat so gut wie keine komischen Scenen, es ist ein Fa- 
miliendrama mit einer einfachen Verwicklung ohne heitere Momente. 

Das griechische Original. Bezttglich des Originals besteht in der Ueberlieferang 
eine Differenz; an sechs Stellen (zu Ys. 58; Vs. 214; Vs. 286; Ys. 880; Ys. 440; Ys. 620; 
vgl. das neue Fragment ApoUodors im ChigianuB H. YII. 240 bei M. Warren» Glassical 
philol. 1 (1906) p. 48) vergleicht Donat den Text der Hecyra mit dem Originale ApoUodors. 
Hierzu kommt das Zeugnis im Auctarinm zur Yita des Terenz: duae ab Apoliodoro trana- 
laiae esse dicuntur comico, Phormio et Hecyra^ quattuor reliquae a Menandro. Donat. 
praef. zur Hecyra: haec fahüla Apollodori dicUur esse Graeca, nam et ipsa et Phormio ab 
eodem dicuntur esse translatae, cum reliquae quattuor sint Menandri comici. Mit dicitur, 
dicuntur scheint Donat andeuten zu wollen, dass es sich um eine verbreitete Ansicht 
handelte. Wenn man aus dem dicitur schliessen will, dass Donat schon bei seinen 
Gewfthrsmännem divergierende Ansichten über das Original vorfand (vgl. auch Eugraph. 
comm. in Hec. initium), so ist das insofern bedenklich, weil auch auf das Original des 
Phormio mit dicitur bezogen wird, ttber das doch kein Zweifel besteht. Im Bembinus 
wird als Original ein StQck Menanders bezeichnet {graeca Menandru), Weiterhin ist in 
Betracht zu ziehen Apollin. Sid. epist. 4, 12, 1 (p. 87 Mohr): nuper ego filiusque com- 
munis Terentianae Hecyrae sales ruminabamus; studenti assidebam naturae meminens et 
professionis oblitus, quoque absolutius rhythmos comicos incitata docilitate sequeretur, ipse 
etiam fabufam similis argumenti id est Epitrepontem (lies: EpitreponteS) Menandri in 
manibus habebam. Die Worte similis argumenti machen es unmöglich, an die *EniXQinoyxBg 
Menanders als das der Hecpa zu Grunde liegende Original zu denken. Auch ist diese 
Annahme durch die Didaskahe des Bembinus ausgeschlossen; denn hier ist das griechische 
Original der Regel nach nicht genannt, weil der Titel desselben mit dem Titel der lateini- 
schen Bearbeitung abereinstimmt. Ohne Zweifel denkt also die Didaskalie des Bembinus 
an eine Hecyra Menanders als griechisches Original. Das simile argumentum, das Apolli- 
naris Sidonius anführt, scheint überhaupt keine strengere Interpretation zu vertragen; wir 
können, soweit die Fragmente der 'EnitQinoytes uns einen Einblick gestatten, keine In- 
haltsgemeinschaft zwischen den *EnitQ^noyTss und der Hecyra konstatieren; vgl. Ph. E. 
Legrand, Le JvaxoXog et les "EniTQinoytes de Mönandre (Revue des ^tudes grecques 15 
(1902) p. 363). Es int daher 0. Ribbeck (Gesch. der röm. Dicht. 1' p. 135), wenn er fol- 

Baadbncta der klan. Altertumswittensoliafl. vni, 1. 3. Aufl. 10 



146 P* TerentiuB Afer. (§ 43.) 

gende Hypothese aufstellt: Die Hecyra ist «nach einem gleichnamigen StQck des ApoUo- 
doros von Karystos gearbeitet, der vielleicht die 'Fjnuginovxs^ des Menander stark ver- 
wertet hatte. Beide Originale können dem römischen Dichter vorgelegen haben, so 
dass auch dieser mehrfach selbständig auf das ältere Muster zurückgegangen sein mag.* 
Ebenso verfehlt ist die Ansicht Nencinis p. 56: «Nihil aliud restat quam ut 'ExvQay pri- 
mnm scripsisse Menander censeatur eamqne, quod prima actione ceciderit aut parum pla- 
Guerit, rebractatam atque ezpolitam 'Enirgenovieg vocaverit.* Nach brieflicher Mitteilung 
E. Dzi atzkos wurden die *EnixQinoyxBg von Apollinaris Sidonius nur herangezogen, um 
die rhythmi comici zur Anschauung zu bringen, was leichter an dem griechischen Text ab 
an dem lateinischen, der in späterer Zeit vielfach als Prosa gelesen wurde, geschehen 
konnte. Die 'EmxqinoytBg sind also in der vorliegenden Frage völlig auszuscheiden. Es 
ist nur zu prüfen, ob das Zeugnis des Donat oder das der Didaskalie grössere Wahr- 
scheinlichkeit für sich hat. Wenn man nun bedenkt, dass Donat Stellen der Hecyra mit 
griechischen Stellen ApoUodors vergleicht, und wenn man weiterhin bedenkt, dass Donat 
solche Vergleichungen nur mit dem der lateinischen Bearbeitung zu Grunde liegenden Ori- 
ginal vornimmt, wird man den Satz aufstellen können, dass die Hecyra nach dem gleich- 
namigen Stück des ApoUodor bearbeitet ist. Bezüglich der Abfassungszeit statuiert 
E. F. Krause, De Apollodoris comicis, Berl. 1903, p. 40, dass der "EnidixatiofAevog und die 'Exv^cf 
ApoUodors zwischen 281 und 265 (F. Jacoby, Wochenschr. für klass. Philol. 1903 8p. 1089: 
268 nach J. Beloch, Beitr. zur alten Gesch. 2 (1902) p. 478) abgefasst seien. — F. Ritschi, 
Parerga, Leipz. 1845, p. 324; Th. Ladewig, Beitr. zur Kritik des Terentius, Progr. Neu- 
Strelitz 1858, p. 7; F. Hildebrandt, De Hecyrae Terentianae origine, Diss. Halle 1884 (vgl. 
aber dagegen F. Schlee, Wochenschr. für klass. Philol. 1885 Sp. 171). Ueber antimenan- 
drische Zeichnung der Charaktere vgl. F. Leo, Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 127 Anm. Der 
Versuch Nencinis (p. 51), das Original dem Menander zu vindizieren, ist misslungen. 

Die lateinische Bearbeitung, a) Contamination scheint bei diesem Stücke 
ausgeschlossen zu sein. Schwankend äussert sich über diesen Punkt K. Dziatzko, Rhein. 
Mus. 21 (1866) p. 80. p) Donat. zu Vs. 825 hrevitati conatdit Terentius, natn in Graeca hctec 
agunixirj non narrantur; vgl. darüber Nencinip.60; J. J. Hartman, DeTerentio etDonato, 
Leiden 1895, p. 220. y) Von einer üeberarbeitung der zweiten Scene spricht Dziatzko 1. c. 
Auch Hildebrandt (1. c. p. 51) sucht eine spätere misslungene Üeberarbeitung des Stückes 
durch den Dichter nachzuweisen; allein eine solche Annahme ist hinfällig. 

Zur Beurteilung des Stückes. U. Wilamowitz, Neue Jahrb. für das klass. 
Altertum 8 (1899) p. 520; G. Ferro t, L*H4cyre de Törence et la Dame aux Cam^lias 
d'Alexandre Dumas fils (M^langes Boissier, Paris 1903, p. 11). Im allgemeinen vgL auch 
0. Schrader, Die Schwiegermutter und der Hagestolz; eine Studie aus der Gesch. unserer 
Familie, Braunschweig 1904. 

3. Heautontimorumenos (Der Selbstpeiniger).^) Menedemus 
hatte seinen Sohn Clinia, der die Antiphila liebt, durch seine fortwährenden 
Vorwürfe in fremden Kriegsdienst getrieben. Aus Reue darüber legt sich 
Menedemus die grössten Entbehrungen auf und quält sich Tag und Nacht 
für seinen Sohn ab. Diesen seinen Kummer legt er seinem Nachbar Chremes 
dar, dessen Sohn Glitipho ein heimliches Liebesverhältnis mit der ver- 
schwenderischen Bacchis unterhält. Clinia kommt bald von der Fremde zu- 
rück; aus Furcht vor seinem Vater steigt er heimlich bei seinem Freunde 
Glitipho ab. Das Erste ist, dass er Erkundigungen über die Antiphila ein- 
ziehen lässt. Der Sklave Syrus bringt die Bacchis ins Haus des Chremes, 
dem vorgespiegelt wird, die Bacchis sei die Geliebte Clinias; in ihrem 
Gefolge befindet sich aber auch die Antiphila. Chremes teilt dem Mene- 
demus die Ankunft Clinias mit, zugleich schildert er die Verschwendungs- 
sucht der Bacchis. Als Menedemus trotzdem in seiner Freude über die 
Ankunft des Sohnes zu allen Opfern bereit ist, rät Chremes ihm, wenig- 
stens sich dieselben ablocken zu lassen, damit auf seine Güte nicht all- 
zusehr gesündigt werde. Ja er muntert sogar den Syrus zu einem An- 
schlage gegen Menedemus auf. Da wird durch einen Ring die Entdeckung 

^) Cic. Tusc. 3, 27, 65 iUe Terentianus Upae ae poeniens*, id est iavror xifAtaQovfjisyog, 



P. T«rentia8 Afer. ({ 48.) 147 

gemacht, dass Antiphila die Tochter des Ghremes sei. Die Entdeckung 
bringt aber den Trug, dass Bacchis die Geliebte Glinias sei, in grosse 
Gefahr, das Liebesverhältnis des Clinia und der Antiphila braucht ja jetzt 
nicht mehr die Oeffentlichkeit zu scheuen. Syrus fordert daher den Clinia 
auf, wenn er ins väterliche Haus zurückkehre, auch die Bacchis mit- 
zunehmen, seinem Vater aber den Sachverhalt darzulegen. Eine neue 
Schwierigkeit stellt sich ein: die Bacchis verlangt die ihr versprochenen 
zehn Minen. Syrus entlockt mit Leichtigkeit dieselben dem Chremes. Allein 
die Täuschung bezüglich der Bacchis naht ihrem Ende. Zwar stellt sich 
Ghremes, als ihm Menedemus die Wahrheit mitteilte, noch immer ungläubig 
und vermutet eine dem Menedemus gestellte Falle, — Syrus hatte ja eben- 
falls die Wahrheit von diesem Gesichtspunkt aus mitgeteilt — aUein nur 
zu bald muss er erkennen, dass er der Uebertölpelte ist. In Zorn ent- 
brannt will er Glitipho enterben, allein der gütliche Zuspruch der Mutter und 
die Bereitwilligkeit Clitiphos, die Bacchis fahren zu lassen und eine ordent- 
liche Ehe einzugehen, versöhnt ihn; auch Syrus erhält Verzeihung. 

Das Stück ist sehr mittelmässig. Die Intrigue ist schwach, es ist 
kein rechter Zug in derselben, dem Syrus fehlt ein fester Plan, wir werden 
hin und her geworfen. Die einzige Komik des Stückes besteht darin, dass 
Ghremes, der so klug zu sein glaubt und die väterliche Strenge durchaus 
gewahrt wissen will, selbst ein Opfer der Täuschung wird. Der Gharakter 
des Selbstquälers verliert sich sofort nach dem ersten Akt, aus demselben 
wird fast ein Schwächling. Charakterfigur des Stückes ist bloss Chremes. 
Das Original war der Heautontimorumenos des Menander. 

Das griechische Original. TeroDz nennt in dem Prolog (Vs. 5) den Titel des 
Originals Heautontimorumenos ^ aber nicht den Verfasser, da er der Meinung ist, dass der 
grösste Teil der Zuschauer diesen kenne. In der Didaskalie wird er bezeichnet: graeca 
Menandru, Durch ein neuentdecktes Fragment (R. Reitzenstein, Inedita poet. graec. 
firagm., Ind. lect. Rostock 1890/91 p.8) erfahren wir, dass das Stück im Demos Halai spielte; 
▼gl. dazu U. Wilamowitz, Neue Jahrb. f&r das klass. Altertum 8 (1899) p. 525; Ph. E. 
Legrand, La composition et la date de T'fiarroV tifAtaqwfABvog de M^nandre (Revue des 
ötudes grecques 16 (1903) p. 355). £. Bethe, Die Zeit des Heautontimorumenos und des 
Kolax Menanders (Hermes 37 (1902) p. 278) schliesst aus Vs. 117 und 194, dass der Heauton- 
timorumenos eine der ftltesten Komödien Menanders ist; vgl. auch Legrand p. 357: „C'est 
an plus tard en Posid^on 324/3 que fut reprösentä, äAizonö, VHeautontimoroumenos.'^ Der 
Prolog Vs. 36 nennt das Stück fabula stataria. 

Die lateinische Bearbeitung, k) Contaminationsfrage. Eine alte Streit- 
frage ist, ob das Stttck contaminiert ist oder nicht. Zur Entscheidung der iVage ist die 
Ankündigung des Stückes im Prolog in Betracht zu ziehen ( Vs. 4) : ex integra graeca in- 
legram comoediam \ hodie sum acturua Heauion timorumenon, \ duplex quae ex argumento 
facta est simplici. \ novam esse ostendi et quae esset. Die Worte ex integra graeca integram 
comoediam können hier nur bedeuten, dass aus einem unberührten, d. h. noch nicht ins 
Lateinische Übersetzten Stück ein lateinisches gemacht worden ist, das ebenfalls integer 
heissen kann, insofern es noch nicht dem Publikum bekannt geworden ist. Der Dichter 
will also sagen, dass in dem aufzuführenden Stücke ein zum ersten Mal lateinisch be- 
arbeitetes griechisches Orginalstück vorgeführt werde. Es folgen die Worte duplex— simplici; 
der Bembinus hat von erster Hand duplici statt simplici^ welches alle übrigen Hand- 
schriften darbieten. Allein duplici ist metrisch unzulässig; vgl. F. Ritsch 1, Parerga, Leipz. 
1845, p. 381 Anm. Die durch die Antithese duplex, simplex zugespitzten Worte bedeuten, 
dass aus einer zu Grunde liegenden Idee doch gewissermassen ein verdoppeltes Stück heraus- 
gewachsen ist, d. h. dass das Stück in einer doppelten Intrigue verläuft. Mit den Worten 
novam esse ostendi et quae esset rekapituliert der Prolog das Vorhergehende, und es ist 
daher ganz unzulässig, den Vers duplex — simplici zu streichen. Die Ankibidigung enthält 
also nichts, was auf eine Contamination bezogen werden mttsste. Im Gegenteil würde eine 
solche vorliegen, so würde man die Worte erwarten : ex duplici argumento simplex fabula 
facta est. Auch hätte der Dichter wohl das contaminierte Stück näher bezeichnet. Es 

IQ* 



148 P- TerenUns Afer. (§ 43.) 

blieb also nur übrig, die Contaznination aus dem Gang des Stückes zu erweisen. Aber 
selbst der energischste Verteidiger der Contamination, F. Skutsch, muss p. 8 zugeben, 
dass „die Anstösse, die man an der Führung der Handlung nehmen kann, nicht der Art 
sind, dass sie gerade aus Contamination hergeleitet werden müssten*. Ueber die Streit- 
frage vgl. Lessing, Hamburgische Dramaturgie Stück 87 ; K. Dziatzko, De prologis Flau- 
tinis et Terentianis quaest. selectae, Diss. Bonn 1863, p. 8; Venediger p. 185; F. Kampe, 
Die Lustspiele des Terentius und ihre gnech. Originale, Progr. Halberstadt 1884, p. 15; 
Ph. Fabia, Les prologues de T^rence, Paris 1888, p. 19; F. Nencini, DeTerentio eiusque 
fontibus, Livomo 1891, p. 66; £. Rötter, De Heautontimorumeno Terentiana, Progr. Bay- 
reuth 1892, p. 17; H. T. Karsten, Terentiani prologi quot qualesqne fuerint et quibus fabu- 
larum actionibus destinati a poeta (Mnemos. 22 (1894) p. 196); F. Leo, Analecta Plautina 
de figuris sermonisU, Göttingen 1898, p. 22; F. Skutsch, Der Prolog zum Heautontimoru- 
menos des Terenz (Philol. 59 (1900) p. 1); F. Scholl, Zwei alte Terenzprobleme, Rhein. 
Mus. 57 (1902) p. 48 (erklärt p. 49: Das Stück ist trotz des einfachen Sujets nicht simpel 
und offenbart des Dichters Gewandtheit); Legrand p. 349; F. Gaffiot, Le prologue de 
THeautontimoroumenos et la question de la contamination, Revue de philol. 28 (1904) p. 128 
(der Prolog gibt weder für Contamination noch für Nichtcontamination einen Beweis). /9) Ver- 
änderungen des Originals. Da uns der Commentar Donats zu diesem Stücke fehlt, 
Iftsst sich das Verhältnis des Dichters zu dem Original nicht genau bestimmen. Einen 
Vergleichungspunkt bildet das neu entdeckte Fragment des Originals: ngoc tijg 'A&rjyag 

daifAov^S, yeyoytis sttj | toaav&* ' ofjLov ydq iatty i^ijxoyta aoi \ »ai xtöy 'JXntn x^' 

^i(oy I xBxtrjfjLivog xaXJUctoy f t yij toy Jia \ iy roig XQiaiy ye, »ai rd fioxa^ititatoy \ aütixtoy 
mit den Worten der Uebersetzung (Vs. 61): nam pro deum atque hominum fidem, quid vis 
tibi? I quid quatrisf annoa texctginta natus es, \ aut plus eo, ut conieio; [agrum] in his 
regionibiis \ meliorem agrum neque preti maioris nemo habet. C. Venediger (Fleckeis. 
Jfliurb. 109 (1874) p. 185) stellt die Behauptung auf, dass das Stück zur Hälfte aus Menander 
entnommen, zur anderen Hälfte von Terentius selbst gedichtet worden sei und dass dem 
Stück auch der Name Heautontimorumenos nur zur Hälfte zukomme; allein er muss zu- 
gleich das Zugeständnis machen, dass es unmöglich sei, Terenz' eigene Zutat von dem, was 
er aus Menander entnahm, bis ins Einzelne zu unterscheiden. Erhebliche Veränderungen des 
Originals statuiert Nencini p. 69, p. 75. 

Spezialausg. Ez recensione Lindenbrogii ed. J. G. Lenz, Jena 1783; erkl. von 
W. Wagner, Berl. 1872; with introduction and notes by E. S. Shuckburgh, London 1877. 

4. Eunuchus (Der Verschnittene). Mit der Hetäre Thais war 
ein schönes Mädchen aufgezogen worden, das die Mutter der Thais als 
Geschenk von einem Kaufmann erhalten ; es war ein geraubtes Kind. Nach 
dem Tode der Mutter hatte deren habgieriger Bruder das Mädchen zum 
Verkauf ausgeboten. Zum guten Glück kam gerade der Geliebte der Thais, 
der Soldat Thraso, dazu; er kauft, ohne den Sachverhalt zu kennen, das 
Mädchen, Pamphila mit Namen, als Geschenk für seine Freundin. Die 
üebergabe verzögert sich aber, weil Thais auch dem Phaedria ihre Gunst 
zugewendet hatte, um den Soldaten zu beruhigen, bestimmt Thais den 
Phaedria, sich auf zwei Tage von ihr zurückzuziehen; denn auf den Be- 
sitz der Pamphila legt sie den höchsten Wert, da sie deren Bruder auf 
der Spur zu sein glaubt. Phaedria fügt sich in das Unvermeidliche; ehe 
er sich zurückzieht, gibt er seinem Sklaven Parmeno den Befehl, die für 
Thais gekauften Geschenke, eine äthiopische Magd und einen Eunuchen, 
an Ort und Stelle zu bringen. Auch der Soldat lässt jetzt die Pamphila 
von seinem Parasiten Gnatho ins Haus der Thais bringen. Der Zufall 
wollte, dass Phaedrias Bruder Chaerea der Pamphila ansichtig wird; er 
entbrennt in Liebe zu ihr und wünscht in ihre Nähe zu kommen. Scher- 
zend rät ihm Parmeno, das Kleid des Eunuchen anzuziehen und sich in 
dieser Verkleidung ins Haus der Thais führen zu lassen. Chaerea greift 
mit Leidenschaft diesen Plan auf, er kommt als verkleideter Eunuche in 
die Nähe der geliebten Pamphila. Das Unheil, das er hier angerichtet, 
erfahren wir aus der Unterredung, die er mit einem ihm begegnenden 



P. Terantina Afer. (§ 43.) 



149 



Freunde pflegt. Im Hause der Hetäre entsteht eine grosse Verwirrung. 
Die Mägde melden die Gewalttat und Flucht des Eunuchen dem Phaedria. 
Dieser holt den wirklichen Eunuchen aus dem Hause — es stellt sich 
heraus, dass der üebeltäter ein ganz anderer, der Bruder Phaedrias, ist. 
Die weitere Entwicklung der Handlung knüpft sich an Pamphila. Durch 
das Erscheinen ihres Bruders Chremes entsteht eine Eifersuchtsscene zwi- 
schen dem Soldaten und der Thais; der Soldat will sein Geschenk, die 
Pamphila, wieder haben, er schreitet in komischer Weise mit seinen Tra- 
banten zu einem militärischen Angriff; da proklamiert Chremes die Pam- 
phila als seine freigeborene Schwester. Durch diese Erklärung erhält jetzt 
Chaerea auch die Möglichkeit, sein Unrecht zu sühnen, er erbittet sich 
die Pamphila zur Frau. Phaedria kann wieder in den Besitz seiner ge- 
liebten Thais treten, jedoch räumt er auch dem Soldaten einen Anteil ein, 
damit er die Kosten der Liebe auf dessen Schultern abladen kann. Par- 
meno büsst durch die namenlose Angst, in die ihn die Erzählung einer 
listigen Magd von dem seinem Herrn drohenden Unheil versetzt hatte, 
für seinen Katschlag. 

Aus dieser Darlegung dürfte erhellen, wie spannend diese Komödie 
geschrieben ist. Sie erregt unser Interesse durch den von der Heeres- 
strasse abliegenden Stoff, den sie vorführt. Die einzelnen Phasen der 
Handlung sind eng verbunden. Die Personen sind vortrefflich gezeichnet; 
besonders gelungen ist Chaerea und unter den Nebenpersonen die Magd 
Pythias. Das Original ist der Eunuch des Menander; aber den Soldaten 
und den Parasiten entlehnte er dem Kolax desselben Dichters;^) es sind 
dies zwei köstliche Figuren. Wir begreifen, dass das Stück so sehr dem 
Publikum gefiel, dass es sofort wiederholt werden musste und dem Dichter 
ein grosses Honorar eintrug.*) 

Die griechischen Originale. Prolog. 19 qttam nunc aeturi sumus Menandri 
Eunuehum; auch die DidaskaUe sagt: graeca Menandru. Aus dem Prolog ersehen wir aber 
weiterhin, dass auch der Kolax des Menander von Terenz herangezogen wurde. Die Frag- 
mente des Evyotfxog bei Th. Kock, Gomicorum atticorum fragm. 3, 2 p. 53, die des KoXa^ 
p. 82. Neue Bnichstacke des K6Xa^ sind publiziert: The Oxyrhynchus-Papyri part 3, edited 
with translations and notes by B. P. Grenfell and A. S. Hunt, London 1903, p. 17; die> 
selben werden eingehend belumdelt von F. Leo, Menanders Kolax (Nachr. der GOtt. Ges. 
der Wissensch. 1903 p. 673). Ueber den KoXa^ als eines der spfttesten Stflcke Menanders 
▼gl. £. Bethe, Hermes 37 (1902) p. 279. 

Die lateinische Bearbeitung, a) Contamination. Der Gegner wirft dem 
Terenz vor (Prolog. Ys. 25): Colacem esse Naevi et (ßoihe und Loman: aut; vgL Nencini 
p. 77) FlatUi veterem fabulam; parasiii personam inde ahlaiam et militis. Darad entgegnet 
der Dichter (Ys. 30): Colax MenandrUt: in east parasitus coldx et miles glariosus: eas se 
nan negat personas transttdisse in Eunuchum stiam ex Graeca; sed eas ab dliis factas prius 
Latinas scisse sese, id vero pemegat. Vgl. auch Donat zu Vs. 228: Hmc apud Menandrum 
in Eunucho non sunt, ut ipse professus est *parasiti personam et fniliti^, sed de Colace 
translata sunt. Zweifellos ist, dass auch der Evyovxos Menanders einen Rivalen dem Lieb- 
haber gegenttberstellte; das Zerwürfnis mit der Geliebten, auf das auch Fragmente hin- 
weisen, die Trennung für einige Tage u. a. erklären sich so auf einfache Weise. Dass 
aber gerade ein Soldat der Rivale war, lässt sich natürlich nicht behaupten, ja es ist nicht 
einmal wahrscheinlich. Ebenso ist völlig unsicher, ob dem Rivalen im Evyovx(ys ein Parasit 
beigegeben war; auch hier spricht die Wahrscheinlichkeit für das Gegenteil, es konnte auch 



') üeber Thraso VgL 0. Ribbeck, Alazon 
p. 39; A. Lorenz, MUes' p. 236. 

*) Sueton. vita Ter. p. 29 Reifferscheid 
(p. 5 Wessner): Eunuchus'bis die (Ritschi: 



deinceps) acta est meruitque pretium, quan» 
tum nuUa antea cuiusquam comoedia, t. e. 
oeto milia nummortim. 



150 P* ^arentius Afer. (§ 43.) 

ein Sklave die Pamphila überbringen. Die Contamination bestand also darin, dass Terenz 
die zwei Personen des Evrovxoi durch zwei charakteristische Figuren, den Soldaten und 
den Parasiten, aus dem Eolax ersetzte; hierfür spricht auch, was der Prolog (Vs. 35 ff.) 
sagt. — W. H. Granert, Eist, und phüol. Analekten, Münster 1833, p. 147; W. Ihne, 
Quaest. Terentianae^ Dies. Bbnn 1843, p. 16; K. Braun, Quaest Terentianae, Diss. Jena, 
Gott. 1877, p. 23; F. Kampe, Die Lustspiele des Terentins und ihre griech. Orionale, Progr. 
Halberstadt 1884, p. 9; Nencini p. 76; C. Lindskog, Studien zum antiken Drama, Lund 
1897, Miscellen p. 12; F. Leo, Menanders Kolax (Nachr. der G5tt. Ges. der Wissensch. 
1903 p. 688). ^9) Veränderungen des Originals. 1. Namensänderungen. SchoL zu 
Pers. Sat. 5, 161 ed. Buecheler hunc locum de Menandri Eunucho traxit, in quo Darum 
servum Chcierestratus (tduleaeena aüoquitur tamquam amore Chrysidis meretricU derelicto, 
idemque tarnen ad ea revocatus ad illam redit, apud Terentium personae immutatae sunt. 
Aus dieser Stelle folgt, dass für Davus Parmeno, für Chaerestratus Phaedria, fOr Chrysis 
Thais gesetzt wurde. Bezüglich des Laches sagt Donat (zu Vs. 971): aptid Menandrum 
Simon dieitur. Der Bramarbas hiess im KoXa^ Bittg, der Parasit lt^ov(^itts; vgl. fragm. 293 
Kock. — Nencini p. 80, p. 102. 2. Die Antiphoscene. Donat. zu Vs. 539 hene inventa 
persona est, eui narret Chaerea, ne unus diu loquatur, ut apud Menandrum. Was die Ein- 
führung des Antipho betrifft, so sehe ich keinen Grund, der Notiz des Donat mit W. Ihne 
(Quaest. Terentianae, Diss. Bonn 1843, p. 15) und W. S. Teuf fei (Stud. und Gharakt., Leipz.* 
1889, p. 355) zu misstrauen; denn die Möglichkeit lAsst sich nicht leugneo, dass Chaerea 
auch in einem Monolog seine Schandtat bekannt geben konnte. Freilich ist der Dialog 
hier passender; Tgl. auch Nencini p. 93. 3. Auslassungen. Zu Andria Vs. 959 bemerkt 
Donat: hane sententiam totam Menandri de Eunucho transtulU. Dieser Vers findet sich 
nicht in unserem Stücke; vgL 0. Ribbeck, Gesch. der rüm. Dicht. 1' p. 146. Donat. za 
Eunuch. Vs. 1001 tnanifestius hoc Menander explieat iampridem infestum meretrici senem 
propter (Codices: post) eorruptum ab ea Phaedriam, nunc demum se inventa occasione vindi' 
ctUurum. 4. Aenderungen in der Charakterisierung. Unklar ist Donat zu Vs. 507: 
haec persona (Chremes) apud Menandrum adulescentis rustici est; zu Vs. 736 vgl. Grau er t 
p. 156; Nencini p. 86. 

lieber die frühere lateinische Bearbeitung deaKöka^ vgL Granert p. 147; 
F. Rltschl, Parerga p. 99; Teuffei p. 354; Nencini p. 77; vgL auch oben p. 95. 

Fortleben, üeber die Benutzung des Eunuchus durch Holberg vgL A. Lorenz, 
Ausg. von Plautus' Mlles, Berl.* 1886, p. 243. A. L. Stiefel, Hans Sachs und Terenz (Blfttter 
für das G^nmasialschulw. 35 (1899) p.420): Die Uebersetzung des Eunuchus von Hans Sachs 
ist nur eme gereimte, sehr gekürzte Bearbeitung der Nythartschen Uebersetzung des Eu- 
nuchus aus dem Jahre 1486. ^ancesco Chorea, der Erfinder der Commedia deir arte, nannte 
sich so nach dem terenzischen Chorea; vgl. H. Reich, Der Mimus 1 (Berl. 1903) p. 449. 

Spezialausg. von Ph. Fabia mit einer Einleitung, Paris 1895. 

Uebersetzung von F. W. Gravenhorst, Hamb. 1852. 

Litteratur. A. Cartault, Sur TEunnque de Törence, questions diverses, Paris 
1895; Beiträge zur Erklärung gibt an der Hand des Donatcommentars J.J.Hartman im 
ersten Kapitel seiner Schrift: De Terentio et Donato commentatio, Leiden 1895; vgl. dazu 
P. Wessner, BerL philol. Wochenschr. 1896 Sp. 651. 

5. Phormio. Dieses Stück ist nach dem 'EmSixcf^ofievog des Apol- 
lodor bearbeitet; Terenz nahm aber statt der für die Römer weniger ver- 
ständlichen Appellativbezeichnung das Nomen proprium. Phormio ist der 
Parasit, der die Intriguen durchfährt. Die zwei Brüder Chremes und De- 
mipho waren verreist; während ihrer Abwesenheit übertrugen sie die 
Aufsicht über ihre Söhne dem Sklaven Oeta. Allein dieser hielt mehr zu 
den Söhnen als zu den Vätern; so konnte es geschehen, dass die beiden 
jungen Herren in Liebeshändel verflochten wurden: Antipho, Demiphos 
Sohn, hatte eine Ehe mit einer armen Waise Phanium aus Lemnos ein- 
gegangen, nach einer von Phormio eingefädelten Intrigue scheinbar als 
nächster Verwandter durch das Gesetz dazu gezwungen, wobei Phormio 
den Kläger machte (emiixaCoiiUvog); Phaedria, der Sohn des Chremes, 
aber hatte sich in eine Zitherspielerin verliebt. Im Verlaufe der Komödie 
wird Phaedria von dem Missgeschick betroffen, dass der Kuppler die Zither- 
spielerin verkauft hat und nur auf vieles Zureden hin sich bestimmen 



P. Terentin« Afer. (§48.) 151 

lässt, wenn Phaedria des andern Tags die Eaufsumme von 30 Minen früher 
als der Käufer erlege, die Zitherspielerin ihm überlassen zu wollen. Den 
heimgekehrten Vätern gegenüber gilt es nun einmal, die Ehe Antiphos 
aufrecht zu erhalten, dann das Lösegeld für die Geliebte Phaedrias auf- 
zutreiben. Beide Aufgaben löst Phormio; er setzt zuerst beim Zweiten an. 
Dem über die Ehe Antiphos bestürzten Vater erklärt er, er wolle Phanium 
selbst heiraten, wenn ihm 30 Minen gegeben würden. Seine List glückt 
ihm. Aber was wird nun aus AntiphoP Hier wäre nun eine neue Intrigue 
des Parasiten notwendig gewesen, um zunächst einen Aufschub seiner Heirat 
mit Phanium zu bewirken. Allein die 'Lösung führt die Tyche herbei: 
Phanium wird als die Tochter des Chremes aus einer Verbindung, die er 
in Lemnos hatte, erkannt; sie war Antipho ohnehin zugedacht, er ist 
also ihres Besitzes sicher. Phormio aber zieht sich und Phaedria dadurch 
aus der Schlinge, dass er die Liebe des Chremes dessen Frau denunziert. 
Die einfache Intrigue ist gut und frisch durchgeführt, und die beiden 
Alten und die beiden Jungen sind trefflich gezeichnet. 

Das griechische Original. Prolog Yb. 24 adporto novam Epidicazomenon quam 
vocant eomoediam Graeci, Latini Phormionem nominant (J. Hilberg, Wien. Stad. 23 (1901) 
p. 335: nominent)f quia primas partis qui aget, is erit Phormio parasitus, per quem res 
geretur maxume; in der DidaskaÜe wird der Dichter genannt: graeea ApoUodoru EpidicO' 
zomenos. Zu den Worten des Prologs bemerkt Donat: manifeste hie errat Terentius; nam 
haec fabula quam transtulU Epidicazomene dicta est a pueüa, de qua iudicium est, cum 
Sit alia fabula Epidicazomenos eiusdem Apollodori. debuit ergo dicere ^Epidicazomenen'. 
inidixaCousyoi hetsst hier derjenige, welcher sich oder einem anderen eine Erbschaft oder 
eine Erbtocnter zusprechen lässt. Von dem Mädchen, das durch den Antrag beansprucht 
wird, konnte man passivisch sagen: irndixdC^a^ai und sie selbst imdixaCofAiytj nennen. 
Es scheint also, dass Donat Ausgaben des griechischen Originab vor sich hatte, in denen 
der Titel ^EnidixaCofnäyij war; es war eine irrige Annahme, wenn er glaubte, dass es noch 
ein zweites Stttck mit dem Titel *Eni4ixal6fAevos gebe; vgl. dazu P. Wessner, Aemilius Asper, 
Progr. Halle 1905, p. 32. Ueber die Abfassungszeit des Phormio vgl. oben zur Hecyra. 

Die lateinische Bearbeitung. Contamination lässt sich bei diesem Stttck in 
keiner Weise aufzeigen; über eine angebliche Entlehnung aus einem anderen Dichter vgL 
Donat. zu Vs. 339. Man nimmt Ennius an, die Lesart ist aber unsicher; vgl. auch J. Vahlen, 
Ausg. des Ennius, Leipz.' 1903, p. XXV. Der Dichter aber hat sich dem Original gegen- 
Qber Freiheiten verstattet. Die Kflcksicht auf das römische Publikum, dem das Rechts- 
institut der Erbtöchter unbekannt war, bewog ihn, den Titel *E7ii^ixaC6fi€yog durch Phormio 
zu ersetzen. Im Texte musste er dagegen, wenn die Handlung verständlich sein sollte, 
das Institut erläutern. Auch sonst noch hat der Dichter manche Eonzessionen dem römi- 
schen Publikum gemacht; vgl. Donat. zu Vs. 91: ApoUodorus tonsorem ipsum nuntium facit, 
qui dicat se nuper puellae comam ob luctum abstulisse, quod scilicet mutasse Terentium, ne 
extemis moribus spectaiorem Romanum offenderet. Ueber Zuteilung von Worten an eine 
andere Person als im Original vgl. Donat. zu Vs. 647. Nencini (p. 111) meint, dass 
Terenz auch in die Zeichnung des Phormio manche neue Zttge eingeflochten habe. — F. V. 
Fritzsche, De graecis fontibus Terenti spec.II (Ind. lect. Rostock 1862). 

Fortleben. Moliöres Les fourberies de Scapin stehen unter dem Einfluss des 
Phormio; vgl. F. Lotheissen, Moliöre, sein Leben und seine Werke, Frankfurt a.'M. 
1880, p. 224. 

Spezialausg. Ed. C. G. Elberling, Kopenhagen 1861; with notes and introduction 
by J. Bond and A.S. Walpole, London 1879. Mit deutschen Anmerkungen von K. Dziatzko, 
Leipz.* 1885 (8. Aufl. (1898) von E. Hauler); with notes by H. Gh. Eimer, Boston 1895. 

Uebersetzung. Translation into english prose by M. H. Morgan with a new pro- 
logue by J. B. Greenough and with the Vatican miniatures accurately reproduced for the 
first time, Cambridge 1894. 

Litteratur. J. Wollenberg, CoUation von Ter. Phormio aus einer Handschrift 
des 13. Jahrb. auf der Bibliothek zu Tours (Zeitschr. für das Gymnasialw. 14 (1860) p. 888); 
R. Lallier, Le procds du Phormion (Ann. de l'assoc. pour Tencouragement des ötudes 
grecques en France 12 (1878) p. 48); H. W. Hailey, Notes on the Phormio (Harvard stu- 
dies in class. philol. 11 (1900) p. 159). 



152 P* Tarentina Afer. (§ 43.) 

6. Adelphoe (Die Brüder). Das Stück führt uns zwei Brüder, 
Micio und Demea, vor; der erste ist ein feiner Junggeselle, der andere ein 
strenger, engherziger Bauer. Neben diesen beiden Alten lernen wir die 
beiden Söhne Demeas kennen, den Aeschinus, der von Micio, und den 
Gtesipho, der von Demea erzogen wird. Die Erziehung leitet natürlich 
jeder nach seiner Weise: Micio vertritt milde und liberale Grundsätze, 
Demea strenge und altvaterische. Das Resultat ist aber bei beiden das 
gleiche: Aeschinus hat hinter dem Rücken seines Onkels Pamphila, die 
Tochter einer armen Witwe Sostrata, verführt, Gtesipho heimlich ein Liebes- 
verhältnis mit einer Zitherspielerin angefangen. Die Verwicklung, welche 
das Stück darbietet, besteht darin, dass Aeschinus die Zitherspielerin 
(Ys. 451) dem Kuppler, der sie verkaufen will, entreisst und dadurch einen 
öffentlichen Skandal hervorruft. Diese Gewalttat kommt zur Kenntnis der 
Sostrata; die vermeintliche Untreue des Aeschinus ruft dort die grösste 
Bestürzung hervor. Auch Demea hatte Kunde von Aeschinus' Gewalttat 
erhalten; sein Unwille gegen Micios Erziehungsweise tritt stark hervor; 
er freut sich, dass wenigstens der von ihm erzogene Sohn andere Bahnen 
einschlägt; der Sklave Syrus bestärkt ihn boshaft in seinem Glauben. Da 
muss er die Entdeckung machen, dass Gtesipho so schlimme Wege wan- 
delt wie sein Bruder. Nachdem Demea zur Erkenntnis gelangt ist, dass 
er mit seiner Erziehung Schiffbruch gelitten, geht er zu dem entgegen- 
gesetzten System über; er will jetzt Micio an Liberalität überbieten und 
führt dies gleich praktisch durch, jedoch so, dass Micio fast allein die 
Kosten trägt. Aus lauter Liberalität muss Micio sogar die alte Sostrata 
zur Frau nehmen. Was will der Dichter mit diesem sonderbaren, ja un- 
vernünftigen Vorgehen Demeas? Bisher hatte Demea den Spott tragen 
müssen; auch waren die Sympathien der Zuschauer sicher mehr auf Seiten 
des frischen und selbständigen Aeschinus als auf Seiten des ängstlichen, 
auf fremde Hilfe angewiesenen Gtesipho. Allein auch die Erziehungs- 
methode Micios hatte ihre grossen Schattenseiten, sie ging in der Nach- 
sicht und Milde zu weit, sie artete in Schwäche aus. Wie leicht aber 
auf diesem Wege Beifall erlangt werden kann, legt der Dichter durch 
eine starke Uebertreibung am Schlüsse dar. Das richtige Erziehungs- 
prinzip beruht auf Strenge und Milde zugleich; und dieses spricht Demea 
deutlich aus, wenn er Willfährigkeit nur am rechten Platz gestatten und 
in das ungebundene Treiben der Söhne, wenn es not tut, mit einem Tadel 
oder einer Korrektur eingreifen will. 

Das Stück verdient schon darum die grösste Beachtung, weil das- 
selbe ein praktisch-ethisches Problem behandelt. Die psychologische Durch- 
führung dieses Problems erhält unser Interesse bis zum Schluss, in dem 
uns die erzwungene Heirat Micios abstösst. Das Original war eine gleich- 
namige Komödie Menanders, hinein verwoben wurde noch eine Scene der 
SvvaTrox^vfjaxovTeg des Diphilus. 

Das griechische Original ist nach der Didaskalie ein Stück Menanders, das den 
Titel UdeX<poi führte. In der Vita heisst es: Adelphorum prineipium Varro etiam praefert 
principio Menandri. F. Schoell (Fleckeis. Jahrb. 119 (1879) p. 44) hat nachgewiesen, dass 
Menander zwei Stttcke mit dem Namen 'A^cXtpol geschrieben hat. Der Inhalt war aber ein 
ganz verschiedener. *AMfpoi a liegen dem Stichus zu Grund, 'Ad^Xtpol ß* (ygl. SchoL Plat. 



P. TerentiuB Afer. (§43.) 153 

zu Phaedr. 279 G p. 276 Hermann) worden von Terenz in seinen Adelphoe bearbeitet. Aasser- 
dem arbeitete Terenz nach dem Prolog (Vs. 6) eine Scene der Svyano&pjüaxoyrei des Di- 
philns hinein. 

Die lateinische Bearbeitung. Terenz hat einmal an dem Stück Aenderongen 
vorgenommen, dann auch, wie bereits gesagt, eine Scene ans den Svyano^y^axoytes des 
Diphilus in sein Stück herübergenommen, also contaminiert. o) Donatus merkt an mehreren 
Stellen an, dass Terenz von seinem Original abgewichen sei; am wichtigsten sind zwei 
Stellen: zu 938 apud Menandrum setiex de nuptiis non gravatur: ergo Terentiu8 &SQBttxu}g, 
Diese Bemerkung Donats wurde in doppeltem Sinne aufgefasst. Lessing (Hamburgische 
Dramaturgie Stück 100) hat gravatur passivisch gefasst und dadurch den Sinn heraus be- 
kommen: .Beim Menander fftllt man dem Alten mit der Heirat nicht beschwerlich", d. h. 
bei Menander wird dem Micio die Heirat mit Sostrata nicht angesonnen. Andere fassen 
gravatur als Deponens; dann heissen die Worte: «Bei Menander sMubt sich der Greis nicht 
wegen der Heirat.' Die zweite Erklärung ist die richtige; denn Donat knüpft offenbar in 
der Fassung seiner Anmerkung an Vs. 942 ne gravare an, und hier steht das Wort in dem 
Sinne «sich sträuben". Auch ist dt^ wenn gravatur passivisch gefasst wird, auffällig. Durch 
das Sträuben des Micio wird die Situation peinlicher, denn jetzt erscheint die Ehe ab Strafe; 
andernfalls wirft die sofortige Bereitwilligkeit, Sostrata zur Frau zu nehmen, ein Licht auf 
den überaus schwachen Charakter Micios. Die zweite Stelle betrifft Hegio; derselbe ist 
bei Terenz als ein cognaius dargestellt (Vs. 351); dagegen bemerkt hiezu Donat: apud Me- 
nandrum Sostratae frater inducUur. Zu dieser Aenderung mochte Terenz dadurch veran- 
lasst worden sein, dass die Herbeirufung eines entfernten Anverwandten, um ihm die ganze 
Sachlage darzulegen, sich besser motiviert als die Heranziehung des Bruders der Sostrata zu 
gleichem Zweck. Auch wird die Hilflosigkeit der Familie in den Augen der Zuschauer gesteigert, 
wenn sie* bei einem entfernten Verwandten Hilfe suchen muss. G. E. W. van Hille, De 
Hegione in Terentii Adelphis (Mnemos. 30 (1902) p. 136): „Terentius, instituta ad epiclerorum 
condidonem pertinentia in fabula sua intacta servans et nihilominus Hegionem prozimum 
cognatum Simuli faciens, corrupit exemplar Graecum.* Die anderen Stellen, an denen Donat 
Menander und Terenz vergleicnt, sind folgende: zu Vs. 43; zu Vs. 81; zu Vs. 199 (vgl. dazu 
R. Eauer, Wien. Stud. 23 (1901) p. 94); zu Vs. 275. Das oben ausgeschriebene Urteil Varros 
wird sich vielleicht auf die schärfere Charakteristik der handelnden Personen oder auch 
auf die Diktion beziehen; anders Nencini p. 132. ß) Ueber die Contamination spricht sich 
der Dichter im Prolog (Vs. 6) also aus: Synapothnescontes JHphüi comoediast; \ eam Cont' 
morientes Flautus fecit fabulam, \ in Graeea aduleseens est, qui lenoni eripit \ meretricem, 
in prima fabula; eum Plautus locum \ reliquit integrum; eum hie lacum sumpait aibi \ in 
Adelphos, verhum de verbo expresaum extulit. Aus diesen Worten dürfte sich ergeben, dass 
die Entlehnung nicht grossen Umfang gehabt hat, wenn die Stelle Plautus ganz übergehen 
konnte; auch scheint locus auf eine kürzere Partie hinzuweisen. 

Fortleben. Die Adelphoe des Terenz liegen den ^Brüdern' des Romanus zu Grunde, 
an die Lessing in seiner Hamburgischen Dramaturgie Stück 70 ff. anknüpft. Auch Mo- 
liöres L'äcole des maris schliesst sich an Terenz an. 

Spezialausg. von A. Spengel, Berl. 1879, Berl.* 1905 (mit deutschem Commentar; 
vgl. 0. Seyffert, BerL philoL Wochenschr. 1906 Sp. 490); von K. Dziatzko, Leipz. 1881, 
2. Aufl. von R. Kauer, Leipz. 1903 (mit deutschem Commentar); von F. Plessis avec un 
coramentaire expllcatif et critique, Paris 1884; englische Schulausg. von A. Sloman, London 
1886; von £. Benoist-J. Psichari, Paris 1900 (texte latin, publik, avec une introduction, 
des notes en fran9ais, les fragments des Adelphes de Mänandre, les imitations de Moliöre etc.) ; 
von Ph. Fabia, Paris 1892 (avec une introduction sur la comödie latine, des notes criti- 
ques et un commentaire expUcatif); von M. Gitlbauer, Wien 1896 (völlig verkehrt; vgl. 
0. Seyffert, Berl. philoL Wochenschr. 1896 Sp. 1327); by W. L. Cowles, Boston 1896; 
von G. Cupaiuolo, Rom-Mailand 1904 (con introduzione, commento e appendice critica). 

Litteratur. W. H. Grauert, Ueber das Contaminieren der lat. Komiker (Histo- 
rische und philologische Analekten, Münster 1833, p. 124); C. F. Hermann, Dispntatio de 
P. Terentii Adelphis (Tnd. lect. Marb. 1838 = Jahns Archiv 6 (1840) p. 65); W. Ihne, 
Qnaest. Terentianae, Diss. Bonn 1843, p. 26; W. Fielitz, Ueber Anfang und Ende der 
menandrischen Adelphen (Fleckeis. Jahrb. 97 (1868) p. 675); W. S. Teuf fei, Stud. und 
Charakt., Leipz.' 1889, p. 357; J. El äsen, Quam rationem Terentius in contaminatis, quae 
dicuntnr, fabnlis componendis secutus esse videatur, pars 1, quae Adelphos complectitur, 
Progr. Rheine 1884, p. 16; G. Regel, Terenz im Verhältnis zu seinen griech. Originalen, 
Progr. Wetzlar 1884, p. 6; F. Nencini p. 117; C. Lindskog, Studien zum antiken Drama, 
Lund 1897, Miscellen p. 16; R. Eauer, Wien. Studien 23 (1901) p. 87; P. A. Sipkema, 
Quaest. Terentianae, Amsterdam 1901, p. 8; F. Kampe, Ueber die Adelphen des Terenz, 
Progr. Burg 1902 (die Adelphoe des Terentius und ihr griech. Original); W. Kroll, Rhein. 
Mus. 60 (1905) p. 313 (über Storax). (Nur aus Anführungen ist mir bekannt: B. Swiba, 
De Adelphis Terentianis, Progr. Jaroslaw 1897.) 



154 P- Terentius Af«r. (§ 44.) 

Zur £rlftaterung. G. Cupaiaolo, Biblioteca delle scaole italiane IX, 2, 1900 
(Adelphoe Vs. 26 sq.); Note latine; su vari pasai di Terenzio, Adelph. (ebenda IX, 6/7); Di 
un interpretazione di Donato (Adelphoe Vs. 223 sq.)» BoUetiino di filol. claas. 6 (1899) p. 281; 
7 (1900) p. 15; R. Kauer, Babnlus (Wien. Stud. 24 (1902) p. 537); P. Wessner, Zu Terenz 
Ad. 601 ff. (Berl. philol. Wochenschr. 1903 Sp. 220). — CharakteriBtik des Stückes bei 
U. Wilamowitz, Neue Jahrb. für das klass. Altertum 3 (1899) p. 518. 

44. Charakteristik des Terenz. Die Komödie des Terenz stellt in 
der Geschichte der latinisierten Palliata eine bestimmte Entwicklungsphase 
dar. Bei Plautus gingen griechische und römische Anschauungen bunt 
durcheinander. Nach seinem Tode verlangten die Kunstkritiker die Rein- 
heit der Gattung, d. h. das griechische Stück sollte unverfälscht der latei- 
nischen Litteratur zugeführt werden. Auch Terenz unterwarf sich dieser 
Forderung der ästhetischen Kritik; er beliess die griechischen Appellativ- 
titel der griechischen Stücke, wie Hecyra, Heautontimorumenos und Adel- 
phoe dartun; die Namen der auftretenden Personen tragen durchweg 
griechisches Gepräge, und selbst wenn er neue Namen erfindet, grae- 
cisiert er sie. Er änderte nichts an den griechischen Grundlagen seiner 
Vorlagen und vermied es, auf römische Zeitereignisse oder Lokalitäten 
anzuspielen; nur hie und da ist er doch gezwungen, dem römischen 
Publikum Konzessionen zu machen und das griechische Kolorit etwas zu 
verwischen. Dagegen trat Terenz mit der herrschenden Meinung insofern 
in Widerstreit, als er nicht bloss Uebersetzer der griechischen Originale 
sein wollte, sondern sich auch das Recht nahm, Abänderungen an dem 
Texte vorzunehmen, zu streichen und Zusätze zu machen. Auch von der 
Contamination machte er Gebrauch und verteidigte sich gegen die An- 
griffe seiner Gegner durch den Hinweis auf das gleiche Verfahren seiner 
Vorgänger. Die wirksamste Rechtfertigung seiner Contamination lieferte 
er aber dadurch, dass er die entlehnten Scenen so geschickt mit seinem 
Grundoriginal verweb, dass Fugen nicht mehr bemerkt wurden. Die Ori- 
ginale lieferten dem Römer nur Menander und Apollodor, für eine Scene 
Diphilus. In der Auswahl zeigt sich die geistige Individualität des Nach- 
dichters; er bevorzugt Stücke, die von der derben Komik abseits lagen, 
und selbst an diesen Stücken dämpfte er die übersprudelnde Komik. Diese 
Wahrnehmung trat bereits bei den Römern klar zutage: Caesar nannte 
den Terenz einen halbierten Menander, da er zwar die Anmut Menanders 
erreicht habe, aber nicht seine Kraft und echte Komik; auch Cicero spricht 
sich dahin aus, dass Terenz in seinen Erzeugnissen uns doch den Menander 
nur mit abgeschwächten Affekten gebe, und Varro erkennt ihm die Palme 
nicht im nd&og, sondern im r^&og zu. Mit diesem Grundzug des Dichters 
steht die Sprache im Einklang; hier geht ihm die Originalität des Plautus 
ab, die komischen Wortverdrehungen, die neuen Wortbildungen, die plebei- 
schen Worte und Phrasen finden wir bei ihm nicht. Die „pura oratio', 
die schon der Schauspieldirektor L. Ambivius Turpio an Terenz gepriesen 
hatte, ist der Schmuck seiner Komödien.^) Er hat das grosse Verdienst, 
dass er die Palliata aus der niederen Sphäre, in der sie sich bei Plautus 
bewegte, in den Kreis der gebildeten römischen Gesellschaft hob. Wir 



') Heautoni prol. 46 in hac est pura oratio; vgl. Aber diese Worte J. 8. Speijer, 
Mnemos. 19 (1891) p. 50. 



P. TerentiuA Afer. (§44.) 15^ 

Btossen hier auf das Latein, wie es in dem Scipionenkreis gesprochen wurde, 
und verstehen es, wie sich die Nachrede hervorwagen konnte, dass Scipio 
und Laelius dem Terenz bei Ausarbeitung seiner Komödien behilflich ge- 
wesen seien. Noch später erfreute man sich an der schönen Sprache des 
komischen Dichters, und ein Meister der Rede, wie Cicero, preist die ele- 
gant geschriebenen terenzianischen Stücke. In der metrischen Composition 
steht Terenz unleugbar hinter Plautus zurück; das lyrische Element ist 
weniger entwickelt und die lyrischen Masse sind viel eintöniger und dürf- 
tiger als bei Plautus und lassen erkennen, dass der hohe dichterische 
Schwung Terenz versagt blieb. ') Schon Quintilian hat erkannt, dass der 
Schwerpunkt der terenzianischen Dichtungen in den Dialogpartien ruhe. 
Alles zusammengefasst können wir sagen: Plautus war ein Genie, Terenz 
ein Talent Und bei Horaz wird Terenz richtig gewürdigt, wenn seine 
Bedeutung in der ars gesucht wird, d. h. in der gewählten Sprache und 
in der feinen Technik. 

Zur Charakteristik des Terenz. a) Th. Mommsen, Rom. Gesch. 2^ p. 432; 

F. Ritsch 1, Opusc. 2 p. 752 (vgl. oben p. 100); J. L. Klein, Gesch. des Dramas 2 (Leipz. 
1865) p. 568; W. T. Sellar, The Roman poets of the republic, Oxford' 1889, p. 212; 0. Rib- 
beck, Gesch. der röm. Dicht. 1' (Stattgart 1894) p. 154; K. Dziatzko-£. Hauler, Ausg. 
des Phormio, Leipz. 1898, p. 21. fi) Ueber die inventio des Dichters vgl. c. 4 der Schrift 
J. J. Hartmans: De Terentio et Donato commentatio, Leiden 1895. Ueber die Contami- 
nation im allgemeinen ygl. unten p. 171. Die Abhandlungen über die Gontamination zu ein- 
zelnen Stücken sind oben aufgeführt. G. Vallat, Quomodo Menandrum quoad praecipuarum 
personarum mores Terentius transtulerit (Thdse), Paris 1883 (1887). y) Ueber das soziale 
Leben und die religiösen Vorstellungen bei Terenz vgl. die Litteratur oben p. 101 und 

G. Regel, Terenz im Verhältnis zu seinen griech. Originalen, Progr. Wetzlar 1884, p. 12. 
Ueber das Recht bei Terenz vgl. P. Baret, De iure apud Terentium (Th^se), Paris 1878; 
E. J. Bekker, Die röm. Komiker als Rechtszeugen (Zeitschr. der Savignystiftung für Rechts- 
gesch. 13 (1892) Rom. Abt. p. 58); £. Costa, II diritto privato nelle comedie di Terenzio 
(Archivio giuridico 50 (1898) p. 407); A. Schwind, Ueber das Recht bei Terenz, Diss. Würz- 
burg 1901; 0. Fredershausen, De iure Plautino et Terentiano, Diss. Gott. 1906 (handelt 
I. De statu personarum, IL De rebus publicis praeter magistratus, III. De magistratibus); 
vgl. noch oben p. 101. Terenz ist aber nicht eine Quelle für das römische, sondern für 
das griechische Recht. 

Antike Urteile über Terenz. Vita p. 8 W^ssner hunc {Terentium) Afranitis 
quidetn omnibus comieis prtufert scribens in CompUalibus: *Terenti num similem dicetis 
quempiamf Vielleicht bezieht sich auch Fragment 3 (Ribbeck, Comic, fragm.' p. 199): 
ut quicquid loquitur, aal merum est! auf Terenz. Caesar (vita Terenti p. 9 W.) sagt in einem 
Gedichte : tu quoque, tu in summis, o dimidiate Menander, \ paneris, et merito, puri ser^ 
monia atnat&r, \ lenibus atque utinam acriptis adiuncta foret via, | cotnica ut aequato virtua 
polieret h<more \ cum Graeeia neve hac deapectua parte iacereat \ unum hoc maeeror ac doleo 
tibi deeaae, Terenti; vgl. dazu R. S. Radford, Transactions and Proceedings of the American 
philol. aasociation 82 (1901) p. XXXIX. Aehnlich lautet das Urteil Ciceros (vita 1. c): 
Cicero in Limone hactenua laudat: tu quoque, qui aolua lecto aermone, Terenti, \ converaum 
expreaaumque latina voce Menandrum \ in medium nobia aedatia motibua effera, \ quiddam 
come loquena atque omnia dulcia dicena, de. ad Attic. 7, 3, 10 hebt an den fabellae des 
Terenz elegantiam aermonia hervor (vgl. oben p. 185). Varronis Menippeae 399 Buecheler 
in quibua partibua in argumentia Caeciliua poacit palmam, in et he a in Terentiua, in 
aermonibua Plautua, Horat. epist. 2, 1, 59 vincere Caeciliua gravUate, Terentiua arte 
(dicitur), Qnintil. 10, 1, 99 licet Terenti aeripta ad SHpionem Africanum referantur {quae 
tarnen aunt in hoc genere elegantiaaima et plua adhuc habitura gratiae, ai intra veraua 
trimetroa atetiaaent); vgl. dazu A. Gudeman, Transactions and Proceedings of the American 
philol. association 34 (1903) p. 35. Gellius 6, 14, 6 vera et propria huiuacemodi fortnarum 
exempla in latina lingua M, Varro eaae dicit ubertatia Pacuvium, gracilitatia Lucilium, 
mediocritatia Terentium. 

IvyxQiaiq des Plautus und des Terenz. Euanthins de fabula p. 20 Wessner 
illud quoque inter Terentianaa virtutea mirabile, quod eiua fabulae eo aunt temperamento, 

») W. Meyer, Abb. der Münchner Akad. der Wissensch. 17 (1886) p. 21. 



156 P- TarenUaB Afer. (§ 45.) 

iU neque extumescant ad tragicam celaitudinem neque abieiantur ad mimicatn vilitatem. adde 
qnod nihil abstrusum ab eo ponitur aui q%Md ah historicis requirendum sit, quod aaepius 
Plautus facti et eo est obseurior muUis lo€i$, adde quod argumenti ae »tili ita attente 
memor est, ut nuequam non aut caverit aut curaverit quae abesse potuerunt, quodque media 
primis atque postremis ita nexuit, ut nihil additum alteri, sed aptum ex se totum et uno 
corpore videatur esse compositum, illud quoque mirabile in eo, primo quod non ita miscet 
quattuor personas, ut obscura sit earum distinetio, et item quod nihü ad populum facit 
actorem velut extra comoediam loqui, quod Vitium Flauti frequentissimum. Vgl. fiber diese 
avyxgiaig P. Rabbow, De Donati commento in Terentiom specimen observationum primum 
(Fleckeis. Jahrb. 155 (1897) p. 815). — L. H. Fischer, De Terentio priomm comicoroin 
latinonun imprimis Planta sectatore quaest. selectae, Dias. Halle 1875. Ueber den sermo 
fignratus bei Plantns und Terenz vgl. F. Leo, Analecta Plautina II, Gott. 1898, p. 40. üeber 
das Verhältnis der alten Wertformen bei beiden Dichtem vgl. A. 6. Engelbrecht, Studia 
Terentiana, Wien 1883; Wien. Stad. 6 (1884) p. 216. üeber die Wertschfttzung des Terenz 
von Seiten des Erasmus und der Pädagogen jener Zeit vgl. M. Herrmann, Mitteilungen 
der Ges. für deutsche Erziehungs- und Schnlgesch. 3 (Berl. 1893) p. 12. 

Die sprachliche Gomposition des Terenz. Wir legen uns dieselbe Beschrän- 
kung auf, wie bei Plautus. Arbeiten, die sowohl Aber Plautus als über Terenz handeln, 
sind oben p. 103 nur bei ersterem aufgeführt, a) P. Tscher njaew, Terentiana; de ser- 
mone Terentii plebeio aut quottidiano, Kasan 1900 (vgl. Archiv fOr lat. Lexikographie 11 
(1900) p. 603); A. Uppgren, Ueber sprachliche und metrische Gomposition und Kunst des 
Terenz; Beitr. zur lat Sprachgesch. und Metrik, 1. Heft, Lund 1901. /f) £. Hauler, Teren- 
tiana; quaest. cum specimine lexici, Wien 1882; vgl. auch die beiden Kapitel: De Teren- 
tiano usu et copia verborum und De Terentio verborum inventore in P. Tschernjaews 
Schrift: Terentiana; de Giceronis studiis Terentianis, Kasan 1898, p. 72, p. 85; A. Fleck- 
eisen, Forsitan bei Terentius? (Fleckeis. Jahrb. 149 (1894) p. 284); £. Laiin, De particu- 
larum comparativarum usu apud Terentium, Norrcopiae 1894; E. Stange, De arcnaismis 
Terentianis, Progr. Wehlau 1890; K. W. Smith, Archaisms of Terence mentioned in the 
commentary of Donatus, Diss. Baltimore 1890. y) P. Barth, Die Eleganz des Terentius im 
Gebrauch des Adjektivums (Fleckeis. Jahrb. 129 (1884) p. 177); Ghr. Ger des. De trans> 
lationibus Terentianis, Progr. Leer 1884; L. Simsay, De tropis et figuris apud Terentium, 
Progr. Klausenburg 1889. 

Die metrische Gomposition des Terenz. B. Born, De diverbii apud Teren- 
tium versibus, Progr. Magdeburg 1868; G. Gonradt, De versuum Terentianornm structura, 
Diss. Berl. 1870; Ueber einige Eigentümlichkeiten des Versschlusses bei Terenz (Hermes 10 
(1876) p. 101); Die metrische Gomposition der Komödien des Terenz, Berl. 1876; Stichische 
und lyrische Gomposition bei Terentius (Fleckeis. Jahrb. 117 (1878) p. 401); F. Schlee, De 
versuum in canticis Terentii consecutione, Berl. 1879; J. Draheim, De iambis et trochaeis 
Terentii (Hermes 15 (1880) p. 238); K. Meissner, Die Gantica des Terenz und ihre £n- 
rhythmie (Fieckeis. Jahrb. Supplementbd. 12 (1881) p. 465); Die strophische Gliederung in 
den stichischen Partien bei Terentius (Fleckeis. Jahrb. 129 (1884) p. 289); De iambico apud 
Terentium septenario, Bemb. 1884; 0. Podiaski, Quo modo Terentius in tetrametris iam- 
bicis et trochaicis verborum accentus cum numeris consociaverit, Berl. 1882; Die trochaei- 
schen Septenare des Terenz mit bes. Berücksichtigung der Hecyra, Progr. Berl. 1894; 
A. Boemer, De correptione vocabulorum natura iambicomm Terentiana, Münster 1891; 
Ph. Fabia, Sur la fin monosyllabique du s^naüre chez Terence (Revue de philol. 17 (1893) 

&29); A. Franke, De caesuris septenariorum trochaicorum Plautinorum et Terentianornm, 
alle 1893; G. Möller, Quaest. metricae de synaloephae qua Terentius in versibus iambicis 
et trochaicis usus est ratione, Diss. Münster 1896; J. Vahlen, Ueber die Versschlflsse in 
den Komödien des T.. Abb. der Berl. Akad. der Wissensch. 1900 p. 119 (über et, aut u. ä. 
im Versausgang; vgl. dazu berichtigend F. Scholl, Zwei alte Terenzprobleme, Rhein. Mus. 
57 (1902) p. 52); Ueber Fragen der Verstechnik des Terentius (Sitznngsber. der Berl. Akad. 
der Wissensch. 1901 p. 338); A. Uppgren 1901 (vgL oben); J. Tomingek, De composi- 
tione P. Terenti Phormionis, Progr. Krainburg 1902 (Symmetne undResponsion); W. Baese, 
De canticis Terentianis capita tria, Diss. Halle 1903; K. S. Radford, The latin monosyllables 
in their relation to accent and quantity; a study in the verse of Terence (Transactions and 
Proceedings of the American philol. association 34 (1903) p. 60); ergänzend dazu: The tra- 
ditional word order and the latin accent (American Journal of philol. 25 (1904) p. 147); vgL 
dazu H. Draheim, Wochenschr. für klass. Philol. 1905 Sp. 1317. 

45. Fortleben des Terenz im Altertum. Auch nach dem Tode des 
Terenz wurden seine Stücke noch aufgeführt Man griff gern zu den 
Meistern zurück, da es bald an Palliatendichtern fehlte. Für diese zweiten 
Aufführungen geben uns die didaskalischen Notizen Anhaltspunkte. Aus 



P. TerentittB Afer. (§ 45.) 



157 



denselben hat man eine zweite Aufführung der Andria in der Zeit von 
148 — 134, des Eunuehus im Jahre 146, des Heautontimorumenos im Jahre 
146, des Phormio im Jahre 141 oder 140 erschlossen. Aber nicht bloss 
im Repertoire erhielt sich Terenz längere Zeit, auch in den Kreis der ge- 
lehrten Forschung trat er ein. Es beschäftigten sich mit ihm die Litterar- 
historiker, Biographen, Altertumsforscher; aus der von Sueton verfassten 
Vita lernen wir eine ganze Reihe von solchen Gelehrten kennen: Fene- 
stella, Cornelius Nepos, Porcius Licinus, Volcacius Sedigitus, Yarro, Santra, 
Q. Gosconius, Cicero, Caesar. Aus dem Auctarium Donati kommen noch 
hinzu der Kritiker Maecius (Tarpa)^) und der Dichter Yagellius (§ 62 b) oder 
wie er hiess. Auf scenische mit Terenz zusammenhängende Studien weisen 
unsere Didaskalien hin; sie fanden wohl ihren Abschluss in der ausge- 
dehnten Tätigkeit M. Varros. Eine Terenzausgabe lieferte der berühmte 
Probus (§ 477). Es folgten die Commentare; solche sind uns bezeugt von 
Aemilius Asper (§ 598),*) von Helenius Acre (zu den Adelphoe und dem 
Eunuehus; vgl. § 601), und vielleicht von Arruntius Celsus (zum Phormio; 
vgl. § 605, 5) ; ^) auch dem Euanthius miiss ein unbefangenes urteil einen 
Commentar zu Terenz zuteilen.^) Alle diese Commentare sind aber ver- 
loren gegangen; erhalten sind uns dagegen die Commentare des Donatus 
und des Eugraphius. Der Commentar des Aelius Donatus bezieht sich auf 
aUe Stücke mit Ausnahme des Heautontimorumenos, den Donatus aber 
ebenfalls commentiert hatte. ^) In diesem Commentar liegt uns ein Original- 
werk des Donatus vor, das aber durch Zudätze und andere Schicksale 
seine ursprüngliche Form eingebüsst hat. In dem Donatcommentar stecken 
Notizen, die für uns sehr wertvoll sind; besonders interessieren uns die 
Vergleichungen der griechischen Originale und die SteUen, welche für die 
Schauspieler berechnet waren. Einen weit geringeren Nutzen hat für uns 
der Commentar des Eugraphius; der Zweck dieses Commentare ist, die 
rhetorische Kunst des Terenz darzulegen. Dies setzt aber das Verständnis 
des Autors voraus; es werden daher auch erklärende Bemerkungen ge- 
geben. Die rhetorischen Bemerkungen haben nur fttr die Geschichte der 
Rhetorik und des Unterrichts einige Bedeutung. Ausser diesen Commen- 
taren besitzen wir auch noch Scholien zu den Komödien des Terenz; wir 
unterscheiden die des Bembinus von denen der übrigen Handschriften. Auch 
in diesen Scholien steckt noch manches Gut antiker Gelehrsamkeit. Com- 
mentierende Tätigkeit bekunden in gewissem Sinne auch die metrischen 
Inhaltsangaben zu den einzelnen Stücken ; sie rühren von C. Sulpicius Apolli- 
naris (§ 597) her und umfassen je zwölf Senare. Das Interesse für Terenz 



») Vgl. Horat. Bat. 1, 10, 38; W. Meyer, 
Qnsest. Terent., Dias. Leipz. 1902, p. 75. 

*) P. Weaaner, Aemilius Asper, Progr. 
Halle 1905. 

*) Chans. Gramm, lat. 1 p. 207, 13; 
p. 212, 8; p. 218, 18; p. 214, 4; p. 222, 30; 
p. 223, 11 (vgl. H. Keil z. St.; 0. Froehde, 
De G. Julio Romano Charisii auctore, Fleckeis. 
Jahrb. Snpplementbd. 18 (1892) p. 688). 

*) Einen Gommentator mit yerderbtem 
Namen nennt auch noch Donat. zu Eunuch. 



Vs. 689 : at ego Edisionum sequor, FOr das 
verderbte Wort wurde vorgeschlagen: HeJe- 
nium Äcronenif Äelium StUonem, Suetoniutn, 
Ai&ictoy; vgl. Wessner, Ausg. 1 p. 534. 

^) Diesen verlorenen Commentar ersetzte 
J. Galphurnius (geboren 1443, f 1^03 als 
Professor in Padua); sein Commentar er- 
schien 1476 (YenetÜB per Antonium Moretum). 
Derselbe ist wertlos; vgl. F. J. Loeffler, 
De Calphurnio Terentii interprete, Strassb. 
1882 = Diss. philol. Argent. 6 p. 265. 



158 P- Terentina Afer. (§ 45.) 

zeigte sich noch im Ausgang des Altertums darin, dass sein Text einer 
Revision unterworfen wurde; als Urheber dieser Revision wird Calliopius 
genannt, über den uns sonst jede nähere Kunde fehlt. Auch Illustrationen 
zu den Darstellungen des Terenz müssen im Altertum bereits vorhanden 
gewesen sein; ihr Einfluss reicht bis in das Mittelalter. 

Litteratur über das Fortleben des Terenz im Altertum. A. Steubing, Ana- 
lecta critica quae ad testimonia yeteromTerentiana spectant, Diss.Marb. 1872; H.Schindler, 
Observationes criticae et historicae in Terentiam, Diss. Halle 1881 (cap. 1: De Anisiani 
Messii testimoniis Terentianis); £. Bartels, De Terentii memoria apud Nonium senrata, 
Diss. Strassb. 1884 (Diss. philol. Argent. 9, 1); F. Leo, Gott. gel. Anz. 1896 p. 783 (über die 
Nachahmung des Senars bei Plautns und Terenz im Lndus Septem sapientum des Ausonius); 
P. Tschernjaevr, Terentiana; de Ciceronis studiis Terentianis, Kasan 1898 (vgl. dazu 

B. Maurenbrecher, Berl. philol. Wochenschr. 1900 8p. 551); Terentiana, I. des traces de 
T^rence dans Ovide, Horace et Tite Live, Kasan 1900 (vgl. dazu B. Maurenbrecher, 
Berl. philol. Wochenschr. 1902 Sp. 1318); Terentiana, IL Apul^e, Ausone et Symmaque 
comme imitat^urs de T^rence, Kasan 19()0. 

Zur Geschichte der Donatfrage. Wir können zwei Phasen unterscheiden, in- 
dem wir die Forschungen Sabbadinis als einen wesentlichen Einschnitt ansehen und das 
VorausUegende als erste Phase, die mitSabbadini beginnenden Untersuchungen als zweite 
Phase betrachten, er) Die erste Phase der Streitfrage. Vgl. darüber Sabbadini, Studi 
italiani 2 (1894) p. 4. Das Problem nahm seinen Ausgangspunkt von Janus Parrhasius 
(s. XVI); derselbe machte die Beobachtung, dass sich in dem Commentar des Donat oft 
doppelte oder auch widersprechende Scholien finden, und zog daraus den Schluss, dass der 
Commentar in der Gestalt, in der er jetzt vorliege, nicht von Donat herrühren könne. Erst 
im 19. Jahrhundert wurde die Donatfrage wieder aufgegriffen und wissenschaftlich erörtert. 
Den Impuls dazu gab L. Schopen, De Terentio et Donato eins interprete, Diss. Bonn 1821; 
Specimen emendationis in Aeli Donati commentarios Terentianos, Progr. Bonn 1826. Auch 
ihm stand fest, dass der Commentar nicht das Werk eines einzigen, sondern aus mehreren 
zusammengearbeitet sei. Als eine Arbeit aus Schülemachschriften erklfirte den Commentar 

C. G. Reinhold, Adnotationes in Terentii Andriam, Eunuchum, Adelphos et Heautont.; 
adiecta est de Donato, Terentii interprete, observatio et var. lect. ex libro Gryphiensi ex- 
cerpta, Primislaviae 1830. Mehr vom Standpunkt der Kritik aus wurde die Frage behandelt 
von J. Könighoff, De scholiastae in Terentium arte critica commentatio, Progr. Aachen 
1840; A. Richter, Donati commentarii quem usum habeant ad illustrandam singnlarum 
Terentii vocum corruptelam, Diss. Bonn 1854. F. Umpfenbach, Die Scholien des cod. 
Bembinus zum Terentius (Hermes 2 (1867) p. 337) wollte den gegenwärtigen Zustand un- 
seres Donatcommentars dadurch erklären, dass er behauptete, der ursprünglich fortlaufende 
Commentar sei auseinandergerissen und den einzelnen Stellen beigescbrieben worden, wo- 
durch derselbe grossen Schaden erlitt; die auseinandergerissenen Noten seien aber im Mittel- 
alter wieder zu dem Corpus, wie es jetzt überliefert ist, vereinigt worden. Einschneidend 
war eine Abhandlung H. üseners, Vier lat. Grammatiker (Rhein. Mus. 23 (1868) p. 490); 
sein Ziel ist, den Donat aus der Scholienmasse auszusondern. Aaf seine Rechnung setzt 
er die Scholien philosophischen und rhetorischen Charakters. Aber üsener ging noch 
einen Schritt weiter. Da er in der Einleitung des Commentars den Euanthius vorfand, stellte 
er die Hypothese auf, unser Commentar sei aus einer Donatus- und aus einer Euanthius- 
masse zusammengesetzt. Als ünitarier trat J. A. Becker (Quaest. de Aelii Donati in Teren- 
tium commentariis, Progr. Mainz 1870) auf. Auf Seite Useners stellten sich K. Dziatzko 
(Rhein. Mus. 25 (1870) p. 438) und A. Reifferscheid, Euanthius et Donati commentum 
de comoedia (Ind. lect. Breslau 1874). Einen neuen Weg betrat W. Hahn, Zur Entstehungs- 
gescb. der Scholien des Donat zum Terenz, Progr. Halberstadt 1870 und Stralsund 1872. 
Er geht von den Anmerkungen über die Wortfiguren und den vitia orationis aus und ver- 
gleicht sie mit den Definitionen, die Donat in seiner Ars gibt. Er findet, dass die wenig- 
sten dieser Noten auf Donat zurückgehen können und dass die meisten auf spätere Inter- 
preten zurückzufuhren sind; er ist überzeugt, dass vom echten Donat nur Bruchstücke er- 
halten seien. Drei Massen statuiert A. Teuber, De auctoritate commentorum in Ter., quae sub 
Aelii Donati nomine circumferuntur, Progr. Eberswalde 1881; Zur Kritik der Terenzscholien 
des Donatus (Fleckeis. Jahrb. 143 (1891) p. 353): eine, die von Donatus, eine zweite, die 
von einem Compilator des Donatus, und eine dritte, cüe von einem unbekannten Commen- 
tator herrührt. F. Leo, Die Ueberlieferungsgesch. der terenzischen Komödien und der Com- 
mentar des Donatus (Rhein. Mus. 38 (1883) p. 326) findet den Schluss Useners zwingend, 
„dass Bestandteile aus dem Commentar des Euanthius mit dem des Donat vereinigt die 
Hauptmasse der .Scholien bilden', und macht den Versuch (p. 331—333), mehrere Scholien- 



P. TerentiQB Afer. (§ 45.) 159 

masaen Donats herausznachälen. Die Diaaertation E. Scheidemantela, Quaeat. Eoaii- 
thianae, Leipz. 1883, aacht die dem Euanthina angehörigen Scholienmaaaen aaazuaondern 
und achreibt ihm auaaer einem Teil der Einleitung auch die praefationea zu. Ala eine Zu- 
aammenaetzung aua Commentaren verachiedener Autoren aieht auch H. Gerstenberg (De 
Eugraphio Terentii interprete, Dias. Jena 1886) unsere Scholienmaaae an und sucht solche näher 
zu charakteriaieren. Mit den Scholien über die Schauapielergesten beschftftigt sich speziell 
W. Weinberger, Beiträge zu den BOhnenaltertümem aua Donata Terenzcommentar (Wien. 
Stud. 14 (1892) p. 120) und kommt auch auf die Donatfrage zu sprechen, die er wesentlich im 
Sinne Useners löst. (Die Scholien über die Schauapielergeaten behandelt neuerdings 
J. W. Basore in einer Abhandlung, die erschienen ist in: Proceedings of the American 
philol. aasociation Bd. 34 (1908) p. CHI.) ß) Die zweite Phase des Streites. Mit 
R. Sabbadini beginnen wir darum die zweite Phase des Streites, weil sich hier eindring- 
liche Forschung mit umfassenden handschriftlichen Studien vereinigt. Die hierher gehörigen 
Abhandlungen aind in der Litteratur zur Ueberliefemng angeführt. Das Resultat, daa Sab- 
badini gewonnen hat, geben wir mit aeinen eigenen Worten (Studi ital. 2 p. 14): „A baae 
delle ricerche io vonrei dunque il postulato di un solo commento originario. Questo com- 
mento, scritto su un testo continuo, fu variamente ingroasato da note marginal!, ora pole- 
miche (aetie ego), ora iUustrative (serie et) e simili. Dair altro canto uno stndioso tras- 
portö per proprio uao, compendiandoli, gli acolii di Donato aui margini di un codice teren- 
ziano: questi sono i doppioni. Venne da ultimo un compilatore, il quäle da un teato con- 
tinuo donatiano cosi ingrossato e dal margini di un codice terenziano coperti di doppioni 
donatiani raffazzonö la collezione che arrivö fino a noi; natunJmente i doppioni marginal! 
del codice terenziano dovevano avere un contraaaegno (p. e. /> = Donatua)^ dal quäle egli 
fosse autorizzato ad accoglierli sotto il titolo di Donato"; vgl. p. 15: „II metodo del com- 
pilatore fn di riunire aotto il medesimo verso tutte le interpretazioni, o doppie o contrad- 
dittorie, che ad esso si riferivano .... Giunto al Phor. II 3, abbandonö il suo metodo e 
traacriaae le due serie, a e &, dal teato donatiano e dal codice terenziano, senza fonderle*^ 
(der eine Commentar reicht von Va. 3 — 93, der andere von Va. 5 — 93). Bezüglich der fol- 
genden Scholien schalten wir hier eine Bemerkung Rabbows (p. 331) ein: „Dehinc quae 
sequuntur scholia usque ad finem fabulae, ea ita comparata sunt, ut unum commentarium 
adhiberi intellegas*; vgl. auch Karsten, Mnemos. 1904 p. 211. Keinen Fortschritt in der 
Donatfrage hat J. J. Hartman (De Terentio et Donato, Leiden 1895) erzielt. P. Rabbow, 
De Donati commento in Terentium specimen observationum primum (Fleckeis. Jahrb. 155 
(1897) p. 320) stellt bezüglich des Donatcommentars folgende Hypothese auf (p. 330): „Com- 
mentarium Terentii unum a duobus scimus olim expilatum esse interpretibus, haec autem 
dunmyirum excerpta gemella in scholüs Donateis congregata haben, ita duplici recensione 
ille commentariua ad nos pervenit." Bezüglich der praefationea will er die Schwierigkeit 
dadurch löaen, „ut etiam praefationea quae olim fuere ab uno una ratione confectae, a 
duumviria deacriptaa omnea et diverse vindicatas esse statuamus: deinde compilator cui 
dnumvirum commenta congreganda erant, munere illo ita functus est, ut non uniuscuiusque 
praefationia dnplicem e duobus commentis conflaret recensionem, sed ex altero praefationea 
delibaret Andriae Hecyrae Phormionia, ex altero Adelphorum et Eunuchi; de Heautontimo- 
rumeno nescimus*. Mit Kriterien für die Sichtung verschiedener Scholiengruppen beschäftigt 
sich E. Smutny, De scholiorum Terentianorum quae aub Donati nomine femntnr auc- 
toribuB et fontibus quaeat. selectae (Dias, philol. Vindob. vol. 6 (Wien 1898) p. 93); vgl. 
dazu P. Wessner, Berl. philol. Wochenschr. 1899 Sp. 74. Auch der verdiente Herausgeber 
des Commentars P. Weaaner hat die Donatfrage nicht unberückaichtigt gelassen; vgl. 
Untersuchungen zur lat. Scholienlitt, Bremerhaven 1899, p. 1 und § 7 seiner Ausgabe (1 
p. XLIV): De eins quod ad nos pervenit commenti forma atqne origpne. In den *Unter- 
Buchungen' sucht er zu erweisen, daas nur die Kapitel 1—3 der Einleitung dem Euanthius 
angehören, während „die Kapitel 4—8 aich ala ein buntea Durcheinander von Notizen und 
Fragmenten gröaaeren oder geringeren Umfangea, die auf verschiedene Quellen und ver- 
schiedene Zeiten zurückgeführt werden müssen, darstellen* (p. 13). Weiterhin statuiert er 
(p. 14), daas Donat diese Einleitung aus dem Terenzcommentar des Euanthius ebenso wie 
die Vita des Terenz von Sueton in sein Werk einfach herübergenommen habe, und hält es 
für wahrscheinlich (p. 16), „daas ein Teil der Scholien aus dem Euanthiuscommentar ent- 
lehnt ist*, meint aber, daaa man sich hüten müsse, „von vornherein gewisse Gruppen von 
Scholien, ohne einen anderen Anhalt ala die Einleitung, dem Euanthina zuzuweisen*. In 
seiner Ausgabe (1 p. XL VI) schliesst sich Wessner in Bezug auf die Entstehung des Com- 
mentars im wesentlichen an Sabbadini an. üeber die verschiedenen Donatfragen handelt 
Weaaner in Bursians Jahresber. 113 (1902) p. 176. üeber Aemilius Asper als Quelle Donats 
vgl. denselben, Aemilius Asper, Halle 1905; Nachtrag: Berl. philol. Wochenachr. 1906 Sp. 62. 
lieber die Bemerkungen Donata bezüglich der Interpunktion vgl. R. Kauer, Wien. Stud. 22 
(1900) p. 87. Ueber eine angeblich nichtdonatische Scholienmasse, die er unpassend philo- 
sophisch nennt, vgl. H. T. Karsten, De scholüs Terentianis philosophis (Album gratulatorium 



1 60 P* Terentins Afer. (§ 45.) 

in honorem Henrici yan Herwerden, Utrecht 1902, p. 129). Diese Scholienmasse wird aus- 
fflhrlich behandelt in Mnemos. 82 (1904) p. 209; der Verfasser dieser Scholien soll nach 
Donat and vor Mitte des 6. Jahrhunderts gelebt haben (p. 211). Ausser dem sog. Philo- 
sophen will Karsten (p. 287) noch vier Interpolatoren des Donatcommentars nachweisen. 
Ueber die rhetorischen Scholien des Donatcommentars und die Scheidung des donatischen 
Eigentums von fremdem vgl. Mnemos. 1905 p. 139. 

Das Fortleben des Terenzcommentars Donats. Der Commentar wird nur von 
drei Autoren citiert: von Hieronymus comment in eccles. 1, apol. adv. Rufinum 1, 16, von 
Priscian Gramm, lat. 8 p. 281, p. 320 und von Sergius explan, in art. Donati (Gramm, lat. 4 
p. 486). Der Abt von Ferp^re Servatus Lupus schreibt an Papst Benedikt 111. (855^858): 
pari interUione Donati commentum in Terentium flagitamus. Diese Zeugnisse sind abgedruckt 
bei Wessner, Ausg. 1 p. VI. Erst im 15. Jahrh. stossen wir wieder auf Spuren des Donat- 
commentars: Gioyanni Aurispa fand ihn in Mainz und in Chartres (Gamotum) auf; vgl. 
R. Sabbadini, Biografia documentata di Giovanni Aurispa, Note 1891; Studi italiani di filol. 
class. 2 (1894) p. 16; tlber das Auftauchen des Ambrosianus vgl. denselben, Le scoperte dei 
codici latini e greci ne' secoli XIV e XV, Florenz 1905, p. 120. Von jetzt an wurde der Com- 
mentar in Handschriften verbreitet, aber auch willkürlich zugestutzt, um ihn lesbar zu machen. 

Die Ueberlieferung des Terenzcommentars Donats. Die Ältesten Hand- 
schriften sind der Parisinus 7920 s. XI (A) und der Vaticanus 1595 s. XIH (B), die jedoch 
den Commentar nur fragmentarisch enthfuten; über den codex Cuiacii vgl. Wessner, Ausg. 1 
p. XVI. Weiterhin kommen in Betracht der Vaticanus 1496 s. XV (V) in seinem ursprüng- 
lichen Texte und die auf den verlorenen codex Maguntinus zurückgehenden Handschriften 
des 15. Jahrhunderts: Oxoniensis 95 (C), Marucell. C 224 (F), der mit dem Oxoniensis aus 
derselben Vorlage stammt, Vaticanus 2905 (T) und der Riccardianus 669 (R). Ueber das 
fragmentum Ambrosianum (S), das Sabbadini in dem cod. Ambrosianus L 58 sup. s. XV 
entdeckt hat, bemerkt P. Wessner, Ausg. 2 p. III: „Proxime accedit ad libros melioris vel 

optimae notae, A V^ T C dico codicem S modo cum Parisino A consentire modo ad 

librorum T C V fidem propius accedere facile intellegimus, ita ut fragmentum Ambrosianum 
medium qnendam inter illos locum obtinere videatur.*^ Wichtig ist der aufgefundene cod. 
Chigianus H. VII. 240 s. XV; vgl. oben p. 141, p. 145. 

Litteratur zur Ueberlieferung. Nachdem L. Schopen und A. Reifferscheid 
ihren Plan, den Donatcommentar auf neuer kritischer Grundlage herauszugeben, nicht durch- 
geführt hatten, machten sich folgende Gelehrte um die Durchforschung des handschrift- 
lichen Materials und damit um die Texteskonstituierung verdient. Von Wichtigkeit war, 
dass durch H. Keil, Joannis Aurispae epistula (Ind. lect. Halle 1870) die Spuren eines Donat- 
commentars in Mainz aufgedeckt wurden. Der um Terenz hochverdiente K. Dziatzko hat 
auch dem Donatcommentar seine Aufmerksamkeit zugewendet. Im Rhein. Mus. 29 (1874) 
p. 445, p. 511 hat er den ftltesten Codex, den Parisinus A, in Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 
10 (1879) p. 662 den Oxoniensis Bodleian. Canon. 95 s. XV (C) besprochen; der zweiten Ab- 
handlung gab er (p. 662) die Konjekturen Bentleys bei. Die grOssten Verdienste um den 
Donatcommentar, sowohl was seinen Aufbau als seine Geschichte und Ueberlieferung an- 
langt, hat sich R. Sabbadini erworben. Zunächst kommen folgende Abhandlungen in Be- 
tracht: 1. Storia e critica di alcuni testi latini: Donato Terenziano (Museo italiano di antichitä 
classica 3 (1890) p. 381); 2. II commento di Donato a Terenzio (Studi italiani di filol. class. 2 
(1894) p. 1); über die Handschriften und die Ausgaben vgl. p. 43; 3. Gli scolii Donatiani 
ai due primi atti delF Eunuco di Terenzio (ebenda 3 (1895) p. 249); vgl. dazu P. Wessner, 
Berl. philol. Wochenschr. 1895 Sp. 426; 4. Biografi e commentatori di Terenzio (ebenda 5 
(1897) p. 289: I. Un nuovo codice del commento di Donato a Terenzio; II. Emendamenti 
agli scolii terenziani di Donato^; vgl. dazu P. Wessner, Berl. philol. Wochenschr. 1898 
Sp. 358. Im Anschluss an Saboadini griff P. Wessner mit der Abhandlung: Die Ueber- 
lieferung von Aeli Donati commentum Terentü (Rhein. Mus. 52 (1897) p. 69) in die Hand- 
schriftenfrage des Donatcommentars ein, wozu als Ergänzung kommen: Untersuchungen zur 
lat. Scholienlitt., Bremerhaven 1899 (p. 16: Ueber Handschriften und Ausgaben des Donat- 
commentars, 1. Lindenbrogs handschriftl. Material, 2. Westerhovs Handschriften, 3. Ver- 
schollene Handschriften); Archiv für lat. Lexikographie 12 (1902) d. 284. In übersicht- 
licher und erschöpfender Darstellung wurde - die Ueberlieferung des Donatcommentars von 
ihm Ausg. 1 (1902) p. VII behandelt. Ueber einen wichtigen Fund berichtet R. Sabbadini, 
Spogli Ambrosiani latini (Studi italiani di filol. class. 11 (1903) p. 185); vgl. dazu P. Wessner, 
Wochenschr. für klass. Philol. 1905 Sp. 124; Ausg. 2 p. UI. 

Der Commentar des Euanthius. Rufinus Gramm, lat. 6 p. 554, 4 Euanthius in 
eommtntario Terentü de fabula [hoc est de comoedia] sie dicit , . , , et postea sie. Diese 
zwei Stellen finden sich in der Einleitung zum Terenzcommentar (II 6 und III 3). R. Sab- 
badini (Studi italiani 2 (1894) p. 16) leugnet mit Unrecht einen Uoramentar des Euanthius 
zu Terenz und bezieht die Worte in cotnmentario Terentü auf den Terenzcommentar xai' 
i^oxijyt d. h. den Donatcommentar, in den einige Stellen aus einer Abhandlung des Euan- 



P. TerentiuB Afer. (§ 45.) 161 

thinB de fabula aufgenommen seien. Ueber das Verhältnis des Euanthius zum Donatcom- 
mentar vgl. , Geschichte der Donatfrage*. üeber Euanthius vgl. noch § 836 p. 161. 

Der Commentar des Eugraphius. a) Die Ueberlieferung. Der Commentar 
ist, wie H. Gerstenberg (De Eugraphio Terentii interprete, Diss. Jena 1886) festgestellt 
hat» in zwei Redaktionen (A und B) Überliefert, die Redaktion A im Leidensis 36 s. X (V), 
in Parisinus 16235 s. X/XI (S), BasUicanus 19 H. s. X (B) und Parisinus 7520 s. XI (P), v^. 
Gerstenberg p. 4, die Redaktion B im Leidensis 34 s. A (L), Ambrosianus H. 75 inf. s. XI 
(A; enthält nur Gomm. zu 4 Prologen), Sangallensis 860 s. XV (G) und dem Codex von 
Laon 467 s. XV (F); vgl. P. Wessner, Untersuchungen 1899 p. 28. /9) Die Zeit. Die Zeit 
des Eugraphius kann nur durch Combination ermittelt werden. Gerstenberg (p. 117) kommt 
durch Betrachtung des Verhältnisses des Eugraphius zu Gassiodor (und Isidor) zu dem Satz: 
yEugraphium rhetorem Cassiodorii aequalem natu minorem fnisse et medio saeculo sexto 
vel paulo post medium commentarios Terentianos scripsisse contendimus.* y) üeber die 
Quellen des Commentars vgl. Gerstenberg p. 36; Karsten 1. c. p. 133. d) Ziel 
des Commentars. Praef. zu Andria p. 173 äotz magig Terentii virttts ad rationem 
rheforteae artis accedit: euius poientiam per Hngulas comoedias, tU poasumus, explicahimus ; 
vgl. Gerstenberg p. 55 und Karsten, Mnemos. 1905 p. 129. $) üeber die Frage, ob 
mit dem Commentar eine von Eugraphius verfasste vita Terenti verbunden war, handelt 
P. Wessner, Bursians Jahresber. 113 (1902) p. 186; Berl. philol. Wochenschr. 1898 Sp. 361, 
der sich negativ äussert; vgl. auch R. Sabbadini, Studi italiani di filol. class. 5 (1897) p. 312. 

Ausg. der Terenzcommentare des Donat und des Eugraphius. Vgl. Wess- 
ner, Ausg. 1 p. XXXIII und Sabbadini, Le edizioni di Donato (Studi italiani 2 p. 76). Diese 
Commentare finden sich in den Ausg. von F. Lindenbrog, von A. H. Westerhovius 
(neuer Abdruck von G. Stallbaum ohne Eugraphius), von J. C. Zeune (Leipz. 1774), von 
Reinh. Klotz. Mit einer neuen Ausg. beschäftigten sich L. Schopen und A. Reiffer- 
scheid; letzterer publizierte: Euanthius et Donati commentum de comoedia (Ind. lect. 
Breslau 1874) und Donati in commenta Terentiana praefationes (Ind. lect. Bredau 1875/76). 
Die einleitenden Partien des Commentars edierte auch F. Leo in G. Kaibels Comicorum 
graecorum fragmenta 1 (Berl. 1899) p. 62. Massgebende Ausg. ist jetzt: Aeli Donati quod 
fertur commentum Terenti; accedunt Engraphi commentum et scholia Bembina rec. P. Wessner 
vol. 1 (Leipz. 1902), vol. 2 (1905) enthalten den Commentar des Donat, vol. 3 (in Vorberei- 
tung) den Commentar des Eugraphius und die scholia Bembina mit Indices etc. 

Die Bembinusscholien wurden ediert von F. ümpfenbach, Hermes 2 n867) 
p. 337; Ergänzungen und Berichtigungen von W. Studemund, Fleckeis. Jahrb. 97 (1868) 
p. 546; 125 (1882) p. 51. Die Scholienhände gehören dem 6. Jahrb. an. Donat ist in den 
Schollen benutzt; vgl. R. Sabbadini (Studi italiani 2 (1894) p. 21 (Donato sui margini dei Mss. 
Terenziani); R. Kau er, Zum Bembinus des Terenz (Wien. Stud. 20 (1898) p. 252); H. Gersten- 
berg, De Eugraphio etc. p. 107; P. Wessner, Aemilius Asper, Halle 1905, p. 40. 

Die Schollen der übrigen Handschriften, a) Die älteren Schollen. Wir 
unterscheiden Schollen, d. i. Excerpte aus Donat und anderen Grammatikern und Com- 
mentatoren, und selbständige Schollen. Aus denselben hebt sich ein älterer Commentar ab; 
für diesen sind cod. Monacensis 14420 s. XI, aus dem ihn F. Schlee (Scholia Terentiana col- 
legit et disposuit, Leipz. 1893; vgl. dazu K. Dziatzko, Fleckeis. JaJirb. 149 (1894) p. 469) 
veröffentlicht hat, ein Hallenser Codex, aus dem P. J. Bruns in seiner Terenzausg. 1811 eine 
verwandte Scholienmasse publizierte (Commentum Brunsiannm), endlich der Vaticanus 3868 
s. IX (C), aus dem eine Publikation von Schollen M. Warren, ünpublished scholia from 
the Vaticanus (C) of Terence (Harvard studies in class. philol. 12 (1901) p. 125) machte, als 
Quellen heranzuziehen; v^. P. Rabbow, Fleckeis. Jahrb. 155 (1897) p. 337. Der Text 
dieses Commentars stand in Verbindung mit dem Text der (f-Klasse, und die Handschriften 
dieser Klasse haben Excerpte aus demselben; der Commentar ist nicht später als das 
9. Jahrh. anzusetzen; E. Wölfflin (Archiv für lat. Lexikographie 8 (1893) p. 414 Anm.^ 
meint, dass die ältesten Bestandteile dem 4. Jahrh. angehören. Gegen Wölfflins (p. 413) 
verfehlte Zuteilcmg des Commentars an Pompeius vgl. Dziatzko p. 477. Bezüglich der Be- 
merkungen, die sich auf die Art des Vortrags beziehen, statuiert Wölfflin (p. 416), dass 
sie eine einheitliche ältere Quelle voraussetzen, ß) Die jüngeren Scholien. Es heben 
sich folgende individuelle Scholienmassen ab. Die sog. expositio im Barberinus VIII 47 
s. XIU/XIV, Riccardianus 647 und Guelferbytanus 862 s. XIII. Sie wird in das karolingische 
Zeitalter gehören. Vgl. auch M. Manitins, Philologisches aus alten Bibliothekskatalogen 
(Rhein. Mus. 47 (1892) Ergänzungsheft p. 86). Dem 13. Jahrh. gehört ein Commentar des 
Jacobinus von Mantua an; vgl. Sabbadini, Studi italiani 5 (1897) p. 320. 

Glossae Terentiana e. Solche Glossen sind gesammelt im Corpus glossariorum 
latinorum ed. G. Goetz vol. 5 (Leipz. 1894) p. 529; vgl. denselben, Glossarium Terentianum, 
Ind. lect. Jena 1885 (vgl. dazu 0. Seyff ert, Berl. philol. Wochenschr. 1885 Sp. 644); H. Gnueg, 
De glossis Terentianis codicis Vaticani 3321, Diss. Jena 1903. 

Handbuch der Um«. AltertumtwiMeaKhaft. Till, 1. 8. Anfl. 11 



162 



P. TerentiuB Afer. (§ 45 a.) 



45 a. Fortleben des Terenz im Hittelalter und in der Neuzeit. 
Im Mittelalter war Terenz einige Zeit hindurch ein hochangesehener Autor. ^) 
Die im 10. Jahrhundert lebende sächsische Nonne Hrotsvit von Oanders- 
heim klagt, dass selbst Leute, welche sich mit hl. Schriften beschäftigen 
und die heidnische Litteratur beiseite lassen, sich doch von der lieblichen 
Darstellung des Terenz angezogen fUhlten. um die vergiftende Terenz- 
lektüre zu beseitigen, schrieb die fromme Nonne selbst sechs Stücke mit 
religiösem Inhalt in einer rhythmischen Prosa. Kenntnis der Metrik des 
Terenz ging der Dichterin, wie dem Mittelalter überhaupt und selbst dem 
späteren Altertum ab; der Terenz wurde in Prosa geschrieben. Erst im 
14. Jahrhundeii versuchte man den römischen Dichter metrisch zu re- 
konstruieren, ein Bestreben, das sich im 15. Jahrhundert fortsetzte.') Trotz 
dieses Mangels war Terenz Gegenstand eines intensiven Studiums im 
Mittelalter; es prägte sich in Abfassung von Commentaren und Terenz- 
biographien aus. Auch Francesco Petrarca beschäftigte sich mit unserem 
Autor und verfasste eine Biographie des Dichters, die eine ziemlich grosse 
Verbreitung fand.') Auf die Humanisten übte Terenz seine Anziehungskraft 
aus.^) Ihrem Bestreben, den guten lateinischen Ausdruck zu kultivieren, 
bot der Komiker, besonders für die Dinge des gewöhnlichen Lebens, reiches 
Material dar.^) Gegen Ende des 15. Jahrhunderts entstand eine Phrasen- 
sammlung aus Terenz, betitelt .Yulgaria Terentii"; in der Litteratur der 
Schülergespräche nimmt daher Terenz einen angesehenen Platz ein.^) Dass 
Terenz auch auf die Schulkomödie einwirkte, soll im Vorübergehen be- 
merkt werden.^) Nachdem aus dem Humanismus sich die wissenschaft- 
liche Philologie entwickelt hatte, musste auch Terenz ein Objekt derselben 
werden, besonders die metrische Composition des Dichters harrte der Er- 
kenntnis und Aufklärung. Von den Herausgebern war Faernus (1565) der 
erste, der hier dem Verständnis die Wege zu ebnen suchte. Epochemachend 
war aber das Wirken Richard Bentleys (1726), der mit einem feinen Sinn 
für Rhythmus begabt Licht in das Chaos der metrischen Ueberlieferung 
brachte und für die Metrik der lateinischen Komiker überhaupt bahn- 
brechend wurde. Die Bestrebungen Bentleys wurden in unseren Tagen fort- 
gesetzt, ergänzt und berichtigt; die Durchforschung der lateinischen Sprach- 



^) M. Herrmann p.4; W.Creizenach, 
Gesch. des neueren Dramas 1 (Halle 1893) p. 2. 

<)Vgl. R.Sabbadini, Stndi itallam di 
filol. class. 5 (1897) p. 317: ,& notorio che 
Terenzio nel medio evo Teniva scriito come 
fosse prosa e che solo nel sec. XIV si comin- 
ciarono e nel XV si continuarono i tentativi 
di ripristinare Tordine metrico.*^ Zu Priscians 
Zeiten gab es Leute, welche der Meinung 
waren, dass bei Terenz gar kein Metrum vor- 
liege oder nicht erkennbar sei; vgl. Priscian 
de metris fabularum Terenti (Gh*amm. lat 3 
p. 418, 8) mirar, quosdam vel abnegare esse 
in TeretUii comoediis metra vel ea quasi ar- 
cana quaedam et ab omnihus doetis semota 
sibi solis esse cognita eonfirmare. Vgl. auch 
Creizenach 1. c. 2 (Halle 1901) p. 68. 

') P. de Nolhac, P^trarque et Thu- 



manisme, d'aprte un essai de restitution de 
sa bibliothdque, Paris 1892, p. 157; Sabba- 
dini, Stndi italiani 5 (1897) p. 314; Crei- 
zenach 1. c. 1 p. 531. 

^) üeber das Wiederaufleben der Wissen- 
schaften in Frankreich, Deutschland, den 
Niederlanden und England vgl. Creizenach 
1. c. 3 (HaUe 1903) p. 76, p. 247, p. 353, p. 478, 
p. 539. 

*) M. Herrmann p. 11; Creizenach 
1. c. 2 p. 22, p. 88. 

*) A. BOmer, Die lat. Schülergespräche 
der Humanisten (Texte und Forschungen zur 
Gesch. der Erziehung und des Unterrichts 
in den Lftndem deutscher Zunge I 1 (Berl. 
1897) p. 3). 

^) Creizenach 1. c. 2 p. 91. 



P. TerenUuB Afer. (§ 45 a.) 1Q3 

geschichte leistete manchen erwünschten Dienst. Auch das Studium der 
Gommentare und der Textgeschichte wurde in Angriff genommen; Dziatzko 
und Sabbadini sind auf diesem Gebiet Führer geworden. Auf die moderne 
Dichtung hat Terenz nicht in dem Masse gewirkt wie Plautus, allein es 
lassen sich doch auch Spuren seines Einflusses nachweisen; Holberg und 
Moliäre kannten und nutzten den Dichter. Dem Citatenschatz hat Terenz 
manchen Beitrag gespendet: hinc ülae lacrumae;^) lupus in fabula^) stammen 
aus ihm. Die Sentenzen: fortis fortuna adiuvat;^) quot homines, tot senten- 
tiae^) und homo sum: humani nil a me alienum puto^) sind aus ihm in 
Kurs gesetzt worden. 

Zeugnisse fftr das Fortleben des Terens im Mittelalter. Hrotsvithae co- 
moediae sex ed. J. Bendixen, Lfibeck 1862, p. 1: iS^Mii^ etiam alii sacris inhaerentea paginiSf 
qui licet alia gtfUilium spernant, Terentii tarnen figmetUa frequetUiua leetitant, et dum dul- 
eedine sermonis delectantur, nefandarum notitia rerum maeulantur, ünde ego, clamor 
wüidus Oandeshemensiß, non reeuaavi iüum imitari dictando, dum alii colunt legende; quo 
eodem dietationis genere, quo turpia laseivarum incegta feminarum reeitabantur, laudabilis 
sacrarum eaatimonia virginum iuxta mei faeuUatem ingenioli celebraretur. Ueber die rhyth- 
mische Prosa der Hrotsvitha vgl. R. KOpke, Hrotsvit yon Gandersheim, zur Litterator- 
geschichte des 10. Jahrhunderts, Berl. 18t>9, p. 152, P- 159; Aber das Verh&ltnis der Hrots- 
vitha zu Terenz vgl. p. 188; M. Herrmann p. 6; W. Creizenach, Gesch. des neueren 
Dramas 1 (Halle 1893) p. 17. In einem Prolog zu einem Lustspiel s. VII (herausgegeben 
von Ch. Magnin, Biblioth^ue de Töcole des Chartres 1889/40 I p. 527) heisst es von der 
terenzianischen Komödie: An sit pro$aieum nescio an metricum; vgl. W. Cloetta, Beitr. 
zur Litteraturgesch. des Mittelalters und der Renaissance 1 (Halle 1890) p. 2 Anm. 1 und 
p. 4 Anm. 2. 

Litteratur ttber das Fortleben des Terenz im Mittelalter und in der 
Neuzeit, a) F. Gabotto, Appunti sulla fortuna di alcuni autori romani nel medio evo, 
6. Terenzio, Verona 1891; E. Dziatzko, Zu Terentius im Mittelalter (Fleckeis. Jahrb. 149 
(1894) p. 465); M. Manitius, Beitr. zur Gesch. röm. Dichter im Mittelalter (Philol. 52 (1894) 
p. 546); R. Sabbadini, Commenti medievali a Terenzio (Studi italiani di filol. class. 5 (1897) 
p. 314); B. Santoro, La Taide in Terenzio e in Dante, Acireale 1902. ß) 0. Francke, Terenz 
und die lat Schulkomödie in Deutschland, Weimar 1877 ; Terenz auf dem Weimarschen Hof- 
theater zu Anfang unseres Jahrhunderts (Deutsche Studienblfttter 8. Jahrgg. (1878) p. 2) ; 
Max Herrmann, Terenz in Deutschland bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts (Mitteilungen 
der Ges. ftSr deutsche Erziehungs- und Schulgesch. 3 (Berl. 1898) p. 1); Gli Adelfi, versione 
del A. Moretti (Atti della r. accad. lucchese di scienze, lottere ed arti 29, 1898); G. A. 
Galzigna, Fino a che punto i commediografi del rinascimento abbiano imitato Plauto e 
Terenzio parte 1, Gapodistria 1899. 

Ueberlieferung. Die Ueberlieferung des Terenz ist eine doppelte: a) Der Bern- 
bin US. Die beste Handschrift ist der Vaticanus 3226 s. IV/V; der Codex heisst nach seinem 
froheren Besitzer Bernardo Bembo, dem Vater des Kardinals Pietro Bembo (1470 — 1547), 
Bembinus (A). Vgl. E. Dziatzko, Zur Gesch. der Bembohandschrift des Terenz (Rhein. 
Mus. 46 (1891) p. 47). Wichtig ist, die verschiedenen bessernden Hände zu scheiden und 
zu datieren. Dieser Aufgabe hat sich R. Eauer, Zum Bembinus des Terenz (Wien. Stud. 20 
(1898) p. 252; vgl. auch 22 ^1900) p. 56) unterzogen, nachdem die Frage durch E. Hauler, 
Palaeographisches, Historiscnes und Kritisches zum Bembinus des Terenz (Wien. Stud. 11 
(1889) p. 268) und Dziatzko, Aus und über Terenzhandschriften (Rhein. Mus. 47 (1892) 
p. 634) in Fluss gekommen war. Eauer unterscheidet ausser der ersten Hand (A^) noch 
drei: 1. den corrector antiquissimus (A'), 2. den corrector antiquus (A*); er nennt sich 
Joviales (vgl. Eauer, Wien. Stud. 20 p. 256). Die Schollen, welche nach Sickels Ansicht 
dem 6. Jahrhundert angehören, nehmen auf diesen Korrektor bereits Bezug (vgl. Kau er 
p. 261). Damit hfttten wir in diesem Korrektor, der von ümpfenbach viel zu spät an- 
gesetzt wurde, die Zweitälteste Textesquelle des Terenz zu erblicken. Die Hecyra scheint 
Joviales nicht korrigiert zu haben; Aber den Grund dieser Erscheinung vgl. die Vermutung 
Kauers 1. c. p. 266 (P. Wessner, Aemilins Asper, Progr. Halle 1905, p. 40); 8. die vierte 
Hand (A^) nimmt sowohl auf die Scholien als auf A* Rücksicht, ß) Die calliopische 



') Andria 126. 
<) Adelphoe 587. 
») Phormio 203. 



*) Phormio 454. 
») Heautoni 77. 



11 



P. Terentlu Af»r 



45a. Forüebei 
Im Mittelalter war '' 
Die im 10. Jahrh- 
heim klagt, das- 
und die heidnif 
Darstellung d 
lektDre zu b 
religiöaem ' 
Terenz gi' 
späteren " ■ 



^^ ..•m it, «reiche nach 

badcboen (Dbet 



-'•^^Vf'^Jj^''»«:*«- Gasch. 
u^J^ ''^i^Jt^l ^al doppelte Weise: 

. . -. . *^ ^S^i^^au mit (f aud ;- bezeichnet 

■ --' '.■-"■'■ ■^wrv,S£»'-^'««"»tüBiu8 xxxvm 24 

-^^ -' ' rf ■* '^ 0m- . *^aiei Glrappe gehört ferner Pwi- 

''■■''^^■'^xSl^'.'^ilp. «8) aufcierkBwn gemacht hat. 

-"^;:r*.-*^/^^f^iiafltts 3868 s. IX (C), AmbroBiMUB 

" . »^"-'^J-'^:^^ »^^arörnppe gehören noch Parisi ans 7900 

.- ^\:^^ '^ t i^ ^^Dnaditfi^ ^^'^ OxomenaiB bibliothacfte Bod- 

« - "•■ '*'^^^ 'ij; «»'*^iij Ä«fc«n diesen beiden Gruppen Iftast sich 

-' ' ;..>'*' i;iV*'^^jBrÄicMrdi(mnBM.IV;XXX = 528B.X](E) 

'. - * ■? ., '. » ■^^irt«*'"'? X «iaren. Aach F wird dieser Gruppe bei- 

"L J"' ■ i-np^SS** ^-^^ LeiM. 1893, p. 37; K. Dtistiko, Deutoche 

,r^^^*r'j7?f^„^r^MllMg des F vbI. auch Bethe p. 19. Die 

^ -^^^i: ^'1% *^- iTBci Bioni»! aus dem Text der BtQcke und der didas- 

»J-^^^■i*■^hW* '^Beä^°^ ^^^ Komödien. Gegen Leos Verwertung 

^'"^S-*"' *Ti ^^fl^ÜkniM der y-Gmppe vgl. Bethe p. 8, p, 47. Ueber 

Zm 'V^S. «S^^.^ji K. Driatsko, Commeot. Woelffl. p. 222. Ueber die 

' --*''^"^,rj S"!***"^ , ^ofcit« in den Harvard atadies (vgl. anten). Eine noch 

, „eiche von beiden Gruppen die eigentliche calliopiache 

pei.-. ■"- "',^i||,(,e Ansicht spricht sich fÖr y ans, wfthrend F. Leo {Rhein. 

"j«ai«ü!- i*'^ ^''f,' '!m,e als die eigentliche calliopiache ßecenai an ansieht. Von 

'^--SIV ^t^'lZh »'"''' ^' •"""■ ^^ ^'* •'^ CftUiopiufl ab. H. Schindler 

^^torici^ in Terentiam, Dias. Halle 1881 p. IT) hat nachgewiesen, 

"i ^9i seine Beispiele aus einem Codex der o-Gmppe entnamn. Auch 

""~'i"7-.'H(iiiutiiiu'-' ei"«'' Handschrift der rf-Groppe von F. Leo (Rhein. Mna. 38 

-^7,jNi^'i''fJ*;^,o,|,t; vgl. aber P. Weaener, Ansg. das Donat 1 p. XLVU. Liegt 

"^^jf.SSil^ ans die Reccuslon des CaUiopioa vor, so erhalten wir als terminus ante 

'fcrf'" '^^' ([-si jatrhundertsi, da Donat nm die Mitte des 4. Jahrhunderts und Arusianua 

n,^ '■ '■—'?""'' j.,,^|.sJülirIiunilyrt8aniueetwn sind. Stellt aber die y-Grnppe die Recenaion 

?llg»ias p^'^f' la eioi andere Zeitindicien aufiuBnchen. Anf Grund solcher, allerdings nicht 

i^C*^i'''r''^ ^ifliligeTlDäiäea formuliert Diiattko (Comment. Woelffl. p. 226) seine An- 

r^opd"^ ^^ ita Wahlscheinlichste halte ich, daas erst etwa im 5. Jahrhundert Calliopius 

r^l*!*'- ^igi Komfldian des Tereni:, und iwar mit uemlich eingreifenden Aenderungen ver- 

*_. A""**. fieber die Streitfrage, welche der beiden Gruppen tla die caliiopische Becenaion 

^^W«-.,juuHjfl]n ausser Leo noch F. Umpfanbach, Ausg. p. LXVHI; K. Diiatzko, 

tat''^''xu- Zur Fnge der calliopiachen Recenaion dee Tereni (Comment. Woelfflinianae, 

Au^- ^'aoiv 221); W. Prinihorn, De libris Terentianie, quae (sie!) ad recensionem 

■ ■- '** ' fedeant, Dias. Qöttingen 188&; E. Hauler, Ausg. des Phormio, Leipi.' """> 



14. Jah- 

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G-. B»?!"!' 



I modo Bembinua liber ad orationem Terentii reatituendam ad- 



J^ ^'^*A B^fti' C^^)' ^a"^ 1904; das Schlnearesultat ist Euaanunengefasst p. 81. Alle diese 
tilie'*^!^ gtehen auf einem Standpnnkt, der dem Leos entgegengesetit ist; Leos Verfahren 
Gel^^'^fugen Billigung von aeiten 0. Wiasowas in seinem Artikel Calliopioa in Paulj- 
fiii^,^Bealenc7cl. Bd. 3 Sp. 1361. Die Entstehung der Gruppe <f denkt aich DEiatzko 
^*uc P- ^^^ ^' ^'^ "^ '^' ^^"^ Bembinua verwandte HandschriFt die caliiopische Re- 
i^^^n »UmShiich eindrang. Da die caliiopische Recenaion einen mit Absicht zugerichteten 
n^it ipht (vgl. C Sydow, De fide librorum Terentianorum ez Calliopii recenaione ductorun), 
n'4. Berl- 1878 und oben p. 137), ist klar, daas der Bembinua der Fflhrer in der Tereoz- 
^^k aein musa. (Ueber einen Cod. in Siena s. XY vgl. N. Terzagbi, Studi ital. di filol. 
lies 1 > (1908) p. 422 Ann». 63.) 
'^'^ Litteratur zur Ueberliefernng. J. Brii, De Terentü libris mas. a Bichardo 
luptleio adhibitia, Progr. Brieg 1852; F. Umpfeabach, Zu den Terentduahand Schriften 
^bilol- 32 (1873) p. 442); W. FOrster, Lyoner Fragmente zum Heantontimorumenos a. VlII 
Seitachr. fftrdieOaterr. Gyinn.26(1875)p, 188); 0. Brugmann, Fleckeia. Jahrb. 118(1876) 
^ 420 (über den Lipsiensis); A. Wilma, Da personarum noUs in codicibos Terendania, 
gtU« 1861; M. Warren, On Bentley'a engliah M8S. of Terence (American Journal of philol. 
vol' 3 (1882) p. 59); On the distinctio versnum in the manuscripta of Terence (American 
jaumalofarchaeol.il (1900) p. 92); K.DziBtzko, Handechnftliches zn Tereni (Rhein. Hos. S9 
(18641 p. 339); E. M. Peace, On the relative value of the msa. of Terence (Tranaactiona 
of the American philol. assoc. 18 (1887) p. 30); Tb. Gottlieb, Wien. Stud. 12 (1890) p. 146 
(Ober ein Fragment der Hecyra (5, 4, 28 bis zum Schlusae Vs. 40) im cod. Vat. Ottob. Nr. 1031); 
F. Schlee, Zum LaurenÜanus (Victorianus) des Terentina (Rhein. Mua. 46 (1891) p. 147) 



P. TerentittB Afer. (§45a.) 165 

E. Gutjahr, Zur Gesch. des cod. Victorianus desTerenz, Ber. über die Verh. der sftchs. Ges. der 
Wiasensch. 43 (1891) p. 265 (hier wird die Hypothese C. Barths, dass Galliopius mit Alcuin 
zu identifizieren sei, wieder aofgefrischt; vgl. dagegen E. Dziatzko, Rhein. Mus. 47 (1892) 

6. 634); E. Hauler, De fragmento Terentiano Vindobonensi (Wien. Stud. 18 (1896) p. 84); 
;. Eauer, Zum Bembinus des Terenz (Wien. Stud. 20 (1898) p. 252); R. Sabbadini, Codici 
latini inesplorati. IV: Terenzio (Rivista di filol. 27 (1899) p. 399) handelt ttber Bodleianos 
X. 1. 5. 8 s. XV und gibt historische Notizen; H. R. Fairclough, The text of the Andria of 
Terence (Transactions and Proceedings of the American philol. association 30 (1899) p. 5); 
Gh. Boeing, The codex Dunelmensis of Terence (American Jonmal of archaeol. 1900 p. 310); 
identisch mit codex veterrimns Bentlevs (s. XII), jetzt in der Bodleiana; M. Man it ins. 
Philologisches ans alten Bibliothekskatalogen (Rhein. Mus. 47 (1892) Erg&nzungsheft p. 10); 
Aber eine Handschrift von Messina vgl. V. üssani, Codices lat. byblioti^ecae universitatis 
Messanensis ante saec. XVI exarati (Stndi italiani di filol. class. 10 (1902) p. 166); R. Kauer, 
Die sog. Neumen im cod. Victorianus des Terenz (Wien. Stud. 26 (1904) p. 222). 

Nachbildungen von Terenzhandschriften. Ein Facsimile des Bembinns geben 
Wattenbach-Zangemeister Tafel 8 und 9; Ghatelain Tafel 6. Von den Handschriften 
Basilicanus, Vaticanus 3868, Victorianus, Ambrosianus, Vaticanus 1640 und Parisinus 7899 
finden sich Abbildungen bei Ghatelain Tafeln 7 — 11. Phototypischer Abdruck des Am- 
brosianus in: Codices graeci et latini photographice depicti duce S. de Vries tom. 8: Teren- 
tius cod. Ambrosianus H. 75 inf. phototypice ed. Praefatns est Ericus Bethe; accedunt 91 
imagines ex aliis Terenti codicibus et libris impressis nunc primum collectae et editae, 
Leiden 1903. Den Vaticanus G wird F. Ehrle in dieser Weise herausgeben. 

Ueber die illustrierten Handschriften vgl. D'Agincourt, Histoire de Tart 5 
Tafel 35. 36; F. Wieseler, Denkmftler des Bahnenwesens, Göttingen 1851, Tafel 10; 
St. Beissel, Vaticanische Miniaturen, Freib. 1893; 0. Grusius, Die illustrierten Terenz- 
handschriften undTacitus Dial. XX (Philol. 55 (1896) p. 561); L. Valmaggi, Per la storia 
dei manoscritti illustrati di Terenzio (BoUettino di filol. class. 4 (1897) p. 82); J. W. Basore, 
The scenic value of the miniatures in the manuscripts of Terence (Studios in honor of 
B. L. GUdersleeve, Baltimore 1902, p. 273); J. G. Watson, The relation of the scene-hea- 
dings to the miniatures in manuscripts of Terence, Harvard studies 14 (1903) p. 55 (vgl. 
dazu P. Wessner, Berl. philol. Wochenschr. 1904 Sp. 1544); E. £. Westen, The illustrated 
Terence manuscripts (ebenda p. 36); vgl. Berl. philol. Wochenschr. 1904 Sp. 1103; J. L. 
üssing, De illustrede haandskrifter af Terents (Nord. Tidskrift f. Filol. 12 (1904) p. 166); 
vgl. Berl. philol. Wochenschr. 1904 So. 956. Auch Bethe gibt Beitr. zur Gesch. der Illustrie- 
ning; vgl. dazu Berl. philol. Wochenscnr. 1904 Sp. 636; 0. Engelhardt, Die Illustrationen der 
Terenzhandschriften, Diss.Jena 1905; vgl. G.Thiele, Wochenschr. für klass. Philol. 1906 Sp. 455. 

Gesamtaus g. Vgl. G. E. Geppert, Zur Geschichte der terenzianischen Texteskritik 
(Jahns Archiv 18 (1852) p. 28). Editio princeps, Strassburg 1470; A. Muretus, Venedig 
1555 (Antwerpen 1565); G. Faernus, Florenz 1565; F. Lindenbrog (cum Donati et Eu- 
graphii commentariis), Paris 1602, Frankfurt 1623; Ph. Pareus, Neustadt a/H. 1619; J. H. 
Boeder, Strassb. 1657 (accedit commentarius F. Guieti); in usum Delphim', Paris 1675 
(mit Wortindex); ex recensione et cum notis R. Bentleii, Cambridge 1726 (mit Wortindex); 
reo., notasque suas et G. Faemi addidit R. Bentleius, Amsterdam* 1727, neuer Abdruck 
von E. Voll beb r, Eiel 1846 (epochemachend besonders wegen der metrischen Behandlung; be- 
iQhmt das vorausgeschickte De metrisTerentianis scfaediasma; vgl. G. Hermann, De R. Bentleio 
eiu8(}ue editione Terentii, Opusc. 2 (1827) p. 263 und in Vollbehrs Ausg.); von A. H. Wester- 
h V lu s , Haag 1 726 (cum commentario perpetuo und den Commentatoren sowie Wortindex), neuer 
Abdruck von G. Stallbaum, 6 Bde., Leipz. 1880/31; illustr. N. E. Lemaire, Paris 1827/28; 
rec. F. H. Bothe, Halberstadt 1822 und in den Poetae scenici Latinorum 4; cum scholiis Aeli 
Donati et Eugraphi commentariis ed. Reinh. Elotz, 2 Bde., Leipz. 1838/40; Teubnersche Text- 
ausg. von A. Fleck eisen, Leipz. 1857 (2. Bearbeitung 1898); with notes critical and exegetical, 
an introduction and appendix by W. Wagner, Cambridge 1869; krit Ausg. von F. Umpfen- 
bach, Berl. 1870; vgl. dazu Analecta Terentiana, Progr. Mainz 1874 (der krit. Apparat wird als 
ungenügend bezeichnet); Tauchnitzausg. von E. Dziatzko, Leipz. 1884 (mit trefflicher Prae- 
fatio); B. M. Croker, Terence, illusirated by S. Paget, London 1899; recogn. brevique ad- 
notatione critica instruxit R. Y. Tyrrell, Oxford 1902 (in Scriptorum classicorum biblio- 
theca Oxoniensis); ttber diese Ausg. fällt ein vernichtendes Urteil P. Wessner, BerL 
philol. Wochenschr. 1903 Sp. 973. ^ne neue kritische Ausg. ist von R. Eauer in Aus- 
sicht gestellt. 

Ueber die illustrierten Textausgaben vgl. E. Bethe, Terentins, Ambrosianus p. 37. 

Ausg. mehrerer Stücke. Andria und Adelphoe mit deutschen Noten von A. Spengel, 
Berl. (Weidmann); Phormio und Adelphoe von E. Dziatzko, Leipz. (Teubner); die neue Aufi. 
des Phormio von E. Hauler, die der Adelphoe von R. Eauer. 

Ausg. einzelner Stücke sind bei den einzelnen EomOdien verzeichnet. 



166 I>i« übrigen Palliatendichter. (§ 46.) 

Uebersetzungen. Von Th. Benfey, Stuttgart 1837 (1854 nur And., Eon., Ad.); 
J. Herbst, Stattgart 1855 (Berl. 1890 ff.); J. J. C.Donner, Leipz. und Heidelberg 1864. 
Französische üebersetzung von V. B^tolaud, Paris 1900. Das Mädchen von Andres ond 
die Brflder von C. Barth, BOm. Komödien, Berl. 1903 (gereimte Verse). 

46. Die übrigen Palliatendichter. In die Zeit des Caecilius und 
Terenz gehören noch einige Palliatendichter, über die uns meist nur sehr 
dürfkige Notizen überliefert sind. Trabea wird von Varro neben Atilius, 
den wir später ausführlicher behandeln werden, und Caecilius als ein 
Dichter genannt, der in Erregung der Affekte ausgezeichnet gewesen sei. 
Cicero (Tusc. 4, 31, 67) teilt uns ein Fragment mit, in dem mit lebhaften 
Farben die Erwartung eines Liebenden, die Geliebte zu sehen, geschildert 
wird. Ein Aquilius erscheint als Dichter einer Boeotia, die jedoch be- 
strittenes Out war, da sie von Varro im Gegensatz zu Accius wegen des 
Stils für Plautus in Anspruch genommen wurde. Von Licinius Imbrex 
wird eine Neaera citiert; er ist wohl nicht identisch mit dem Dichter 
P. Licinius Tegula, der im Jahre 200 ein Prozessionslied zur Sühnung eines 
Prodigiums verfasste. Den Luscius Lanuvinus kennen wir als den male- 
volus, vetus poeta in den Prologen des Terenz. Er trat mit Leidenschaft für 
die wortgetreue üebertragung der griechischen Palliatae ein. Ein Phasma 
(Gespenst) nach Menander und einen Thesaurus hat er geschrieben. Dem 
Phasma lag das Motiv der durchbrochenen Wand zu Grund ; der Thesaurus 
ruht auf folgender Handlung: Der Vater eines zur Verschwendung geneigten 
Jünglings hatte sich ein prächtiges Grabmal errichten lassen und dabei an- 
geordnet, dass ihm 10 Jahre nach seinem Tode ein Opfermahl dargebracht 
werde. Der Sohn, der mittlerweile sein Vermögen durchgebracht hatte, 
veranlasste zur gegebenen Zeit seinen Sklaven, den Willen seines Vaters 
zu erfüllen. Allein das Grundstück, auf dem das Grabmal sich befand, 
war an einen alten Geizhals verkauft; der Sklave musste daher den jetzigen 
Besitzer beiziehen. Sie öffnen beide das Grab und fanden einen Schatz 
mit einem Schreiben. Der Geizhals nahm sofort den Schatz unter dem 
Vorgeben für sich in Anspruch, er habe ihn hier in der Eriegszeit ver- 
borgen. Die Sache kam vor Gericht; hier konnte der junge Mann sein 
Eigentumsrecht an dem Schatz durch den Brief erweisen; in diesem hatte 
offenbar der Vater ausgeführt, dass er mit diesem Schatz dem Sohne, 
nachdem er sein Vermögen vergeudet habe, doch noch eine letzte Hilfe 
zu teil werden lassen wolle. Die Vorwürfe, die Terenz seinem Gegner 
macht, beziehen sich auf den schlechten Stil und auf Geschmacklosigkeiten 
in der Composition; über die erste Anklage können wir nicht urteilen, 
weil uns Von Luscius Lanuvinus nur ganz Weniges erhalten ist; was die 
zweite Anklage anlangt, so wiegt sie in unseren Augen nicht schwer. 
Es handelt sich um einzelne Züge, die dem Zuschauer bei der Aufführung 
kaum aufgefallen sein werden. Da diese angeblichen Fehler bereits den 
griechischen Originalen, die Luscius, wie gesagt, treu übersetzte, ange- 
hörten, träfe den gegnerischen Poeten nur insofern ein Vorwurf, als er 
nicht Aenderungen am Original vornahm. Allein das war nicht seine 
Aufgabe. Palliatendichter waren femer Juventius und Vatronius, von 
dem ein Burra betiteltes Stück bezeugt ist. Endlich ist Turpilius zu 
nennen. Es sind 13 Komödientitel überliefert; sie sind alle griechisch. 



Die übrigen Palliatendiohter. (§ 46.) 167 

Die Fragmente, die an seltenen Wortbildungen reich sind und in der 
Sprache dem Yolksidiom Eonzessionen machen, haben nichts besonders 
Anziehendes. Abgegriffene Sätze gibt uns der Dichter im fr. 9: Es sei 
nicht leicht, dahin zu gelangen, wo die Weisheit thront, es sei ein lang- 
samer Gang, und im fr. 142: Mit je weniger jemand zufrieden sei, desto 
glücklicher sei er, wie jene Philosophen sagen, denen alles genüge; eine 
lebhafte Aufforderung, eine Hetäre zu verlassen, bringt fr. 160. Noch zu 
Ciceros Zeiten (epist. ad fam. 9, 22, 1) lebte der Dichter auf der Bühne. 

Trabea. Varro bei Chans. Gramm, lat. 1 p. 241, 28 nä^ Trabea, AHHus, Cae^ 
cUius faeile moverunt. Die Reihenfolge dieser Dichter wird yon J. H. Neukirch, De fa- 
bula togata Romanomm, Leipz. 1838, p. 99, F. Ritschi, Parerga, Leipz. 1845, p. 194, n. a. 
als chronologisch betrachtet, so dass also Trabea and Atilias vor Caeciuos anzusetzen wären. 
Der Name eines Stückes von Trabea ist uns nicht bekannt. — Die Fragmente bei 0. Rib- 
beck, Comicorum Romanomm fragmenta, Leipz.' 1898, p. 36. 

Aquilius. Varro de lingua lat 6, 89 aeeensum solitum eiere Boeotia ostendit, quam 
comofdiam Aquilii esse dieunt. Statt AquiHi bietet die üeberlieferung a/ü, wofür Turnebus 
Äouilii, Popma AtUii, A. Riese (Philol. 27 (1868) p. 306) alii Plauti alii Aquili vor- 
schlugen. Gellius 8, 8, 8 ectsque (fabulas) tarn nominibus aliorufit occupatas Flauto vindu 
cavit\Varro)f sieuti istam, quam nuperrime legehamus, eui est namen Boeotia. nam cum in 
Ulis una et viginti non sit et esse Aquili dieatur, nihil tarnen Varro dubitavit, quin Plauti 
foret, neque alius quisquam non infrequens Plauti lector dubitaverit, si vel hos solos ex ea 
fabula versus cognoverit, qui quoniam sunt, ut de iUius Plauti more dieam, Plautinissimi, 
propterea et meminimus eos et ascripsimus. Gegen den plautinischen Ursprung sprach sich 
L. Acdus aus (vgl. Gellius 8, 3, 9). Ein Schluss aus der Erwähnung der Sonnenuhren in 
der Rede des Parasiten auf die Zeit des Stttckes, welchen Ritschi (Parerga p. 208) macht, 
ist deshalb unstatthaft, weil aller Wahrscheinlichkeit nach diese Sonnenuhren bereits im 
Original erwähnt waren; vgl. F. Ostermayer, De historia fabulari in comoediis Plautinis, 
Greifswald 1884, p. 57; F. Leo, Plaut. Forsch., Berl. 1895, ^. 138 Anm. 4. Eine Botwxia 
wird von Antiphanes, Theophilus und Menander bezeugt (Boiunig verlangt Th. Kock, Comic, 
attic. fragm. 2, 1 p. 35). — 0. Ribbeck, Comic. Rom. fragm.* p. 88. 

Licinius Imbrex und P. Licinius Tegula. a) Gellius 18, 28, 16 Licinius Im^ 
brexy vetus cofnoediarum scriptor, in fabula, quae Neaera inseripta est, ita scripsit. — 
0. Ribbeck, Comic. Rom. fragm.' p. 89. Auf unseren Dichter spielt Festus-Paulus p. 109 
0. M. an: Imbrex nomen cuiusdam comid. Yolcacius Sedigitus weist ihm in seinem Kanon 
(Gellius 15, 24) die vierte Stelle an. ß) Liv. 81, 12, 9 decemviri ex libris res divinas easdem, 
quae proxime secundum id prodigium factae essent, imperarunt, cartnen praeterea ab ter 
novenis virginibus cani per urbem iusserunt, donumque Junoni reginae ferri. ea uti fierent 
C. Aurelius constU ex decemvirorum responso curavit. earmen, sicut patrum memoria Li- 
vius, ita tum (200 v. Chr.) condidit P. Licinius Tegula, Merkwflrdig ist, dass diese beiden 
Dichter synonyme Beinamen haben. Man hat daraus auf Identitftt beider geschlossen; 
allein ich glaube, dass diese synonymen Beinamen auf die Verschiedenheit der Dichter hin- 
deuten. Hiess z. B. der eine Dichter Imbrex, so lag es nahe, dem anderen scherzhaft das 
Cognomen Tegula beizugeben. 0. Ribbeck (Gesch. der rOm. Dicht. 1' p. 161) vermutet 
nicht unpassend, dass diese Namengebung in der Zunftgenossenschaft erfolgt sei. 

Luscius Lannvinus. Was das Cognomen anlangt, so lautet es Lanuvinus oder 
Lanuinus; Lamnius ist als Verderbnis anzusehen, a) Komödien des Luscius Lanuvinus. 
Terent. Eunuch, prol. Vs. 9 idem Menandri Phasma nunc nuper dedit {nuper perdidit mit 
Tilgung von nunc Bothe) (xtque in ThensAuro scripsit, causam dicereprius undepetitur, aurum 
qua re sit suotn, quam illic quipetit, unde is sit thensaurus sibi aut unde inpatrium monumentum 
pervenerit. Das Argument der beiden Stücke wird uns von Donat zu den betrefifenden 
Stellen (p. 272 Wessner) erzählt. Ueber die Spuren von Senaren im letzten Argument vgl. 
F. Leo, Rhein. Mus. 88 (1883) p. 322. Der Verfasser des Originals des Thesaurus kann 
nicht mit Sicherheit festgestellt werden, vielleicht ist es Menander, wie bei dem vor- 
hergehenden Stück. — 0. Ribbeck, Comic. Rom. fragm.' p. 96. ß) Die Kämpfe des 
Luscius Lanuvinus mit Terenz. Terenz scheut sich, seinen Gegner in Prologen aus 
Furcht vor gerichtlicher Verfolgung mit Namen zu bezeichnen; vgl. F. Leo, Hermes 24 (1889) 
p. 67. Er nennt ihn vetus poeta (Andria prol. Vs. 7; Phormio prol. Vs. 1 und 13) oder mali- 
voluspoeta (Heautont. prol. Vs. 22). üeber das, was Luscius Lanuvinus und sein Anhang 
dem Terenz vorwarfen, haben wir oben (p. 142) gehandelt. Terenz andererseits warf dem 
Luscius Lanuvinus vor: 1. seinen schlechten Stil; vgl. Eunuch, prol. Vs. 7: qui bene 
vortendo et easdem scribendo male ex Graecis bonis Latinas fecit non bonas; 2. die schlechte 



168 



GharakteriBtik der PalliaU. (§ 47.) 



Gomposition; vgl. den Tadel Qber den ThesauruB. Er tadelt weiter (Heautont. prol. Vb. 31) 
den Luscius, qui nuper fecU servo currenti in via decesae populutn; dies schien dem Terenz 
als ein Verstose gegen den Anstand (vgl. Ph. Fabia, Les prologues de T^rence, Patis 1888, 
p. 275). Im I^olog zum Phormio (Vs. 6) tadelt Terenz seinen Gegner, quia insanum seripait 
aduUacentulum cervam videre fugere et sectari canea et eam plorare, orare ut aubveniat 
aibi, als etwas, was nicht in die Komödie, sondern in die Trag&die gehört. Im Kanon des 
Volcacius Sedigitus (Gellius 15, 24) hat Lnscius die neunte Stelle erhalten. 

Juventius. Die üeberliefemng des Namens ist eine sehr schwankende. Varro de 
lingua lat. 7, 65 Juventiua comicua dicebat, Gellius 18, 12, 2 Juventiua (so Rutgersius; 
die meisten Codices Juventua) in comoedia, Varro de lingua lat. 6, 50 Juventiua ait: Gaudia 
aua ai omnea hominea eonferant unum in locum, tarnen mta exauperet laetitia. Auch bei 
Gharis. Gramm, lat. 1 p. 221, 16 ist die Lesung Juventiua caput nicht ganz sicher. Die Zu- 
teilung einer Palliata Anagnorizomene an Juventius auf Grund von Festus p. 298 0. M. be- 
ruht ebenfalls nur auf Vermutung. — 0. Ribbeck, Comic. Rom. fragm.' p. 94. 

Vatronius. Die Ermittlung des Dichters Vatronius aus der Placidus-Glosse (Corpus 
gloss. lat. 5 p. 51^; 6 p. 157^): Burrae Vatroniae, fatuae ac atupidae, a fabula quadam 
Vatroni auctoria quam Burra inacripaU vel a meretrice Burra verdanken wir F. Bue- 
cheler, Rhein. Mus. 33 (1878) p. 310; er weist den Namen Vatronius in praenestinischen 
Inschriften nach: «Praenestinos Plauti et Lucili temporibus qui latine loquebantur propter 
sermonis vitia fere despiciebant. agnoscendus igitur Vatronius est poeta praeteritus quidem 
a Volcacio in iudicio comicorum, sed quem fabulam fecisse Burramque inscripsisse fortasse 
meretricis nomine auctor fide dignus tradiderit. Burra latine est quae Graecis UvQQa, idque 
Diphilus nomen indiderat fabulae cuius unus superest versiculus pronuntiatus a muliere.' 
— 0. Ribbeck, Comic. Rom. fragm.' p. 131. 

Turpilius. Hieronym. z. J. 1914 = 103 v. Chr. (2 p. 133 Seh.) Turpiliua comicua 
aenex admodum Sinueaaae moritur. Ais Titel seiner Stücke werden folgende überliefert: 
Boethuntes, Canephorus, Demetrius, Demiurgus, Epiclerus, Hetaera, Lemniae, Leucadia, 
Lindia, Paedium, Paraterusa, Philopator, Thras^leon. Ueber die Leucadia vgl. 0. Ribbeck, 
Fleckeis. Jahrb. 69 (1854) p. 34. Was die Origmale anlangt, so sind sicher fünf Stücke von 
Menander hergenonunen: Canephorus, Demiurgus, Epiclerus, Thrasyleon und Leucadia, von 
Alexis Demetnus. Als neue Titel finden wir Lindia, Hetaera, Paraterusa. Vgl. 0. Rib- 
beck, Gesch. der röm. Dichtung 1* (Stuttgart 1894) p. 164. — Turpilii comoediarum reli- 
quiae ed. P. Grautoff, Diss. Bonn 1853; 0. Ribbeck, Comic. Rom. fragm.* p. 98. 

Ueber Atilius vgl. unten § 60 a. Ueber Gannius vgl. p. 228. Ueber Stücke anonymer 
Dichter (Adelph . . ., Hydria, Georges) vgl. 0. Ribbeck, Comicorum Rom. fragm.' p. 131; vgl. 
noch R. Sabbadini, DeUa biblioteca di Giov. Corvini e d' una ignota commedia, Livomo 18^6. 



47. Bückblick. Charakteristik der Palliata. Die Palliata ist nach 
ihrer Begründung durch Livius und ihrer Vervollkommnung durch Naevius 
im wesentlichen an drei Namen geknüpft: an Plautus, Statins Caecilius 
und Terenz. Ihre Entwicklung verläuft in der Weise, dass bei Plautus 
Griecliisches und Römisches bunt durcheinanderlaufen, seine Nachfolger 
dagegen mehr und mehr die Reinheit der Gattung anstreben. Die Dichter 
erringen damit den Beifall der Gebildeten, allein sie verlieren den Boden 
bei der grossen Masse der Zuschauer.^) So kam es, dass die Palliata beiseite 
geschoben wurde und andere Formen, die Togata, die Atellana, der Mimus 
an ihre Stelle traten.*) Ehe wir von ihr scheiden, wollen wir noch einige 



') G. Boiseier, M^langes Graux, Paris 
1884, p. 85: ^G'est une dlfficult^ qu'on a 
^yit^e chez nous en ouvrant des thöfttres 
diff^rents pour les diverses classes de la 
soci^t^ : chacun va oü son 4ducation Tappelle 
et oü il est sür de trouver le plaisir. Mais 
il n'j avait alors qu'un seul thö&tre; les 
jeux sc^niques 4tant des fdtes religieuses 
destin^es au peuple entier, il fallait qu'il y 
fQt r^uni, et des gens d'intelligence et d'ödu- 
eation diff^rentes ^taient condamn^es ä en- 



tendre les mdmes pidces. Si le poäte plaisait 
aus uns, il risquait de d^plaire aux autres, 
et quand il voulait tenir le milieu, il y avait 
de grandes chances qn'il les m^content&t 
tous ä la fois.' 

') Inwieweit die censorische Massregel 
des Jahres 115 ,artem ludicram ex urbe 
removerunt", wobei der latinus tibicen cum 
cantore und der ludus talarius (Cassiodor 
p. 620 M.; vgl. M. Hertz, Ind. lect. Breslau 
1873) ausgenommen wurden, auf die Ent- 



Charakteristik der Palliata. (§ 47.) 



169 



Worte zu ihrer Charakterisierung beifügen. In der fabula palliata haben 
wir das vielfach getrübte Abbild einer ausländischen Litteraturgattung, 
der neueren griechischen Komödie; wir müssen uns das stets gegenwärtig 
halten ; wir nennen oft Plautus und Terenz, wo nur der griechische Dichter 
gemeint sein kann. Der Römer ist zunächst Bearbeiter eines griechi- 
schen Originals, das Argument ist nicht sein Werk. Allein trotzdem 
bleibt ihm noch genug Spielraum zur Betätigung eigener Kraft. Die wört- 
liche üebersetzung kennt das Altertum nicht; der Uebersetzer ist also 
hier Nachdichter. Er kann sein Original kürzen, erweitem, er kann es 
metrisch verschieden gestalten; er kann Scenen aus einem zweiten Stück 
in das seinige hineinarbeiten, er kann endlich Nebenfiguren aus eigener 
Erfindung hinzufügen. Immer bleibt aber die Bearbeitung ein fremdes 
Gewächs, das seinen Ursprung nicht verleugnet. Dass ein solches fremdes 
Produkt von den Römern herübergenommen werden konnte, beruht auf 
dem kosmopolitischen Charakter desselben. Während die alte griechische 
Komödie durch und durch national gehalten ist, gibt die neuere Komödie 
ein GeseUschaftsbild und zwar in so allgemeinen Zügen, dass es mit ent- 
sprechenden Modifikationen bei allen Völkern vorkommen kann. Die Zeit 
brachte diese Veränderung der Komödie mit sich; seit dem Untergang 
der griechischen Freiheit war die politische Satire gebrochen, es blieb 
die Familie übrig, auf diese zog sich die Komödie zurück. Die Figuren, 
die uns jetzt entgegentreten, sind: leichtsinnige Jünglinge, verschlagene, 
spitzbübische Sklaven, habsüchtige und wortbrüchige Kuppler und Kupp- 
lerinnen, Hetären in verschiedenen Abstufungen, geldgierige, liebenswürdige, 
lüsterne, ferner betrogene Väter, hungrige und spassmachende Parasiten, 
grosssprecherische Offiziere. Es ist eben die Gesellschaft, wie sie ein im 
Niedergang befindliches Volk hervorbringt. Für den Dichter bestand nun 
die Aufgabe darin, diese Figuren plastisch darzustellen und in eine In- 
trigue zu verflechten. Diese Intrigue ist in der Regel sehr einfach und 
wiederholt sich bis zum üeberdruss. Ein junger Herr hat eine Liebe, 
dieser Liebe stellt sich ein Hindernis entgegen, gewöhnlich fehlt es an 
Geld, ein verschlagener Sklave wird zu Hilfe gerufen, die Intrigue beginnt, 
ein Vater oder ein Kuppler wird weidlich geprellt. Oft tritt noch durch 
eine drayvci^aig eine glückliche Lösung ein, es wird nämlich eine Geliebte 
als ein freigeborenes Mädchen erkannt. Ein solches Gesellschaftsbild lässt 
sich mit entsprechenden Aenderungen auf alle Völker übertragen; und 
wirklich haben durch Vermittlung der Römer fast alle modernen Kultur- 
nationen aus diesem Quell geschöpft. Freilich ist es ein sehr bedenkliches 
Gut, das die Römer aus Griechenland geholt haben; es kann nicht dem 
mindesten Zweifel unterliegen, dass diese Hetärenwelt demoralisierend auf 
die Zuschauer einwirken musste.^) 

Der Bau der neueren Komödie war sehr einfach ; charakteristisch für 
sie ist, dass ihr der Chor fehlt, was aber nicht ein Zusammenauftreten 
mehrerer Personen ausschliesst. In den Stücken unterscheiden wir den 



wicklang der Komödie einwirkte, wissen wir 
nicht 



^) K. Neumann, Gesch. Roms 1 (Breslau 
1881) p. 50. 



170 Charakteriatik der Palliata. (§ 47.) 

Prolog und den Epilog. Im Prolog führt der Dichter die Zuschauer in 
die Handlung ein, indem er einen ümriss derselben gibt; einen andern 
Charakter verleiht, wie wir gesehen haben, dem Prolog Terenz ; denn diesem 
Dichter dient derselbe dazu, sich gegen die Angriffe seiner Gegner zu ver- 
teidigen. Im Epilog wird der Zuschauer aufgefordert, Beifall zu klatschen. 
Bei der Aufführung eines Stückes konnte der Schauspieldirektor auch 
Pausen eintreten lassen, die gewöhnlich der Flötenspieler durch den Vor- 
trag eines Musikstückes ausfüllte. Es ist aber hierbei nicht ausser acht 
zu lassen, dass weder der griechische Originaldichter noch der lateinische 
Nachdichter solche Pausen in ihren Stücken festsetzten, d. h. eine Ein- 
teilung derselben in Akte gaben. Seit Horaz finden wir für die Gliederung 
eines Dramas das Gesetz der fünf Akte vorgeschrieben. Allein wir können 
dieses Gesetz für die uns vorliegenden Komödien nicht als ein bindendes 
anerkennen; dagegen wird die Einteilung in drei Akte immer zutreffend 
erscheinen, denn der Aufbau einer Komödie setzt Exposition, Verwicklung, 
Lösung voraus. Von untergeordneter Bedeutung für die Composition des 
Stückes ist die Scenenabteilung. Diese hat sich in unserer Ueber- 
lieferung mehr oder weniger erhalten ; sie wird durch ein vorausgeschicktes 
Verzeichnis der in einer Scene auftretenden Personen markiert. 

Da das Drama fast im gesamten Altertum für die Aufführung, nicht 
für die Lektüre bestimmt war, ist zur Würdigung eines Stückes durchaus 
notwendig, von dem Vortrag sich eine bestimmte Vorstellung zu machen. 
Es werden in den Komödien gesprochene und gesungene Partien 
unterschieden. Die Termini, die hiefÜr ausgeprägt wurden, sind diverbia 
(deverbia) und cantica, welche in den palatinischen Handschriften des 
Piautus in der Form der Noten DV und C erscheinen. Aus diesen den 
einzelnen Scenen vorausgeschickten Noten ergeben sich interessante Auf- 
schlüsse über die Vortragsweise der Komödien. Als rein gesprochene 
Partien erscheinen bloss die in jambischen Senaren abgefassten; alle 
übrigen Versarten dagegen hatten Musikbegleitung und erhalten infolge- 
dessen die Note C, d. h. es sind cantica. Aber bei denselben kann nicht 
eine Art des Vortrags stattgehabt haben; die trochäischen Septenare (mit 
den jambischen Septenaren und den jambischen Oktonaren) wurden unter 
Musikbegleitung gesprochen, die übrigen lyrischen Metra dagegen unter 
Musikbegleitung gesungen und zwar wahrscheinlich als Rezitativ. So lösen 
sich in der Komödie Deklamation, Melodrama und Rezitativ in stetem 
Wechsel ab. In lyrischen Monodien konnte es vorkommen, dass der Schau- 
spieler, dessen Kräfte für die Gesangespartien nicht ausreichten, sich auf 
die Gestikulation beschränkte, während ein eigens bestellter Gantor die Partie 
sang. Allein es ist unstatthaft, diese Teilung zwischen Schauspieler und Sänger 
zu einer stehenden Einrichtung der römischen Bühne überhaupt zu machen. 

Zur Charakteristik der Palliata. Die neuere Komödie ist trefflich charakteri- 
siert von K. 0. Müller, Gesch. der griech. Litt. 2» (Stuttgart 1876) p. 251; Th. Bergk, 
Griech. Litteratnrgesch. 4 (Berl. 1887) p. 170 (vgl. auch ü. Wilamowitz, Neue Jahrh. fOr das 
klass. Altertum 3 (1899) p. 513). Ueber die Charakterfiguren vgl. Plaut. Capt. prol. 57: hie 
neque periurus lenost nee meretrix mala neque mües gloriosus, Terent. Heautont. prol. 37 (der 
Schauspieler L. Ambivius Turpio spricht) ne semper servos currens, iratu3 senex, edax paräsitus, 
sycophanta autem itnpudens, avarus Uno adsidue agendi sint mihi elamore summo^ eum labore 
maxximo. Manil. astronomic. 5, 471 et si quis studio seribendi mitior ihit, | comiea componet 



Cbar«kt«ilitik der Pklliata. (§47.) 171 

laetig sptetacula ludig, \ drdenti» iuvtnt» raptatque in amort puellae \ elusoeque itnes agileiqvt 
per omnia geraa. Apuleiiu fiorida 16, 64 et leno ptrfidui et amator fervidus et germlug callidu» 
et amica iUudmg et uxor inhüien* (0. CrneinB; inprudeng) et mater indulgeng tt palruug 
obiurgaior et godalü opituiator et mileg proelialor [L. Traube, Rhein. Mub.39 (1884) p. 630; 
gloriator), ted et paragili tdaeeg et partnteg tenaceg et meretriee» proeaeeg. Delier die Chn- 
r&kterßgi)reii handelt 0. Ribbeck, Äluon, ein Beitr. zur antiken Ethologie nnd xur Keantats 
der griech.-rQm. Komihlie nebet Deberaetznug dea plaut. Uiles glarioauB, Leipz, 1882; Solax 
(Abb. der sAcbs. Gee. der WiBsensch, » (1883) p. 1); Agroikos (ebenda 10 (1888) p. 1); Geach. 
der röm. Dichtung 1" (Stuttgart 1894) p.64; vgl. auch F. Hneffner, De Plautj comoediarnm 
exemplie atticia qnaest. maxime chnmologicae, Diea, Qottingen 1894, p. 8 (aber den Fara- 
eiten in Geeetlachaft des Hiles p. 9). Debet die entsprechenden Figuren der Coramedia eru- 
dita Tgl. W. Creizenacb, Geach. dea neueren Diamas 2 (HaUe 1901) p. 272. 

Daa verachiedene Ethos derPalliata. n) Enanthina de comoedia p. 22 Wessner 
comoediae moloriae gutU aui statariae aut mixiae. motoriae turbuienlae, etatariae guielUtreg, 
mixtae ex utroque aetu conaiiienieg. p) Im Einklang ateht damit die Darstellungakunat; 
Tgl. Donat. zu Adelphoe prol. 24: duo agendi sutU prineipates modt, motoriug et gtatariug, 
ex guifriM Ült tertiug naicitur, qui dieitur iiiixtug. Cic. Brut. 30, 116 roto ul in scena sie 
etiam in foro noa eoa modo laudari, qui celeri motu et difficili uiantur, ird «w etiam, 
quo* glalarioi appellant, guorutn git iila gimplex in agendo terttaa, non molegta. 

Die Personennamen der Palliata. Donat. EU Adelphoe Ta. 26 p. 12Weaaner 
nomina pergonaram, in comoediin dumtaxat, habere debent rationem et eiymoiogiam. elenim 
abgurdum est comicum, cum apte argumenta coH/ingat, rtl nomen persoiiae ineongruum 
dare vel officium, quod sit a nomine divergum. hinc gervus fidelit Parmeno, infidtlig Sip-ug 
vel Gela, mileg Thrato vel Folemou, iunenig Pamphilut, malrona Myrrina et puer vel ab 
odore Storax vel a ludo et gegticulatione Scirtu« tt item gimilia. in quibug gummum poetat 
TÜium est, giquid e contrario repugnans eontrarium divergumque proluUrit, nigi per ärii- 
tffiimiv ioculariter nomen imponit, al Uigargyrideg in Plaulo dicilur trapezita. Zn Andria 
Ta. 226 p. 98 W. gemper nomina eomitorum gervorum aut a naiionibm tunt indita, ut 
Mysig Sj/rug, aut ex aecidentibus, ut Lesbia velut tbriota a Legbo ingula, quae ferax est 
luaviggiaii eandidiggimique vini, aut a moribv» tt vemilitate, ut Pgeudulug, aut ex negotio, 
ut Chrysalug, aut ex qualitatt eorporU, ut T^ylaeug, atä tx gpecie formae, ut Finacium. Vgl, 
die ZusammeDBiellung bei F. Weasner, Ausg. 2 p. 487. — F. Hitachi, Qnaest. onomato- 
logicae comicae (Opuac. 3 p. 801); E. Koeoig, De nominibaa propriia, quae aunt apud Plautum 
et Terentiiim, Frogr. Fatachkau 18T6; K. Schmidt, Die griech. Personennamen bei FlaatuB 
(Hermes 37 (1902) p. 173, p. 353, p. 608); A. Spengel, Auag. von Tereni' Adelphoe, Berl.» 
1905. p. 161. Ceber die Philocomaaium im pUutiniachen MUes glorieaua vgl. F. Solmaen, 
Rhein. Mna. 60 (1905) p. 6^6. 

Contaminatio. a) Contaminare bedeutet der Etymologie nach 'einen Gegenstand 
mit einem anderen io Berührung bringen, zuaammenbringen' ; werden ÖegenatAnde zueammen- 
gebracht, von denen jeder f&r sieh beabehen sollte, so erhftlt daa Wort leicht einen tadelnden 
Nebenbegritr, wie unser 'zusammensch weissen'. Die Gegner des Terenz bezeichneten mit dem 
Wort die HerDbemahme von Scenen, die einem anderen StBcke angehörten, in das zu be- 
arbeitende. Weiterhin scheint eotitaminnre aber auch von HerQbemahme fremder Gedanken 
in das eigene Werk verstanden werden zn können. Donat. zu Andria Va. 959 (p. 258 Wesaner) 
haue gentenliam totam Menandri de Eunucho trangluUt. et hoc tat qiiod dicitnr 'conla- 
minari non decere fabulag'. Darnach werden auch die Worte dea Prologe zum Heantont. 
Va. 17 {mnltas contaminagge Graecag, dum facit paueas Latinae) za erklären aein. ^1 Von 
dem Ennstraittel machten auaser Terenz auch Naevina (§ 26), PUntua (§ 34) nnd Eunins 
(§ 37) Gebrauch; vgl. Terent. Andria prol, Vs. 18: qui quam hunc aceusanl, Naevium Plau- 
tum Ennium accugant. — Zuerst hat W. H. Granert (Hiat. und pbilal. Analektcn, Münst«r 
1888, p. 116) auf dieses litterarische Phänomen aein Augenmerk gerichtet, dann wurde das- 
selbe in vielen Diasertationen über Terenz behandelt; vgl. noch Fb. Fabia, Les pralognes de 
T^renco, Paria 18^8, p. 178; F. Nencini, De Terentio eiuaque fontihua, Livomo 1891, p. 1; 
F. Leo, Plant. Forach., Berl. 1895, p. 153; B. Kauer, Ausg. der Adelphoe, Leipz.« 1903, 
p. 7 Anm. I, p. 209. 

Prolog. Donat. de couioedia p. 27 Wesaner prologug est prima diciio, a Graecig 
dieta npoirof Uyof vel antecedeng reroni fabulae eompogitirmem tloeutio, <6 npö mv ilpn- 
fiarof Xöyoty. riug gpecieg sunt quattuor: avaxitttxöt commendativug, quo poeta rel ; " 'r 
commendatur; ininfir]iix6t relatieus, quo aui advertario maledietum aut popuh ;( ■' "i 
referuntur; dgafiarixäi argumentatimg, exponeng fabulae argumentum; fiixiöf mixliin, vinnfi 
haic in ge continene. lieber dieee in mehr als einer Beziehung auffällige Einteilung vgl. 
die Bnatabrliche Erörterung F.Leos, Plant. Forsch., BerL 1895, p. 212, Donat. praef. zu 
Phormio p. 346 Wessner tlQÖi.ay'ii correple änö t«p ngoiiytti' dicilur, non proäucte änö 
tov ngiÜToi' Xtytitr. nam officium prologi ante actionem quidem rei temper egl, verumtamrn 
et post principium fabulae inducitur, ut apud Plautum in Milite glorioio et apud eeleron 



r 



172 Charakteristik der Palliata. (§ 47.) 

magnae auctorUatis veter es poetas. Za dem Miles gloriosus ist noch die Cistellaria hinzu- 
zu^gen; vgl. § 33. Ueber die geschichtliche Entwicklung des Prologs vgl. die Litteratar 
oben p. 96. Ueber die Verschiedenheit des terenzianischen Prologs vom plantinischen vgl. 
§42a. Ueberhaupt sind alle anf den Prolog und sein Fortleben bezQglichen Fragen bei 
Plaatus (§ 33) und Terenz (§ 42 a) behandelt. 

Der Epilog enthftlt die Aufforderung an das Publikum, Beifall zu klatschen (plau- 
dere); vgl. Quintil. 6, 1, 52: illud, quo veteres tragoediae comoediaeque cluduntur, plodite. 
Er hatte auch in den griechischen Originalen seinen Platz; vgl. Menander fragm. 887 Kock: 
i^agayres inixQotfjiraTs. Bei Plautus wird tt) diese Aufforderung in die Schlussrede des 
Schauspielers eingewoben, ß) oder die die Anforderung zum plausus enthaltenden Schluss- 
worte werden dem Grex oder der Caterva beigelegt (im Epidicus ersetzt Goetz poeta durch 
gt-ex). Hier wird der dominus gregis oder ein Schauspieler im Namen der Truppe das 
Wort geführt haben, y) Horat. de arte poet. 154 «i plausoris egea aulaea manentis et usqtie \ 
sesauri, donee cantor *vo8 plaudite' dicat. Aus diesen Worten hat man geschlossen, dass 
auch ein eigener Cantor die zum Beifall auffordernden Worte gesungen bezw. gesprochen 
habe. Nun ist bei Terenz der formelhaft gewordene Epilog voa valete et pJaudite (Heautont., 
Eunuch., Phorm.) oder bloss plaudite (Andria, Hec., Adelphoe) in der handschriftlicnen Ueber- 
lleferung mit &> eingeführt; ebenso ist Plaut. Trinumm. dem Epilog plaudite in B ein ai 
vorausgeschickt. Da die auftretenden Schauspieler auch mit griech. Buchstaben bezeichnet 
wurden, wird man bei ai naturgemfiss an den zuletzt auftretenden Schauspieler zu denken haben 
und ihm den Epilog zuteilen. Da die Schlussscenen der Komödie cantica im engeren oder weiteren 
Sinn waren, konnte Horaz jeden, der diesen Epilog sang, als cantor bezeichnen; vgl. A. Spengel, 
Ausg. der Andria* p. 149. Ueber die ganze Frage gibt A. Lorenz (Ausg. der Most., Berl.' 1883, 
p. 198) eine kritische Erörterung; anders W. M. Lindsay, Classical Review 1905 p. 111. 

Die Akteinteilung. Die echte handschriftliche Ueberlieferung kennt keine Akt- 
einteilung in den Komödien des Plautus und des Terenz, wie sie auch den Originalen un- 
bekannt war; aber die Theaterpraxis kannte eine solche, und die Ästhetische Theorie ver- 
langte ebenfalls eine solche. 1. Die Akteinteilung der Theaterprazis. Die Auf- 
führung der Komödien Hess Pausen angemessen erscheinen, einmal um den Schauspielern und 
dem Publikum einige Ruhe zu verschaffen, dann auch um für den weiteren Gang des Stückes 
die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Die Pause wurde, da der Vorhang, der übrigens ursprüng- 
lich gftnzlich fehlte, beim Beginn des Stückes heruntergelassen und erst am Schluss desselben 
wieder hinaufgezogen wurde, in der Regel durch den Flötenspieler ausgefüllt, wie dies aus Plaut. 
Pseud. 573 b (tibicen vos interibi hie delectaverit) hervorgeht. Dem Dichter standen aber auch 
noch andere Mittel zur Verfügung, diese Pausen auszufüllen: im Rudens tritt in der Pause im 
ersten Akt ein Fischerchor auf, im Curculio nach dem dritten Akt hftlt in der Pause der 
Garderobemeister eine Ansprache. Diese Akteinteilung wurde auch in der bildlichen Sprache 
der Römer verwertet; vgl. Cic. epist. ad fam. 5, 12, 6 secernas hanc quasi fahulam rerum 
evenforumque nostrorum; habet enim varios actus mutationesque et consiliorum et temporum. 
Epist. ad Q. fratrem 1, 1, 16, 46 ut hie tertius annv^ imperii tut tamquam tertius actus per- 
fectissimus atque ornatissimus fuisse videatur. Pro Marcello 9, 27 haec igitur tibi reliqua 
pars est; hie restat actus; in hoc elaborandum est, ut rem publicam constituas. Philipp. 
2, 14, 34 non solum unum actum, sed totam fabulam confecissem. Cato maior 2, 5 extremum 
actum tamquam ab inerti poeta esse neglectum. Besonders gern gebraucht actus im bild- 
lichen Sinne Varro in seiner Schrift de re rustica; vgl. 1, 26 ad quartum actum; 2, 10 
reliquum in hoc actu; 3, 11 ad primum actum pertinere. Dagegen kann in dem von L. Am- 
bivius Turpio gesprochenen zweiten Prolog zur Hecyra Vs. 39 primo actu placeo interpretiert 
werden: «Zu Anfang des Stückes* = prima fabula. Selbstverständlich konnte das Stück, 
wenn sich keine Schwierigkeiten ergaben, auch in einem Zug durchgespielt werden. 2. Die 
Akteinteilung der Aesthetik. rt) Die Theorie der fünf Akte. Allgemein für das 
Drama stellt Horaz das Gesetz auf (de arte poetica 189): neve minor neu sit quinto pro- 
ductior actu \ fabula quae posci volt et spectanda reponi. Für die Anwendung der Regel 
auf die Komödie entwickelt Euanthius (p. 18 Wessner) folgende eigentümliche Theorie: 
comoedia vetus ab initio ehorus fuit paulatimque personarum numero in quinque acttts pro- 
cessit. ita paulatim velut atirito atque extenuato choro cid novam eomoediam pervenit, ut 
in ea non modo non inducatur ehorus, sed ne locus quidem uUus iam relinquatur choro, 
nam postquam otioso tempore fastidiosior spectator effectus est et tum, cum ad cantores ab 
actoribus fabula transiebat, consurgere et abire coepit, res admonuit poetas, ut primo qui- 
dem choros toUerent locum eis relinquentes, ut Menander fecit hac de causa, non ut alii 
existimant alia, postremo ne locum quidem reliquerunt, quod Latini fecerunt comici, unde 
apud illos dirimere actus quinquepartitos difficile est. ß) Die Vierteilnng der Komödie. 
Euanthius p. 22 W. comoedia per quattuor partes dii^iditur: proiogum, protasin, epitasin, 
catastrophen. Der Verfasser definiert die vier Teile, wobei der Prolog im terenzianischen 
Sinne aufgefasst wird; vgl. F. Leo, Plaut. Forsch , Berl. 1895, p. 210. y) Ueber die Be- 



Cäarakterlatik der Palliata. (§47.) 173 

Stimmung des Aktes gibt Varro folgende Lehre (Donat. praef. zu Hecyra p. 192 Wessner): 
docet autem Varro neque in hac fabula neque in aliis esse mirandum, quoä actus impares 
scaenarum paginarumque sint numero, cum haec distributio in rerum discriptione, non in 
numero versuum constituta sU, non apud Latinos modo, verum etiam apud Graecos ipsos. 
Ein äusseres Kriterium gibt Donat. praef. zu Andria p. 38 W.: est attente animadvertendum, 
nhi et quando scaena vacua sit ab omnibus personis, ita ut in ea chorus vel tibicen obaudiri 
possunt, quod cum viderimus, ibi actum esse finitum debemus agnoseere; vgl. dazu F. Ritsch 1, 
Opusc. 2 p. 354. A. Spengel (Die Akteinteilung der Komödien des Plautus, Manchen 1877, 
p. 57) stellt fOr die Bestimmung des Aktes folgenden Satz auf: «Die Akteinteilung steht 
mit der metrischen und musikfdlschen Composition im engsten Zusammenhang, das musi- 
kalische Element bildet einen integrierenden Bestandteil eines jeden Aktes; nur der erste, 
der die Exposition enth&lt, kann dessen entbehren. Keine Komödie hat sechs oder mehr 
Akte, auch die Dreiteilung muss als mit der metrischen Composition unvereinbar aufgegeben 
werden; ebensowenig finden sich ftlr die Yierteilung stichhaltige Beispiele. Jede Komödie 
hat vielmehr fünf Akte und die Angaben des Donahis (und Euantnius) müssen wieder 
zu Ehren kommen.* Allein die Durchführung dieses Prinzips stösst auf unüberwindliche 
Schwierigkeiten; vgl. E.H auler, Zeitschr. für die österr. Gvmn. 36 (1885) p. 909; Ausg. 
des Phormio p. 45. Weiterhin ist zu bemerken, dass schon im Altertum die Schwierigkeit, die 
5 Akte zu bestimmen, hervorgehoben wurde; vgl. Donat. praef. zu Eunuch, p. 266 Wessner: 
actus sane implicatiores sunt in ea et qui non facile a parum doctis distingui possint, ideo quia 
tenendi spectatoris causa pult poeta noster omnes quinque actus velut unum fieri, ne respiret 
quodammodo atque^ distincta alicubi continuatione succedentium rerum, anteauläea sublata fasti- 
diosus spectator exsurgat. Dass die Akteinteilung für die Aufführung nicht unbedingt not- 
wendig war, erhellt aus Donat. 1. c. und praef. zu denAdelphoe p. 4W.: hoc etiam ut cetera 
huiusmodi poemata qtänque actus habeat neeesse est choris divisos a Graecis poetis, quos 
etsi retinendi causa inconditi spectatoris minime distinguunt Latini comici metuentes scilicet, 
ne quis fastidiosus finita actu velut admonitus abeundi reliquae eomoediae fiat contemptor 
et surgat, tarnen a doctis veteribus discreti atque disiuncti sunt. Auch die Neuzeit ist von 
dem Glauben an die Notwendigkeit der fünf Akte zurückgekommen; vgl. 0. Ribbeck, 
Gesch. der röm. Dichtung 1* p. 111; F. Leo, Plaut Forsch., Berl. 1895, p. 209; A. Lorenz, 
Ausg. der Mostellaria, Berl.* 1883, p. 197; E. Hauler, Zeitschr. für die österr. Gymn.36 (1885) 
p. 912. Bemerkenswert ist Diomedes Gramm, lat. 1 p. 491, 20: membra eomoediae diversa 
sunt, definito famen numero continentur a quinque usque ad decem. Wenig gefördert hat 
die Sache G. Schmitz, De actuum in Plautinis fabuus descriptione, Diss. Bonn 1852. 

Die Scenenabteilung. a) üeber die Scenenabteilung in den Handschriften wurde 
die Ansicht aufgestellt, dass sie auf Bühnenexemplare zurückgehe; vgl. z. B. F. Leo, 
Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 13 Anm. 3. ß) Die Scenenabteilung wird durch Scenen- 
überschriften in den Handschriften bezeichnet; diese Ueberschriften geben die auf- 
tretenden Personen in ihren Eigennamen und in ihren Rollen oder beides allein. Ueber 
die ursprüngliche Gestaltung vgl. eine Vermutung 0. Seyfferts in Bursians Jahresber. 47 
(1886) p. 11. ;') In den Archetypen unserer Plautus- und Terenzhandschriften wurden im 
Texte die sprechenden Personen statt durch die Anfangsbuchstaben ihrer Eigennamen durch 
einfache griechische Buchstaben bezeichnet; die üeberlieferung hat auch von dieser Be- 
zeichnung Ueberreste erhalten; vgl. F. Ritschi, Ausg. des TVinummus, Leipz.* 1884, p. LIV. 
Diese Buchstaben dienten nicht, wie zuerst Ritschi annahm, zur Verteilung der Rollen 
unter die einzelnen Schauspieler; vgl. F. Leo, Ausg. des Sen. trag. 1 p. 85; A. Wilms, De 
personarum notis in codicibus Terentianis, Halle 1881 ; weitere Litteratur über diese griechischen 
Buchstaben gibt F. Schoell zu Ritschi I.e. Anm. 1 an. Hiezu kommt jetzt noch M. Hoder- 
mann, De actorum in fabulis Terentianis numero et ordine (Fleckeis. Jahrb. 155 (1897) 

E. 65). cf ) Für die Scenenabteilung konnte als äusseres Kriterium Abgang und Zugang der 
andelnden Personen angenommen werden; man konnte aber auch von der Handlung aus 
diese Abschnitte bilden; vgl. E. Hauler, Phormio* p.47. A. Spengel will für die Scenen- 
abteilung die musikalische Begleitung als ein massgebendes Element angesehen wissen. 
Litteratur. F. Ritschi, Opusc. 2 p. 294, p. 365; A. Spengel, Scenentitel und 
Scenenabteilung in der lat. Komödie (Sitzungsber. der Münchner Akad. der Wissensch. 1883 
p. 257); H. W. Prescott, The scene-headings in the early recensions of Plautus (Harvard 
studies in class. philol. 9 (1898) p. 102); J. C. Watson, The relation of the scene-headings 
to the miniatures in manuscripts of Terence (ebenda 14 (1903) p. 55); E. Bethe, Terenz 
Ambrosianus (1903) p. 47; W. M. Lindsay, The ancient editions of Plautus, Oxford 1904, p. 88. 
Diverbia und Cantica. Diomedes Gramm, lat. 1 p. 491, 29 latinae eomoediae 
chorum non habent, sed duobus membris tantum constant, diverbio et cantico. Auch von 
Donat werden mehrfach diese beiden Teile der Komödien hervorgehoben; vgl. praef. zu 
Andria p. 36 Wessner: deverbiis autem et canticis lepide distincta est; zu Phormio p. 346 W. 
deverbiis quoque facetissimis et gestum desiderantibus scaenicum et suavissimis ornata can- 



174 L. Aooins. (§47a.} 

tieis fuU; zu Hec. p. 190 W. eantica et deverhia summo in hac favare suseepta »\int; zu 
Eunnch. p. 2(j6 W. deverhia in illa crebro pronuntiata et eantica saepe mutatis modis ex- 
hibita sunt. Diese überlieferte Fonn deverhia verteidigt E. Dziatzko, Die deverbia der 
lat. Komödie (Rhein. Mus. 26 (1871) p. 102), indem er an eine Uebertragong des griechi- 
schen Wortes xataXoyij (xataXiyety) denkt; vgl. aber dagegen F. Buecheler, Fleckeis. 
Jahrb. 108 (1871) p. 273 und F. Ritschi, Opusc. 3 p. 24 Anm. 48. Dziatzko hat die 
Form deverhium wiederum verteidigt in Fleckeis. Jahrb. 103 (1871) p. 819, und ihm ist 
0. Ribbeck (Die röm. Tragödie, Leipz. 1875, p. 683 Anm. 2) beigetreten. Der Dichter 
konnte aber die eigentlichen Cantica mitunter ganz fallen lassen (Miles gloriosns) oder sie auf 
ein Minimum einschränken. Ueber die Vortragsweise der diverbia und cantica vgl. de comoedia 
p. 30 W. : deverhia histrianes pronuntiahant, eantica vero temperabaniur modis nan a poeta 
sed a perito artis musieae f actis. Unsere Kenntnis über die in der fabula palliata übliche 
Vortragsweise wird erweitert durch zwei notae, die sich in der palatinischen Recension des 
Piautus vorfinden und zwar in den Scenenüberschriften unmittelbar nach den Personen- 
namen. Am konsequentesten ist dies geschehen im Trinummus, Poenulus, Pseudolus und 
Truculentus; diese Zeichen sind C und DV, die durch canticnm und diverbinm aufzulösen 
sind. Die Folgerungen, die sich aus diesen Zeichen für die Vortragsweise der lateinischen 
Komödien ergeben, haben zu gleicher Zeit F. Ritschi, Canticum und Diverbium bei Plautns 
(Rhein. Mus. 26 (1871) p. 599; 27 (1872) p. 186, p. 352 = Opusc. 8 p. 1) und Th. Bergk, 
Ueber einige Zeichen der plautin. Handschriften (Philol. 31 (1872) p. 229 = Kl. philo!. 
Sehr. 1 p. 192) gezogen, ersterer viel methodischer als der zweite, aber beide im wesent- 
lichen zu dem gleichen Resultat kommend. Man findet nämlich C nicht bloss bei den 
eigentlichen lyrischen Scenen angemerkt, sondern auch bei solchen, die man als deklama- 
torische ansah und deren Versbildung im direkten Gegensatz zu der der lyrischen Partien 
steht, z. B. bei trochäischen Septenaren. Diesen Scenen hat Ritschi (p. 24) melodrama- 
tischen Vortrag zugewiesen, d. h. Deklamation unter Musikbegleitung (vgl. auch W. Christ, 
Die Parakataloge im griech. und röm. Drama, Abh. der Münchner Akad. der Wissensch. 13. Bd. 
3. Abt. (1875) p. 155); von den Cantica aber unterschieden sie sich dadurch, dass diese recita- 
tivisch, nicht arienmässig gesungen wurden. Sonach wäre das charakteristische Element 
für das Canticum die Musikbegleitung. Neben der notatio in den Palaüni liegt uns auch 
ein Zeugnis bei Donat vor (praef. zu Adolph, p. 4 Wessner): modulata est {fahula) tibiis 
dextris .... saepe tarnen mutatis per scaenatn modis cantcUa, quod significat titulus scaenae 
Habens suhiectas personis litteras M' M ' C'\ item deverhia ah histrionihus crebro pronun- 
tiata sunt, quae signifieantur D' et V' litteris secundum personarum nomina scriptis in 
eo locOf uhi ineipit acaena. Die Nota M ' M ' C ' ist wohl aufenlösen mutatis modis canti- 
cum (andere Auflösungen bei W. Christ, Metrik der Griechen und Römer, Leipz.' 1879, 
p. 678 und C. Conrad t. Die metrische Composition der Komödien des Terenz, Berl. 1876, 
p. 12). Während also die palatinische Ueberlieferung die notae C und DV aufweist, hat 
Donat die zwei notae M. M. C. und DV. Ritschi (p. 40) hält den Bericht Donats für un- 
vollständig. .Er (Donat) geht mit einem Sprunge von den 'cantica saepe mutatis modis' 
= M * M * C zu den *diverbia' = DV über, und lässt die dazwischen liegende Stufe, die 
'cantica non mutatis' oder wenigstens 'non saepe mutatis modis' = C ganz aus" (p. 41). 
Wenn Diomedes die Forderung erhebt (Gramm, lat. 1 p. 491, 24): in canticis una tantum 
debet esse persona, aut, si duae fuerint, ita esse debent ut ex occuUo una audiat nee con- 
loquatur sed secum, si opus fuerit, verba faciat, so wird der Begriff canticum auf die Mo- 
nodie eingeengt, wodurcn sich naturgemäss auch der Begriff des diverhium verschiebt und 
einen grösseren Umfang annimmt. Ueber die Unmöglichkeit dieser Theorie vgl. Ritschi 
p. 47. Auch die Theorie Dziatzkos (1. c. p. 102), wonach die Cantica unseren Arien, die 
Deverbia unseren Recitationen entsprechen und für die gesprochenen Partien sich ein la- 
teinischer Kunstausdruck nicht gebildet habe, ist unhaltbar; vgl. Ritschi p. 24 Anm. 48. 
Die Ritschi- Bergk sehe Theorie darf jetzt als allgemein angenommen gelten. Ueber die 
Teilung der cantica zwischen Schauspieler und Sänger vgl. § 24 und A. Lorenz, Ausg. 
der Mostellaria, Beri.> 1883, p. 198. 

Litteratur. Antiquiert sind G. A. B. Wolff, De canticis in Romanorum fabulis 
scenicis, Halle 1824 und C. J. Grysar, Ueber das Canticum und den Chor in der röm. 
Tragödie (Sitzungsber. der Wien. Akad. der Wissensch. 15 (1855) p. 365), noch immer be- 
achtenswert G. Hermann, De canticis in Romanorum fabulis (Opusc. 1 p.290). — D. A. H. 
van Eck, Quaest. scenicae Rom., Diss. Leiden 1892, p. 1; W. Baese, De canticis Teren- 
tianis, Diss. Halle 1903, p. 1. Ueber Canticum vgl. £. Keisch, Pauly-Wissowas Realencycl. 
Bd. 3 Sp. 1495; über Diverbium G. Wisse wa, ebenda Bd. 5 Sp. 1232. 

7. L. Accius. 
47 a. Biographifiches. Der grösste Tragödiendichter der Römer, 
L. Accius, war, soweit wir sehen können, ein Urobrer aus Pisaurum. Er 



L. Aooiaa. (§ 47a.) 175 

entstammte einem Sklavengeschlecht, das von einem der Accier, welche 
in Pisaurum ihre Heimstätte hatten, bei der Freilassung den Namen Accius 
erhielt; allein Pisaurum Hess keine bemerkenswerten Spuren in dem Da- 
sein des Dichters zurück. Sein Leben spielte sich in Rom ab, dort er- 
hielt er seine Bildung; die grammatischen und litterarhistorischen Studien, 
die damals in Rom bereits einen grossen Aufschwung genommen hatten, 
müssen ihn besonders angezogen haben, wie seine spätere Schriftstellerei 
erweist. Dem Forum blieb er fern; er pflegte zur Entschuldigung anzu- 
führen, dass er sich lieber mit seinen Gedanken als mit denen der Oegner 
abgebe. Er beschritt die Dichterlaufbahn, und zwar war es die Tragödie, 
die er auf ihren Höhepunkt bei den Römern brachte. Der grosse Erfolg, 
den er mit seinen Stücken erzielte, erfüllte seine Brust mit Stolz und 
Selbstgefühl. In dem Dichterkollegium stand der niedrig Geborene vor 
dem vornehmen Zunftgenossen Caesar Strabo nicht auf, weil er sich als 
Dichter unendlich höher dünkte als jener; er scheute sich nicht, in dem 
Tempel, welcher dem Dichterkollegium angewiesen war, sich selbst eine 
Statue zu setzen, wohl als Weihgeschenk infolge eines errungenen drama- 
tischen Sieges. Der Dichter, der von kleiner Statur war und darüber 
manchen Spott vernehmen musste, war eine sehr empfindliche Natur; als 
ein Mime ihn auf der Bühne mit Namen angegriffen hatte, strengte er 
einen Prozess gegen diesen an und erlangte ein obsiegendes Urteil. Mit 
seinem Zeitgenossen, dem Satiriker Lucilius, scheint er auf gespanntem 
Fuss gelebt zu haben, denn in den Satiren dieses Dichters erschien unter 
den angegriffenen Persönlichkeiten auch Accius. In der vornehmen Welt 
fand der ümbrer einen Beschützer und Freund in D. Brutus, der einen 
Sieg über die Oalläker erfochten hatte; zu Ehren dieses Geschlechtes ver- 
f asste der Dichter die Praetexta Brutus ; auch schmückte er die von seinem 
Oönner errichteten Monumentalbauten mit saturnischen Inschriften. Un- 
serem Dichter war eine lange Schaffenszeit beschieden; er erreichte ein 
so hohes Alter, dass der junge Cicero sich noch mit ihm über litterarische 
Dinge unterhalten konnte. Nachdem Pacuvius, mit dem er im Jahre 140 
in die Schranken trat, nach Tarent ausgewandert war, beherrschte er die 
tragische Bühne in Rom, und seine Stücke erhielten sich noch lange im 
Repertoire. 

Allgemeine Litteratur über Accius. W. S. Teuffei, Caecilius Statius, Pacu- 
vius, Attius, Afranins, Progr. TQbingen 1858; W. Y. Sellar, The Roman poets of the repu- 
blic, Oxford> 1889, p. 143; 0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dichtung 1* (Stuttgart 1894) p. 177; 
A. Goette, De L. Accio et M. Pacuvio veteribus Romanorum poetis tragicis, Progr. Rheine 
1892; F. Marx, Pauly-Wissowas Realencycl. Bd. 1 Sp. 142. 

Die Namen des Dichters, a) Der Vorname L. wird uns mehrfach bezeugt; vgl. 
die ausgeschriebenen Stellen, ß) Die Schreibung des nomen gentile schwankt zwischen 
Accius und Attius; allein die massgebende handschriftliche Ueberlieferung bietet die Form 
Accius; vgl. L. Müller, Ausg. des Lucilius, Leipz. 1872, p. 320. 

Zeugnis über das Leben des Accius. Hieronym. z. J. 1878 = 189 v. Chr. 
(2 p. 129 Seh.) L. Accius tragoediarum scriptar clarus habetur natus Maneino et Serrano 
C088. parentihus Uhertinis et seni iam Pacuvio Tarenti 9ua scripta recitavit, a quo et fundus 
Accianus iuxta Pisaurum dicitur, quia iUuc tnter cohnos fuerat ex urhe deducius. 

Das Geburtsjahr des Dichters. Die Angabe des Hieronymus führt auf 170 
als Geburtsjahr. 

Heimat des Dichters. In Pisaurum in Umbrien war das Geschlecht der Accii 
ansftssig. a) Der Ankläger des A. Cluentius, T. Accius (Cic. pro Cluentio 57, 156) 



176 L. AocinB. (§47a.) 

stammte aus Pisaumm; vgl. Cic. Bratus 78, 271: T. Accium Pisaurensem, cuius accusatiani 
respondi pro A. Cluentio, ß) Plin. n. h. 7, 128 pretium hominis in servitio geniti maximum 
ad hanc dient, quod equidem conpererim, fuit grammaiieae artis daphni natio (so die Hand- 
schriften; D. Detlefsen, Rhein. M na. 18 (1863) p. 236: Daphnin Attio) Piaaurense vendente 
et M. Seauro principe civitatis HS DCC licente. Detlefsen will nnter diesem Attius un- 
seren Dichter verstehen und meint (p. 237), .dass jener ungeheure Kaufpreis eben dadurch 
motiviert war, dass Accius ihn erzogen hatte, dessen Wirksamkeit und Auctorit&t als Gram- 
matiker ja eine so bedeutende war*^. Allein diese Vermutung ist darum wenig wahrscheinlich, 
weil, wenn Plinius hier den Dichter im Auge hatte, es doch gewiss natürlicher war, den 
Accius durch den Beisatz jpo^a zu bezeichnen oder dasCognomen fortzulassen (vgl. Plin. 34, 19; 
18, 200); vgl. Marx Sp. 142. Accier finden sich auf Inschriften, die in Pisaurum gefunden 
wurden; vgl. D. Detlefsen, Rhein. Mus. 18 (1863) p. 237. (J. C. Orelli Nr. 1164 ist ein 
T. Accius Pisaurensis verzeichnet; allein die Echtheit der Inschrift wird von Th. Mommsen 
mit Recht bezweifelt.) y) Am deutlichsten weist auf die Ansässigkeit der Accier in Pisaurum 
der dortige fundus Accianns hin. Hieronymus berichtet, dass der fundus Accianus von 
dem Dichter seinen Namen erhalten, der bei der Grfindung der Kolonie Pisaurum als Kolone 
dorthin gefOhrt worden sei. Die Kolonie Pisaurum wurde (vgl. Liv. 39, 44, 10 und oben 
p. 111) im Jahre 184 v. Chr. deduziert, also ehe der Dichter geboren war. Sonach ist dieser 
Teil des Berichts falsch, und wir werden daher auch den anderen mit ihm in Verbindung 
stehenden Teil für irrig erachten. Gewöhnlich wird angenommen, dass der Vater des Dich- 
ters in die Kolonie Pisaurum gebracht worden sei, allein viel wahrscheinlicher ist es, dass 
hier eine Verwechslung unseres Dichters mit Ennius vorliegt; vgl. Marx Sp. 142. Das 
Richtige wird sein, dass Accius aus Pisaurum stammt, wo die Accier hausten und einem 
Sklaven die Freiheit gaben, dessen Nachkomme unser Dichter ist. 

Die Dauer seiner Lebenszeit. Cic. Brutus 28, 107 iU ex familiari eius (seil. 
D. Brutus Cos. 138) L. Accio poeta sum audire »olitus. Nehmen wir an, dass Cicero, der 
106 geboren wurde, damals etwa 20 Jahre alt war, so muss Accius noch im Jahre 86 ge- 
lebt haben ; er muss also ein Alter von etwa 84 Jahren erreicht haben. Damit würde auch 
stimmen, dass M. Terentius Varro ihm die Schrift de antiquitate litterarum (§ 192, 5) widmen 
konnte, wenn unter dem ohne Praenomen auftretenden Attius der Tragiker zu verstehen 
ist. Wenn Cic. Philipp. 1, 15, 36 sagt: nisi forte Accio tum plaudi et sexagesimo post anno 
palmam dari, non BrxUo putabatis, so ist selbstverständlich, dass Cicero nicht vom Tode 
des Accius, sondern von der zweiten Aufführung des Tereus an rechnet, welche im Jahre 44 
statthatte, so dass die erste etwa ins Jahr 104 zu rücken ist. 

Charakterzüge des Accius. a) Statue. Plin. n. h. 34, 19 notatum ab auctoribus 
et L. Accium poetam in Camenarum aede maxima forma statuam sibi posuisse, cum brevis 
admodum fuisset. j9)Prozess mit einemSch au Spieler. Auetor ad Herenn. 1, 24 mimus 
quidam nominatim Accium poetam compellavit in scaena: cum eo Accius iniuriarum agit. 
hie nihil aliud defendit nisi Heere nominari eum cuius nomine scripta dentur agenda. 
2, 19 P. Mucius eum, qui L. Accium poetam nominaverat, condemnavit. y) Benehmen 
gegen Caesar Strabo. Valer. Max. 3, 7, 11 is {Accius) Juiio Caesar i, ampUssimo ac 
florentissimo viro, in conlegium poetarum venienti numquam adsurrexit, non maiestatis eius 
inmemor, sed quod in comparatione communium studiorum aliquanio se superiorem esse 
confideret. <f) Urteil über die Sachwaltertätigkeit. Quintil. 5, 13,43 aiunt Attium 
interrogatum, cur causas non ageret, cum apud eum in tragoediis tanta vis esset optime 
respondendi, hanc reddidisse rationem: quod illic ea dicerentur, quae ipse vellet, in foro 
dicturi adversarii essent, quae minime vellet, 

Accius und D. Junius Brutus. Cic. pro Archia 11, 27 D. Brutus, summus vir 
et Imperator, Acci, amicissimi sui, carminibus templorum ac monimentorum aditus ex- 
ornavit suorum\ vgl. Scholia Bob. p. 359 Orelli: hie Brutus GdUaecus fuit cognomento ob 
res in Hispania non minus strenue quam feliciter gestas. eius etiam nomini dicatus Accii 
poeiae tragici exstat Über, cuius plurimos versus, quos Saturnios appellaverunt, vestibulo 
tempH Marti s superscripsit Brutus. Der genannte Brutus war Konsul im Jahre 138; vgl. 
über ihn und seinen spanischen Feldzug W. Drumann, Gesch. Roms 4 (Königsberg 1838) 
p. 6 Nr. 26. 

Accius und Pacuvius. Cic. Brutus 64, 229 ut Accius iisdem aedilibus ait se et 
PacHvium docuisse fahäam, cum ille octoginta, ipse triginta annos natus esset. Gellius 
13, 2, 2 cum Pacuvius grandi iam aetate et tnorbo corporis diiUino adfectus Tarentum ex 
urbe Roma concessisset, Accius tunc haut parva iunior proficiscens in Asiam, cum in oppi- 
dum venisset, devertit ad Pacuvium comiterque invitatus plusctäisque ab eo diebus retentus 
tragoediam suam, cui Atreus nomen est, desideranti legit. tum Pacuvium dixisse aiunt 
sonora quidem esse, quae scripsisset, et grandia, sed videri tarnen ea sibi duriora paulum 
et acerbiora, ita est, inquit Accius, uti dicis; neque id me sane paenitet; meliora enim 
fore spero, quae deinceps scribam. nam quod in potnis, itidem, inquit, esse aiunt in in- 



L. Acoios. (§ 48.) I77 

geniis; quae dura et aeerba ncuseuntur, post fiunt mitia et iucunda; sed qu<u gignuntur 
statim vieta et moüia atque in principio 9unt uvida, non matura mox flunt, sed putria, 
relinquendum igitur visum est in ingenio, quod dies atque aetas tnitificet. Ob diese Nach- 
richt einen Kern von Wahrheit enthält, ist sehr zweifelhaft. Sie ist eine Parallele zu 
der Nachricht, dass Terenz seine Andria dem Dichter Statins Caecilius vorgelesen habe; 
Tgl. oben p. 1 32 und p. 135. Die ins Einzelne gehende Erzählung des zwischen den beiden 
Dichtem geführten Gesprächs erweckt schon Verdacht. 

Accius undLucilius. Horat. sat. 1^ 10» 53 nil comis tragici mutat Lucilius Äceif 
wozu Porphyrie bemerkt: facit autetn haec Lueüius cum alias tum vel maxime in tertio 
libro: meminit Villi et X; vgl. E. Norden, Rhein. Mus. 48 (1893) p. 533 f. 

Das Bildnis des Accius. Auf dem Revers eines Horazcontomiaten ist in ganzer 
Figur sitzend Accius dargestellt; vgl. J. J. Bernoulli, ROm. Ikonographie 1 (Stuttgart 1882) 
p. 289. üeber die Statue, die er sich setzte, vgl. die Pliniusstelle in der Rubrik .Charakter- 
zflge des Accius*. 

48. Die Tragödien des Accius. Dass mit Accius die römische Tra- 
gödie ihren Höhepunkt erreichte, erkannten schon die Alten, bei Velleius 
ist es klar ausgesprochen. Kein Dichter hat eine so grosse Anzahl Tra- 
gödien hinterlassen^ es werden über 40 Titel erwähnt, keiner hat in so 
umfassendem Masse die verschiedenen Sagenkreise der Griechen seinen 
Landsleuten vorgeführt und keiner soviel Dichter ausgeschöpft wie er. 
Mehrere Stücke erhielten sich längere Zeit auf dem Repertoire: Eurysaces 
wurde z. B. 57 wieder aufgeführt, Glytemestra 55, Tereus 44. In den 
Citatenschatz des Altertums wie der Neuzeit sind aus dem Atreus die 
Worte (fr. 203) , oderint dum metuant* übergegangen. 1) Wie bei den 
andern Dichtern, so haben wir auch bei Accius in seinen Tragödien im 
allgemeinen freie Uebersetzungen vor uns. Dies erkennen wir deutlich, 
wenn wir das Fragment, das den Anfang der Phoenissen (fr. 581) enthält, 
mit dem Original vergleichen. Allein auch selbständiges Schaffen des 
Accius vermögen wir nachzuweisen. Stellen, wie die in den Myrmidonen 
(fr. 4), wo scharf zwischen pertinacia und pervicacia geschieden wird, 
müssen dem Original fremd gewesen sein. Aber er ging noch weiter; 
auch in dem Aufbau des Stückes nahm er Aenderungen vor. Seine stili- 
stische Kunst müssen wir hoch anschlagen; es blickt Schwung und Kraft 
nicht selten aus den Fragmenten. Am besten wird der Leser sich einen 
bestimmten Eindruck von der Darstellungsweise des Accius machen können, 
wenn er von dem berühmten Fragmente Kenntnis nimmt, in dem ein 
Hirte, der noch niemals ein Schiff gesehen hatte, das Herankommen der 
Argo schildert:*) 

tanta moles labitur 
Fremihunda ex alto ingenti sonitu et spiritu, 
Prae se undas volvit, vertiees vi suseitat: 
Ruit prolapsa, pelagus respargit reflat. 
Ita dum interruptum eredas nimbum volpier, 
Dum quod sublime ventis expulsum rapi 
Saxum aut procellis, vel globosos iurbines 
Existere ictos undis concursantibus: 



>)ygl. G.Bflchmanii, Geflagelte Worte, 
Berl." 1903, p. 411. 

") Cic. de nat. deor. 2, 35, 89; fr. 391. 
Aehnlich war der Eindruck, den die erste 
Lokomotive auf die Landleute machte. Vgl. 
die SchUderung bei F. D ahn , Erinnerungen 4, l 
(Leipz. 1894) p. 185 Anm. 1 ; vgl. auch das Re- 



ferat £. Bruchmanns über: H. Schäfer, 
Die Lieder eines ägyptischen Bauern gesam- 
melt und übersetzt, Leipz. 1903 in Berl. philol. 
Wochenschr. 1904 Sp. 1175: , Aehnlich, wie 
der Häuptling Tamawan durch den neuen 
Anblick eines Dampfers poetisch inspiriert 
wird, wirkt hier die neue Eisenbahn.* 



Handbuch der kUra. AltertumtwlBBenachAfk. ym. 1. 8. Aufl. 12 



178 L.Aooiiui. (§48.) 

Nisi qua9 terrestris pontus strages conciet, 
Äut forte Triton fu8cina evertena speeu8 
Supter radicM penitua undanU in freto 
Molem ex profundo eaxeam ad caelum erigit,^) 

Ausser den Tragödien schrieb Accius auch zwei Praetextae, den 
Brutus und die Aeneadae^) oder den Decius. Die erste Praetexta be- 
handelt den Sturz der Tarquinier durch Brutus infolge der Schandtat, 
welche der Eönigssohn an der Lucretia verübt hatte. Es ist eine an- 
sprechende Vermutung, dass diese Praetexta zu Ehren des D. Junius Brutus 
(Cos. 138), mit dem der Dichter, wie wir gesehen haben, aufs innigste 
befreundet war, gedichtet wurde. Durch Cicero sind uns zwei grössere 
Fragmente erhalten. Das erste schildert einen Traum, den König Tar- 
quinius gehabt, in einfacher und schL'chter Weise; in dem zweiten wird 
der Traum von den Traumdeutern erklärt und der Eönigssturz voraus- 
gesagt. In den Aeneadae (P. Decius Mus) wird der Opfertod des einen 
Konsuls, des P. Decius Mus, in der Schlacht bei Sentinum 295 verherrlicht. 
Der Titel Aeneadae zwingt uns zur Annahme, dass die Familie der Decier 
mit Aeneas in Zusammenhang gebracht war. 

Die Tragödien des Accius. Es sind uns folgende Tragödien mit Fragmenten 
flberliefert: 1. Achilles. 2. Myrmidones. 3. Aegisthus. 4. Glutemes&a. 5. Agamemnonidae. 
6. Erigona. 7. Alcestis. 8. Alcimeo. 9. Alphesiboea. 10. Amphitruo. 11. Persidae. 12. Andro- 
meda. 13. Antenoridae. 14. Deiphobus. 15. Antigona. 16. Axmorum iudicium. 17. Astyanax. 
18. Athamas. 19. Atreus. 20. Bacchae. 21. Chrysippus. 22. Diomedes. 23. Epigoni. 24. Eri- 
phyla. 25- Epinausimache. 26. Eurysaces. 27. Uellenes. 28. Promefcheus. 29. Medea. 
30. Melanippus. 31. Meleager. 32. Minos sive Minotaurus. 33. Neoptolemus. 34. Troades. 
35. Hecuba. 36. Nyctegresia. 37. Oenomaus. 38. Pelopidae. 39. Philocteta. 40. Phinidae. 
41. Phoenissae. 42. Thebais (vielleicht identisch mit Phoenisaae). 43. Stasiastae vel Tro- 
paeum Liberi. 44. Telephus. 45. Tereus. — 0. Ribbeck, Tragicorum Rom. fragm., Leipz.* 
1897, p. 157. 

Die Praetextae des Accius. a) Brutus. Zwei grössere Fragmente citiert Cicero 
de div. 1, 22, 44, die zugleich über den Inhalt des Stückes Aufschluss geben; vgl. auch 
Yarro de lingua lat 6, 7: in Bruto Caasii; 7, 72 quod est apud Ckisaium. Da die Frag- 
mente auf denselben Stoff hinweisen wie der Brutus des Accius, haben auch hier hervor- 
ragende Kritiker Cassius durch Accius ersetzt. — 0. Ribbeck, Tragic. Rom. fragm.' p. 328. 
ß) Aeneadae oder Decius. Die Fragmente des Stückes mit dem Doppeltitel verdanken 
wir sämtlich Nonius. Der Opfertod des Decius erhellt aus fragm. 11: patrio exemplo et 
me dicabo atque animam devoro hostibus. Ueber den ganzen Vorgang vgl. Liv. 10, 27. 
Üeber den Zusammenhang des Decius mit Aeneas vgl. R. H. Klausen, Aeneas und die 
Penaten 2 (Hamb. 1840) p. 921; F. G. Welcker, Griech. Tragödien, Bonn 1841, p. 1389; 
0. Ribbeck, Die röm. Tragödie, Leipz. 1875, p. 599. — 0. Ribbeck, Tragicorum Rom. 
fragm., Leipz.* 1897, p. 326. 

Accius im Repertoire, a) Eurysaces. Ueber die Aufführung des Jahres 57 
und die Anspielungen auf Ciceros Geschick, denen der Schauspieler Aesopus besonderen 
Ausdruck verlieh, vgl. Cic. pro Sestio 56, 120 und dazu J. Kubik, De M. Tullii Ciceronis 
poetarum lat. studiis, Leipz. 1887, p. 66 (Separatabdr. aus Diss. philol. Vindob. 1, 1887). 
ß) Clutemestra. Ueber die Aufführung des Jahres 55 vgl. Cic. epist. ad fam. 7, 1, 2, der 
das unsinnige Schaugeprftnge der Aufführung tadelt. ;') Tereus. Cic. epist. ad Attic. 16, 2, 3 
(44 V. Chr.); 16, 5, 1 ; Phil. 1, 15, 36 (vgl. oben p. 176); 2, 13, 31; 10, 4, 8. 

Ueber die Sprache des Accius vgl. L. Koterba, De sermone Pacuviano et 
Acciano (DisserUUones philol. Vindobonenses 8 (1905) p. 113). Vgl. § 50 über die Schrift- 
reformen. Varro de lingua lat. 5, 21 apud Accium non ter minus sed termen (L. Spengel: 
terimen), 

Urteile der Alten über Accius. Cic. pro Plancio 24, 59 gravis et ingeniosus 
poeta. pro Sestio 56, 120 summt poetae ingenium, Horat. epist. 2, 1, 55 aufert | Pacuvius 



^) Eine gelungene Uebersetzung der Stelle 
bei 0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. 1' 
p. 184. 



') Auch Tragödien haben solche patro- 
nymische Titel, z. B. Agamemnonidae. 



L. Aocias. (§ 49.) 179 

dodi famam aenis, Acciua alti, Ovid. am. 1, 15, 19 animosi Aceius orU, yitrav.9 praef. 16 
AecH carminibus qui studiose deleetantur, non modo verhorum virttUes sed etiam figuram 
eins videntur seeum habere praesetUem. Velleras 1, 17, 1 mei aspera ar rudia repetas et 
inventi laudanda nomine, in Aeeio eircaque eum Romana tragoedia est; vgl. 2, 9, 2. Cola- 
mella praef. 80 Latiae muaae non solos adytis suis Aecium et Vergilium recepere, Persius 
sat. 1| 76 nennt Accios BrisaeuSf teilt ihm also ein Cognomen des Bacchus zu und nennt 
seinen über venosus. Quintil. 10, 1, 97 tragoedUu scriptores veterum Attius atque Paeu- 
ffius grandissimi gravUate sententiarum, verhorum pondere auctoritate personarum. 

Litteratur. «) üeher die Tragödien im allgemeinen. F. Nieberding, Ilias 
Homeri ab L. Attio in dramata conversa, Progr. Eonitz 1838; 6. Boissier, Le poöte Attius; 
^tude snr la tragödie latine pendant la r^publique (Thdse), Paris 1856; 0. Ribbeck, Die 
röm. Tragödie, Leipz. 1875, p. 840; F. Leo, Ausg. des Seneca trag. 1 (Berl. 1878) p. 158; 
L. Müller, De Accii fabulis disputatio, Berl. 1890; G. Michaut, Le g^nie latin, Paris 
1900, p. 204; J. Vahlen, Ind. lect. Berl. 1902/08 (zur Kritik und Erklärung), ß) Ueber 
die einzelnen Tragödien. 1. Armorum iudicium. Ueber das neu hinzugekommene 
Fragment 168a vgl. Ch. Huelsen, Berl. philoL Wochenschr. 1889 Sp. 1098. 2. Epinau- 
simache. C. Robert, Bild und IJed (Philol. Unters, von A. Kiessling und U. Wilamowitz 

5. Heft (Berl. 1881) p. 133); vgl. dagegen 0. Ribbeck, Rhein. Mus. 50 (1895) p. 277; 
N. Wecklein, Ueber eine Trilogie des Aeschylos und über die Trilogie flberhaupt (Sibsnngsber. 
der Mttnchner Akad. der Wissensch. 1891 p. 880). 3. Medea. Ueber die Verse bei Cic. 
de nat deorum 3, 26,67 (0. Ribbeck, Tragic. Rom. fragm.' p. 301) vgL F. Zoellner, Ana- 
lecta Ovidiana, Dies. Leipz. 1892, p. 48. 4. Myrmidonen. Robert L c; Wecklein p. 838 
(vgl. dagegen Ribbeck, Rhein. Mus. 1. c). 5. Philocteta. L. Bloch, Soprail Filotete di 
Accio (Stndi ital. di filol. class. 1 (1898) p. 97), der gegen Ribbeck zu zeigen versucht 
(p. 111), dass der Philoktet des Aceius im engsten Anschluss an Sophokles gedichtet ist. 

6. Prometheus. H. Weil, Journal des savants 1887 p. 785. 

49. Aceius' übrige Werke. Ausser Tragödien und Praetexten schrieb 
Aceius auch gelehrte Werke in gebundener Rede. Er dachte über seine 
Kunst nach und legte seine Gedankenbeobachtungen in einem Gedichte 
nieder, das er Didascalica betitelte und für das er allem Anscheine 
nach das metrum Sotadeum in Anwendung brachte; von diesem Werk 
werden neun Bücher citiert; in dem neunten Buch wird in einem Frag- 
ment Baebius angeredet, so dass man annehmen muss, dass wenigstens 
dieses Buch demselben gewidmet war. In dem ersten Buch war von 
Epikern die Rede; mit leichtfertigen Argumenten wurde hier der Satz zu 
erhärten versucht, dass Hesiod älter sei als Homer ;i) diese Lehre be- 
kundet noch den pergamenischen Einfluss, unter dem die römische Philo- 
logie so lange Zeit stand. Im zweiten Buch war von den Tragikern die 
Rede; wir finden Tadelworte über Fehler des dramatischen Dialogs und 
die chorische Technik des Euripides. Das Fragment des achten Buches 
bezieht sich auf die Ausrüstung der Schauspieler. Das neunte Buch han- 
delt über die Verschiedenheit der Dichtungsgattungen. Auch die Chrono- 
logie der Dichter war in diesem Werk berücksichtigt; allein hier scheint 
Aceius recht dilettantenhaft verfahren zu sein; seine falsche Chrono- 
logie über Livius' erste dramatische Aufführung, die auf einer Verwechs- 
lung der verschiedenen Eroberungen Tarents beruhte, ist bekannt.') Merk- 
würdig ist, dass Aceius auch der Echtheitsfrage der plautinischen Komö- 
dien in diesem Werke näher trat. Aus den Bruchstücken ersieht man, 
dass in dem Buch mehr geboten war, als der Titel erwarten liess, dass 
dasselbe eine Griechen wie Römer umfassende Poetik war, also über den 
Rahmen der Werke des Aristoteles und des Karystios von Pergamon über 



^) üeber die entgegengesetzte Ansicht 
der Alexandriner vgl. Scheuen zu II. 12, 22 



(1 p. 416 Dindorf). 

«) Vgl. oben p. 58. 

12 



180 ^' Aooiaa. (§ 49.) 

die Didaskalien beträchtlich hinausging. Echte Poesie strahlt aus keinem 
einzigen Fragment. Eine verwandte Dichtung waren die Pragmatica, 
welche in trochäischen Septenaren abgefasst waren. In diesem Werk 
scheint der Dichter den dramatischen Stoff, den dramatischen Aufbau und 
die dramatische Farbengebung und Zeichnung behandelt zu haben. Unter 
den Fragmenten ist besonders die Stelle interessant, in der das Publikum 
für die Fehler der Dichter verantwortlich gemacht wird. Ein „Annalis'' 
oder , Annales' betiteltes Gedicht des Accius, das in Hexametern ab- 
gefasst war, ist ebenfalls bezeugt; manche Gelehrte erblicken darin ein 
Seitenstück zu den Annalen des Ennius, allein nach den Fragmenten zu 
urteilen, scheint es die Jahresfeste behandelt zu haben. Dagegen werden 
die Parerga, aus denen ein Fragment über das Pflügen erhalten ist, ein 
Seitenstück zu den "Egycc Hesiods gebildet haben. Mit den Parerga wurde 
ein anderes Werk identifiziert, dem man den Titel Praxidica gegeben 
hat; allein der wahre Titel des Buches war Praxidicus; dieser war ein 
Astrologe und verfasste einen astrologischen Traktat, den Accius lateinisch 
bearbeitete. Ob dieser Accius mit unserem Dichter identisch war, ist 
noch sehr fraglich. 

Der jüngere Plinius^) zählt den Accius unter denjenigen auf, welche 
Liebesgedichte geschrieben haben. Endlich verfasste Accius nach dem 
Zeugnis Ciceros') saturnische Epigramme, mit denen D. Junius Brutus 
den von ihm errichteten Tempel des Mars schmückte; es ist bemerkens- 
wert, dass noch in so später Zeit das alte nationale Mass in Uebung war. 

Didascalica. a) Der Titel. Citiert wird Nonius p. 514, 19 M. didascalicorum 
Hb, I; vgl. auch Gharis. Gramm, lat. 1 p. 141, 34. Auch die griechische Foiin des Genetiv» 
erscheint, z. B. Gharis. Gramm, lat. 1 p. 220, 9. Endlich findet sich auch öfters didascalieo 
mit der Buchzahl, z. 6. Gellius 3, 11,4 inprimo didciscalico; Nonias p. 841, 23 M. didctsealico 
Hb. /, wo aber L. M tt 1 1 e r mit M a d vi g ebenfalls didascaHcon herstellt. S. E. Sakellaropulo» 
(rgafAfAttTixa xai xQinxti in memoriam Lnciani Muelleri, Athen 1900, p. I) erachtet als den 
richtigen Titel Didascalion libri. ß) Die Form des Werkes. Madvig (p. 74) hatte mit 
Mercerus früher gemeint, dass das Werk in Prosa abgefasst war; allein er nahm diesfr 
Behauptung später zurück und gab die metrische Abfassung zu (vgl. p.74 Anm. 1). G. Her- 
mann (p. 393) nahm trochftische Tetrameter als das Versmass des Werkes an. Lachmann 
(p. 69) erkennt in den Fragmenten das metrum Sotadeum. Für die Ansicht Lach man na 
spricht, dass Gellius 6, 9, 1(3 mit Accius in Sotadicorum Hbro I und Priscian. Gramm, lat 2 
p. 517, 5 mit Accius Sotadicorum I einen Vers citieren, der dem Inhalt nach sehr gut den 
Didascalica angehören konnte. F. Buecheler (Rhein. Mus. 35 (1880) p. 401) spricht seine 
Ansicht über die Form des Werkes in zwei Sätzen aus: 1. .Reliquise didascalicon multo 
plurimae sermonem testantur pedestrem.* 2. , Verum in didascalicis carmina quoque inerant 
sive facta ab Accio sive ex aliis voluminibus transcripta.* Zum Beweis des ersten Satzes 
führt er Fragment 15 B. an, zum Beweis des zweiten Fragment 11 B., wo er jambische 
Senare gegeben erachtet. Auf Buecheler fassend veimutet Marx (Sp. 146) weiter, dass 
das Gedicht die Form der satura Menippea gehabt habe (ebenso F. Leo, Plaut. Forsch., 
Berl. 1895, p. 32 Anm. 1 g. E.). Allein wenn Accius selbst in dem Werke verschiedene 
Masse in Anwendung brachte, so konnten Gellius und Priscian es nicht unter dem Namen 
Hher Sotctdicorum citieren; wir müssten daher zur bedenklichen Annahme greifen, dass der 
liber Sotadicorum verschieden war von den Didascalica. Dagegen ist es wohl als mOglich 
zu erachten, dass Accius vereinzelte poetische Gitate in anderen Versarten seinem Gedicht 
einstreute. Dass trotz dieser Einlagen das Gedicht über Sotadicorum bezeichnet werden 
konnte, ist klar. Prosaische Stellen kOnnen dadurch ihre Erklärung finden, dass wir pro- 
saische Vorreden zu einzelnen Abteilungen des Werkes statuieren; einer solchen liesse sich 
z. B. Fragment 15 B, wenn es wirklich Prosa ist, zuweisen, y) Ueber den Inhalt vgl. 
Madvig p. 73; über das achte Buch vgl. Norden p. 534; 0. Ribbeck, Gesch. der röm. 
Dicht. 1' p. 268. Ueber Fragment 20 B (Echtheit der plautinischen Komödien) vgl. J. Vahlen, 

>) Epist. 5, 3, 6. I «) Vgl. oben p. 176. 



L. AcciiiB. (§49.) 181 

Ind. lect. Berl. 1901. cf) üeber die Quellen vgl. Norden p. 587, der beaonders auf 
Aristophanes von Byzanz hinweist. 

Litteratur. J. N. Madvig, De L. Attii didascalicis commentatio, Progr. Kopen- 
hagen 1831 = Opasc. acad. 1 (1834) p. 87; Opusc. acad , Kopenhagen' 1887, p.70; 6. Her- 
mann, Dies, de L. Attii librls Didascalicon, Progr. Leipz. 1842 = Opusc. 8 (1877) p. 390; 
C Lachmann, De versibos Sotadeis et de Attü didascalicis (Ind. lect. Berl. 1849/50 = Kl. 
Sehr. 2 (1876) p. 67); E.Norden, Ad Varronis libros de scaenicis originibus, Scaurum logisto- 
ricom, et de L. Accio grammatico (Rhein. Mus. 48 (1898) p. 530). 

Pragmatica. a) Der Titel. Nonius p. 150, 12 M. ciüert 2}ragmcUicis , Gellius 20, 8, 3 
in pragmaticis; Nonius p. 156, 8 M. lesen wir in der üeberlief erung pro^ma/ico Hb, /, wo aber 
ohne Zweifel pragmaticon zu schreiben ist. Aus der letzten Stelle geht zugleich hervor, dass 
das Werk mindestens zwei Bücher hatte. /}) Die metrische Form. Das Gedicht war in tro- 
chäischen Septenaren abgefasst; denn Nonius p. 150, 15 M. liegen deutlich zwei Verse dieses 
Masses vor. y) üeber den Inhalt des Gedichts sind folgende Ansichten aufgestellt 
worden. 1. J. N. M advig, Opusc, Kopenhagen' 1887, p. 87: , (Libros) simüitudinem ali- 
quam argumenti cum didascalicis habuisse patet, ut in üs de scena et rebus scenicis scrip- 
tum esset* 2. 0. Ribbeck (Gesch. der r5m. Dichtung V (Stuttgart 1894) ^. 269) hält das 
Werk fftr ,eine populäre Belehrung Aber das Technische der dramatischen Poesie.* 8. £. Nor- 
den (Rhein. Mus. 48 (1893) p. 531) führt aus, dabs das erst seit Polybius vorkommende 
Wort nQayfÄttTi,x6y, im Falle es sich um litterarische Dinge handelt, zum Gegensatz rd 
XexTtxoy habe; es habe also das TtQayfAauxoy argumenta et argumentorum dispositiones 
und ^9rj ins Auge gefasst (p. 582). Ueber Fragment 27 B vgl. Norden p. 582. 

Annales. Mit Buchzahl haben wir nur zwei Fragmente: Priscian. Gramm, lat. 2 

p. 163, 4 Acciu8 annali I; Festus p. 146 0. M. Acciua annäti XXV IL Das Werk 

war in Hexametern abgefasst; ein grösseres Bruchstück teilt Macrob. Sat. 1, 7, 36 mit: 
apparet Satumalia vetusthra esse urbe Ramana, adeo ut ante Romam in Graecia hoc sol- 
lemne coepisse L. Aeeius in annalibus suis referat his versibus. Den Titel im Plural gibt 
Nonius p. 193, 24 M.: Accius annalibus. Da kein einziges Fragment ein historisches Faktum 
vorführt, war der Annalis des Accius vielleicht eine Geschichte der Jahresfeste; vgl. 0. Rib- 
beck, Gesch. der röm. Dicht. 1* p. 269. 

Parerga. Bei Nonius p. 61, 19 M. wird ein Fragment unter Accius Paret^gorum 
lib. I angeführt, welches sich auf das Pflügen und Umbrechen des Ackers bezieht; man 
hat jambische Senare hergestellt. Das Werk war wohl ein Seitenstttck zu den '^ya Hesiods, 
und daraus wird der Titel zu erklären sein. 

Praxidicus. Plin. n. h. 18, 200 adiecit his (den Vorschriften über das Säen) Attius 
in PraxidicOy ut sereretur cum luna esset in ariete, geminis, leone, libra, aquario; Zoro- 
astris seile scorpionis duodecim partes transgresso, cum luna esset in tauro. Im Quellen- 
verzeichnis zum 18. Buch lesen wir: Attius qui Praxidica scripsit, a) Die Hypothese 
O. Ribbecks. Ueber den Titel hat zuerst 0. Ribbeck, Praxidica und Parerga des Accius 
(Rhein. Mus. 41 (1886) p. 631) Licht zu verbreiten gesucht. Er geht aus von dem orphi- 
schen Hymnus auf Persephone (29, 5 Abel), wo Persephone angerufen wird : IJQa^i&ixrj . . . 
xagnotai ßQvovaa .... Ugoy ijbtfpaiyovaa ddfjiag ßXaatoTg ^XooxttQnotg ... xdgnovg &* aytinsjbtn* 
an 6 yairjs. Darnach glaubt Ribb eck, dass die Schrift nach der Göttin Praxidica benannt 
war und dass bei Plinius in Praxidica und Praxidicam zu lesen sei. Allein bei Praxidica 
denkt man doch zunächst an die rächende und strafende Göttin, und der Titel wäre daher 
für ein landwirtschaftliches Werk sonderbar, ß) Die Hypothese 0. Crusius\ W. Kroll 
(Philol. 57 (1898) p. 133) wies darauf hin, dass im Parisinus 2417 ein Kapitel ZtoQotiarQov 
xara Jlga^idutoy ns^i noXifjiov tiQocdoxiofABvov stehe. Damach glaubt 0. Crusius (Philol. 
57 (1898) p. 646), dass , Accius ein unter dem Namen des JlQa^ldixoq kursierendes, wahr- 
scheinlich hellenistisches ApoluTphon astrologischen Charakters lateinisch bearbeitet und 
nach dem vermeintlichen (Gewährsmann 'Praxidicus' genannt* habe. Weiterhin statuiert 
Crusius (p. 644), dass die Vorlage wohl gebundene Form gehabt habe und die Bearbeitung 
wohl auch in Versen erfolgt sei, wie denn auch G. Hermann (Opusc. 8 p. 391) trochäischen 
Rhythmus habe erkennen wollen. Der Titel 'Praxidicus* sei aufzufassen, wie der Titel 
'Euhemerus'. Der Name des Gedichts ist ohne Zweifel von Crusius richtig gedeutet; 
im Quellen Verzeichnis wird daher Praxidicia statt Praxidica zu lesen sein, y) Die Hypo- 
these ü. v.Wilamowitz-Möllendorffs. Auch Wilamowitz (Hermes 34 (1899) p. 637) 
stimmt der Deutung des Titels, wie sie Crusius gegeben, bei, bestreitet aber die Autor- 
schaft des Accius, indem er sagt: «Klar war eigentlich schon vorher, dass Plinius durch 
seine Bezeichnung im Autoren Verzeichnis den Dichter Accius aus Pisaurum ausschloss. 
und nun vollends kann man ihn mit der Uebersetzung nicht behelligen, deren Zeit ganz 
ungewiss bleibt. Verse konnte in der Aufzählung der Himmelshäuser nur finden, für wen 
der Dichter durch petitio principii fest stand.* — Nach dieser Darlegung kann man nicht 
mehr das erste Buch der Parerga mit dem Praxidicus identifizieren, wie dies z. B. bei 



182 



L. Acoina. (§ 50.) 



Baehrens fragm. 28 geschehen ist. Damit bricht aber auch die Hypothese 0. Ribbeoks 
zusammen, dass Parerga der Titel eines Sammelwerks gewesen sei, das alle gelehrten 
Dichtungen des Accins umfasste. Wenn Ribbeck die hohe Buchzahl der Annalen (XXVII) 
damit erklären will, dass er diese Buchzahl auf die Stelle bezieht, welche die Annalen in 
dem Sammelwerk eingenommen, so ist das willkürlich, da das Citat in keiner Weise auf 
dieses Sammelwerk hinweist; die hohe Buchzahl ist ein Irrtum der üeberliefemng. 

Sammlung der Fragmente, die nicht aus den Tragödien und Praetezten ge- 
nommen sind, bei L. Müller, Ausg. des Lucilius, Leipz. 1872, p. 303; £. Baehrens, Fragm. 
poet. Rom. p. 266; vgl. dazu L. Havet, Revue de philol. 15 (1891) p. 180. 

&0. Accins' Schriftreformen. Wie wir aus Lucilius ersehen können, 
war die Reform der Schrift lange Zeit ein sehr beliebtes Thema bei den 
Römern. Auch Accius beteiligte sich an derselben in ziemlich intensiver 
Weise; vor allem beschäftigte ihn das Problem, wie die Vokallänge durch 
die Schrift zu bezeichnen sei; er wählte für a, e, u nach dem Vorgang 
der italischen Dialekte das Mittel der Verdoppelung der Vokale, für langes i 
dagegen die Schreibung durch den Diphthongen ei. Oegen die Verdoppe- 
lungen erklärte sich im neunten Buch Lucilius, auch mit der Schreibung 
ei war er nicht einverstanden, hier wollte er Scheidung zwischen offenem 
i (ei) und dem geschlossenen i (i), welche Laute damals schon anfingen 
zusammenzufliessen.^) Diese Schriftreform des Accius ist insofern merk- 
würdig, weil sie uns zeigt, dass die italischen Dialekte jetzt auch von 
Seiten der römischen Gelehrten Berücksichtigung fanden. Ferner wollte 
Accius nach griechischem Muster gg, gc statt ng, nc geschrieben wissen, 
also .aggulus", ^agcora"; auch in der Schreibung ,scena' statt „scaena" 
und in der Form „Hectora" statt „Hectorem'' folgte er den Oriechen; 
andererseits vermied er die griechischen Buchstaben y und z. Die ortho- 
graphischen Neuerungen des Accius hatten auch das Interesse des ge- 
lehrten Varro erregt; er widmete dem Dichter höchst wahrscheinlich seine 
Schrift 9 de antiquitate litterarum'.^) 

Aus den Citaten ergibt sich nicht, dass diese Neuerungen von Accius 
nach Art des Lucilius theoretisch in einer eigenen Schrift behandelt waren; 
vielmehr wird man annehmen müssen, dass Accius dieselben nur praktisch 
in seinen Gedichten durchführte. 

Hauptzeugnis über die Schriftröformen des Accius. Marius Yictorinus 
Gramm, lat. 6 p. 8, 11 Accius cum scriberet f anguis anguies angules imponelxU, idetn 
nee z Utteram nee y in libros suos rettuiit, quod ante fecerant Naevius et Liviua; et cum 
longa syllaba scribenda esset, duas vocales ponebat, praeterquam quae in i Utteram inci" 
der et: hanc enimper e et i scribebat, — F. Ritschi, De Tocalibus geminatis deque L. Accio 
grammatico (Opusc. 4 (Leipz. 1878) p. 142). lieber diese Schri&eformen handelt auch 
A. Wilmanns, De M. Terenti Varronis libris grammaticis scripsit reliquiasque subiecit, 
Berl. 1864, p. 127. Dass eine eigene Schrift des Accius über die Schriftreformen nicht er- 
wiesen werden kann, heben Ritschi (p. 153) und L. Müller (Lucilius p. 318) hervor. 

a) Schreibung gg, gc statt ng, nc. Priscian. Gramm, lat. 2 p. 30, 12 sequente g 
vel c, pro ea g scribunt Graeci et quidam tamen vetustissimi auctores Bomanorum, euphoniae 
causa bene hoc facientes, ut Agchises agceps aggulus aggens, quod ostendit Varro in primo 
de origine linguae latinae his verbis: 'ut Ion scribit, quinta vicesima est littera quam vo- 
cant agma, cuius forma nuUa est et vox communis est Graecis et Latinis, ut his verbis 
aggulus, aggens, agguilla, iggerunt. in eiusmodi Graeci et Accius noster bina g scribunt, 
cäii n et g, quod in hoc veritatem videre facile non est; similiter agceps agcora'; vgl. 
Ritschi p. 144. Die den gleichen Gegenstand behandelnde Stelle des Marius Victorinua 



') L. Müller, Leben des Lucilius, Leipz. 
1876, p. 39; R. Thurneysen, Zeitschr. für 
vergleichende Sprachforschung 30 N. F. 10 



(1890) p. 498. 

') Vgl. oben § 47 a Absatz «Die Dauer 
seiner Lebenszeit*. 



L.AeoinB. (§ 50 a.) 183 

ist yerdorben; wir Terzeichnen folgende Heilongsversuche: Ritschi p. 148 Äeeiua cum 
ßcriberet angidus, aggulus ponebat; W. Schady, De Mari Victorini libri I capite IV quod 
inscribitor de orthograpbia pars prior, Dias. Bonn 1869, p. 16 (mit H. Usener) Accius cum 
seriberet anguis agguHs agma interponebat; H. Keil Accius, cum scriberet iigguis, non 
anguia, et tiggulus, non angulus, ng non ponebat. 

ß) Das Fehlen des z und y in den Schriften des Accius. Nach rettuiit gibt 
die Ueberlieferung in Marias Yictorinus Folgendes: quia quae ante fecerant Naevius et 
Liviua. Ritschi p. 144 schreibt: quamquam id (richtig p. 150 iUud) ante fecerant Nae* 
viu8 et Livius, Ritschi glaubt näxnlich, dass der Gebraucn von z für Livios und Naevius 
angenommen werden könne, nicht aber der von y (p. 146). H. Keil gibt im Text: quod 
ante fecerant Naevius et Livius, bemerkt jedoch im kritischen Apparat: .Rectius tarnen 
nee 9 litteram nee x scribi puto, ut Nigidius, qui in libris suis x littera non est usus 
antiquitatem sequens p. 21, 3 (der Ausgabe) Accii exempium secutus sit.* L. Müller (p. 309) 
schlagt vor: quia s duplicata et u apte videbantur exprimi, nam neque ante fecerant Nae- 
vius et Ldvius; Baehrens, Fragm. poet. Rom. p. 272: quod cteque ante fecerant Naevius 
et Ldvius; F Scholl quia neque ante fecerant Naevius et lAvius; vgl. auch y, üeber die 
Verdrängung des z durch Appius Claudius vgl. § 20. 

y) Verdoppelung der Vokale zur Bezeichnung der Vokallänge. Was die 
Ueberlieferung der Stelle bei Marius Victorinus anlangt, so fehlt et und erscheint ponebant. 
indderant, scribebant; Ritschi (p. 144) f&gt et hinzu und schreibt ponebat, ineiderent una 
scribebat, Ueber diese Schriftreform des Accius berichten auch Velins Longus Gramm, 
lat 7 p. 55, 25: nee Accium secuti sumus semper vocales geminantem, ubicumque producitur 
syllaha, quoniam expedita debet esse condicio scribendi, Scaurus Gramm, lat. 7 p. 18, 12 
primum per adieetionem iüa videntur esse vitiosa, quod Accius geminatis vocalibus scribi 
natura Ungas syUabas voluit, cum alioqui adiedo vel sublato apice longitudinis et brevi- 
taiis nota posset ostendi. Aus diesen Stellen folgt nicht mit Notwendigkeit, dass Accius 
diese Verdoppelung zuerst aufbrachte, sondern dass er sie nur in seinen Schriften konsequent 
durchführte. Wenn wir die Verdoppelung auch in Inschriften finden, die in die Blütezeit des 
Accius fallen, so dürfen wir nicht schliessen, dass durch die Autorität des Dichters diese Ver- 
doppelung zur Regel wurde, sondern dass er etwas, was bereits üblich war, streng durch- 
führte. Damit steht im Einklang, was Quintilian berichtet, dass schon vor Accius die Ver- 
doppelung vorkam; vgl. 1, 7, 14: semivocalis geminare, diu non fuit usitatissimi moris, 
atque e contrario usque ad Accium et ultra porrectcui syUabas geminis, ut dixi, vocalibtts 
scripserunt (vgl. auch 1, 4, 10). Ob aber die Doppelschreibung bereits auf Livius und Nae- 
vius zurückgeht, ist zweifelhaft; dies ist nämlich die Ansicht Seh adys, der (p. 21) schreibt: 
quod ante fecerant Naevius et Livius, cum longa syllaba scribenda esset, duas vocales ponebat, 
praeterquam quae in i litteram indderant: hanc enim per e et i scribebant. Dass Accius, 
wie es scheint, oo vermied, erklärt Ritsch 1 (p. 157) daraus, dass in dem Vorbild des 
Dichters, im Oskischen, sich kein oo fand, da hier überhaupt der Vokal o aufgegeben war; 
auch i wurde hier nicht verdoppelt. Die Ansicht Ritschis von dem Oskischen als Vorbild 
für Accius wird aber durch H. Jordan (Kritische Beitr. zur Gesch. der lat Sprache, Berl. 1879, 
p. 125) also modifiziert: ,Dass wie das Oskische, so das Umbrische, Sabellische und Etrus- 
fdsche vor der Zeit des Accius eine wenn auch sporadische, das Umbrische eine durch Inter- 
aspiration noch besonders markierte Verdoppelung langer Vokale gekannt hat, steht fest.* 

cf) Die Schreibung von scena. Varro de lingua lat. 7, 96 obscaenum dictum ab 
scaena; eam ut Oraed Accius scribit scena. Ueber die Stelle vgl. E. Norden, Rhein. Mus. 
48 (1893) p. 534. Ueber die Entstehung der Schreibung scaena vgl. Koterba p. 115 Anm. 2. 

s) Gebrauch griechischer Formen. Varro de lingua lat 10, 70 Accius haec in 
tragoediis largius a prisca consuetudine movere coepit et ad formcui graecas verborum magis 
revocare, a quo Valerius (§ 62) ait: Acdus Hectorem noUet facere, Heetora maüet. 

50a. Charakteristik. Wie Ennius war auch Accius kein Lateiner; 
aber als Umbrer stand Accius dem lateinischen Volkstum näher als der 
Messapier Ennius. Beide Dichter fanden erst in Rom den passenden 
Ort, ihr Talent zu entfalten. Zu der römischen Aristokratie trat der eine 
wie der andere in engere Beziehungen und verkündeten deren Ruhmes- 
taten; aber Ennius scheint sich in der vornehmen Welt beliebter gemacht 
zu haben als Accius, der keine schmiegsame Natur war. Von dem Be- 
wusstsein ihres Wertes war der ümbrer wie der Messapier durchdrungen; 
der erste Hess sich eine Statue bei Lebzeiten setzen, der andere ver- 
kündete selbst, dass er in dem Andenken der Menschen ewig fortleben 



184 G. Titlufl. G. Julius Gaesar Strabo. (§ 51.) 

werde. Merkwürdig ist, dass Ennius und Accius nicht bloss Dichter, son- 
dern auch Gelehrte waren; beide beteiligten sich an der Verbesserung des 
lateinischen Alphabets. Beide erforschten die Probleme, die mit ihrer Kunst 
zusammenhingen, und legten ihre Untersuchungen in eigenen Schriften 
nieder. Als Schöpfer des Hexameters erörterte Ennius prosodische und 
metrische Fragen und gab der römischen Versifikation für alle Zeiten ihre 
griechische Grundlage. Accius wendete der Poetik und der damit zu- 
sammenhängenden Litteraturgeschichte sein Augenmerk zu. In der grie- 
chischen Litteratur lebten und webten beide, und sie griffen auch nach 
entlegeneren Werken, um sie dem römischen Publikum zu verdolmetschen. 
Als Dichter ist Ennius vielseitiger als Accius; beide sind dramatische 
Dichter, und zwar ist es eine Gattung, die Tragödie, in der sie schöpferisch 
auftraten; denn Accius hat die Komödie gänzlich beiseite gelassen, Ennius 
sie nur gestreift. Die Fruchtbarkeit des Accius in der tragischen Kunst 
war grösser als die des Ennius; auch scheint der ümbfer in der 
Formgebung den Rudiner überflügelt zu haben. Allein der genialere 
Dichter ist doch Ennius, denn er hat richtig erkannt, dass nur der ein 
wahrer Dichter der Römer sein könne, der aus dessen Volkstum seine 
Nahrung ziehe. Es lässt sich nicht leugnen, dass auch für die dramatische 
Dichtung die römische Geschichte Stoff in Hülle und Fülle bot; beide 
Dichter haben diesen Stoff in ihren Praetexten ausgenutzt. Aber der 
Baum der Poesie wollte hier keine rechten Blüten treiben; nur das Epos, 
das in den alten Heldenliedern einen nationalen Stützpunkt fand, führte 
auf die richtige Bahn, und diese hat Ennius in den Annalen, welche die 
glänzende römische Geschichte besangen, ruhmreich betreten und damit 
den Accius weit aus dem Felde geschlagen. 

8. C. Titius und C. Julius Caesar Strabo. 

51. Symptome des Niedergangs der Tragödie. Reinerhaltung der 
Gattung gilt als ein oberstes Gesetz im litterarischen Schaffen des Alter- 
tums. Dieses Gesetz verletzte in der Tragödie C. Titius, der zugleich 
Redner war; von seinen Reden ist diejenige bekannt, welche er als junger 
Mensch im Jahre 161 für das Luxusgesetz des Fannius hielt; daraus ist 
uns die berühmte Stelle erhalten, welche einen Richter schildert, der noch 
halbtrunken von einem Gelage zur Sitzung sich begibt, dort mit Wider- 
willen die Zeugen und Advokaten anhört und sich bei seinen Genossen 
beklagt, dass ihn die langweilige Geschichte vom Trunk und Mahl abhalte. 
Das Fragment zeigt einen Meister in der Kunst zu charakterisieren. Seine 
dichterische Tätigkeit kann nur nach den Aeusserungen Ciceros beurteilt 
werden; denn lediglich einen Tragödientitel «Protesilaus*' können wir 
ihm mit sehr zweifelhafter Berechtigung zuschreiben. Von seinem Stil 
sagt aber Cicero, dass er den tragischen Charakter verleugnete; denn das 
Zugespitzte, Witzige in seinen Reden übertrug er auch in seine Tragödien; 
es ist daher nicht zu verwundern, wenn ihn der Togatendichter L. Afra- 
nius sich zum Muster nahm. Den tragischen Ton wusste auch C. Julius 
Caesar Strabo (f 87) nicht recht anzuschlagen; er war zu gleicher Zeit 
mit Accius tätig, aber es scheint eine gewisse Spannung zwischen beiden 



C. TitiuB. C. Julins Caesar Strabo. (§ 51.) 185 

Dichtern bestanden zu haben, wenigstens wird erzählt, dass Accius vor 
denn vornehmen Mann nicht aufstand, wenn derselbe in der Dichterzunft 
erschien.^) Wie Titius, so war auch Julius Caesar Strabo Redner und 
Dichter zugleich. Als Redner gehörte er zu den berühmtesten Sachwaltern, 
auch dem Tragödiendichter spendet Asconius Lob. Sechs Reden können 
wir von ihm nachweisen, darunter die Rede gegen T. Albucius wegen Er- 
pressung (103), die gegen den Volkstribunen G. Scribonius (90) und die 
gegen den Volkstribunen P. Sulpicius Rufus (88). Tragödien von ihm kennen 
wir drei: Adrastus, Teuthras, Tecmesa; von den uns erhaltenen Fragmenten 
gehören zwei dem Adrastus und eines dem Teuthras an. Sein Stil prägte 
sich nach dem Urteil Ciceros in gleicher Weise in seinen Tragödien wie 
in seinen Reden aus, es war , Anmut ohne Kraft" (lenitas sine nervis). 
Diese Anmut arbeitete aber auf Ausgleichung der Gegensätze hin, so dass 
er das Tragische fast komisch, das Traurige milde, das Ernste heiter be- 
handelte, kurz Ernst und Scherz miteinander verband. Diese Art der Dar- 
stellung war eine ganz neue. 

Zeugnisse über G. Titius. Gic. Brutus 45, 167 eiusdem fere temporis (wie M. An- 
tonius und L. Grassus) fuit eques Romanus C, Titius, qui meo iudicio eo pervenisse videtur, 
quo pctuit fere kUinus orator sine grctecis litteris et sine multo usu pervenire. huius ora^ 
tiones tanium argutiarum, tantutn exemplorum, tantum urhanitatis habent, ut paene cUtico 
stilo scriptae esse videantur, easdem argutias in iragoedias satis quidem iUe acute, sed 
parum tragice transtulit. quem studebat imitari L. Afranius poeta, homo perargutus, in 
fabufis quidem etiam, ut scitis, disertus. Fronte p. 20 Naber contigisse quid tale M, Porcio 
aut Q, Ennio aut C. Graccho aut Titio poetaef Macrob. Sat. 3, 16, 14 C, Titius, vir aetatis 
Lucilianae, in oratione qua legem Fanniam suasit. Bei dem Atellanendicbter Novius (0. Rib- 
beck, Gomic. Rom. fragm., Leipz.' 1898, p. 321 Vs. 67) wird nee umquam vidit rostrum in 
tragoedia tantum Titi <the<Urum> auf unseren Titius bezogen; vgl. F. Buecbeler, Gon- 
iectanea latina (Ind. lect. Greifswald 1868/69 p. 8). — Haym, De G. Titio, Progr. Lauban 
1832; 0. Ribbeck, Gesch. der rOm. Dicht. V (Stuttgart 1894) p. 189. 

Die Zeit des G. Titius. Da die lex Fannia ins Jahr 161 fällt, andererseits 
L. Grassus 140 — 91, M. Antonius 148 — 87 lebten, meinten einige Gelehrten, es lägen hier 
über die Lebenszeit des Titius widersprechende Angaben vor. Um diesen vermeintlichen 
Widerspruch zu beseitigen, statuierte man Verschiedenheit der Personen bei Gicero und 
Macrobius. L. M aller (Q. Ennius, Petersb. 1884, p. 97) behauptet, dass sich Macrobius im 
Namen geirrt habe; E. W. Piderit (Ausg. des Brutus, erkl&rende Indices s. v. Titius) greift 
zur unwahrscheinlichen Vermutung, dass zwei Titii anzusetzen seien. Teuffei- Schwabe 
§ 141, 7 vermutet, dass sich Macrobius nur in dem Namen des Gesetzes geiirt und dass 
Titius für eine spfttere lex sumptuaria gesprochen habe. A. Gima (L' eloquenza latina 
prima di Gicerone, Rom 1903, p. 137) trägt folgende unwahrscheinliche Hypothese vor: 
,Avendo Gicerone crednto erroneamente .... che il console del 122, G. Fannio, fosse figlio 
di Caio, egli confuse questo col G. Fannio figlio di Gaio, console del 161, e a lui, invece 
che all' al&o, attribui la legge suntuaria sostenuta da Tizio. In tal caso, Tizio poteva 
esser nato una ventina di anni prima ed esser quindi coetaneo di Grasso ed Antonio, nati 
r uno nel 140 e 1* altro nel 143." Wenn Titius im Alter von etwa 25 Jahren die lex Fannia 
des Jahres 161 verteidigte, war er um 186 geboren, konnte also von Macrobius als vir 
aetatis Ijucilianae bezeichnet werden, denn Lucilius lebte von 180 — 102 (§ 56). Wenn aber 
Titius 70 Jahre alt wurde, also das Jahr 116 erreichte, so konnte er als ein Mann eiusdem 
fere temporis^ wie Antonius und Grassus, aufgeführt werden. 

Titius' Reden und Tragödien, n) Reden. Das von Macrobius mitgeteilte, höchst 
interessante Bruchstück, das Th. Mommsen (Rom. Gesch. 2" p. 403) übersetzt hat, beweist 
zwar nicht das, was Gicero von den Reden des Titius aussagt, aber es beweist, dass der 
Redner höchst dramatisch zu gestalten weiss, also dichterisch beanlagt ist. — H. Meyer, 
Grat. Rom. fragm., Zürich* 1842, p. 203. ß) Tragödien. Bezüglich eines für Titius in 
Anspruch genommenen Titels einer Tragödie bemerkt 0. Ribbeck, Die röm. Tragödie, 
Leipz. 1875, p. 326: «Für sehr unsicher muss eine Notiz des Antonius Vulscus zur 13. ovi- 
dischen Heroide erklärt werden, dass Pacuvius und sein etwas jüngerer Zunftgenosse Titius 



») Valer. Max. 3, 7, 11 (vgl. oben p. 176). 



186 Charakteristik dar rOmiaohen Tragödie. (§ 52.) 

Tragödien des Namens Protesilaos gedichtet haben, ans der Vieles in lenen Brief der Lao- 
damia übertragen sei/ Den oben ausgeschriebenen Vers des Novins erklärt Bibbeck (1. c. 
p. 613) also: «Es scheint, dass Titius das Mondstflck der tragischen Maske, welches auf 
den uns erhaltenen Exemplaren im Vergleich zu denen der KomOdie weniger breit geOffiiet 
ist und namentlich die mnschelartige Ausweitung entbehrt, aus gewissen akustischen Grfln- 
den, vielleicht um den Ton weniger hohl erscheinen zu lassen, vergrösserte, also auch hierin 
sich der Komödie näherte.' Dagegen erklärt Buecheler p. 4: .(Titi) tragoediis rostra 
ista ingentia quibus immodestam oratoriae facultatis profusionem illudi putamus satis 
apte conveniunt." Ueber die Nachahmung des Titius durch Airanius vgl. die oben mit- 
geteilte Stelle Ciceros. Die Nachahmung wird sich nicht nur auf die Tragödien, sondern auch 
auf die Reden erstreckt haben; eine Gerichtsscene, wie sie Vs. 216 der Materterae voraussetzt, 
bot dem Dichter Afranius Anikas, in seinen Togaten auch die Reden des Titius nachzuahmen. 

Biographisches aber C. Julius Caesar Strabo. CiL I* p. 198 C. Julius L, F, 
Caesar Strabo aed, cur. tr, ntil. bis Xvir agr, dand. adtr, iud, pofitif. a) Name. Marius 
VictorinuB Gramm, lat. 6 p. 8, 8 Julius Caesar, qui Vopiscus et Strcibo et Sesquiculus dietus 
est, Varro r. r. 1, 7, 10 Caesar Vopiscus. ß) Amtliche Laufbahn. Seine curulische 
Aedilität fällt ins Jahr 90 (vgl. Cic. Brutus 89, 805). üeber Xvir agr. dand. adtr, iud. vgl. 
Th. Mommsen, Rom. Staatsrecht 2* (Leipz. 1887) p. 638 Anm. 4. Cic. Philipp. 11, 5, 11 
Caesar Vopiscus ille summo ingenio, summa potentia, qui ex aedilitate consulatum petit, 
solvaiur legibus, y) Sein Tod. Cic. Brutus 89, 807 occiderat Sulpicius ülo anno tresque 
proxumo (87) trium aetatum oratores erant crudelissime interfecti Q. Catulus M. Antonius 
C. Julius; vgl. de or. 3, 8, 10. — W. Drumann, Gesch. Roms 8* (Leipz. 1906) p. 123. 

Zeugnisse aber die litterarische Wirksamkeit Caesar Strabos. Cic. Brutus 
48, 177 festivitate et facetiis C. Julius L. F. et superioribus et aequalibus suis omnibus 
praestUit oratorque fuit minume ille quideni vehemens, sed nemo umquam urbanitate, nemo 
lepore, nemo suavitaie eonditior. sunt eius aliquot ortUiones, ex quibus, sicut ex eiusdem 
tragoediis, lenitas eius sine nervis perspiei potest. Tusc. 5, 19, 55 C. Caesaris, in quo mihi 
videtur specimen fuisse humanitatis, salis, suavitatis, leporis. De or. 3, 8, 80 quid, noster 
hie Caesar nonne novam quandam rationem attulit orationis et dicendi genus induxU prope 
singulare? quis umquam res praeter hunc tragicas paene comice, tristes remisse, severas 
hüare, forenses scaeniea prope venustate tractavit atque ita, ut neque iocus magnitudine 
rerum excluderetur nee gravitas facetiis minuereturf Vgl. noch 2, 28, 98; de off. 1, 87, 138. 
Asconius p. 22 K.*Sch. idem (C. Julius) inter primos temporis sui oratores et tragicus poeta 
bonus admodum habitus est; huius sunt enim tragoediae, quae inscribuntur Juli, a) Reden. 
Cic. Brutus 89, 805 C. etiam Julius aedilis curulis cotidie fere accuratas contiones habebat. 
57, 207 von den gesuchten Anwälten sprechend: horum (Äntoni et Crassi) qui neutrum 
hcAebat, eonfugiebat ad Philippum fere aut ad Caesarem; vgl. 88, 301. — Die Fragmente 
bei H. Meyer, Orat. Rom. fragm., Zarich* 1842, p. 330. ß) Tragödien. Die Fragmente 
bei 0. Ribbeck, Tragicorum Rom. fragm., Leipz.' 1897, p. 268. Ueber die drei Stttcke 
Adrastus, Teuthras und Tecmesa vgl. denselben, Die röm. Tragödie, Leipz. 1875, p. 614. 



52. Bückblick. Charakteristik der römischen Tragödie. Wenn 
wir auf die Entwicklung der Tragödie zurückblicken, so sehen wir sie in 
fortwährendem Aufsteigen bis auf Accius. Livius führte die übersetzte 
Tragödie ein, ihm werden wir die Gestaltung der metrischen Gesetze im 
wesentlichen zuzuschreiben haben. Stil und Gomposition der Tragödie 
fanden ihre Vollendung durch Ennius, Pacuvius und Accius; besonders mit 
Accius war der Kulminationspunkt des tragischen Schaffens erreicht; aber 
bereits zu seiner Zeit zeigten sich Symptome des Niedergangs der tragi- 
schen Poesie, und bald erlosch fast gänzlich die tragische Produktion. 
Dass sich die Stoffe der alten griechischen Sage erschöpfen mussten, ist 
nicht verwunderlich. Allein damit erklärt sich der Verfall der Tragödie 
nicht vollkommen; das Wesentliche ist, dass den Römern im grossen 
Ganzen jene feinere und edlere Bildung, welche zum Genuss der tragi- 
schen Schönheit befähigt, abging; das Theater war den meisten viel mehr 
eine Quelle der Erholung als eine Quelle der Erhebung. Interessant ist, 
was wir im Prolog des Amphitruo (Vs. 51) lesen: als der Prologsprecher 
das Wort .Tragödie" in den Mund nahm, runzelten die Zuschauer die 



Charakteristik der rOmiachen Tragödie. (§ 52.) 



187 



Stirn. ^) Die komisehe Produktion überragt daher die tragische um ein 
Beträchtliches. Im Jahre 105 trat überdies ein Ereignis ein, welches der 
gesamten dramatischen Dichtung recht schädlich werden sollte: in diesem 
Jahre wurden nämlich unter den Konsuln P. Rutilius Rufus und C. Manlius 
die Gladiatorenspiele zu einer staatlichen Feier erhoben;*) durch den häu- 
figen Anblick solcher Metzeleien musste das Gefühl der Zuschauer un- 
gemein verwildern und für Aufnahme edlerer Dichtungen unempfänglich 
werden. 

Es wird hier der geeignete Ort sein, von der römischen Tragödie 
ein allgemeines Bild zu entwerfen. Wie die Komödien, so waren auch die 
Tragödien, wenn man von den wenigen Praetextae absieht, üebersetzungen ; 
bei diesen Üebersetzungen war es aber niemals auf genaue, wörtliche 
Uebereinstimmung abgesehen. Da die Tragödie sich in einer gehobenen, 
der Alltäglichkeit abgewandten Sphäre bewegt, muss dem entsprechend 
die Sprache einen gewissen Schwung erhalten; die Nachlässigkeiten der 
Volkssprache, die sich der Komödiendichter gestatten kann, sind hier aus- 
geschlossen. Für Anwendung rhetorischer Figuren bietet sich dem tragi- 
schen Dichter vielfach Gelegenheit. Oft begnügte sich aber der Dichter 
nicht mit der blossen Tätigkeit des freien Uebersetzens, sondern nahm 
selbständige Aenderungen am Originale vor; wir können dies mehrfach 
nachweisen; hier möge auf das Zeugnis Ciceros") hingedeutet sein, der 
uns berichtet, dass Pacuvius die Scene der Niptra, in der Sophokles den 
verwundeten Odysseus furchtbar jammern lässt, änderte; die Klagen des 
Odysseus erschienen dem Römer unmännlich. Ziemlich weitgehend waren 
die Aenderungen in den Massen, so wurden z. B. oft die Trimeterpartien 
in trochäische Tetrameter umgesetzt; dann wendeten die Römer auch 
Metra an, welche den Griechen ganz unbekannt waren. Auch Spuren der 
Contamination sind vorhanden. Am durchgreifendsten war die Abweichung 
zwischen der Bearbeitung und dem Original in Bezug auf den Chor. Dass 
ein solcher sowohl in der Tragödie als in der Praetexta vorhanden war, 
kann nicht bezweifelt werden; die Titel der Stücke, sowie auch erhaltene 
Fragmente erweisen dies. Allein seit der Zeit der grossen Tragiker war 
mit dem Drama eine bedeutende Veränderung vor sich gegangen; der 
Chor, aus dem sich das Drama herausgebildet hatte, war stark in den 
Hintergrund gedrängt worden, und es ist wahrscheinlich, dass die Tra- 
gödie der hellenistischen Zeit auf den Chor gänzlich verzichtete, wie die 



^) Aaf eine analoge moderne Erscheinung 
macht Grillparzer (SämÜ. Werke 9. Bd., 
Stattg.* 1874, p.211) aufmerksam; er erzfthlt, 
dBBS bei einer Anfftthrung eines Shakespeare- 
sehen Stflckes der Londoner Pöbel fortwäh- 
rend Iftrmte, dagegen bei der nachfolgenden 
Posse die grOeste Aufmerksamkeit an den 
Tas leate. 

') F, Bnecheler (Rhein. Mus. 38 (1883) 
p. 478) hat dieses Faktum aus Ennodins 
p. 284 Hartel gewonnen: Rutiliutn et Man- 
lium camperitnus gkutiatarium eonflictum 
magistrante populis Providentia contuliese, 
ut inter theatraUa caveas plebs diutuma pace 



po88e8sa ^id in acte gereretur agnoseeret. 
Er bemerkt noch: «Zehn Jahre vorher war 
alle ars ludicra nicht einheimischen Ursprungs 
aus Rom ausgewiesen worden (Gassiodor chron. 
z. J. 639/115); es offenbart sich in dieser 
ganzen Periode so mannigfach, besonders 
auch in ihren Schauspielen ein Antagonismus 
gegen die mit dem Griechentum verwachsene 
feinere und edlero Art, ein gewisser RAck- 
fall in die Roheit des itiüischen Natur- 
menschen; auch die staatliche Aufnahme 
jener Metzeleien kann ein Symptom davon 
scheinen.' 

») Tusc. 2, 21, 49. 



188 



Charakteristik der römischen Tragödie. (§ 52.) 



neuere Komödie. Als die Aufführung der Dramen in die Hände von Schau- 
spielertruppen kam, lag es ja in deren Interesse, die Chorpartien anfangs 
zurücktreten und später ganz fallen zu lassen. Dieses Vorbild der spä- 
teren Tragödie musste natürlich auf die römischen Dichter wirken, als 
sie darangingen, die Werke der alten griechischen Meister zu übertragen; 
sie konnten sich in der Art helfen, dass sie die Chorlieder in Monodien 
und in Wechselgesänge zwischen einzelnen Personen umsetzten.^) Auf 
diese Weise Hess sich ein grosser Teil des Chors durch Statisten ersetzen. 
Es ist fraglich, ob überhaupt die ältere römische Tragödie einen eigent- 
lichen Chorgesang kannte; dieser ist erst seit Ciceros Zeit bezeugt. Der 
Chor hat seine Haupttätigkeit in den Zwischenakten, allein mitunter gri£F 
er auch in die Handlung ein; auch Ab- und Zugehen fand statt. 

Wie die Komödie, so zerfiel auch die Tragödie in zwei Partien: Di- 
verbia (Deverbia) und Cantica. Wenn wir das, was über die Vortrags- 
weise der beiden Partien in der Komödie ermittelt ist, auf die Tragödie 
übertragen') dürfen, so ist der umfang der Cantica grösser, als man bisher 
angenommen hat, indem nicht bloss die gesungenen Partien, sondern auch 
die zur Musikbegleitung gesprochenen dazu gehörten. Für reine Dekla- 
mation waren nur die jambischen Senare bestimmt, die anderen trochä- 
ischen und jambischen Verse (Septenare, jambische Oktonare) dagegen 
wurden unter Flötenbegleitung gesprochen. Was den Vortrag der in freien 
lyrischen Massen abgefassten Cantica anlangt, so wird uns berichtet,") dass 
solche von einem eigenen Sänger zur Flötenbegleitung gesungen wurden, 
während der Schauspieler sich auf die Gestikulation beschränkte. Allein 
dies kann sich nur auf die Monodien bezogen haben und wird selbst da 
nicht stete Regel gewesen sein. 

Als Ableger der Tragödie lernten wir die Praetexta kennen. Nae- 
vius machte den kühnen Versuch, statt der übertragenen Tragödie eine 
originale zu schaffen, und begründete so das historische Schauspiel, die 
Praetexta; ihm folgten Ennius, Pacuvius und Accius. Zu einer rechten 
Blüte wollte indes diese Spielart des ernsten Dramas sich nicht entwickeln; 
sie blieb auf einzelne Versuche beschränkt und fungierte vorzugsweise 
als patriotisches Gelegenheitsstück bei den Triumphalfeierlichkeiten. Es 
bleibt dies eine merkwürdige Erscheinung, denn die römische Geschichte 
mit ihren grossen Taten hätte dem dramatischen Dichter den dankbarsten 
Stoff dargeboten; wie wirksam dieser hätte verarbeitet werden können, 
zeigen uns moderne Römertragödien. Doch greift auch die spätere Zeit 
noch hie und da zu der Praetexta; so wird uns von Asinius PoUio be- 
richtet, dass der Caesarianer L. Cornelius Baibus einen Akt aus seinem 
politischen Leben zu einer Praetexta verarbeitete und in Gades aufführen 
liess. Er hatte nämlich den Auftrag erhalten, den Konsul L. Cornelius 
Lentulus, der aus Rom geflohen war, zur Rückkehr nach Rom zu be- 
wegen. Die Reise, die Baibus zu diesem Zwecke unternahm, war der 



^) Vgl. aber das Verfahren des Ennius in 
seiner Medea F. Leo, Plaut. Forsch, p. 85: 
,Alle sicheren Beispiele gesungener Verse in 
den Tragödienfragmenten des Ennius sind 
aus Monodien; alle sicheren Chorverse der 



Originale sind in Dialogverse Übertragen." 

«) Th. Bergk (Kl. philol. Sehr. 1 p. 199 
Anm. 7) überträgt es auch auf die grie- 
chische Tragödie. 

») Vgl. Liv. 7, 2. 8 (oben p. 59). 



Charakteriatik der römisohen Tragödie. (§ 52.) Igg 

vornehmliche Gegenstand seines Stückes, das ihn bei der Aufführung zu 
Tränen rührte. 

Wir müssen es sehr bedauern, dass uns keine Praetexta aus der 
republikanischen Zeit erhalten ist. Jetzt sind wir einzig und allein auf 
ein Stück aus der Kaiserzeit, die Octavia, angewiesen. Aber selbst diese 
Dichtung, welche in das düstere Leben Neros hineingreift, erregt noch 
unser Interesse in hohem Grade. 

Allgemeine Litteratur über die Tragödie. A. G. Lange, Vindiciae tragoediae 
Romanae, Leipz. 1822 = Verm. Sehr., Leipz. 1832, p. 15; M. Patin, j^tudes sur la po^sie 
latine 2* (Paris 1875) p. 104; 0. Ribbeck, Die röm. Tragödie im Zeitalter der Republik, 
Leipz. 1875 (vgl. bes. p. 682: Die Kunstform der älteren r5m. Tragödie); Gesch. der röm. 
Dichtung 1* (Stuttgart 1894) p. 195; L. Malier, Q. Ennins; eine Einleitung in das Studium 
der röm. Poesie, St. Petersb. 1884, p. 75; W. Y. Sellar, The Roman poets of the republic, 
Oxford* 1889, p. 120. — Die Fragmente bei 0. Ribbeck, Scaenicae Romanorum poesis 
fragmenta vol. 1: Tragicorum Romanorum fragmenta, Leipz.' 1897. 

Das Verhältnis der Uebertragungen zu den Originalen. Th. Bergk, KL 
philol. Sehr. 1 (Halle 1884) p. 225. 

Ueber die Sprache der Tragödie. C. Horstmann, De reterum tragicorum 
Romanorum lingua, Diss. MQnster 1870. 

Zeugnisse über den Chor in der röm. Tragödie. Cic. de or. 8, 50, 196 at in 
his (numeris) si paullum modo offensum est, ut aut contractione brevius fieret aut produc- 
Hone longius, theatra tota reclamani, quid, hoc non idem ftt in voeibtia, ut a muUitudine 
et populo non modo caiervae cUque concentus, sed etiam ipsi aibi singuli diacrepantes eiici- 
antur? Diomedes Gramm, lat. 1 p. 491, 27 in choris numerus personarum definitus non 
est, quippe iunctim omnes loqui debent, quasi voce confusa et concentu in unam personam 
reformantes. p. 492, 10 quando chorus canebat, choricis tibiis, id est chorauJicis, artifex 
coneinebat, in cantico autem pythaulicis responsabat .... siquando monodio agebat, unam 
tibiam inflabat, siquando synodio, utrasque. Columella 12, 2, 4 ubi chorus canentium non 
ad certos modos neque numeris praeeuntis magistri consensit, dissonum quiddam ac tumul- 
tuosum audieniibus canere videtur. Ueber den Chor handelt Horaz de arte poet. Vs. 193. 

Litteratur ttber den Chor der röm. Tragödie. G. J. Grvsar, Ueber das Canti* 
cum und den Chor in der röm. Tragödie (Sitzungsber. der Wien. Akad. der Wissensch. 15 
(1855) p. 365); 0. Jahn, Hermes 2 (1867) p. 227; E. Capps, The chorus in the later greek 
drama with reference to the stage question (American Journal of archaeology 10 (1895) 
p. 297); F. Leo, Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 85; W. Dörpfeld und E. Reisch, Das griech. 
Theater, Athen u. Leipz. 1896, p. 262; vgl. auch Pauly-Wissowas Realencycl. Bd. 3 Sp. 2403; 
E. Bethe, Prolegomena zur Gesch. des Theaters im Altertum, Leipz. 1896, p. 251. Ueber 
den Chor in den Tk^ödien Senecas vgl. F. Leo, Die Composition der Choriieder Senecas 
(Rhein. Mus. 52 (1897) p. 509). 

Zeugnisse ttber die Praetexta. Paulus p. 223 0. M. praetextae appeUantur, quae 
res gestas Romanorum continent scriptas. Diomedes Gramm, lat. 1 p. 489, 23 prima species 
est togatarum quae praetextatae dicuntur, in quibus imperatorum negotia agebantur et 
publica et reges Romani vel duces inducuntur, personarum dignitate et [personarum\ subli- 
mitate tragoediis simiUs. praetextatae autem dicuntur, quia fere regum vel magistraiuum 

qui praetexta utuntur in eius modi fabulis acta comprehenduntur togata praetextata 

a tragoedia differt, quod in tragoedia heroes inducuntur .... in praetextata autem quae 
inscrihitur Brutus vel Decius, item Marcellus, Donat. de comoedia p. 25 Wessner tragoedia, 
si latina argumentatio sit, praetexta dicitur, Euanthius p. 21 Wessner praetextatas a dig- 
nitate personarum tragicarum ex latina historia. Lydus de mag. 1, 40 (ij tQaytadia) xif*- 
yetai eig XQtjnidatay xai nQuire^taiay * wy rj fi^y xQijmddia ^XXrjyixas l/e^ vnof^eamf 17 
da ngmie^täta ^(OfiniCxag. Crepidata ist das latinisierte xQijni^ und wird wohl im Sinne 
von cothumus zu verstehen sein; vgl. 0. Crusius, Philol. 48 (1889) p. 704. Die scharfe 
Scheidung der Tragödien in crepidato und praetexta kennt Donat. zu Toren t. Ad. prol. 7 
nicht, wo es heisst: euius (fabulae) species sunt tragoedia, comoedia, togata, tabernaria, 
praetexta^ crepidata, Atellana, fÄTfjLog, Rinthonica. Seneca (epist. mor. 8, 8) nennt die Prae- 
textae allgemein togaiae: non adtingam tragicos nee togatas nostras, ?iabent enim hae 
quoque aliquid severitatis et sunt inter comoedias ac tragoedias mediae. Auch tragoediae 
konnten die Praetextatae. genannt werden. Von den beiden vorkommenden Formen prae- 
texta und praetextata ist praetexta die in der klassischen Zeit gebräuchliche; vgl. Cic. epist. 
ad fam. (Asinins Pollio) 10, 32, 3 u. 5; Horat. de arte poet. 288. 

Litteratur über die Praetexta. F. Scholl, Eine Tragödie aus Roms Kaiser- 
zeit (Im neuen Reich 8 (1878) 2 p. 121); K. Meiser, Ueber historische Dramen der R'^'^ — 



190 Fabnla togata. (§ 58.) 

Festrede geh. in der Manchener Akad., Manchen 1887; A. Schöne, Das historische National- 
drama der Römer, die fahula praetexta, Kiel 1893; G. Boissier, Les fahnlae praetextae 
(Revue de philol. 17 (1893) p. 101); H. Reich, Ueher die Quellen der ftltesten röm. Gesch. 
und die röm. Nationaltragödie (Sonderahdr. aus der Festschr. zum 70. Gehurtstage 0. Schades, 
Königsberg i. Pr. 1896). Vgl. auch R. Scholl, Comment. Woelfflinianae, Leipz. 1891, p. 395. 

Die namentlich angefahrten Praetextae sind zusammengesitellt bei 0. Rib- 
beck, Tragicorum Rom. fragm.' p. 385, die Fragmente ebenda p. 821. Ueber die Praetextae 
des Naevius vgl. § 27, aber die des Ennius § 37, aber die des Accius § 48, aber eine des 
Pacuvins §40. Ueber die Praetexta Aeneas des Pomponius Secundus vgl. §381. Ueber 
Cato und Domitius des Curiatius Matemus Tgl. § 402. Ueber die Octavia vgl. § 880. 

Die Praetexta des L. Cornelius Baibus. Asinius Pollio bei Cic. epist. ad fam. 
10, 32, 3 aus dem Jahre 48 {BMus quaestor) ludis (zu Gades) praetextam de suo itinere 
ad L. Lentiäum procot. 8ollicitandutn posuü, et quidem, cum ageretur, flevit memoria verum 
gestarum commotua .... (§5) priutextam, si volee legere, Gallum Cornelium, familiärem 
meum, poseito, A. Schöne (Coniectanea critica, Kiel 1894, p. 8) schreibt compoeuit statt 
posuit] vgl. dagegen H. Weil, Revue de philol. 18 (1894) p. 153. Wie man ponere vom 
Auftischen der Gerichte gebraucht, so wird hier das Yerbum vom Vorfahren eines Dramas 
angewendet; es steht also statt docuit mit einer geringschfttzigen Nebenbedeutung. Dass 
Baibus die Geschichte seiner Reise zu Lentulus selbst schilderte, hätte G. Boissier (Revue 
de philol. 17 (1893) p. 102) nicht bezweifeln sollen. Der Titel des Stackes war wohl 
Iter. Ueber den Inhalt vgl. 0. Ribbeck, Gesch. der röm. Dichtung 1' p. 194; F. Marx, 
Lucil. 2 p. 45. 

Spuren der Praetexta. Wie einst B. G. Niebuhr Spuren epischer Lieder bei 
den römischen Historikern nachging, so hat man neuerdings nicht ohne Grund auch Spuren 
der Praetextae bei denselben zu finden geglaubt. 1. 0. Ribbeck (Rhein. Mus. 36 (1881) 
p. 321) machte auf den dramatischen Charakter in der Erzfthlung der Eroberung von Veü 
bei Livius (5, 21, 8) und besonders auf die charakteristischen Worte haee ad ottentationem 
scaenae gaudentis miraeulis aptiara aufmerksam. Schöne verfolgt diesen Gesichtspunkt 
weiter (p. 13) und erschliesst zwei weitere Praetextae: 2. Dionys. antiqu. 3, 18 ra fieta 
ravTtjy yiyofieya 7td9r] ^eajQixats ioixoja neginsteiaif /arj ^<f9vu<of dieX&eiy (Ge- 
schichte der Horatier und Guriatier); 8. 9, 22 fÄv9oig Sij xavta ye xai nXaauaatv loixc 
SBttTQixoii (Fabiersage). 4. 0. Jahn (Der Tod der Sophoniba, Bonn 1859) hat ein pom- 
peianisches Wandgemälde (vgl. Visconti, Iconographie grecque pl. 56) auf den Tod der 
Sophoniba gedeutet und mit einer Praetexta in VeA>indung gebracht (p. 12); allein diese 
Deutung ist sehr zweifelhaft; vgl. J. J. Bernoulli, Röm. Ikonogr. 1 (Stuttg. 1882) p. 56. 
5. Ueber eine Praetexta Porcia vgl. Th. Mommsen, Hermes 15 (1880) p. 102. 6. Ovid. 
fast. 4, 326 mira sed et acaena testificata loquar {Claudia). 

9. Titinius, T. Quinctius Atta, L. Afranius. 

53. Das lateinische Originallustspiel (Fabula togata). Wir rufen 
uns die Worte des Horaz^) ins Gedächtnis: 

Nil intemptatum nostri liquere poetae, 
nee minimum meruere decus vestigia graeea 
ausi deserere et eelebrare domestica facta, 
vel qui praetextas vel qui docuere togatas. 

Wie in der Tragödie neben den üebersetzungen aus dem Griechischen 
eine Originalform in der Praetexta sich herausbildete, so erscheint auch in 
der Komödie neben den übersetzten StQcken (fabulae palliatae) das Original- 
lustspiel, die fabula togata, in der die Darstellenden nicht das griechische 
Pallium, sondern die römische Toga trugen. Das nationale Schauspiel ver- 
danken wir Naevius; vielleicht hat er auch fQr das lateinische Original- 
lustspiel den Weg gewiesen; die Tunicularia wenigstens zeigt in ihren 
Fragmenten Verwandtschaft mit der Togata. Allein die nächste Zeit nach 
Naevius hatte noch genug mit den griechischen Üebersetzungen zu tun; 
erst nachdem hier eine Ermattung eingetreten war, versuchte man sich 
in selbständigen Schöpfungen. Das neue Produkt charakterisiert sich da- 

') De arte poet. 285. 



FabnlA togata. (§ 53.) 191 

durch, dasB es nicht mehr üebersetzung, sondern Nachdichtung ist. 
Allein auch diese Neuschöpfung bewegt sich durchaus in dem Rahmen 
des griechischen Intriguenstücks; der Schauplatz der frei erfundenen Hand- 
lung ist aber nicht mehr Griechenland, sondern Italien, die Familie nicht 
mehr die griechische, sondern die lateinische. Die Latinisierung der Fa- 
milie ist dadurch gekennzeichnet, dass der listige Sklave, der seinen Herrn 
übertölpelt, als dem römischen Gefühl widerstreitend ausgemerzt wird, und 
dass das weibliche Element der Familie stärker hervortritt. Es ist selbst- 
verständlich, dass die Titel heimisches Gepräge tragen, und dass auch 
die griechischen Brocken, die aus dem Original manche Uebersetzer der 
Palliata beibehalten, hier keinen rechten Platz mehr hatten. Im Selbst- 
gefühl des Lateiners spricht ein Togatendichter (Vs. 104) verächtlich sogar 
von den Leuten, welche oskisch und volskisch sprechen, da sie das Latein 
nicht kennen. Wir beklagen es sehr, dass von diesen lateinisches Leben 
darstellenden Stücken keines auf die Nachwelt gekommen ist; wir können 
daher nur aus den Titeln und wenigen unzusammenhängenden Fragmenten 
ein dürftiges Bild gewinnen. 

Allgemeine Litteratar fiber die fabala togata. J. H. Nenkirch, De fabnla 
togata Romanomm; acceduot fabolarum togatanun reliquiae, Leipz. 1833; Th. Mommsen, 
Rom. Gesch. 1« p. 904; 2« p. 436; 0. Ribbeck, Gesch. der r&m. Dichtong 1' (Stuttgart 1894) 
p. 201. Die Fragmente bei 0. Ribbeck, Comicomm Rom. fragmenta, Leipz.' 1898, p. 157. 

Die Terminologie, a) Fabula togata wird im allgemeinen Sinn gebraucht und 
bezeichnet in diesem FaU jedes Drama, das nicht aus dem Griechischen übertragen ist 
In diesem allgemeinen Sinn versteht Diomedes (Gramm, lat. 1 p. 489, 23) die fabula togata 
und rechnet zu ihr als Unterarten: 1. praetextatae, 2. tabemariae, 3. Atellanae, 4. planipedes 
(mimus). ß) Die fabula togata wird aber gewöhnlich von den Schriftstellern für das latei- 
nische Originallnstspiel gebraucht, das zwar nach dem Muster der Palliata bearbeitet wird, 
aber auf dem italischen Leben beruht und nicht eine Atellane oder ein Mimus ist. In 
diesem Sinn verstehen fabula togata Cicero pro Sestio 55, 118, Horaz (1. c), YeUeius 2, 9, 2, 
Sueton. Nero 11, Qointil. 10, 1, 100, Gellius 10, 11, 8; 13, 8, 3, Macrobius Sat. 6, 1, 4. Diese 
spezielle fabnla togata nennt Diomedes an der obigen Stelle iabernaria. Doch erscheint 
an derselben Stelle Atta togatarum scriptor, Ueber analoge Bezeichnung der Dramen nach 
der Bekleidung der Schauspieler in der modernen Litteratur vgl. F. Scholl, Eine Tragödie 
aus Roms Kaiserzeit (Im neuen Reich 8 (1878) Bd. 2 p. 124). 

Das Wesen der fabula togata. Diomedes (Gramm, lat. 1 p. 489, 28) definiert 
die fabula tabemaria, d. h. die fabula togata im engeren Sinn, also: secunda species est 
togatarum qwu tabernariae dicuntur et humilitate personarum et argumentorum aimilitudine 
comoediia (= paüiatis) pares, in quibua non magistratus regesve ted humilea homines et 
privatae domua inducuntur, quae quidem olim quod tabulis tegerentur, communiter tabernae 
vocabantur, Festus p. 852 0. M. sagt von den Personen der tabemaria: in iis cum hominibua 
exceUentibus etiam humiles permixti sunt, fures, plagiarii, servi denique et omnes, qui ex 
tabemis honeste prodeant homines, Ueber das Hervortreten des weiblichen Elements vgl. die 
Titel und schol. Dan. zu Verg. Aen. 11, 160: in togatis vidrices appellantur, quae viros extu- 
lerunt, Ueber das Zurflcktreten des Sklavenelements vgl. Donat. zu Terent. Eunuch. Vs. 57 
(p. 280 Wessner) coneessum est in palliata poetis comicis servos dominis sapientiores fingere, 
quod idem in togata non fere licet, Th. Mommsen (Rom. Gesch. 1" p. 904 Anm.) stellt 
die Ansicht auf, dass der Schauplatz der fabula togata stets eine Stadt lateinischen Rechts 
war. Die Stadt und die BQrgerschaft Roms auf die Bühne zu bringen, sei überhaupt dem 
Lustspieldichter untersagt gewesen. .Durch die Erstreckung des Bürgerrechts auf ganz 
Italien ging den Lustspieldichtem diese lateinische Inscenierang verloren, da das cisalpi- 
nische Gallien, das rechtlich an die SteUe der lateinischen Gemeinden gesetzt ward, für den 
hauptstAdtischen Bühnendichter zu fem lag, und es scheint damit auch die fabula togata 
in der Tat verschwunden zu sein. Indes traten die rechtlich untergegangenen Gemeinden 
Italiens, wie Gapua und Atella, in diese Lücke ein und insofern ist die fabula Atellana 
gewissermassen die Fortsetzung der togata.* 

Wiedergabe der fabula togata. a) Durch Pantomimen. Plin. n. h. 7, 159 
minus miror Stephanionem, qui primus togatus saüare instituit, utrisque saectUaribus ludis 
saiiavisse, Sueton. August. 45 histrionum licentiam adeo compescuit, ut Stephanionem togar^ 



192 Titinina. T. Quinotins Atta. L. Afranins (§ 53a.) 

tarium, cui in puerilem hahitum circumtonsam matronam ministrasse compererai, per trina 
theatra virgis caesum relegaverit. ^) Durch Recitationen. Javenal. sat. 1, 3 impune 
ergo mihi recitaverit ille togatas, hie elegos? 

53 a. Die Dichter der Togata. An drei Dichter knüpft sich die 
neue Entwicklungsstufe der römischen Komödie: an Titinius, T. Quinctius 
Atta und L. Afranius. Ueber die Zeit dieser Dichter sind wir nur sehr 
mangelhaft unterrichtet. Der Tod des Atta wird von Hieronymus in das 
Jahr 77 v. Chr. verlegt; Afranius wird von Velleius Paterculus als ein Zeit- 
genosse des jüngeren Scipio und des Laelius aufgeführt; über Titinius ge- 
bricht es durchaus an chronologischen Angaben, nur aus der varronischen 
Aufzählung Titinius, Terentius, Atta hat man schliessen wollen, dass Titinius 
älter als Terentius war. Das Wirken dieser Dichter scheint in die Zeit 
nach Terenz zu fallen, denn seine an litterarischen Anspielungen reichen 
Prologe berichten noch nichts über das Originallustspiel, obwohl sich An- 
lass zur Erwähnung genugsam darbot. Allem Anschein nach liegt das 
Schaffen der drei Dichter zeitlich nicht weit auseinander. Von Titinius 
sind Titel von fünfzehn Stücken überliefert, neun davon tragen Frauen- 
namen; mehrere dieser Titel führen uns in lateinische Landstädte, wie 
die Zitherspielerin oder die Ferentinatin, die Setinerin, die Veliternerin. 
Von Atta haben wir sehr wenige Fragmente aus zwölf Stücken. In der 
Charakterzeichnung war er von Yarro neben Titinius und Terentius als 
Meister hingestellt; Fronte rühmt seine Kunst, die weibliche Rede dar- 
zustellen. Seine Stücke scheinen noch in der augustischen Zeit zum Re- 
pertoire gehört zu haben. Die reichste Tätigkeit aber auf dem Gebiet der 
Togata entfaltete L. Afranius. Die Titel von über vierzig Stücken sind 
überliefert; sie beziehen sich auf einzelne Stände wie der Haarkräusler 
(Cinerarius), der Augur, der Oberschaffner (Promus); auf Charaktere wie 
der Verschwender (Prodigus), der Heuchler (Simulans), der Wagehals (Teme- 
rarius); auf verwandtschaftliche Verhältnisse wie die Schwestern (Sorores), 
die Gatten (Mariti), die Tanten (Materterae); auf Handlungen und Vor- 
gänge wie das Verbrechen (Crimen), die Scheidung (Divortium), der Brand 
(Incendium), der Aufgefangene (Exceptus); auf Gegenstände wie der Brief 
(Epistula); auf Feste wie die Compitalien u. s. f. Gewiss eine reiche 
Mannigfaltigkeit der Stoffe. In der Ausführung hat sich Afranius von 
seinen Vorgängern entfernt; wie es scheint, tritt bei ihm die Schilderung 
des lateinischen Lebens zurück und das allgemeine Gesellschaftsbild wie- 
derum vor; wenigstens haben wir ausdrückliche Zeugnisse dafür, dass er 
sich an Menander angeschlossen hat; bekannt ist der Ausspruch bei Horaz, 
dass Afranius' Toga auch dem Menander wohl angestanden (convenisse) 
haben würde. Ferner weist Cicero auf die Entlehnungen des Afranius 
aus Menander hin; endlich liegt uns noch das Zeugnis des Dichters selbst 
vor; in dem Prolog zu den Compitalien gesteht er auf die Vorwürfe, die 
ihm wegen dieser Entlehnungen gemacht wurden, offen ein, dass er dem 
Menander manches entnommen, allein dies sei nicht bloss bei Menander, 
sondern auch bei anderen Dichtern geschehen, er nehme eben das Gute 
da, wo es zu finden sei. Und in der Tat wird einmal in den Fragmenten 
das Diktum des Pacuvius angeflihrt, dass sich nicht leicht eine treffliche 
Frau finde. Ein anderer Vers des erwähnten Prologs zu den Compitalien 



Titlniu. T. QninotlQB AtU. L. Afraniw. (§53a.) 193 

druckt seine BewoDderung fQr Terenz aug, iadem er zweifelnd fragt, ob 
man einen nennen kOnne, der sich mit diesem Dichter vergleichen lasse. 
Eb scheint aber, daas Afranius nicht bloss Einzelheiten — darunter wieder 
griechische Brocken — anderen Dichtern entlehnt hat, sondern such ganze 
Argumente; eo wird seine Thais nach der menandrischen gearbeitet sein. 
Leider ftlhrte der Dichter aach ein griechisches Laster, die Knabenliebe, 
in seine Stücke ein. Von seinen Dramen wurde der Simulans noch im 
Jahre 57 t. Chr. aufgeführt, sein Incendium noch unter Nero. Aus den 
Fragmenten der drei Togatendichter wollen wir wenigstens einige heraus- 
heben. Wie bei den anderen Komikern, so waren auch hier allgemeine 
Sentenzen dem Scherz und Spiel beigemischt. ,Den Kindern ist das Leben 
der Eltern wenig wert, die lieber von den Ihrigen gefürchtet als verehrt 
sein wollen' (Vs. 33 Af.). .Warum streben wir nach allzuviel? Das All- 
zuviel frommt niemandem' (78 Af.). In einem Fragment (298 Af.) stellt 
sich uns die Weisheit als eine Tochter des Usus und der Memoria dar. 
Unter den Qbrigen Fragmenten ragen stark diejenigen hervor, welche sich 
auf das Familienleben beziehen: eine Frau beklagt sich über ihren Mann, 
welcher ihre Mitgift verprasst (15 T.). An einer anderen Stelle machen die 
M&nner wegen der Hitgift den gehorsamen Diener der Frauen (70 T.). 
.Wie glücklich*, ruft wohl eine Frau aus (100 Af.), ,sind die Gattinnen 
auf der Bühne, die ihren Mann plötzlich durch Streit und auch durch 
Wohlwollen ins Gedränge bringen* (urgent)! Waa geschehen soll, wenn 
einer mit seiner Hure aufs Land entweichen will, wird uns Vs. 43 T. ver- 
raten. .Wer bist du, der hier in Sandalen, blossen Hauptes bei später 
Nacht dem Zug ausgesetzt unter Meiern Himmel weilt, während der Frost 
Kieselsteine spaltet?' wird einer, der sicherlich eine LiebesafiFaire hatte, 
angerufen (104 Af.). Entrüstet fährt jemand darein (161 Af.): .Einen 
Müller soll sie heiraten? Warum nicht lieber einen Konditor, damit sie 
dem Sohn des Bruders Torten schicken kann?" Auch in das Treiben der 
Handwerkerwelt fuhren manche Reste: die Walker, deren Geschäft ein 
interessantes Fragment des Titinius (Vs. 28) schildert, klagen, daas sie 
Tag und Nacht keine Ruhe haben (Va. 27); die Weberinnen werfen den 
Walkern vor: .Wenn wir nichts weben, habt ihr Walker Feierabend' 
(26 T.); ein Schuster will mit seinem Leisten seinem Gegner die Zähne 
einschlagen (419 Af.). In anmutiger Weise preisen öfters unsere Dichter 
Jugend und Schönheit: .Schön ist die Jungfrau, die halbe Mitgift nennen 
dies die, welchen die Frage der Mitgift keine Sorge macht' (156 Af.). In 
frischer Weise hebt ein Mädchen seine Eigenschaften hervor, es befinden 
sich darunter Jugend und Schönheit, die ihm, wenn es will, die Gunst der 
Männer einbringen (61 Af.). Eine arme Frau bildet sich ein, sie könne 
durch inneren Wert ersetzen, was ihr äusserlich fehlt (58 T.); allein die 
wahren Zaubermittel der Frau sind ausser der Willfährigkeit Jugend und 
und ein schönes Gesicht (378 Af.): 

Si pOMgtnt homint» deltnimentit eapi, 
Omne» kabereiU nunc amatorei anat. 
AtUu et corpu» ttnerum et morigeratio, 

Hate «int venena formotantm mulierum _ 

Mala attag ntUla deitnimettta invenit, .^^^^ 

:. vm. 1. B. Lall. IS 



194 TitinioB. T. Quinotins Atta. L. Afranios. (§ 53 a.) 

Der Togatendichter Titinius. Ghana. Gramm, lat 1 p. 241, 27 ^^i *^ o^ Varro 
de latino sermone lihro V, nüUis aliis servare convenU, quam TUinio, TererUio, Attae, 
SerenuB Sammonicna Va. 1087 (p. 155 Baehrena) alia praecepU TUini sententia necti, \ qui 
veteri elaras expressit more togatas. 

Die Togatae deaTitinina. Ea aind folgende Stücke bekannt: Barbatua, Caecua, 
Fnllonia, Gemina, Hortensiua, JnriBperita, Privigna, Prilia, Psaltria aiye Ferentinatia, Quintoa, 
Setina, 'Hbicina, Vanis, Veliiema, loaobra (aoRibbeck; Ilarubra cod.; ülubrana Mommsen). 
— Die Fragmente bei 0. Ribbeck, Gomicomm Rom. firagm., Leipz.' 1898, p. 157. 

Der Togatendichter T. Quinctina Atta, a) Hieronjm. z. J. 1940 = 77 v. Chr. 
(2 p. 135 Seh.) T. Quiniius (aoMiddlehilleneia B.YllI; vgl. A. Schöne, Anag. 1 Appendix p. 144; 
^tn^tWu« Oxonienaia n. a.) Atta teriptor tögatarum Romae maritur sepuUusque vi^ Praenestina 
ad miliar ium IL Diomedea Gramm, lat. 1 p.490, 16 togatas tabemarias in seenam dataverunt 
praeeipue duo, L, Afraniu» et G, Quintius; vgl. p. 490, 8 Atta tögatarum seriptor, Paulna 
p. 12 0. M. cUtae appeUantur, qui propter Vitium erurum aut pedum plantit insistunt et 
attingunt magia terram, quam ambulant, quod eognomen Quinetio poetae odhaeMit, ß) Horat. 
epist. 2, 1, 79 reete neene croeum flaresque perambulet Attae \ fabula »i dubitem, elament 
periiase pudorem \ euncti paene patres; vgl. dazu 0. Crnaina, Rhein. Mob. 47 (1892) p. 68. 
Fronte p. 62 Naber animadvertas particulatim elegantis, Novium et Fompanium et id genue 
in verbis ruaticanie et iocularibus ae ridieulariie, Attam in muliebribus (J. J. Gornelissen, 
Mnemoa. 1 (1873) p. 93: seurrilibus). Ueber daa Urteil Yarroa vgl. bei Titinina. 

Die Togatae des Qninctins Atta. £b aind folgende Titel bekannt: Äedilicia, 
Aquae caldae, Coociliatriz, Gratolatio, Lucubratio, Materterae, Megalenaia, Nurus, Satura, 
Socrua, Supplicatio, Tiro proficiscena. Ohne anareichenden Grund will £. Baehrene (Fragm. 
poet. Rom. p. 274) das Citat Isidor. orig. 6, 9 eicut indieat Atta in »atura auf eine Satire 
beziehen. — - Die Fragmente bei 0. Ribbeck, Gomicomm Rom. fragm., Leipz.' 1898 p. 188. 

Die Epigramme dea Quinctius Atta. Nonius p. 202, 26 M. Atta in epigram- 
matia: praeter ea tum ait reaoJuta crine capillua; hierzu bemerkt L. Malier: ,Su8pectat 
Attae nomen Mercerua, neque id immerito, cum nee Noniua quidquam praeter fabulaa 
agnoscat eiua nee aliunde constet nisi de fabulis. itaque cogitavit de TA>ulli vel, quod 
veriua, de Cinnae nomine hauato. quem secutus Quicheratua." Vgl. M. Haupt, Opuac. 3 
p. 440; E. Baehrens, Fragm. poei Rom. p. 273. 

Der Togatendichter L. Afranius. Velleiua 2, 9, 2 elara etiam per idem aevi 
apatium fuere ingenia in togatia Afranii, in tragoediia Paeuvii atque Aceii, uaque in 
graecorum ingeniorum eomparationem evecti, 1, 17, 1 dulcea latini leporia faeetiae per 
Caeeilium Terentiumque et Afranium auppari aetate nituerunt, Quintil. 10, 1, 100 togatia 
exeellit Afraniua; utinam non inquinaaaet argumenta puerorum foedia amoribua, morea auoa 
faaaua, Auaon. epigr. 67, 2 p. 214 Schenkl repperit obaeenaa vener ea vitioaa libido .... 
quam toga facundi acaenia agitatit Afrani. Vgl. Diomedes Gramm, lat. 1 p. 490, 16 (vgl. 
oben). Ps.-Acro zu Horat. de arte poet. 288 praetextaa et togataa aeripaerunt Aeliua Lamia, 
Antoniua Eufua, Cn, Meliaaua, Afraniua, Fomponiua, — F. Marx, Pauly-Wiaaowaa Real* 
encycl. Bd. 1 Sp. 708. 

L. Afranius und Menander. Cic. de fin. 1, 3, 7 locoa quoadam, ai videbitur, trana^ 
feram, et maxime ab iia, quoa modo nominavi, cum ineiderit, ut id apte fieri poaait, ut ab 
Homero Enniua, Afraniua a Menandro aolet, Macrob. Sai 6, 1, 4 Afraniua töga- 
tarum acriptor in ea togata quae Compitalia inacHbitur non invereeunde reapondena ar- 
guentibua, quod plura aumpaiaaet a Menandro, fateor, inquit, aumpai non ab iüo modo aed 
ut quiaque habuit conveniret, quod mihi quod me non poaae meliua facere credidi, etiam a 
Latino, Horat. epist. 2, 1, 57 dicitur Afrani toga eonveniaae Menandro. Nach Art dea 
Menander hatte Afraniua auch Prologe; vgl. die eben auageachriebene Stelle dea Macrobiua 
und 6, 5, 6: Afranium aequitur qui in prologo ex persona Priapi ait. Auch bezüglich der 
Titel finden wir Uebereinstimmung bezw. Uebertragungen, z. B. Thaia, Gonaobrini = "Aya^oi, 
Depositum = UaQaxaialftjxij, Incendium = 'Efjinif*nQa(j,^yij; vgl. Marx Sp. 709. 

Lateiniache Autoren bei L. Afranius. a) G. Titius. Gic. Brutus 45, 167 quem 
atudebat imitari L. Afraniua poeta, homo perargtäua, in fabulia quidem etiam, ut acitia, 
diaerttu; vgl. § 51. ß) Terentius. Vita Terenti p. 8 Wessner hunc Afraniua quidem 
omnibua comicia praefert acribena in Compitalibua 'Terenti num aimHem dicetia quempiamf 
Dass dieser Vers einer Randbemerkung seine Entstehung verdanke, ist eine ganz unwahr- 
scheinliche Annahme G. Nipperdeya, Opusc, Berl. 1877, p. 588. ;^) Pacuvius. Fragm. 7 
haut facul, ut ait Pacuviua, femina una inpenietur bona. 

Die Togatae dea L. Afranius. Es aind folgende Stücke bekannt: Abducta, 
Aequales, Auctio, Augur, Brundisinae, Ginerarius, Gompitalia, Gonaobrini, Grimen, Deditio, 
Depositum, Divortium, Emancipatns, Epistula, Exceptua, Fratriae, Ida(?), Incendium, Inimici, 
Libertus, Mariti, Materterae, Megalensia, Omen, Pantelius, Pompa, Privignua, Prodigua, Pro- 



n 



I 



Das Theatorwesen. (§ 54.) 195 

ditoB, PromuB, Prosa (?), Pnrgamentum, Repudiatos, Sella, Simolans, Sororea, Snapecta, Talio, 
Temerarias, Thais, TitaLna, Virgo, Vopiacns. — Die FragmeDte bei 0. Ribbeck, Comicomm 
Rom. fragmenta, Leipz.* 1898, p. 198. 

Das Fortleben des L. Afranias. «) Afranias im Repertoire. Cic. pro Sestio 
55, 118 cum ageretur tagata 'Simulant' (57 v. Chr.), ut apinor, caterva tcta clarissima con- 
eentione in ore inpuri hominis inminens eontionata est, Sueton. Nero 1 1 indücta Afrani 
togata (anter Nero) quae Ineendium inscribitur, eaneessumque ut seaenici ardentis domus 
supeUectUem diriperent ae sihi haberent, ß) Afranius in der Litteratnr. Fragm. 410 
arcula pUna aransarum || Catull. 18, 8 pUnus saeculus aranearum. Apoleioa apol. 12 jper- 
eleganter Äfranius hoc scriptum reliquit. In manchen Handschriften des Peä^nias wird 
der Dichter Petronins Arbiter Äfranius genannt, weil Aftranios, wie Petronins, die Knabenliebe 
dargestellt hatte; vgl. F. Baecheler, Grossere Aosg. p. 2. y) Afranias in der Philo- 
logie. Die Klaosehi seiner Cantica worden wie die des Plaatas and Naevins (von Varro) 
ontersncht; vgl. Marias Victorin. Gramm, lat. 6 p. 79, 5; A. Wilmanns, De M. Terenti 
Varronis libris grammaticis, Berl. 1864, p. 197. Gharis. Ghramm. lat. 1 p. 241, 1 spattaro 
Äfranius in Aequalibus. quam vocem frequenter apud cum positam ait Paulus i^ov^syuifAov 
r»m ssnsumque sufferrs. 

54. Das Theaterwesen. Zum VerBtändnis der dramatischen Dich- 
tung gehört, dass man ein klares Bild von ihrer Aufführung gewinnt; 
das dramatische Produkt tritt ja eigentlich nur durch die Darstellung 
in das Leben ein. Wie bei den Griechen, so war auch bei den Römern 
die dramatische Aufführung Festspiel. In der republikanischen Zeit 
sind es vornehmlich vier Feste, an denen regelmässig scenische Dai^ 
Stellungen stattfanden. Zuerst sah das uralte zu Ehren der kapitolinischen 
Gottheiten gefeierte Fest der ludi Romani (magni) eine dramatische Auf- 
führung, als Livius Andronicus im Jahre 240 eine Tragödie und eine Ko- 
mödie auf die Bühne brachte; die Festfeier fiel in den September, Leiter 
derselben waren die curulischen Aed